Farbmanagementrichtlinien und Papier

Standards Die Kategorisierung von Papier nach den ISO-Standards ist eine Herausforderung.

Standards Die Kategorisierung von Papier
nach den ISO-Standards ist eine Herausforderung. M-real macht den
Anfang und veröffentlicht Richtlinien, die das Galerie-Sortiment nach
ISO 12647-2 und den ISO-Standard-ICC-Profilen klassifizieren. Die
Ergebnisse der ICC-Profilrichtlinien von M-real basieren auf
umfangreichen Tests der Oberflächeneigenschaften, die den Punktzuwachs
beim Druck der Galerie-Papiere beeinflussen. Die Richtlinien liefern
Empfehlungen, wie ein Drucker die Galerie-Qualitäten nach seinem
Standard und den ICC-Profilen gruppieren kann. M-real gibt Hilfestellung bei der Anwendung von existierenden ICC-Profilen für den Einsatz mit Galerie-Papieren.

Freude am Forschen

Forschung Nielsen Netratings sorgt bei der Onlineforschung nach Einigung von SRG und Wemf für Unruhe.

Forschung Nielsen Netratings sorgt bei der Onlineforschung nach Einigung von SRG und Wemf für Unruhe.Letzte Woche teilten Wemf und SRG mit,
dass sich die Neue Internetforschung Schweiz (NIS) verzögere, weil die
Kosten nicht im Lot seien (siehe S. 15). Doch das ist alles. Auch ein
Streit zwischen der SRG und Nielsen Netratings, der Betreiberin des
bisherigen Internetpanels von MMXI Switzerland, behindert die Sache.

Der Hintergrund: Nielsen hatte für NIS mitofferiert, schied aber unter
anderem aus technischen Gründen aus. Die SRG glaubte damals, dass sie
das MMXI-Panel dennoch übernehmen und für die NIS umrüsten könnte.
Schliesslich war die SRG Hauptinitiantin und Hauptgeldgeberin des
Panels. Der Vertrag mit Nielsen wurde per Ende 2005 gekündigt und der
Geldhahn zugedreht.

Nielsen erwägt nun, das Panel auf eigene Faust weiterzuführen. «Derzeit
evaluieren wir, ob wir in der Schweiz weiterhin Internetforschung
betreiben wollen», bestätigt Stefan Raum, Managing Director von MMXI
Switzerland und von Nielsen Netratings Germany. Rein technisch läuft
das Panel weiter, Raum ist jetzt jedoch daran, genügend Kunden zu
finden. Bereits konnte er einige Verträge abschliessen. Und seit klar
sei, dass sich die NIS verzögere, nähmen die Anfragen zu, sagt er.

Das stellt die NIS-Partner vor eine neue Situation. Ein Datenbezug beim
MMXI-Panel kommt nicht in Frage, weil das Panel technisch nicht mit dem
NetAudit der Wemf koppelbar ist. Dies aber ist für die NIS unabdingbar.
«Wir mussten deshalb nach Alternativen suchen», sagt Markus Jufer, bei
der SRG verantwortlich für die Internetforschung. Die gefundene Lösung:
Die SRG sollte für die NIS selbst ein Panel aufbauen. «Der Auftrag ist
allerdings noch nicht erteilt», sagt Jufer. Doch die Pläne sind weit
gediehen: Schweizweit sollen 3000 Personen in 1400 Haushalten
teilnehmen. Begänne man im März mit der Rekrutierung der Panelisten,
könnte das Panel Mitte 2006 erste Monatsdaten liefern.

Möglich also, dass sich bald wieder zwei Internetpanels konkurrenzieren
– wie schon 2001 und 2002. Ob sich beide finanzieren lassen, ist aber
genauso fraglich wie damals.   

Markus Knöpfli

Hansjörg Ryser wird Chefredaktor von Stocks

Das Anlegermagazin Stocks der Verlagsgruppe Handelszeitung erhält per 1. Juni einen neuen Chefredaktor.

Das Anlegermagazin Stocks der Verlagsgruppe Handelszeitung erhält per 1. Juni einen neuen Chefredaktor. Hansjörg Ryser (41) übernimmt die Redaktionsleitung vom Wirtschaftsjournalisten Reto Lipp (45), der nach 5 Jahren als Chefredaktor zur Schweizer Grossbank UBS wechselt. Ryser ist seit 2003 Mitglied der Wirtschaftsredaktion der Sonntagszeitung und betreut den Bereich Geldberatung. Zuvor war er bei der Solothurner Zeitung Wirtschaftsredaktor und leitete die Redaktion des Nebenwerte-Journals (heute Swiss Equity Magazin). Seit 2004 besitzt Ryser auch die Lizenz als Börsenhändler an der Schweizer Börse SWX. Stocks wurde im November 2000 lanciert und hat sich unter Reto Lipp sehr positiv entwickelt, wie der Verlag mitteilt. Mit einer beglaubigten Auflage von 18’145 Exemplaren wurden im Jahr 2005 14-täglich 64’000 Leser erreicht. Fünf Jahre nach der Lancierung schrieb Stocks im Jahr 2005 damit erstmals schwarze Zahlen. Der Kioskverkauf legte im Verlauf der letzen 12 Monate um 56 Prozent zu.

Fusionieren oder sterben

US-Fernsehen Die Fusion der Sender UPN (CBS) und WB (Warner) zielt auf junges Publikum und könnte auch zum Verschmelzen der News-Abteilungen von CBS News und der Time Warner-Tochter CNN führen.

US-Fernsehen Die Fusion der Sender
UPN (CBS) und WB (Warner) zielt auf junges Publikum und könnte auch zum
Verschmelzen der News-Abteilungen von CBS News und der Time
Warner-Tochter CNN führen.Es war eine Überraschung für die gesamte
Fernsehbranche, als die Besitzer der beiden US-Networks UPN und WB Ende
Januar den Zusammenschluss der beiden «Netlets», wie sie wegen ihres
jugendlichen Alters genannt werden, ankündigten. Seit ihres Bestehens
Mitte der 90er-Jahre konnte keiner der beiden Sender im Vergleich zu
den Network-Konkurrenten ABC, CBS, NBC und Fox einen Fuss auf den Boden
bekommen. Zu hoch waren die Anlaufkosten und zu vielfältig sollte die
sich entfaltende Medienlandschaft werden.

Doch genau aus diesem Grund macht die Fusion der beiden Waisenkinder
Sinn: Beide Sender bedienen ein jugendliches Publikum, beide haben für
sich allein genommen Schwierigkeiten, sich zu etablieren. «Es war
unvermeidlich», sagt Philip Napoli, Kommunikationsprofessor an der
Fordham Universität in New York. «Sie mussten entweder fusionieren oder
eines davon einstellen.» Während UPN, das zu dem Medienimperium von
Viacom und jetzt zu dem abgesplitteten Geschäftsbereich CBS gehört,
sich vor allem auf weibliche und afro-amerikanische Zuschauer
konzentriert, produziert das Warner Brothers Network WB vor allem
Reihen für ein Mainstreampublikum, das soeben mit der Highschool fertig
geworden ist.

Das Beste aus beiden TV-Welten
Bis September werden beide Networks weiterbestehen, dann verschmelzen
sie zu einem Programm, das rund 30 Stunden wöchentlich sendet und auf
die besten Shows beider Sender zurückgreifen kann. Erfolgreich waren
bisher auf UPN vor allem die Reihen «America’s Top Model» mit
Supermodel Tyra Banks, «Veronica Mars» und «Everybody Hates Chris»,
eine Sitcom, die sich auf die Kindheitserinnerungen von Chris Rock
stützt. Auf Seiten von WB dürften die Jugend-Dramen «Gilmore Girls»,
«Smallville» und «Beauty and the Geek» überleben.

Der Deal zwischen CBS-Chef Leslie Moonves und WB Entertainment-Chef
Barry Meyer wurde in nur acht Wochen auf die Beine gestellt – ein Coup,
den beide auf ihre Freundschaft zurückführen. Die Romanze zwischen den
Medienhäusern gilt als so ungewöhnlich, dass Brancheninsider bereits
über eine mögliche Fusion der Nachrichtenabteilungen beider
Unternehmen, CBS News und der Time-Warner-Tochter CNN, munkeln. Dazu
kommt, dass der Präsident von CNN USA, Jonathan Klein, zuvor 20 Jahre
lang bei CBS News tätig war und beide Sender bestens kennt.

Als Star der Kooperation ist Leslie Moonves hervorgangen, der CBS von
dem alten Klischee, ein Rentnersender zu sein, befreit und es zum heute
erfolgreichsten Network gemacht hat. Selbst in der so begehrten
Kategorie der 18- bis 49-Jährigen ist CBS dem Marktführer ABC hart auf
den Fersen, dank anhaltend dominierender Hitshows wie «Survivor» und
«CSI».

Moonves ist sich der Bedürfnisse eines jugendlichen Publikums durchaus
bewusst: CW soll sich dadurch ausweisen, dass der TV-Content auch für
Medien verfügbar gemacht wird, die der Zielgruppe angemessen sind, etwa
durch Internet-Downloads, DVDs und iPods – eine ideale Voraussetzung,
um die Werber zu Cross-Plattform-Deals anzuregen. «Sender, die die
alternativen Medien zu ihrem Vorteil nutzen und sie für die Werbemacher
zur Verfügung stellen, werden langfristig den Nutzen davontragen»,
urteilt Michele Harris, Gründerin des Marketingunternehmens Smarti
Solutions in New York.

Das Rennen um neue Video-on-Demand-Formen, das in den USA gerade
angefangen hat, dürfte durch neue interaktive CW-Projekte noch weiter
angeheizt werden. In den letzten Monaten launchten sowohl ABC, CBS, NBC
wie auch Fox neue Distributionskanäle per Internet, Satellit und Kabel,
um ihre erfolgreichsten Shows auf diese Weise noch einmal
kostenpflichtig unters Volk bringen zu können.

Allerdings ist klar, dass Moonves nicht gerade wie ein leichtsinniger
Jungunternehmer bei seinem neuen Vorhaben vorgehen wird: Experimentiert
wird mit Projekten, die einen Profit versprechen, nicht um der reinen
Innovation willen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen: Schon im
nächsten Jahr soll das neue Programm schwarze Zahlen schreiben und sich
damit von der defizitären Vergangenheit seiner Vorgänger distanzieren.
Sowohl UPN wie auch WB generierten seit ihrer Gründung 1995 bisher
Verluste zwischen 25 und 75 Millionen Dollar jährlich.

Nicht ganz so begeistert wie viele Wall-Street-Analysten sind die
Werbung treibenden Unternehmen. «Weniger Konkurrenz heisst, dass das
Network mehr Verhandlungsmasse hat», sagt Donna Lukenbill, Media
Director bei der Media Buying Agentur Fasttrack. «Und das läuft auf
höhere Preise hinaus». Durch das Wegfallen eines ganzen Networks wird
auch die zur Verfügung stehende Werbefläche, die ein nationales
Publikum erreicht, reduziert, insgesamt etwa sieben Prozent. Manche
Industriebeobachter sehen dies jedoch nicht als allzu grossen Verlust
an. «Wenn man sich die Vielfalt in der Medienszene anschaut, dann
schrumpft die Bedeutung der Networks ohnehin», urteilt Philip Napoli.
«Ich glaube nicht, dass viele  Werbetreibende deshalb eine Träne
vergiessen werden.»

Gerti Schön

Schon seit 125 Jahren neu

Modehandel Zu ihrem Jubiläum konzentriert die Modehauskette PKZ ihre Werbeaktivitäten wieder auf das Traditionelle – das Plakat.

Modehandel Zu ihrem Jubiläum konzentriert die Modehauskette PKZ ihre Werbeaktivitäten wieder auf das Traditionelle – das Plakat. By Heart verzichtet aber auf Retro-Groove.Stoecklin, Laubi, Leupin, Cariget. Das
sind nur einige der Namen, die,  nein, nicht die Mode, sondern die
Schweizer Plakatkunst geprägt haben. Und die mit ihren Arbeiten auch
für die eigenwillige Kommunikations- kultur der 1881 von Paul Kehl
gegründeten Kleiderfabrik stehen, der heutigen Modehauskette PKZ. Seit
ihrem Ursprung bezog der Gründer – und nach seinem Tod dessen Bruder
Karl Burger – den modischen Anspruch der Marke nicht nur auf das
Kleidersortiment, sondern auch auf die Kommunikation. Um die Kundschaft
zu erreichen, suchte man andere Wege und eine eigenständige Sprache.
Dabei war weniger die ästhetische Einheit der Umsetzungen das
verbindende Element der Marke PKZ als vielmehr deren Commitment zum
damals neueren Medium und zu den oftmals noch unbekannten Künstlern.
Keiner der ganz grossen Schweizer Plakatgestalter, der nicht mit und
für PKZ gearbeitet hätte.

Kampagnen sorgsam aufbewahrt
Mit Ausnahme weniger Abstecher in andere klassische Werbemedien hielten
sich auch die folgenden zwei Generationen rigoros an diese Tradition.
Dass die Verantwortlichen von ihrer Strategie immer schon überzeugt
waren, bezeugt das eindrücklich dokumentierte Archiv der
Werbemassnahmen. Sorgfältig wurden komplette Kampagnen aus den
verschiedenen Epochen aufbewahrt – von den frühen Werbefilmen über die
Geschichte des Firmenlogos bis hin zu den Schaufenstern und Plakaten.
Dieser reiche Fundus der Werbekommunikation hat die Modegruppe zum
Jubiläum dem grossen Publikum zugänglich gemacht – virtuell
(www.papakannzahlen.ch) und reell in einer eindrücklichen Ausstellung
im Zürcher Stadthaus.

Die Herausforderung für die Kleiderkette war und ist, mit einer
Dachkampagne einerseits alle internationalen Modemarken sowie die
Eigenmarke durch einen Lifestyle zu verkörpern und andererseits eine
immer informiertere Klientel aus den breiten Alters- und
Einkommenssegmenten gleichermassen anzusprechen und zu bestätigen. Dass
die Werbe- und Mediastrategie trotz der Expansions- und
Übernahmepolitik der PKZ-Gruppe nach wie vor ihr Publikum erreichte,
war ihrer Konstanz und Selbstgleichheit  zu verdanken. Auch in
Zeiten der Fotografie hatten die Motive etwas Illustratives, das
Lebensqualität und Selbstbewusstsein ausdrückte. Dem Selbstverständnis
und Individualismus als auch dem veränderten Kaufverhalten – der Anteil
der Männer, die selbstständig ihre Garderobe zusammenstellen, hat in
den letzten beiden Jahrzehnten sehr stark zugenommen – passten sich die
Umsetzungen der Kampagnen fortlaufend an.

Stark zum Ausdruck kommt der neue Stoff, aus dem die modernen,
profilierten Männer sind, in der anlaufenden Frühling/Sommer-Kampagne,
die einer Weiterentwicklung des letztjährigen Auftritts gleichkommt.
Plakativ, einzig mit einer kontrastierenden, farbigen Headline schälen
die schwarz-weissen Close-up-Porträts von Charaktertypen den
persönlichen Touch heraus und lassen auf der Plakatfläche Textiles nur
noch erahnen. Damit wird dem Betrachter kein Modetrend, den es
heutzutage eh nicht gibt, übergestülpt, sondern die volle
Interpretationsfreiheit überlassen.

Nur der Absender – der seit 125 Jahren immer wieder neue PKZ –
empfiehlt sich als Ladenmarke für qualitativ hoch stehende Mode
verschiedener Stilrichtungen. Für die Umsetzung konnte CD Hans Siegwart
den international etablierten britischen Fotokünstler,
Magazinherausgeber und Regisseur Rankin (www.rankin.co.uk) gewinnen.
Mit seinem Prestige und hohen Anspruch gibt Rankin einen würdigen
Stammhalter der Plakatkünstlerreihe ab. Mit seiner direkten Bildsprache
dürften vor allem jüngere Segmente angepeilt werden, welche aus der
Kernzielgruppe der PKZ-Casual-Wear-Kette Blue Dog herauswachsen. Die
längst überholte «Papa kann zahlen»-Patina soll nun endgültig einem
modernen Image weichen.

Dass die Kampagne nur nachvollzieht, was Alleininhaber und VR-Präsident
Ph. Olivier Burger seit seinem Eintritt in die Firma mit
Marktanteilgewinnen und Expansion tut, liest sich auch an der
Geschäftsentwicklung ab. Trotz stagnierendem Markt, immer stärkerem
Konkurrenzkampf und Margendruck konnte das Unternehmen
(Markenbekanntheit 90%) mit seinen Ladenketten PKZ, Feldpausch, Blue
Dog und Burger wachsen.

Überproportional gewachsen
Auch im Vergleich zur grösseren gesamten Ladenfläche ist der Umsatz
überproportional auf rund 206 Millionen Franken 2005 gewachsen –
annähernd das fünffache von dem, was PKZ 20 Jahre zuvor erzielt hatte.
Die Kundenfrequenz hat sich im gleichen Zeitraum mehr als verdreifacht.
Im vergangenen Jahr kauften rund 1,1 Millionen Kundinnen und Kunden bei
der PKZ-Gruppe. Und dass die Expansionslust noch nicht gestillt ist,
erkennt man am Cashflow, der bei über zehn Prozent vom Umsatz liegt –
auch international ein Spitzenergebnis.    

Ein Must im feinen Gewand
Die Firma PKZ Burger-Kehl & Co. AG feiert dieses Jahr ihr
125-Jahr-Jubiläum. Und auf ihre umfangreiche Kampagnensammlung, die für
ein eindrückliches Stück Schweizer Werbegeschichte steht. Nicht nur die
wechselnden Modestile werden anschaulich dokumentiert. Die
verschiedenen Werbemittel und -umsetzungen illustrieren ebenso den
Wertewandel in der Männermode und in der Gesellschaft von 1881 bis
heute.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. März im Stadthaus Zürich zu besichtigen.

Luca Aloisi

Die Kontrolle aufgeben

Tom Meyvis, Marketingprofessor an der Stern School of Business New York University, über die Markendemokratisierung.

Tom Meyvis, Marketingprofessor an der Stern School of Business New York University, über die Markendemokratisierung.WW: Ist das Schlagwort von der Markendemokratisierung der neue Trend im Marketingbereich?
Tom Meyvis: Es gab schon
immer Fokusgruppen von Konsumenten, die ein Produkt testeten, aber sie
greifen jetzt schon früher in den Schaffungsprozess ein als zuvor.
Früher waren es die Ingenieure und Designer, die ein Produkt
herausbrachten und dann die Verbraucher darüber befragten. Heute fragen
die Ingenieure zuerst die Kunden und machen sich dann an das Design.

WW: Werden also die Verbraucher die neuen Produktdesigner und Marketingleute in den Unternehmen?
Meyvis: Das
halte ich nicht immer für eine gute Idee. Die Konsumenten sind nicht
immer ehrlich, wenn man sie über ein neues Produkt befragt. Da spielen
oft soziale Zwänge eine Rolle. Auch wissen die Leute häufig nicht, was
sie wollen.

WW: Muss ein Unternehmen heutzutage die Kontrolle über seine Marken aufgeben?
Meyvis: Daran
müssen sie sich gewöhnen. Wenn die Kunden enttäuscht sind von einem
Produkt, verbreitet sich das wie ein Lauffeuer. Aber es funktioniert
auch andersherum. Manche Konzerne, etwa im Computerbereich, lassen die
Kunden so gespannt auf ihr neues Laptopmodell warten, dass jedes
Detail, das durchsickert, sofort durch alle Chaträume läuft. Manche
Konzerne machen sich das zu Nutze und tun so, als wäre ein geheimes
Detail aus Versehen an die Öffentlichkeit gelangt, während in Wahrheit
ihre Maketingabteilung dahinter steckt und damit für Gesprächsstoff
sorgt.

WW: Finden
Sie es eine gute Idee, dass Kunden persönliche Fotos oder Videos
einschicken, die dann Bestandteil einer Kampagne werden können?
Meyvis: Es
kann sicherlich helfen, die Leute für ein Produkt zu begeistern, aber
man muss dann auch konsequent sein und etwas mit dem Material tun. Man
weckt damit Erwartungen und wenn die nicht erfüllt werden, tritt genau
der gegenteilige Effekt ein.

Interview: Gerti Schön

Wer soll das bezahlen?

OnlineDie Kosten für Internetforschung bereiten der Schweizer Onlinebranche Kopfzerbrechen. Doch mangelndes Geld ist nicht der einzige Grund für die erneute Verzögerung.

Online Die Kosten für Internetforschung
bereiten der Schweizer Onlinebranche Kopfzerbrechen. Doch mangelndes
Geld ist nicht der einzigeGrund für die erneute Verzögerung.
Wie viel darf die Neue Internet- forschung
Schweiz (NIS) denn kosten? Ein erster Vorschlag wäre auf 5,1 Millionen
Franken jährlich zu stehen gekommen, er wurde aber schon im letzten
Herbst verworfen. Dann stand eine zweite Version für 4,5 Millionen zur
Debatte, doch das ist der Internet-Community ebenfalls viel zu teuer.
Die NIS-Partner SRG und Wemf sind nicht zu beneiden. Offenbar besteht
kein Budgetrahmen. Andererseits sind SRG und Wemf auch nicht in der
Lage, zu sagen, wie viel die erneut geplanten Kostensenkungen ausmachen
werden. Es gilt deshalb zu befürchten, die NIS-Baustelle könnte bis
weit über den März hinaus bestehen bleiben.

Am Grundsätzlichen wird nicht gerüttelt: Um eine aussagekräftige
Onlinereichweite zu erhalten, stützt man weiter auf das AGOF-Modell
(AGOF = Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung) aus Deutschland, das auf
drei Säulen beruht: Eine Messung der Zugriffe auf Websites
(site-centric), analog dem Net Audit der Wemf, bildet die erste Säule,
eine Onsite-Befragung mittels Onlinefragebogen (user-centric) stellt
die zweite und eine bevölkerungsrepräsentative Telefonbefragung die
dritte Säule dar.

Der Nachteil des AGOF-Ansatzes: Für eine Internetnutzungsforschung, die
auch Aussagen über das Streaming und andere künftige Entwicklungen
punkto Medienkonvergenz machen kann, taugt er nicht. Dazu ist ein
Panel, das die Internetnutzung sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz
misst, unabdingbar. Und weil die Wirtschaft, vorab die SRG, aber auch
Banken und Detailhandel, solcher Daten bedürfen, ist auch ein Panel
Pflicht. Idealerweise eines, das sich technisch mit der
site-zentrischen Messung (in der Schweiz: Net Audit) koppeln lässt, so
dass per Datenfusion ein Gesamtbild der Internetnutzung möglich würde.

Keine Abstriche beim Net Audit
Doch aus Sicht des Werbemarktes ist ein Panel nur Nice to have, darum
wollen es die Sitebetreiber nicht mitfinanzieren. Als mögliche
Geldgeber verbleiben die Wirtschaft und wie bisher die SRG. Darum
werden Einsparungen vor allem im Panelbereich ins Auge gefasst. Die
konkreten Möglichkeiten erläutert Markus Jufer, Leiter
Internetforschung bei der SRG, wie folgt: Statt wie vorgesehen zwei
Panels zu betreiben, ein kleines für die reine Heimnutzung und eines
für die Home- und Work-Nutzung, könnte man sich auf ein kombiniertes
Panel beschränken und dieses zudem punkto Teilnehmerzahl verkleinern.
Keine Abstriche sind dagegen beim Net Audit geplant. Es wären gar noch
Verbesserungen nötig, ergänzt Wemf-Forschungsleiter Harald Amschler:
Künftig müsse beispielsweise unterschieden werden können, ob vom In-
oder vom Ausland her auf die Websites zugegriffen werde (was heute
nicht feststellbar ist). Hingegen liesse sich der Publikationsrhythmus
dieser Daten von vier- auf zweimal jährlich reduzieren. Wahrscheinlich
ganz zurückgestellt wird zudem die Datenfusion, sie ist bei Bedarf aber
später noch möglich. All dies muss bis März neu offeriert, nochmals
durchgerechnet und wiederum der Internetbranche vorgelegt werden. Ende
März, so hofft man, steht fest, ob der NIS-Karren ins Rollen kommt.

Die SRG gehört ins Boot
Doch die Kosten sind nur eines von mehreren denkbaren Hindernissen.
Nielsens Parallelaktivitäten komplizieren die Sache ebenfalls (siehe
Bericht auf der Frontseite). Denn noch ist offen, ob die SRG genügend
Kunden für das neue Panel findet. In der Branche ist man zwar
zuversichtlich. Wer Internetforschung betreiben wolle, müsse die SRG
mit im Boot haben, heisst es. Doch auch die Websitebetreiber selbst
könnten noch das Anrollen des NIS-Karrens behindern, denn sie sind kaum
organisiert. Deshalb appellieren Wemf und SRG an sie, endlich einen
Verband zu gründen – damit klare Ansprechpartner definiert werden und
damit die Szene in die Verantwortung eingebunden werden kann. Auch
finanziell. So ist vorgesehen, dass sich der zu gründende Verband – so
er denn zu Stande kommt – neben SRG und Wemf als dritter Partner an der
NIS-Firma beteiligt.   

Markus Knöpfli

Wem gehört das MMXI-Panel?

Fünf Jahre lang hat das MMXI-Panel Monat für Monat
Internetnutzungsdaten geliefert, doch damit ist seit dem 31. Dezember
2005 offiziell Schluss. NielsenNetratings erwägt die Weiterführung des
Panels (siehe Bericht auf der Frontseite), doch gehört es Nielsen? «So
gefragt kann ich das bejahen», sagt Stefan Raum, Managing Director bei
MMXI Switzerland. «Das ist offen und wurde noch nicht verhandelt», sagt
dagegen Peter Hofer, Geschäftsführer beim Forschungsinstitut IHA-GfK,
das bis vor kurzem Eigentümerin der Firma MMXI Switzerland war (siehe
Kasten). «Es ist momentan unklar, wer die Rechte an den Daten hat und
ob Nielsen berechtigt ist, welche zu verkaufen», sagt Markus Jufer von
der SRG.

Das Panel besteht im Wesentlichen aus drei Dingen, auf die je
Besitzansprüche geltend gemacht werden könnten. Da sind zum einen die
schriftlichen Verträge mit den Panelteilnehmern, dann die auf den
Privat-PCs installierte Messsoftware samt Auswertungstechnik und
schliesslich die erhobenen Daten. Unbestritten ist einzig, dass Nielsen
die ganze Technik stellt.

Fakt ist: Das Panel liefert derzeit weiterhin Daten, längerfristig
müssten aber neue Panelisten rekrutiert werden, und das ist teuer.
Zudem verfügt das Panel über keine Daten für die Grundgesamtheit der
Internetnutzer mehr, diese bezog MMXI Switzerland von der SRG. Ersatz
ist zwar möglich, aber teurer als bisher. Drittens stünde schon Mitte
Februar die Veröffentlichung der Januar-Daten an. Nielsen muss sich
also bald entscheiden. «Die Zeit drängt», bestätigt auch Raum. (mk)

Handänderung bei MMXI Switzerland

Das zur deutschen GfK-Gruppe gehörende Forschungsinstitut IHA-GfK in
Hergiswil hat die Firma MMXI Switzerland GmbH per Ende 2005 an
NielsenNetratings verkauft.

Die IHA-GfK besass die Firma zu 100 Prozent, faktisch aber lag die
operative Führung in den letzten drei Jahren beim Panelproduzenten
NielsenNetratings, der nicht nur die gesamte Technologie stellte,
sondern auch das Panelmanagement von Grossbritannien aus betrieb.

Mit dem Auslaufen
des Produktionsauftrages war somit für die IHA-GfK
der Zeitpunkt zum Ausstieg gekommen, sagt IHA-Geschäftsführer Peter
Hofer. (mk)

«Unser Durchschnittskunde ist heute 37»

Ph. Olivier Burger, Alleinaktionär der PKZ-Gruppe, über den Erfolg seiner Modeketten und Werbestrategie.

Ph. Olivier Burger, Alleinaktionär der PKZ-Gruppe, über den Erfolg seiner Modeketten und Werbestrategie.WW: Wie erklärt sich der Erfolg der PKZ-Gruppe aus Markom-Sicht?
Ph. Olivier Burger: Als
Modeunternehmen wussten wir uns immer wieder dem Zeitgeist anzupassen,
wenn nicht sogar zu antizipieren. PKZ startete als erster
Konfektionshersteller der Schweiz, eine Revolution für damals. Auch
orientierten wir uns laufend an den sich verändernden
Konsumentenbedürfnissen. Wie dicht wir immer am Zeitgeist waren,
widerspiegelt sich in der Kommunikation nach aussen. Das kann man
gegenwärtig in der Ausstellung nachvollziehen. Da sieht man, wie PKZ
Mode zur Zeit des Ersten Weltkriegs, in den Goldenen 20er-Jahren oder
viel später während der Ölkrise präsentierte und verkaufte. Der
langfristige Erfolg hing vor allem von drei Faktoren ab: Anpassung an den Zeitgeist, ein starkes
Profil nach aussen und beste Arbeit an der Front durch ständige
Schulung unserer Mitarbeitenden.

WW: Und wenn man die letzten zwei Jahrzehnte betrachtet?
Burger: Nebst
dem Ausbau der Unternehmung war der Aufbau eines modernen und
attraktiven Images wichtig. Als ich 1984 bei PKZ einstieg, lag das
Durchschnittsalter der Kundschaft bei 50, heute liegt es bei 37.
Grundgedanke war immer: Wie besteht man in einem kleinen Markt wie die
Schweiz gegen international operierende Konkurrenz? Die Lösung lag im
Ausbau des Ladennetzes bei gleich grossem Overhead, um von den
Skaleneffekten zu profitieren: reduzierte logistische Kosten,
günstigere Preise, mehr Umsatz. Dabei sind wir bei unserer
Kernkompetenz geblieben, sprich: Mode.

WW: Wie hat sich diese positive Entwicklung auf das Marketingbudget ausgewirkt?
Burger: Unsere
Ausgaben für Werbung haben wir praktisch konstant bei gut 4,5 Prozent
des Umsatzes gehalten. In den Jahren mit mehreren Ladeneröffnungen
waren es natürlich etwas mehr. Aber die Werbeinvestitionen lagen immer
in diesem Rahmen. Im nationalen wie im internationalen Vergleich sind
wir damit deutlich über dem Durchschnitt.

WW: In
Ihrer Branche sind Sie fast der Einzige, der sich so stark auf das
Plakat konzentriert. Mehr aus Tradition oder aus Überzeugung?
Burger: In
unserer Firmengeschichte ist das Plakat sicher ein wichtiger
Werbeträger. Sehr häufig wurde ein Medium in einem anderen verwendet,
was aus heutiger Sicht sicher überholt ist. Zum Beispiel wurde der
PKZ-Prospekt in einem Werbefilm animiert und auf einem Plakat wieder
aufgenommen. Häufig ging die Idee tatsächlich vom Medium Plakat aus und
fand dann in verschiedenen anderen Werbeträgern bis hin zum
Schaufenster ihre direkte Umsetzung. Selbst diese sind in der
Ausstellung stark vertreten. Daran erkennt man, wie stolz die Leute auf
ihre dekorative Arbeit bei PKZ waren. Der Unterschied zu heute ist,
dass man früher mit rund fünf Prozent des Umsatzes in allen Medien
gleichzeitig präsent sein konnte.

WW: Das ist heute wohl nicht mehr möglich.
Burger: Die
Kosten in der Werbung sind überproportional gestiegen. Weil eine breite
und auffallende Kampagnenpräsenz für unser Unternehmen wirtschaftlich
keinen Sinn macht, konzentrieren wir uns tatsächlich seit zwei Jahren
stark auf das Schwerpunktmedium Plakat und auf unsere selbstständige
Zeitschrift Adress, die adressiert an 20 Prozent der Schweizer
Haushaltungen geht. Dort schalten wir unsere – notabene bezahlten –
Inserate.

WW: Wie wichtig ist diese Lifestyle-Zeitschrift für die PKZ-Gruppe?
Burger: Etwa 40 Prozent von unserem Kommunikationsvolumen fliesst in Direct-Marketing-Mittel, inklusive Adress-Anzeigen.

Interview: Luca Aloisi

Fotorotar übernimmt Teilbereich von Trüb

Druck Das Unternehmen Fotorotar AG in Egg ZH übernimmt rückwirkend per 1. Januar 2006 die Geschäftseinheit Wertpapier der Firma Trüb Druck AG.

Druck Das Unternehmen Fotorotar AG in Egg
ZH, welches sich im Segment Sicherheitsdruck seit Jahren auf die
Herstellung von Wertschriften und Wertpapieren spezialisiert hat,
übernimmt rückwirkend per 1. Januar 2006 die Geschäftseinheit
Wertpapier der Firma Trüb Druck AG. Für Trüb in Aarau ist der Entscheid
ein konsequenter Schritt im Rahmen einer Fokussierung auf das
Kerngeschäft. Trüb will seine führende Stellung als Kartenhersteller
und Personalisierer weiter ausbauen. Der Entscheid hat keine
Entlassungen zur Folge; in der Einheit Wertpapier beschäftigte
Mitarbeitende erhalten eine neue Aufgabe innerhalb des Unternehmens.

Jung von Matt/Limmat verstärkt Online-Kommunikation

Seit Januar steht Jan Schmocker der Web-Unit Frontend von Jung von Matt/Limmat vor.

Seit Januar steht Jan Schmocker der
Web-Unit Frontend von Jung von Matt/Limmat vor. Mit diesem Schritt soll
die Positionierung der Agentur im Bereich der Online-Kommunikation
gestärkt werden, wie die Netzwoche meldet. Schmocker war seit letztem
April als Creative Director bei der Internetagentur Unic Internet
Solutions tätig. Er gründete zuvor das Unternehmen Scopo Intermedial,
das später in Pixelpark (Schweiz) eingegliedert wurde. Bei Pixelpark
blieb Schmocker drei Jahre lang als leitender Creative Director.

SF: «Schöni Uusichte» mit zweiter Staffel

Das Schweizer Fernsehen gibt eine zweite Staffel der Sitcom «Schöni Ussichte» in Auftrag.

Das Schweizer Fernsehen gibt eine zweite
Staffel der Schweizer Sitcom «Schöni Ussichte» in Auftrag. Die Sitcom
wird augrund der positiven Zuschauerresonanz und der konstanten
Marktanteile von rund 32% weiter entwickelt, wie es in der Mitteilung
heisst. Autor bleibt Domenico Blass, der bereits für die ersten 13
Folgen verantwortlich zeichnet. Alle Episoden werden im Studio
Oberuster hergestellt. Ausführende Produktionsfirma ist die Videcom AG
mit Sitz in St. Gallen. Nach mehrjährigem Unterbruch hat SF letzten
Herbst erstmals wieder eine eigenproduzierte Sitcom ins Programm
aufgenommen. «Schöni Uusichte» ist die fünfte SF-Sitcom. Die Folgen der
zweiten Staffel werden im Herbst 2006 ausgestrahlt.

Auf Trendpirsch in Frankfurt

Papier I An der Fachmesse Paperworld treffen sich vor allem Anbieter und Wiederverkäufer aus dem Office-Umfeld. Hier wird angeboten, was sich morgen zum Trend entwickeln soll.

Papier I An der Fachmesse Paperworld
treffen sich vor allem Anbieter und Wiederverkäufer aus dem
Office-Umfeld. Hier wird angeboten, was sich morgen zum Trend entwickeln soll. Während es bei den Anbietern von
Schreibtischzubehör und Herstellern von Briefschaften auf der
diesjährigen Paperworld lebhaft zu und her ging, waren die von den klassischen Papierproduzenten und -händlern gebuchten Hallen 
deutlich schwächer besucht. Das mag damit zusammenhängen, dass einige
der führenden Papierhersteller nicht oder nicht mehr an der
diesjährigen Fachmesse teilnahmen. So unterstreichen die zumindest am
zweiten Messetag schwach besuchten Frankfurter Messehallen die Krise,
in der sich viele grosse Papierproduzenten derzeit offenbar befinden.

Papierproduzenten unter Druck
Vermutlich hat sich die Verflachung des Umsatzwachstums in der
Papierindustrie auf das Interesse der Aussteller an Fachmessen
übertragen. Dazu machen viele Papierhersteller derzeit vor allem durch Preisaufschläge auf sich
aufmerksam: Als aktuelles Beispiel hat Sappi einen Tag nach Torschluss
der Paperworld bereits eine fünfprozentige Preiserhöhung für holzfrei
gestrichene Papiere auf Februar 2006 angekündigt. Andere Hersteller haben bereits an der
Preisspirale gedreht, die vor allem auf gestiegene Rohstoffkosten
zurückzuführen ist. Gemäss auf der Messe geführten Gesprächen wollen
auch Stora Enso und UPM, die beiden weltweit grössten Papieranbieter,
ihre Preise erhöhen. Papierpreiserhöhungen scheinen damit ein
eindeutiger Trend zu sein.

Office-Papier neu verpackt
Neben den verhaltenen Wachstumsaussichten gab es von den
Papierproduzenten auch erfreuliche Entwicklungen zu vernehmen. Wohl
weil es bei den Office-Papieren nichts oder nicht mehr viel zu
verbessern gibt, steht hier einmal mehr
Convenience/Verbraucherfreundlichkeit im Vordergrund. Waren es im
letzten Jahr noch die unter anderem vom Papierproduzenten M-real
vorgestellten, gepolsterten Tragebänder, so ging es in diesem Jahr
unter anderem dem Einschlagpapier an den Kragen. Der Konzern Mondi
Business Paper hat eine «CleverOpen» genannte Verpackung vorgestellt,
die sich in Rekordzeit öffnen lassen soll. Die durchsichtige und
biologisch vollständig abbaubare Kunststoffverpackung umhüllt je 500
Blatt A4. «Wir werden CleverOpen zunächst für die Produkte Color Copy,
IQ selection smooth, IQ Triotec premium, Maestro supreme und Maestro
Triotec extra verwenden», erklärt Kerry Crandon, Communications Manager
bei Mondi Business Paper.

Papierproduzent UPM setzt bei der direkten Verpackung weiter auf
Papier, geht dafür bei der Umverpackung neue Wege. Statt Karton wurde
ein vollständig recyclier- und zusammenfaltbares Papier entwickelt, das
mehrere Vorteile in sich vereint: Zum einen ist die an der Paperworld
lancierte, mittels Aufreissband einfach zu öffnende Umverpackung
«SmartWrap» besonders reissfest, zum Zweiten kann sie durch ein
spezielles Einschlagverfahren mit einer Hand und ohne zusätzliche
Tragebänder getragen werden, und zum Dritten entsteht deutlich weniger
Abfall. Auf die Gründe für die Entwicklung von SmartWrap angesprochen,
erklärt Martina Schürmann, Marketing Manager Graphic & Office
Papers bei UPM: «Convenience bei den Umverpackungen liegt im Trend. Das
Transportieren oder Nachfüllen von Papier muss so einfach wie möglich
ablaufen.» Als weiteren Trend nennt sie die zunehmende Nachfrage nach
Multifunktions- und Spezialpapieren für den Heimanwender: «Die
Verbraucher verlangen ihre Fotopapiere etc. zunehmend in kleineren
Packgrössen (50 Exemplare) und in immer unterschiedlicheren Formaten.»
Die Konsumenten seien hier vor allem für Add-Ons wie Schlüsselanhänger
und dergleichen oder Verpackungen mit 550 statt 500 Blatt sehr
empfänglich.

Edle Briefschaften
Visuell aufgefallen sind an der Paperworld vor allem die edlen
Papierausstattungen und Briefschaften, ebenso in Samt gebundene
Agenden, Tagebücher und dergleichen. Exklusive Produkte scheinen
zeitlos zu sein. Präsentiert wurden die Ausstattungen zum Teil in
Schaufenstern, die in ihrer Anmutung edlen Schmuckgeschäften
nachempfunden waren. Der Bogen spannte sich von klassischen, dezenten
Motiven/Sujets bis zu modernen und mit Comicelementen versehenen
Produkten. Auf einer kleinen Sonderausstellung innerhalb dieses
Schreibpapiersektors wurden Trends vorgestellt – neben vielen in
Schwarz und auch Rot konzipierten Büroartikeln waren dort auch
Utensilien in sehr bunten Farbkompositionen zu sehen.

Papier und das Internet
Dass sich ausgerechnet ein Anbieter von Papieren ganz besonders im
Internet engagiert und hier gar eine Plattform etablieren will, mag auf
den ersten Blick verwundern. Doch geht es dem Feinstpapieranbieter
Römerturm nicht um Überzeugungsarbeit für einen Bedruckstoff. Vielmehr
will das Unternehmen mit seiner im letzten Oktober lancierten Website
Paperlounge.de eine Möglichkeit anbieten, damit sich Interessierte über
Papier, Veredelungstechniken und dergleichen informieren und
austauschen können. Silvia Wiener, Category Manager bei Römerturm: «Von
einer Kundenbefragung wissen wir, dass es keine neuen Papiere mehr
braucht. Vielmehr ist Wissen und sind Informationen gefragt, wie man
mit den vorhandenen Papieren umgehen und was man damit alles
realisieren kann.» Für den Wissensaustausch via Internetportal
Paperlounge.de ist dann eine Mitgliedschaft oder kostenpflichtige
Vollmitgliedschaft notwendig, deren Kosten jedoch bei
Papierbestellungen in Abzug gebracht werden können. Mitglieder erhalten
dann zum Beispiel ein Argumentarium, um einen höheren Papierpreis zu
relativieren, oder finden Adressen von Anbietern/Firmen, die sich auf
Veredelungstechniken, Mehrfarbendruck etc. spezialisiert haben, oder
erfahren etwa Neuigkeiten über Events aus der Designszene. Auch das
zukünftige Schweizer Pendant Paperlounge.ch existiert bereits, enthält
derzeit aber noch den gleichen Inhalt wie die deutsche Plattform. «Wann
und ob die Schweizer Paperlounge offiziell an den Start geht, ist
derzeit noch offen», erklärt Silvia Wiener.

Papierhersteller Gmund setzt schon lange auf das Internet – dort
aber mehr auf einen Webshop mit üblichen Möglichkeiten. Im Zentrum des
bayrischen Papierproduzenten stand daher an der Paperworld die
umfassende Papierberatung auf bodenständige, bayrische Art. Hier macht
dem Papierspezialisten Gmund wohl kaum jemand etwas vor. Gmund nutzte
die Paperworld unter anderem zur Promotion der Papierkollektion
Savanna, die mit warmen Erdtönen und Holzfarben auffällt. «Erstmals ist
es einem Papierproduzenten gelungen», so die Presseverantwortliche Maxi
Gohlke zu Savanna, «eine Holzprägung zu realisieren, die echten
Holzcharakter hat.» Obs ein Trend wird?

Jürgen Franck

Paperworld 2006
Die Business-to-Business-Fachmesse Paperworld wird zusammen mit der
Beauty- und Christmasworld jährlich im Januar ausgerichtet. Sie nimmt
innerhalb dieser drei Segmente auf dem Frankfurter Messegelände die bei
weitem grösste Ausstellungsfläche ein. Der Bogen der von den
Ausstellern immer wieder wunderschön und teils exklusiv präsentierten
Produkte spannt sich von Schreib- und Zeichengeräten über Schulbedarf,
Office-Accessoires bis hin zu Büropapieren.

Mehr als 106 000 Besucher aus 75 Ländern besuchten die diesjährige
Paperworld, die auch im kommenden Jahr zwischen dem 24. und 28. Januar
wieder in Frankfurt stattfinden wird. (jf)

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