Mitte März erfolgt der Softlaunch von Betty TV in der Deutschschweiz. Wie der Chef von Betty, Daniel P. Gauchat, am Freitag der Presse mitteilte, werde man mit 4’000 Testbenutzern starten. Verträge bestehen bereits mit dem Schweizer Fernsehen, welches die Fernbedienung für mehr Spass beim Fernsehen erst mal auf SF2 testen will, bevor einzelne Gefässen auf SF1 an die Reihe kommen. Kurz vor Vertragsabschluss stehe man mit den Sendern der RTL- und ProSiebenSat1-Gruppe. Über 25 Werbepartner konnten auch bereits für den Softlaunch gewonnen werden. Via Display der Fernbedienung Betty lassen sich Probefahrten für Autos promoten, die gerade im Programm zu sehen sind, oder Umfragen und Direkt-Marketing-Aktivitäten auf dem Sofa vor dem Fernseher anpreisen – mit 160 Zeichen. Der werbliche Teil soll 30 Prozent des Betty-Einsatzes von ca. 10 Mal pro Stunde nicht überschreiten. Für kostenpflichtige Mehrwertdienste sind 20 Prozent reserviert, 50 Prozent widmen sich dem gerade zu sehenden Programm. Die Bettys sind einzeln steuerbar, Zielgruppen können zurzeit geografisch oder programmbezogen angesprochen werden. So kann bei letzterem etwa zum eigenen TV-Spot eine Zusatzfrage gestellt oder ein Produktmuster angeboten werden. Dabei ist das System intelligent genug, derselben Betty nicht das gleiche Angebot wieder und wieder zu liefern, einmal den Knopf gedrückt, ist Schluss. Gedacht wurde sowohl an die Abfrage der Einwilligung vor jedem Übertragen persönlicher Daten (Permission) wie auch an eine selbst steuerbare Limite und einen Pin-Code-Schutz, damit nicht plötzlich die Schuldenfalle droht. Das Bezahlen der Kleinbeträge geschieht nämlich einfach über die Fixnet-Abrechnung.
Daniel P. Gauchat ist zuversichtlich, dass Betty die gewünschte Nachfrage generieren wird. „Türen sind eigentlich offen, wenn man bei den Werbern mit neuen Kanälen kommt“, meinte er. Mit der Betty, so hat man im Feldtest in Deutschland mit 600 Teilnehmenden ermittelt, lassen sich bis zu 30 Prozent Responseraten erzielen, beim Format Quiz liegt die Spitze sogar bei 70 Prozent. Das Anreizsystem der „Sofameilen“ kommt ebenfalls gut an. Richtige Antworten geben Punkte und die können gegen auf der Website einsehbare Benefits eingetauscht werden. Angesprochen durch Betty fühlen sich vor allem über 35-Jährige. Und, was der Feldtest auf Pro7, Sat1, N24 und Kabel1 ebenfalls zeigte, lässt sich eine leichte Tendenz zu Marktanteilssteigerungen der Sendungen feststellen, bei denen Betty zum Einsatz kam.
Ab Mai soll Betty im grossen Stil in den Verkauf kommen, als Verkaufsstellen sind bereits Swisscom-Online-Shops dabei, mit Media Markt und anderen grossen Verteilern sei man in Gesprächen. In den ersten 6 bis 12 Monaten nach Start wolle man die 100’000er-Grenze überschreiten, anvisiert ist das Potenzial von einer Million Betty NutzerInnen, so Gauchat. Und auch eine weitere Vision würde er gerne verwirklichen: Die Familien-Betty, bei der dann jedes Familienmitglied eine eigene Betty habe. Der Name Betty für die interaktive Fernbedienung hat übrigens nichts mit Betty Bossi zu tun, sondern ist ein Wortspiel aus „better“ und dem englisch ausgesprochenen „TV“.
Kathrin Fischer