Vermehrt das Ausland im Fokus
Aussenwerbung Trotz Stagnation im Heimmarkt und Minus in Osteuropa: Affichage verdiente 2005 mehr.
Affichage die Firmen- akquisitionen kosten, die sie im letzten Jahr
tätigte. Damit wendete sie für vier Zukäufe, die alle im Ausland
erfolgten, nicht nur 42-mal mehr Geld auf als noch im Vorjahr, der
Betrag macht auch gleich zwei Drittel der gesamten
Affichage- Investitionen 2005 aus. Eingekauft hat Affichage vorab die
Churchill-Gruppe, die in Rumänien 1500 Plakatstellen besitzt. Weiter
übernahm der Aussenwerber 60 Prozent von La Strada in Griechenland
(Grossflächen), weiter die kleine Publifutura in Norditalien, mit der
man Richtung Mailand wachsen will, sowie den Nischenplayer Visiorama in
Liechtenstein, der im Bereich Bergbahnen tätig ist.
Diese Investitionen zeigen vor allem eines: Auch nach dem Rückzug von
Affichage aus dem Bieterverfahren um die Deutsche Eisenbahnreklame
(DERG) ist der Schweizer Aussenwerber weiterhin gewillt, sein
Tätigkeitsfeld im Ausland auszuweiten. Mittelfristig soll das
Auslandgeschäft bei Affichage 25 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen,
sagte CEO Christian Kauter an der Bilanzpressekonferenz vom 28.
Februar. Das bisherige Osteuropa-Engagement im Rahmen von Europlakat
International (EPI), einem Joint Venture mit JCDecaux, trägt heute rund
10 Prozent zum Affichage-Umsatz bei.
Trotz der hohen Investitionen hatten all die neuen Zukäufe noch kaum
Einfluss auf den Umsatz der Affichage-Gruppe, weil sie entweder (noch)
sehr klein sind oder aber weil die Akquisitionen von La Strada und
Churchill erst per Ende 2005 getätigt wurden. So war der Umsatz der
Affichage-Gruppe insgesamt mit minus 1,2 Prozent leicht rückläufig, was
auf zwei Gründe zurückzuführen ist: Der Verkaufserlös in der Schweiz
ging um 0,3 Prozent zurück, und auch der Ertrag von EPI reduzierte sich
um 8 Prozent. Beide Rückgänge sind jedoch buchhalterisch bedingt – auf
Grund der Umstellung bei der Rechnungslegung von Swiss GAAP FER auf
IFRS. Nach bisherigem Standard wäre Affichage im Heimmarkt mit +0,4
Prozent stabil geblieben, während EPI um 6,4 Prozent hätte zulegen
können. «EPI war 2005 unser Wachstumsgebiet», betonte denn auch
Christian Kauter. Ob rückläufiger oder gesteigerter Umsatz: Das
Konzernergebnis konnte Affichage jedenfalls steigern, und zwar um 5,5
Prozent auf 22,1 Millionen Franken.
Wieder rosiger sind die Aussichten für 2006: Bei EPI rechnet Affichage
mit einem Umsatzplus von 5 Prozent, zudem stehen in den Hauptstädten
von Bulgarien und Rumänien dieses Jahr Stadtverträge zur Ausschreibung
an. In Sofia wird EPI an der Ausschreibung teilnehmen, in Bukarest
tritt Affichage selbst an, kann jedoch auf JCDecaux und dessen
Sortiment in Sachen Städtemobiliar zählen.
Auch in der Schweiz will der Aussenwerber wachsen, doch an
Marktanteilsgewinne im klassischen Aussenwerbemarkt glaubt Kauter
nicht. Darum hat er sein Auge auf neue Bereiche geworfen. Welche dies
sind, will der CEO jedoch nicht preisgeben. So oder so, dieses Jahr
rechnet er im Heimmarkt mit einem Umsatzplus von etwa 2 Prozent.
Auf die Generalversammlung im Mai hin stehen im Verwaltungsrat von
Affichage zudem zwei Änderungen an: Als Nachfolger des verstorbenen
VR-Präsidenten Jean-Philippe Maitre wird der Rechtsanwalt Klaus Hug
vorgeschlagen. Hug war persönlicher Mitarbeiter von Bundesrat Kurt
Furgler, Mitglied der Wettbewerbskommission und Präsident des
Schweizerischen Kaufhausverbandes. Vom letzten Mandat wird er sich
dieses Jahr jedoch trennen. Vorgeschlagen wird der GV ferner, Christian
Kauter ebenfalls als Mitglied und Delegierten des VR zu wählen.
Markus Knöpfli
