Autor: admin
Clus wirbt für Stadttheater Chur
Die Churer Werbeagentur Clus kommuniziert die Neuorientierung des Stadttheaters Chur.
einem Pitch-Gewinn ab sofort das Stadttheater Chur. Das Bündner
Theaterhaus plant sich unter dem neuen künstlerischen Leiter Markus
Luchsinger neu auszurichten: Vom Gastspielbetrieb zum eigenständigen
Koproduktionshaus mit klarem künstlerischen Profil. Clus wird die
Neuorientierung nach Aussen kommunizieren, erste Umsetzungen sind ab
Sommer zu sehen.
SF mit neuem Konzept für Arena
In der Politsendung soll eine verkleinerte Teilnehmerrunde, ein hufeisenförmiges Pult und eine leicht verkürzte Sendedauer für dynamischere Diskussionen sorgen.
Europas beste Zeitungsmacher tagen in Wien
Vom 14. bis 16. Mai findet in Wien der 7. European Newspaper Congress statt – dieses Jahr unter dem Titel „Europas beste Zeitungsmacher.
European Newspaper Congress statt – dieses Jahr unter dem Titel
„Europas beste Zeitungsmacher: ihre Konzepte, ihre Ideen“. Erwartet
werden mehr als 300 Chefredakteure und Führungskräfte aus Verlagen.
Programmhighlights bilden die Referate von Marc Porter
(Creative-Director, The Guardian), Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur,
Die Zeit) und Peter Rothenbühler (Chefredakteur, Le Matin). Weitere
Informationen sind auf www.editorial-design.com zu finden.
Ringier Print Adligenswil AG wird Esprix-Preisträger 2006
Nach 2004 erreichten die Zeitungsdrucker von Adligenswil in diesem Jahr erneut den Final um den «Esprix», den anspruchsvollen Schweizer Qualitätspreis für Business Excellence.
Die Auszeichnung würdigt die vorbildliche Entwicklung und Pflege geschäftlicher Partnerschaften. Anlässlich des Forums für Excellence im Kultur- und Kongresszentrum Luzern sind heute, am 2. März 2006, unter den fünf Finalisten ein Award-Gewinner und drei Preisträger ausgezeichnet worden.
Der Preis wurde auch für das Partnerschaftskonzept verliehen, das mit seinen ausgeprägten Win-win-Effekten zu den Kernelementen der Unternehmensstrategie gehört. Das Beziehungsnetz der Adligenswiler Zeitungsdrucker wird durch die Geschäftsleitung und die Führungskräfte aus den Bereichen aufgebaut und gepflegt. Diese setzen sich für die Gewinnung, Erhaltung und Verbesserung eines guten Images als Geschäftspartner bei Kunden und Lieferanten sowie als bedeutsamer und umweltbewusster Arbeitgeber in der Agglomeration der Stadt Luzern ein.
Geschäftsführer Andreas Schaffner nahm Preis und Anerkennungsurkunde zusammen mit seinem im Vorjahr pensionierten Vorgänger Karl Lehmann entgegen. Als Finalisten, Preisträger und Award-Gewinner werden jährlich jene Unternehmen ausgezeichnet, die sich den Anforderungen des Excellence Modells stellen und bei der Bewertung hervorragende Ergebnisse erzielen. Das diesjährige Forum für Excellence besuchten über 1000 Teilnehmer aus der Schweizer Wirtschaft.
Wirtschaftswoche erscheint künftig montags
Das deutsche Magazin Wirtschaftswoche wechselt den Erscheinungstag: Ab 6. März kommt die Zeitschrift montags statt donnerstags heraus.
wechselt den Erscheinungstag: Ab 6. März kommt die Zeitschrift montags
statt donnerstags heraus. Grund für den neuen Erscheinungstermin sei
der überfüllte Markt, erklärte Chefredakteur Stefan Baron in einem
Interview mit der Berliner Zeitung. Da mehr als 100 Titel am Donnerstag
erscheinen, erhoffe man sich von dem Wechsel grössere Aufmerksamkeit
auf Seiten der Leser sowie einen Zuwachs an Anzeigeseiten. Die
anvisierte Auflagenzahl der Zeitschrift beträgt 200’000 verkaufte
Exemplare, was einen Zuwachs von 18’000 Stück bedeuten würde.
Public Relations Trendmonitor: Erfahrung steht an erster Stelle
Beim identifizieren der wichtigsten Medien für die Pressearbeit setzen drei von vier PR-Fachkräften auf ihre langjährige Erfahrung.
Der PR-Trendmonitor fragte zudem nach dem tatsächlichen Stellenwert von Podcasts für die Public Relations. Folgt man dem PR-Trendmonitor, scheint Podcasting in der PR-Branche noch ein Minderheitenthema zu sein. Ein Drittel der Befragten wusste nicht einmal, dass unter Podcasting das Bereitstellen von Audio- und Videobeiträgen im Internet zu verstehen ist. Weitere 27 Prozent hielten es für ein überbewertetes Modethema. 8,6 Prozent der Pressestellen in Unternehmen und 15,4 Prozent der Agenturen haben sich zwar bereits mit Podcasting beschäftigt. 9,8 Prozent der Pressestellen und 8,8 Prozent der Agenturen hingegen halten Podcasting für eine wichtige Innovation, die aber für die PR wenig Einsatzmöglichkeiten biete. Für mehr als ein Fünftel der Befragten ist Podcasting allerdings ein wichtiges Thema, mit dem sich das eigene Unternehmen noch auseinandersetzen müsse.
Christian Heeb will aus NW1 aussteigen
Nachdem der Stromversorger Elektra Birseck Münchenstein EBM seinen Ausstieg aus dem Baselbieter Privatsender NW1 angekündigt hatte, will nun auch der zweite Hauptaktionär aussteigen.
TeleZüri und TeleTop senden Futura.TV
Die beiden Regionalsender TeleZüri und TeleTop zeigen am 1. April erstmals das Wochemagazin zu Bildungs- und Berufsthemen.
TeleTop zeigen am 1. April erstmals „Futura.TV“. Das Wochemagazin zu
Bildungs- und Berufsthemen wird produziert und vermarktet von der
TV-Produktionsfirma Primetime in Schlieren, die auch für Sendungen wie
„Swissdate“ und „WohntraumTV“ verantwortlich ist. „Futura.TV“ berichtet
über Berufsbilder und Perspektiven, präsentiert ein
Lehrstellenbarometer sowie Weiterbildungs- angebote für Jung und Alt.
Zudem sind Gespräche mit Experten und Fachleuten geplant. Moderiert
wird die Sendung von Corinne Waldmeier, die zuvor auf TV3 und SF zu
sehen war.
U1 guckt (noch) in die Röhre
Privatfernsehen Im letzten Herbst hat sich der Sender U1 TV selbst sieben Ziele gesetzt. Die Zwischenbilanz zeigt Rückstände auf das Plansoll.
der Sender U1 TV selbst sieben Ziele gesetzt. Die Zwischenbilanz zeigt
Rückstände auf das Plansoll.Im letzten Herbst wagte der TV-Sender U1
TV nach eineinhalb- jährigem Dümpeln den Aufbruch. Die umgekrempelte
Mannschaft zog nicht nur einen Relaunch durch, als Teil einer
Marketingstrategie wurde im Oktober auch das tägliche
Gratisprogrammheft Free TV lanciert. Ferner setzte der
U1-Verwaltungsrat der Crew feste Ziele. Seither ist es um den Sender
jedoch wieder still geworden. Grund genug, nachzufragen und U1 an den
Zielen, die in Communiqués oder von U1-Projektleiter Peter Kölbel
direkt kommuniziert wurden, zu messen.
Ziel 1: Bis Ende 2006 muss U1 einen durchschnittlichen Marktanteil von
3 Prozent erreichen, Ende 2008 sollen es 5 Prozent sein. Das ist
ambitioniert, wenn man bedenkt, dass U1 gemäss Telecontrol 2004
höchstens 0,7 Prozent erreichte. Wie es aktuell aussieht und ob der
Relaunch Wirkung zeigt, weiss aber niemand, denn U1 verzichtet seit
Anfang 2005 auf Zahlen. Doch Peter Kölbel will dies ändern. Erste
Verhandlungen mit der Publica Data (PDAG) fanden statt, aus
Kostengründen will er aber keine täglichen, sondern nur Quartalszahlen
erheben lassen. Noch stehe eine Offerte der PDAG aus, wie deren
Geschäftsführer Rolf Müller bestätigt.
Ziel 2: Mehr Leute sollen U1 TV auf ihrer Fernbedienung programmieren.
Das ist nicht überprüfbar. Dennoch hat Kölbel Hinweise, dass der
Bekanntheitsgrad seines Senders zunimmt. Ein Beispiel: Als das
Frühstücksfernsehen von U1 am 19. Januar ein Gespräch mit Caspar
Bijleveld, dem Direktor des Papilioramas in Kerzers, ausstrahlte,
stiegen dessen Besucherzahlen an den drei folgenden Wochenenden von
normal 400 bis 500 auf 1200 bis 1300 Personen an. «Das ist klar auf den
Einfluss von U1 TV zurückzuführen», sagt Bijleveld dazu.
Ziel 3: Ein Vermarkter muss her. «Es gelang uns nicht, mit einem
Vermarkter eine geeignete Vereinbarung abzuschliessen», sagt Peter
Kölbel heute. Darum wird U1 den Werbeverkauf selber organisieren. Die
Doppelstrategie startete am 1. März: Der bisherige Verkaufsleiter
Werner Meier wurde beauftragt, ein fünfköpfiges Team aufzubauen. Noch
sind auf www.u1tv.ch Jobs für Werbeverkäufer ausgeschrieben. Das Team
wird den Sender bei Agenturen oder Kunden präsentieren. Die zweite
Strategie zielt auf das Gewerbe: Neu macht das St.Galler Callcenter
Callworld den KMU Werbung auf U1 mit einem «Startpaket» schmackhaft:
Das Angebot umfasst die Produktion eines 30-Sekunden-Spots mit 140
Ausstrahlungen in 14 Tagen für 1800 Franken. Die Crossmediavariante mit
Programmheft Free TV Schweiz, U1-Homepage und Teletext kostet 2400
Franken.
Ziel 4: Zwei Millionen Franken Umsatz im 2006, doppelt so viel wie
2005. Kann diese Budgetvorgabe eingehalten werden? Im Moment sieht es
nicht danach aus: Wegen Verzögerungen bei der Vermarktung lag U1 in den
ersten zwei Monaten 2006 bereits 30 Prozent unter dem Plansoll, gesteht
Kölbel.
Dennoch glaubt er, beim ersten Stichdatum am 30. Juni «punktgenau» zu
landen und bis Ende Jahr «möglicherweise sogar 2,5 Millionen Franken»
zu erreichen. Der Grund für seine Zuversicht: Obwohl der Werbeverkauf
bisher nur auf kleinem Feuer kochte, lief er besser als erwartet. So
werbe die Amag heute bei U1 statt bei den deutschen Werbefenstern,
freut sich der Projektleiter. Und ein Testlauf mit Callworld vor drei
Monaten habe 14 Neukunden generiert, ein Drittel habe auf Grund des
hohen Responses Nachbuchungen gemacht, einer gar für 50000 Franken.
Verschiedene europäische TV-Sender planen zudem eine Kooperation für
grosse Liveevents, wobei U1 mit von der Partie ist und so zu
ungeplanten Einnahmen kommen könnte.
Ziel 5: U1 muss bis Ende 2008 break-even sein. «Dieses Ziel werden wir
möglicherweise schon 2007 erreichen», sagt Kölbel. Er glaubt, die
Betriebskosten, die sich «im einstelligen Millionenbereich» bewegen,
trotz vermehrter Liveübertragungen auf bisherigem Niveau halten zu
können.
Ziel 6: Das Programmheft Free TV Schweiz sollte drei Monate nach dem
Start in Zürich in weiteren Deutschschweizer Städten verbreitet werden.
Drei Monate sind längst um, eine Expansion liegt in weiter Ferne.
Kölbel bestätigt: «Free TV wird frühestens nach den Sommerferien in
anderen Städten verteilt werden.» Er begründet dies mit der zu langen
Produktionszeit, die derzeit für das Heft, das in Bratislava gedruckt
wird, 14 Tage betrage. Dadurch sei das TV-Programm nie wirklich
aktuell. Ab Mai sollte die Vorlaufzeit aber halbiert werden können,
sagt Kölbel. Vor dem Start des Heftchens sprach Kölbel noch von einer
Vorlaufzeit von «etwa vier Tagen», weshalb das Blatt «eines der
aktuellsten TV-Magazine» sein werde. Die bisherigen Kosten für das Heft
gibt Kölbel mit «unter einer Million Franken» an.
Ziel 7: Free TV muss ein Jahr nach dem Start selbsttragend sein. Das
scheint realistisch, wenn man das U1-Communiqué vom 12. Oktober 2005
zum Nennwert nimmt. Die ersten drei Wochen seien ausgebucht, hiess es
da. Heute gesteht Kölbel: Free TV hat bisher «null Einnahmen»
generiert, was aber von Anfang an so geplant gewesen sei. Die bisher
erschienenen Inserate waren demnach unbezahlt und beruhten alle auf
Gegengeschäften. Doch mit dem Verkauf via Callcenter soll sich das
ändern.
Zudem stösst Free TV in Zürich offenbar nur auf geringe Nachfrage.
Bereits wurde das Heft via Weblog zum öffentlichen Gespött (siehe
Kasten Seite 17). Kölbel gesteht, dass die täglich verteilte Auflage
nur noch 30000 Exemplare betrage, von denen aber immer noch 3000 bis
6000 Exemplare liegen bleiben. Auf der Website www.freetvschweiz.ch
sind jedoch weiterhin 50000 verteilte Exemplare ausgewiesen.
Immerhin hat U1 TV in den letzten Monaten auch einen programmlichen
Erfolg erzielt: Am 23. April kann der Sender erstmals den
prestigeträchtigen Prix Walo übertragen, was der Bekanntheit und dem
Image von U1 ohne Zweifel nützen wird. Kölbel kündigt zudem «fünf
grössere Dinge im Sportbereich» an, zwei Realityshows sowie die
Übertragung von Veranstaltungen aus Sportarten, die bei SF kaum Platz
haben. Die nächste Zwischenbilanz kommt also bestimmt.
«Verschwendung von Rohstoff»
Unter http://freetv.twoday.net findet sich der Weblog «Kein Mensch
liest Free TV», der dazu aufruft, die täglich voll bleibenden
Zeitungskästen von Free TV Schweiz mit (Handy-)Fotos zu dokumentieren –
als Aktion gegen «unnötige Rohstoffverschwendung», wie es heisst. Dort
ist unter «Du sollst nicht abschreiben» auch ein Link zu einem Artikel
zu finden, in dem der Autor nachweist, dass die Free-TV-Redaktion die
meisten ihrer Storys wörtlich bei Wikipedia abschreibt beziehungsweise
ohne eigene Minimalrecherche auf dem Web zusammensucht.
Markus Knöpfli
Die Architektur der süssen Sünde
Schokolade Nach der Präsentation der neuen CI setzt Cailler bei ihrer Kampagne von Saatchi & Saatchi Simko auf die Ästhetik von Jean Nouvel.
CI setzt Cailler bei ihrer Kampagne von Saatchi & Saatchi Simko auf
die Ästhetik von Jean Nouvel.Das Jahr 2005 war mengen- wie wertmässig
das beste Jahr in der Geschichte der Schweizer Schokoladen- industrie.
Die 18 im Verband Chocosuisse organisierten Hersteller konnten ihre
Absätze um 8,2 Prozent auf über 160000 Tonnen und den Branchenumsatz um
7,5 Prozent auf rund 1,5 Mrd. Franken steigern. Eine
Exporterfolgsstory. Denn in der Schweiz, dem Land mit dem weltweit
grössten Schokoladenhunger – 11,6 Kilo Pro-Kopf-Konsum –, scheint die
Sättigungsgrenze auf Grund der seit Jahren stabilen Absätze erreicht.
Auch auf hohem Niveau ist Wachstum möglich. Vor allem das Segment der
gefüllten Tafelschokoladen (+3,7%) und Pralinés (+4,3%) erlebten 2005
eine überdurchschnittliche Nachfrage. Hier wurden auch besonders viele
attraktive Neuheiten lanciert. Eine Profilierungschance, die Lindt und
der nationale Marktleader, die Migros-Tochter Chocolat Frey,
beispielhaft wahrzunehmen wussten. Beide Hersteller frischten mit immer
wieder neuen Kreationen ihr Sortiment und ihre Marke auf.
In deren Schatten geriet immer mehr die älteste Schokoladenmarke der
Schweiz: Cailler. Die Erfinderin des Rezeptes für Milchschokolade und
Begründerin der industriellen Schokoladenherstellung war auf ihrem
Innovationspfad kürzlich von Trendsetterkonkurrenten überholt worden
und verlor trotz der hohen Produktqualität und der bekannten
Spezialitätenklassiker wie Frigor oder Femina Marktanteile. Caillers
klassisch-traditioneller Marktauftritt hob sich kaum ab im uniform
definierten Schokoladenmarkt. Das verstaubte Image wurde zusätzlich von
Multipack-Preispromotionen oder veralteten Frigor-Geschenkschachteln
für Omis geprägt. Ein Bild, das der umsatzmässig grossen Bedeutung von
Cailler im Nestlé-Marken-Portfolio (12% Anteil) bei weitem nicht
entspricht. Gemäss Situationsanalyse der Verantwortlichen war der
Handlungsbedarf hoch, und ein radikaler Relaunch konnte Cailler nur gut
tun.
Verjüngung vom Reissbrett
Um verlorene Marktanteile zurückzuerobern und sich in der Folge auch im
Exportmarkt stärker zu profilieren, besinnt sich Nestlé Schweiz der
Ursprünge der Marke: Cailler soll wieder den Ursprungscharakter der
industriellen Produktion mit dynamischen, innovativen Zügen
ausstrahlen. Dazu setzte Nestlé auf unkonventionelle,
aufmerksamkeitsstarke Lösungen, auf Kreativität ausserhalb der
Schokoladenbranche: für die neue Ästhetik der Marke, die ihrerseits
durch die exklusive Herkunftsbezeichnung «of Switzerland» ergänzt
wurde, auf den Pariser Stararchitekten Jean Nouvel, für die
kulinarischen Neuheiten, die ab Herbst in erhöhter Kadenz erscheinen
sollen, auf den katalanischen Kochkünstler Ferran Adrià und für die
Kommunikation auf die Genfer Werbeagentur Saatchi & Saatchi Simko.
Letztere ging ebenfalls wie die beiden anderen «créateurs» als Siegerin
eines international besetzten Wettbewerbs hervor. Doch im Unterschied
zu diesen hatte das Team um CD Olivier Girard für Nouvels Vision des
neuen Cailler-Universums «Manger le monde» – ein intellektuelles
Autoren-Marketingkonzept – nur wenige Wochen, um sie zu visualisieren.
Dieses Konzept, das für Pioniergeist, Neugier und Kreativität stehen
soll, und das Ziel, sich von den Markenauftritten der anderen zu
unterscheiden, waren die Leitplanken, in denen sich die Werber bewegen
sollten und laufend von Nouvel und Nestlé-Schweiz-CEO Nelly Wenger
betreut wurden. Mehrere Runden waren nötig, und sogar bei der Wahl des
Fotografen, des Regisseurs und der Filmproduktion entschieden die
Konzepturheber mit. «Diese spezielle Zusammenarbeit erforderte auf
allen Seiten höchste Flexibilität», sagt Jan De Schepper, Account
Director bei Saatchi & Saatchi Simko.
Avantgardistisches Image
In der neuen Markensprache, welche die Genusswelt der Schokolade mit
neuen Formen, Aromen, Materialien und Texturen zum Ausdruck bringen
will, kreierte die Agentur eine Kampagne, die ihrerseits eine
fantasievolle Welt aus Schokolade entstehen lässt. Im Print- und
Poster-Teaser werden Teilansichten von Produktkompositionen angedeutet,
die sich in der Auflösung als ganze Städte, facettenreiche Landschaften
und weite Meere entpuppen – allesamt aus Cailler-Schokolade. Die
Einladung zur Entdeckungsreise der surrealen Schokoladenwelt Caillers
wächst im computeranimierten Image-TV-Spot des französischen Regisseurs
Laurent Bordoiseau mit seriellen Abläufen und zum Himmel stürmenden
Bauentwürfen zur wunderbaren Schöpfungsgeschichte des Weltarchitekten.
Für Pedro Simko stand von Anfang an fest, dass die Werbung die
traditionellen Schranken der Schokoladenbranche durchbrechen soll, ohne
jedoch die Werte des «Appetite Appeal» zu verlieren. Ob das seinem Team
mit der intellektuellen und technoiden Umsetzung gelungen ist oder ob
sich hier nicht eher der Konzepter ein berauschend kühnes Denkmal
gesetzt hat, darf man sich fragen. Klar ist, dass sich Cailler mit dem
Paradigmenwechsel ein avantgardistisches und aussergewöhnliches Image
zulegt.
Beide klassischen Kommunikationspfeiler sollen mit grossem Mediadruck
nachhaltig eine Brücke zum POS-Auftritt schlagen. Hier rückt Nouvel das
wachsende Cailler-Sortiment mit modularen und transparenten
Plastikelementen ins beste Licht. Die halbdurchscheinenden
Verkaufsständer dürfen als Vorboten für das neue, flexible
Shop-in-Shop-Konzept verstanden werden, die in grossen Supermärkten und
Kaufhäusern entstehen sollen.
Nicht nur junge Zielgruppen
In der Agentur sei man besonders darauf stolz, sagt Mitinhaber Simko,
dass eine eigenständige und überraschende Kampagne entwickelt wurde.
Die äusserste Diskretion und der enorme Zeitdruck – noch vor dem
Höhepunkt der Schokoladensaison an Ostern – hätten viel Nervenstärke
verlangt.
Bei aller prachtvollen Umsetzung stellt sich nun aber die Frage: Kann
das gelernte «Schokoladengefühl», das die «Maitres Chocolatiers» von
Lindt seit Jahren kultivieren, neu interpretiert werden? Können die
süssen Sehnsüchte und Emotionen von Cailler-Produkten mit der urbanen
Sachlichkeit eines Nouvel verbunden werden, ohne ältere Zielgruppen vor
den Kopf zu stossen? Damian Constantin, Head of Marketing bei Cailler,
ist davon überzeugt. «Die Zielgruppe der 50+ ist für uns wichtig, nicht
zuletzt, weil sie schnell wächst und sich ihre Einstellungen in den
letzten Jahren stark verändert haben. Die heutige Kaufmotivation
unterscheidet sich sehr von jener der gleichen Zielgruppe vor 20
Jahren. Sie ist genussorientiert und getragen von Modernem und
Ästhetischem. Dem wollen wir Rechnung tragen.»
Luca Aloisi
Ziemlich aufgeblasen
Mode Wer Diesel trägt, sollte darauf achten, keine Babuschkas im Wohnzimmergestell zu haben, findet Chandra Kurt.
sie Jeans für den Mann von heute schneidern – und zwar für alle
Grössen. Und ein Mann von heute ist zweifelsohne ein «Brokeback
Mountain»-Fan. Freiheit, Wildnis, Natur und wenig Worte sowie
Cowboy-Hut und Boots sind ihm wichtig. Oder nicht? Vielleicht wäre die
Anzeige verständlicher, wenn die Babuschkas durch Schafe ersetzt worden
wären. Aber wahrscheinlich wäre dann der Tierverein aktiv geworden.
Noch etwas: Wer schon Diesel trägt, sollte darauf achten, keine
Babuschkas im Wohnzimmergestell zu haben – zumindest keine
aufblasbaren. (ck)
