Politwerbung In den USA wird die
Werbeindustrie wieder um Rat gefragt, wenn die Administration Bush
angesichts des Kriegs gegen den Terror üppig Imagepflege und Krisenmanagement betreibt.Die erlesene Gruppe von Werbeprofis, die
im letzten Jahr vom US-Verteidigungs- ministerium zu einer Konferenz
eingeladen wurde, um strategische Massnahmen im «Kampf gegen den
Terror» zu diskutieren, war erstaunt. Früher, so der Konsens, hätte die
Regierung auf die Verkaufstechniken der Werbeindustrie hinabgesehen.
Doch das Blatt hat sich gewendet: Heute wird die Industrie um Rat
gefragt, wenn es um Imagepflege und Krisenmanagement geht.
«Ich werde Ihnen vorführen, wie wir Loyalität gegen alle Vernunft
schaffen», sagte Saatchi & Saatchi CEO Kevin Roberts bei dem
Treffen. «Es dreht sich alles um Gefühle.» Um den verheerenden Bildern
von Kriegsverbrechen und Suizidbombern etwas entgegenzusetzen, müssten
positive Bilder geschaffen werden. «Aber nicht von fröhlichen Moslems,
die sich in Amerika assimiliert haben», sagte Roberts, auf die früheren
Bemühungen der Regierung anspielend. Er schlägt die Schaffung einer
Organisation vor, die sich globaler Probleme wie Aids und Hunger
annimmt. «Dies wird ihr Produkt, das man verkaufen und in der ganzen
Welt bewerben kann.»
1,6 Milliarden Dollar eingesetzt
Ansätze der robertsschen Strategie sind in der Regierung bereits
angekommen: dass sich mit Werbung Politik verkaufen lässt. Laut eines
aktuellen Berichts der Behörde Government Accountability Office hat die
Administration in den letzten zweieinhalb Jahren satte 1,6 Milliarden
Dollar für Werbe- und PR-Kampagnen ausgegeben. Der Löwenanteil dieser
Gelder ging dabei an das Verteidigungsministerium, das 1,1 Mrd. Dollar
für seine Zwecke nutzte.
Teile dieser Bemühungen widmen sich der Rekrutierung von Soldaten: So
produziert die Agentur GSD&M gerade eine emotionsgeladene Kampagne
für die Air Force mit dem Motto «Do Something Amazing», die im
Fernsehen und online gezeigt werden soll. «Wir wollen eine Verbindung
zwischen beiden Medien herstellen, weil unsere Zielgruppe verstärkt das
Internet benutzt», sagt Lee Pilz, der den Air Force Account bei
GSD&M betreut. «Wir wollen jene interessanten Berufe zeigen, die
die Kids nicht einmal kennen.»
Gleichzeitig zielen derartige Kampagnen darauf ab, das US-Militär als
machtvolle Organisation darzustellen, die sich auch humanitären
Einsätzen widmet. GSD&M kassierte laut dem Bericht 179 Millionen
für ihre Arbeit, während die Agentur Leo Burnett mit 536 Millionen
Dollar an der Spitze rangierte. Leo Burnett zeichnet für die jahrelang
erfolgreich gelaufene Kamagne «Army of One» verantwortlich, die die
Selbstverantwortlichkeit der Soldaten betonte. Der Slogan wurde so
populär, dass ein Dokumentarfilm mit diesem Titel produziert wurde.
Derzeit sucht die Army jedoch nach einem neuen Slogan, kreiert von der
Agentur McCann WorldGroup, die sich mehr auf die Motivation der
Rekruten konzentriert.
Auch die PR-Aktivitäten der Regierung im Nahen Osten werden derzeit
umstrukturiert. So wurde das Hochglanzmagazin «Hi», das mit seinen
Berichten über US-Produkte und den American Way of Life in der
arabischen Welt eher auf Unmut denn auf Neugier stiess,
eingestellt. Neu aufgebaut dagegen wird eine 75-Millionen-Kampagne für
den Iran. Mit dem Geld sollen zusätzliche Radio- und Fernsehsendungen,
etwa von Voice of America, für ein iranisches Publikum finanziert
werden.
Dass die US-Regierung mit ihren PR-Aktionen im Nahen Osten bisher wenig
Glück hatte, zeigt vor allem das Desaster mit der Lincoln Group. Die
PR-Firma war damit beauftragt worden, proamerikanische Berichte in den
irakischen Medien zu lancieren, die anschliessend dafür bezahlt wurden.
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte die Aktion inzwischen
für unzulässig.
PR-Schadenfall New Orleans
Auch innenpolitisch generieren die PR-Bemühungen der Regierung
gemischte Resultate. «Die Kampagne mit George Bush senior und Bill
Clinton nach dem Tsunami funktionierte exzellent», urteilt Harriet
Lessy, Chefin der PR-Agentur Buzz Communications. Bei der Zerstörung
von New Orleans durch Hurrikan Katrina sei dies nicht möglich gewesen,
weil die Regierung darauf logistisch nicht vorbereitet gewesen sei. «Da
kann George Bush so betroffen sein, wie er will. Wenn die Realität so
aussieht, dass sich keiner um die Opfer gekümmert hat, dann nutzt auch
all die zur Schau gestellte Besorgnis nichts.»
Gerti Schön