Publishing SoftCare hat sein Redaktionssystem K4 deutlich erweitert.
Wie festigt man am besten ein Produkt im
Markt? Idealerweise, indem man ein Ökosystem darum herum entwickelt
oder mit einfachen und offenen Schnittstellen ermöglicht, damit andere
Anbieter dies tun. Paradebeispiel ist der iPod, der sich nicht zuletzt
auch dank eines Ökosystems zum Nummer-1- Musikplayer entwickelt hat. Was
beim Musikplayer ein damit verknüpfter Online-Musikshop, Cases,
anbindbare Soundsysteme, Adapter und dergleichen sind, das sind bei
Softwareprodukten die Plug-ins bzw. Programmerweiterungen. Sie erlauben
den Ausbau einer Applikation und ermöglichen Funktionen, die die
Hauptapplikation per se nicht abdeckt.
Nicht zuletzt die Programmerweiterungen (XTension) für die Software
QuarkXPress verhalfen in den 80er-Jahren dem Layoutklassiker zum
Durchbruch. Ein weiteres wichtiges Element in Quarks Ökosystem war die
Verknüpfung mit deren eigenem Redaktionssystem QPS, womit Quark die Layoutapplikation QuarkXPress im
Markt festigen und seine Position gegenüber PageMaker zur
Marktführerschaft ausbauen konnte.
Adobes InDesign CS2 Server
Adobe hat mit der Einführung der Applikation InDesign inzwischen mit
QuarkXPress gleichgezogen. Nicht unwichtig beim Kampf um die
Vorherrschaft hat Adobe auch in das Ökosystem investiert und mit InCopy
schon seit geraumer Zeit ein eigenes Tool für Journalisten oder
redaktionell tätige Personen entwickelt. Zu einem weiteren wichtigen
Element, wenn nicht gar zu einem Schlüsselprodukt für Adobe im
Desktoppublishing-Segment, könnte der gegen Ende des letzten Jahres
vorgestellte, hochperformante InDesign-Server CS2 (InDesign-Server)
werden.
Mit Hilfe von dessen Servertechnologie sollen sich Arbeitsabläufe in
der Layoutphase automatisieren und optimieren sowie das Zusammenspiel
in Redaktionen verbessern lassen. Als Ergänzung zu Adobes
Prepress-Softwaresammlung Creative Suite verbessert der InDesign-Server
als zentrale «Rendering Engine» (generiert unter anderem die
Vorschaubilder) die Möglichkeit, damit redaktionelle Inhalte mehreren
Mitarbeitenden eines Teams zugänglich gemacht und von ihnen publiziert
werden können. Damit ermöglicht der InDesign-Server nicht zuletzt auch
dank Workflow-Automatisierungen, dass Inhalte in für die
Veröffentlichung notwendige Dokumente verwandelt werden können.
«Grenzenloses Publizieren»
An einer Anfang März von Adobe, SoftCare und dem in St. Gallen
ansässigen Systemintegrator Topix organisierten Veranstaltung
«Grenzenloses Publizieren» stand allerdings nicht der InDesign-Server
selbst, sondern das von der deutschen SoftCare entwickelte
K4-Publishing-System im Mittelpunkt. Zentrale neue Funktionen der
neuen, Adobe InDesign und InCopy ergänzenden Applikation ist die
Integration des InDesign-Servers, der in einer in seiner Funktionalität
limitierten OEM-Lizenz eingebunden ist. Laut Fabio Sacilotto,
Produkteverantwortlicher K4 bei Topix, der die neue K4-Version
gemeinsam mit Moderator und Topix-Geschäftsführer Dieter Herzmann
vorführte, können via InDesign-Server eingebundene Redaktoren besser
und vor allem schneller einchecken, sich mit den für die Produktion
einer Publikation verwendeten Dokumenten verbinden. Der InDesign-Server
wird damit zur zentralen Komponente zwischen Layout-/Redaktionssoftware
und Redaktionssystem.
Die Serverintegration ist dabei Mittel für verschiedene Zwecke. So
ermöglicht der Server im Zusammenspiel mit dem in einem Webbrowser
zugänglichen Tool K4 Overview die Produktionsüberwachung und die
Visualisierung sämtlicher Seiten einer Ausgabe. Zusätzlich zum bereits
bisher möglichen Darstellen der Seiten im JPEG-Bildformat können im
Browser nun PDF-Dokumente generiert, dargestellt und anschliessend auch
verschickt werden. Die PDF-Dokumente werden dabei vom mit K4
verknüpften InDesign-Server im Hintergrund erzeugt – ohne dass damit
das Redaktionssystem belastet wird. Ein weiterer Vorteil der
Serveranbindung ist die in der neuen Version mögliche Visualisierung
von Dokumentenvarianten. Damit lässt sich im Webbrowser verfolgen, von
welcher Sprachvariante bereits übersetzte und produzierte Dokumente
vorliegen.
Eine Verwaltung von Versionen ermöglicht der K4 Revision Manager. Mit
dieser Erweiterung kann gezielt auf eine ältere Version zugegriffen und
diese mit der geöffneten Version verglichen werden. Dazu werden in
einem Textfenster die textlichen Unterschiede zwischen den Versionen
optisch hervorgehoben.
Editieren von überall
Dank des Tools K4 Web-Editor können erstmals in einer InDesign-Umgebung
Dokumente von extern mit einem Browser nicht nur visualisiert, sondern
auch zeilenverbindlich editiert werden. Via eines im Browser laufenden
Applets werden durch Serverzugriff die Preview-Ansichten dynamisch im
Browser generiert. Das Applet ermöglicht zudem das Korrigieren von
Texten. Dazu wird ein in der Preview-Ansicht markierter Text in einem
separaten Textfeld in der richtigen Schriftdarstellung (Wysiwyg)
gerendert und lässt sich darin editieren. Werden die Korrekturen
bestätigt, dann ist das Originaldokument innerhalb der K4-Umgebung
entsprechend aktualisiert.
Weitere neue Features der Version 5.6 vereinfachen vor allem die
Produktion und ermöglichen Drittanbietern, dass diese ihre Lösungen an
K4 noch einfacher anbinden können. Um Mediendatenbanken,
News-Management-Systeme oder etwa das am Event vorgestellte
Asset-Management-System FotoStation des Anbieters FotoWare einzubinden,
stellt K4 eine DropFolders genannte Technologie zur Verfügung. K4
DropFolders überwacht dazu definierte Ordner und bucht von
Fremdsystemen abgelegte Assets inklusive der enthaltenen Metadaten
automatisch in K4 ein. Damit stehen diese Daten in K4 direkt im
Zugriff. Mit der ebenfalls neuen Erweiterung K4 Caption&Credit, die
primär auf Bilder angewendet wird, werden die am Bild angehängten
Informationen für Legenden und Fotoquellen direkt im Layout platziert
und mit dem Bild zu einer Einheit verknüpft.
Neue K4-Funktionen
K4 wartet in seiner Version 5.6 mit diversen Neuerungen auf. Zentral
ist die Integration des Adobe InDesign Server CS2 (siehe Text) zur
unter anderem dynamischen Berechnung von Vorschaubildern und Erzeugung
von PDF-Dokumenten. Nachfolgend die wichtigsten neuen Funktionalitäten
der K4-Version 5.6.
Anpassbares Interface: Innerhalb einer K4-Umgebung lassen sich, durch
Zugriffsrechte gesteuert, Funktionen oder Befehlsgruppen wie zum
Beispiel die manuelle Textformatierung (statt mit Zeichen- oder
Stilvorlagen) in InDesign/ InCopy inaktiv schalten. Die
Funktionalitäten dieser an K4 angebundenden Programme können gar
statusabhängig erfolgen: So können einem Benutzer gegen Ende einer
Produktion weniger Rechte erteilt werden als zu Beginn. Damit wird der
Prüfaufwand vor der Drucklegung deutlich reduziert.
Mit dem K4 Revision Manager lässt sich verfolgen, wie sich Seiten oder
Texte im Laufe der Produktion verändert haben. Mit diesem optionalen
Plug-in können auch Änderungen rückgängig und diese in einem separaten
Fenster hervorgehoben und damit sehr gut verglichen werden.
Die Funktion K4 DropFolders ermöglicht das asynchrone Einchecken von
Daten in das K4-Publishing- System. Die Programmerweiterung überwacht
dazu definierte Ordner und versieht darin abgelegte Objekte mit
relevanten Meta-Informationen. Die Daten werden dann an definierte
Zielordner transferiert. Mittels K4 DropFolders lassen sich auch
Asset-Management-Systeme in K4-Umgebungen integrieren.
K4 Caption&Credit übergibt beim Einchecken von Bildern auch die
entsprechenden Bildlegenden und Bildnachweise an das System. Beim
Platzieren von Bildern im Layout, das nach in K4 hinterlegten Vorlagen
erfolgen kann, werden diese Elemente als eine Einheit übernommen und
logisch verbunden.
Mit dem Add-on K4 XML-Exporter können automatisiert Daten für
Webauftritt und Archiv generiert oder Informationen an kommerzielle
Systeme erzeugt werden. In der neuen Version können diese Vorgänge nun
automatisiert und etwa auf FTP-Server übertragen oder per Mail
verschickt werden.
K4 in der Schweiz
In der Schweiz setzen Verlage wie die Unternehmensgruppe Zehnder, AVD
Goldach oder Compress Information Group K4-Publishing-System ein.
K4-Publishing-System wird zudem auch von diversen
Kommunikationsagenturen und Vorstufenbetrieben zur Produktion ihrer
Kundenobjekte erfolgreich benutzt.
Jürgen Franck