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RTVG-Basar
Gastkommentar Der ordnungspolitische Sündenfall liegt im neuen Gebührensplitting, sagt Peter Studer.
Bundesrats ist das totalrevidierte Radio- und Fernsehgesetz (RTVG)
unter Dach und Fach. In der zweiten Märzwoche haben National- und
Ständerat die letzten Differenzen ausgeräumt. Zeitweise wähnte sich der
Beobachter an einem persischen Basar. Das gänzlich erneuerte Gesetz
dürfte zusammen mit einer Verordnung im Frühjahr 2007 in Kraft treten.
Von Ruhe an der Radio- und Fernsehfront wird man aber besser nicht
reden. Das Gesetz hat viele Kompetenzen dem Bundesrat übertragen, der
die Verordnung redigiert; und um einige süsse Früchte dürfte das
Gezerre jetzt erst recht losgehen: Welche kommerziellen Veranstalter
werden wie viel Geld aus dem Gebührentopf der SRG erhalten? Wie steht
es mit Werbeordnung und Alkoholspots, zumal private Lokalsender für
gewisse Alkoholika werben dürfen?
Als zeitgemäss schlank wird man das neue Gesetz nicht bezeichnen
dürfen. Während das alte RTVG (1991) 77 Artikel aufwies, hat das
Parlament eine Lex mit 114 Artikeln verabschiedet – also rund 50
Prozent mehr Rechtsmaterie. Halten wir dafür einen voluminösen grossen
Wurf in der Hand? Nein. Wie so oft ist ein freundeidgenössischer
Kompromiss entstanden. Die meisten Betroffenen – am wenigsten
vermutlich die schmunzelnde SRG, die die meisten ihrer Felle retten
konnte – beäugen ihn mit mittlerer Unzufriedenheit.
Ordnungspolitiker hatten anfänglich auf ein System à la BBC gesetzt:
alle Gebühren der SRG, alle Werbung den kommerziellen Veranstaltern.
Oder wenigstens: alle Gebühren der SRG, den überwiegenden Teil der
Werbung den Kommerziellen. Wegen der kleinen Bevölkerungszahl und der
Pflicht zu drei vollen Sprachprogrammen lag das reine BBC-Modell für
die Schweiz ohnehin nicht drin.
Der eigentliche ordnungspolitische Sündenfall liegt im neuen
Gebührensplitting. Es bedeutet, dass gewinnstrebige Medienkonzerne mit
ihren kargen Informationsleistungen im Radio- und Fernsehbereich Geld
aus dem Gebührenaufkommen der gewinnlosen SRG erhalten. Die Gesuch
stellenden Veranstalter, meist Verleger, handeln sich damit den
staatlich kontrollierten Leistungsauftrag und die Finanzkontrolle im
Rahmen einer besonderen Konzession ein.
Immerhin sind einige realistische Systemkorrekturen in Richtung
Dualsystem erfolgt. Grundsätzlich bleibt der Leistungsauftrag der
Verfassung – Grundversorgung der Schweiz mit Information, Kulturansporn
und Unterhaltung – neu auf die SRG beschränkt; die Kommerziellen werden
aus dem Leistungsauftrag entlassen (ausser wenn sie eben
Gebührenanteile verlangen). Die Werbechancen für kommerzielle
Veranstalter steigen deutlich an – wenn auch nicht in dem Masse, dass
die Privatsender nun plötzlich schwarze Zahlen schreiben werden. Das
zerklüftete ökonomische Gelände der Schweiz, die nach wie vor
geschützte Stärke der Marke SRG und der Konkurrenzdruck ausländischer
Werbefenster dürften das verhindern.
Peter Studer wirkt als Medienrechtler und Medienethiker.
Deutschland: Werber rechnen mit über 3 Prozent Umsatzwachstum
Die Ergebnisse des Frühjahrsmonitors des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen GWA zeigen ein positives Bild.
Heidelberg stellt seine DI-Baureihe ein
Druck Mit der Vorstellung der neuen Speedmaster SM 52 bietet die Heidelberger Druckmaschinen AG eine neue und interessante Lösung für die wirtschaftliche Produktion von Kleinauflagen in Offsetqualität.
Vorstellung der neuen Speedmaster SM 52, die mit der neuen
Farbwerkstechnologie Anicolor und damit einem farbzonenlosen
Kurzfarbwerk ausgerüstet werden soll, bietet die Heidelberger
Druckmaschinen AG (Heidelberg) eine neue und interessante Lösung für
die wirtschaftliche Produktion von Kleinauflagen in Offsetqualität.
Heidelberg hat daher die Produktion ihrer Direct-Imaging-Maschinen der
Baureihen Quickmaster DI 46-4 sowie der Speedmaster 74 DI beendet.
Marktentwicklungen und Analysen von Kundenbefragungen hätten einen
klaren Trend zu modularen Offline-CtP-Lösungen in Kombination mit
Offsetdruckmaschinen gezeigt, teilt das Unternehmen mit.
Werbeagentur MitLinks erneuert Geschäftsführung
Die Zürcher Werbeagentur MitLinks erhält zwei ausgewiesene Kommunikationsprofis als Geschäftsführer.
«Hotline Presse» als Klangtapete
Hörbücher Das Buch «Hotline Presse» von Karin Müller zum Thema Krisenkommunikation gibts neu auch als Hör-CD.
Karin Müller (erschienen bei Orell Füssli) zum Thema
Krisenkommunikation gibts neu auch als Hör-CD. Der Ratgeber zeigt jetzt
auch bei langen Autofahrten auf, wie «Kein Kommentar!» in Zeiten einer
Krise die denkbar schlechteste Reaktion auf Fragen neugieriger
Journalisten ist. Karin Müller plädiert für grösstmögliche Offenheit
gegenüber den Medien. «Nur wer schnell und ehrlich informiert, wird
nicht zum Spielball der Pressevertreter.»
Plant Tamedia ein Eigengoal?
Presse Mit dem geplanten Tagi-Stadtsplit schafft sich die Tamedia ein Problem.
weiteren Regional- ausgaben des Tages-Anzeigers sowie einem Layoutwechsel
zugestimmt. Ab Herbst 2006 erscheint der Tagi somit nicht nur am
linken, sondern auch am rechten Zürichseeufer, im Zürcher Oberland, im
Unterland und in der Stadt Zürich mit Regionalausgaben – alle im
Zeitungsformat.
Doch der Stadtzürcher Split wirft Fragen auf, wird dieser doch zum
Tagblatt der Stadt Zürich in direkte Konkurrenz treten – vorab im
Anzeigenmarkt. Die Angelegenheit ist nicht ohne Komik, denn das
Gratisblatt (Auflage: 137 000 Exemplare) gehört zu 60 Prozent Tamedia
und zu 40 Prozent der NZZ. Zudem ist Tagi-Verlagsleiter Rolf Bollmann
gleichzeitig VR-Präsident der Tagblatt der Stadt Zürich AG. Weiter
reden die Vertreter der Stadt Zürich ein gewichtiges Wörtchen mit, denn
das Tagblatt ist amtliches Publikationsorgan. Kommt dazu, dass der
Tagblatt-Verlag der Stadt eine fixe jährliche Mindestkonzession
bezahlen muss. Übersteigen die Einnahmen eine bestimmte Höhe, wird die
Abgabe umsatzabhängig. Insofern kann den Stadtbehörden die Konkurrenz
auf Stadtgebiet nicht gleichgültig sein.
Das bestätigt auch Urs Neuenschwander, Mediensprecher der Stadt Zürich.
Doch: «Für uns gilt der aktuelle Tagblatt- Vertrag», sagt er. Dieser
verlange neben der Abgabe ein wöchentlich fünfmaliges Erscheinen, eine
Zustellung an alle Stadtzürcher Haushalte sowie redaktionelle
Eigenleistungen. Ferner bestätigt Neuenschwander, dass der Vertrag per
Ende 2005 hätte gekündigt werden können. Das war jedoch nicht der Fall.
Somit gilt er automatisch für weitere zehn Jahre.
Seitens der NZZ sitzt Beat Lauber als Vizepräsident im Tagblatt-VR.
«Der Tagi-Split wird je nach Tarifpolitik sicher das Tagblatt
beeinflussen», meint er. Deshalb seien im VR auch Szenarien diskutiert
worden. Näheres will er dazu nicht sagen. «Wir sind ja nur
Minderheitsaktionär», meint Lauber.
Markus Knöpfli
Promo Lions verlängert Einreichfrist
Die grosste Nachfrage nach der neuen Kategorie der Cannes Lions 2006, den Promo Lions, hat die Organisatoren dazu bewogen, die Einreichfrist zu verlängern.
Elektronische Medien enttäuschen im Februar
Im Vergleich zum Vorjahr schnitt der Goldbach Electronic Media Index (GEMI) Februar 2006 schlechter ab. Nach einem verhaltenen Januar konnte der Werbe-Index der elektronischen Medien nicht anziehen und büsste im Februar einen Index-Punkt gegenüber Vormonat ein.
«Das gibt Befriedigung»
Sonntagspresse Die NZZ am Sonntag ist vier Jahre alt geworden und hat für dieses Jahr erstmals schwarze Zahlen budgetiert. Die Bilanz von Redaktionsleiter Felix E. Müller.
NZZ am Sonntag wurde am 17. März vierjährig und schreibt dem Vernehmen
nach schwarze Zahlen. Was schiesst Ihnen dabei durch den Kopf?
Felix E. Müller: Wir haben bereits eine grosse Strecke zurückgelegt.
WW: Inwiefern?
Felix E. Müller:
Ich habe mir kürzlich die ersten Nummern angeschaut. Es ist zum einen
verblüffend zu sehen, wie sich die Zeitung publizistisch
weiterentwickelt und ihre Linie gefunden hat. Zweitens hat sich die NZZ
am Sonntag einen festen Platz in der Schweizer Presselandschaft
gesichert und drittens ist die Zeitung auch kommerziell erfreulich
unterwegs.
WW: Wie hat sich das Blatt publizistisch entwickelt?
Felix E. Müller: Wir
mussten lernen, was es heisst, als Produkt aus dem Hause NZZ dennoch
etwas andere Akzente setzen zu müssen als die NZZ während der Woche. Am
Sonntag braucht es etwas andere publizistische Akzente.
WW: Welcher Art?
Felix E. Müller: In
der Themenwahl und im Themenmix. Es braucht neben ernsten auch etwas
leichtere Stoffe als unter der Woche. Man muss eine Spur
publikumsfreundlicher schreiben, ohne dass man unseriös wird. An diesen
Punkt mussten wir uns allmählich herantasten.
WW: Am Sonntag stehen Sie in unmittelbarer Konkurrenz mit der Sonntags-Zeitung. Ist das befruchtend oder frustrierend?
Felix E. Müller: Die
SonntagsZeitung ist der unmittelbare und nahe liegende Vergleich für
uns. Da kann man von Woche zu Woche beobachten, wer was gemacht hat und
wo welcher von beiden besser war. Von daher ist es ein befruchtender
Wettbewerb.
WW: Wie unterscheiden sich die Blätter im journalistischen Approach?
Felix E. Müller: Wir
können uns wegen des Brands NZZ weniger Fehler als die SonntagsZeitung
erlauben – genau genommen überhaupt keine Fehler. Die Leute erwarten
von einem Produkt aus unserem Haus Zuverlässigkeit in der Qualität der
Informationen. Ich habe das Gefühl, die SonntagsZeitung wird da an
einer längeren Leine geführt.
WW: Wo gab es Widerstände bei der Lancierung? Gibt es heute welche?
Felix E. Müller: Davon
spüre ich heute nichts. Die ökonomische Entwicklung dieser Zeitung ist
auch zu gut. Am Anfang gab es grundsätzliche Widerstände gegen die
Lancierung eines Sonntagstitels. Ob man sich da nicht aufs
publizistische Glatteis begebe, was sich für die Marke NZZ zum Nachteil
entwickeln könnte, so lauteten die Hauptvorbehalte.
WW: NZZ-intern begegnete man dem neuen Kind sehr skeptisch.
Felix E. Müller: Zum
Teil skeptisch und zum Teil skeptisch wohlwollend. Man muss das
objektiv sehen. Kommerziell gesehen war die Lancierung der Zeitung ein
gewisses Risiko. Wäre das schief gelaufen, dann wär die Belastung für
das Haus sehr gross gewesen.
WW: Nun stehen Sie ja unter dem Strich sehr gut da und schreiben bereits schwarze Zahlen.
Felix E. Müller: Nein, noch nicht. Wir schreiben für 2005 noch einen kleinen Verlust.
WW: Für 2006 sind aber schwarze Zahlen budgetiert?
Felix E. Müller: Ja, und ich hoffe auch, dass wir dieses Budget erreichen können.
WW: Es ist eher die Ausnahme, dass die Qualitätspresse so schnell den Break-even erreicht. Was ist das für ein Gefühl?
Felix E. Müller: Das
gibt einem Befriedigung und zwar dem ganzen Team. Es ist ja ein Effort
des ganzen Teams. Das ist wirklich toll. Mir fällt auf, dass diese
Zeitung extrem wenig personelle Wechsel hat. Das ist ein Sonderfall.
Die Regel ist, dass nach drei bis vier Jahren ein Pionierteam
grösstenteils ausgewechselt ist. Die NZZ am Sonntag ist demnach ein
Ort, wo man guten und interessanten Journalismus in einem Klima machen
kann, das den Journalisten behagt. Dass uns das gelungen ist, freut
mich fast noch mehr.
WW: Zeitweise
schuftete die Redaktion an den Grenzen ihrer Belastbarkeit, weil die
personellen Ressourcen knapp bemessen sind. Hat sich das gebessert?
Felix E. Müller: Nicht
fundamental. Wir sind die Zeitung am Sonntag mit dem kleinsten Budget
und mit der kleinsten Mannschaft. Desto anspruchsvoller ist es, immer
eine gute Leistung zu erbringen. Doch mit wachsender publizistischer
Trittfestigkeit nimmt auch der Druck etwas ab, sich durchsetzen zu
müssen.
WW: Im Gegensatz zur NZZ am Sonntag geht es dem Mutterblatt NZZ finanziell nicht gerade rosig. Gibt es da Konkurrenz?
Felix E. Müller: Nein.
Ich habe immer gesagt, die beiden Objekte müssen sich gegenseitig
stützen. Am Beispiel von NZZ Executive zeigt sich das fast im
Modellfall, wo der Sonntag dem Werktag etwas bringt und umgekehrt. In
kommerzieller Hinsicht sollte man nicht von Konkurrenz sprechen,
sondern versuchen, solche Kooperationsmodelle zu verbessern und zu
intensivieren.
WW: Doch Austausch auf redaktioneller Ebene, etwa die gemeinsame Lancierung von Themen, schliessen Sie aus?
Felix E. Müller: Wir haben den Wochenzeitungs- und die NZZ den Tageszeitungs-Rhythmus. Man kann nicht das eine ins andere transferieren.
WW: Ihr
Titel ist Redaktionsleiter. Hugo Bütler als NZZ-Chefredaktor trug die
publizistische Verantwortung. Wird das unter dessen Nachfolger Markus
Spillmann ändern?
Felix E. Müller: Das weiss ich nicht und kann es Ihnen deshalb nicht beantworten. Da ist noch manches unklar.
WW: Da gibt es Klärungsbedarf?
Felix E. Müller: Meiner
Meinung nach eindeutig ja. Aber Markus Spillmann übernimmt sein Mandat
ja erst am 1. April, da wird nachher sicher noch das eine oder andere
passieren.
WW: Gab es je Korrekturen Ihrer Entscheide durch Hugo Bütler?
Felix E. Müller: Nein,
da war ich grosszügiger- und liberalerweise an der langen Leine. Er hat
mich auch immer unterstützt. Ich konnte von Anfang an den Weg gehen,
von dem ich fand, diesen müsse die Zeitung gehen.
WW: Spielt die Gratispresse für die NZZ am Sonntag irgend eine Rolle?
Felix E. Müller: Nein,
nicht spürbar. Vielleicht in bestimmten Kategorien von Anzeigen. Aber
ich glaube, der Sonntagsmarkt ist ein relativ eigener Markt und
unterscheidet sich von dem der Gratiszeitungen.
WW: Dank den Gratiszeitungen läsen die Jugendlichen wieder, heisst es. Gab es da für die NZZ am Sonntag Handlungsbedarf?
Felix E. Müller: Das
müsste man sicher genauer anschauen und diskutieren. Es ist ein
Phänomen und liesse Rückschlüsse auf das Programm der Sonntagspresse
zu.
WW: Welches sind Ihre Pläne für die weitere Zukunft der NZZ am Sonntag?
Felix E. Müller: Ich möchte sie zur führenden Zeitung am Sonntag machen in diesem Land, wenn sie es nicht bereits ist.
Von der Muss- zur Darf-Zeitung
Die Neulancierung eines dritten Sonntagstitels wurde vor vier Jahren
kritisch kommentiert. «Nichts Neues unter der Sonne», schrieb die WOZ
und weiter: «Die NZZaS wolle Mass halten, glaubwürdig und
selbstkritisch sein und Verständnis für den andern aufbringen. Ach so.
Klingt etwa so verlockend wie Irish Coffee ohne Whiskey. Gesund,
kalorienarm und massvoll statt aufpeitschend, schadet weder der Linie
noch den Gehirnzellen.» Und der heutige Präsident des Presserats Peter
Studer meinte in Facts: «Zu wenig Überraschendes, gediegen,
glaubwürdig, etwas spröd.» Das Blatt müsse sich von einer Muss- zu
einer Darf-Zeitung entwickeln.
René Worni
«Wir wollen keine weitere Zersplitterung der ICT-Branche»
Die Simsa hat sich gemeldet, um bei der Trägerschaft für die neue Internetforschung einzusteigen. Die Werbewoche fragte bei Simsa-Präsident Claudio Dionisio nach.
software association) hat sich gemeldet, um mit Wemf und SRG bei der
Trägerschaft für die neue Internetforschung (NIS) einzusteigen. Ist der
ICT-Verband dafür überhaupt geeignet? Die Werbewoche
fragte bei Simsa-Präsident Claudio Dionisio nach.WW: Warum meldete sich die Simsa als Mitinvestor bei der NIS?
Claudio Dionisio: Die
ursprünglich vorgesehene NIS-Trägerschaft mit Wemf und SRG war stark
Print- und TV-lastig. Als neutraler, glaubwürdiger Internetvertreter
wollen wir die beiden Seiten ergänzen.
WW: Wie kam der Entscheid Simsa-intern zu Stande?
Claudio Dionisio: Wir
befassen uns schon seit Jahren mit der Forschung und haben auch
Mitglieder, die diesbezüglich am Ball sind, etwa Martin Radelfinger vom
Online-Vermarkter Adlink, der auch unsere Arbeitsgruppe (AG)
Online-Werbung leitet. Als sich abzeichnete, dass die erwartete
bedürfnisgerechte Internetforschung Schiffbruch erleiden könnte, kam
aus dieser AG die Anregung, uns stärker einzubringen. Darauf gab der
Simsa-Vorstand grünes Licht zu Verhandlungen. Diese sind noch nicht
abgeschlossen, und unsere definitive Zusage hängt davon ab, wie die
Trägerschaft am Ende aussieht und wie viel Aktienkapital nötig ist.
WW: Warum meldete sich die Simsa nicht schon bei der ersten Finanzierungsrunde?Claudio Dionisio:
Es steht ja erst jetzt die Gründung einer Firma namens Net Metrix an.
Nur dazu würden wir Hand bieten. Bisher ging es aber immer um die
Finanzierung des Forschungsbetriebs, der von den Website-Betreibern und
der Werbewirtschaft bezahlt werden muss. Daran beteiligen wir uns nicht.
WW: Es
ist doch eher so, dass die Simsa die Flucht nach vorne ergriff: Denn
erst, als Wemf und SRG die Website-Betreiber zur Gründung eines
Verbandes aufriefen, kam die Simsa aus dem Busch.
Claudio Dionisio: Es
ist durchaus möglich, dass es aus der Perspektive der Werbewirtschaft
so aussieht. Allerdings hat die Simsa schon bisher Studien zur
Internetnutzung durchgeführt oder mitfinanziert, dies aber nicht nur
aus der Warte der Werbebranche, sondern auch zukunftsgerichtete, etwa
über die Nutzung mobiler Browser. Aber unser NIS-Engagement zeigt, dass
wir auch im Werbebereich für eine professionelle Forschung eintreten.
WW: Aber Hand aufs Herz: Ein weiterer Verband oder gar eine Abspaltung wäre der Simsa doch abträglich. Dem wollten Sie zuvorkommen.
Claudio Dionisio: Im
ICT-Bereich gibt es etwa 30 Verbände. Das macht die Szene
unübersichtlich. Eine weitere Zersplitterung wäre tatsächlich nicht
sinnvoll. Zudem glaube ich nicht, dass innert nützlicher Frist ein
neuer funktionierender Verband auf die Beine gestellt werden könnte.
Bevor also aus unserer AG Online-Werbung ein neuer Verband entsteht,
unterstützen wir sie und ihre Anliegen lieber.
WW: Sind
Sie auch sicher, dass das NIS-Engagement von der Mehrheit der
Simsa-Mitglieder getragen werden wird? Website-Betreiber sind in der
Minderheit, die meisten Mitglieder sind Lösungsanbieter oder kommen aus
der Hardware-Branche. Warum sollten diese die Internetnutzungsforschung
mitbezahlen wollen?
Claudio Dionisio: Das
ist tatsächlich ein kritischer Punkt, den wir gut vorbereiten müssen.
Aber die Argumente liegen auf der Hand: Die produzierende
Internetbranche ist ebenfalls am Gattungsmarketing interessiert, auch
auf der Ebene Marketing und Kommunikation. Zweitens bezahlen wir
unseren Anteil am Aktienkapital nicht aus dem laufenden Budget, sondern
aus dem Vereinsvermögen und aus zweckgebundenen Rückstellungen, die für
das Vorantreiben der Forschung vorgesehen sind. Bisher gab es aber
keine geeigneten Initiativen. Wenn wir diese Gelder für Werterhaltendes
einsetzen – das Zeichnen von NIS-Aktienkapital ist werterhaltend –,
wäre das statutenkonform. Das letzte Wort hat allerdings unsere
Mitgliederversammlung.
WW: Im
zweiten Anlauf wird NIS nun aber so aufgegleist, dass ausgerechnet euer
«Steckenpferd», die zukunftsgerichtete Forschung, zurückgestuft wird.
Kein Problem für eure Mitglieder?
Claudio Dionisio: Ich
denke nicht. Denn die meisten Firmen können das, was auf ihren eigenen
Websites passiert, heute dank Tools erkennen. Meist haben sie aber
bloss quantitative Daten, überall fehlen hingegen soziodemografische
Konsumdaten, die mit den eigenen Daten kombiniert werden können. Diese
Koppelung würde einen Intermediavergleich ermöglichen – was uns
wiederum beim Gattungsmarketing voranbringen könnte.
WW: Ein
weiteres Problem: Wemf, SRG, PubliGroupe und Adlink sind
Simsa-Mitglieder. Sie sind als NIS-Geldgeber ohnehin gefragt und würden
somit über die Simsa ein zweites Mal zur Kasse gebeten.
Claudio Dionisio: (lacht)
Das ist sehr weit herbeigezogen. Unsere Mitgliederbeiträge – notabene
mit integriertem Netzwoche-Abo – sind moderat, zudem leistet die Simsa
viel: Wir organisieren den Anlass Best of Swiss Web, wir bieten
Seminare sowie Aus- und Weiterbildung an und wir nehmen Stellung bei
Vernehmlassungen. Ich glaube deshalb, dass wir für NIS der richtige
ICT-Partner sind.
WW: Verlangt
ist für NIS ein Verband, der die Internetcommunity repräsentativ
abbildet. Die wichtigen Inhalteanbieter wie Search.ch, SBB, Post,
Verlage, Banken und Versicherungen sind bei der Simsa aber kaum
vertreten.
Claudio Dionisio: Search.ch
ist dabei, Bluewin und MSN auch. Aber es ist richtig: Einige Firmen,
unter ihnen viele Verlage, sind nicht institutionell, sondern
allenfalls via interessierte Einzelmitglieder dabei. Ein Grund ist,
dass die Firmenmitgliedschaft umsatzabhängig ist, diese Firmen aber
ihren Hauptumsatz nicht im Internetbereich machen.
WW: Soll Ihnen das NIS-Engagement dennoch zu neuen institutionellen Mitgliedern verhelfen?
Claudio Dionisio: Natürlich hoffen wir, damit für neue Mitglieder attraktiver zu sein. Diese Nebenerwartung existiert durchaus.
Bewährungsprobe steht noch bevorDass sich die Simsa als mögliche Aktionärin bei Net Metrix, der
Trägerschaft für NIS, meldet, überrascht. Noch im Januar schätzten sie
selbst einige der 182 Mitglieder als «zu heterogen und mit starker
Technik-schlagseite» ein.
Wemf-Direktor René Schmutz begrüsst zwar die Initiative der Simsa, der
auch die Wemf angehört. Aber er weist auch auf einen Entscheid des
Wemf-VRs hin, wonach die künftige Net-Metrix-Partnerin aus der
ICT-Branche «die ganze Internetcommunity repräsentieren» müsse.
Insbesondere sollten auch die Anwender- und die Marketingseite
vertreten sein. «Derzeit gibt es wahrscheinlich noch keinen solchen
Verband», stellt Schmutz nüchtern fest. Somit wird klar: Ob Simsa als
Net-Metrix-Partnerin genügt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob sie nun
kräftigen Zuzug von Website-Anbietern erhält.
Markus Knöpfli
Leichtes Plus für den Werbemonat Februar
Nach einem mit einem Minus von 1,9 Prozent missglückten Start im Januar zeigen die Brutto-Werbeinvestitionen im Februar in der Höhe von 236,983 Millionen Franken und 0,7 Prozent Zunahme eine leichte Verbesserung gegenüber Vorjahr.
Media Focus ist ein Joint Venture der beiden Marktforschungsunternehmen IHA-Gfk und AC Nielsen. Media Focus erfasst seit 1990 die Brutto-Werbeinvestitionen in der Schweiz in den Medien Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Radio, Plakat, Kino, Teletext und Internet.
