Autor: admin
Weniger Beschwerden bei der UBI im 2005
Bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) sind im letzten Jahr 20 neue Beschwerden eingegangen. Das sind fünf Beschwerden weniger als im Vorjahr.
Ihr Alltagsverbesserer
Breitband Derzeit boomen die Breitband-Internetzugänge und verändern die Rolle des Internets im täglichen Gebrauch.
schneller Internetuugänge in Europa verdoppelt. In der Schweiz hatten
diesen Februar bereits 79 Prozent aller Internetnutzer einen schnellen
Zugang über 128 kbit/s, 25 Prozent von ihnen sogar Zugänge über 512
kbit/s. Laut Angaben des Internet-, Medien- und
Marktforschungsunternehmens Nielsen Net Ratings liegt die Schweiz damit
vor Italien und Spanien. Je schneller der Zugang, desto mehr Seiten
sehen sich die Nutzer an. In der Schweiz sehen Leute mit Raten über 512
kbit/s dreimal mehr Seiten als solche mit bloss 128 kbit/s schneller
Verbindung.
Der Zuwachs an schnellen Verbindungen führt dazu, dass sich die
Nutzungsgewohnheiten verändern und mehr Menschen in kürzerer Zeit zu
mehr Inhalten Zugang haben. Das Internet wird damit mehr und mehr zum
festen Bestandteil des täglichen Lebens. Es dient zwar weiterhin in
seiner klassischen Funktion als Informationslieferant. Doch die
Kommunikation über E-Mail, Chat und Internettelefonie gewinnt an
Bedeutung. Auch selbst erstellte Inhalte spielen eine zunehmend
wichtige Rolle. Community- und Social-Networking-Seiten wie MySace,
Youtube oder klassenfreunde.ch erlauben, sich selbst darzustellen und
Kontakte zu knüpfen.
«Die Beschleunigung führte dazu, dass die Datingseiten stark wachsen,
was vorher wegen mangelnder Downloadgeschwindigkeiten teuer werden
konnte», sagt Jörg Dietz, Marketingdirektor von Nielsen Net Ratings
Schweiz zu den Zahlen. Letztlich habe das Internet dazu beigetragen,
das Image von Partnervermittlungsinstitutionen zu verbessern, meint
Dietz, denn mehr und mehr Privatpersonen suchen ihre künftigen
Lebenspartner online.
Betrachtet man die Jahresentwicklung innerhalb einzelner Segmente
(siehe Grafik oben), so fällt ein enormer Zuwachs von 116 Prozent
innerhalb eines Jahres bei den Kontaktseiten deutlich auf. Dazu zählen
zum Beispiel iLove, Meetic oder Swissfriends. Auch die
Internettelefonie mit der Software Skype hat innerhalb eines Jahres um
59 Prozent zugenommen.
Unter dem Strich wird durch die besseren Verbindungen grundsätzlich
alles bunter und schneller, der Austausch von Bildern, Musik und Videos
ist mehr und mehr eine Selbstverständlichkeit. Gemäss Jörg Dietz sind
die Auswirkungen für Werbetreibende nahe liegend, und zwar in zweierlei
Hinsicht: Es stehen wesentlich mehr Kanäle und Formate zur Verfügung,
um Zielgruppen zu erreichen. «Man kann sie dazu bewegen, Inhalte oder
sogar Marketingbotschaften weiterzuleiten», meint Dietz. Gleichzeitig
hat sich jedoch der Kampf um die Aufmerksamkeit und das Zeitbudget der
Zielgruppe stark verschärft.
René Worni
Sag mir, wo die Jugend ist
Forschung Der Spartensender Star TV ist mit den Telecontrol-Zahlen unzufrieden. Das TC-Panel erfasse die TV-Nutzung Jugendlicher ungenügend, reklamiert er. Einige Mängel sind unbestritten. Doch der SRG-Forschungsdienst schweigt.
den Telecontrol-Zahlen unzufrieden. Das TC-Panel erfasse die TV-Nutzung
Jugendlicher ungenügend, reklamiert er. Einige Mängel sind
unbestritten. Doch der SRG-Forschungsdienst schweigt.
In der Stube schauen die Eltern
«Benissimo» auf SF 1, zur selben Zeit träumt die 15-jährige Tochter im
Mädchenzimmer im Himmel der MTV-Stars, derweil sich der 17-jährige Sohn
im Bastelraum bei StarTV über neue Kinofilme orientiert. Quizfrage: Was
weist das Telecontrol-System (TC) des SRG-Forschungsdienstes über die
TV-Nutzung in diesem Haushalt aus? Eine Zuschauerin und einen Zuschauer
für SF1. Die parallele TV-Nutzung der Jugendlichen fällt damit unter
den Tisch.
«In etwa 14 Prozent aller Haushalte misst TC tatsächlich auf diese
Weise», sagt Cédric Chollet, Inhaber der Beratungsfirma Chollet
MediaExpert. Er sieht darin einen
Grund, weshalb Sparten- und Jugendsender in der Schweiz bei TC relativ
schlecht abschneiden. Auf den Sachverhalt stiess der Berater, weil er
im Auftrag des Privatsenders Star TV die Relation zwischen dessen
Nutzungszahlen und dem TC-System genauer unter die Lupe nahm. Bei Star
TV ist man seit Jahren mit den erhobenen Werten unzufrieden. 2005 kam
der Spartensender auf eine tägliche Reichweite
von knapp 400000 Personen und wies einen Marktanteil von 0,3 Prozent
aus. Viel zu wenig, ist man bei Star TV überzeugt.
Immerhin, der von Chollet festgestellte Mangel beim TC-Panel wird
andernorts weitgehend bestätigt: Gemäss Establishment Survey, der
jährlichen SRG-Grundlagenforschung, verfügten letztes Jahr 34 Prozent
aller Schweizer Haushalte über mindestens zwei TV-Geräte (siehe
Kasten). Die User Commission TV der Publica Data stellte deshalb im
Dezember fest, dass die so genannten Mehrgerätehaushalte im TC-Panel
mit nur etwa 20 Prozent «deutlich unterrepräsentiert» seien. Doch das
will die Kommission nun ändern. Allen Schwierigkeiten bei der
Rekrutierung zum Trotz verlangt sie, dass die Quote der
Mehrgerätehaushalte bis in drei Jahren dem Plansoll angepasst wird.
Doch Chollet sieht auch einen systemimmanenten Grund, weshalb die
TV-Nutzung Jugendlicher beim TC-System tendenziell zu kurz komme. «Weil
bei der Auswahl der Panelhaushalte das Alter der haushaltführenden
Person das Hauptkriterium darstellt, Jugendliche von 15 und 20 Jahren
aber verhältnismässig selten einem Haushalt vorstehen, sind ältere
Personen im Panel überproportional berücksichtigt», sagt der Berater.
Darum sei dieses Kriterium «ein alter Zopf, der abgeschnitten gehört».
Wie gross die Fehlerquote sein könnte, vermag er nicht zu beziffern.
Und noch einen Mangel führt Chollet an: Das TC-Panel scheine «generell
in einem desolaten Zustand». Zumindest war das 2003 der Fall. Das
glaubt er dem Jahresbericht 2003 der Medienwissenschaftlichen
Kontrollkommission (MWKK) um den Zürcher Professor Heinz Bonfadelli
entnehmen zu können. Im Auftrag des SRG-Forschungsdienstes überprüft
diese jährlich das TC-Panel. Damals stellte die MWKK fest, dass der
vertraglich festgelegte jährliche Austausch von Panelhaushalten nur
ungenügend funktionierte, 26 Prozent der Haushalte waren länger als
vereinbart im Panel. Chollets Fazit: «Die TC-Daten sind nicht mehr
repräsentativ. Das Panel muss überarbeitet und besser gepflegt werden.»
Doch wie steht es heute um das Panel? Chollet liegen dazu keine
aktuellen Informationen vor, weil der SRG-Forschungsdienst (FD) die
aktuelleren MWKK-Berichte nur an die User Commissions herausgibt.
FD-Leiter Manuel Dähler gewährte auch der Werbewoche keinen Einblick in
die vertraulichen Daten. Und zu den von Chollet aufgezeigten Mängeln
nahm er ebenfalls keine Stellung. Weil Star TV nicht den Weg über die
User Commission suche und auch schon mal mit einem Anwalt zu den
Gesprächen mit Publica Data aufkreuze, wolle er sich in dieser Sache
nicht via Werbewoche an Star TV wenden, sagt Dähler.
Markus Knöpfli; Mitarbeit Andreas Panzeri
So funktioniert Telecontrol
Das TC-Gerät ist ein Kleincomputer, der in derzeit 1870 Panelhaushalten
an jedes vorhandene TV- und Videogerät angeschlossen und mit dem
Telefonnetz verbunden wird. Es misst rund um die Uhr in
30-Sekunden-Intervallen alles, was mit dem TV- beziehungsweise
Videogerät geschieht. Die mindestens 15-jährigen Mitglieder des
Panelhaushaltes müssen jeweils mittels Fernbedienung den Beginn und das
Ende ihrer individuellen Sehbeteiligung eingeben. In der Nacht werden
alle Daten vom Zentralcomputer automatisch über das Telefonnetz
abgerufen. (mk)
TV-Nutzung in Mehrgerätehaushalten
Wie viele TV-Geräte stehen in den Schweizer Haushalten? Und wie oft
sehen mehrere Personen gleichzeitig mit ihnen fern? Zu beiden Fragen
gibt es keine abschliessende Antwort. Auch vom Establishment Survey
nicht. Denn die Aussage, dass 2005 34 Prozent aller Haushalte über zwei
oder mehr betriebsbereite TV-Geräte verfügten, berücksichtigt die
konkrete Fragestellung ungenügend. Diese bezieht explizit die TV-Geräte
am Hauptwohnsitz, jene in einer Zweit- oder Ferienwohnung und auch jene
am Arbeitsplatz der haushaltführenden Person mit ein. Somit lässt sich
nicht ableiten, in wie vielen Haushalten mehrere Personen gleichzeitig
auf verschiedenen Geräten fernsehen können (Parallelnutzung).
Mehr Auskunft dazu gibt eine SRG-Studie über die Mediennutzung von
Kindern. Demnach standen 2003 in den eigens befragten 499 Schweizer
Haushalten mit 7- bis 14-jährigen Kindern durchschnittlich 1,1
TV-Geräte. In 18 Prozent der befragten Haushalte hatten die Kinder gar ein
TV-Gerät im eigenen Zimmer stehen.
Offen bleibt darum, ob die Gerätezahl in den Zimmern von Jugendlichen
ab 15 Jahren wesentlich zunimmt – und wie stark sich dieser Unterschied
auf die gesamte TV-Nutzung der 15- bis 49-Jährigen auswirkt. (mk)
Taten statt Worte
Selbsthilfe Die Fachzeitschrift Der Arbeitsmarkt gibt seit zehn Jahren Medienleuten eine zweite Chance, wenn sie ihren Job verloren haben. Der Redaktionsleiter Gery Nievergelt sieht dabei auch Möglichkeiten für Werber.
Arbeitsmarkt gibt seit zehn Jahren Medienleuten eine zweite Chance,
wenn sie ihren Job verloren haben. Der Redaktionsleiter Gery Nievergelt sieht dabei auch Möglichkeiten für Werber. WW: Wer liest die Fachzeitschrift Der Arbeitsmarkt?Gery Nievergelt: Das sind Leute, die sich beruflich mit den Themen
Arbeit und Beschäftigung auseinander setzen, also Mitarbeitende in
Arbeitsmarktbehörden, HR-Fachleute oder Berufsberatende. Dazu gesellen
sich mehr und mehr auch junge Menschen, die beruflich weiterkommen
wollen.
WW:
Was sind typische Themen im Blatt? Nievergelt:
In einer Gesellschaft, die sich so stark über Arbeit definiert, ist der
Fundus an relevanten Geschichten fast unerschöpflich – wenn man das
Gespür dafür hat. So haben wir etwa als Erste ausgiebig über den
geplanten unterirdischen Bahnhof Porta Alpina berichtet, recherchierten
schon vor der Eskalation des Arbeitskonflikts in Reconvilier,
enthüllten die fragwürdigen Praktiken bei der Vergabe von Bauaufträgen.
Regelmässig berichten wir selbstverständlich über die Situation auf dem
Arbeitsmarkt in der Schweiz und im nahen Ausland.
WW:
Der Arbeitsmarkt ist auch ein vom Staatssekretariat für Wirtschaft
(Seco) getragenes nationales Programm zur vorübergehenden Beschäftigung
stellenloser Medienschaffender. Was ist wichtiger, das Produkt oder das
Programm?Nievergelt:
Beides ist wichtig, und das macht die Aufgabe auch so interessant.
Einerseits erwarten unsere Abonnenten Monat für Monat ein gutes Blatt.
Andererseits haben wir den gesetzlichen Auftrag, die bei uns für
maximal sechs Monate beschäftigten Schreibenden bei der
Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.
WW:
Und das gelingt?Nievergelt:
Das gelingt in vielen Fällen. Denn mit aktuellen Textproben oder
starken Fotos können die Teilnehmenden im Programm auf sich aufmerksam
machen – und Der Arbeitsmarkt ist mittlerweile in vielen Redaktionen
bekannt. Letztes Jahr fanden 60 Prozent oder sechs von zehn
Teilnehmenden eine neue Stelle.
WW:
Wie gross ist die Nachfrage nach solchen befristeten Praktikumsplätzen?Nievergelt:
Derzeit führen wir eine Warteliste, denn das Angebot ist auf maximal
zwanzig Plätze im Jahr beschränkt. Es gab aber auch schon Ausgaben, die
wir mit nur sechs Teilnehmenden realisierten.
WW: Wer bewirbt sich?Nievergelt:
Das sind einerseits erfahrene Medienschaffende, die aus den
unterschiedlichsten Gründen ihren Job verloren haben. Andererseits
melden sich immer mehr Arbeitslose, die mit einem Einstieg in den
Journalismus liebäugeln. Ihnen müssen wir klar machen, dass wir wohl
Weiterbildung anbieten können, aber keine Ausbildung. Man wird nun mal
nicht im Handumdrehen Journalist.
WW:
Nach welchen Kriterien werden denn die Bewerber ausgewählt?Nievergelt:
Wir, das heisst Programmleiter André Häring und ich, führen mit den
Bewerbern eigentliche Assessments durch. Dabei ist für uns
entscheidend, die Betroffenen in ihrer Suche nach einer beruflichen
Perspektive zu unterstützen. Das kann, muss aber nicht in Richtung
Journalismus gehen. Ist das Potenzial nicht vorhanden, weisen wir die
Bewerber ab, suchen aber gemeinsam nach Alternativen.
WW:
Gibt es auch Bewerber aus der Ecke der Werbung?Nievergelt:
Ja. Es melden sich PR-Fachleute, die es einmal mit Journalismus
versuchen wollen – und in der Regel um wertvolle Erfahrungen reicher in
den angestammten Beruf zurückkehren. Vor allem aber haben wir es immer
häufiger mit arbeitslosen Abgängern von Fachhochschulen zu tun, die
sich dort zu Kommunikationsprofis ausbilden liessen und nun feststellen
müssen, dass niemand auf sie gewartet hat, weil sie über zu wenig
Profil verfügen.
WW:
Das heisst, es werden heute zu viele Kommunikationsfachleute ausgebildet?Nievergelt:
Zu viele Kommunikationsfachleute, aber zu wenig gute Journalisten. Wir
sind oft erstaunt, wie wenig diese Leute nach erfolgreichem
Studienabschluss vom Metier wissen.
WW:
Das Projekt hat auch abseits der ursprünglichen Idee Potenzial in einer
Zeit des sich wandelnden Arbeitsmarktes. Gibt es Ausbaupläne?Nievergelt:
Ich bin überzeugt, dass ein informatives und viel Nutzwert
generierendes Monatsmagazin über Arbeit, Beschäftigung und Ausbildung
auch hier zu Lande kommerziell erfolgreich sein könnte, nicht zuletzt
deshalb, weil sich die etablierten Wirtschaftsblätter mit Vorliebe den
Aktiengewinnern und dem Luxus widmen. Aber wir sind nun mal nicht auf
dem freien Markt.
WW:
Was sind Ihre persönlichen Ziele mit dem Arbeitsmarkt?Nievergelt:
Wir haben kein Geld für Werbung, aber ein gutes Produkt. Wenn es uns
gelingt, dieses noch bekannter zu machen, bin ich zufrieden.
Interview: Andreas Panzeri
Hort für stellenlose Medienschaffende
Der Arbeitsmarkt ist die Schweizer Fachzeitschrift für Arbeit und
Beschäftigung und zugleich ein vom Staatssekretariat für Wirtschaft
(Seco) getragenes nationales Programm zur vorübergehenden Beschäftigung
stellenloser Medienschaffender. Die beim Zürcher Verlag jobindex media
AG produzierte Zeitschrift erscheint zehn Mal jährlich in deutscher und
französischer Sprache. Die erste Ausgabe erschien vor exakt zehn
Jahren, die Gesamtauflage beträgt heute 2900 Exemplare bei rund 1500
Abonnenten.
Der Redaktionsleiter Gery Nievergelt begann seine journalistische
Karriere im Bieler Pressebüro Cortesi. Er war u. a. Redaktor bei der
Schweizer Illustrierten, Ressortleiter bei der SonntagsZeitung und
Textchef bei der Annabelle. Er schreibt Kolumnen und arbeitete am MAZ.
Seit 2004 ist er Redaktionsleiter beim
Arbeitsmarkt.
Label Communication gewinnt Mobility Car Sharing
Die Genfer Agentur Label Communication hat den Agentur-Wettbewerb von Mobility gegen vier Deutschschweizer Agenturen gewonnen.
Die Schweizer wollens wissen
Cannes Lions 2006 Bei den Eidgenossen herrscht Zuversicht. Am Kreativwettbewerb von Cannes stehen heuer gut ein Viertel mehr Arbeiten aus der Schweiz im Rennen als im Vorjahr.
herrscht Zuversicht. Am Kreativwettbewerb von Cannes stehen heuer gut
ein Viertel mehr Arbeiten aus der Schweiz im Rennen als im Vorjahr.Die Organisatoren des 53. Internationalen
Werbefestivals Cannes Lions hatten alle Hände voll zu tun. Insgesamt
24862 Einreichungen aus 81 Ländern wurden zur Bewertung an die Côte
d’Azur geschickt. Das sind 12,5 Prozent mehr Eingänge als letztes Jahr.
Die Steigerung sei unter anderem auf die neue Kategorie Promo Lions
zurückzuführen. Selbst die hohe Zuwachsrate ist nichts im Vergleich zum
Optimismus, den die Schweizer Werber mit ihrem überdurchschnittlichen
Teilnahmezuwachs (rund 25 Prozent) ausstrahlen.
Ob sich das eifrige Bestücken des Wettbewerbs auch entsprechend positiv
in der Medaillenbilanz niederschlagen wird, ist indessen fraglich. So
wird es etwa die in der Schweiz überaus beliebte Beck&
Bondi-Spotserie für den Kunden Swisscom schwer haben, vor einer
intenationalen Jury zu bestehen. Zum einen geht der Schweizer Wortwitz
durch die Übersetzung ins Englische verloren, zum anderen lebt die von
der Agentur Contexta entwickelte Kampagne durch ihren Soap-Charakter.
Und bei 4860 Filmeinreichungen dürfte den Juroren die Geduld fehlen,
sich auf die Eigenheiten dieser Werbeserie einzustellen. Im
Printbereich gilt die Suva- Anzeige von Ruf Lanz als grosser Favorit.
Zugegeben, das im eigenen Land hoch dekorierte Sujet erfüllt alle
wichtigen Kreationskriterien: Es ist plakativ, leicht verständlich und
kommuniziert eine klare Botschaft, nämlich, dass das Tragen von
Fahrradhelmen bei Unfällen einen wichtigen Schutz bietet. Dennoch muss
hier angemerkt werden, dass dieses Motiv sechs Jahre zu spät dran ist,
weil es eine Referenz an den damals sehr erfolgreichen Horrorschocker
«Scream» darstellt.
Brasilianischer Stil schon out?
Generell mangelt es unter den Schweizer Einsendungen an echten
Innovationen. Die handwerklich gut gemachten Spots und Anzeigen bieten
nichts, was es noch nicht gab. Im Printbereich haben sich die Agenturen
einmal mehr bemüht, den viel zitierten «brasilianischen» Stil zu
kopieren – sprich: lustige Bildwitze zu kreieren. Nur wird es immer
schwieriger in Cannes, mit dieser Art von Arbeit zu punkten, von denen
sich inzwischen sogar die Brasilianer selbst distanzieren: «Der
visuelle Witz ist nicht mehr das A und O. Wir müssen inzwischen sehr
viel konzeptioneller denken», sagt Werbe-Guru Marcello Serpa,
Kreativchef der hochdekorierten Agentur Almap BBDO in São Paulo. Er ist
der Ansicht: «In dem Moment, wo Trends als solche erkannt werden, ist
es vorbei damit.» Und tatsächlich macht es den Anschein, dass die
Juroren bei internationalen Kreativwettbewerben übersättigt sind von
solchen Beiträgen.
Stattdessen votieren sie für Kampagnen, die neuartige Wege aufzeigen,
mit dem Verbraucher in Kontakt zu treten. So kommt es nicht von
ungefähr, dass den jüngeren Kategorien Direct, Cyber, Promo, Media und
Titanium Lions ein immer grösseres Augenmerk zuteil wird. Da ergeht es
den Juroren ähnlich wie den Verbrauchern in der «realen» Welt. Sie
überblättern die Anzeigen, nehmen Plakate kaum noch wahr und zappen in
den Werbepausen weg – wer heute an den Verbraucher herankommen will,
muss ihn involvieren, überraschen und zur Interaktion auffordern. Dies
geschieht am ehesten im Internet, am Point of Sale, in der
Direktansprache oder mittels neuer, ungewöhnlicher Wege, die in Cannes
bei den Media und Titanium Lions honoriert werden. Idealerweise sind
diese Kanäle dann noch auf kreative Weise mit den klassischen Medien
vernetzt. Genau das ist es, worauf nicht nur die Schweizer, sondern
alle Werber rund um den Globus ihre kreative Energie lenken sollten.
Noch hat die Königsdisziplin Film ihren Glamourfaktor nicht verloren.
Aber bei der grossen Abschlussgala müssen sich die einst alleinigen
Stars der Cannes Lions bereits die Bühne mit den Titanium-Gewinnern
teilen. Das ist ein nicht zu unterschätzendes Signal an die gesamte
Branche.
Bärbel Unckrich ist Redaktorin bei Horizont Deutschland.
So bewerten die Top500-Auftraggeber ihre Werbeagenturen
Agenturrating Bei den Agenturen mit weniger als zehn Kunden aus der Liga der Top500-Auftraggeber belegt KSB/SJ in vier von sechs Teilaspekten der Studie den ersten Platz. Bei den Agenturen mit mehr als zehn Kunden holen Contexta und Ruf Lanz je zweimal sowie AY&R und JvM/Limmat je einmal den ersten Platz.
als zehn Kunden aus der Liga der Top500-Auftraggeber belegt KSB/SJ in
vier von sechs Teilaspekten der Studie den ersten Platz. Bei den
Agenturen mit mehr als zehn Kunden holen Contexta und Ruf Lanz je
zweimal sowie AY&R und JvM/Limmat je einmal den ersten Platz.Bereits zum vierten Mal erfragte die Media
Research Group im Rahmen ihrer jährlich durchgeführten Werbemarktstudie
bei den 500 grössten Schweizer Werbeauftraggebern ihr Urteil über die
wichtigsten Werbeagenturen (siehe «Methodenbeschrieb» auf Seite 12).
Klick auf Bilder für vergrösserte AnsichtDie Veröffentlichung der Ergebnisse 2005 hatte ziemlich viel Staub
aufgewirbelt und zu heftigen Diskussionen geführt. Hauptärgernis war,
dass Agenturen mit knapp fünf Kunden im untersuchten Marktsegment im
gleichen Ranking aufgeführt wurden wie Grossagenturen mit mehr als 30
Kunden. Zudem wurde bemängelt, dass auf Grund der vermuteten zu
geringen Fallzahlen kein repräsentatives Bild entstehen könne.
Auf Grund dieser Kritik wurden dieses Jahr die 24 abgefragten Werbeagenturen in zwei Kategorien
aufgeteilt:
1. In der ersten Kategorie müssen weiterhin mindestens fünf
Beurteilungen der drei Einzelleistungen (Kreativität, Strategie und
Beratung) von Kunden aus dem Kreis
der Top500-Auftraggeber vorliegen. Alle abgefragten Werbeagenturen
haben diese Mindestanforderung
erfüllt.
2. Um in die zweite Kategorie aufgenommen zu werden, müssen zwei
Bedingungen erfüllt sein: a) mindestens zehn Beurteilungen und b) zwei
von drei Kunden müssen an der Befragung teilnehmen.
Alle Werbeagenturen, welche die Bedingung a) erfüllt haben, haben
gleichzeitig auch die Bedingung b) erfüllt. Dies ist keineswegs
selbstverständlich. Es musste damit gerechnet werden, dass einzelne
diese beiden höheren Hürden nicht schaffen werden.
Auf Grund dieser Anforderungen wurden 10 Werbeagenturen der Kategorie 1 und 14 der Kategorie 2 zugeteilt.
Ausserordentlich hohe Umfragebeteiligung
Die Beteiligung an der Umfrage war schon 2005 recht hoch: Sie lag bei
73,1% aller Top500-Auftraggeber, die mit einer der abgefragten
Werbeagenturen arbeiten. 2006 wurde diese Marke nochmals deutlich
übertroffen. 90,6% sind es diesmal.
2003, bei der erstmaligen Durchführung der Umfrage, wurde die am
häufigsten beurteilte Werbeagentur 56-mal benotet. Vor einem Jahr lag
diese Fallzahl bei 102. 2006 wurde sie nochmals um mehr als 50 Prozent
übertroffen und liegt nun bei 158. Mehr als verdreifacht hat sich
daneben aber auch die Beurteilung der am seltensten bewerteten Agentur.
Die hohen Antwortzahlen gelten allerdings nur für den Gesamteindruck.
Denn hier konnte jeder Befragte seine Meinung über alle Werbeagenturen
äussern.
Gleiches gilt für das Kriterium der Empfehlungen. Bei dieser Frage
wurden die Befragten gebeten, die drei Werbeagenturen zu nennen (erste,
zweite und dritte Wahl), die sie
einem Kollegen weiterempfehlen würden. Auch hier durften sämtliche
Agenturen genannt werden,
also auch solche, mit denen man heute nicht zusammenarbeitet.
Zu den drei Einzelleistungen (Kreativität, Strategie und Beratung)
durften sich hingegen nur Auftraggeber äussern, die diese Leistungen im
vergangenen Jahr auch tatsächlich in Anspruch genommen haben. Es liegt
deshalb auf der Hand, dass die Fallzahlen der einzelnen Werbeagenturen
hier vergleichsweise tief liegen (zwischen 5 und 31).
Somit besteht das Ergebnis der Befragung aus sechs Teilaspekten:
1. Bekanntheitsgrad (= Anzahl Antworten), 2. Image (= Note beim
Gesamteindruck), 3. Weiterempfehlung von Agenturen an Dritte,
4. Kreativität, 5. Strategie sowie
6. Beratung.
Abräumer in der Kategorie 1: KSB/SJ
Je grösser die Zahl der eingegangenen Antworten für eine Agentur, desto
grösser ihre Bekanntheit. Nach dieser einfachen Formel, anhand der
Beurteilungen des Gesamteindrucks, wird der Bekanntheitsgrad ermittelt.
104 Auftraggeber
haben beim Gesamteindruck ein Urteil über GGK, Grey und Lesch + Frei
abgegeben. Dies sind 37,4 Prozent aller Auftraggeber, die sich an der
Umfrage beteiligt haben. Dahinter folgt mit 103 Nennungen Lang Gysi
Knoll (siehe Grafik 1: Der Bekanntheitsgrad von Werbeagenturen bei
Top500-Auftraggebern, die die Mindestanforderungen erfüllen).
KSB/SJ schwingt beim Image obenaus. Mit 6.07 Punkten liegt sie deutlich
vor den beiden nächsten, Metzgerlehner mit 5.59 Punkten und Sulzer
Sutter mit 5.57 Punkten.
Knapp fiel die Entscheidung bei den Empfehlungen aus. 13 der 252
Auftraggeber, die an der Befragung teilgenommen haben, geben eine
Empfehlung für Lesch + Frei ab, 8 davon sind Erstempfehlungen. 12
Empfehlungen entfallen auf KSB/SJ. Davon sind ebenfalls 8
Erstempfehlungen. Gleich viele Empfehlungen gingen an Sulzer Sutter.
Allerdings sind darunter nur vier Erstempfehlungen.
Bei allen drei Einzelleistungen wurde KSB/SJ am besten beurteilt. Bei
der Kreativität erhielt die Zürcher Agentur von ihren Kunden die Note
9, bei der Strategie eine 9.2 und bei der Beratung eine 9.8 (auf einer
10er-Skala). Mit ihrer Note 9 liegt sie bei der Kreativität 1.5 Punkte
über dem Durchschnitt der zehn Agenturen der Kategorie 1. Mit der 9.2
bei der Strategie liegt die Agentur sogar zwei Punkte über dem
Klassendurchschnitt, und die 9.8 in der Beratung bedeuten ein Plus von
1.75 Punkten. Die grössten Stärken von KSB/SJ liegen demzufolge bei der
Strategie, gefolgt von der Beratung. Die relativ geringste Stärke wird
der Agentur für ihre Kreativität attestiert. Aber auch diese liegt noch
deutlich vor der Agentur, die auf Platz zwei liegt.
Bei der Kreativität liegt Lesch + Frei mit 8.17 an zweiter und Lang
Gysi Knoll mit 7.89 an dritter Stelle. Bei der Strategie ist die
Reihenfolge hinter KSB/SJ gerade umgekehrt. Lang Gysi Knoll belegt hier
mit 8.11 den zweiten und Lesch + Frei mit 7.83 den dritten Platz.
Bei der Beratung tauchen hinter KSB/SJ zwei neue Gesichter auf. Cosmic
erhielt für ihre Beratungsleistung eine ausgezeichnete 9 und Sulzer
Sutter eine 8.67.
Mehrere Platzhirsche in der Kategorie 2
Die Agentur mit dem grössten Bekanntheitsgrad aller Werbeagenturen ist
Advico Young & Rubicam, wurde sie doch von allen am häufigsten
beurteilt. 158 Auftraggeber haben ein Urteil zum Gesamteindruck von
AY&R abgegeben. Dies sind 62,7 Prozent aller Auftraggeber, die sich
an der Umfrage beteiligt haben. Nur knapp dahinter, mit 154 Nennungen,
liegt Publicis an zweiter Stelle. Auf Rang 3 folgt Jung von Matt (JvM)/
Limmat mit 149 Nennungen.
Obwohl Ruf Lanz beim Bekanntheitsgrad nur auf dem neunten Platz steht,
also weniger häufig beurteilt wurde als die bekanntesten Agenturen,
vermag sie sich beim Image, der Kategorie für den Gesamteindruck, an
die Spitze zu setzen. Mit 7.8 beträgt ihr Vorsprung vor Jung von
Matt/Limmat allerdings nur gerade 0.09 Punkte. Mit 7.59 Punkten folgt
Spillmann Felser Leo Burnett (SFLB) auf dem dritten Platz.
Von 79 Auftraggebern (30,6% aller Auftraggeber, die sich an der Umfrage
beteiligt haben) wird
JvM/Limmat als vertrauenswürdi-ge Werbeagentur weiterempfohlen (39
davon als Erstempfehlung und weitere 30 als Zweitempfehlung). Ruf Lanz
bringt es auf 70 und SFLB auf 61 Empfehlungen. Sehr viele Empfehlungen
erhalten auch die beiden nächstplatzierten. Publicis wird 55-mal und
AY&R 49-mal empfohlen. Zum Sechstplatzierten klafft dann bereits
eine ziemlich grosse Lücke (siehe Grafik).
In der Einzelwertung Kreativität geht Platz eins mit 9.63 Punkten klar
an Ruf Lanz. Auf Platz zwei folgt, mit einem deutlichen Abstand und 9.0
Punkten, SFLB. Auf Platz drei liegt mit 8.68 Punkten JvM/Limmat. In der
vorderen Ranglistenhälfte und mit mehr als 8 Punkten platziert sind
noch Wirz mit 8.31 Punkten, Contexta mit 8.09 und TBWA mit 8.0 Punkten.
Contexta legte in Strategie und Beratung zu
Contexta, bei den ersten vier Teilaspekten auf den Plätzen 5
beziehungsweise 6 zu finden, setzt sich bei der Strategie mit 8.45
Punkten an die Spitze, direkt vor SFLB und JvM/Limmat, die beiden
Erstplatzierten des Vorjahres. SFLB erzielt mit 8.26, nun auf Platz
zwei liegend, praktisch dieselbe Punktzahl wie vor einem Jahr,
JvM/Limmat, nun auf Platz drei, mit 8.18 sogar eine bessere Note.
Dahinter folgen Wirz und AY&R mit 7.77 respektive 7.7 Punkten.
Auch bei der Beratung erzielt Contexta mit 8.45 Punkten den
Spitzenwert. Wie 2005 liegt FCB Leutenegger Krüll auf dem zweiten
Platz. Sie konnte ihre Note gegenüber dem Vorjahr um 0.2 Punkte auf
8.33 verbessern. Auf Platz drei steht mit 8.23 Punkten JvM/Limmat. Auf
Platz vier vorgerückt ist Grendene Ogilvy & Mather und hat mit 8.18
Punkten knapp das Podest verpasst.
Besseres Image der Kategorie 2
Vergleicht man die beiden Kategorien, so fällt der grosse Unterschied
beim Image auf. In der Kategorie 1 beträgt der Durchschnitt lediglich
5.44 Punkte. Dem steht die Kategorie 2 mit einem Wert von 6.47 Punkten
gegenüber – eine gewaltige Differenz. Man muss sich das wie folgt
vorstellen: Die 14 Agenturen der Kategorie 2 wurden von
durchschnittlich 130 Auftraggebern eine ganze Note besser beurteilt als
die 10 Agenturen der Kategorie 1.
Auch die Kreativität und die Strategie der Kategorie 2 werden um je
0.33 Punkte besser beurteilt als diejenigen der Kategorie 1. Bei der
Beratung verhält es sich aber gerade umgekehrt. Hier liegt der
Durchschnittswert der Kategorie 1 um 0.33 Punkte über demjenigen der
Kategorie 2. In der Kategorie 1 wird die Beratung, in der Kategorie 2
die Kreativität am besten beurteilt. Am schlechtesten schnitt in beiden
Kategorien die Strategie ab.
Eine Gesamtnote aller sechs Teilaspekte oder nur einzelner dieser sechs
Teilaspekte zu ermitteln, erübrigt sich auch diesmal. Auch so wird
recht deutlich, welche Werbeagenturen bei den Top500-Auftraggebern im
Schweizer Werbemarkt am besten abschneiden.
Dr. Walter Weder ist Mitinhaber der Media Research Group und Initiant der Werbemarktstudie.
Methodenbeschrieb
Die Beurteilung der Werbeagenturen ist Bestandteil der jährlich
durchgeführten Werbemarktstudie, die von Mitte Januar bis Mitte März
lief. Nach Abschluss der Werbemarktstudie wurden die Fragen, welche die
Beurteilung der Werbeagenturen betreffen, aus dem Fragebogen
herausgelöst und den Auftraggebern, die noch nicht geantwortet hatten,
nochmals zur Beantwortung vorgelegt.
Grundgesamtheit: Befragt wurden die Top500-Auftraggeber im Schweizer
Werbemarkt. Sämtliche dieser Unternehmen wurden angefragt. 278 dieser
Unternehmen arbeiten mit einer der abgefragten Werbeagenturen. Von
diesen haben 252 (=90,6%) an der Befragung teilgenommen.
Methode: Den Befragten wurde eine E-Mail zugestellt. Diese enthielt
einen Link, der zur Umfrage führte. Die Umfrage fand auf der Website
der Media Research Group statt. Ohne diesen Link gab es keinen Zugang
zur Umfrage. Dennoch wurden alle Antworten geprüft, ob sie von einer
berechtigten Person stammen.
Funktion der Befragten: Befragt wurden die Verantwortlichen für die
Marketingkommunikation (Marketing- bzw. Werbeleiter). Die Entscheidung,
ob Marketing- oder Werbeleiter, liegt allein beim befragten Unternehmen
(da abhängig von unternehmensspezifischer Organisation, Kompetenzen,
Kenntnissen). In den meisten Fällen wurde der
Kommunikationsverantwortliche für das Gesamtunternehmen befragt, in
einzelnen Fällen der Kommunikationsleiter des wichtigsten
Unternehmensbereichs bzw. Produkts.
Fragestellungen: Den Befragten wurden drei unterschiedliche Fragetypen
vorgelegt. Zum Gesamteindruck konnte sich jeder Befragte unabhängig
davon äussern, ob er mit der beurteilten Agentur in einem
Auftragsverhältnis steht oder nicht. Zu den einzelnen Leistungen
(abgefragt wurden Kreativität, Strategie und Beratung) konnten sich nur
Befragte äussern, die im Verlauf des vergangenen Jahres Leistungen von
der beurteilten Agentur bezogen hatten.
Die Frage, welche Agenturen sie an Dritte weiterempfehlen würden,
durften wiederum alle Befragten
beantworten.
Mindestfallzahlen/Kategorien: Bei der Beurteilung der einzelnen
Leistungen sind die Fallzahlen naturgemäss sehr gering. Es wurde eine
Mindestfallzahl festgelegt, die für eine Veröffentlichung der
Ergebnisse erforderlich ist. Diese liegt bei fünf Antworten. Diese
Hürde haben alle der 24 abgefragten Webeagenturen genommen.
Die Werbeagenturen werden in zwei Kategorien aufgeteilt:
Werbeagenturen, die von weniger als 10 Kunden, und solche, die von 10
und mehr Kunden beurteilt wurden und bei denen mindestens zwei von drei
ihrer Top500-Kunden an der Befragung teilgenommen haben.
Die einzelnen Leistungen einer Agentur durften nur von solchen
Auftraggebern beurteilt werden, die diese Leistungen 2005 tatsächlich
in Anspruch genommen haben. Das Einhalten dieses Erfordernisses wurde
überprüft. Von jeder der 24 abgefragten Werbeagenturen wurden deren
Kundenlisten verlangt. 9 von 10 Werbeagenturen sind diesem Wunsch
nachgekommen. Bei den restlichen Agenturen musste auf ältere Listen
zurückgegriffen werden. Alle diese Agenturen sind in der ersten
Kategorie (weniger als 10 Beurteilungen) klassiert.
Die zweite Runde
Andy Ruf weiss, wie im ASW der Karren läuft: Er übernimmt das Präsidium des Verbands heuer zum zweiten Mal.
zwei Uhren: Damals zeigte ein Ticker die Schweizer Zeit und der
andere die Lokalzeit der Insel. Heute sind es die Agenturzeit und die
Kundenzeit. «Kunden gehen immer sieben Minuten vor, damit ich nie zu
spät zum Meeting komme.»
Vor 15 Jahren hat Andy Ruf seine Werbeagentur in Eglisau gegründet.
Schon nach fünf Jahren wurde «aus dem groovigen Garagenatelier eine
trendige Fullservice-Werbeagentur».
Der neue ASW-Präsident hat zu Beginn die Illusion gehabt, er könne
alles alleine machen. Die «One Man Show aus Überzeugung» ist ihm auch
sechs Jahre gelungen. Es kann aber zum Problem werden, wenn man seiner
Agentur den eigenen Namen gibt. «Es gibt Kunden, die wollen alle ihre
Anliegen unbedingt mit dem Agenturinhaber besprechen – was natürlich
auch ein ASW-Credo mit den inhabergeführten Agenturen ist: Hier kocht
der Chef.»
Später musste Ruf abwägen: Was soll delegiert werden, was soll man
selber machen? Den Entscheid hat ihm die Entwicklung des Internets
abgenommen. «Ich merkte, dass ich hier die Beratungskompetenz durchaus
bieten kann, aber nicht mehr die Realisationskompetenz.» So hat Ruf
seine ersten spezialisierten Mitarbeiter angestellt, und inzwischen
macht Internet ein Viertel des Arbeitsvolumens aus.
Ruf Werbung beschäftigt heute 15 Leute mit insgesamt 1200
Stellenprozenten. Andy Ruf ist für die Kundenbetreuung verantwortlich.
Seine kreative Seite wird er nie ganz aufgeben, aber seine
Kernkompetenzen sind Beratung und Strategie. Vor zwei Jahren hat er
sich mit einem BSW-Lehrgang für Strategic Planning an der HSG weiter
spezialisiert.
Schlüsselmitarbeiter sind Daniel Sager, Projektmanagement, und Mario
Colombo, zuständig für die Qualitätssicherung im kreativen Bereich.
Die übliche Karrieretour durch die grossen BSW-Agenturen war nie Rufs
Wunsch. Ebenso klar war, dass er seine Agentur nicht in Zürich eröffnen
wollte. «Dort hat es schon genug Agenturen, und viele Kunden fahren
gern einmal aufs Land.» Rufs Kunden finden aus der ganzen Schweiz zu
ihm. Zum Beispiel Pasito Fricker, ein Konglomerat von Schuhlabels mit
gegen 100 Filialen im ganzen Land.
Ein weiterer wichtiger Kunde ist Streuli Pharma. Für den
Generika-Spezialisten mit 350 Mitarbeitenden soll Platz drei im
Schweizer Markt angepeilt werden. Die Agentur arbeitet derzeit an einem
Rebranding und betreut alles von B2B über Consumer-Werbung bis zur
Pressearbeit.
Spass macht Ruf auch die Arbeit an einem Jubiläumsfilm «20 Jahre
Bergwald-Projekt». Greenpeace hat diese Idee im Kanton Graubünden
lanciert. Geschäftsleute und Private «lüften ihren Kopf» und helfen in
einer karitativen Auszeit eine Woche lang mit, den Wald aufzuforsten.
Andy Ruf sieht sich als «Ausbildungsfetischist». Er hat alles von Grund
auf lernen wollen und sich so von der Grafik über den Werbeberater bis
zum Fotografen entwickelt. «Ich habe gespürt, dass es viele Felder
gibt, die mich interessieren. Alle meine Hobbys sind in der Werbung
zusammengekommen.» Selbst im Audiobereich kann er mitreden. Der frühere
Jazzrocker ist auch ausgebildeter Audio-Engineer. So steht auch ein
eigenes Tonstudio in den Räumen der Agentur, zur Produktion von
Radiospots oder der Vertonung von Filmen und Websites.
Ruf ist in Zürich aufgewachsen und mit rund 20 Jahren nach Bülach
gezogen. Mit seiner Agentur, die er mit 28 Jahren gründete, hatte er
«als Nobody» bei einem Pitch gegen namhafte Konkurrenten ein Mandat für
das Einkaufszentrum Parkallee gewonnen. Mit diesem Budget konnte er
sich selbstständig machen. Der Kunde ist ihm nach 15 Jahren immer noch
treu.
Ruf ASW arbeitet an zwei Standorten. In Eglisau findet sich die
Beratung und Strategie. Als es eng wurde, konnten in Bülach grosszügige
Räume für die Kreation sowie das Fotostudio zugemietet werden.
Ruf repräsentiert mit seinem Unternehmen die moderne ASW-Agentur. Seit
zehn Jahren ist er in der Allianz Schweizer Werbeagenturen aktiv, seit
sieben Jahren im Vorstand und jetzt zum zweiten Mal Präsident. Ruf
fühlt sich «im Verband zu Hause – und so macht es auch Spass, ihn
mitzuleiten». Drei Personen bilden das Präsidium: Past-Präsident,
Präsident und Vizepräsident. Das seien «aktive Personen, die bereit
sind, etwas zu bewegen». Man will nicht nur sich selber weiterbringen,
sondern auch die Mitglieder und die Branche.
Ruf sieht in der ASW «ein gutes Netzwerk, wo man ohne Futterneid
gegenseitig profitieren kann». Der Verband hat viele praktische Tools
entwickelt wie zum Beispiel den Werbeleistungsvertrag, der zum
Branchenstandard geworden ist.
Anstehende Aufgaben sind Hilfen für Kalkulation und Projektmanagement,
«damit die Agenturen ihre Kontrolle über die Zeit für einzelne Mandate
besser im Griff haben». Laufend ist man auch am Ausbau der
Zusammenarbeit zwischen Agenturen, zum Beispiel beim Regeln des
Zusammenarbeitsmodus bei gemeinsamen Mandaten.
Im Verband ortet Ruf «eine gute Zeit für neue Mitglieder». Auch von den
Start-ups mit früheren Kaderleuten aus BSW-Agenturen zeigen einige
Interesse.
Ruf ist seit 22 Jahren verheiratet. Das erste von zwei Kindern ist erst
vor knapp vier Jahren dazugekommen, was die späten Eltern als «eine
totale Bereicherung» empfinden. Frau Claudia arbeitet in der
Buchhaltung der Agentur mit, dazu führt sie eine eigene
Gesundheitspraxis.
Ähnlich spät wie Kinder zeugen haben Ruf und seine Frau angefangen,
Golf zu spielen. «Golf ist ein idealer Partner-Sport in der Natur. Man
spielt nicht gegeneinander, sondern gegen sein eigenes Handicap. Sich
gemeinsam zu verbessern, ist hier ebenso angesagt wie im Agenturleben
und im Verband.»
Andreas Panzeri
«Engpässe bringen Geschäfte»
Ralf Wölfle, Leiter des Competence Centers E-Business Basel an der Fachhochschule Nordwestschweiz, über die Kommerzialisierbarkeit des Breitbandinternets.
E-Business Basel an der Fachhochschule Nordwestschweiz, über die
Kommerzialisierbarkeit des Breitbandinternets.
WW: Wem nützt es, dass immer mehr Leute über einen Breitbandzugang ins Internet verfügen?
Ralf Wölfle: Ich möchte
zwei Bereiche unterscheiden. Eine Reihe von Geschäftsmodellen sind von
Breitbandzugängen direkt abhängig. Zum Beispiel Audio- oder
Videopodcasts. Auch der Musik- und Filmvertrieb profitiert unmittelbar
davon. Wenn früher oder später kostenpflichtige Dienste sich der Audio-
oder Videoübertragung bedienen werden, was ja vielleicht jetzt mit den
Podcasts eingeleitet wird, ist für solche Geschäftsmodelle eine
Breitbandinfrastruktur zwingende Voraussetzung. In anderen Bereichen,
zum Beispiel der Integration von geschäftskritischen Anwendungen über
das Internet, braucht es kurze Antwortzeiten. Die sind von der
Kapazität und von der Auslastung der Netze abhängig.
WW: Da denken Sie an Streaming, an Internettelefonie?
Wölfle: Ich
denke auch an ganz normale Übertragungen, wie sie im E-Commerce und
besonders in automatisierten Prozessen eingesetzt werden. Wenn man zum
Beispiel im Rahmen einer E-Commerce-Anwendung auf den Lagerbestand
eines Zulieferers zugreifen möchte. Wenn Sie da eine Antwortzeit von
einer halben Minute haben, ist das zu lang, und das Geschäftsmodell
funktioniert so nicht.
WW: Gibt
es herausragende Geschäftsmodelle, die vom Anwachsen der Bandbreite
derzeit besonders begünstigt sind, zum Beispiel Internettelefonie?
Wölfle: Die
Medienindustrie ist klar die am stärksten betroffene Branche, im
positiven wie im negativen Sinn. Da ändern sich die Distributionswege,
wir haben eine Transformation in dieser Branche. Bei der Telefonie
können wir noch nicht von Geschäftsmodell sprechen, weil sie genauso
wie Podcasts noch weitgehend gratis ist. Die Innovationen werden ja
häufig über Gratisanwendungen ausgetestet. Gerade Internettelefonie
zeigt, dass wir von den Antwortzeiten abhängig sind. Es werden Services
entstehen, die Antwortzeiten garantieren werden, weil sonst die
Qualität der Internettelefonie nicht kalkulierbar ist.
WW: Besonders
die Printverleger suchen unter dem Leidensdruck des weggebrochenen
Inserategeschäfts nach neuen Geschäftsmodellen im Internet. Gibt es
Anzeichen dafür, wann dieses kommerziell breiter nutzbar sein wird?
Wölfle: Anzeichen
dafür kann ich nicht nennen. Es gibt aber Indikatoren. Ein Indikator
kann der Leidensdruck infolge einer grossen Nachfrage sein. Zunächst
werden mit der Entwicklung neuer Dienste durch die Pioniere auf einem
Gebiet neue Anwendungsmöglichkeiten von Information bekannt gemacht und
ausprobiert. Welche Applikation vom Markt aufgegriffen wird, ist
zunächst offen. So wie einmal Instant Messaging, das sich als
Killerapplikation entpuppt hat, was niemand voraussehen konnte. Wir
wissen nicht wirklich, wie sich die Internettelefonie entwickeln wird,
oder der Rundfunk: Werden Radios einmal ihre gesamten Sendungen als
Podcasts anbieten? Welche Inhalte werden Zeitungen dauerhaft
gratis abgeben? Zu solchen Fragen haben sich noch keine
Standardantworten etabliert. Aber ein Indikator wird sein: Wird sich
bei einem Dienst die Nachfrage entwickeln, dann wird wahrscheinlich
auch irgendein Engpass um ihn herum entstehen. Diesen zu beheben, ist
der Mehrwert, mit dem Dienstleister kostenpflichtige Angebote
einführen. Ein Engpass kann die mangelnde Bandbreite sein. Sie wollen
einen Film ansehen, und der Stream wird immer wieder unterbrochen. Oder
es entstehen Qualitätsengpässe beim Internettelefonieren. Hat ein
Internetmedium einmal eine gewisse Bedeutung erlangt, muss mit dem
Aufkommen von Missbräuchen wie Spam gerechnet werden.
WW: Sehen wir das jetzt in der Blogosphäre?
Wölfle: Das
Bloggen hat eine gewisse Popularität erreicht, jetzt wird das Bloggen
gespamt – es braucht Software oder professionell geführte Services, die
das wieder bereinigen. Hat ein Kanal eine grössere Verbreitung, wird es
für den Nutzer auch inhaltlich unübersichtlich. Dann bekommt die
Auswahl, die Gewichtung der Inhalte durch eine Redaktion oder Ähnliches
wieder stärkere Bedeutung. Das spielt in der Pionierphase eines Mediums
keine Rolle. Aber mit der Masse wird das zunehmend bedeutsam. Man kann
die Fülle des Informationsangebotes nur dann sinnvoll nutzen, wenn es
Dienstleister gibt, die sie auf einfache Art erschliessen, sei es durch
entsprechende Infrastruktur oder durch Auswahl, Suchhilfen und
Qualitätssicherung.
Interview: René Worni
Publigroupe will mit elektronischen Medien einen Spitzenplatz
Die Werbevermittlerin Publigroupe will die elektronischen Medien stärken und als bedeutende Werbevermittlerin auf der gesamten Klaviatur der Medien spielen.
Die Alu-Weltmeister
Recycling ViznerBorel zeigt, wie in der Schweiz neben dem Fussballfieber auch ein Sammelfieber für Aluminium grassiert.
ab. Mit einem nationalen Plakataushang und einer starken Präsenz im TV
während der Fussball-Weltmeisterschaft wird das Schweizer Herz sicher
für Köbi und seine Jungs schlagen, aber auch für 100 Prozent
Alu-Recycling.
Die Agentur ViznerBorel führt die Kampagne zum Aluminiumsammeln mit
einer Plakatkampagne weiter, die gesellschaftspolitische Inhalte auf
eine ironische Art und Weise thematisiert. In den TV-Spots der zweiten
Staffel veranstaltet Igora für die Schweizerinnen und Schweizer
Lektionen, wo sie lernen können, wie man das Alusammeln zur Perfektion
treiben kann.
Die Filme arbeiten mit Humor, der ins Absurde geht. Die Spots von
Gap-Films in München wurden deshalb nach den gleichen Kriterien vor
Publikum getestet, wie das Schweizer Fernsehen seine Produktionen
testet. Wo man beim TV bei einem Wert von 4,8 bereits von einer sehr
guten Akzeptanz spricht, haben die Alu-Filmchen Werte bis 5,3 erreicht.
Mit den Tests wollte sich die Agentur absichern, da die Filme
unkonventionell sind und viel Mut zum Übertreiben zeigen. «Wir wollten
sichergehen, dass absurde Gags wie zum Beispiel das Anfeuern der
Sammler mit Elektroschock beim Publikum nicht falsch verstanden
werden», meint Lajos Vizner.
Dermassen übertreiben «bis zum letzten Kick» wollte man, weil es
natürlich auch ein übertrieben hochgestecktes Ziel sei, einen
Sammelerfolg von 100 Prozent zu erreichen. Diese Marke musste aber zum
strategischen Ansatz werden, nachdem die Schweizer mit 91 Prozent
bereits heute Weltmeister im Alu-Recycling sind.
Um das Sammeln und Recyceln von leeren Verpackungen aus Aluminium
anzukurbeln, wurde die Igora-Genossenschaft mit Sitz in Zürich im Jahre
1989 gegründet. Damals wurden erst 31 Prozent der gebrauchten Dosen zur
Wiederverwertung gesammelt.
Andreas Panzeri
