Stratege mit Groove

Martin Fritsche ist Strategic Planning Director für TBWA Switzerland und setzt auf erfolgreiche Werbung mit «kulturellem Mehrwert».

Martin Fritsche ist Strategic Planning Director für TBWA Switzerland und setzt auf erfolgreiche Werbung mit «kulturellem Mehrwert».Es heisst, man müsse Komplexität reduzieren – als ob dies möglich wär: «Komplexität kann man nicht reduzieren, aber die Haltung dazu», zitiert Martin Fritsche den Systemtheoretiker Niklaus Luhmann, eine seiner wichtigsten Leitfiguren.Komplexität reduzieren, das muss auch, wer den Berufsweg des neuen Leiters für Strategie bei TBWA auf nur einer Heftseite beschreiben will. Politischer Aktivist in Berlin, Theatermann, Gymasiallehrer, Journalist, Wissenschafter, Werber, Dozent und Designforscher: Viele Facetten prägen die Karriere von Martin Fritsche – und alles hat seinen komplexen Zusammenhang.
Angefangen hat es an der Uni Zürich mit Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie. Kurz vor dem Lizenziat wurde Fritsche aber klar, «etwas fehlt». So wollte er für ein Forschungssemester nach Berlin. Dort erkannte der Mann, der alles immer perfekt haben muss, dass er in Zürich zehn Semester lang «kaum etwas kapiert» habe. Also kniete er sich noch einmal rein und machte seinen Magister Artium an der Freien Uni Berlin.
Als dann auch noch die Mauer fiel und an vielen europäischen Unis der grosse Streik ausgerufen wurde, konnte Fritsche nicht mehr weg. «Es war einfach zu viel los, und ich war schon mitten drin.»
Später hat er in Berlin die Öffentlichkeitsarbeit für das Hebbel-Theater betreut und gleichzeitig am Fachbereich für Kommunikations- und Geschichtswissenschaften der TUB eine Dissertation verfasst mit dem Titel «Hans Magnus Enzensbergers produktionsorientierte Moral. Konstanten in der Ästhetik eines Widersachers der Gleichheit». Das töne kompliziert, lacht er heute. In dieser Arbeit zeigt er auf, «wie Image durch das Zusammenspiel von Produktions- und Rezeptionsästhetik entsteht. Mich interessieren Projektionen auf die Realität. Erkenntnistheoretisch gibt es ja keine Realität, sondern nur das, was wir dafür halten.»
Das hat natürlich «extrem viel mit Werbung zu tun». Die Werbung und die Konsumente spielten zusammen ein Spiel: «Wir kreieren kommerziell ausgerichtete Botschaften und instrumentalisieren Massenmedien. Das ist aber alles offen- gelegt. Der Konsument entscheidet weiter autonom, ist aber gleichzeitig Teil des Systems – genau wie wir.»
Deshalb könne wirklich gute Werbung nur die sein, welche einen kulturellen Mehrwert erzeuge und «diesen dialogischen Kreislauf mit Sinn stiftenden Werten anreichere».
Eingestiegen in die Werbung ist der heutige Stratege in Zürich als Texter bei Studer & Partner. Dort habe er unter anderen viel von Werner Schellenberg gelernt. Diesen AD trifft er nun rund zehn Jahre später wieder bei TBWA. Dem Quereinsteiger ging es zunächst darum, sich möglichst schnell alle Praktiken der kommerziellen Kommunikation anzueignen. Wichtigste Stationen waren Fisch Meier Direkt, Interbrand Zintzmeyer&Lux und Euro RSCG als Head of Strategic Planning.
Nachdem Fritsche schliesslich «vier grosse Strategie-Bibeln» in verschiedenen Agenturen kennen gelernt hatte, war er gegenüber der neuen «Religion» von TBWA mit dem provokanten Namen Disruption zuerst skeptisch – inzwischen ist er aber überzeugt. «Disruption ist für mich die Herausforderung, den radikalen Bruch zu wagen.» Disruption erlaubt es, einen ganz anderen Hebel anzusetzen, als dies die konventionelle Werbung tut. Unter Umständen könnten durch Disruption ganze Marketingorganisationen hinterfragt und radikal optimiert werden.
Um nicht nur seine Kompetenz den steigenden Anforderungen an Vernetzung und Dynamik in der Kundenberatung, sondern auch im Management anzupassen, ist Fritsche seit zwei Jahren Participant der FlowTeamAcademy. Dieser Think Tank befasst sich mit der Optimierung komplexer Prozesse und der «Implementierung von Initiativen in bestehende Strukturen». FlowTeam-Management heisse «nutzen von diversifizierten Talenten, nonlinear führen, Selbstorganisation fördern, synchron und dezentral entwickeln».
FlowTeam ohne Hierarchien: Ist das auch möglich in einer Agentur? «Natürlich muss TBWA mit ihrer Grösse durchstrukturiert funktionieren, und letztlich trägt einer die Gesamtverantwortung. Ich kann aber Inseln schaffen, wo FlowTeam funktioniert. Eine davon ist der Kreativ-prozess», meint Fritsche. Solches Workshop-Design sieht er «machbar über verschiedenste Organisationsstufen hinweg bis hin zum Kunden».
Auf den FlowTeam-Approach kam er an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Dort wirkte er am Institut für Designforschung unter der Ägide von Ruedi Baur ein Jahr lang als Dozent und Forschungsleiter. «Nach zehn Jahren Werbung suchte ich neue Impulse und weiterführende Ansätze. Ich kann ja nicht ein Leben lang Schoggistängeli und Mittelklasse-Autos verkaufen. Mich reizte die Mischung von Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunikation.»
Doch der inzwischen erfolgreiche Praktiker musste im Verlauf seines «Hochschul-Sabbaticals», wie er es nennt, realisieren, dass er den Hochschulmief nicht mehr ertrug. «Ich muss Business machen, will ein motiviertes Team führen, steigende Umsätze und prosperierende Kunden.»
So kehrte der Stratege wieder zurück in die Branche und arbeitet seit August als Strategic Planning Director für TBWA Switzerland – «ein internationales Netzwerk, wo ich Gas geben kann». Fritsche zeigt sich begeistert vom neuen Job, weil Zürich in diesem Netzwerk nicht nur die Rolle einer Adaptions-Agentur spiele, sondern mit einem direkten Draht zu Paris in Zukunft noch mehr zum international hoch stehenden Ruf von TBWA beitragen kann.
Zwar wird der neue Kunde McDonald’s nicht grundsätzlich neue Strategien erlauben. «Bei der fünftstärksten Marke auf diesem Planeten weiss das Headquarter genau, was es will und muss. McDo sagt mir aber nicht, auf welchen Wegen ich diese Ziele zu erreichen habe. Hier sind wir angehalten, echt disruptiv und kreativ zu arbeiten.»
Wie führt man eine Marke? Wie baut man sie auf? Als Dozent für Corporate Identity und Brandmanagement an der Fachhochschule Nordwestschweiz ist Fritsche gezwungen, theoretisch immer up-to-date zu sein.   «Ich muss die neueste Fachliteratur verarbeiten und kann auch von den Studenten immer wieder befruchtende Inputs mitnehmen.»
Auch bei vollstem Terminplan pflegt Fritsche seine Besuche im Zürcher Jazzclub Moods. «Der Laden wird langsam, aber sicher eine bedeutende Institution im europäischen Jazz», glaubt er. «Denn was ist guter Jazz anderes als Disruption: profunde Kenntnis der Konventionen, virtuoses Brechen der Konventionen und überraschend Neues kreieren, das grooved.»             
Andreas Panzeri

Filmtalente im Wettstreit

Filmförderung Der Einsendeschluss für den Nachwuchswettbewerb Talent Screen ist auf den 2. September verlängert worden.

Filmförderung Der Einsendeschluss für den Nachwuchswettbewerb Talent Screen ist auf den 2. September verlängert worden.Alles will zum Film. Auf dem Weg zur Leinwand herrscht ein kunterbuntes Gedränge. Trotzdem hat es nach wie vor Platz für Spielberg-Junioren,  Coppola-Töchter und andere Talente. Bei Redaktionsschluss dieser Werbewoche haben sich bereits 122 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den Wettbewerb Talent Screen angemeldet. Das ist neuer Rekord. Trotzdem wollen die Veranstalter Philip Delaquis, Min Li Marti und Stefan Zuber von Das Kollektiv noch weiteren Filmhoffnungen eine Chance geben. «Viele arbeiten so verbissen an ihren Drehbüchern, dass sie noch gar nichts von unserem Wettbewerb gehört haben», meint Zuber – obwohl Wirz Werbung das sehr kreativ kommuniziert hat. Der Anmeldeschluss für den Wettbewerb ist deshalb auf das nächste Weekend, 2. September, verlängert worden. Teilnehmen kann man in zwei verschiedenen Formaten. Im Pitch- Battle muss vor Publikum aus einem eigenen Drehbuch vorgelesen werden. Beim Movie-Marathon muss innert 48 Stunden ein Kurzfilm gedreht werden. Der Start dieser Verfolgungsjagd mit der Zeit ist am Montag, 4. September, 12 Uhr in Zürich. Dort erhält das Team vom künstlerischen Leiter einen Umschlag mit dem vorgegebenen Thema. Anmelden können sich Teams ab zwei Personen. Der Film ist in Bezug auf das Genre offen (Spiel-, Dokumentar- oder Experimentalfilm) und soll weniger als fünf Minuten lang sein. Teilnehmer arbeiten mit ihrem eigenen Equipment. Abgabetermin für den fertigen Film ist Mittwoch, 6. September, um 12 Uhr.
Das Thema im letzten Jahr war «Putzen». Auch beim neuen Marathon soll wieder so etwas «Exotisches» verlangt werden. Damit will die Jury vermeiden, dass die Teilnehmer nur ihre alten und bereits fertigen Filme einreichen können.
In der Jury sitzen Matthias Freuler (Creative Director Wirz Werbung), Marc Görtz (Managing Director RingierTV), Valentin Greutert (Produzent HesseGreutert Film), Manuel Flurin Hendry (Regisseur, künstlerischer Leiter), Madeleine Hirsiger (Redaktionsleiterin Fernsehfilm SF Schweizer Fernsehen) und Nicole Hess (Filmjournalistin).
Diese Jury bestimmt zehn Finalisten (Shortlist). Diese werden am Freitagabend, 8. September, in der Gessnerallee dem Publikum vorgeführt. Das Publikum wählt den Gewinnerfilm. Ebenfalls in der Gessnerallee wird das Publikum per Dezibelmessung beim Applaus über die Sieger im Pitch-Battle entscheiden.
Nicht nur die Anzahl der Teilnehmenden ist bei der zweiten Auflage des Wettbewerbs höher. Auch bei den Preisen wurde massiv aufgestockt. Diese reichen von eine Woche Schnittplatz inklusive Cutter bei RingierTV über Studionutzung bei Jingle Jungle bis zu einer Panasonic HD-Kamera für Profis sowie einen Geldpreis über 5000 Franken von Pathé Schweiz. Der Gewinnerfilm wird zudem am 13. September im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt werden. Mehr Infos zum Wettbewerb sind auf
www.talentscreen.ch zu finden.Andreas Panzeri

Doppelter Cicero

Marketing Das Politmagazin Cicero will Lesern und Inserenten Mehrwert bieten.

Marketing Das Politmagazin Cicero will Lesern und Inserenten Mehrwert bieten.Manche Monatszeitschriften erscheinen im Sommer mit einer so genannten Doppelausgabe, einem Heft in zwei Monaten – aus Spargründen. Bei Cicero, Ringiers politischem Monatsmagazin in Deutschland, ist dies ähnlich. Nur spart man dort nicht, sondern nimmt den Ausdruck «Doppelausgabe» wörtlich: Am 31. August erscheint die Septemberausgabe im Doppelpack, das eine Heft ganz in Schwarz-Weiss gehalten, ein zweites in Farbe. Am Kiosk ist nur die schwarzweisse Nummer erhältlich, Kioskkäufer können die farbige Ausgabe aber kostenlos bestellen. Abonnenten erhalten das Doppelpack nach Hause geschickt.Die beiden Hefte unterscheiden sich nicht nur in der Farbgebung, auch die redaktionellen Inhalte sind unterschiedlich, beziehen sich jedoch thematisch jeweils auf das andere Heft. «Cicero steht für lebendige Debattenkultur. Wir wagen daher ein ungewöhnliches journalistisches Experiment von blattmacherischer These und Gegenthese. Denn bei den grossen Fragen unserer Zeit sind die Antworten nie nur schwarz und weiss», erklärt Chefredaktor Wolfram Weimer.
Werbekunden erhielten die Möglichkeit, die Heftdualität aufzunehmen und sich kreativ zu inszenieren: In der Schwarzweissausgabe konnten sie nur ein ebensolches Inserat schalten, parallel dazu konnten die Inserenten in der farbigen Ausgabe aber kostenlos ein vierfarbiges Inserat hinzubuchen. Mit einer Ausnahme: Als Werbepartner durfte BMW als einziger Kunde in der schwarzweissen Ausgabe 15 farbige Doppelseiten schalten. Die «Cicero Double Edition» stiess offenbar auf gute Resonanz: Der Umfang von insgesamt 320 Seiten besteht zu einem Drittel aus Inseraten. Die Auflage wurde erhöht.
Markus Knöpfli

Gelinggarantie inbegriffen

Kochpresse Betty Bossi will nächstes Jahr ein crossmediales Lifestyle-Magazin lancieren – und zwar mit Werbung.

Kochpresse Betty Bossi will nächstes Jahr ein crossmediales Lifestyle-Magazin lancieren – und zwar mit Werbung.Betty Bossi feiert das 50-jährige Bestehen. Die bewährten Rezepte mit der Gelinggarantie, die auch Leute mit zwei linken Händen am Herd zur Höchstform auflaufen lassen, geniessen in gewissen Kreisen Kultstatus. Betty Bossi, die fiktive Figur einer findigen Werbetexterin Mitte der 50er-Jahre, ist längst ein beachtliches Unternehmen und macht den grössten Anteil des Umsatzes mit qualitativ hochwertigen so genannten Küchenhelfern, vom Sparschäler über die Saucenkelle bis hin zum Apfelentkerner. Die begehrten Objekte, die das Unternehmen selber produziert, sind jedoch den Abonnentinnen und Abonnenten der Betty-Bossi-Zeitung vorbehalten. Daneben produziert der Verlag die bekannten Kochbücher mit der charakteristischen Ringheftung. Seit vier Jahren sind Ringier und Coop zu gleichen Teilen am Unternehmen beteiligt. Ab 2002 kamen auch Fertigprodukte unter dem Namen Betty Bossi in die Regale des Grossverteilers, was den Beachtungsgrad der Marke weiter erhöhte. Bis jetzt richtete sich das Unternehmen vor allem an die 30- bis 50-Jährigen. Jetzt will man neue Zielgruppen erschliessen und auch ein jüngeres Publikum ansprechen.
Neue Zielgruppen erschliessenTrotz einer Auflage der Betty-Bossi-Zeitung von fast 900000 Exemplaren – sie erscheint zehnmal jährlich – blieb das Blatt bisher für Werbekunden verschlossen. Auf das erste Halbjahr 2007 plant das Unternehmen den Launch eines neuen crossmedialen Magazins sowohl in Print als auch online. «Anzeigen sind geplant», bestätigt Kommunikationsleiterin Ruth Bannwarth.
Bereits jetzt sucht der Verlag eine Leiterin oder einen Leiter für den Aufbau und die Führung des Projektes. «Wir wollen neue Zielgruppen erschliessen und auch jüngere Leute ansprechen, die sich anders, zum Beispiel mit Conveniencefood verpflegen», sagt Bannwarth. Mehr will sie noch nicht verraten, denn die Planung soll erst im November beginnen. Beim Projekt dürfte es sich um ein Lifestyle-Magazin handeln. Denn der Verlag hegte bereits im Jahr 2000 Pläne unter dem Arbeitstitel «Maison» in diese Richtung.
Betty Bossi startete 1956 als Betty Bossi-Post als einfache Konsumentenzeitschrift auf Deutsch und Französisch – Umfang: ein einziges Blatt. Dieses lag gratis in den Lebensmittelläden auf. Mit der Zeit wuchs die Themenpalette der Zeitschrift. Rezepte für Kinder, Strickanleitungen, Dialektgeschichten, Kreuzworträtsel, Budgetplanung und Beratung in Erziehungsfragen kamen zum eigentlichen Hauptthema Kochen dazu. Ab 1966 erschienen acht Ausgaben pro Jahr im Abonnement, und ab 1972 mutierte das Blatt nach grundlegender Überarbeitung zur Zeitung für modernes Kochen und Haushalten. 1973 erschien das erste Kochbuch mit einer Palette an gelingsicheren Kochrezepten. Heute erscheinen im Schnitt jährlich drei bis vier Kochbücher. Mit www.bettybossi.ch lancierte das Unternehmen 1998 die erste Kochplattform online.
2001 ging Betty Bossi mit der Kochsendung «al dente» am Schweizer Fernsehen (SF 2) auf Sendung. Derzeit steht die Expansion in die Westschweiz an.
Beliebtes aus 50 JahrenJust zum 50-jährigen Bestehen hat Betty Bossi eine Sammlung von 370 beliebten und gelingsicheren Rezepten zusammengestellt und diese zum währschaften «Das grosse Betty-Bossi-Kochbuch» in bewährter Spiralheftung gebunden. Auf 472 Seiten und durch 620 Farbbilder illustriert können auch Anfänger einen sicheren Einstieg in die Welt des Kochens und Zubereitens wagen – hantieren mit den Küchenhelfern  eingeschlossen.
René Worni

Ehret das Alter

Recycling Wirz sucht im Haushalt nach alten Batterien, die man umweltgerecht entsorgen sollte.

Recycling Wirz sucht im Haushalt nach alten Batterien, die man umweltgerecht entsorgen sollte.Mit einem putzigen Hündchen, das Batterien ausscheidet, die dann per Battery Bag entsorgt werden, hat Wirz die Sammelaktion lanciert. In diesem Spot sollte vor allem der Battery Bag in der Bevölkerung bekannt gemacht werden. Jetzt will Wirz das Sammeln weiter ankurbeln. Viele nicht mehr funktionierende Batterien, so schätzen die Fachleute, lagern heute irgendwo in alten Spielzeugen und Geräten. Dort sollen sie allerdings nicht ihr Endlager finden.Im umweltfreundlichen Entsorgen von PET, Glas und Alu sind die Schweizer bereits vorbildlich, wenn nicht gar Weltmeister. Bei Batterien könnten wir noch ein bisschen mehr Energie entwickeln. Zwar finden bereits mehr als 60 Prozent aller Batterien regelmässig den Weg zurück.
40 Prozent belasten aber weiterhin irgendwo die Umwelt mit ihrem Gift. Darum lanciert Inobat jetzt eine nationale Sammelwoche. Diese zielt darauf ab, dass vor allem Uralt-Batterien zurückkommen. Also solche, die zum Beispiel in irgendeinem alten und nicht mehr benützten Gadget in einer Schublade oder auf dem Estrich vor sich hin dämmern. Damit die Aktion zum Erfolg wird, hat Wirz eine witzige Plakatkampagne realisiert, die auf verblüffende Art das Thema «alte Batterien» dramatisiert. Die Kampagne startet Mitte September mit drei Sujets.
Bei der Sammelaktion will auch der Detailhandel im grossen Stil mitmachen. Bereits gibt es 12000 offizielle Rückgabestellen in der Schweiz. Viele bieten ihre Dienste allerdings noch zu wenig aktiv an. So sollen zum Beispiel Kioske im Zuge dieser Aktion ihre oft noch diskret versteckten Sammelboxen prominenter aufstellen. Zielgerecht kommuniziert werden soll die Aktion auch über Schulen. Dort gibt es einen Wettbewerb. Klassen, die besonders aktiv sammeln, können Geld für ein Ferienlager gewinnen. Auf diese Weise, so hofft CD Matthias Freuler, soll der Gedanke über die Kinder auch in die Familien hineingetragen werden.     
Andreas Panzeri
 

Noch nicht ganz reif

René Worni über den Restverlag Jean Frey

René Worni über den Restverlag Jean FreyJüngst vermeldete die taz aus täuschender Berliner Ferne (Titel: «Mit Roger nach rechts»), mit dem Kauf von 60 Prozent der Weltwoche durch noch Welt-Chefredaktor Köppel stehe –  seines Flaggschiffs beraubt – der Jean Frey Verlag zur Disposition. Ein klassischer Übernahmekandidat. Mögliche Interessenten an diesem noch aus Beobachter, Bilanz und TVStar bestehenden Gebilde wären Ringier, Tamedia und der Axel Springer Verlag (dessen Lohnempfänger Roger Köppel derzeit noch ist). Denkbar sind alle Varianten, doch gibt es eine plausible? Besonders Springer gilt der taz als wahrscheinlicher Käufer, hält der doch bereits mit der HandelsZeitungs-Gruppe und mit dem Launch eines neuen Blattes für digitales Fernsehen einen Fuss im Land. Doch was soll Springer mit der Bilanz? Ringier wurde bereits einmal enttäuscht, als BaZ-Verleger Hagemann den Verlag einer zunächst unbekannten Investorengruppe veräusserte. Als einigermassen prestigeträchtig gälte an der Dufourstrasse höchstens der Beobachter. Mit der Bilanz erwüchse Konkurrenz zum eigenen Cash-Projekt und TVStar würde wohl verschwinden, denn Ringier ist bereits gut dotiert mit Programmzeitschriften. Mit 40 Prozent am Prestigetitel Weltwoche lässt sich ausserdem (schade, Herr Meyer) kein Staat mehr machen.
Bleibt Tamedia. Das Regionalisierungsprojekt des Tages-Anzeigers kostet zwar, doch die zweite Schiene – Expansion durch Zukäufe – ist ebenso wiederholt erklärtes Ziel der Strategen an der Werdstrasse. Immerhin würden sowohl der Beobachter wie auch die Bilanz dem gut aufgestellten Verlag nicht schlecht zu Gesicht stehen. Der Programmbeilage TVtäglich erwüchse durch TVStar kaum Konkurrenz. 40 Prozent an der Weltwoche als strategisches Pfand – man kann nie wissen.
Verkaufs- und Übernahmeszenarien als blosse Erfindung, so die Dementis bei Jean Frey. Doch was täte der Verlag ganz ohne Weltwoche? Noch ist nicht klar, wie stark Jungverleger Köppel die Dienste des Verlages beanspruchen will und muss. Zunächst will er den Titel physisch in andere Lokalitäten umsiedeln. Indiz für eine absehbare Restverweildauer bei Jean Frey? Ohne Prestigeobjekt Weltwoche erscheint ein Verkauf immerhin plausibel. 
> René Worni, Redaktor

The girls are back in town

Tennis Wirz Werbung spekuliert, welche Partien am Zurich Open zum Knüller werden.

Tennis Wirz Werbung spekuliert, welche Partien am Zurich Open zum Knüller werden. Mit einer einfachen, plakativen Umsetzung bringen die Kreativen von Wirz Werbung einmal mehr auf den Punkt, wofür das Zurich Open steht: für Frauentennis vom Feinsten, und das auf Weltklasseniveau. Dieses Jahr kommunizieren fotorealistisch illustrierte Tennisbälle nicht nur schnell und direkt, um welche Sportart es hier geht. Auf unterhaltsame, reduzierte Weise wird zudem visualisiert, welche Protagonistinnen zurzeit die Weltspitze dominieren. Damit soll unter anderem zum Ausdruck kommen, dass es sich beim Zurich Open Event mehr als um einen reinen Sportanlass handelt, was ja auch schon die Schlagzeile unterstreicht: «The girls are back in town».Was gab Anlass zur Kampagnenidee? Die Topspielerinnen im Tenniszirkus sind sich der medialen Wirkung ihrer Erscheinung durchaus bewusst und legen deshalb bei der Pflege der eigenen (Marken-)Persönlichkeit nicht nur Wert auf sportliche Leistung, sondern ebenso sehr auf Äusserlichkeiten wie den Hairstyle oder eine bestimmte Art der Kopfbedeckung. Genau mit diesen Attributen arbeitet die Kampagne von Wirz.
Die fotografischen Karikaturen von Illustrator Matthias Töpfer und die Bearbeitung von Rino Frei spielen mit der Idee, dass diese Tennisspielerinnen eigentlich Tennis spielende Marken sind sowie gleichzeitig Botschafter für die Marken ihrer Ausstatter. Die prominenten Girls haben die Sujets zum Teil gesehen und «finden es cool», wie CD Hanspeter Schweizer bei Wirz verrät.
Nach einer ersten Ankündigungswelle bereits im Frühling werden die neuen Plakate, Anzeigen und Tramplakate ab September massiv zu sehen sein. Sie sollen «die pure Vorfreude auf einen Event wecken, der im Oktober den Tennisbegeisterten im Zürcher Hallenstadion wieder viel Spannung und Freude bringen wird», hofft Beat Ritschard vom Veranstalter Octagon Worldwide in Zürich. Für ihn soll die Werbung für das Zurich Open nicht nur Aufschlag und Satz mit einer sportlichen Veranstaltung ankündigen, sondern auch einen Mehrwert mit  allen Insignien eines hochkarätigen Events versprechen.
1984 erhielt Zürich sein erstes grosses Tennisturnier – die European Indoors. 21 Jahre nach der Premiere und nach acht Jahren im Stadion Schluefweg in Kloten kehrte 2005 das bedeutendste europäische Hallenturnier der Sony Ericsson WTA Tour ins neue Hallenstadion in die Stadt Zürich zurück. Seither heisst es Zurich Open. Im renovierten Stadion soll der Event noch mehr an internationalem Glanz erhalten. Neu können die Vorrunden auf zwei Plätzen parallel gespielt werden. Für das Finale wird die Halle vollständig zu einem Center Court umdekoriert.
Für eine persönliche Einladung der zu erwartenden Prominenz haben die Kreativen von Wirz bereits einen speziellen Tennisball kreiert. Dieser soll mit einem dezenten Parfüm versehen als Mailing verschickt werden.
Das Zurich Open ist seit über 20 Jahren das Turnier der Nummern 1: Steffi Graf, Lindsay Davenport, Venus Williams, Martina Hingis und Justine Henin-Hardenne – sie alle haben das Turnier mindestens einmal gewonnen. Seit 1993 zählt das Zurich Open zum Kreis der Tier-I-Serie, der höchsten Kategorie nach den vier Grand Slams.
   
Andreas Panzeri

Konkurrenzkampf endlich vorbei

Werbestatistik Der Wettbewerb zwischen Wemf und Media Focus geht zu Ende. Doch es gibt weiterhin zwei Erhebungen.

Werbestatistik Der Wettbewerb zwischen Wemf und Media Focus geht zu Ende. Doch es gibt weiterhin zwei Erhebungen.Anfang 2003 erhielt die langjährige Monatsstatistik von Media Focus (MF) Konkurrenz von der Wemf, die damals mit einer eigenen Monatserhebung, dem Advertising Index Switzerland (AIS), startete. Erklärtes Ziel war, die Qualität der Werbestatistiken zu verbessern. Selbstredend sind die beiden Statistiken nicht identisch und weisen unterschiedliche Währungen auf (siehe Kasten). Das führte da und dort zu Verwirrung. Für eine gemeinsame Statistik hatten die beiden Anbieter jedoch lange kein Gehör, bis kurz vor der Sommerpause: Am 23. Juni gaben Wemf und MF in einem gemeinsamen Communiqué die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung bekannt. Damit sollte die Branche verbesserte Werbe- und Medienstatistiken erhalten.Die Eckpunkte dieser Vereinbarung: Die Wemf stellt ihren AIS per Ende Januar 2007 ein. MF hingegen führt die bisherige Statistik, welche die getätigte Werbung zu Bruttotarifen bewertet, konkurrenzlos weiter. Allerdings wird die Wemf erneut eine Erhebung lancieren, die jedoch auf den effektiv getätigten Umsätzen basiert. Auf diese Weise bleiben der Branche zwei verschiedene Währungen erhalten. Worin besteht da der Fortschritt?
Um dies zu verstehen, muss man die unterschiedlichen Erwartungen an Werbeumsatzstatistiken kennen. Auf der einen Seite stehen die werbetreibenden Firmen und Agenturen, die wissen wollen, mit welchem Werbedruck Konkurrenten für deren Produkte werben. Der Werbedruck lässt sich nur nach den Bruttotarifen der effektiv erschienenen kommerziellen Werbung berechnen, Rubrikeninserate sind dafür uninteressant. Diesem Wunsch kommt die monatliche MF-Bruttostatistik weitgehend nach.
Auf der andern Seite stehen die Medienanbieter, die sich mit ihren Anbieter-Konkurrenten nach Marktanteilen messen – und Letztere lassen sich nur auf Grund der effektiv getätigten Werbeausgaben (Nettowert) berechnen. Zwar gibt es bereits eine Nettoumsatz-Statistik – jene der Stiftung Werbestatistik –, doch diese erscheint nur einmal jährlich. Die Wemf versucht jetzt, eine häufiger erscheinende Nettostatistik auf die Beine zu stellen. «Idealerweise ist das eine Statistik, die wie MF monatlich erscheint», sagt Wemf-Direktor René Schmutz. «Derzeit klären wir ab, was die Medienanbieter wirklich wollen, wozu sie Hand bieten und was sie zu zahlen bereit sind.»
Klar ist, dass die Nettostatistik der Wemf nicht nach Produkten und Werbekunden aufgeschlüsselt werden kann – die Medienanbieter sind nicht bereit, sich derart detailliert in die Bücher schauen zu lassen. Doch Schmutz zeigt sich optimistisch, dass die neue Statistik bis Ende Jahr steht. Bisher habe er von den Medienanbietern nur positive Signale erhalten. Methodische oder technische Probleme sieht er keine, das Knowhow sei da, schliesslich besorge die Wemf bereits die jährliche Nettostatistik – im Auftrag der breit abgestützten Stiftung.
Neues Online-AngebotÄnderungen gibt es aber auch bei MF. Die Statistik und möglicherweise auch die Firma MF werden einen anderen, treffenderen Namen erhalten. Um den Werbemarkt möglichst vollständig abzubilden, prüft MF-Geschäftsführer Lukas Zihlmann ferner den Einbezug von Ad-Screen, Direktwerbung und Sponsoring in die Statistik. Und schliesslich hat MF kürzlich ein neues Onlineangebot lanciert: MF-Kreationen. Statt blanker Zahlen können Abonnenten nun auch Inserate und TV-Spots der Konkurrenz anschauen. Dazu sind Angaben zum jeweiligen Streuplan erhältlich.
Doch was hat der vierjährige Konkurrenzkampf gebracht? Mit Sicherheit finanzielle Einbussen auf beiden Seiten sowie eine Pattsituation: Die Verleger waren Kunden bei der Wemf, MF zählte dagegen rund zwei Drittel der Werbeauftraggeber zu seinen Abonnenten. Kein Wunder: MF war vor zwei Jahren vom Verband Schweizer Werbeauftraggeber (SWA) zum «prefered supplier» ernannt worden. Die Wemf hatte das Nachsehen. Lukas Zihlmann gibt zu, dass sich MF nicht zuletzt dank der Konkurrenz gewandelt hat: So habe man das Produkt verbessert, die Statistik jeweils etwas früher im Monat publiziert und ferner die Zahlen besser auf Vollständigkeit und Richtigkeit kontrolliert, sagt er.
Einen weiteren Punkt fügt SWA-Direktor Jürg Siegrist hinzu: MF sei seit dem Start von AIS wesentlich günstiger geworden. Trotzdem hat er sich stets für nur eine Brutto-Statistik ausgesprochen. «Wir sind äusserst glücklich über die sinnvolle Arbeitsteilung, welche die beiden Anbieter nun gefunden haben», sagt er.
Zwei Statistiken, zwei MethodenZiel von MF ist es,
Brutto-Brutto-Werte, also den Werbedruck inklusive Freespace und Gratisschaltungen, auszuweisen. AIS dagegen hat sich auf das «fakturierte Brutto» (exklusive Freespace und Gratisschaltungen) fixiert – mit einem Mangel: Auf Druck von Grosskunden liefern TV und Kino beiden Anbietern bloss Brutto-Brutto-Werte, weshalb bei AIS kein Mediamix-Vergleich möglich ist. Umgekehrt liefern die Aussenwerber seit je nur ihr fakturiertes Brutto, was streng genommen auch MF einen sauberen Intermedia-Vergleich verunmöglicht. Da Brutto-Brutto-Daten auch im Ausland verwendet werden und MF Teil des Nielsen-Netzwerks ist, sind die MF-Daten international vergleichbar, jene von AIS nicht.Ein zweiter Unterschied: Das grosse Printvolumen wird von MF und AIS methodisch unterschiedlich erhoben: AIS erhält die Seiten- und die Beilagenvolumina jeweils von den Verlagen geliefert (Selbstdeklaration). MF hingegen lässt die kommerziellen Inserate (ohne Rubriken) ab einer Grösse von 200 Millimetern (Tagespresse) beziehungsweise ab 1/16-Seite (Zeitschriften) ausmessen, und Beilagen lässt MF erst seit Anfang Jahr erheben, jedoch nur bei jenen 25 Titeln, die rund 70 Prozent des Beilagenvolumens auf sich vereinen.
Weitere Unterschiede zwischen den beiden Anbietern: MF-Daten lassen sich nach 140 000 Produkten und 60000 Firmen durchforsten, in der AIS-Datenbank sind rund 20000 Firmen und etwa 60000 Produkte und Dienstleistungen erfasst. Und natürlich existiert der AIS erst seit gut vier Jahren, die History von MF reicht dagegen bis 1993 zurück.
Kein Einfluss auf die Wemf-InseratestatistikDie monatliche Inseratestatistik der Wemf
basiert zwar auf den für AIS erhobenen Zahlen, dennoch wird die Einstellung des AIS keinen Einfluss auf die Statistik haben. Es komme deswegen weder zu einem Unterbruch noch zu einem Währungsbruch, versichert Wemf-Direktor René Schmutz. «Wir werden die Inseratevolumina weiterhin nach den bisherigen Regeln erheben.» Allerdings werden die Verlage an Stelle der Daten zu den einzelnen Inseraten neu strukturierte Gesamtsummen melden. Markus Knöpfli

Qui bono?

Kolumne Oliver Classen über den Antiarmutsaktivisten von U2 und was diesen mit dem Besitzer des Kapitalismus-Zentralorgans Forbes verbindet.

Kolumne Was verbindet den Antiarmutsaktivisten von U2 mit dem Besitzer des Kapitalismus-Zentralorgans Forbes? Neben der Predigerpose eine Geschäftspartnerschaft. Wer profitiert davon?Nach einem dieser wildromantischen Open
Airs Mitte der 80er-Jahre, ich glaube, es war St. Gallen, wussten wir
sonntags mal wieder nicht wie nach Hause kommen. Also Daumen raus und
rein ins erste Auto, das sich unser erbarmte. Es war irgendeine
Edelkarosse, doch drinnen dröhnte «Sunday Bloody Sunday» von U2, was
mir den (für meine damaligen Begriffe) ekelhaft eleganten Fahrer fast
sympathisch machte. Auch sein bald einsetzender missionarischer
Lobgesang aufs Geldverdienen und –-ausgeben weckten mehr Neugier als
Widerspruch. Denn der Typ glaubte, was er sagte, und das allein schon
wirkte auf mich leidenschaftlichen Skeptiker anziehend.

Als ich 20 Jahre später oder genauer: vor drei Wochen erfuhr, dass
U2-Frontmann Bono sich beim US-Wirtschaftsmagazin Forbes eingekauft
hat, schossen mir reflexartig die Anfangszeilen oben erwähnter
Jugendhymne durch den Kopf: «I can’t believe the news today, I can’t
close my eyes and make it go away.» Der Pop-Politiker, Charity-Gründer
und Afrika-Anwalt als Teilhaber ausgerechnet jenes «capitalist tool»
(Eigenwerbung), dessen Rankings der Reichsten und Mächtigsten Gier,
Neid und den ganzen Geldglamour publizistisch erst salonfähig machten!?
Je näher ich die SDA-Meldung betrachtete, desto weiter schaute sie
zurück.

Die Irritation stieg noch, als wenige Tage darauf ruchbar wurde, dass
der Lederjackendiplomat seine Holding U2 Limited aus dem heimatlichen
Irland nach Holland verlegt hat, wo Einkünfte aus Urheberrechten quasi
steuerfrei sind. Auf dem Hintergrund allerdings, dass Steve Forbes, CEO
des gleichnamigen Medienkonglomerats, in seinen zwei gescheiterten
Bewerbungen um die US-Präsidentschaft jeweils die Vorzüge einer
nationalen «flat tax» pries, liess Bonos Steuerflucht zugleich erste
Berührungspunkte der beiden Antipoden erkennen.

Paul Hewson (alias Bono Vox), dem die Rockbühne als moralische Anstalt
dient, und der Wallstreet-Apostel Steve Forbes sind zwar Männer mit
diametral entgegengesetzten Botschaften. Was sie jedoch eint, ist ihr
Opportunismus beim Schmieden von Koalitionen, die der jeweiligen
Zielerreichung dienlich sind. So suchte Forbes frisches Kapital und
Bono – gemeinsam mit fünf Private-Equity-Partnern – gute Renditen,
zudem aber auch einen weiteren Medienverbündeten im
Aufmerksamkeitskampf gegen Armut und für seine Hilfsorganisation «Data»
(Debt, Aids, Trade, Africa).

Wer wem mehr nutzt, scheint also durchaus berechenbar: Vorausgesetzt,
Forbes floriert weiter und rührt inskünftig die Werbetrommel für Data,
endet die Mésalliance 2:1 für die U2-Ikone. Mit seinem doppelbödigen Investment
riskiert der wendige Weltinnenminister zugleich allerdings sein
gesamtes Glaubwürdigkeitskapital. Und zwar besonders bei
Durchschnittsideologen, die dem Schwarzweissdenken frönen und keine
Grauzonen tolerieren mögen.

Doch genau hier, zwischen den traditionellen Frontlinien, fühlt sich
Bono am wohlsten. Das demonstriert er mit seiner alljährlichen Präsenz
am Davoser Weltwirtschaftsforum, wo er auch Forbes – bezeichnenderweise
Hauptmedienpartner des WEF – kennen und schätzen gelernt hat. «Ich
respektiere Forbes’ konsistente Weltsicht und Werthaltung. Wir werden
viel Spass beim Versuch haben, uns gegenseitig zu überzeugen», liess er
der New York Times von einem seiner Finanzpartner ausrichten.

Für den zur Heuschrecke mutierten Rockstar ist der Glaube an die eigene
Sache also ein Selbstwert. Jetzt weiss ich wenigstens, warum ich dem
Typ auf der Heimfahrt damals ganz gerne gelauscht habe. Heute würde ich
mit einem solchen Überzeugungstäter vielleicht sogar Geschäfte machen.
Und dennoch weiter den Traum träumen, dass Gitarren die Welt verändern
können.

> Oliver Classen ist Pressesprecher der
entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern. Zuvor
arbeitete er als Medienjournalist, u.a. für die Werbewoche.

Zarter Tanz

Kultur Nach seinen ersten Plakaten folgt nun eine weitere Arbeit von Markus Cavegn für die Premiere von Heinz Spoerlis «moZART» am 3. September.

Kultur Kreativität in den schönsten Tönen und Ideen auch mit ausgefallenen Sprüngen erlaubt immer wieder die Werbung für Oper und Ballett. Nach seinen ersten Plakaten folgt nun eine weitere Arbeit von Markus Cavegn für die Premiere von Heinz Spoerlis «moZART» am 3. September. Fotografiert hat Peter Schnetz. Die Grafik stammt von Chris Burkhard, und Nora Fehr bearbeitete die Komposition am Computer. Die Druckwerke im Format F4 sind auch an der Kasse des Opernhauses Zürich erhältlich.

Solothurn verabschiedet «schärfstes» Anti-Tabak-Gesetz

Der Solothurner Kantonsrat hat am Mittwoch ein umfassendes Anti-Tabak-Gesetz verabschiedet. Das umstrittene Werbeverbot kam knapp mit 45 zu 42 Stimmen durch.


Der Solothurner Kantonsrat hat am Mittwoch – wie gestern berichtet (siehe Werbeverbot für Tabakwaren sorgt in Solothurn für rauchende Köpfe) – ein umfassendes Anti-Tabak-Gesetz verabschiedet. Das Gesetz muss allerdings noch vors Volk. Es beinhaltet neben dem umstrittenen Werbeverbot ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen und Restaurants sowie ein Verkaufsverbot von Tabakwaren an Jugendliche. Gemäss der Lungenliga hat der Kanton Solothurn mit diesen drei Komponenten das schärfste Anti-Tabak-Gesetz der Schweiz. Der Entscheid im Kantonsparlament fiel nach hitziger Diskussion mit 66 zu 10 Stimmen. Umstritten war insbesondere das Werbeverbot. Die SVP und FDP haben vergeblich versucht, dies aus der Vorlage zu kippen. Dieses kam knapp mit 45 zu 42 Stimmen durch.
SVP-Sprecher Kurt Küng warnte vor dem «hysterischen Tabakgeschrei». Die Schweiz beherberge die drei grössten Hersteller samt ihren internationalen Marketingorganisationen. FDP-Sprecher Simon Winkelhausen erklärte, der Jugendschutz sei auch ohne Werbeverbot genügend gewährleistet. Laut SP/Grüne-Sprecherin Stephanie Affolter zielt Tabakwerbung jedoch direkt auf Jugendliche ab. Die Werbung suggeriere viel frische Luft und Gesundheit, das sei ethisch fragwürdig. Ausserdem schade die Tabakwerbung der Präventionsarbeit, so Affolter.

Wenn Werbeverbote und Alterslimiten dem Jugendschutz dienten, sei dagegen nichts einzuwenden, erklärte Marc Fritsche, Pressesprecher des Tabakkonzerns Philip Morris Schweiz. Durch die Regelungen werde das Geschäft planbarer und berechenbarer. Allerdings würde er eine Bundeslösung zahlreichen kantonalen Lösungen vorziehen. Fritsche betonte zudem, dass das Unternehmen nicht etwa vorhabe, wegen der Rauchverbote die Schweiz zu verlassen.

Kuno Studer von der Lungenliga Solothurn zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erfreut über das Resultat. Der Volksentscheid werde für die Schweiz wegweisend sein. Die Vorlage wird dem Volk möglicherweise bereits am 26. November zur Abstimmung vorgelegt. Studer zeigt sich hinsichtlich der Abstimmung zuversichtlich. Es bestehe jedoch eine reelle Gefahr, dass das Werbeverbot die ganze Vorlage gefährdet, erklärt Studer.

Gefaltet werden nur die Hände

Aufgefallen H&M wirbt mit Madonnas ewiger Jugend - trotz deren 48. Jahre.

Aufgefallen «Wow, die Frau ist aber geil!» Nur das für ihre Generation sonst obligatorische «mega» haben sie weggelassen. Sonst waren die beiden 18-jährigen Boys an der Tramhaltestelle völlig hingerissen von Madonna. Die beiden haben ihr «wow» allerdings nicht auf Madonnas Musik bezogen. Diese war auf dem Plakat für die Mode von H&M gar nicht zu hören. Aufgefallen war den beiden Pubertierenden somit nur das Bild einer Frau. Doppelt auffällig dabei: Madonna ist am 16. August dieses Jahres 48 Lenze alt geworden. Die Frau mit dem «Dance-Heiligenschein über ihrem Haupt» könnte also problemlos die Mutter unserer beiden Jünglinge sein. Trotzdem war es nicht der Muttertrieb, dem sie bei diesem Frauenbildnis offenbar erlegen sind. Was dann? «I’m going to tell you a secret», steht auf der Website von Madonna. So heisst aber nur der Titel einer neuen DVD über das Leben der Popgöttin. Und so muss das Geheimnis dieser ewigen Jugend wohl für immer in einem Graphicscomputer eingesperrt bleiben. Dieser hat Madonna für H&M sämtlicher Falten beraubt. «Diese Frau ist echt schön.» So hat kurz nach den Jungs auch noch eine ältere Dame vor dem Plakat gestaunt. Bleibt also die Frage: Wieso ist Madonna nicht echt abgebildet worden? Die Antwort darauf wird wohl nur ihre Stiefschwester Barbie wissen. (pan)
get_footer();