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TV-Magazine Der US-Fernsehmarkt befindet sich im Umbruch und mit ihm der Markt für Programminformationen und -zeitschriften.

TV-Magazine Der US-Fernsehmarkt befindet sich im Umbruch und mit ihm der Markt für Programminformationen und -zeitschriften.  
Das Monopol für TV-Listings hält seit seiner Einführung im Jahr 1953 die Zeitschrift TV Guide. Auch mit den vielfältigen neuen Möglichkeiten der digitalen Ära hat sich daran bislang wenig geändert. Gemstar, Eigentümer von TV Guide und zu 43 Prozent zu Rupert Murdochs News Corporation gehörig, pumpt derzeit Millionen in den Aufbau digitaler Features. Vor allem
, die Webseite, bietet eine Vielfalt von Informationen. Man kann zum Beispiel den Namen seines Lieblingsschauspielers eingeben und bekommt sofort nicht nur alle anstehenden Sendungen aufgezeigt, sondern kann sämtliche Artikel darüber abrufen, die seit 1953 in TV Guide erschienen sind. Auch Inhaltsangaben zu einzelnen Episoden von Serien und Video-Downloads werden angeboten.  
Derzeit arbeitet das Unternehmen an Lizenzverträgen mit den TV-Veranstaltern, die es tvguide.com ermöglichen werden, kurze Ausschnitte aus den jeweiligen Shows online zu zeigen. «Wir sagen den Leuten nicht nur, was sie sich anschauen sollten, sondern auch, wo sie es finden können», sagt Rick Cusick, Vice President von TV Guide Digital, «und all das mit Hilfe unserer Technologie.»
Trotz der gegenwärtigen Renaissance musste sich TV Guide in den letzten Jahren über manche Durststrecke kämpfen. Ihre Blüte erlebte die Zeitschrift in den 70-er Jahren mit der Etablierung Dutzender neuer Kabel- und Satellitensender. Der Verlag publizierte damals über 250 regionale Ausgaben und erreichte 1974 mit 19 Millionen Exemplaren die höchste Auflage.
In den letzten Jahren verlor das Unternehmen stark an Boden und erlebte eine komplette Umstrukturierung. Das Magazin wurde im vergangenen Herbst auf eine Auflage von nur noch 3,2 Millionen Exemplaren heruntergefahren. Die verbleibenden 140 regionalen Ausgaben konzentrieren sich auf zwei Einzugsgebiete, auf die Ost- und Westküste. Das Format wurde von der handlichen Digest-Grösse auf Magazinformat umgestellt. «Es geht nicht mehr nur um die Programm-Listings, sondern wir bieten eine Vielfalt von Content über Stars und Produktionen an, die über verschiedene Plattformen dargeboten werden», sagt Bo Park, Sprecherin von TV Guide.
Mit dem Zurückfahren der Printedition startete TV Guide gleichzeitig ein Feuerwerk alternativer Informationsplattformen. So nimmt das Unternehmen eine dominierende Stellung bei den so genannten «Interactive Programming Guides» (IGPs) ein. Es entwickelte zunächst den hauseigenen Interactive Program Guide (IPG) für das digitale Kabel, der über grosse Kabel- und Satellitenanbieter wie Comcast, Charter, DirecTV und Echostar derzeit von 14 Millionen Menschen gesehen werden kann.
 
Mit dem IPG der zweiten Generation namens «i-Guide» können die Kunden darüber hinaus durch alle digitalen Services zu Hause navigieren, einschliesslich aller TV-Programme, HDTV, Video on Demand und digitalem Videorekorder. Der Trend setzt sich fort mit einem neuen IPG für das Handy, den TV Guide soeben gelauncht hat und über das der Nutzer in nächster Zukunft auch seinen Videorekorder fernprogrammieren kann.
Erstarkte MitbewerberAls Konkurrent von TV Guide hat sich in den letzten Jahren TMS Entertainment entwickelt, ein neues Unternehmen des Zeitungsverlages Tribune in Chicago. TMS fertigt mehrere wöchentlich erscheinende Supplements mit regionalen TV-Listings für über 400 Zeitungsunternehmen an. Das Hauptprodukt, das TV-Supplement «TV Select», wird von rund 100 Zeitungen vertrieben. Jay Fehnel, Vice President von TMS Entertainment Products: «Jeder Markt ist einzigartig. Wir passen unsere Produkte an die Bedürfnisse jedes einzelnen Marktes an.»
TMS erzielt deutliche Zuwachsraten bei seinen Printprodukten, was auch mit dem Rückzug von TV Guide im Printbereich zu tun hat. Auch TMS hat seine Internetaktivitäten in den letzten Jahren enorm ausgebaut: Das Unternehmen besitzt die Webseite zap2it.com, die tvguide.com schon früh mit erweitertem Content und Hintergrundinfos Konkurrenz machte. tvguide.com war eine Zeit lang kostenpflichtig, was den Erfolg von zap2it.com mit ermöglichte. Über 400 andere Webseiten, meist von Zeitungen, benutzen heute den Content von zap2it.com, was ihnen im Juli 2006 satte 3,6 Millionen Unique Visitors eingebracht hat. TV Guide verzeichnete lediglich 2,7 Millionen.
Wie den Markt strukturieren?Online haben die beiden Marktführer jedoch die grösste Konkurrenz, bieten doch auch Portale wie MSN, AOL und Yahoo TV-Listings und Celebrity News an. Marktführer online ist derzeit MSN mit 9,6 Millionen Unique Visitors. Die grosse Herausforderung wird jedoch sein, wie man den wachsenden Markt des Internetfernsehens, IPTV, mit seinen Dutzenden von Genres sinnvoll strukturieren und die Nutzer über Neuheiten auf dem Laufenden halten kann.
 
«Die Suche nach Rich Media, also Video und dergleichen, ist ein Riesenchaos, weil niemand genau weiss, wie man es machen soll», sagt Van Baker, Vice President des Forschungsinstituts Gartner Research. «Das ist die grosse Herausforderung, weil man Videos – anders als Text – nicht mit einem zuverlässigen Index erfassen kann.»
 
Gerti Schön
 

Mir san mit’m Hyundai da

Automobil Ruf Lanz bürgert die koreanische Automarke Hyundai als deutsche Qualitätsmarke ein.

Automobil Ruf Lanz bürgert die koreanische Automarke Hyundai als deutsche Qualitätsmarke ein. 
Autowerbung auf der Gegenfahrbahn: Nachdem nicht nur das Design der verschiedenen Marken kaum mehr zu unterscheiden ist und damit konsequenterweise auch die Werbung für neue Modelle wie ein Ei dem andern gleicht, hat Ruf Lanz jetzt ein solches Ei einmal aufgeschlagen und für Hyundai mehr nach den inneren Werten einer Marke gesucht. Aus diesem Gelben – beziehungsweise Asiatischen – vom Ei ist nun eine Kampagne gewachsen, die Autowerbung wieder einmal mit viel Fahrvergnügen aufnehmen lässt. «Die meisten Autohersteller begnügen sich damit, ihre Modelle abzubilden und dazu Schlagzeilen zu setzen, die direkt aus dem Windkanal zu kommen scheinen: befreit von allen Ecken und Kanten. Für Hyundai eine tolle Chance, sich mit einer smarten Strategie und einer verblüffenden Umsetzung abzuheben», freut sich Markus Ruf.
Das Budget wurde im Sommer nach einer Agenturpräsentation gewonnen. Die südkoreanische Marke Hyundai ist das erste Auto für die bisher öffentlich verkehrende Agentur. Man ist mit dem Kunden bei zwei Workshops an die Problematik herangefahren und hat dort die strategischen Leitplanken gesetzt.
Bald wird uns eine neue Welle von Autoimporten aus China überrollen. Diese Wagen werden als Billigmodelle noch einmal neue Preismassstäbe setzen. Hyundai ist sich der drohenden Konkurrenz bewusst und will sich deshalb rechtzeitig anders positionieren. Der in den nächsten Jahren erwartete europäische Markteintritt der chinesischen Autos spricht dafür, Hyundai nicht länger nur als «günstiges Auto» zu positionieren. Die Strategie heisst: «Hyundai ist eine selbstbewusste, qualitativ hochstehende Automarke zu einem sehr guten Preis», wie es Managing Director Adam White formuliert.
Diese neue Markenpositionierung bestätigt die bisherigen Hyundai-Fahrerinnen und -Fahrer bei ihrem Kaufentscheid. Und sie soll gleichzeitig neue Käuferschichten ansprechen. Denn die Marktforschung zeigt, dass Hyundai heute zwar eher von konservativen Menschen mit tieferen Einkommen gekauft wird, dass die Marke aber bis ins progressive Lager mit mittleren und auch höheren Einkommen Sympathien geniesst. Das belegen zum Beispiel New Car Buyer Survey 2006 sowie der Brand Media Monitor. Jeder Käufer lässt sich gerne bestätigen, dass er ein gutes Auto gekauft hat. Bei Hyundai wird das inzwischen auch von verschiedenen Studien bestätigt.
Hyundai wurde bisher fast ausschliesslich als «günstiges Auto» wahrgenommen. Die Marke hat hingegen Imagedefizite bei den Faktoren Qualität, Sicherheit und Design. Obwohl sie gerade auch in dieser Hinsicht überzeugt: So belegt Hyundai in der renommierten J.D.-Power-Qualitätsstudie 2006 den dritten Platz. Direkt hinter zwei Luxusmarken. Fazit: Hat Hyundai bis jetzt einen Ruf als günstiges Auto genossen, soll jetzt eine neue Lanze auch Richtung Qualität gebrochen werden.
Diese Überlegungen führten zur Idee: Der Deutsche unter den Asiaten. Eine pointierte differenzierende Markenaussage, die nichts anderes heisst als: Hyundai bietet höchste Qualität zu einem sehr guten Preis. Denn die Qualität wird in allen Umfragen suggestiv mit deutschen Fahrzeugen in Verbindung gebracht. Augenzwinkernd spielt die Kampagne also rund um die neu entdeckten Gemeinsamkeiten von deutscher und koreanischer Qualität.
Stilechte Deutsch-KoreanerKoreanerinnen und Koreaner posieren rund um die Hyundai-Fahrzeuge wie waschechte Deutsche. Einmal als mustergültige Grossfamilie mit Schäferhund. Einmal als Jäger in astreinen deutschen Jagduniformen. Rechtzeitig zur Eröffnung des Oktoberfestes in München auch als Original-Trachtenkapelle. Beim Realisieren der Fotos hat man auf «absolute Stilechtheit» geachtet. So ist der Hund im ersten Sujet natürlich ein rassenreiner Deutscher Schäfer ebenso wie es bei den Jägern später rassenreine Bayerische Schweisshunde sein werden.
Die Kampagne arbeitet in einem ersten Schritt auf der Markenebene. Hier steht auf doppelseitigen und halbseitigen Inseraten der Hyundai Santa Fe im Mittelpunkt. Denn 4 x 4 und Sport Utility Vehicles sind im Trend. Auch die Agentur Ruf Lanz hat soeben ein solches Modell bestellt.
Auf der taktischen Ebene werden die Sondermodelle Hyundai Getz Alaska und Hyundai Tucson Alaska beworben. Auf Vertreterebene können die rund 140 Hyundai-Händler in der Schweiz verschiedene Kleininserate über das Netz herunterladen.
Hyundai legt grossen Wert auf eine lokale Verwurzelung in der Werbung. Deshalb ist die ganze Kampagne kein adaptierter Europudding, sondern von Ruf Lanz exklusiv für die Schweiz gestaltet worden. Das Konzept bietet auch in Zukunft dankbare Möglichkeiten zum Deklinieren. Die Deutschen auf Mallorca werden wohl kaum zu umgehen sein.
Flankierend existieren bereits verschiedene Radiospots, die momentan viral durchs Netz geschickt werden. Koreaner mit guten Kenntnissen der deutschen Sprache – aber mit dem Charme der asiatischen Betonung – lesen deutsche Gedichte wie «Die Glocke» von Schiller, eine Szene aus «Faust» von Goethe, die Hymne auf die Eiche, das Lied von der Lorelei, den Text der deutschen Nationalhymne oder die originale Vereidigungsformel des deutschen Bundespräsidenten. Nach ein paar Sätzen wird jeweils ein Claim über die «Verballhornungen» geblendet: «Der Deutsche unter den Asiaten …»
Natürlich musste ein Teil des deutschen Bildungsgutes infolge der Geschichte bei diesen Radiospots «grossräumig umfahren werden», schränkt Markus Ruf ein. Bei der Agentur zeigt man sich aber glücklich, dass der Kunde solch freche Ideen nicht nur zugelassen hat, sondern ihren Mehrwert für das Markenimage erkennt. Bereits wollen erste Händler die Sujets auf ihre Lieferwagen aufspritzen.
Ruf Lanz hat in ihrem Portfolio jetzt nicht nur die Trams und Busse der Stadt Zürich, sondern auch Privatautos. Das bedingt natürlich einen personellen Ausbau. Nicht zuletzt wegen des Hyundai-Budgets wächst die erst 2001 gegründete Kreativ-Agentur in den nächsten Wochen von 10 auf 16 Leute. Im Oktober will man deshalb in grössere Räume am Zürcher Löwenplatz umziehen. Wie der Name sinngemäss verspricht, wollen die Kreativen dort hinter dem Globus nicht nur mehr Raum für Mitarbeitende, sondern auch mehr Platz für Löwen schaffen…
Andreas Panzeri

Berner Moonliner ist viral unterwegs

ÖV LangGysiKnoll hat witzig animierte Werbung für den Berner Nachtbus ins Netz gestellt.

ÖV LangGysiKnoll hat witzig animierte Werbung für den Berner Nachtbus ins Netz gestellt. 
Viral Spots jetzt auch in Bern: Der Nachtbus Moonliner von Bernmobil erschliesst mit 18 Linien über 120 Gemeinden in den Kantonen Bern, Solothurn und Freiburg. Er bietet einer wachsenden Anzahl jugendlicher Fahrgäste die bequeme und oft einzige Möglichkeit, spätnachts aus dem Ausgang in den Städten heimzukehren. Der Bus wird von rund 140000 Passagieren pro Jahr genutzt.Seit Anfang 2005 motiviert LangGysiKnoll Gelegenheits- und Nichtkunden mit einer witzigen, plakativen Illustrationskampagne zur Nutzung dieser Dienstleistung. Gezeigt werden aus dem Leben gegriffene, abschreckende Szenarien eines Abendprogramms – aufgelöst mit der Baseline «Moonliner. Wir holen dich da raus». Plakate, Inserate und Tramhänger werden durch freche Radiospots zum Thema ergänzt, intoniert vom Berner Mundart-Rapper El Nino.
Mit einem inhouse produzierten Trickfilm – realisiert von den Grafiker-Youngsters Dominic Beyeler und Mathias Zimmermann im Rahmen ihres Lehrabschlusses – macht LGK die Kampagne nun um eine Dimension reicher. Protagonist des Spots ist eine animierte Version von El Nino, der das Grauen aus dem Radiospot am eigenen Leib erfährt. Einzig der Moonliner vermag ihn vor dem hässlichen, aus der Grundkampagne bekannten Groupie-Girl zu retten.
Verbreitet wird der für den Viral-Award EDI 2006 eingereichte Film via E-Mail, iTunes-Podcast, Blog-Featuring und Links auf verschiedenen Websites. Dank grosszügigem Sponsoring ist er diesen September zudem in den Berner Kinos zu sehen.
 
Andreas Panzeri

Integratives Outsourcing

Corporate Publishing Inhouse oder Outsourcing? Die Frage ist nicht neu, sollte aber so absolut nicht mehr gestellt werden. Anzustreben ist vielmehr eine Outsourcing-Lösung, in die sich die internen Ressourcen optimal integrieren lassen.

Corporate Publishing Inhouse oder Outsourcing? Die Frage ist nicht neu, sollte aber so absolut nicht mehr gestellt werden. Anzustreben ist vielmehr eine Outsourcing-Lösung, in die sich die internen Ressourcen optimal integrieren lassen.Immer mehr Kundenmagazine werden von Corporate-Publishing- Agenturen realisiert. Bei Mitarbeitermagazinen und Geschäftsberichten ist die Bereitschaft zum Outsourcing hingegen bedeutend kleiner. Bei diesen Produkten herrscht immer noch die Meinung vor, für die Vermittlung von unternehmensinternen Informationen lohne sich der Beizug von externen Spezialisten nicht. Begründet wird dies häufig damit, dass Aussenstehende die Internas zu wenig kennen und deshalb die Zusammenarbeit mit Externen zu umständlich sei. Auch sind in vielen Unternehmen die Ansprüche an die Professionalität der Mitarbeiterinformationen deutlich bescheidener. Dass Mitarbeitermagazine oft selber produziert werden, liegt aber auch an der Budgetsituation. Bei internen Kommunikationsmassnahmen ist die Tendenz zu Sparübungen nach wie vor stark ausgeprägt. Sparen wird ganz einfach mit «selber machen!» gleichgesetzt. Ob die hausgemachte Produktion einer Mitarbeiterzeitschrift aber effektiv günstiger ist, darf bezweifelt werden. Werden nämlich die Arbeitsstunden der Mitarbeitenden, die am Projekt beteiligt sind, in eine Vollkostenrechnung aufgenommen, und zählt man die Zeit mit, die für die Überarbeitung der Artikel verwendet wird, so schmilzt das vermeintliche Sparpotenzial wie Schnee in der Frühlingssonne.
Zuerst das Ziel, dann der WegWas ist besser: Inhouse oder Outsourcing? Für die Klärung dieser Frage sind nicht nur Budget- und Kapazitätskriterien entscheidend. Wichtig ist vor allem die Antwort auf die Fragen, was man mit der Publikation erreichen will, was die Erwartungen der Leserinnen und Leser sind und auf welches Level die Zeitschrift oder das Magazin gehoben werden. Letzteres wird in der Regel immer sehr hoch angesetzt: «professionell», «überzeugend», «besser als die anderen» sind hier die vorherrschenden Kriterien.
Um dieses Ziel zu erreichen, fehlt es im Unternehmen aber meistens an genügend versierten und erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und es fehlt auch die nötige Distanz, um die Berichterstattung über unternehmensinterne Ereignisse, Projekte und Entwicklungen nach journalistischen Kriterien vornehmen zu können.
Schlüsselpositionen richtig besetzenOutsourcing wird oft mit der vollständigen Auslagerung eines CP-Projekts gleichgesetzt. Effektiv gibt es aber zahlreiche Nuancen des Outsourcings. Verbreitet ist zum Beispiel der Beizug von Spezialisten, die für die grafische Aufbereitung des Magazins zuständig sind. Oder es werden Journalistinnen und Journalisten punktuell mit einzelnen Themen beauftragt. Wer aber übernimmt die journalistische Gesamtverantwortung, und wer ist als Projektmanager für das Projekt zuständig? Mit der Beantwortung dieser Fragen werden wichtige Weichenstellungen für den Erfolg oder Misserfolg einer Publikation vorgenommen.
In Unternehmen, die über eine spezielle Kommunikationsabteilung verfügen, ist es durchaus möglich, dass Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter über genügend journalistische Erfahrung verfügen, um die redaktionelle Leitung einer Publikation zu übernehmen. Die fehlende kritische Distanz zum Themenbereich und die Nähe zu Vorgesetzten oder Arbeitskollegen können sich aber als nachteilig erweisen.
 
Hier kann der Beizug eines externen, journalistisch erfahrenen Coachs wertvolle Inputs ermöglichen. Der Coach nimmt an der Themenplanung und am Autorenbriefing teil, redigiert bei Bedarf die Texte und stellt sicher, dass die journalistischen und konzeptionellen Vorgaben erfüllt werden. Dank seiner «Unabhängigkeit» fällt es dem Coach leichter, auch sensible Entscheide zu fällen, zum Beispiel indem er den Artikel eines Vorgesetzten nach journalistischen Gesichtspunkten überarbeitet.
Ein weiterer Schlüsselbereich im Corporate Publishing ist das Projektmanagement, das sämtliche Produktionsabläufe von der Planung bis zur Auslieferung der Publikation koordiniert. Es überrascht immer wieder, dass diese Funktion in der Ressourcenplanung stark vernachlässigt wird. So kommt es vor, dass das Projektmanagement für Unternehmenspublikationen an Mitarbeitende delegiert wird, die gar nicht über das nötige Fachwissen verfügen. Zwar gibt es Fachkurse und einschlägige Literaturbeiträge zum Thema Corporate Publishing. Damit lässt sich das fehlende Know-how aber nicht von heute auf morgen wettmachen.
Die Verwendung eines Online-Redaktionssystems eröffnet neue Perspektiven im Outsourcing. Dadurch, dass die am Projekt beteiligten Personen (von verschiedenen Orten) Zugriff auf die Textinhalte erhalten und gleichzeitig die grafische Gestaltung mitverfolgen können, entsteht eine gute Verbindung zwischen internem Fachwissen und professioneller Umsetzung.
Das System erlaubt es, einen externen Coach wahlweise als Projektleiter, redaktionellen Mitarbeiter oder Berater einzusetzen. Von Unternehmensseite hat man jederzeit die Übersicht über die einzelnen Projektschritte. Die Projektverantwortlichen im Unternehmen können gemeinsam mit der Partneragentur eine Aufgabenteilung vornehmen, welche die Fähigkeiten und Kapazitäten aller Beteiligten berücksichtigt.
Selbst bei einer vollumfänglichen Auslagerung aller Projektarbeiten können sich die Auftraggeber jederzeit einen Überblick über den Stand der Arbeiten verschaffen. Mit anderen Worten: Das Online-Redaktionssystem ermöglicht ein flexibles Outsourcing, das die Stärken aller Beteiligten einbindet und absolute Transparenz über den Projektverlauf bietet.
Workshop «Projektmanagement»Die CP-Agentur Medianovis
arbeitet seit Anfang Jahr mit einem Online-Redaktionssystem. Die Möglichkeiten und Vorteile dieses Systems werden an einem Workshop in Kilchberg präsentiert: Dienstag, 26. September 2006, 15 bis 17 Uhr (mit anschliessendem Apéro). Die Teilnahme ist kostenlos; limitierte Teilnehmerzahl. Weitere Informationen und Anmeldung im Internet auf  
Daniel Steim, Mitglied der Geschäftsleitung der CP-Agentur Medianovis AG in Zürich-Kilchberg.

Dialogverhalten im CP

Studie Kundenmagazine könnten über geeignete Response-Elemente stärker zum Aufbau neuer Kundenkontakte genutzt werden.

Studie Kundenmagazine könnten über geeignete Response-Elemente wesentlich stärker zum Aufbau neuer Kundenkontakte genutzt werden. Zu diesem Fazit kommt die Studie «Dialogverhalten im Corporate Publishing». Gleichzeitig beschreibt die Studie auch Wege, wie Response effektiv kanalisiert und ausgewertet werden kann, und zeigt 14 Beispiele erfolgreicher Dialogstrategien. Untersucht wurde das Dialogverhalten von 196 führenden deutschsprachigen Kundenmagazinen. Die Studie kann beim Forum Corporate Publishing kostenlos bezogen werden ([email protected]).

Siegrist winkt

Werbemarkt SWA-Direktor Jürg Siegrist fordert in einem Communiqué, dass alle Verlage endlich das neue Tarifmodell einführen.

Werbemarkt Im Hinblick auf das Publimedia-Forum erhebt der Schweizer Werbeauftraggeber-Verband (SWA) seine Stimme – «im Namen seiner Mitglieder, die gut 70 Prozent des Schweizer Werbeaufkommens finanzieren», wie es in einem Communiqué heisst.  
Konkret fordert SWA-Direktor Jürg Siegrist, dass «alle Verlage» endlich das neue Tarifmodell einführen. Dieses sei «einfacher und klarer», da es «das überkommene System der Berechnung einzelner Buntfarben durch einheitliche Tarife für Farbinserate ersetzt». Auch die im Vergleich zur übrigen Werbung höheren Tarife für Stellen- und Finanzinserate sind gemäss SWA passé. Siegrist mit dem Zaunpfahl: Die werbende Wirtschaft sei wohl auf die Printmedien angewiesen, doch «die Zeitungen leben zur Hauptsache von den Insertionen der Werbeauftraggeber».
 
Markus Knöpfli 

ViznerBorel erfolgreich im Wettbewerb um Denner-Schweinebauch

In einer Konkurrenzpräsentation für den Schweinebauch von Denner setzte sich die Zürcher Kommunikationsagentur gegen die Mitbewerber durch.

In einer Konkurrenzpräsentation für den Schweinebauch von Denner setzte sich die Zürcher Kommunikationsagentur gegen die Mitbewerber durch. Ausschlaggebend für den Zuspruch war neben dem grossen Verständnis für den Detailhandel die Strategie und Umsetzung. Dabei werden sowohl bekannte als auch neue Wege eingeschlagen. ViznerBorel, bisher betraut mit der Denner Image- und Weinkampagne, zeichnet sich neu auch verantwortlich für die kommerzielle Schweinebauch-Werbung. Erste Resultate werden spätestens Anfang 2007 zu sehen sein.

Thurgauer Zeitung und St. Galler Tagblatt machen Kooperation offiziell

Die Thurgauer Zeitung und das St. Galler Tagblatt bestätigen am Mittwoch die Gerüchte von vor zwei Wochen und legen ihre Lokalredaktionen zusammen.

Die Thurgauer Zeitung und das St. Galler Tagblatt legen ihre Lokalredaktionen zusammen und ziehen sich somit auf ihre Stammgebiete zurück. Die beiden Unternehmen bestätigen in einer Mitteilung vom Mittwoch die Gerüchte von vor zwei Wochen (siehe ). Ab Januar 2007 wird es nur noch je eine Lokalredaktion in Kreuzlingen, Amriswil, Weinfelden und Bischofszell geben. Das Tagblatt erhält künftig von der Thurgauer Zeitung redaktionelle Inhalte über die Bezirke Weinfelden und Kreuzlingen. Im Gegenzug versorgt das Tagblatt den Kooperationspartner mit Neuigkeiten aus dem Bezirk Arbon und aus Amriswil.
Tauschgeschäft zwischen den beiden Zeitungen Das bedeutet unter anderem das Aus für die St. Galler Tagblatt-Redaktionen in Kreuzlingen und Weinfelden. Die Thurgauer Zeitung ihrerseits stoppt die eigene Berichterstattung in den Gemeinden Amriswil und im Bezirk Arbon. Für den Bezirk Bischofszell (ohne Amriswil) bilden die beiden Blätter eine gemeinsame Redaktion. Die Kooperation erlaube den Austausch redaktioneller Inhalte, heisst es in einer Mitteilung. Zudem könnten sich die beiden Tageszeitungen nun auf ihre Kerngebiete konzentrieren. Kantonale Themen und solche von überregionalem Interesse würden aber nach wie vor durch die beiden Zeitungen getrennt behandelt.

Zusammenschluss vernichtet Stellen Betroffen von der Zusammenarbeit sind bei der Thurgauer Zeitung zwei Stellen. Laut Mitteilung suche man für die Betroffen intern nach einer Lösung. Auch beim St. Galler Tagblatt gehen Stellen verloren. Wie viele, ist nach Angaben der Nachrichtenagentur noch unklar.
Als die Kooperationsvorhaben vor zwei Wochen bekannt wurden, äusserten die Kantonsregierung und der Gross Rat Bedenken. Sie befürchteten durch die Aufteilung einen «Mostgraben». Wie die SDA nun berichtet, haben sich die Befürchtungen ein wenig gelegt. Jedoch ist man nach Aussagen von Volkswirtschaftsdirektor besorgt, dass die Zusammenarbeit ein erster Schritt zu einer einzigen Zeitung sei.
 
Comedia kritisiert Kooperation Auch die Mediengewerkschaft Comedia kritisiert in einer Stellungnahme die Zusammenarbeit der beiden Thurgauer Blätter. Es sei bedenklich, dass der Markt praktisch ausgeschaltet werden solle. «Dass gerade die NZZ-Gruppe, deren Flaggschiff jeweils in flammenden Plädoyers dem Markt huldigt, mit der direkten Konkurrentin Tamedia faktisch eine Absprache über die geographische Aufteilung von Märkten eingeht, verwundert doch sehr, » schreibt Comedia. Rückblickend erscheine es fast schon als Hohn, dass die Tamedia bei der Übernahme der Thurgauer Zeitung vor einem Jahr betonte, mit dem Deal «die langfristige Unabhängigkeit der Thurgauer Zeitung und die Medienvielfalt im Kanton Thurgau» zu wahren.

Tages-Anzeiger verlagert, stellt um und baut ab

Auf die Lancierung der Regionalausgaben am 6. November hin erfolgt beim Tages-Anzeiger eine Reorganisation der zentralen Redaktionsdienste. Mit der Einführung eines neuen Produzentensystems werden 24 Stellen gestrichen.

Auf die Lancierung der Regionalausgaben am 6. November hin erfolgt beim Tages-Anzeiger eine Reorganisation der zentralen Redaktionsdienste. Mit der Einführung eines neuen Produzentensystems werden 24 Stellen gestrichen.  
Das neue Produzentensystem wurde bei der Regionalausgabe für das linke Zürichsee-Ufer bereits eingeführt (siehe
). Nun folgen die anderen Redaktionen, wie der Tages-Anzeiger (TA) in einer Medienmitteilung am Mittwoch bekannt gab. Mit der Optimierung der Redaktionssoftware seien die Arbeitsabläufe in der Produktion effizienter geworden. Layouter gestalteten in Zukunft die Seiten direkt mit den Produzenten.  
Diese Reorganisation erfolgt im Rahmen der im März angekündigten Umlagerung und Teilfinanzierung der 70 neu geschaffenen Stellen in den neuen Regionalteilen der Tageszeitung (siehe
). Die Umstellungen haben erste personelle Konsequenzen: bis Ende März 2007 werden 12 Stellen abgebaut, zunächst in den Bereichen Layout und Dokumentation. Die Dokumentationsstelle wird bis zu diesem Zeitpunkt ganz geschlossen, der stete Ausbau der elektronischen Archive hat zu mangelnder Auslastung geführt. Weitere 12 Arbeitsplätze werden bis Mitte 2007 gestrichen, dann sind Layout und Korrektorat betroffen. Für die Mitarbeiter steht laut TA ein Sozialplan bereit. Dabei handelt es sich um ergänzende Leistungen wie etwa verlängerte Kündigungsfristen oder Zahlungen nach Anzahl Dienstjahre für Mitarbeiter über 50 Jahren, wie die Unternehmenssprecherin Eva Pavlovic gegenüber der SDA präzisiert.  
Comedia empört In ihrem Communiqué zeigte sich die Mediengewerkschaft Comedia entrüstet über den Stellenabbau. Erst vor drei Wochen habe die Tamedia für das erste Halbjahr 2006 einen Rekordgewinn von 75,7 Millionen Franken bekannt gegeben. Die Comedia befürchtet auch einen Rückgang der journalistischen Qualität, denn das neue Produzentensystem führe zu Mehrarbeit für die Journalisten. Gleichzeitig werde deren Zeit für die ursprünglichen redaktionellen Aufgaben eingeschränkt.

Der Einwanderer

Jens Telgenkämper will als neuer CD bei Sulzer, Sutter seine deutschen Erfahrungen aus integrierter Werbung mit Schweizer Sinn für Kreativität und Art kombinieren.

Jens Telgenkämper will als neuer CD bei Sulzer, Sutter seine deutschen Erfahrungen aus integrierter Werbung mit Schweizer Sinn für Kreativität und Art kombinieren. 
Die «Rezessionshysterie» in Deutschland hatte für Jens Telgenkämper immer mehr eine überhitzte «Geiz ist geil»-Mentalität hervor gebracht. «Die Werbebotschaften verebbten und liefen aus in flache Preis- und Aktionsangebote, der kreative Wellengang war bescheiden. Art Work und Bildidee wurden zu wenig genutzt und geschätzt. Deshalb habe ich bewusst von München in die Schweiz gewechselt.» Die Agentur Sulzer, Sutter in Zürich hatte der Münchner bisher nicht gekannt. Seine Frau stolperte im Internet über deren Website, und die erschien den beiden «sehr sympathisch und nicht so kapriziös».
Zusammen mit Sulzer, Sutter will der bisherige Head of Creation der BBDO InterOne München als integriert tickender Werber nun in einer klassischen Agentur «das Beste aus beiden Welten zusammenbringen und neue, unüberhörbare Impulse und Signale  formulieren». Neue Medien wie iPod, UTMS, PDA und weitere zukünftige Entwicklungen eröffnen dabei immer bessere und direktere Wege zum Konsumenten.
Telgenkämper ist als Quereinsteiger in die Werbung gekommen. Am Anfang stand das Studium der Wirtschaftswissenschaft in Essen, mit Schwerpunkt Marketing und Psychologie. Dann lockte ein journalistisches Praktikum bei der Bild-Zeitung, wo er schliesslich länger als geplant hängen blieb. Aus dieser «sehr intensiven und aufschlussreichen Zeit» erinnert er sich besonders an ein Interview mit dem noch unverbrauchten Harald Schmidt. «Der hat mich erst fünfmal abblitzen lassen, dann zweimal versetzt, einmal Migräne gehabt und dann aber, als kleinen Tröster, eine sehr nette Schlagzeile geschenkt.» Aber auch «die harten Geschichten und Quotenbringer» gehörten zum Job, so dass Telgenkämper schliesslich Boulevard-Journalismus nicht mehr nur als Traumberuf erlebte.
Getreu dem unschlagbaren Bild-Motto – wer Wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Worte – wechselte er über Nacht vom Redaktionsschreibtisch in die Kreation der BDO München. Wichtigste Kunden damals waren Smart, Geo und  National Geographic.
Zwei Jahre «harte Schule» später und mitten auf der Dot-Com-Welle macht sich Jens Telgenkämper zusammen mit seinem damaligen CD und einem Berater selbstständig und gründet die Agentur 3/10 thesen. «Drei Leute hatten zehn damals einleuchtende Thesen, wie Werbung funktionieren sollte.» Die Agentur war «ein bisschen spinnert», wie man in München sagt. Der Start-up entwickelte sich dennoch «sehr  erfolgreich». Für Kunden wie Siemens, Sun Microsystems, Feinschmecker und Yahoo machten die wilden 3/10-er neben klassischer Kommunikation auch erste Guerilla-Aktionen. Am Anfang standen schon damals immer die Fragen: Was ist die Idee? Ist die Idee stark? Hat die Idee Sex?
Nach zwei Jahren beschäftigte 3/10 thesen 1998 schon sieben Leute. Dann ging der Dot-Com-Blase die Luft aus. Die Lichter der Agentur verlöschten. Der Jungunternehmer mutierte wieder zum freien CD und schliesslich 2001 zum Head of Creation bei BBDO InterOne.
«Ein interessantes Modell», meint Telgenkämper. In München haben sich fünf verschiedene Einzelagenturen von BBDO zur Grossagentur mit 350 Mitarbeitenden zusammengeschlossen. Die verschiedensten Spezialisten unter einem Dach – das erlaubte sehr kurze Wege. «Da wurde der integrierte Gedanke schon sehr direkt ohne Kurven und Schikanen gefahren.» Als Hauptkunde sorgte BMW für 80 Prozent des Umsatzes. Dazu gehörten auch Mini oder BMW Financial Services.
Telgenkämper versuchte auch in dieser Zeit «weniger die rein klassischen Wege zu gehen, auch wenn wir klassische Werbung machten». So lancierte man für BMW zum Beispiel eine grosse TV-Gala oder etablierte einen Kurzfilm-Award und ein BMW-Musikmagazin. Ähnlich unkonventionell hat die Agentur für die Billig-Fluglinie BA die Flugzeuge «ziemlich bissig» in einem aggressiven Grün spritzen lassen. Ist demnach bissige Werbung sein Stil?
«Werbung darf nicht langweilen. Man sollte Werbung immer noch – oder wieder – als einen lebendigen Zweig der Kunstwelt sehen. Nicht als störendes Unkraut, sondern eher als exotische, unterhaltende Kreuzung zwischen Nutzpflanze und Gentech-Orchidee», erklärt er.
Um täglich gute Ideen liefern zu können, holt sich Telgenkämper neue Impulse «am liebsten durch kreative Pausen». Bei Sulzer, Sutter im Zürcher Seefeld kann das ein kurzer Spaziergang an den See sein. Er fährt aber auch gerne S-Bahn und sieht dort, «für welche Menschen wir Werbung machen». Bertolt Brecht sagte zu dieser Inspiration «dem Volk aufs Maul schauen». Wer elf Stunden nur am Computer sitzt und in den Medien andere Ideen sucht, «bekommt leider nicht mehr mit, was läuft». Er nennt es das Prinzip Durchlauferhitzer: «Am Ende kommt dann etwas Lauwarmes, tausendmal Durchgekautes heraus, etwas, gegen das die Geschmacksnerven sofort rebellieren.»
Telgenkämper hat mit seinen integrierten Ideen auch schon beim New York Festival gewonnen. Er hat aber nie gezielt für Wettbewerbe gearbeitet. Vom Entscheid für Zürich verspricht er sich schliesslich wieder mehr Zeit für Kunden, die er intimer und nachhaltig betreuen will.
Bei Sulzer, Sutter kann der neue CD seine Ideen zum Beispiel für Parisienne, die Fifa oder American Express einbringen. Dazu will er viel Zeit ins New Business investieren. Dabei kommt es dem früheren Spitzensportler zugute, dass er in heissen Phasen immer noch auf seine Spurtkraft und Konzentrationsfähigkeit vertrauen kann.
Der ehemalige 400- und 800-Meter-Läufer hält sich weiterhin mit Joggen fit. Auch was das private Schreibtraining betrifft, will er wieder stärker aktiv werden. Geplant ist ein Buch über die Geschichte der internationalen Leichtathletik. Da muss es natürlich auch ein Kapitel über Zürich geben. Bei diesem Gedanken wird er nostalgisch. «Schade, dass das Letzigrund-Stadion gerade jetzt abgerissen wurde, ich wäre gerne noch mal auf heiligem Boden gerannt – allerdings ohne Stoppuhr – die Zeit wäre wohl grausam …»

Andreas Panzeri

Ein Strohhalm für die 3. Welt

Wasser SFLB hat Inserate mit Symbolcharakter für die Hilfsorganisation Helvetas kreiert, die diesen Herbst erneut zu Spenden für ihre Wasserprojekte aufruft.

Wasser Weltweit leiden über 1,1 Milliarden Menschen an Trinkwassermangel. Ohne Hilfe müssten Millionen von ihnen an Krankheiten sterben, die durch verschmutztes Wasser oder mangelnde Hygiene hervorgerufen werden. Die Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas engagiert sich deshalb für den Bau von Brunnen und Trinkwassersystemen in der 3. Welt und ruft diesen Herbst erneut zu Spenden für ihre Wasserprojekte auf. SFLB hat dazu Inserate mit Symbolcharakter kreiert. Sie zeigen Wasserröhrchen, die in der ausgetrockneten Erde stecken: «Helfen Sie uns, Trinkwasser zu fördern.» Die Inserate erscheinen in der Deutschschweiz in grösseren Zeitungen und Zeitschriften.

Bündner Sonntag

Sonntagspresse Nach bald einem halben Jahr ist die siebte Ausgabe der Südostschweiz gut unterwegs. Die zugewandten Verleger hadern allerdings mit der Idee.

Sonntagspresse Nach bald einem halben Jahr ist die siebte Ausgabe der Südostschweiz gut unterwegs. Die zugewandten Verleger hadern allerdings mit der Idee. 
Am 7. Mai startete Südostschweiz-Verleger Hanspeter Lebrument sein Sonntagszeitungs-Projekt, um auch am Erfolg des Sonntagsgeschäftes teilzuhaben, das bislang die drei grossen Zürcher Verlage Ringier, Tamedia und NZZ unter sich aufteilten. Doch es sollte etwas Eigenständiges sein, nicht einfach eine vierte Sonntagszeitung, sondern die folgerichtige Fortschreibung der Tagespresse in den Sonntag, eine siebte Ausgabe der Südostschweiz also. Lebrument kam mit dem neuen Kind zwar zu spät, um noch bei den nationalen Werbekampagnen berücksichtigt zu werden. Doch das hat sich unterdessen nicht zum Nachteil entwickelt, wie Südostschweiz-Chefredaktor und Miteigner Andrea Masüger erläutert. «Die Werbekunden können das Produkt in aller Ruhe beobachten und sehen, dass es sich nicht um eine Eintagesfliege handelt.» Das bisherige Echo auf die siebte Südostschweiz ist laut Masüger denn auch erfreulich, sowohl bei den Inserenten als auch bei der Leserschaft. Von einigen Lesern wisse er, dass sich diese am Kiosk keine andere Sonntagszeitung mehr besorgten. Man schätze offenbar, am Sonntag jetzt eine Zeitung zu bekommen, die nicht so dick sei wie die Sonntagsblätter der drei grossen Zürcher Verlagshäuser.
In Chur legt man ohnehin bei jeder Gelegenheit Wert auf eine klare Abgrenzung zum grössten Medienplatz der Schweiz. Noch lebhaft ist die Erinnerung an den Eclat beim Start im vergangenen Mai, als die Zustell- und Vertriebsorganisation (Zuvo) versuchte, mit einer superprovisorischen Verfügung die Verteilung des neuen Blattes zu vereiteln. Ohne Erfolg. Verleger Lebrument blaffte, man wolle sich in Graubünden das Zeitungsmachen nicht verbieten lassen.
Mehr Themenvielfalt Das Sonntagszeitungskonzept funktioniert zunächst mit den Kerntiteln der Südostschweiz, umfasst also die Regionen Graubünden, Glarus sowie Gaster und See. Ausserdem gehört das Bündner Tagblatt dazu, dessen Redaktion eine regelmässige Kolumne beisteuert. Anfängliche Befürchtungen, die Sonntagsausgabe könnte redaktionell die Montagsinhalte kannibalisieren, haben sich nicht bestätigt. «Die Montagsausgabe ist gleich dick wie früher auch.»
 
Chefredaktor Masüger spricht hingegen von einer Verschiebung der Inhalte, denn man mache mit der siebten Ausgabe nicht eine Zeitung nur für den Sonntag. Das führt zu einer Art Mischform von Tages- und Sonntagszeitung. Die Samstage generieren einerseits zuwenig Stoff allein für den Sonntag.
 
Andererseits müssen nicht alle Geschichten unter der Woche publiziert werden und lassen sich bequem am Sonntag platzieren. «Das hat die kreativen Kräfte auf den Redaktionen geweckt und führt letztlich zu einer grösseren Themenvielfalt», sagt Masüger. Ein Vorgang, der sich relativ organisch eingespielt habe. Dennoch scheint, so schätzt Christian Buxhofer, Chefredaktor des Bündner Tagblatts, die Sonntagsausgabe bei den Montagsthemen seines Blattes Stoff teilweise vorwegzunehmen. «Wir müssen am Montag Rücksicht auf den Sonntag nehmen.»
Nagelprobe steht noch bevorInserateseitig hat es sich mit der Südostschweiz am Sonntag bisher gut angelassen. Das Gegenteil hätte überrascht, denn die Sonntagspresse gilt neben der Gratispresse als alleinige Gewinnerin in der nach wie vor marodierenden und sich nur teilweise erholenden Zeitungsbranche. «Im Sommer hatten wir einen leichten Inserateeinbruch, aber tendenziell sind wir gut gestartet», bestätigt Masüger. Er spricht von täglich vier bis sieben Seiten mit Inseraten. Zahlreiche Inserenten fokussierten zudem ausschliesslich auf das neue und günstige Insertionsangebot am Sonntag.
 
Nach dem verspäteten Start im Mai steht jedoch die Nagelprobe erst bevor, wenn es darum geht, diesen Spätherbst bei den nationalen Werbekampagnen etwas vom Kuchen abzubekommen. Trotzdem bilanziert Andrea Masüger schon jetzt, das Konzept, für das sich die Macher der Südostschweiz drei Jahre Zeit geben wollen, um es in die schwarzen Zahlen zu bringen, sei aufgegangen.
Kleinverlage in der DefensiveMit etwas mehr Distanz betrachten die so genannt affilierten Verleger der Südostschweiz das jüngste Kind aus Chur. Zu ihnen zählt eine Reihe von Verlagshäusern, die sich dem Mantelkonzept der Südostschweiz angeschlossen haben und sich vor allem auf ihre regionale und lokale Kompetenz konzentrieren. Es sind die Titel Werdenberger und Obertoggenburger, March Anzeiger, Höfner Volksblatt, Bote der Urschweiz, Sarganserländer, Rheintalische Volkszeitung, Liechtensteiner Vaterland sowie Liechtensteiner Volksblatt.
 
Man trifft sich im Rahmen der «Führungsorganisation Südostschweiz» regelmässig einmal im Monat, um anstehende Probleme zu diskutieren und um Erfahrungen auszutauschen. Nein, eine siebte Ausgabe ist für keinen der Verleger bisher ein zwingendes Thema. «Ein Teil unserer Verleger ist eher kritisch eingestellt, ob eine Sonntagszeitung Erfolg haben könnte», sagt Reinhard Walser, Verwaltungsrat des Vaduzer Medienhauses und gleichzeitig Leiter der Führungsorganisation.
 
Erstes Problem der Verleger, deren Publikationen kleine Auflagen haben, ist der Vertrieb. «Wer keine Frühzustellung hat wie die Südostschweiz in Chur, der kann es vergessen», sagt Walser. Das Interesse, am Sonntagszeitungsmodell zu partizipieren, ist derzeit denn auch praktisch bei null. Für entsprechende Gespräche steht noch nicht mal ein Termin fest. «Für uns kleine Zeitungen würde der Mantelteil zwar geliefert, aber eine eigene Sonntagsredaktion kann ich mir nicht vorstellen», sagt auch Daniel Ettlinger, Verlagsleiter des Werdenbergers und Obertoggenburgers. Für Ettlinger sei das Thema deshalb keine aktuelle Fragestellung.
 
Auch Hugo Triner, Verleger des Boten der Urschweiz, winkt ab. «Eine siebte Ausgabe ist für uns kurzfristig keine Option.» Allgemein werde die Werbewirksamkeit der Regionalpresse unterschätzt, jene der Sonntagspresse hingegen überschätzt. Dennoch will Triner im kommenden Jahr das Projekt prüfen. Offenbar sind die Meinungen auch darüber geteilt, ob man das Sonntagsblatt aus Chur jetzt als Konkurrenz auffassen soll oder nicht. Zahlen gibt es nach kaum sechs Monaten noch keine, die das belegen würden.
«Den affilierten Verlegern ist es selbstverständlich freigestellt, ob sie an der Sonntagsausgabe teilnehmen wollen oder nicht», sagt Andrea Masüger. Ob sich damit die Sonntagspresse in der Südostschweiz weiter verbreiten wird, bleibt abzuwarten.
Bald Lesesonntag auch im AargauJüngst erklärte Peter Wanner,
Verleger der Aargauer Zeitung, dass es ihm mit der Lancierung eines Sonntagstitels ernst sei. «Wir befinden uns in der Entscheidungsphase, ob wir auf das Projekt eintreten wollen», bestätigt Verlagsleiter Ueli Eckstein. Bis Anfang Dezember soll feststehen, ob die Idee in die Tat umgesetzt werden und eine siebte Ausgabe der Aargauer Zeitung lanciert werden soll. Selbstredend fokussiert man darauf, ob diese siebte Ausgabe auch von den an der Mittelland Zeitung partizipierenden Zeitungen mitgetragen werden soll.
Eckstein rechnet mit einer Auflage von 200000 Exemplaren, was etwa jener der Mittelland Zeitung entspricht. Er hofft zudem, dass die Extension auch am Kiosk den Zuspruch der Leserschaft findet. Gemäss Wemf hat die Sonntagspresse ihren Zenit erreicht. Eckstein dazu: «Doch sie konnte als einzige ihre Werte halten.»
René Worni
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