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TV-Magazine Der US-Fernsehmarkt befindet sich im Umbruch und mit ihm der Markt für Programminformationen und -zeitschriften.
Das Monopol für TV-Listings hält seit seiner Einführung im Jahr 1953 die Zeitschrift TV Guide. Auch mit den vielfältigen neuen Möglichkeiten der digitalen Ära hat sich daran bislang wenig geändert. Gemstar, Eigentümer von TV Guide und zu 43 Prozent zu Rupert Murdochs News Corporation gehörig, pumpt derzeit Millionen in den Aufbau digitaler Features. Vor allem
, die Webseite, bietet eine Vielfalt von Informationen. Man kann zum Beispiel den Namen seines Lieblingsschauspielers eingeben und bekommt sofort nicht nur alle anstehenden Sendungen aufgezeigt, sondern kann sämtliche Artikel darüber abrufen, die seit 1953 in TV Guide erschienen sind. Auch Inhaltsangaben zu einzelnen Episoden von Serien und Video-Downloads werden angeboten.
Derzeit arbeitet das Unternehmen an Lizenzverträgen mit den TV-Veranstaltern, die es tvguide.com ermöglichen werden, kurze Ausschnitte aus den jeweiligen Shows online zu zeigen. «Wir sagen den Leuten nicht nur, was sie sich anschauen sollten, sondern auch, wo sie es finden können», sagt Rick Cusick, Vice President von TV Guide Digital, «und all das mit Hilfe unserer Technologie.»
Trotz der gegenwärtigen Renaissance musste sich TV Guide in den letzten Jahren über manche Durststrecke kämpfen. Ihre Blüte erlebte die Zeitschrift in den 70-er Jahren mit der Etablierung Dutzender neuer Kabel- und Satellitensender. Der Verlag publizierte damals über 250 regionale Ausgaben und erreichte 1974 mit 19 Millionen Exemplaren die höchste Auflage.
In den letzten Jahren verlor das Unternehmen stark an Boden und erlebte eine komplette Umstrukturierung. Das Magazin wurde im vergangenen Herbst auf eine Auflage von nur noch 3,2 Millionen Exemplaren heruntergefahren. Die verbleibenden 140 regionalen Ausgaben konzentrieren sich auf zwei Einzugsgebiete, auf die Ost- und Westküste. Das Format wurde von der handlichen Digest-Grösse auf Magazinformat umgestellt. «Es geht nicht mehr nur um die Programm-Listings, sondern wir bieten eine Vielfalt von Content über Stars und Produktionen an, die über verschiedene Plattformen dargeboten werden», sagt Bo Park, Sprecherin von TV Guide.
Mit dem Zurückfahren der Printedition startete TV Guide gleichzeitig ein Feuerwerk alternativer Informationsplattformen. So nimmt das Unternehmen eine dominierende Stellung bei den so genannten «Interactive Programming Guides» (IGPs) ein. Es entwickelte zunächst den hauseigenen Interactive Program Guide (IPG) für das digitale Kabel, der über grosse Kabel- und Satellitenanbieter wie Comcast, Charter, DirecTV und Echostar derzeit von 14 Millionen Menschen gesehen werden kann.
Mit dem IPG der zweiten Generation namens «i-Guide» können die Kunden darüber hinaus durch alle digitalen Services zu Hause navigieren, einschliesslich aller TV-Programme, HDTV, Video on Demand und digitalem Videorekorder. Der Trend setzt sich fort mit einem neuen IPG für das Handy, den TV Guide soeben gelauncht hat und über das der Nutzer in nächster Zukunft auch seinen Videorekorder fernprogrammieren kann.
Erstarkte MitbewerberAls Konkurrent von TV Guide hat sich in den letzten Jahren TMS Entertainment entwickelt, ein neues Unternehmen des Zeitungsverlages Tribune in Chicago. TMS fertigt mehrere wöchentlich erscheinende Supplements mit regionalen TV-Listings für über 400 Zeitungsunternehmen an. Das Hauptprodukt, das TV-Supplement «TV Select», wird von rund 100 Zeitungen vertrieben. Jay Fehnel, Vice President von TMS Entertainment Products: «Jeder Markt ist einzigartig. Wir passen unsere Produkte an die Bedürfnisse jedes einzelnen Marktes an.»
TMS erzielt deutliche Zuwachsraten bei seinen Printprodukten, was auch mit dem Rückzug von TV Guide im Printbereich zu tun hat. Auch TMS hat seine Internetaktivitäten in den letzten Jahren enorm ausgebaut: Das Unternehmen besitzt die Webseite zap2it.com, die tvguide.com schon früh mit erweitertem Content und Hintergrundinfos Konkurrenz machte. tvguide.com war eine Zeit lang kostenpflichtig, was den Erfolg von zap2it.com mit ermöglichte. Über 400 andere Webseiten, meist von Zeitungen, benutzen heute den Content von zap2it.com, was ihnen im Juli 2006 satte 3,6 Millionen Unique Visitors eingebracht hat. TV Guide verzeichnete lediglich 2,7 Millionen.
Wie den Markt strukturieren?Online haben die beiden Marktführer jedoch die grösste Konkurrenz, bieten doch auch Portale wie MSN, AOL und Yahoo TV-Listings und Celebrity News an. Marktführer online ist derzeit MSN mit 9,6 Millionen Unique Visitors. Die grosse Herausforderung wird jedoch sein, wie man den wachsenden Markt des Internetfernsehens, IPTV, mit seinen Dutzenden von Genres sinnvoll strukturieren und die Nutzer über Neuheiten auf dem Laufenden halten kann.
«Die Suche nach Rich Media, also Video und dergleichen, ist ein Riesenchaos, weil niemand genau weiss, wie man es machen soll», sagt Van Baker, Vice President des Forschungsinstituts Gartner Research. «Das ist die grosse Herausforderung, weil man Videos – anders als Text – nicht mit einem zuverlässigen Index erfassen kann.»
Gerti Schön
