Radiowerbung hat Potenzial
Radio Vermarkterin IP-Multimedia hat sich die Förderung der Radioszene auf die Fahne geschrieben.
Radio Vermarkterin IP-Multimedia hat sich die Förderung der Radioszene auf die Fahne geschrieben. Am 26. Oktober führt das Unternehmen seinen ersten IP Radio-Workshop als Spezialseminar für Radio- und Verkaufs-Marketing durch, unter anderen mit dem Amerikaner George Hyde, Vizepräsident des Radio Advertising Bureau. IP-Verkaufsleiterin Astrid Tellenbach äussert sich zu Chancen und Schwächen von Radio und Radiowerbung. WW: Sie veranstalten einen Marketing-Radioworkshop, «um die Radioszene Schweiz zu fördern». Warum braucht es hier Förderung?Astrid Tellenbach: Radio als Mediengattung hat mit einem Anteil von vier Prozent in der Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern einen (noch) relativ geringen Anteil am Werbemarkt. Die IP Multimedia hat sich schon immer für die Gattung Radio eingesetzt, um diesen Anteil zu erhöhen. Der Workshop soll dazu beitragen und Radioverkäufer sowie Verkaufsleiter ansprechen. Die beiden Referenten aus den USA sind als Spezialisten auf diesem Gebiet bekannt und werden dementsprechend die neusten Trends präsentieren und über die aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten der Marktbearbeitung berichten.WW: Heute reden alle von Crossmedia. Das Thema ist Teil des Workshops. Was bedeutet Crossmedia im Radioumfeld?Tellenbach: Radio ist ein Medium, das wie geschaffen ist für den crossmedialen Bereich und sich hervorragend zu anderen Medien buchen lässt. Denken Sie beispielsweise nur einmal an den Visualtransfer, den Radio mit TV oder Plakat hat. Die Kontaktoptimierung kurz vor dem Kaufentscheid kann mit keinem anderen Medium so erfolgreich kombiniert werden.WW: Welches sind die Schlüsselfaktoren für erfolgreiche Radiowerbung?Tellenbach: Die Frage ist vor allem: Will ich Image- oder Abverkaufswerbung machen? Bei Abverkaufwerbung ist innerhalb von kurzer Zeit eine hohe Frequentierung erforderlich, das heisst viele Spots in einer kurzen Zeitperiode. Bei der Imagewerbung ist es eher die Länge der Kampagne, die einen Erfolg ausmacht. Dazu eignet sich Sponsoring hervorragend. In jedem Falle spielt die Qualität des Werbespots und die Dauer eine entscheidende Rolle. Dabei haben Studien ergeben, dass auch günstig produzierte und schlicht aufbereitete Radiospots recht erfolgreich sind.WW: Wie behauptet sich Radio (und Radiowerbung) in Konkurrenz zu den anderen Medien (Print, TV, Plakat, online)?Tellenbach: Radio hat gegenüber den anderen Medien entscheidende Vorteile: Aktualität und Schnelligkeit. Kein anderes Medium kann so kurzfristig Werbung schalten wie Radio. Ein Beispiel: Eine Versicherung wollte Ihren Kunden mitteilen, wie sie bei Hagel oder Sturmschäden am schnellsten mit ihr in Kontakt treten können. Also wurde immer nach einem solchen Ereignis sofort die entsprechenden Spots in genau diesen Gebieten geschaltet. So schnell lässt sich dies mit Print oder TV nicht realisieren. Darüber hinaus ist Radio das am meisten genutzte Medium tagsüber und hat erst noch einen sehr günstigen Tausender-Kontaktpreis.WW: Wo hat die Radiowerbung Schwächen?Tellenbach: Radio war bisher in der Schweiz für die Agenturen zu wenig attraktiv. Die Gründe dafür haben aber nur bedingt mit der Mediengattung Radio zu tun. Beispielsweise erhält die Schweiz Anfang 2007 ein an europäische Massstäbe angelehntes RTVG. Dadurch wird Radio für viele neue Auftraggeber interessant, denken Sie nur an Bierwerbung. In der Schweiz haben wir darüber hinaus die Besonderheit der Sprachregionen. Ein weiterer Punkt ist, dass Radio nicht online direkt gebucht werden kann wie beispielsweise das TNC. Schliesslich gibt es bei der Konstellation von Radiopools viele politische Einflüsse, die für die Werber undurchschaubar sind.WW: Hat Radiowerbung noch Potenzial?Tellenbach: Oh, ja. Wie erwähnt wird 2007 durch das neue RTVG neues Potenzial für die Radiowerbung erschlossen werden können. Darüber hinaus sind Gespräche und Entwicklungen im Gang, die mehr Transparenz im Markt bringen werden. Radio ist innovativ und modern. IP Multimedia als führender Vermarkter elektronischer Medien in der Schweiz ist überzeugt vom Potenzial der Radiowerbung. Auch aus diesem Grund organisieren wir diesen Workshop.WW: Wie beurteilen Sie die Zukunft des Radios? Haben neue digitale Technologien Einfluss auf die Radiowerbung?Tellenbach: Radio wird in der Schweiz immer einen hohen Stellenwert haben. Momentan stehen wir vor einer wichtigen technologischen Neuerung, der Digitalisierung. Über DAB, HD und anderen Techniken wird ja momentan sehr viel geredet. Was sich letztlich durchsetzen wird, muss sich in der Praxis zeigen. Interessant ist der Aspekt, dass trotz Internet, I-Pod und anderen Technologien Radio nach wie vor höchste Reichweiten erzielt, und auch die grossen Privatradios wie Radio 24, Energy Zürich oder Radio Top nach wie vor zulegen können. Für die Radiowerbung wird dies in Zukunft heissen, vielfältiger zu werden, beispielsweise im Verbund mit Podcasting oder dem Internet. Dies wird die Chancen für das Medium Radio weiter erhöhen.Interview (per eMail): René Worni
