Und wieder vernehmen wir seine Worte von der Weltwoche-Kanzel. Er predigt für die Tradition und gegen den Flachsinn der Moden: Roger Köppel, Chef, Besitzer und Verleger der Weltwoche. Sein aktuelles Werk ist ein intellektueller Flachpass an seine Redaktion mit dem Titel «Schreiben, was ist». Er selbst schreibt, was die Weltwoche ist und vor allem war oder wieder sein sollte: Eine publizistische Instanz, Teil der europäischen Geistesgeschichte, die Verkörperung hervorragender Schweizer Qualitäten. Ein Ort der unabhängigen, unbequemen Reflexion und ein Forum der punktgenauen Debatte sowie mehr als die Summe ihrer Leitartikel. Eine Bühne, auf der journalistische Intuitionsgenies ihren Instinkten folgen.
Bei der Bemühung, die angemessene historische Grösse seines Schreibkontextes zu klären, schlittert Köppel in so manche unfreiwillige Komik und verfällt der Slogan-Romantik. Nachdem der Leser mit dem Verfasser und dem Weltwoche-Gründer Karl von Schumacher in der Kronenhalle vorzüglich gespiesen, den Bundesrat im Zweiten Weltkrieg schreibend auf der rechten Seite gehalten und dafür Glückwunschtelegramme von so grossen Persönlichkeiten wie Ben Gurion oder Willy Brandt entgegen genommen hat, lenkt Köppel den Diskurs mit schweren Sätzen wieder in Richtung Gegenwart: «Der Krieg ist längst vorbei.» (Wo?) «Europa hat die Waffen abgegeben». (Die Schweiz aber nicht.) «Die Zeiten haben sich verändert», die Weltwoche lieber nicht.
Köppel preist mit der sanften Unschärfe toll klingender Wörter den Liberalismus und den «publizistischen Realismus». Es spiele keine Rolle, hält er fest, woher die Kritik kommt, von welcher Seite der Applaus. Was dann vorerst aber nicht erklärt, weshalb das Blatt eher gegen jugendliche Albaner als gegen Neonazis schiesst. Doch Köppel liefert die post-luhmannsche Erklärung prompt: «Aus dem Journalistischen ergibt sich das Politische». Da freuen wir uns jetzt schon auf mehr.