Marco Genepretti hat als Coleiter Marketing und Verkauf von TeleZüri und Radio 24 den Traumjob gefunden. Bei der Fussball-WM wurde er kurz nostalgisch. Viele der Stars, die hier Millionen vor den Bildschirm lockten, waren früher einmal seine Kollegen. «Sie waren nicht besser als ich», sinniert Marco Genepretti. Das war in der Zeit, als der heutige «Libero» im Marketing der beiden Unternehmen TeleZüri und Radio 24 als Doppelbürger gleichzeitig als Stürmer in den beiden Nationalmannschaften von Italien und der Schweiz mitspielen durfte. U15 – und da war man halt noch jung. Sein Vater, ein gestandener Banker, hat es trotzdem lieber gesehen, dass der Filius vom Fussballtraum zu einer kaufmännischen Lehre bei der Credit Suisse wechselte. Nicht verloren gegangen ist beim Umstieg allerdings der Wille, auch abseits der Sportstadien Topleistungen erbringen zu können.
Das will der Quereinsteiger – von der Bank zu Tamedia – jetzt auch in den Medien beweisen. Hier wird eine neue Mannschaft gebildet. Der Name Belcom als Werbevermarkterin von Radio 24 und TeleZüri soll eingemottet werden. Dafür wird die Eigenvermarktung mit zwei neuen Marketing- und Verkaufsteams massiv verstärkt. An der Spitze für beide separaten Salesteams agiert neben «Aufbauer» Tarkan Özküp seit ein paar Monaten auch «Stürmer» Marco Genepretti als Mitglied der Geschäftsleitung. Beide sind strategisch involviert und verantworten gemeinsam die Planung der Budgets.
Marco Genepretti sprüht vor Begeisterung, wenn er von seiner neuen Arbeit redet. Jetzt habe er seinen Traumjob gefunden. «Die schnellsten zwei Medien und viele Leute in einem super Team, wo jeder sich kreativ einbringen kann. In einem Betrieb, wo Mitdenken sogar erwartet wird.» Kommt die Redaktion mit einem Konzept, bündelt das Marketing die Ideen und macht daraus eine Strategie. «Wir dürfen in freien Strukturen agieren. Und wir spüren täglich, wie das Produkt wächst.» Als Mitverantwortlicher im Marketing gefällt Genepretti auch, wie er bei allen Arbeitsschritten involviert ist: Idee, Finanzierung, Produktion, Ausstrahlung und schliesslich Kontrolle, ob es dem Kunden gefallen hat.
Nicht nur das Medium, auch die Finanzierung ist beim Radio und Privatfernsehen «sehr schnelllebig», erklärt Genepretti. Wird ein Thema aktuell und entwickelt sich im Idealfall sogar zu einer Serie von Reportagen, muss manchmal innerhalb von nur drei Wochen ein Sponsor gefunden werden. Solche Sponsorgeschichten – natürlich im Rahmen des Bakom – sind für TeleZüri wichtig, weil die Spots mit 78 Prozent «beinahe ausgebucht» sind. Bei solchem New Business hilft Genepretti natürlich sein grosses Beziehungsnetz. Dieses hat sich der Jungmanager im Verlauf seiner Vergangenheit in der Bankenwelt auch in illustren Kreisen erarbeiten können.
Dabei funktionierte die Karriere bei ihm wie in einem «Durchlauferhitzer». Nach dem KV bei der Credit Suisse folgte nicht die übliche Weiterbeschäftigung im Backoffice. Bei der CS in Witikon durfte Genepretti als Assistent des Anlageberaters einsteigen. «Das erzwungene Glück» – denn er habe hart dafür gearbeitet – blieb ihm weiter treu, als sein Chef nach einem halben Jahr den Job wechselte. Genepretti durfte das Portfeuille übernehmen. «Ein Wurf ins kalte Wasser», blickt er zurück. «Da musste ich mich behaupten.» Die Zeit war hart, denn viele misstrauten anfänglich dem jungen Schnösel. «Glaubwürdigkeit ist das grosse Ding in der Beziehung zum Kunden», weiss seither Marco Genepretti.
Zwei Jahre später, im Alter von 23, konnte er bereits innerhalb der CS ins Private Banking wechseln. Jetzt betreute er im Investment-Consulting Kunden und Firmen von einer Million an aufwärts. Aktien kaufen, Optionen tätigen – alles musste noch schneller funktionieren. Oft hatte der junge Bankmann seine Kunden täglich am Telefon. Er begleitete sie auch an Events von der Oper bis in die Formel-1-Box und hat dabei «sehr viel von diesen Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen gelernt». Es faszinierte ihn, mit solchen Unternehmern schnell, spontan und doch geplant «ein Geschäft anzureissen». Aber irgendwie sei er auch «zu früh in dieses Business gekommen».
Genepretti lockte es deshalb nicht, sich für die nächsten paar Jahre noch einmal eine Kundenklasse höherzudienen, «um dann den Rest seines Lebens mit einem schönen Häuschen am See zu verbringen». Ob Teamleiter oder später Regionalleiter: «Das Geschäft wäre immer das gleiche geblieben…»
Mehr Horizonterweiterung hat sich der ursprüngliche Ballkünstler von einem Wechsel ins Ausland versprochen. Genepretti wechselte zur Dresdner Bank. Für deren Schweizer Niederlassung betreute er von Zürich aus die deutschen Kunden. «Eine intensive und lässige Zeit», bei der er mehr im Flieger und Auto als in seinem Büro gearbeitet hat. Trotzdem fehlte ihm die Eigendynamik. «Bei der Bank hat man keine Möglichkeit, einen eigenen Weg zu gehen oder eine Strategie zu verändern.» Die Ideen kommen von oben. Man habe dafür Sicherheit, mehr jedenfalls als bei den Medien, «wo ein interessanter Job oft auch ein Schleudersitzt ist…»
Dass er jetzt das Marketing für zwei Sender mitbetreut, von denen er bereits in jungen Jahren ein leidenschaftlicher Fan war, erfüllt Marco Genepretti mit Stolz. Zum Angebot als Quereinsteiger ist es gekommen, weil der scheinbar rastlose Genepretti in seiner Freizeit neben der Bank nicht nur ein Studium der Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Zürich abgeschlossen hat.
Ein weiteres Hobby war das Organisieren von Events. Genepretti legte in mitteljungen Jahren als DJ im Kaufleuten oder Rohstofflager auf, mixte sich so in die Partyszene und hatte in diesem Netzwerk auch bei der Street Parade oder beim Erfinden verschiedener Bälle im Hotel Baur au Lac seine Hände im Spiel.
Bei diesen Unternehmen hat der Banker nicht nur die Sponsoren geliefert, sondern auch die Medien betreut. Womit er schliesslich auch mit Markus Gilli und Tarkan Özküp in Verbindung kam. Diese haben in Genepretti immer mehr Spielerpotenzial gesehen – und gaben ihm schliesslich einen Steilpass. Jetzt will man zusammen Tore schiessen.
Andreas Panzeri