Web2com-Index wächst auch im September weiter

Der Web2com-Index für Online-Werbung legte im September um 4,3 Punkte auf 137 Punkte zu. Damit erreichte der Index nach dem bereits hervorragenden August nochmals die gleiche Wachstumsrate und erneut den höchsten Wert des Jahres.

Der Web2com-Index für Online-Werbung legte im September um 4,3 Punkte auf 137 Punkte zu. Damit erreichte der Index nach dem bereits hervorragenden August nochmals die gleiche Wachstumsrate und erneut den höchsten Wert des Jahres, wie die Publigroupe-Tochter Web2com mitteilte. Wie die Web2com schreibt, biete das Internet- und Onlinegeschäft weiterhin hervorragende Wachstumsperspektiven. Und die Tatsache, dass die Internetnutzung bereits die Printnutzung überholt hat, zeige, dass das Internet seinen festen Platz im europäischen Medien-Mix gefunden hat (siehe dazu auch ). Der Web2com-Index basiert auf monatlichen Erhebungen der Investitionen für kommerzielle Werbung nationaler und internationaler Online-Plattformen. Er soll somit aufzeigen, wie sich die Internetwerbung in der Schweiz entwickelt.

Schweizer PR-Tag beleuchtete den Medienwandel

Der 13. Schweizer PR-Tag am Mittwoch in Zürich stand im Zeichen der PR und Medien im digitalen Zeitalter und ihren Perspektiven. Was als anspruchsvolles Thema kreiert wurde, war am Ende doch ein Dejà-vu für die rund 200 Besucher.

Der 13. Schweizer PR-Tag am Mittwoch in Zürich stand im Zeichen der PR und Medien im digitalen Zeitalter und ihren Perspektiven. Was als anspruchsvolles Thema kreiert wurde, war am Ende doch ein Dejà-vu für die rund 200 Besucher. Internet & Web 2.0 sind mittlerweile in Redaktionsstuben wie in PR-Fabriken etabliert, und dass zwischen Journalisten und PR-Beratern eine hohe Abhängigkeit besteht, ist auch nicht mehr ganz neu. Überraschend ist da schon eher, dass gar niemand mehr dagegen protestiert. Prof. Stephan Russ-Mohl vom European Journalism Observatory (EJO) an der Universität Lugano ging auf die unverändert spannungsgeladene Frage ein, wo in den Medien PR aufhört und Journalismus anfängt. Anhand des Prinzipale-Agenten-Modells erklärte der Kommunikationswissenschafter, dass nicht nur Journalisten abhängig seien von den PR-Agenten, sondern letztlich auch das Publikum von den Journalisten. Der Mediennutzer heute sei in einer ähnlichen Lage wie ein Kind, das beim ?Stille Post Spiel? am Ende sitzt und die eigentliche Nachricht nur mehr verfälscht oder gar nicht mehr bekommt.
Russ-Mohl betonte, dass sich die Gewichte derzeit zugunsten der PR verschieben, nicht nur zwischen PR und Journalismus, sondern auch zwischen PR und Werbung. Diese Entwicklung gefährde den Journalismus, auf den PR angewiesen bleibt, denn guter Journalismus werde auch in Zukunft werbefinanziert bleiben. ?Wir müssen die Leser aufklären, damit sie über dieses wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis informiert sind?, forderte er. Das Publikum brauche Journalisten für die Selektion, und die Journalisten bräuchten Zeit zum Recherchieren. Je mehr Informationen ins Netz kommen, desto wichtiger werde der Journalist, der eine verlässliche Auswahl trifft.
Dass Journalisten im Zeitalter des Informationsoverflow in PR und Medien einmal überflüssig werden, schloss Russ-Mohl aus. Es gäbe aber gefährliche Tendenzen, sogenannte ?Hybridarbeitsmodelle? bei Redakteuren, die für Medien und PR-Auftraggeber gleichzeitig arbeiten. Was er für die Zukunft vorhersehe, sei eine stärkere Spaltung des Medienmarktes in ein ?Qualitätssegment? mit erstklassiger recherchierter journalistischer Information und einen ?Massenmarkt? mit Gratisinformationen, der sich mit immer mehr Gratiszeitungen, PR-Plattformen und Internet bereits heute ankündigt.
Die Internetspezialisten unter den Referenten auf dem PR-Tag, Marcel Bernet und Jürg Stuker, lieferten jene Informationen, die angehenden PR-Studenten heute in jedem Kurs eingehämmert werden, etwa Geschwindigkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, Vernetzung schafft Vertrauen, online ist unverzichtbar oder dass Web 2.0 mit seinen Entwicklungen wie Weblogs, Wiki oder Podcasts zu beobachten seien und dass die neue Internet-Generation gegen die bestehenden Medienmonopole aufbegehrt. Natürlich stellt das Internet die klassische Informationspyramide auf den Kopf, aber ist deshalb schon jeder Ich-Verleger mit seinen geistigen Ergüssen ein Problem für PR-Spezialisten, fragte sich das Publikum. Millionen Blogs sind ungefähr so bedeutsam wie Millionen Briefe in der gelben Post – sie müssen erst einmal gelesen werden. Was ist es für eine Neuigkeit, dass die Pressestelle eines Konzerns auf Anfragen besorgter Konsumenten reagieren muss – egal ob sie von einem Blogger kommen oder nicht. Und warum ist es so außergewöhnlich, wenn ein Blog-Thema einmal den Sprung in die großen Medien schafft.
In der Schweiz gibt es derzeit 2.000 Weblogs, erzählte der erfolgreiche Buchautor Bernet, dessen PR-Tipps zum Handling der neuen Internet-Welt und zur Einrichtung von Mediencornern lesenswert sind. Weblog-Betreiber seien engagiert, zahlreich, vernetzt und ?anstrengend?. Bernet nannte sie Ich-Verleger, die vor allem von der kostenlosen Infrastruktur des Internet profitierten. Er forderte nicht von jeder Pressestelle, gleich einen Weblog einzurichten, aber seine These, dass die sogenannten Ich-Verleger Risiken und Chancen für die Reputation großer Unternehmen brächten, wurde doch als gewagt empfunden.
Ein spannender Praxisbeitrag kam vom gebürtigen Klagenfurter Peter Warne, der seit seiner Ausbildungszeit im Großbritannien aktiv ist, zuletzt als externer Communications Manager bei Nestlé. Internet & Co. seien nicht nur etwas für Kids – die Leute, die Web 2.0 Features nutzen, seien über 30, gut ausgebildet und haben Geld. Das sollte alle PR-Professionals interessieren. Warne erklärte, dass die neuen Internet-Features nicht nur Medien, sondern auch Unternehmen vor völlig neue Herausforderungen stellten, ließ jedoch die Frage unbeantwortet, wie man in einer zunehmend komplexen Welt die einfache Aufgabenstellung – rasch, effizient und klar zu kommunizieren – bewältigt.
Die ?schöne neue Welt? im Mediengeschäft zeigte der Geschäftsführer der CASH-Gruppe, Christoph Bauer, anhand der Entwicklung seines Printunternehmens zu einem ?multikanalen Angebot?. Bauer bestätigte den Trend zur Werbemarktfinanzierung und dass hieraus neue Geschäftsmodelle entstünden. Es gäbe ein verändertes Verhalten der Werbeindustrie, die sektorale Konvergenz führe zu neuen Wettbewerbern. Im Kampf um Werbeeinnahmen spielten heute zunehmend multimediale Angebote bis hin zum Ingame-Marketing eine Rolle, so Bauer, der erst kürzlich die Wirtschaftstageszeitung Cash Daily gestartet hat, die zukünftig auf eBooks vertrieben werden soll.
Die Wertschöpfung von morgen finde ?multikanal? statt, sagte Bauer. CASH sei mit seinem Konzept – Print, Online und TV unter einem Dach – beispielgebend, aber in guter Gesellschaft. Themen und Inhalte würden nicht einfach über mehrere Kanäle gespielt, sondern ?vernetzt?. Bauer sprach von einer ?neuen Dimension des Journalismus?, blieb aber die Antwort schuldig, wie diese aussieht. Beachtlich war der Nebensatz, dass Print weiterhin Online finanzieren müsse. Dies brachte den Kommunikationswissenschafter Russ-Mohl zur Feststellung, dass sich die Produktionskosten für Medien durch Multichanneling eher erhöhen.
Für Erheiterung sorgte am Ende ein Publikumsbeitrag, der sich über die enge Verquickung von PR und Werbung in den regionalen Tagesmedien beschwerte: ?Die wollen als Kompensation für PR-Beiträge nur Inserate verkaufen. Man fühle sich zunehmend als Wasserträger der Medien.? Dem konterte Russ-Mohl: ?Wir wissen schon seit über 20 Jahren aus der Forschung, dass 70 % der redaktionellen Nachrichten auf Public Relations Aktiviäten basieren.?

Lowe wählt 18 18

Diese Woche wird die neue telefonische Auskunft 18 18 lanciert. Die Zürcher Werber von Lowe setzten den Marktauftritt des neuen Anbieters um, der den Anspruch erhebt, die legitime Nachfolge der 111 anzutreten.

Diese Woche wird die neue telefonische Auskunft 18 18 lanciert. Die Zürcher Werber von Lowe setzten den Marktauftritt des neuen Anbieters um, der den Anspruch erhebt, die legitime Nachfolge der 111 anzutreten. Die 18 18 wird von der 18 18 Auskunft betrieben, die ein Tochterunternehmen von The Number Inc. ist, die bereits in sechs europäischen Ländern erfolgreich tätig ist. Die neue Schweizer Auskunft bietet nationale und internationale Auskünfte zum Einheitspreis und verschickt Gratis-SMS mit dem gewünschten Eintrag.
 
Die Lancierung von 18 18 wird von einer Kampagne der Zürcher Agentur Lowe begleitet, die mit Ironie auf die glorreichen 70-er Jahre des Skisports anspielt. Darin werden die zwei schrägen, aber voll engagierten Expontenten 18 und 18 auf eine SKISS Tour durchs Land geschickt. Wie es ihnen dabei ergeht, erfährt man in einer Fortsetzungsreihe. Auf die TV-Spots folgen Online-Werbung und Plakate.

Das Team von Karl F. Schneider hat Zuwachs erhalten

Dominik Woodtli verstärkt seit Kurzem als Juniorberater und Redaktor das Team der Kommunikationsagentur Karl F. Schneider in Schlieren.

Dominik Woodtli verstärkt seit Kurzem als Juniorberater und Redaktor das Team der Kommunikationsagentur Karl F. Schneider in Schlieren. Der 28-jährige Marketingplaner und frisch gebackene PR-Fachmann mit Fachausweis hat zuvor in der Marketing-Services-Abteilung der Genossenschaft Migros Zürich gearbeitet.

Schweizer holt den ersten Hamburger Medienpreis

Der Schweizer Journalist Philipp Cueni hat den ersten Preis der Akademie für Publizistik in Hamburg gewonnen. Der Basler Journalist wird die mit 2'000 Euro dotierte Auszeichnung am 16. November in Hamburg entgegen nehmen.

Der Schweizer Journalist Philipp Cueni hat den ersten Preis der Akademie für Publizistik in Hamburg gewonnen. Der Basler Journalist wird die mit 2’000 Euro dotierte Auszeichnung am 16. November in Hamburg entgegen nehmen. 37 Autoren, Reporter und Journalisten hatten Texte zur Wettbewerbsfrage «Was ist guter Journalismus» eingereicht. Der nun von einer Jury ausgezeichnete Text von Philipp Cueni wird auf der Medienseite der «Süddeutschen Zeitung» publiziert, wie die SDA am Donnerstag meldete.
Philipp Cueni ist verantwortlicher Redaktor des Medienmagazins Gazette und Sekretär für Medienpolitik beim Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM). Er unterrichtet Medienethik an der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern und steht dem Vereins Qualität im Journalismus vor.

GEMI-Index zeigt Wachstumssprünge im September

Der am Donnerstag publizierte Goldbach Electronic Media Index (GEMI) zeigt die Medieninvestitionen im September beim TV mit vier und beim Internet gar mit 6 Indexpunkten kräftig im Plus. Elektronische Medien insgesamt ziehen von 332 auf 335 Indexpunkte an.

Der am Donnerstag publizierte Goldbach Electronic Media Index (GEMI) zeigt die Medieninvestitionen im September beim TV mit vier und beim Internet gar mit 6 Indexpunkten kräftig im Plus. Elektronische Medien insgesamt ziehen von 332 auf 335 Indexpunkte an. Die Medieninvestitionen insgesamt im September liegen erneut leicht im Plus, der Index kletterte von 172 auf 173 Punkte. Diese Werte bestätigen das kontinuierliche Wachstum der Medieninvestitionen der letzten Monate. Eindeutig die Gewinner des Monats waren erneut die elektronischen Medien, TV und Internet mit sehr deutlichen Pluswerten, während der Index für das Radio bei 250 verharrte, und der Teletext sogar mit vier Zählern im Minus bei 144 Punkten abschloss.
Der Index basiert auf den publizierten Daten von Media Focus für Werbeinvestitionen in der Schweiz und der Werbeaufwandstatistik der WEMF für Adscreen mit Index 100 im Dezember 2004.

Weber Habeke rückt Betty TV ins richtige Direct-Marketing-Licht

Die Fernbedienung von Betty TV erlaubt dem Fernsehpublikum den direkten Dialog mit dem Fernsehprogramm. Für die Zuschauer ist es Unterhaltung, für Marketing- und Werbeleute ein neuer Kanal für die Platzierung von Produkten und Botschaften.

Die Fernbedienung von Betty TV erlaubt dem Fernsehpublikum den direkten Dialog mit dem Fernsehprogramm. Für die Zuschauer ist es Unterhaltung, für Marketing- und Werbeleute ein neuer Kanal für die Platzierung von Produkten und Botschaften.Mit der am 9. Juni offiziell lancierten Betty TV-Fernbedienung können Zuschauer mit dem Fernsehen interagieren. Dazu erscheinen bei bestimmten Sendungen auf dem Display Meldungen mit Hintergrundinformationen, Ratespielen oder Verkaufsangeboten. Per Knopfdruck kann der Zuschauer seine Antwort abgeben oder an Wettbewerben teilnehmen. Für die Marketing- und Werbebranche ist Betty ein Glücksfall, denn mit dem System kann die Zielgruppe direkter und kosteneffizienter als jedes Mailing erreicht werden. So wird Fernsehen immer mehr zum Direct-Marketing-Tool, schreibt Weber Harbeke in einer Medienmitteilung vom Donnerstag.
Weber Harbeke will diese Vorzüge von Betty mittels Inserat in der Fachpresse neuen B2B-Kunden schmackhaft machen. Die Inserate werden ab November dieses Jahres bis im Frühjahr 2007 zu sehen sein.   

Cablecom forciert Digi-TV

Die Kabelnetzbetreiberin Cablecom plant eine weitere Reduktion des herkömmlichen Programmangebots. Die Auswahl der betreffenden Sender richtet sich primär nach der Einschaltquote. Welche Sender betroffen sind, ist noch nicht bekannt.

Die Kabelnetzbetreiberin Cablecom plant eine weitere Reduktion des herkömmlichen Programmangebots. Die Auswahl der betreffenden Sender richtet sich primär nach der Einschaltquote. Welche Sender betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Der Reduktion sind allerdings Grenzen gesetzt: Laut dem Radio- und Fernsehgesetz müssen die SRG-Programme sowie die Lokal- und Regionalsender, die eine Konzession mit Leistungsauftrag haben, verbreitet werden. Ausserdem kann der Bundesrat beziehungsweise das zuständige Departement Sender bestimmen, die auf Grund ihres Beitrags zur Bildung, kulturellen Entfaltung oder Meinungsbildung zu verbreiten sind. Voraussichtlich wird dies im Frühjahr geschehen, wenn die Verordnung zum Gesetz in Kraft tritt, wie Bernhard Bürki vom Bundesamt für Kommunikation sagte. Zuletzt hatte Cablecom Anfang Oktober den englischen Sender BBC Prime und das spanische TVE aus dem analogen Programm genommen sowie den österreichischen Sender ORF 2 verschoben. Der Entscheid stiess bei Kunden und Behörden auf Kritik. Auch der spanische Botschafter schaltete sich ein: Er richtete ein Schreiben an Cablecom, wie eine Botschaftssprecherin sagte. Sie bestätigte eine Meldung der Berner Zeitung vom Donnerstag. Dies sei nicht ungewöhnlich, wenn fremdsprachige Sender betroffen seien, sagte Cablecom-Sprecher Stephan Howeg dazu. Bereits früher abgeschaltet worden waren die Sender RTP, France 3, NDR und Italia 1. Die Cablecom bedaure, das analoge Angebot einschränken zu müssen, sagte Howeg gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Aus Platzgründen bei den Frequenzen gehe es aber nicht anders. Die Frequenzen würden immer knapper, und ein analoger Sender belege soviel Platz wie 10 digitale.
Neben den Abschaltungen stösst indes auch das digitale Angebot von Cablecom auf Kritik: Der Preisüberwacher und die Stiftung für Konsumentenschutz bemängeln den Preis des Angebots sowie die Tatsache, dass der Kunde beim Gerät zum Empfang des digitalen Fernsehens keine Auswahl hat. Dieser Kritik will Cablecom mit Verbesserungen begegnen. Das Unternehmen sei dabei, eine Lösung zu erarbeiten, sagte Howeg weiter. Der Inhalt werde noch nicht kommuniziert. Es gehe darum, den Schritt vom analogen zum digitalen Fernsehen zu erleichtern.

Potente Werbung wird salonfähig

Arzneimittel Seit die Pharmaindustrie in den USA informative Promo schaltet, explodieren die Werbeausgaben.

Arzneimittel Seit die Pharmaindustrie in den USA informative Promo schaltet, explodieren die Werbeausgaben.Noch vor zwei Jahren waren während der Werbepausen dutzendweise auch TV-Spots für die Potenzpillen Viagra, Cialis und Levitra zu sehen. Sport-Ligen wie Nascar und die NFL liessen sich von Pfizer & Co. mit Kusshand für ein Sponsoring gewinnen, die Clips präsentierten potenz-strotzende Männer mitunter gar mit einer lasziven Blondine im Arm. Doch damit war es schnell vorbei. Eine Werbekampagne nach der anderen wurde von der US-Regulierungsbehörde, der Food and Drug Administration (FDA), beanstandet, sei es wegen Vernachlässigung der Informationspflicht, sei es wegen unwahrer oder übertriebener Inhalte. Der Chef der Regulierungsbehörde, FDA-Kommissar Thomas Abrams, liess gar verlauten, er sei «generell besorgt über die sinkende Qualität» der Direct-to-Consumer-Werbung (DTC), vor allem in der Kategorie «Erectile Dysfunction» (ED), also Potenzstörungen. Die Kampagnen wurden aus dem Äther verbannt, und die NFL kündigte Anfang des Jahres gar das 18 Millionen Dollar schwere Sponsorship von Schering-Ploughs Medikament Levitra.
Um weitere Pleiten zu verhindern, riss sich die Pharma-Lobby am Riemen. Seit Anfang des Jahres gelten neue Richtlinien der Interessenorganisation PhRMA (Pharmeceutical Research and Manufacturers of America) für das DTC-Advertising. Darin heisst es unter anderem, dass verschreibungspflichtige Medikamente klar als solche ausgewiesen werden müssen, dass der Inhalt die Vorteile eines Medikaments wie auch seine Risiken beschreiben soll und dass Zielgruppen, die «nicht altersgemäss» für ein bestimmtes Mittel seien, nicht beworben werden sollten: sprich Kinder und Jugendliche sollten keine Viagra-Spots zu sehen bekommen.
Darüber hinaus wurde festgelegt, dass jede neue DTC-Werbekampagne zuerst der FDA zur Überprüfung vorgelegt werden soll. Nicht mehr erlaubt sind so genannte «reminder ads», in denen die Marke eines Medikaments angepriesen wurde, ohne ausreichende Informationen zu geben, wofür sie gut sind und welche Risiken sie haben können. «Die Regeln sind ein Schritt in die richtige Richtung», kommentiert John Mack, Verleger der Pharma Marketing News. Allerdings glaubt er, dass es der FDA unmöglich sein wird, alle neuen DTC-Kampagnen abzusegnen, weil sie dies personell schlichtweg nicht leisten kann. «Das ist eher ein PR-Schachzug als ein realistisches Ziel. Es wird allgemein erwartet, dass sich nur ein paar Unternehmen daran halten werden.»
Die Richtlinien sind eine Massnahme der freiwilligen Selbstkontrolle. Sie wurden auch deshalb eingeführt, weil diverse Politiker drohten, gesetzlich verbindliche Regeln für DTC einzuführen. «Die Regeln sind ein Präventivschlag gegen mögliche Massnahmen, die dem Gesetzgeber in einem Wahljahr einfallen könnten», sagt Mack. Die Kongresswahlen finden im November statt.
In einem Bereich haben die neuen Richtlinien bereits Fuss gefasst: bei der Werbung für die Potenzpillen. In den Levitra-Spots des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) diskutieren zwei Männer über Impotenz und wie diese mit anderen Krankheiten wie Diabetes oder hohem Blutdruck zusammenhängt. Das gleiche Ziel hat sich die Internetkampagne Mensfacts.com zum Ziel gesetzt, die von den drei Konzernen Bayer, GSK und Schering-Plough gesponsert wird.
Die Diskussion um DTC in den USA ist schon so alt wie die Praxis selbst. Vor allem seit 1997, als die FDA neue Richtlinien für verschreibungspflichtige Medikamente erliess, sind die Werbeausgaben für DTC explodiert. Seit die pharmazeutische Industrie auch Radio- und TV-Werbung schalten darf, haben sich die Ausgaben für DTC von 700 Millionen Dollar im Jahr 1997 auf die Rekorsdumme von 5 Milliarden 2006 erhöht. Die Summe lag im vergangenen Jahr etwas niedriger, nachdem Merck Ende 2004 das DTC-beworbene Arthritis-Medikament Vioxx wegen seiner potenziell tödlichen Nebenwirkungen vom Markt nehmen musste.
Vor allem Ärzte-Vereinigungen weisen darauf hin, dass Hilfesuchende, die zum Arzt gehen, ihren Doktor häufig unter Druck setzen, bestimmte Medikamente zu verschreiben, die sie aus der DTC-Werbung kennen. «Ich bin skeptisch, dass die Industrie sich zufriedenstellend selbst regulieren kann», sagt auch Matt Hollon, Professor und Internist an der University of Washington in Seattle. «DTC bleibt letztendlich ein planloser Weg, Gesundheit zu promoten.»
«Wie gut die Industrie in ihren Selbstregulierungsbemühungen ist, werden wir frühestens nächstes Jahr sehen», sagt Michael Santoro, Businessprofessor an der Rutgers-Universität und Mitherausgeber des Buches «Ethics and the Pharmaceutical Industry». «Es hängt davon ab, wie ernst es ihnen damit ist, sich selbst von einer reinen Lobby in eine professionelle Industrie verwandeln zu können.»
«Vorsichtig geworden»Interview mit Michael Guarini,
Executive Group Director von Ogilvyhealthworld.com.WW: Welche Auswirkungen haben die neuen Regeln auf die Pharmawerbung?Michael Guarini: Wir sehen, dass sich ein Trend, den es schon vorher gab, beschleunigt, und zwar dass mehr alternative Formen wie zum Beispiel mehr Relationship Marketing betrieben wird. Auch «help seeking»-Spots mit Ärzten werden gern gezeigt, wir sehen also jede Menge Männer und Frauen in weissen Kitteln, die in den Spots über Krankheiten reden. Was nicht mehr geht, sind die «reminder ads», das sind diese 15-Sekunden-Clips, in denen es heisst: Fragen Sie Ihren Arzt nach diesem oder jenem Medikament. WW: Wurden noch andere Praktiken angesprochen?Michael Guarini: Es gab schon früher Proteste gegen jene Clips, in denen Entertainment-Stars gezeigt wurden, die über ein Medikament redeten. Es wurde diskutiert, ob sie diese Pille wirklich nahmen oder nicht. Da sind die Unternehmen vorsichtiger geworden und setzen weniger Celebrities bei DTC-Werbung ein.WW: Wie beeinträchtigt Sie der neue Prüfungsprozess der FDA?Michael Guarini: Alles muss der FDA jetzt vor Veröffentlichung vorgelegt werden. Das bedeutet eine Menge mehr Arbeit für sie und dass alles etwas länger dauert.Gerti Schön
Swissmedic will Teil-WerbestoppWenn es nach dem Heilmittelinstitut Swissmedic geht,
sollen im Internet keine Infos oder Werbung für rezeptpflichtige Medikamente mehr zu finden sein. Der Grund: Pharmaunternehmen vermischten immer mehr Information mit Werbung. Nicht von der Regelung betroffen sind allerdings die behördlich genehmigten Informationen, wie sie etwa über das Arzneimittel-Kompendium über das Internet öffentlich zugänglich sind. Gemäss der NZZ am Sonntag sollen Ärzte und Apotheker ab 2007 gewisse Informationen nur mit Passwort abrufen können. Die Regelung gilt aber als eher absurd und zu wenig durchdacht, denn das Internet macht an den Schweizer Grenzen nicht Halt. Auch die Pharmaindustrie ist alles andere als begeistert und erwägt rechtliche Schritte gegen Swissmedic.
Der goldene Mittelweg, der ermöglicht, dass Konsumenten vor unzulässiger Werbung geschützt werden und dass gleichzeitig für Patienten umfassende Informationsmöglichkeiten bestehen, ist noch nicht gefunden.
Kathrin Fischer

Hauptsache, auffällig

Grossformate Die Firma Movingposter.ch weiss, wie Werbung an den unmöglichsten Orten auffallen kann.

Grossformate Die Firma Movingposter.ch weiss, wie Werbung an den unmöglichsten Orten auffallen kann.An der Zuger Messe ist in diesen Tagen das witzige Objekt von niemandem der rund 75’000 Besucher zu übersehen. Exklusiv abgehoben über dem Gelände mit rund 500 Ausstellern, schwebt der Gag und weckt bei den Leuten Lust auf Kaffee. Oder gar auf eine Kaffeemaschine. Sie muss ja nicht gleich so gross sein wie der gigantische Ballon. 3,5 auf 5 Meter sind die Ausmasse der Sonderwerbung für Nespresso. In die Luft gebracht wurde das fliegende Plakat von der Spezialfirma Movingposter.ch in Hünenberg bei Zug. In dieser Gemeinde findet sich seit Februar dieses Jahres eine Neuentwicklung der Schweizer Druckindustrie. Movingposter.ch ist von Holzhäusern nach Hünenberg in viel grössere Produktionsräume gezügelt. Mit einem Maschinenpark von insgesamt zehn Druck- und Konfektionsmaschinen beliefern hier Spezialisten die Kommunikationsbranche mit Megapostern in allen nur möglichen Sonderwerbeformen.
Vor dem aktuellen Ballon für Nespresso hat auch schon eine Verhüllung des berühmten Luzerner Wasserturms für Emmi Lacto Tab die Passanten zum Staunen gebracht. 17 auf 15 Meter gross prangte dieses Megaposter im April 2006 für wenige Stunden am historischen Turm. Die Aktion war von der Polizei nicht bewilligt und sorgte damit für ein gewaltiges Medienecho. Emmi durfte sich freuen: Das mit diesem Poster neu lancierte Produkt Lacto Tab war schweizweit sofort in aller Munde.
Auch an der Olma sind Swissair-Trolleys mit Werbehüllen für das gleiche Produkt aufgefallen. Auf der A1 in der Mitte zwischen Bern und Zürich postierte der Grossformatdrucker ein Megaposter mit 260 Quadratmetern für die Firma Oel Brack, die in der Schweiz die Produkte für Kendall und Midland vertreibt. Das Postersystem wurde direkt auf eine Fassade geklebt. Ein Vorteil und gleichzeitig eine Herausforderung, denn «ein Megaposter soll möglichst rumpffrei gespannt werden können, was auch eine exakte Vermessung benötigt», erklären die Spezialisten. Wird ein Poster in freier Luft aufgespannt, müssen je nach Grösse Statik, Untergrund und Windkraft bemessen werden.
Es muss nicht immer gigantisch sein. Für Erdgas hat Movingposter aufblasbare Torbögen konstruiert. Auch die Kultmarke M-Budget und die Luzerner Eventagentur Premotion setzen auf Scherenzelte und Beschriftungen von Movingposter. Das mit wenigen Handgriffen einsatzbereite Zelt samt Theke ist natürlich im M-Budget-Look gestaltet.
Es muss auch nicht immer nur Werbung sein. In Zürich sorgt aktuell eine Verhüllung des Hotels Florhof für Verwirrung. Zumindest aus der Ferne fragen sich ankommende Gäste: Ist diese Fassade nun echt oder nur gemalt?
«Die Fotomontage für den Florhof war eine grössere Herausforderung, ebenso mussten die Drucke zentimetergenau auf das Gerüst angepasst werden», erklärt Philipp Gloor von Movingposter. Die Fassade dieses Romantikhotels in Zürich wird einer umfassenden Renovation unterzogen. Um Gästen und Passanten während der Renovationsarbeiten eine attraktivere Ansicht als ein nacktes Baugerüst zu präsentieren, verhüllte Movingposter.ch dieses mit Grossformatdrucken auf Gitternetz. Mittels aufwändigen Fotomontagen wird die Fassade dargestellt, wie das Hotel nach der Renovation aussehen soll. «Kunde, Architekt und Passanten sind begeistert», meint Gloor. Wer die Florhofgasse in Zürich hinaufgeht, sieht tatsächlich auf den ersten Blick nicht, dass es sich um eine Gebäudeverhüllung handelt.
Mit fünf Grossformatdrucksystemen mit bis zu fünf Meter Druckbreite kann Movingposter.ch «hohe Qualität auch bei kurzen Lieferzeiten» anbieten. Neben Zelten in verschiedenen Formen, grossformatigen Produktenachbildungen oder aufblasbaren Werbesäulen gibt es zum Kauf wie zur Miete auch Werbezeppeline von 2,5 bis 9 Meter Länge.   
Andreas Panzeri

Zu guter Letzt: Telefonieren mit Che Guevara

Marketing muss immer aggressiver werden, um überhaupt noch eine Wirkung zu erzielen. Wir kennen revolutionäre Ideen Buzz-, Viral- und Guerilla-Marketing. Kein Wunder, dass nun auch der Guerillaführer schlechthin als Marke missbraucht wird.

Marketing muss immer aggressiver werden, um heute überhaupt noch eine Wirkung zu erzielen. Wir kennen revolutionäre Ideen Buzz-, Viral- und Guerilla-Marketing. Da ist es doch nur logisch, dass nun auch der Guerillaführer schlechthin als Marke vermarktet wird. «Starten Sie jetzt die Preis Revolución»! Mit diesem Slogan startet der virtuelle Mobilfunkanbieter Che Mobil Che-mobil.de diese Tage seinen Service auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Beworben werden die geringen Kosten für die meisten In- und Auslandsgespräche. Der Vorstand von Che Mobil zeigt sich sehr optimistisch über den Erfolg des Gesamtkonzepts der Firma. Sie seien die ersten auf dem deutschen Markt, die teure Roaming-Gebühren vermeiden wollen. Ein revolutionäres Vorhaben also. Die Alt-68er, die sich gehörig und zu Recht über den Missbrauch einer antikapitalistischen Ikone aufregen würden, fallen Marketing-Idee-sei-Dank aus der anvisierten Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen raus.

Digital überall

Radio Spillmann Felser Leo Burnett visualisiert das digitale Radioprogramm der SRG SSR idée suisse als Zukunftsmusik von heute.

Radio Spillmann Felser Leo Burnett visualisiert das digitale Radioprogramm der SRG SSR idée suisse als Zukunftsmusik von heute. Noch wird die Technik vorwiegend von Insidern genutzt. Das soll sich aber sehr schnell ändern. Die Rede ist vom Radio der Zukunft.DAB steht für Digital Audio Broadcasting und ist ein Verfahren zur digitalen Übertragung von Radiosignalen. Mit DAB können auf einer Frequenz zehn Radioprogramme übermittelt werden. Die Empfangsqualität ist viel besser als bei UKW. Und vor allem: Mit DAB können in der Deutschschweiz elf SRG-SSR-Programme empfangen werden. «Viele dieser Sender bekommt man sonst nur über Kabel oder Mittelwelle herein», schwärmt Early-Adapter und Texter Stefan Ehrler bei Spillmann Felser Leo Burnett.
Um DAB nun auch in der Bevölkerung zu verankern, gestaltete SFLB eine Kampagne mit verschiedenen Key Visuals. Auf den Lautsprechern eines DAB-Radios zeichnen sich die Silhouetten eines Dirigenten, Jazzmusikers, Popstars oder Alphornspielers ab. Diese werden auf Plakaten, in Inseraten und animiert in Kinospots eingesetzt. Die Botschaft: Überall und jederzeit deinen Lieblingssound hören. Mit einem Digitalradio auf DAB.
Andreas Panzeri
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