Agence France-Presse: Videonews bald auch in Deutsch

Die weltweit tätige und renommierte Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) wird künftig ihr Online-Videonachrichtenangebot auch in Deutsch anbieten. Über das Portal der Agentur sind bereits heute monatlich bis zu 50 Beiträge in englischer Sprache erhältlich.

Die weltweit tätige und renommierte Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) wird künftig ihr Online-Videonachrichtenangebot auch in Deutsch anbieten. Über das Portal der Agentur sind bereits heute monatlich bis zu 50 Beiträge in englischer Sprache erhältlich. Gemäss Recherchen des Branchenblattes Werben & Verkaufen steht das Angebot ab 2007 teilweise auch in deutscher Sprache zur Verfügung. Die Produktepalette umfasst fertig geschnittene Nachrichtenfilme, Interviews und Magazinbeiträge wie auch ungeschnittenes Rohmaterial. Mit diesem Schritt reagiert AFP auf die steigende Nachfrage nach derartigen Produkten. Auch der US-Nachrichtensender CNN plant ein Lizenzprodukt für deutschsprachige Online-Portale. Bislang war Reuters die alleinige Anbieterin von Online-Videonews in deutscher Sprache.

Bündner Anzeiger fordert Südostschweiz Mediengruppe heraus

Die Zeitungslandschaft im Kanton Graubünden bekommt Anfang Dezember Zuwachs. Die Churer Casanova Druck und Verlag AG gibt das Gratis-Wochenblatt Bündner Anzeiger mit einer Auflage von 70’000 Exemplaren heraus. Damit bekommt die Südostschweiz Mediengruppe direkte Konkurrenz.

Die Zeitungslandschaft im Kanton Graubünden bekommt Anfang Dezember Zuwachs. Die Churer Casanova Druck und Verlag AG gibt das Gratis-Wochenblatt Bündner Anzeiger mit einer Auflage von 70’000 Exemplaren heraus. Damit bekommt die Südostschweiz Mediengruppe des Verlegers Hanspeter Lebrument eine Konkurrentin auf dem Zeitungsmarkt. Bündner Anzeiger? heisst die Zeitung, die Stefan Bühler, Besitzer der Casanova Druck und Verlag AG und früherer Chefredaktor der ?Bündner Zeitung?, Anfang Dezember unter die Leute bringt.
Das mit Anzeigen finanzierte Blatt wird wöchentlich in 167 Gemeinden des nördlichen Kantonsteils verbreitet, wie Stefan Bühler – Besitzer der Casanova Druck und Verlags AG und früherer Chefredaktor der Bündner Zeitung – am Donnerstag gegenüber der SDA sagte. Mit der Lancierung des Bündner Anzeigers verschärft sich die Konkurrenz auf dem Markt der Gratiszeitungen. Die Südostschweiz Mediengruppe, die in Nordbünden die Bündner Woche herausgibt, hat unlängst die Engadiner Wochenzeitung übernommen. Diese zwei Blätter erscheinen ab Dezember in einer Gesamtauflage von ebenfalls 70’000 mit identischen Inseraten.
Die Bündner Woche dringt demnach in einen Markt ein, den die Südostschweiz Gruppe mit Zeitungen und elektronischen Medien weitgehend beherrscht. Der neue Anzeiger will aber eine Alternative bieten: mit besseren Texten, mit Geschichten mit mehr Pfiff und einem Schwerpunkt im People-Segment. Zwei Redaktoren wurden fest angestellt, zusätzlich kann Bühler laut eigenen Angaben auf einen Redaktionspool zurückgreifen. Er selber werde ebenfalls in die Tasten greifen.
Druckauftrag für Ringier Gedruckt wird die neue Zeitung von der Ringier Print im luzernischen Adligenswil. Mit der Inseratenakquisition wurde eine am 1. Oktober eigens gegründete Anzeigen-Vermittlungsagentur beauftragt. Bühler arbeitete lange Zeit als Journalist sowie zehn Jahre als Chefredaktor für die Bündner Zeitung, der Vorgängerin der Tageszeitung Die Südostschweiz. Er war während 25 Jahren Weggefährte von Südostschweiz-Verleger Hanspeter Lebrument, bevor sich ihre Wege Ende 1996 trennten und sie zu Konkurrenten wurden.

Deutschland: Burda entdeckt die Gamer

Das Medienhaus Burda hat die Spieler als Zielgruppe entdeckt. Nach Informationen der Tageszeitung Welt sei der Konzern bei Computerspiel-Portalen eingestiegen, und zwar bei Gamona und IncGames.

Das Medienhaus Burda hat die Spieler als Zielgruppe entdeckt. Nach Informationen der Tageszeitung Welt sei der Konzern bei Computerspiel-Portalen eingestiegen, und zwar bei Gamona und IncGames. Die Betiligung würde bei 35 bis 40 Prozent liegen. Dabei handle es sich um zwei der führenden Spieleseiten im Netz. Burda rechne in Zukunft mit 10 Millionen Spielern. Das soll erst der Anfang sein, schreibt die Zeitung weiter. Denn Burda hat bereits angekündigt, vor grossen Akquisitionen nicht zurückzuschrecken. Zudem will der Konzern erklärterweise ins Internet investieren. Schon mehr als 20 Internet-Unternehmen führt der Konzern bereits in seinem Beteiligungsportfolio, unter anderem das Online-Antiquariat Abebooks und den Geschenkeversand Valentins. Burda plant, den Umsatz in Internet-Geschäft in den nächsten beiden Jahren zu verdoppeln.

Matter & Gretener gehen zurück zur Schule

Mit einem neue Kommunikationsauftrag für die Neue Schule Zürich hofft die Zürcher Agentur auf Bestnoten.

Mit einem neue Kommunikationsauftrag für die Neue Schule Zürich hofft die Zürcher Agentur auf Bestnoten. Die ISO-zertifizierte Neue Schule Zürich hat Matter & Gretener mit einer Reihe von Kommunikationsaufgaben betraut. In einem ersten Schritt wird die Sekundarschule A der staatlich anerkannten Privatschule mit pointierten Textanzeigen sowie einem Informations-Flyer beworben, wie die Matter & Gretener mitteilt.

Emmanuelle Friedli wechselt zu Renzen Communication

Ab 2007 übernimmt Friedli den Posten des Artdirector bei der Aarauer Agentur Renzen Communication. Sie ist die Nachfolgerin von Gianni Bertossa, der sich selbständig machen wird.

Ab 2007 übernimmt Friedli den Posten des Artdirector bei der Aarauer Agentur Renzen Communication. Sie ist die Nachfolgerin von Gianni Bertossa, der sich selbständig machen wird.Wie Renzen mitteilt, ist die diplomierte Grafikerin derzeit als Designerin bei UEFA Events in Luzern tätig. Zuvor war sie Mitarbeiterin von bei Grey, Genf sowie Saatchi & Saatchi Simko, ebenfalls in Genf.

Zu guter Letzt: You speak Al Jazeera?

Am Mittwoch ging Al Jazeera English auf Sendung, mit Berichten über Raketen und leidenden Kindern sowie Bildern aus Inside Iraq. Der Launch erfolgte grösstenteils unter Ausschluss der westlichen Weltöffentlichkeit. Seltsam, eigentlich.

Am Mittwoch ging Al Jazeera English auf Sendung, mit Berichten über Raketen und leidenden Kindern sowie Bildern aus Inside Iraq. Der Launch erfolgte grösstenteils unter Ausschluss der westlichen Weltöffentlichkeit. Seltsam, eigentlich.  
Das arabische Pendant von CNN gilt wegen seiner oft schonungslosen Bilder und tendenziösen Sprache im Westen wie auch in einigen arabischen Staaten als höchst umstritten. Der Vorwurf der Propaganda wurde auf der vor drei Jahren lancierten englischsprachigen Website eher bestätigt als entkräftet. Laut Bloggern ist auch der Ton des seit dieser Woche aufgeschalteten Fernsehsenders Al Jazeera English für westliche Ohren ungewohnt scharf, aber durchaus sachlich. Was nicht überraschen darf, hatte Al Jazeera English doch einige Reporter und Moderatoren von Konkurrenten wie der BBC oder CNN abgeworben. Jemand schreibt gar, es tue gut, zu wissen, dass hier weder die handelsübliche PR-Zensur noch politische Korrektheit die Information glätte.
 
Doch manchmal darf man bekanntlich nicht selbst entscheiden, was einem gut tut und was nicht. So scheiterten Al Jazeeras Verhandlungen mit U.S.-Kabelanbietern fast auf der ganzen Linie, so dass der Sender ohne grossen U.S. Anbieter startete und deshalb auch kaum empfangen wird. Auch in der Schweiz ist Al Jazeera English nur im welschen Kabelangebot von Naxooo aufgeschaltet. Obwohl Presseberichte oder gar offizielle Angaben zu den Gründen, weshalb das so ist, Seltenheitswert haben, mag man kaum an einen Zufall glauben. Im Angstreflex vor arabischen Inhalten stellt man sich in unserer Kultur lieber mal taub und bemüht weiterhin den Propaganda-Vorwurf, sicher auch, um sich selbst nicht den Augen anderer sehen zu müssen. Da geht gerne vergessen, dass CNN nach den Anschlägen von New York Bilder von jubelnden Muslimen sendete und sich später herausstellte, dass die Aufnahmen bereits mehrere Jahre alt waren.
 
Global gesehen, sieht es gemäss Angaben des arabischen Senders besser aus: Mittels Kabel oder Satellit erreiche der Sender über 80 Millionen Haushalte. Deshalb kann Al Jazeera auch ziemlich egal sein, wenn westliche Medienexperten den Verdacht äussern, dass der Sender eher Meinungen bedient denn bildet. Man kann den Journalisten von Al Jazeera höchstens wünschen, dass sie einen klaren Kopf behalten und treffende Worte finden mögen.

ICLP: Agentur am Flughafen hebt ab

Die am Flughafen Kloten ansässige Marketingagentur ICLP baut ihren Schweizer Sitz mit vier neuen Mitarbeitenden im Bereiche Kreation und Kundenberatung aus.

Die am Flughafen Kloten ansässige Marketingagentur ICLP baut ihren Schweizer Sitz mit vier neuen Mitarbeitenden im Bereiche Kreation und Kundenberatung aus.  ICLP ist der Kürzel für International Customer Loyalty Programmes und in dieser Disziplin Loyalitätsmarketing ist die weltweit tätige ICLP internationale Spitze. Was die Agentur mit Hauptsitz in London seit Jahren mit Vielflieger-Programmen erfolgreich umsetzt, wollen nun auch Firmen aus den Bereichen Detailhandel und Konsumgüterindustrie für sich nutzen, wie die Agentur meldet. Die Einstellung des zusätzlichen Personals erlaubt es ICLP nun, sich als Fullservice Agentur auf dem Markt zu positionieren. Diese vier Köpfe verstärken ab sofort ICLP:
Martina Gehweiler wird als Art Director für die kreativen Belange der Firma zuständig sein. Dies umfasst Konzeption, Gestaltung, Foto. Gehweiler hat in den letzten Jahren in verschiedenen Agenturen in Deutschland, Spanien und zuletzt in der Schweiz gesammelt.
Carolina Bernaschina wird als Junior Account Manager in der Client Service Abteilung im Bereich Marketing unterstützen.
Oli Derveys Hauptaufgabe werden Benchmarks von Kundenbindungsprogrammen in verschiedenen Branchen weltweit und die Beratung von Kunden im Bereich Analyse und Trends sein.
André DuBuisson wird Business Integration Manager. In dieser Funktion ist er die Verbindungsstelle zwischen Kundenwünschen und Praktischer Umsetzung im IT-Umfeld.

Reader’s Digest Schweiz hat einen neuen Business Manager

Per 1. Dezember übernimmt Valerio Barbesino die Leitung von Reader’s Digest Zürich. Die Zürcher Niederlassung ist eine der bedeutendsten Tochtergesellschaften des weltweit tätigen Direktmarketingunternehmens.

Per 1. Dezember übernimmt Valerio Barbesino die Leitung von Reader’s Digest Zürich. Die Zürcher Niederlassung ist eine der bedeutendsten Tochtergesellschaften des weltweit tätigen Direktmarketingunternehmens.Der 45-jährige Barbesino bringt reichhaltige Erfahrung im Direktmarketing in seine neue Position ein: Er ist vormaliger Marketing-Leiter des italienischen Ablegers von Reader’s Digest und war dann in den letzten Jahren in Ialien und in Grossbritannien in verschiedenen Marketingpositionen tätig, zuletzt bei International Masters Publishers (IMP). Nun kehrt der studierte Betriebswirtschaftler zu Reader’s Digest zurück. 

Cinecom lanciert neues Mediaplanungstool

Mit CinEval lanciert die Cinecom ein neues und effizientes Madiaplanungstool für Kinowerbung. Das Tool unterstützt Werbeauftraggeber bei der Grobevaluation von nationalen Kinokampagnen.

Mit CinEval lanciert die Cinecom ein neues und effizientes Madiaplanungstool für Kinowerbung. Das Tool unterstützt Werbeauftraggeber bei der Grobevaluation von nationalen Kinokampagnen. Anhand der Eingaben hinsichtlich Spotlänge, des entsprechenden Cinecom Pools sowie der gewünschten Zielgruppe errechnet das Programm die Kontaktsumme sowie die Kosten des Mediaplans. Die Resultate werden rafisch und tabellarisch dargestellt. CinEval basiert auf den aktuellen Werten des Cinema Admission Monitor (CAM), dem Prognose- und Postcontrol-Tool für Kinokampagnen von Cinecom und WEMF, welches die saisonalen Reichweiten-Unterschiede berücksichtigt. CineEval steht ab sofort bei der untenstehenden Adresse zum kostenlosen Download zur Verfügung und beinhaltet die Daten für das Gesamte 2007, wie das Unternehmen mitteilt.

SFLB und Franz Carl Weber spielen «Ihr Kinderlein kommet»

Das Warenhaus für Kinderspielsachen Franz Carl Weber in Zürich hat sich von Spillmann/Felser/Leo Burnett den TV-Spot zu Weihnachten bescheren lassen. Im Spot pfeifen die Spielsachen die Kinder zu Besuch.

Das Warenhaus für Kinderspielsachen Franz Carl Weber in Zürich hat sich von Spillmann/Felser/Leo Burnett den TV-Spot zu Weihnachten bescheren lassen. Mit dem Spot laden die Spielsachen höchstpersönlich die Kinder zum Besuch ein, denn die spielen zusammen «Ihr Kinderlein kommet». Jedes Spielzeug der Spielzeug-Community trägt einen Ton zum Lied bei: Das Xylophon, die Registrierkasse, das Quietschentchen, die Lokomotive. Der TV-Spot ist ab 16. November auf TeleZüri zu sehen.

Lidl startet big in der Schweiz

Der deutsche Discounter lässt die Markenartikelindustrie in der Schweiz zittern: An rund 50 Standorten will die Kette in den kommenden Jahren Filialen eröffnen. Damit dürften die Preise für Markenartikel stark unter Druck geraten.

Der deutsche Discounter lässt die Markenartikelindustrie in der Schweiz zittern: An rund 50 Standorten will die Kette in den kommenden Jahren Filialen eröffnen. Damit dürften die Preise für Markenartikel stark unter Druck geraten. Ob Lidl in die Schweiz kommt, steht ausser Frage. Offen ist nur noch, wie aggressiv der deutsche Discounter den Schweizer Markt erobern will. Das Unternehmen ist bekannt für seine sagenhaften PR-Strategien. Am ersten Verkaufstag von Lidl in der Slowakei etwa gewährte man den Kunden generell 90 Prozent Rabatt. Dass man dafür eine Busse für den Verkauf unter dem Einstandspreis kassierte, verstärkte den Effekt der PR-Aktion zusätzlich.
Der Markteintritt von Lidl in der Schweiz wird gemäss Expertenmeinung vor allem für Markengrossverteiler wie Coop oder Denner zur Belastung, denn auch bei Lidl stehen Markenartikel in den Regalen. Diese werden beim deutschen Discounter jedoch um 10 bis 20 Prozent günstiger als sogar die Prix Garantie Linie verkauft. Gegenüber dem Cash zeigt man sich bei Coop vielsagend nichtsagend: «Wir sind vorbereitet und können reagieren».
Mitte Oktober erfolgte der Spatenstich am künftigen Hauptsitz von Lidl in Weinfelden. Dort wird im Frühling auch mit dem Bau des Warenverteilzentrums begonnen. In einer ersten Phase will die Discountkette vor allem in der Deutschschweiz aktiv werden, allein in dieser Region mit 35 Geschäften. Allein in Weinfelden werden rund 300 Arbeitsplätze entstehen und rund 35 Millionen Franken investiert.

Bis zur Bewusstlosigkeit?

Kolumne Gespenstisch, dass kaum jemand aus der hyperaktiven und gesprächigen Kommunikationsbranche gegen den Unsinn von Werbeverboten antritt, findet Karl Lüönd.

Kolumne Gespenstisch, dass kaum jemand aus der hyperaktiven und gesprächigen Kommunikationsbranche gegen den Unsinn von Werbeverboten antritt.Der Satz stammt aus dem staatsbürgerlichen Lehrbuch. «Wer nicht politisiert, mit dem wird politisiert.» Der Satz ist so spannend wie eingeschlafene Füsse – und er stimmt haargenau. Gerade jetzt können wir wieder nachvollziehen, wie die mit Steuer- und Spendengeld gefütterte Gesundheitslobby dank der Gleichgültigkeit der Gegenseite die öffentliche Debatte besetzt. Im Kanton Solothurn steht ein neues Gesundheitsgesetz zur Abstimmung, das nicht nur rauchfreie Beizen vorsieht, sondern gleich auch ein Tabakwerbeverbot. Gemäss Basler Zeitung vom 11. November werde es das wohl schärfste Antitabak-Gesetz der ganzen Schweiz werden. Im kantonalen Parlament hat es mit 45 gegen 42 Stimmen nur eine knappe Mehrheit gefunden. Das vertraute Bild: FDP, SVP und Wirtschaftsverbände dagegen, SP, Grüne und Gesundheitsorganisationen dafür – und bei den Befürwortern auch die von Natur aus heimtückische CVP mit ihrem pfäffischen Doppelgesicht, das wir schon von der Medienpolitik her kennen.
Einmal mehr werden die alten Argumente abgenudelt, und der Eindruck verfestigt sich: Die Taliban des gesunden Lebens sind vom heiligen Eifer beseelt, ihre Version der Wahrheit allgemein verbindlich zu erklären. «Man muss das Produkt aus dem Sichtfeld nehmen und die Erhältlichkeit einschränken. Tabakwaren gehören unter den Ladentisch», fordert eine Funktionärin namens Verena El Fehri von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention. Dem stellt Piero Schäfer, der unentwegte Kämpfer gegen Werbeverbote, die simple Tatsache entgegen, dass in Italien zwar seit 1962 ein Tabakwerbeverbot gilt, ohne dass weniger geraucht würde oder sich die Konsumgewohnheiten verändert hätten.
Der Ausgang des Solothurner Glaubenskriegs ist voraussehbar. Am 24. September hat der Kanton Baselland mit 71 Prozent Mehrheit für Werbebeschränkungen entschieden. Gespenstisch ist, dass ausser dem tapferen Piero und ein paar bezahlten Verbandsfunktionären niemand aus der sonst so hyperaktiven und gesprächigen Kommunikationsbranche mit aller Macht und Wortgewalt gegen den menschenverachtenden Unsinn von Werbeverboten antritt.
Prompt tritt jetzt ein, was wir der geistig und politisch trägen Branche seit Jahren vorausgesagt haben: Mit dem Mittel der Werbeverbote sollen Zivilisationsschäden aller Art «bekämpft» werden: Alkoholismus, Zuckerkonsum, schnelle Autos. Das alles wird – nicht nur, aber auch in den Couloirs der Brüsseler EU-Bürokratie – allen Ernstes erwogen und entworfen. Die Bürokraten wiegen sich und uns in der falschen Sicherheit, ein Übel sei bekämpft, indem man das Werben für das besagte Übel verbietet. Es ist wie Gespensterbekämpfung durch die Abergläubischen: Bloss nicht drüber reden, dann verschwinden sie schon. Augen zu und durch – auch um den Preis der Freiheit. Denn Werbung für legal erhältliche Produkte ist ein Teil der Meinungsäusserungsfreiheit und als solcher in einer freiheitlichen Gesellschaft eigentlich nicht verhandelbar. Die Alternative dazu wäre, konsequent zu Ende gedacht, die staatlich verordnete Wahrheit, verkündet und kontrolliert durch das Wahrheitsministerium, wie George Orwell es skizziert hat.
Hat eigentlich die Mehrheit der Schweizer Werbe- und Kommunikationsbranche das politische Bewusstsein von Amöben? Klar, es betrifft die Mächtigen in dieser Liga nicht. Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger zum Beispiel partizipieren nur mit ein paar lausigen Prozenten an der Tabak- und Alkoholwerbung (jedenfalls solange sie Denners Weininserate nicht mitrechnen). 72 Prozent der einschlägigen Budgets fliessen zu den Plakatiereren, 14 Prozent in die Kinowerbung. Die Tabakindustrie selber wehrt sich kaum spürbar für ihre Werbefreiheit. Als typisches Oligopol können ihr Werbebeschränkungen aus Kostengründen nur recht sein; schliesslich wissen sie aus Erfahrung am besten, was Tabakwerbung wirklich bewirkt: nicht so sehr die Zunahme der Zahl der Rauchenden, sicher aber eine Verschiebung der Marktanteile.
Heute Tabak, morgen Alkohol – und übermorgen? Wer gelegentlich seine Lauscher in Richtung Brüssel stellt und sich die weltverbessernden Visionen der dortigen Bürokraten anhört, müsste alle Alarmglocken schrillen lassen. Aber es tut sich nichts, mit Ausnahme der besagten tapferen Funktionäre, die von der Basis der gut verdienenden Berater und Lieferanten im Stich gelassen werden. Ob sie ihren eigenen Argumenten nicht mehr glauben? Oder ob sie sich nicht mehr zutrauen, mit der Kraft der Überzeugung und der besseren Argumente auf- und gegen die verschlagene Verbotsmentalität der jakobinischen Aufpasser anzutreten? Oder ist es die Trägheit der Satten, die sich nicht betroffen wähnen, nur weil sie gerade kein Zigaretten- oder Schnapsbudget verwalten?
Karl Lüönd ist freier Publizist.

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