Stündlich viermal Radio-News
Radio In Frankreich, Deutschland und England ists Normalität. Ab Herbst 2007 geht auch Radio DRS mit einem Nonstop-News-Programm auf Sendung.
Radio In Frankreich, Deutschland und England ists Normalität. Ab Herbst 2007 geht auch Radio DRS mit einem Nonstop-News-Programm auf Sendung. Beim offiziellen Startschuss handelt es sich nur noch um eine Formsache. Gemäss SRG-Angaben will der Zentralrat der SRG SSR dieser Tage grünes Licht geben für ein weiteres Programm von Schweizer Radio DRS. Dass das zuständige Departement UVEK die Konzession erteilt, daran zweifeln die DRS-Verantwortlichen nicht. In einem knappen Jahr, im Herbst 2007, will das Deutschschweizer Radio mit einem 24-Stunden-News-Programm auf Sendung gehen. Das geplante Programm soll von einer rund 20-köpfigen Redaktion gestaltet werden. Anders als SF Info vom Schweizer Fernsehen will der neue Radiokanal nicht einfach Beiträge der anderen DRS-Programme rezyklieren, sondern mit redaktionellen Eigenleistungen aufwarten. Vorgesehen sind umfassende Nachrichtenbulletins jeweils zur vollen und zur halben Stunde. Dazwischen gibts im Viertelstundentakt Kurznews zu hören. Wetterberichte und Verkehrsmeldungen ergänzen die Nachrichten.
Programmabschnitte mit Musik sind keine vorgesehen. In der Anfangsphase übernimmt der Infokanal zudem die bestehenden Hintergrundsendungen Rendez-vous am Mittag, Info 3 und Echo der Zeit integral. Nach Angaben von Radio-Chefredaktor Rudolf Matter sollen an deren Stelle später Eigenleistungen der neuen News-Redaktion zu hören sein.
Flaggschiffe als VorbilderDer Entscheid, die Programmpalette mit Nonstop-News anzureichern, erfolgte nicht zuletzt nach einem Blick über die Landesgrenzen. France Info, BBC oder Bayern 5 zeigten, dass das Marktpotenzial für einen News-Spartensender vorhanden sei. Und: Das Radioangebot eines Landes könne nur mit Spartenprogrammen oder mit News-Programmen erfolgreich erweitert werden, hielt die SRG SSR bei der Ankündigung des Projekts fest. Mögen die Flaggschiffe der europäischen Inforadios für die Gestaltung des Programms sinnvollerweise als Vorbilder herhalten, so lassen sich in Bezug auf das Marktpotenzial eines neuen Deutschschweizer Programms kaum Analogien ableiten. Zu unterschiedlich präsentieren sich die verschiedenen nationalen Radiolandschaften.
Was die Ressourcen anbelangt, können ausländische Veranstalter in ganz anderen Dimensionen operieren. B5 aktuell etwa, der Infokanal des Bayerischen Rundfunks, beschäftigt an die 100 Journalisten und Techniker, die sich rund 50 Vollstellen teilen. Von solch grosszügiger Dotierung beim Personal kann Radio DRS nur träumen. Kritische Stimmen im Studio Bern, wo das neue News-Programm dereinst produziert wird, fragen sich denn auch, ob mit den geplanten 20 Stellen erfolgreich sieben mal 24 Stunden Programm pro Woche bestritten werden können.
Zehn Prozent Marktanteil werden angestrebtLaut Radiodirektor Walter Rüegg strebt das News-Programm einen Marktanteil von fünf bis zehn Prozent an. Das entspricht ungefähr jenem Wert, den heute DRS 2 erzielt. Vorderhand muss diese Zahl als Wunschvorstellung betrachtet werden, konnten sich doch die Projektverantwortlichen auf keinerlei spezifisches Zahlenmaterial stützen, das verlässliche Aussagen über die Akzeptanz eines Nonstop-Nachrichtensenders in der Deutschschweiz zulässt.
Ein wesentlicher Faktor, der zum Erfolg oder Misserfolg beitragen wird, ist die weitere Entwicklung von Digitalradio. Terrestrisch verbreitet wird das neue Programm nämlich ausschliesslich via DAB, nicht aber über UKW. Um den angestrebten Marktanteil zu erreichen, müssten daher mehr als 100’000 Radiohörerinnen und -hörer ein neues Gerät mit Digitalempfang kaufen. Optimistischen Schätzungen zufolge befinden sich in der Schweiz gegenwärtig einige 10’000 DAB-Empfänger in Betrieb. «Die Motivation, ein neues Radiogerät anzuschaffen», sagt Radiodirektor Rüegg, «steigt bekanntlich erst dann, wenn Programme exklusiv digital ausgestrahlt werden, wenn wir dem Publikum einen klaren Mehrwert bieten.» Dennoch ist es wahrscheinlicher, dass in einer ersten Phase das News-Programm über andere Verbreitungstechniken zum Publikum findet. Etwa als Internetstream oder Podcast.
DAB-Verwirrung aufgelöstProminente Kritiker von DAB-Digitalradio,
so etwa Giuseppe Scaglione von Radio 105, fühlten sich in den letzten Tagen einmal mehr in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem von der SRG intensiv beworbenen Zukunftsradio bestätigt. Der Grund: Ein neues Komprimierungsverfahren für DAB, das demnächst als internationaler Standard verabschiedet werden und dereinst auch in der Schweiz zur Anwendung kommen soll. Programme, die den neuen Standard nutzen, könnten mit den heute handelsüblichen Geräten nicht mehr empfangen werden. «Heutige DAB-Geräte kann man wegwerfen», triumphierte Scaglione in der Abendzeitung heute. Umso grösser war die Verwirrung, als sogar ein Bakom-Sprecher bestätigte, es brauche neue Radios. Am Dienstag nun haben SRG SSR und Bakom gemeinsam Entwarnung gegeben: «Entgegen in letzter Zeit kursierender Gerüchte wird die SRG SSR ihre DAB-Programme weiterhin im jetzigen Format verbreiten.»
Nick Lüthi
Programmabschnitte mit Musik sind keine vorgesehen. In der Anfangsphase übernimmt der Infokanal zudem die bestehenden Hintergrundsendungen Rendez-vous am Mittag, Info 3 und Echo der Zeit integral. Nach Angaben von Radio-Chefredaktor Rudolf Matter sollen an deren Stelle später Eigenleistungen der neuen News-Redaktion zu hören sein.
Flaggschiffe als VorbilderDer Entscheid, die Programmpalette mit Nonstop-News anzureichern, erfolgte nicht zuletzt nach einem Blick über die Landesgrenzen. France Info, BBC oder Bayern 5 zeigten, dass das Marktpotenzial für einen News-Spartensender vorhanden sei. Und: Das Radioangebot eines Landes könne nur mit Spartenprogrammen oder mit News-Programmen erfolgreich erweitert werden, hielt die SRG SSR bei der Ankündigung des Projekts fest. Mögen die Flaggschiffe der europäischen Inforadios für die Gestaltung des Programms sinnvollerweise als Vorbilder herhalten, so lassen sich in Bezug auf das Marktpotenzial eines neuen Deutschschweizer Programms kaum Analogien ableiten. Zu unterschiedlich präsentieren sich die verschiedenen nationalen Radiolandschaften.
Was die Ressourcen anbelangt, können ausländische Veranstalter in ganz anderen Dimensionen operieren. B5 aktuell etwa, der Infokanal des Bayerischen Rundfunks, beschäftigt an die 100 Journalisten und Techniker, die sich rund 50 Vollstellen teilen. Von solch grosszügiger Dotierung beim Personal kann Radio DRS nur träumen. Kritische Stimmen im Studio Bern, wo das neue News-Programm dereinst produziert wird, fragen sich denn auch, ob mit den geplanten 20 Stellen erfolgreich sieben mal 24 Stunden Programm pro Woche bestritten werden können.
Zehn Prozent Marktanteil werden angestrebtLaut Radiodirektor Walter Rüegg strebt das News-Programm einen Marktanteil von fünf bis zehn Prozent an. Das entspricht ungefähr jenem Wert, den heute DRS 2 erzielt. Vorderhand muss diese Zahl als Wunschvorstellung betrachtet werden, konnten sich doch die Projektverantwortlichen auf keinerlei spezifisches Zahlenmaterial stützen, das verlässliche Aussagen über die Akzeptanz eines Nonstop-Nachrichtensenders in der Deutschschweiz zulässt.
Ein wesentlicher Faktor, der zum Erfolg oder Misserfolg beitragen wird, ist die weitere Entwicklung von Digitalradio. Terrestrisch verbreitet wird das neue Programm nämlich ausschliesslich via DAB, nicht aber über UKW. Um den angestrebten Marktanteil zu erreichen, müssten daher mehr als 100’000 Radiohörerinnen und -hörer ein neues Gerät mit Digitalempfang kaufen. Optimistischen Schätzungen zufolge befinden sich in der Schweiz gegenwärtig einige 10’000 DAB-Empfänger in Betrieb. «Die Motivation, ein neues Radiogerät anzuschaffen», sagt Radiodirektor Rüegg, «steigt bekanntlich erst dann, wenn Programme exklusiv digital ausgestrahlt werden, wenn wir dem Publikum einen klaren Mehrwert bieten.» Dennoch ist es wahrscheinlicher, dass in einer ersten Phase das News-Programm über andere Verbreitungstechniken zum Publikum findet. Etwa als Internetstream oder Podcast.
DAB-Verwirrung aufgelöstProminente Kritiker von DAB-Digitalradio,
so etwa Giuseppe Scaglione von Radio 105, fühlten sich in den letzten Tagen einmal mehr in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem von der SRG intensiv beworbenen Zukunftsradio bestätigt. Der Grund: Ein neues Komprimierungsverfahren für DAB, das demnächst als internationaler Standard verabschiedet werden und dereinst auch in der Schweiz zur Anwendung kommen soll. Programme, die den neuen Standard nutzen, könnten mit den heute handelsüblichen Geräten nicht mehr empfangen werden. «Heutige DAB-Geräte kann man wegwerfen», triumphierte Scaglione in der Abendzeitung heute. Umso grösser war die Verwirrung, als sogar ein Bakom-Sprecher bestätigte, es brauche neue Radios. Am Dienstag nun haben SRG SSR und Bakom gemeinsam Entwarnung gegeben: «Entgegen in letzter Zeit kursierender Gerüchte wird die SRG SSR ihre DAB-Programme weiterhin im jetzigen Format verbreiten.»
Nick Lüthi
