Showdown im Shopville

Multimedia APG hat im Auftrag ihrer Majestät für Bond die erste multimediale Plakatstelle im Shopville in Zürich realisiert.

Multimedia APG hat im Auftrag ihrer Majestät für Bond die erste multimediale Plakatstelle im Shopville in Zürich realisiert.Geschossen wird bei Bond im Kino schon lange aus allen Rohren, und auch die jeweils neusten technischen Gadgets gehören bei James zum Inventar. Jetzt heisst es für solche Spielereien nicht mehr nur «For Your Eyes Only» im Kino, sondern auch alle draussen auf der Strasse sollen sehen können, wie Agent James Bond im «Casino Royale» auf alles setzt. Im Rahmen aktueller Innovationsprojekte der Affichage lanciert die APG in Zusammenarbeit mit Buena Vista International die erste multimediale Plakatstelle im Shopville Zürich.
In engem Kontakt mit dem Kunden, dem Buena-Vista-Partner Sony Overseas, wurde ein Prototyp einer Plakatstelle entwickelt, der das Plakat zusammen mit dem aktuellen Kinotrailer des neuen James-Bond- Films «Casino Royale» in bester Qualität verbindet.
«Als wir von der APG mit der Idee kontaktiert wurden, die erste Schweizer multimediale Plakatstelle  am hochfrequentierten Standort im Shopville in Zürich aufzubauen, waren wir natürlich sofort bereit, bei diesem innovativen Projekt mitzumachen», freut sich Matthias Keller, Marketing Director von Buena Vista International (Switzerland).
Nicht nur für den Verleiher hätte das Timing besser nicht sein können, ist doch der neue James-Bond-Film «Casino Royale» voll mit aktuellen Topprodukten von Sony. «Aus diesem Grund lag die Zusammenarbeit mit Sony Overseas auf der Hand», meint Erik Peier bei der APG. Gemeinsam mit der APG/Affichage, der Firma Burri und Sony Overseas wurde das Projekt innerhalb weniger Wochen geplant und professionell umgesetzt. «Ein weiteres spannendes Projekt, welches wir mit unserem Partner für Outdoor, der APG/ Affichage, unbürokratisch und erfolgreich umsetzen konnten», kommentiert Markus Geiser bei Sony Overseas.
Die Plakatstelle befindet sich im stark frequentierten Shopville-Areal des Hauptbahnhofes Zürich und wird während der Kalenderwoche 47 präsent sein.
Andreas Panzeri

Der Tourismusförderer

Rafael Enzler will als neuer Leiter Sponsoring, Controlling und Finanzen bei Schweiz Tourismus die Swissness als Werbung verkaufen.

Rafael Enzler will als neuer Leiter Sponsoring, Controlling und Finanzen bei Schweiz Tourismus die Swissness als Werbung verkaufen.Er wusste schon sehr früh, was einmal sein Traumjob sein könnte. «Sponsoring im Tourismus», lacht Rafael Enzler, habe damals in St. Gallen der Titel seiner Diplomarbeit geheissen. Doch bevor der Betriebswirt mit Studienschwerpunkt Tourismus und Verkehrswirtschaft jetzt zum neuen Leiter Sponsoring bei Schweiz Tourismus gewählt worden ist, ging die berufliche Reise zuerst einmal in eine andere Richtung. Die Opern «Nabucco» und «Carmen» im Hallenstadion waren Grossprojekte, bei denen Enzler seine ersten Erfahrungen im Projektmanagement sammeln durfte. Für die gleiche Consultingfirma B+R Event AG in Zürich hat er damals auch an einer Machbarkeitsstudie für die Expo.02 mitgearbeitet. «Das war ganz in den Anfängen» und die Fragen lauteten: Was für Besucher werden an die Expo kommen? Wie will man sie ansprechen?
Noch näher zum Tourismus führten Enzler dann seine Beratungen für den Bau neuer Bäder in Scuol, Vals und St. Moritz. Doch bevor er sich schliesslich ganz seiner heutigen Branche widmen wollte, hat der «nebenbei ausgebildete» Programmierer und diplomierte Marketingleiter 1996 auch noch einen Abstecher ins Netz unternommen. In der Pionierphase des Internets lockte ihn bei Ringier der Aufbau von «ZHOL Zürich Online». Enzler wirkte als Leiter Marketing und Verkauf und fand das «in jeder Beziehung lehrreich», weil er den Leuten nicht nur Internetleistungen verkaufen, sondern sich und den anderen zuerst das neue Medium verständlich machen musste.
Operativ in die Tourismusförderung eingestiegen ist Enzler dann mit der Neuorganisation von Toggenburg Tourismus. Sein Wirken muss aufgefallen sein, denn bereits nach achtzehn Monaten hat ihn Schweiz Tourismus als Leiter Beneluxländer abgeworben. Aus dieser Zeit in Amsterdam erinnert sich Enzler gerne an den Berg, den er dem holländischen Königshaus zur Geburt der Tochter von Wilhelm Alexander und Maxima «schenken» durfte. Der Piz Amalia im Unterengadin ist inzwischen in den offiziellen Karten eingezeichnet.
Vom Büro in Holland mit 12 Mitarbeitenden ging es weiter nach New York. Dort betreute Enzler während zwei Jahren mit 19 Leuten die Märkte USA und Kanada, bevor er jetzt in die Zentrale nach Zürich wechselte. «In New York die Schweiz zu verkaufen, ist natürlich ein Traumjob», lässt sich Enzler entlocken. Ein bisschen stolz ist er, dass es seine Idee war, für die Kampagne «Swiss Roots» den Bundesbrief mit viel Medienecho in New York auszustellen. Bei der Kampagne sind Nachfahren von ausgewanderten Schweizern aufgefordert worden, wieder einmal nach ihren alten Wurzeln zu forschen.
Trotz solcher Erfolge wollte auch Auswanderer Enzler wieder in die alte Heimat zurück, weil seine drei Kinder die Wurzeln nicht ganz verlieren und auch hier noch ein paar Jahre zur Schule gehen sollen. Beruflich lockte ihn die Herausforderung, dass er in der Zentrale von Schweiz Tourismus noch vor dem Sponsoring auch die Verantwortung als Leiter Finanzen und Controlling übernehmen konnte. Die neue Struktur hat sich ergeben, weil der bisherige Leiter Sponsoring, Jörg Krebs, sich vollumfänglich dem internationalen Standortmarketing für die Schweiz im Rahmen des Fussball-Events Euro 08 widmen soll. «Hier wollen wir natürlich vom Fahrtwind profitieren», verspricht Enzler.
Für all seine Aktivitäten wird Schweiz Tourismus vom Bund mit jährlich 46 Millionen Franken alimentiert. Das sind 60 Prozent des Budgets. Der Rest muss bei verschiedenen touristischen Partnern und Sponsoren generiert werden. Im Bereich Sponsoring kommen über Partnerschaften jährlich rund 4 Millionen Franken zusammen.
Dass sich Sponsoring stark vom früheren Mäzenatentum weg hin zu einem Marketinginstrument entwickelt hat, war einer der Kernaussagen seiner Diplomarbeit «Sponsoring im Tourismus» – sie hat ihre Gültigkeit nicht verloren. «Es ist wichtig, dass man Partner sucht, die wirklich von einem Imagetransfer profitieren.» Dazu brauche es eine professionelle Betreuung. «Sonst funktioniert ein solches Projekt nur kurzfristig.» Und an solchen Einzelaktionen ist man bei Schweiz Tourismus weniger interessiert. «Wir suchen Partner, mit denen wir etwas aufbauen können», erklärt Enzler.
Gesucht werden demnach Organisationen, welche den Wert «Swissness» und den Brand Schweiz auf den Plattformen von Schweiz Tourismus mittragen wollen. Solche Brands oder Institutionen wie SBB, Swiss International Airlines, Hotelleriesuisse, Swisscom, Post, Victorinox, Flughafen Zürich, Bucherer  oder Swiss Cheese Marketing können dank ihrem Sponsoring von einem grossen internationalen Netzwerk profitieren – nicht nur auf der weltweit «extrem gut genutzten» Website MySwitzerland.com.
Eines dieser partnerschaftlichen Projekte, die demnächst auffallen werden, ist ein neuer IMAX-Film. Die gleiche amerikanische Produktionsfirma, die bereits weltweit faszinierende Monumentalfilme über den Nil oder den Mount Everest realisiert hat, drehte jetzt an den schönsten Schauplätzen einen neuen Film über die Schweiz unter dem Titel «The Alps». «Dieser Film ist für uns eine riesige Chance», freut sich Enzler. Und man glaubt ihm, dass er als Tourismusexperte kein Land besser als sein eigenes zu verkaufen weiss.
Andreas Panzeri

Jung von Matt schenkt für Blaues Kreuz reinen Wein ein

Jung von Matt zeigt in einer Kampagne für das Blaue Kreuz, wie eine Kiste Bordeaux bei übermässigem Wein-Genuss zum Sarg werden kann.


Rechtzeitig zur Ball- und Festsaison startet die Zürcher Agentur Jung von Matt/Limmat mit einer Kampagne für das Blaue Kreuz. Die Präventionsstelle will in der Festtagszeit für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und für einen risikolosen Konsum werben, ist einem Mediencommuniqué zu entnehmen. Mit der Kampagne möchte die Organisation ihre Dienstleistung und Beratung rund ums Thema Alkohol einem breiteren Publikum bekannt machen. Das Anliegen des Blauen Kreuz verdeutlicht eine Kiste Bordeaux. Sie kann bei übermässigem Genuss von Wein, stellvertretend für alle Alkoholika, zum Sarg werden. Die Beschriftung der Kiste spielt bewusst mit Elementen des Weinvokabulars und verbindet diese zu einer Grabinschrift. Mit der Aufforderung „Geniessen Sie das Leben. Trinken Sie mit Verstand“ ruft das erste Motiv unmissverständlich zu einem gesunden Umgang mit Alkohol auf.

St. Galler Tagblatt übernimmt Aktienmehrheit an Radio Ri

Die Aktiengesellschaft St. Galler Tagblatt hat von Goldbach Media ein Aktienpaket von 35 Prozent an Radio Ri übernommen. Damit wird das Medienunternehmen neu zum Mehrheitsaktionär des Rheintaler Lokalsenders.

Die Aktiengesellschaft St. Galler Tagblatt hat von Goldbach Media ein Aktienpaket von 35 Prozent an Radio Ri übernommen. Damit wird das Medienunternehmen neu zum Mehrheitsaktionär des Rheintaler Lokalsenders. Mit diesem Engagement wolle man in St. Gallen die langfristige Entwicklung der Ostschweizer Radios Aktuell und Ri im Hörer- und Werbemarkt sichern, schreibt die Nachrichtenagentur SDA. Zudem solle die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen den beiden Radios gestärkt werden. Im Zuge der Neuordnung der Radioempfangsgebiete per 2008 sei ein gemeinsames Konzessionsgebiet mit weiterhin starker lokaler Verankerung an den beiden Standorten Buchs und St. Gallen geplant. Laut dem St. Galler Tagblatt erreichen die beiden Radios zusammen gegen 140’000 Hörerinnen und Hörer. Radio Ri sendet seit 20 Jahren.

GB: Junk Food aus Kinderprogramm verbannt

Werbung für Hamburger, Pommes und Co. hat im britischen Kinderprogramm schon bald nichts mehr zu suchen. Das hat die zuständige Medienaufsichtsbehörde entschieden.


Werbung für Hamburger, Pommes und Co. hat im britischen Kinderprogramm schon bald nichts mehr zu suchen. Die zuständige Medienaufsichtsbehörde hat entschieden, dass für Nahrungsmittel mit hohem Fett-, Salz- oder Zuckeranteil im Kinderprogramm nicht mehr geworben werden darf. Diese Regelung soll laut Aerztezeitung.de Ende Januar 2007 in Kraft treten und für Programmblöcke gelten, die auf Kinder unter 16 Jahren zugeschnitten sind. Grossbritannien gehört im weltweiten Vergleich zu den Ländern, in denen besonders viele Kinder übergewichtig sind.

«Tarifniveau wird massiv sinken»

Anzeigen Immer mehr Eigenregieverlage liebäugeln mit einer Entschädigung für direktbuchende Agenturen. Wie das Otto Meier, Generaldirektor PubliPresse, findet.

Anzeigen Immer mehr Eigenregieverlage liebäugeln mit einer Entschädigung für direktbuchende Agenturen. Wie das Otto Meier, Generaldirektor PubliPresse, findet.
WW: Tamedia hat offenbar eine Direktbuchungslawine ausgelöst: Immer mehr Verlage überlegen sich die Einführung einer Entschädigung oder eines Rabatts für direktbuchende Agenturen. Was heisst das für Publipresse und ihre Unternehmungen Publimedia, Publicitas und Mosse?Otto Meier: Tamedia lancierte den Direktbuchungsrabatt als Antwort auf unser Regieengagement bei der NZZ. Tamedia wollte Agenturen, die Publimedia umgehen und direkt disponieren, belohnen. Dies führte dazu, dass Tamedia nach eigenen Aussagen zu mehr Aufträgen kam, was wiederum Ringier dazu veranlasste, mit ihren Zeitschriften nachzuziehen, weil diese sich im Nachteil sahen. Von diesem Zeitpunkt an wurde aus dem Direktbuchungs- ein Marktanteilsrabatt, wie er im Ausland schon länger besteht: Tamedia gewann möglicherweise Marktanteile im Intramediabereich. und Ringier fühlte sich provoziert, scheint nun aber mit dem eigenen Rabattangebot wieder Marktanteile zurückgeholt zu haben.Sehen Sie darin eine Gefahr?
Ja, weil das Tarifniveau massiv sinken wird. Das ist meine Prognose. Denn dieser Rabatt wird zunehmen müssen, weil andere nachziehen werden. Sobald er aber ausgeglichen ist, muss ihn eine Seite wieder anheben, damit überhaupt ein Effekt erzielt wird. Und so beginnt sich eine Spirale zu drehen, die dazu führt, dass der Rabatt auf 5 Prozent steigen kann – und plötzlich finden sich dann alle auf einem deutlich tieferen Preisniveau wieder. Das wäre für alle Verlage und auch für uns ein Problem, weil die Erträge geschmälert werden. Mit ungeahnten Folgen.
Da malen Sie doch den Teufel an die Wand? Möglich wäre ja auch, dass die Eigenregieverlage den Rabatt bei 1,5 Prozent einpendeln lassen, Hauptsache, es wird direkt gebucht.
Der Kampf um Marktanteile bleibt nicht nur auf die Eigenregietitel beschränkt. Auch Regietitel der P befassen sich mit dieser Frage, um gleich lange Spiesse zu haben. Es bleibt deshalb eine Tatsache: Man führt einen neuen Rabatt namens Marktanteilsrabatt ein, der dann auf breitester Front ein deutlich tieferes Preisniveau zur Folge haben kann.
Umgekehrt macht ein tieferes Preisniveau die Gattung Print im Intermediawettbewerb attraktiver.
Das wäre allenfalls ein positiver Nebeneffekt. Dafür gibt es allerdings bessere Instrumente. Die Tarifreform etwa, die von uns massiv gefördert wurde. Sie führte dazu, dass Grossinserenten mit Standardformaten heute deutlich günstiger inserieren als noch vor einem Jahr. Dieser Weg ist gescheiter, weil er transparent ist.
Was ist intransparent an einem offen deklarierten Direktbuchungsrabatt?
Es ist ja nicht so, dass alle davon profitieren. Im Fall von Tamedia beispielsweise werden einzelne Auftraggebergruppen diskriminiert. Zusätzlich gibt es eine Verbindung mit einem Mehrvolumenrabatt, was eine objektive Mediaplanung fraglich macht. Je mehr Verlage ihr eigenes Modell entwickeln, desto geringer wird die Transparenz.
Thomas Passen von Ringier sagte, dass er nach Tamedias Vorstoss von Publimedia auf geeignete Massnahmen gegen die drohende Rabattspirale gewartet habe – vergeblich. Warum?
Nur weil Tamedia die P bestrafen wollte, bestand für Publimedia kein Grund, eine voraussehbare Preiserosion aktiv zu unterstützen. Ringier hat jetzt nachgezogen und damit den Direktbuchungsrabatt zum Instrument im Kampf um Marktanteile gemacht.
Tamedia gewährt den Direktbuchungsrabatt seit fast zwei Jahren, Ringier seit fünf Monaten. Hat dies Publimedia irgendwie geschadet?
Ja, Publimedia hat Umsatz verloren, allerdings deutlich weniger als 5 Prozent. Es hielt sich also in Grenzen, wohl nicht zuletzt, weil sich die Agenturen bei den Rabatten von Tamedia und Ringier überlegen müssen, ob sie nun wirklich auf die Dienstleistungen der Publimedia verzichten wollen oder nicht. Umso mehr, als Publimedia für Agenturen auch ein Angebot einführte, die so genannte administrative Rückvergütung.
Konkret bezahlen Sie Agenturen, die Eigenregietitel über Publimedia buchen, pro Auftrag fünf Franken.
Nein, mit Eigenregie hat das nichts zu tun. Und den Ansatz kann ich nicht bestätigen. Es ist auch etwas anderes. Die Rückvergütung wird jenen Agenturen gewährt, die mit den Buchungs-Tools der Publimedia arbeiten. Denn damit erbringen die Agenturen eine Vorleistung, die für die Publimeida eine gewisse Arbeitserleichterung bedeutet.
Sie erwägten auch Strafmassnahmen gegenüber direktbuchenden Agenturen, etwa indem Sie Lizenzgebühren für Tools erhöhen. Kam es dazu?
Nein, aber das ist nicht vom Tisch. Bisher beschränkten wir uns auf die erwähnte Vergütung im Sinne einer Offensivmassnahme, damit Agenturen, die unsere Tools einsetzen, keinen Nachteil haben. Publimedia ist jedoch gezwungen, ab nächstem Jahr ihre kostenlosen Dienstleistungen zu überdenken und partiell in ihrer Handhabung anzupassen. Bei Tamedia machen wir uns Gedanken, ob wir dort weiterhin das Delcredere übernehmen und deren Titel zu den heutigen Konditionen noch aktiv vermitteln sollen. Entschieden ist allerdings noch nichts.
Das Delcredere ist im Kommissionierungsabkommen mit Tamedia geregelt. Heisst das, dass Sie eine Kündigung per Ende 2007 erwägen?
Das kann ich nicht ausschliessen.
Wann entscheiden Sie über weitere Massnahmen?
Wir wollten nicht aus den Hüften schiessen. Aber wir überlegen uns natürlich schon, wie wir uns mit unseren Unternehmen aufstellen. Und da spielt die Entwicklung beim Direktdispositionsrabatt zweifellos eine Rolle.
Welche Folgen hätte es für Publimedia, falls auch die Edipresse-Zeitschriften, die Verlagsgruppe Handelszeitung und die Espace Media den Rabatt einführen?
Dann wird unser Umsatzverlust sicher die 5-Prozent-Grenze überschreiten. Und dem werden wir sicher nicht tatenlos zusehen.
Ist Ihre jetzige Zurückhaltung ein Zeichen der Ratlosigkeit – oder wollen Sie die Katze nicht aus dem Sack lassen?
Eher Letzteres (lacht). Weil der Direktbuchungsrabatt uns bisher umsatzmässig nur geringfügig schädigte, wollten wir nicht auf das Karussell des von Tamedia initiierten Preiszerfalls aufspringen. Sollte der Rabatt aber weitere Kreise ziehen, werden wir auch in dieser Frage eine prominente Rolle spielen.
Zum Beispiel, indem Ihr konsequent als eine Art Mediaagentur auftretet? Publimedia ist ja schon heute eine Art Mediaagentur, sie erbringt teils Dienstleistungen klassischer Agenturen – zwar nur  im Printbereich und im Sinne der Printförderung…
Ausschliesslich im Printbereich. Das ist ganz wichtig, darum sind wir für die Agenturen eben kein direkter Konkurrent.
Das könnte sich aber ändern, denn jetzt kann die PubliGroupe mit Print, Online, Radio, TV, Kino, AdScreen und Mobile eine so breite Medienpalette anbieten wie niemand sonst. Somit könnte sie nun anfangen, klassische Agenturen zu konkurrenzieren.
Seit ihrer Gründung 1994 hat sich Publimedia immer voll und ganz auf Print und die organische Weiterentwicklung im Onlinebereich konzentriert, weil man Print stärken und die Vorteile der Printmedien im Medienmix einbringen wollte. Aber Sie haben Recht, die PubliGroupe ist heute anders aufgestellt, was dazu führt, dass wir unsere Rolle überdenken.
Immerhin habt Ihr Christian Gartmann von Pro 7-Sat 1 geholt, da muss strategisch schon einiges feststehen. Geht es in die Richtung, dass Ihr den Agenturen das Allmediageschäft aus der Hand nehmen wollt?
Die PubliGroupe ist mit diesen Neuerwerbungen in der Medienvermarktung breiter geworden. Es ist aber in der Tat so, dass wir mit Radiotele, Cinecom und Web2com nun mehrere Instrumente in unserem Orchester haben. Die Partitur ist aber noch nicht geschrieben.
Espace zieht nach Was Tamedia und Ringier schon tun,
ist auch bei der Espace Media Group ein Thema: «Ja, wir machen uns sehr konkrete Gedanken bezüglich der Einführung einer Direktbuchungsentschädigung», schreibt Franziska von Weissenfluh, Verlagsdirektorin der Berner Zeitung. Damit bestätigt sie, was bisher nur gerüchteweise kursierte.Markus Knöpfli

Das bewegte Buch

Gattungswerbung Zehn Jahre Cinecom-Werbung sind von Markus Cavegn in ein Buch verpackt worden.

Gattungswerbung Zehn Jahre Cinecom-Werbung sind von Markus Cavegn in ein  Buch verpackt worden.Werbung ist flüchtig. Das realisiert man nicht nur, wenn wieder einmal das Altpapier gebündelt wird oder wenn im Fernsehen die Spots verflimmern. Das realisiert man auch, wenn man wieder einmal sein Archiv aufräumt. «Schade um die vielen guten Ideen», wird dabei wohl jeder Kreative ein bisschen sentimental. Das muss aber nicht immer so bleiben, sagten sich Matthias Luchsinger und Jean-Claude Bruhin. Nach zehn Jahren «Werbung für Werbung» will ihre Cinecom deshalb einen Teil dieser Geschichte noch einmal aufleben lassen. «Die Cinecom bedankt sich mit einem Buch bei allen, welche die Cinecom-Werbung gelobt oder beschimpft haben, die die Cinecom-Werbung aufmerksam ignoriert oder offen beneidet haben, bei allen, die durch die Cinecom-Werbung zum Nachdenken gekommen sind oder zum Schmunzeln.» Dieser Text zu einem Vorwort hat sich zwar verflüchtigt, bevor er überhaupt gedruckt worden ist. Dafür sind auf 120 Seiten mit Hochglanz alle Kampagnen, Ideen, Einladungen und auch einige verworfene Highlights abgedruckt worden, welche die Eigenwerbung der Cinecom in den letzten zehn Jahren geprägt haben.
Das einfallsreich gestaltete und edle Buch geht in einer limitierten Auflage von 1000 an alle Mitarbeitenden, Kunden und Partner. «Die Cinecom bedankt sich auch bei allen Kreativen, die sie mit frischen Ideen überrascht haben, bei allen, die das Unmögliche ermöglicht haben, und bei allen, die das Aussergewöhnliche nicht verhindert haben», meint dazu CEO Matthias Luchsinger in einem begleitenden Text.
Das Cinecom-Buch zeigt, dass Werbung nicht nur informiert, sondern auch bestens unterhalten kann. Die Gestaltung des Buchs mit dem Titel «Willkommen in der Welt der grossen Emotionen» hat wie üblich Markus Cavegn für seinen langjährigen Kunden übernommen. 
Die abgebildeten Sujets stammen von den Agenturen Contexta, Honegger von Matt, GGK Basel, Seiler DDB und Cavegnwerbung.
Andreas Panzeri

Planetactive launcht Website und Online-Kampagne für Bluewin TV

Planetactive Zürich, die Fullservice Agentur für digitales Marketing, hat für Bluewin TV eine neue Website gelauncht. Darauf können sich Interessierte über das Angebot von Bluewin TV informieren.

Planetactive Zürich, die Fullservice Agentur für digitales Marketing, hat für Bluewin TV eine neue Website gelauncht. Unter können sich Interessierte über das Angebot von Bluewin TV informieren. Zudem können sie prüfen, welche Sender an ihrem Wohnort verfügbar sind und den Bestellvorgang für das innovative TV-Angebot einleiten. Mit Bluewin TV lassen sich über 100 TV-Sender und mehr als 70 Radiosender empfangen. Neben statischen Produktinformationen bietet die neue Website auch tagesaktuelle dynamische Informationen. Dazu zählen die aktuellen Filmangebote bei Video on Demand oder Infos über Sportereignisse, die unter Live Events abgerufen werden können. Besucher der Website können sich zudem Trailer der angebotenen Filme ansehen.
Die neue Website ist die zentrale Kommunikationsplattform von Bluewin TV. Dazu zählt auch eine von Planetactive entwickelte Online-Kampagne. In der ersten Phase werden reichweitenstarke Websites belegt, um eine möglichst hohe Brand Awareness aufzubauen und die Bekanntheit von Bluewin TV zu stärken, heisst es in einer Mitteilung. In einer zweiten Phase, bei der vorrangig der Abverkauf im Mittelpunkt steht, werden zusätzlich Special Interest Sites belegt. Neben Standard- und Sonderformaten setzt Planetactive zusätzlich Publireportagen und Contextual-Ads ein.

Deutsche Regierung findet Razzia bei Cicero rechtens

Die deutsche Regierung hat vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die umstrittene Razzia bei der Zeitschrift Cicero verteidigt. Wolfram Weimer, der Chefredaktor des Politmagazins aus dem Hause Ringier, hatte im September vor dem obersten Gericht wegen der Durchsuchung Beschwerde eingereicht.

Die deutsche Regierung hat vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die umstrittene Razzia bei der Zeitschrift Cicero verteidigt. Justiz-Staatssekretär Lutz Diwell rechtfertigte das Vorgehen der Behörden, da sich Medienvertreter in solchen Fällen wegen Beihilfe zur Verletzung von Dienstgeheimnissen strafbar machen würden. Straffreiheit von Journalisten für die Veröffentlichung geheimer Dokumente lehnte er ab.Wolfram Weimer, der Chefredaktor des Politmagazins aus dem Hause Ringier, hatte im September vor dem obersten Gericht geklagt, weil 2005 bei der Razzia die gesamten Daten auf dem Redaktionsrechner kopiert wurden (siehe
). Der Anwalt von Weimer kritisierte an der Verhandlung vom Mittwoch die Durchsuchung der Redaktion durch die Potsdamer Justiz im September 2005 als Verletzung der Pressefreiheit. Der Staat dürfe die Geheimhaltung vertraulicher Dokumente nur bei seinen Bediensteten durchsetzen. Journalisten sollten wegen der Entgegennahme und Veröffentlichung solcher Informationen nicht bestraft werden, sagte er. Ansonsten hätte es der Staat in der Hand, Informationen dem öffentlichen Diskurs zu entziehen. Auch Verleger- und Journalistenverbände warnten am Mittwoch davor, dass Übergriffe der Justiz den Informantenschutz aushebelten und den Zugang der Presse zu Informationen von öffentlichem Interesse erschwerten, wie die SDA meldet.
Auslöser der Durchsuchungs- und Beschlagnahmeaktion war ein im März 2005 veröffentlichter Artikel des Journalisten Bruno Schirra. Er hatte aus einem vertraulichen Dokument des Bundeskriminalamtes BKA über den jordanischen Top-Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi zitiert (siehe
). Die Vorwürfe blieben letztlich fast ohne strafrechtliche Folgen für die Journalisten: Im Februar stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Weimer gegen Zahlung von 1000 Euro ein (siehe ). Das Urteil in der aktuellen Verhandlung wird erst 2007 erwartet.

Blick soll gescannt werden

Bolevardpresse Blick will von den Lesern wissen, wie sie Blick lesen – und macht sie zu Medienforschern.

Bolevardpresse Blick will von den Lesern wissen, wie sie Blick lesen – und macht sie zu Medienforschern. Dieser Tage wendet sich Ringiers Boulevardblatt Blick mit ganzseitigen Anzeigen an sein Publikum: «Blick der Zukunft – machen Sie mit!», titelt das Blatt. Man sucht zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Readerscan Leserinnen und Leser, die den Blick beurteilen und «an einer spannenden Untersuchung» des Blattes mitmachen. Für den Gegenwert eines Jahresabos sowie der Aussicht auf ein Wellness-Weekend als Wettbewerbsgewinn sollen etwa 150 frischgebackene Laienmedienforscher aus den Kantonen Zürich und Luzern den Blickmachern Aufschluss über ihre Lesegewohnheiten geben. Mit kleinen Handscannern sollen die Probanden jene Stellen im Blatt abtasten, denen sie ihre geschätzte Aufmerksamkeit gewidmet haben. Man will herausfinden, wie Leserinnen und Leser sich die einzelnen Artikel im Blick zu Gemüte führen. «Was lesen Sie von oben bis unten? Wo lesen Sie nur den Anfang und blättern weiter? Was lesen Sie immer, was nie?»
 
Weiter sinkende Auflage Vor solchen Fragen mag man denken, die Blick-Redaktion sei ihres Bauchgefühls für gute Storys verlustig gegangen, die Blattmacher hätten verlernt, welches die Ingredienzien eines Boulevardblattes seien. In der Tat macht die Aktion beim ersten Besehen den Eindruck eines redaktionellen Angsttriebes. Denn die Auflagenzahlen zeigen immer noch tendenziell nach unten, wie Ringier-CEO Martin Werfeli am traditionellen Herbst-Medienfrühstück im Stammhaus an der Dufourstrasse gegenüber Journalisten sagte.
Das Blatt steht offenbar an der Schwelle, sich neu zu positionieren, rekrutiert es doch seine mehr und mehr in die Jahre kommende Leserschaft eher in den ländlichen Gebieten. Das urbane und jüngere Publikum greift lieber nach Blättern wie 20 Minuten oder zu Ringiers hauseigenen heute und Cash daily, die alle gratis zu haben sind. Im kommenden Jahr will man sich deshalb an der Dufourstrasse schwergewichtig mit dem Angebotspaket beim Blick befassen und auch den Onlineauftritt grundlegend überarbeiten. «Das wird sehr weit gehen», sagte Verleger Michael Ringier. Die entsprechenden Investitionen bezeichnete er als «zentral».
Die derzeit anlaufende Suche nach Blick-Forscherinnen und -Forschern ist dazu erst der Auftakt. Dies bestätigt der stellvertretende Chefredaktor und Blick-Blattmacher Rolf Cavalli. «Es ist aber nur eines von verschiedenen Instrumenten, die wir ab Mitte Januar starten.» Für Cavalli gibt es keinen zwingenden Grund, das Instrument Readerscan gerade zum jetzigen Zeitpunkt anzuwenden, allerdings hat man durchaus den Ehrgeiz, der erste grössere Anwender der Technologie zu sein, womit sich das Haus ausserdem bereits vor zwei Jahren befasst hat. In Deutschland wenden die grossen Tageszeitungen Readerscan regelmässig als Optimierungstool an.
Die Untersuchung soll dreimal über jeweils einen Zeitraum von drei bis vier Wochen im kommenden Jahr laufen. Die erste Befragungsperiode liefert den Istzustand der Lesegewohnheiten und erlaubt bereits erste Aussagen, die zweite Periode liefert erste Vergleichswerte und spätestens nach der dritten Periode sind Korrekturen und Anpassungen im Blatt denkbar und möglich. Die Anwendung sei teuer und noch wenig marktgerecht, sagt Cavalli. Deshalb sei vorerst nicht daran zu denken, es dauernd einzusetzen, so wie Telecontrol zur Messung der TV-Einschaltquote. «Wir benutzen Readerscan ausschliesslich als Optimierungsinstrument», erklärt Cavalli und wolle auf Gund der Ergebnisse keine neue Zeitung machen. Denn Readerscan ersetze weder den Blattmacher noch das publizistische Konzept.
Offenbar hat sich das Instrument auch als geeignet angeboten, weil der Blick laut Cavalli mehr als andere Zeitungen auf die Reaktionen der Leser angewiesen sei. Ein denkbarer Eingriff wäre zum Beispiel, dass eine Rubrik verschwindet, die kaum gelesen wird, oder dass die inhaltlichen Akzente verändert werden, wenn im Ressort Kultur die Werte tiefer ausfallen als im Bereich People. «Wir gehen offen an die Untersuchung heran, weil wir eine Zeitung sind, die sich ständig hinterfragen muss», sagt Cavalli.
Die Untersuchung mit Readerscan entscheidet also nicht, ob Tageskolumnist Jürg Ramspeck im Blick weiter schreibt oder nicht. Doch in welche Richtung sollte sich der Blick grundsätzlich bewegen? Laut Cavalli dorthin, wo das Blatt Potenzial hat. «Und das liegt ganz klar bei den Frauen.»
Internet aufrüstenVerleger Michael Ringer
sagte am traditionellen Herbst-Medienfrühstück des Verlages: «Das Internet verändert unser Geschäftsfeld grundlegend.» Der Konzern will deshalb im kommenden Jahr seine Internetaktivitäten stark vorantreiben. Für den Verlag stellt das auslaufende Jahr 2006 ein absolutes Rekordjahr dar. Der Konzern lancierte 14 neue Titel, die meisten in Osteuropa. Mit heute und Cash daily brachte Ringier innert kürzester Zeit zwei mittlerweile bereits erfolgreiche Gratiszeitungen auf den Markt. Die Neulancierungen haben den Umsatz von 1,26 Milliarden Fanken im Vorjahr im einstelligen Prozentbereich ansteigen lassen. Wegen der hohen Neulancierungskosten werde der Gewinn dagegen leicht zurückgehen, sagte Ringier-CEO Martin Werfeli.

Mit Blick auf das Osteuropageschäft sagte Ringier am Herbst-Pressegespräch, der Verlag sei ein bisschen Opfer des eigenen Erfolges geworden. «Es gibt unheimlich viel Konkurrenz», meinte der Verleger. In Tschechien hat der Konzern mit seinem Boulevardblatt Blesk zeitweise gegen drei Konkurrenten gekämpft. Auch in der Schweiz nehme der Konkurrenzdruck laufend zu. «2006 war ein hartes Jahr», meinte Ringier. 2007 will der Konzern das Tempo etwas zurücknehmen und sich verstärkt auf Internetaktivitäten und die Gesundung des Blicks konzentrieren.
René Worni

Die Schlacht der grossen Denker

Strategie Brauchen wir die Werbeidee eigentlich noch? In London haben sich Top-Strategen über die Kunst ihres Metiers unterhalten. Pascal Schaub von Publicis hat «The Battle of Big Thinking» verfolgt.

Strategie Brauchen wir die Werbeidee eigentlich noch? In London haben sich Top-Strategen über die Kunst ihres Metiers unterhalten. Pascal Schaub von Publicis hat «The Battle of Big Thinking» verfolgt.Engländer jammern nicht. Sie teilen aus und nicht zu knapp. Als die Account Planning Group der Engländer diesen Herbst einlud, um über die Zukunft von uns allen zu debattieren, kamen sie alle: Strategen, Marketingfachleute, Mediaprofis, Marktforscher, Branding-Experten und Top-Werber. Ihre Referate à je 15 Minuten liessen die gute alte Werbeagentur aussehen wie eine Vogelscheuche aus dem letzten Jahrhundert. In guter Planer-Manier begannen fast alle beim Konsumenten. Der ist ja heute bestens informiert, hat eine weltweite Auswahl und oft nur noch einen einzigen Klick bis zum Erfolgserlebnis. Er weiss, was er will, und fast noch genauer, was er nicht will. Das sei aber gar nicht das Problem, meint der New-Media-Experte John Owen. Das Entscheidende sei, dass der Konsument heute auch mitteilen kann, was ihm nicht gefällt.
Verrückter noch. Er tut es auch. Im täglichen Austausch mit Abermillionen Menschen in Foren, Blogs, Chats. Je kleiner und spezieller eine Zielgruppe, umso grösser die Heftigkeit. Brand-Denunzianten finden sich ebenso ganz von alleine wie Brand-Fans. Ivan Pollard vom Hotshop Naked meint deshalb, dass es nicht mehr auf die Media ankomme. Entscheidend sei vielmehr, was nach dem Kontaktpunkt mit einer Markenbotschaft passiere. Es zählt nur, ob sie von Konsumenten weiterverbreitet wird.
Von da ist es ein kleiner Schritt zum «Consumer created content». Die Community dreht die Spots selbst, lädt sie selbst auf Webplatformen und schickt sie sich selber untereinander zu. Tschüss Kreation, Media, Direct Marketing. Neuerdings wird dies bereits prononciert von Kundenseite gefordert. Der CEO von Procter & Gamble, A. G. Lafley, weist Marketer an, ihre Marken nicht länger zu kontrollieren, sondern die Hoheit abzugeben und mehr auf die Kunden zu hören. Unterton: Werbeagenturen sind viel zu teuer, Marketer können eh nicht entscheiden, was eine gute und was eine bessere kreative Idee ist, und die Erfolgskontrolle ist praktischerweise beim «Consumer created content» gleich mit eingebaut, denn angesehen und weitergeschickt wird ja nur, was gefällt.
Das sei die miserabelste Lösung, reine Selbstaufgabe, womöglich geboren aus Unvermögen oder ganz einfach Kommunikationsfaulheit, konstatieren andere Referenten vehement. Das klarste Gegenbeispiel stammt, natürlich, vom Markenexperten von Interbrand, Andy Milligan. Minutiös bis ins kleinste Detail geplant und patronal geführt sei eine Marke am erfolgreichsten.
«Geek Squad», die «Computerfreak-Soforthilfe-Truppe» demonstriert, was mit durchkonzeptioniertem Branding gemeint ist. Ruft man dort wegen seiner Computerpanne an, meldet sich rund um die Uhr ein zackiger Sheriff, garantiert Ankunft in einer Stunde, erscheint in Geek Squad Uniform (man achte auf die weissen Socken), marschiert zum Tatort, markiert diesen mit gelbem Crime-Tape, löst das Computerproblem vor Ort – zurück bleibt nichts ausser der Abdruck auf dem Trottoir mit dem Geek-Squad-Logo von der gebrandeten Fusssohle. Alles sei Branding und immer brauche es dafür eine geniale Idee.
Allerdings ist sich die Mehrheit der Referenten einig, dass die besten Ideen heute keine Werbeidee mehr sein können. Am zahmsten noch formuliert es Jim Carroll, CEO von Bartle, Bogle, Hegarty. In einer Welt der «Bashful Brands» sei es heute an der Tagesordnung, über Marken und ihren Auftritt zu lästern. Carroll empfiehlt als Befreiung daraus immer noch Werbung. Allerdings nur noch, wenn sie inszeniert ist als kommunikative Verführung, die vernetzt. Die grosse Idee als Vernetzungsidee.
Deutlich bringt es John Owen auf den Punkt: Wir brauchen heute Ideen, die man bewerben kann, keine Werbeideen mehr. Das Prinzip Lead-Agency habe ausgedient. Owen würde für jeden Auftrag immer mehrere Agenturen pitchen lassen, die jeweils in ihrer Disziplin top sind: Webdesigner, Werber, Branding-Spezialisten und so weiter. Alle müssten sich verpflichten, an der vom Auftraggeber ausgewählten Idee gemeinsam weiterzuarbeiten, alle würden dafür gleich entlöhnt. Werbung wird zum Nebenprodukt, zur Nebenerscheinung.
Internet-Brands werben nichtNicht umsonst zitieren die Referenten immer wieder, dass die starken Marken, die im Internet gross geworden sind, dies fast ausnahmslos ohne Werbekampagnen geschafft haben. Google, Amazon, Craigslist, flickr, MySpace, Odeo. Die Liste ist lang und wird ständig länger. Die grosse Provokation in diesem Zusammenhang stellt Russell Davies, der brillante Planer-Guru in den Raum: Ein Mediabudget null? Her damit! Jede Hirnzelle in die Win-Win-Win-Verknüpfung. Die Connectivity-Idee ist alles. Den Rest macht die Community selbst. Das Ideenprimat des Kreativdirektors kollabiert. Mit dem Leistungsausweis als Global Planning Director bei Nike weiss Russell, wovon er spricht. Er wurde schliesslich auch vom Saal unter tosendem Applaus zum «Big Thinker of them all» gekürt.
Brand Communities ohne Internet – fast nicht denkbar. Wer online ist, ist interaktiv. Wer interaktiv ist, betreibt Brand Building. Aber schauen wir uns die Webuser einmal etwas näher an, meint Andrew Walmsley, Gründer von i-Level. Fast alle haben einen Hang zum Pseudonym, zum Nickname. Im Netz gibt sich je nach Studie über die Hälfte als jemand anderes aus. Alte Knacker als unschuldige Teenies. Mädels als Jungs. Jugendliche als Professoren. Reiche als arm. Heteros als Homos. Die Freude am Rollenspiel sei an sich nichts Neues, meint Walmsley, das kennen wir alle von der Verkleidungskiste im Kinderzimmer. Nur das Ausmass ist eben komplett neu. Gamer sind durchschnittlich 20 Stunden pro Woche drin.
Kein Wunder, schielt die Werbeindustrie nach Möglichkeiten, in Game-Welten zu werben. Der Challenge: Wir haben ja nicht den Hauch einer Ahnung, was sich in der Game-Welt für Personen tummeln, weil der gleiche Mensch als Online-Figur und als Offline-Person schizoid zweigeteilt sein kann. Konkret erscheint wohl eine Mädchenplattform ausgezeichnet geeignet für Tamponwerbung, allerdings wäre Kukident dort womöglich viel wirkungsvoller platziert, wenn der grössere Teil der User im realen Leben gar keine Girls sind. Gute Nacht.
Neue fundamentale FragenDie drei zentralen Fragen für die Kommunikationsbranche heissen also nicht mehr: Was tun angesichts der gallopierenden Fragmentierung der Märkte, der Medien und der Zielgruppen? Sondern die drei fundamentalen Fragen lauten neu: 1. Was kommt eigentlich nach der Media, nach dem gekauften Werberaum, nach dem Touch Point – wie lebt eine Botschaft weiter, zirkuliert, vermehrt und verändert sich jenseits unseres Zugriffs und Kontrolle? 2. Was kommt eigentlich nach der Werbeidee, also nach der Kreation – wenn Konsumenten eine Idee aufnehmen, abwandeln, selbst umsetzen, weiterdenken, wenn man eine Idee nicht mehr besitzen, sondern im besten Fall teilen kann? Und schliesslich: 3. Was kommt eigentlich nach der Zielgruppe – wenn jeder einzelne Konsument so und so und so und so ist, ein unergründliches Rollenspiel lebt, mit dem er alle an der Nase herumführt, inklusive sich selbst, und wir nie mehr wissen, mit wem wir es wirklich zu tun haben und was er wirklich braucht?
Vermutungen und Antworten gibt es bereits einige. Gesicherte Erkenntnisse weniger. Der brisante Tagungscocktail von Substanz, Charme und Show zeigte zumindest ansatzweise einen Weg. Der kann nur Interdisziplinarität, Teamwork und Planning heissen. Wie wäre es übrigens, wenn die Account Planning Group Switzerland das neue Tagungsformat nächstes Jahr in die Schweiz bringen würde?
The Battle of Big Thinking Die Regeln:
21 Referenten, je 15 Minuten Redezeit, das TED-Publikums-Voting entscheidet live im Saal über Disziplinen- und Tagessieger.
Die Disziplinen:
Branding, Marketing, Marktforschung, Media, New Media, Strategische
Planung, Werbung.
Der Veranstalter:
Die Account Planning Group UK, der Verband der strategischen Planer Englands.
Mehr dazu, inkl. Blog,
unter www.apg.org.uk Big Planning Thinker und Gesamtsieger: Russell Davies (Open Intelligence Agency) Die These:
Menschen lieben Vielschichtigkeit. Die Antwort von Unternehmen darauf muss heissen: Einfachheit. Und zwar nicht didaktische Einfachheit, die vermeintlich Klarheit schafft. Sondern Einfachheit, welche die gefragte Komplexität kreiert. Beispiel 1:
Der Multimediakünstler Brian Eno hat ein Bild gemacht, das 77 Millionen Versionen hat, basierend auf einer einfachen Software mit einfachen Regeln. Der Betrachter sieht jedes Mal eine eigene Version, das Instant-Original. Beispiel 2:
Auf nike.com wird man aufgefordert, ein selbst gemachtes Video einzuschicken. Einzige Bedingung: Am Anfang kommt von links ein Ball ins Bild, zum Schluss verlässt er rechts wieder das Bild. Der Rest ist Geschichte: kreiert von der Nike-Community. Die Zukunft gehört denen, die Kontrolle abgeben. Und die Connectivity-Idee dafür zu erfinden. Big Media Thinker: Ivan Pollard (Naked) Die These: Die Zukunft gehört dem «Transmedia Planning». Alles wird zwar zum Medium. Aber nicht mehr das Medium ist wichtig. Sondern das, was mit der Botschaft nach dem Kontaktpunkt passiert. Wie und ob eine Botschaft in der Zielgruppe weitergereicht wird und eine Eigendynamik entwickelt. Erst dann entsteht Markenwert. In der Brand Community. Damit der virale Effekt passiert, braucht es «Collision engineering» – statt GRP-Berechnungen.
Big Thinker from Communications Agencies: Trevor Beattie (Beattie McGuiness Bungay) Die These:
Big thinking is big schminking. Es ist langweilig. Und einschüchternd. Es treibt Kunden in die Defensive und Kreative in die Enge. Es ist nicht motivierend und nicht inspirierend. Es sind im Gegenteil die kleinen Gedanken, die das Leben grossartig machen können. Kleine Gedanken sind nahbar, zugänglich, ansteckend. Sie sind besser, weil man sie teilen kann, weil sie allen gehören können (Co-ownership). Beispiel:
Die Bank of South Africa mit dem Claim «Trust us» hatte die Plastikkugelschreiber für die Kunden angekettet. Angekettet! Wir haben als Erstes die Ketten durchgeschnitten. Big Brand Thinker: Derek Day, Helen Edwards (Passionbrand) Die These:
Die Antworten auf fünf selten gestellte Fragen können eine Marke weiterbringen. 1. Was kann eine Marke aufhören zu tun, um sich treu zu bleiben? 2. Wie kann man ein Produkt schlechter machen – und dadurch zu einem innovativen Durchbruch gelangen? 3. Wie verarscht zurzeit eine Kategorie mit ihren Gesetzmässigkeiten ihre Konsumenten? 4. Was ist in den Fotoalben unserer Kunden? 5. Was gibt einer Marke das Recht zu existieren? Viele Marken mögen diese letzte Frage gar nicht, aber die anderen werden die Welt verändern.
Big New Media Thinker: Mark Cridge (glue) Die These:
Alle Medien werden digital werden. TV sowieso. Aber auch die anderen. Eine neuere Studie zeigt, dass bereits Ende 2007 rund 50 Prozent von allen Medien, die konsumiert werden, digitale Kanäle sein werden. Auf digitalen Kanälen wird alles transparent. Der ganze Meinungsaustausch. Meinungen werden im Internet gebildet werden. Ganz normale Leute erzählen die kraftvollsten Geschichten über Marken.
Das Internet ist damit schon heute die absolut grösste Quelle für Mundpropaganda geworden. In Anlehnung an ein bekanntes Marketing-Zitat: Wenn die Digitalisierung uns in dieses Schlamassel hineingeritten hat – kann es womöglich die Digitalisierung sein, die uns da wieder rausbringt.
Pascal Schaub

Der Autor ist Head of Strategic Planning bei Publicis und Präsident der Account Planning Group Switzerland.

Vormarsch in schwieriges Gebiet

Gratispresse Eine dritte Ausgabe für die Westschweiz wird von 20 minutes lanciert. Der Kampf der Gratisblätter geht in eine neue Runde.

Gratispresse Eine dritte Ausgabe für die Westschweiz wird von 20 minutes lanciert. Der Kampf der Gratisblätter geht in eine neue Runde. Ab dem 3. Januar werden ca. 90’000 Exemplare der Romandie-Ausgabe von 20 minutes in den Kantonen Neuenburg und Jura und in den französischsprachigen Gebieten der Kantone Bern, Wallis und Freiburg verteilt. Das erhöhe die Auflage des Pendlerblatts auf 240’000 Exemplare, gibt der Verlag an. Was die Leserschaft betrifft, liegen noch keine Zahlen vor, Tamedia verspricht die ersten Auswertungen für Anfang Dezember. Zum Vergleich: Die Wemf-Zwischenstudie vom September 2006 bescheinigt dem Edipresse-Konkurrenzprodukt Le Matin bleu bei einer Auflage von 150’000 Exemplaren 218’000 Leser.Der Genferseebogen zwischen Genf und Lausanne – dort, wo sich bisher die beiden Gratiszeitungen um den besten Platz an der Sonne streiten – ist werbemässig gesehen ein Eldorado. Am Jurabogen und im französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg sieht das anders aus. Hier gibt es keine wohlhabenden Metropolen, keine Siedlungsballungen mit jungem, urbanem Zielpublikum und keine boomende Dienstleistungsindustrie. Die Werbegelder fliessen spärlicher, und die Regionalzeitungen – in Freiburg die Liberté, in Neuenburg die zusammengelegten Zeitungen L’Impartial und L’Express, in der Gegend von Biel das Journal du Jura, in Delémont der Quotidien Jurassien – kämpfen ums Überleben. In dieses schwierige Gebiet wagt sich nun Tamedia vor. Mit dem Ausbau werden acht Redaktionsstellen und eine Verlagsstelle geschaffen, mehr als 50 Mitarbeitende arbeiten dann beim Blatt.
Grund für Tristan Cerf, Chefredaktor der Edipresse-Gratiszeitung Le Matin bleu, eine gewagte These zu äussern: «Wenn 20 minutes bereit ist, so viel Aufwand zu betreiben, könnte das bedeuten, dass sie ihre Ziele bisher nicht erreicht haben.» Tamedia kommuniziert selbstverständlich anderes: Die dritte Ausgabe entspreche der «ausgesprochen positiven Entwicklung» des Blattes.
Festzustellen ist, dass die Gratiszeitungen in den Städten Freiburg, Neuenburg oder Biel bereits heute allgegenwärtig sind. Und so fragen sich die Chefredaktoren der betroffenen Regionalzeitungen, was die überregionale Ausgabe von 20 minutes zusätzlich bringen wolle, ausser einer etwas weniger «lemanischen», auf die Agglomeration Lausanne/Genf zentrierten Sicht der Dinge.
Louis Ruffieux, Chefredaktor der Liberté, fürchtet die Expansionsstrategie von Tamedia nicht, er ist weiterhin davon überzeugt, dass sich das Konzept der Liberté – Qualitätszeitung mit Eigenleistungen – im Konkurrenzkampf mit den Gratiszeitungen durchsetzen werde. Er sieht hingegen Probleme auf die Matin-Gruppe zukommen: «Der Krieg der Gratiszeitungen intensiviert sich, und Edipresse könnte durchaus gezwungen sein, eines seiner beiden Matin-Produkte zu opfern.» Tatsächlich nähert sich das neue Erscheinungsbild des orangen Boulevardblattes Le Matin dem Layout einer Gratiszeitung an, während bei Le Matin bleu eine inhaltliche Boulevardisierung festzustellen ist. Ein Hinweis für die kommende Zusammenlegung? Théo Bouchat, bei Edipresse verantwortlich für die Gratiszeitungen, verneint jede Veränderung beim Business-Modell des blau-orangen Duos.
Am Jurabogen sieht es etwas anders aus. Dort steckt Verleger Philippe Hersant voll in den Vorbereitungen für das «Projet arc», der Zusammenarbeit zwischen seinen Neuenburger Regionalzeitungen L’Impartial und L’Express mit dem Bieler Quotidien Jurassien aus dem Hause Gassmann. Die Ressorts Inland, Wirtschaft und Ausland sowie Teile der Ressorts Kultur/Gesellschaft und Sport werden zusammengelegt: Bis Ende 2007 werden rund zehn Stellen gestrichen. Mit der Zusammenarbeit will man die Wirtschaftlichkeit der Zeitungen vergrössern und attraktiver für die nationale Werbung werden.
Man spüre die Konkurrenz der Gratiszeitungen, sagt Chefredaktor Nicolas Willemin: «Vor allem 20 minutes bringt nationale Werbung zu absoluten Schleuderpreisen.» Die Regionalausgabe von 20 minutes ziele darauf ab, den Werbekunden eine romandieweite Abdeckung anzubieten, doch in die regionale Werbung werde sie nicht einbrechen: «Wir sind in der Region so gut verankert, dass uns die neue Konkurrenz keine Sorgen macht.» Die Verluste bei der nationalen Werbung würden glücklicherweise vom regionalen und vom Stellenanzeigergeschäft kompensiert.
Edipresse reagiert gelassen. Man fühle sich durch die Pläne der Konkurrenz nicht herausgefordert, die bisherige Strategie zu ändern, sagt Théo Bouchat. Le Matin bleu sei bereits heute in den betroffenen Regionen präsent. Wichtige Themen würden behandelt, in Zukunft vielleicht noch etwas stärker als bisher. «Was die Auflage, die Zahl der Beschäftigten und der Boxen betrifft, ist alles offen.»   
Müllberg in FreiburgIn der Stadt Freiburg,
an der Schnittstelle zwischen Deutschschweiz und Romandie, sind gleich drei Gratiszeitungen präsent. Hier liegen die deutsche und die französische Ausgabe von 20 Minuten/minutes sowie Le Matin bleu in den Boxen. Das hat handfeste Auswirkungen. Gemäss einem Bericht der städtischen Müllabfuhr an die örtliche Polizei werden rund 90 Prozent der im Zentrum von Freiburg verteilten Gratiszeitungen auf öffentlichem Grund weggeworfen und müssen von städtischen Angestellten aufgesammelt werden. Das Papier sei derart verschmutzt, dass es nicht einmal wiederverwertet werden könne. Es lande in der Kehrrichtverbrennung.
Matin-bleu-Chefredaktor Tristan Cerf, bekannt für seine ökologischen Überzeugungen, hofft, die Verschleuderung von Ressourcen einschränken zu können: «In Genf verhandeln wir über die Bereitstellung von speziellen Boxen an besonders kritischen Orten, in die die gelesenen Zeitungen zurückgelegt werden können.» Falls das Genfer Modell Erfolg habe, werde es sich auch in den übrigen Verteilgebieten durchsetzen. Bei 20 minutes versucht man es derweil mit einem Hinweis in der Zeitung, der die Leser sensibilisieren soll.
Helen Brügger
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