Die Söhne Winterthurs
Florian Ingold und Tobias Weber sind überzeugt, dass ihre Agentur +söhne mit dem kürzlich gewonnenen Edi nicht die letzte Auszeichnung eingesackt hat.
Florian Ingold und Tobias Weber sind überzeugt, dass ihre Agentur +söhne mit dem kürzlich gewonnenen Edi nicht die letzte Auszeichnung eingesackt hat.Das Telefon läutet noch nicht ununterbrochen. Doch ein paar Leute «zeigen schon echtes Interesse», seit der Spot von Florian Ingold und Tobias Weber vor zwei Wochen einen «Spezial Edi» für visuelle Effekte gewonnen hat. Aufgefallen beim Schweizer Auftrags- und Werbefilmpreis sind die beiden jungen Kreativen in der Kategorie Commercials mit einem Film, der mit Wirz & Fraefel in Zürich realisiert wurde. Der Beitrag beweist auch, dass Filme aus der Schweiz mit Trendküchen wie New York oder London mithalten können. «Im Spot wird eine gute und überraschende Idee auf hohem Niveau umgesetzt. Ein vergleichsweise tiefes Budget war dabei nicht Vorwand für eine durchschnittliche Umsetzung, sondern viel mehr Ansporn, eine clevere Lösung zu finden», hat die Jury zum Film gemeint, den man jetzt auf www.undsoehne.ch anschauen kann.
Witzig und keck grüssen auf dieser Website die Söhne als adrette Jungwerber, bei denen – grafisch sichtbar markiert – kein Gramm unnötiges Fett am idealen Körper auszumachen ist. «Fettabsaugen» oder das Behäbige abstreifen und «einen schlankeren und gewagteren Kurs einschlagen», ist denn auch das Motto der jungen Agentur, die sich in Anspielung auf ihre neue Generation von Agenturen stilecht «und söhne» nennt.
Ihr Büro haben Florian Ingold und Tobias Weber in einem alten Loft im Sulzer Areal in Winterthur eingerichtet. Dort wollen sie aber demnächst wegziehen. Nicht ins Werber-Mekka nach Zürich. Nur in ein moderneres und grösseres Gebäude ein paar hundert Meter weiter, weil ihnen die Zukunft im abrissgefährdeten Loft zu unsicher ist. Ansonsten sind die Söhne der Meinung, dass ihr Standort nicht das einzig Relevante für den Erfolg der Agentur ist. «Wir wollen uns viel mehr über die kreative Leistung statt über eine schicke Adresse definieren.»
Ikea, The Care Company, Swissrisk oder auch das Winterthurer Bikebistro sind neben Nike (Schweiz) die ersten Kunden, die +söhne seit ihrem Start vor knapp zwei Jahren gewonnen haben. Akquiriert haben Ingold und Weber mit frechen Gadgets, die sie als Mailings an ausgewählte Wunschkunden verschickt haben. Je nach Sympathie-Bonus für solche Newcomer hat ein aufgeblasener Plastiksack dann halt genervt, der als Paket mit einem Text «für frischen Wind in Ihrer Werbung» beim potenziellen Kunden landete. Andere haben sich darüber gefreut. Wobei es nicht die flippigsten, sondern oft die konservativeren Adressen waren, die positiv auf originelle Eigenwerbungsideen reagiert haben wie zum Beispiel ein Set Lego-Klötzchen und die Aufforderung «Bauen Sie sich Ihre Wunschagentur».
Nike hat bei einer Papierpuppe angebissen, der man – zum Bestimmen des Zielpublikums – verschiedene Kleidchen anziehen konnte. Daraus ergab sich die Einladung zu einem Pitch. Und schliesslich die Idee für den jetzt preisgekrönten Spot.
Diesem merkt man natürlich an, dass AD Tobias Weber seine beruflichen Wurzeln im Bereich Special Effects bei der Filmproduktion hat. Nach der Matur in Winterthur hat er in London eine Filmschule besucht. Dann folgten zwei Jahre Job bei einem Studio für digitale Bildbearbeitung. Zu Tobias’ Zeit wurden hier auch Hollywoodkisten wie «Mission: Impossible II» postproduziert. Weitere Impulse für sein zukünftiges Wirken fand der Schweizer in London bei vielen Ausstellungen in der Szene des Designs und der Kunst. Auch «das Trashige» sowie der typisch englische Humor in der Werbung haben sein bisheriges Schaffen beeinflusst. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz hat Tobias einen Einstieg als freier Regisseur bei Wirz & Fraefel gefunden, wo er auch weiterhin noch als Freelancer tätig ist.
Florian Ingold hat seinen Weg zuerst als Sekundarlehrer gesucht. «Das führte aber nirgends hin.» So ist er ausgestiegen, hat bereits mit Tobias verschiedene kreative Projekte realisiert und dann noch eine Ausbildung in Marketing und Kommunikation abgeschlossen. In dieser Phase hat sich beim gemeinsamen Philosophieren über eine mögliche Zukunft schliesslich die Gründung von +söhne ergeben. «Unsere Ausbildung ist professionell. Trotzdem sind wir absolute Greenhorns in der Agenturszene. Da haben wir keine Hemmungen, das auch so zu kommunizieren», meinen die beiden, die tatsächlich nie in einer anderen Agentur als ihrer eigenen gearbeitet haben.
Gelockt an diesem Unternehmen hat Tobias, dass er nicht mehr nur weiter als Regisseur «dem Storyboard der andern den Feinschliff geben» wollte. Als quereingestiegener «Full-Service-Werber» will er wie damals in seiner Studienzeit auch wieder selber neue Ideen entwickeln. Florian übernimmt dabei die Rolle des Strategen, Beraters und CDs. Doch so klar wollen sie in der Zweimann-Agentur ihre Arbeit gar nicht trennen.
Das Modell von +söhne ist aufgebaut auf dem Netzwerk-Gedanken. Künstler und Kreative aus den verschiedensten Sparten sollen je nach Bedarf für den Kunden kostengünstig beigezogen werden. «Bei uns muss man nicht immer die gesamte Agentur finanzieren», meinen die Söhne. Was ihren Stil anbelangt, sind sie sich einig, dass sie umgekehrt auch nicht jedem Auftrag nachrennen wollen. «Lieber weniger, dafür besser», heisst die Devise. «Bei unserer Werbung muss man damit leben können, dass von der Zielgruppe sich 30 Prozent angesprochen fühlen, diese dafür richtig.» Das bringe mehr, als wenn 50 Leute halbherzig angesprochen werden. Oder mit anderen Worten: «Weg vom weichgespühlten Einerlei, lieber pointierter und mehr ans Limit. Auch wenn es ein paar Leute erschreckt. Dafür kann solche Werbung die andern überzeugen.»
Mit dieser Denkweise hat +söhne bereits ein weiteres grosses Budget für ein international tätiges Unternehmen im Bereich Outdoor-Sport gewonnen. Hier soll die Marke strategisch neu positioniert werden. Auch mit Nike Football wird die Zusammenarbeit weitergehen. Hier sind Ideen für die kommende Euro 08 gefragt.
Für ein Privatleben bleibt bei solchen Plänen momentan nicht sehr viel Zeit. Florian nennt das jüngst fertiggestellte Haus und seine beiden Töchterchen als schönste Entspannung neben dem Job. Und Tobias liebt das Auftanken beim Biken und «demnächst hoffentlich Wintersport».
Andreas Panzeri
Witzig und keck grüssen auf dieser Website die Söhne als adrette Jungwerber, bei denen – grafisch sichtbar markiert – kein Gramm unnötiges Fett am idealen Körper auszumachen ist. «Fettabsaugen» oder das Behäbige abstreifen und «einen schlankeren und gewagteren Kurs einschlagen», ist denn auch das Motto der jungen Agentur, die sich in Anspielung auf ihre neue Generation von Agenturen stilecht «und söhne» nennt.
Ihr Büro haben Florian Ingold und Tobias Weber in einem alten Loft im Sulzer Areal in Winterthur eingerichtet. Dort wollen sie aber demnächst wegziehen. Nicht ins Werber-Mekka nach Zürich. Nur in ein moderneres und grösseres Gebäude ein paar hundert Meter weiter, weil ihnen die Zukunft im abrissgefährdeten Loft zu unsicher ist. Ansonsten sind die Söhne der Meinung, dass ihr Standort nicht das einzig Relevante für den Erfolg der Agentur ist. «Wir wollen uns viel mehr über die kreative Leistung statt über eine schicke Adresse definieren.»
Ikea, The Care Company, Swissrisk oder auch das Winterthurer Bikebistro sind neben Nike (Schweiz) die ersten Kunden, die +söhne seit ihrem Start vor knapp zwei Jahren gewonnen haben. Akquiriert haben Ingold und Weber mit frechen Gadgets, die sie als Mailings an ausgewählte Wunschkunden verschickt haben. Je nach Sympathie-Bonus für solche Newcomer hat ein aufgeblasener Plastiksack dann halt genervt, der als Paket mit einem Text «für frischen Wind in Ihrer Werbung» beim potenziellen Kunden landete. Andere haben sich darüber gefreut. Wobei es nicht die flippigsten, sondern oft die konservativeren Adressen waren, die positiv auf originelle Eigenwerbungsideen reagiert haben wie zum Beispiel ein Set Lego-Klötzchen und die Aufforderung «Bauen Sie sich Ihre Wunschagentur».
Nike hat bei einer Papierpuppe angebissen, der man – zum Bestimmen des Zielpublikums – verschiedene Kleidchen anziehen konnte. Daraus ergab sich die Einladung zu einem Pitch. Und schliesslich die Idee für den jetzt preisgekrönten Spot.
Diesem merkt man natürlich an, dass AD Tobias Weber seine beruflichen Wurzeln im Bereich Special Effects bei der Filmproduktion hat. Nach der Matur in Winterthur hat er in London eine Filmschule besucht. Dann folgten zwei Jahre Job bei einem Studio für digitale Bildbearbeitung. Zu Tobias’ Zeit wurden hier auch Hollywoodkisten wie «Mission: Impossible II» postproduziert. Weitere Impulse für sein zukünftiges Wirken fand der Schweizer in London bei vielen Ausstellungen in der Szene des Designs und der Kunst. Auch «das Trashige» sowie der typisch englische Humor in der Werbung haben sein bisheriges Schaffen beeinflusst. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz hat Tobias einen Einstieg als freier Regisseur bei Wirz & Fraefel gefunden, wo er auch weiterhin noch als Freelancer tätig ist.
Florian Ingold hat seinen Weg zuerst als Sekundarlehrer gesucht. «Das führte aber nirgends hin.» So ist er ausgestiegen, hat bereits mit Tobias verschiedene kreative Projekte realisiert und dann noch eine Ausbildung in Marketing und Kommunikation abgeschlossen. In dieser Phase hat sich beim gemeinsamen Philosophieren über eine mögliche Zukunft schliesslich die Gründung von +söhne ergeben. «Unsere Ausbildung ist professionell. Trotzdem sind wir absolute Greenhorns in der Agenturszene. Da haben wir keine Hemmungen, das auch so zu kommunizieren», meinen die beiden, die tatsächlich nie in einer anderen Agentur als ihrer eigenen gearbeitet haben.
Gelockt an diesem Unternehmen hat Tobias, dass er nicht mehr nur weiter als Regisseur «dem Storyboard der andern den Feinschliff geben» wollte. Als quereingestiegener «Full-Service-Werber» will er wie damals in seiner Studienzeit auch wieder selber neue Ideen entwickeln. Florian übernimmt dabei die Rolle des Strategen, Beraters und CDs. Doch so klar wollen sie in der Zweimann-Agentur ihre Arbeit gar nicht trennen.
Das Modell von +söhne ist aufgebaut auf dem Netzwerk-Gedanken. Künstler und Kreative aus den verschiedensten Sparten sollen je nach Bedarf für den Kunden kostengünstig beigezogen werden. «Bei uns muss man nicht immer die gesamte Agentur finanzieren», meinen die Söhne. Was ihren Stil anbelangt, sind sie sich einig, dass sie umgekehrt auch nicht jedem Auftrag nachrennen wollen. «Lieber weniger, dafür besser», heisst die Devise. «Bei unserer Werbung muss man damit leben können, dass von der Zielgruppe sich 30 Prozent angesprochen fühlen, diese dafür richtig.» Das bringe mehr, als wenn 50 Leute halbherzig angesprochen werden. Oder mit anderen Worten: «Weg vom weichgespühlten Einerlei, lieber pointierter und mehr ans Limit. Auch wenn es ein paar Leute erschreckt. Dafür kann solche Werbung die andern überzeugen.»
Mit dieser Denkweise hat +söhne bereits ein weiteres grosses Budget für ein international tätiges Unternehmen im Bereich Outdoor-Sport gewonnen. Hier soll die Marke strategisch neu positioniert werden. Auch mit Nike Football wird die Zusammenarbeit weitergehen. Hier sind Ideen für die kommende Euro 08 gefragt.
Für ein Privatleben bleibt bei solchen Plänen momentan nicht sehr viel Zeit. Florian nennt das jüngst fertiggestellte Haus und seine beiden Töchterchen als schönste Entspannung neben dem Job. Und Tobias liebt das Auftanken beim Biken und «demnächst hoffentlich Wintersport».
Andreas Panzeri
