USA: New York Times muss Quellen offen legen

Die New York Times darf ihre Informanten nicht schützen. Wie der Oberste Gerichtshof am Montag entschieden hat, muss die Tageszeitung der US-Regierung die Telefongespräche von zwei Redakteuren offen legen.


Die New York Times darf ihre Informanten nicht schützen. Wie der Oberste Gerichtshof am Montag entschieden hat, muss die Tageszeitung der US-Regierung die Telefongespräche von zwei Redakteuren offen legen. Judith Miller und Philip Shenon hatten 2001 vertrauliche Pläne der Regierung enthüllt. Diese sahen vor, im Kampf gegen den Terrorismus die Vermögenswerte von zwei islamischen Wohlfahrtsorganisationen einzufrieren. Seitdem bemüht sich Staatsanwalt Patrick Fitzgerald darum, die Quelle für die vertrauliche Information einzufrieren. Durch den Entscheid des Obersten Gerichtshofs kann sich Fitzgerald nun durch die Telefongespräche hören, in der Hoffnung, das Informationsleck ausfindig zu machen.
Der Fall ist die zweite Niederlage der New York Times vor dem Obersten Gerichtshof. Bereits im Herbst 2005 war die Reporterin Miller zur Preisgabe von Informanten eines Beitrages über den Geheimdienst CIA gezwungen worden, bis sie sich schliesslich zu einer Aussage bereit erklärte. Auch damals war Fitzgerald leitender Staatsanwalt.
Enttäuscht über den Entscheid äusserte sich Lucy Dalglish vom Reporterkomitee für die Pressefreiheit (Reporters Committee for Freedom of the Press), wie die Netzzeitung schreibt. Der Supreme Court sei keine Hilfe, wenn es um den Schutz vertraulicher Quellen gehe. Jetzt müsse der Kongress für die nötigen Gesetze zum Schutz von vertraulichen Telefongesprächen sorgen, forderte Dalglish.

Döpfners Link

Kommentar René Worni über Printmedien zum Schnäppchenpreis.

Kommentar René Worni über Printmedien zum Schnäppchenpreis.Der vormalige Chefredaktor des Springer-Blattes Welt, Roger Köppel, seit nunmehr bald zwei Monaten wieder im Land und als Weltwoche-Chefredaktor in Amt und Würden, daselbst mit 60 Prozent als Anteilseigner zusätzlich unternehmerisch gefordert, hat, so lesen wir in der WOZ, seine Mehrheit an der neu gegründeten Weltwoche-Verlags AG zum Spottpreis von müden 1,2 Millionen Franken bekommen. Die Jean Frey AG ihrerseits bringt im Wert von 2 Millionen Franken ihr Flaggschiff in die neue AG ein und bleibt für 800’000 Franken mit 40 Prozent an selbiger beteiligt. Aha, da ist der Chefredaktor-Mehrheitseigner Köppel zu bestechend günstigen Bedingungen oder zu «sehr favorablen Konditionen» (Leutenegger) zur Weltwoche gekommen. Köppel ist ein wahrer Glückspilz – oder etwa nicht? Ausserdem führt er die Tradition einer aussterbenden Spezies von Verlegerpersönlichkeiten fort, die sowohl publizistisch als auch unternehmerisch tätig sind.
Wie ist das möglich? Gerne wird Köppel als Ziehsohn von Jean Frey Drittelseigner Tito Tettamanti portiert. Es wäre naiv anzunehmen, er habe dem frischgebackenen Jungverleger ein Geschenk gemacht und diesem so zur Mehrheit an der Weltwoche-Verlags AG verholfen. Ein einfacher Sachverhalt half weiter. Die Verlagsrechte am Titel Weltwoche, laut WOZ bis zu 10 Millionen Franken wert, tauchen in den Aktionärsbindungsverträgen nicht auf. Sie sind als immaterieller Wert vom Rest losgelöst und verbleiben – so ist anzunehmen – bei der Jean Frey. 
Mit diesen Konditionen konnte der Deal auf tiefem Niveau über die Bühne gehen, und allen ist dabei gedient: den neokonservativen Kreisen, die Köppel als einzig denkbare Figur im Chefsessel der Weltwoche haben wollten, und auch dem Jean Frey Verlag, dessen Unternehmensergebnisse die immer wieder schlingernde Weltwoche nach unten zog. Selbst wenn er wollte, könnte Köppel die Weltwoche also nicht im Alleingang verkaufen. Sollte sich der Axel Springer Verlag indessen tatsächlich für die Weltwoche interessieren, so hat Springer-Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner über seinen Ex-Untergebenen in Zürich immerhin einen bestens eingeführten Gewährsmann.
René Worni, Redaktor

Radio Basilisk, Basel 1 und Regenbogen spannen zusammen

Die drei Radiostationen Basilisk und Basel 1 sowie der südwestdeutsche Sender Radio Regenbogen bündeln ihre Kräfte. Am 1. Januar 2007 übernimmt eine neue Firma mit dem Namen Radio Vision den Verkauf für alle drei Sender.

Die drei Radiostationen Basilisk und Basel 1 sowie der südwestdeutsche Sender Radio Regenbogen bündeln ihre Kräfte und gründen eine gemeinsame Verkaufsgesellschaft. Die neue Firma mit dem Namen Radio Vision übernimmt ab 1. Januar 2007 den Verkauf für alle drei Sender. Ziel des Zusammenschlusses sei die Stärkung des Mediums Radio im Wettbewerb der verschiedenen Medien im Markt Basel, verkünden die drei Sender am Mittwoch. Bis zu 200’000 Hörerinnen und Hörer im Raum Basel können Werbekunden in Zukunft über einen Ansprechpartner erreichen. Die Kooperation der drei Sender beschränke sich aber auf den Verkauf, der publizistische Wettbewerb und die Programmvielfalt im Radiomarkt Basel blieben erhalten.
Die RPB Radio Pool Basel, bisherige Verkaufsorganisation von Radio Basel 1 und Radio Regenbogen, wird in Radio Vision umbenannt. An der neuen Gesellschaft sind Tamedia mit 50 Prozent, die National-Zeitung und Basler Nachrichten mit 33 Prozent und die Radio Regenbogen Hörfunk mit 17 Prozent beteiligt. Geschäftsführerin des Unternehmens wird Silvana Imperiali, bisher CEO von Radio Basel 1 Werbe AG und der RPB Radio Pool Basel.
Im Zuge der Zusammenlegung der Verkaufsorganisationen kommt es bei Medag sowie der Radio Basel 1 Werbe AG zum Abbau von rund drei Stellen. Für die betroffenen Mitarbeitenden werde nach anderen Arbeitsstellen innerhalb der National-Zeitung und Basler Nachrichten AG gesucht. Der vereinbarten Kooperation muss die Wettbewerbskommission zustimmen.

USA: Googles Radiowerbung kurz vor dem Launch?

In Branchenblogs derzeit heiss diskutiert ist der Zeitpunkt von Googles Eintritt in die Radiowerbung. Die Beta-Version von Googles Radio Ads solle kurz vor dem Launch stehen und in den USA noch dieses Jahr starten.

In Branchenblogs derzeit heiss diskutiert ist der Zeitpunkt von Googles Start in der Radiowerbung. Die Beta-Version von Googles Radio Ads solle kurz vor dem Launch stehen und in den USA noch dieses Jahr starten, heisst es. Das ist nicht verwunderlich, denn bereits ist ein Jahr seit der Akquisition der Radio-Werbefirma dMarc Broadcasting vergangen (siehe ). Wie bekannt wurde, sind bereits über 500 Radiostationen mit der Google-Plattform verbunden, 4’200 seien bereits ins Visier genommen. Schlussendlich sollen es aber über 5’000 Stationen werden. Google sei dabei, seine Lösung zurzeit den Werbetreibenden in den USA vorzustellen, heisst es weiter. Der Vorteil der Lösung via Google ist die vollständige Automatisierung.

Take-off naht

Flughafenwerbung In München wurde die Initiative Airport Media (IAM) gegründet. Dabei ist auch Unique in Zürich-Kloten. Printprodukt, Website und ein Airport Award sind bereits geplant.

Flughafenwerbung In München wurde die Initiative Airport Media (IAM) gegründet. Dabei ist auch Unique in Zürich-Kloten. Printprodukt, Website und ein Airport Award sind bereits geplant. Wie bereits in der WW 38 vom 26. Oktober berichtet, ist es Ziel der neuen Gruppierung, das Gattungsmarketing Flughafenwerbung neu zu positionieren. Insgesamt dreizehn Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich dazu in der neuen IAM zusammengeschlossen. «Flughafenwerbung ist ein hochattraktives und zeitgemässes Medium», erklärt Jens Hassler, designierter IAM-Sprecher und Marketingleiter des Münchner Flughafens. Sie ermögliche eine optimale Zielgruppenselektion, das heisst, dass am Airport punktgenau zwischen Pauschaltouristen sowie Privat- und Geschäftsreisenden unterschieden werden könne. Die dreizehn IAM-Flughäfen verzeichnen pro Jahr knapp 200 Millionen Passagiere.
Durch gemeinsame Marketingaktivitäten will die Initiative Airport Media auf diese gefragte Zielgruppe aufmerksam machen. Hassler: «Unser Ziel ist es, eine bessere Positionierung im Vergleich zu anderen Mediengattungen zu erreichen.» Erste gemeinsame Aktion der IAM ist ein Printprodukt, das im Frühjahr produziert wird. Im Herbst wird die Initiative erstmals einen gemeinsamen Airport Award für die beste Werbung verleihen. Eine interne Arbeitsgruppe befasst sich bereits mit den Themen Datennetze und der Zusammenarbeit mit Fachverbänden. Ebenso auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für einen Internetauftritt.
Standardisierte FormateDie IAM betont in ihrer Gründungserklärung, dass bis auf weiteres jeder Flughafen in seiner Vermarktung unabhängig bleibt. Aber es ist davon auszugehen, dass mittelfristig relevante Innenbereiche an den einzelnen Airports einer gemeinsamen Vermarktung zugeführt werden.
Kernstück sind dabei die hinterleuchteten CLP-Vitrinen im europaweit gängigen 4/1-Format von 1,75 mal 3,6 Metern. Mit dieser Formatstandardisierung wird man eine lukrative und internationale Abspielfläche für Markenkampagnen anbieten können. Begehrt ist die Zielgruppe der Geschäftsreisenden bei jeder Marke im Hochpreissegment, denn sie verfügt über hohe und exklusive Kaufkraft.
Peter Ehm

Salamitaktik

Wurstwaren Frisch vom Schneidetisch: Der neue Film für Citterio von AY&R.

Wurstwaren Frisch vom Schneidetisch: Der neue Film für Citterio von AY&R.  Freunde der italienischen Spezialitäten von Citterio kennen das Problem: Die Salame und Prosciutti in perfekt dünne Scheiben zu tranchieren, ist ohne professionelles Gerät unmöglich. Doch die Lösung des Problems liegt bereits im Kühlfach bereit: Hauchdünn vorgeschnittene Citterio-Leckereien wie Salame di Milano, Prosciutto di Parma oder Prosciutto Gran Cotto di Vignola. Um den Bekanntheitsgrad der praktischen Frischepacks zu steigern, hat Advico Young & Rubicam für Citterio einen neuen Spot realisiert. Erzählt wird die tragische Dreiecksgeschichte zwischen einem jungen Mann, seinem Hund und einem Teller mit feinstem, hauchdünn geschnittenen Salame und Prosciutto. Die Scheibchen locken den Hund zum Tisch. Doch bevor er zuschnappen kann, sind die Häppchen bei offenem Fenster schon weggeblasen. Doppeltes Pech für den Hund, der aus Griechenland eingeflogen wurde und dort als Werbestar bereits ein Liebling von allen ist. Das dürfte in der Schweiz nicht anders werden.
Rechtzeitig zur weihnächtlichen Schlemmersaison wird der Spot ab Anfang Dezember im Schweizer Fernsehen zu sehen sein. Buon appetito!
Andreas Panzeri

Internet-Stellen im Allzeithoch

Erneut einen Rekord weist der Jobpilot-Index dem Schweizer Internet-Stellenmarkt im Oktober aus. Der Index legte auf 130 Punkte zu und übertraf den bisherigen Rekordwert im Juli 2006 sogar um weitere 4 Punkte. Auch der Print-Index konnte zulegen.

Erneut einen Rekord weist der Jobpilot-Index dem Schweizer Internet-Stellenmarkt im Oktober aus. Der Index legte auf 130 Punkte zu und übertraf den bisherigen Rekordwert im Juli 2006 um 4 Punkte (siehe ). Und zwar ist von der erfreulichen Steigerung sowohl das Stellenangebot in Stellenbörsen sowie auf firmeneigenen Websites betroffen. Dieser Höchststand übertrifft sogar die Hochkonjunkturphase von 2001 deutlich. Die Stellenanzeigen auf Internet-Stellenbörsen legten 4 Punkte auf 113 Punkte zu, die Stellenanzeigen auf firmeneigenen Websites um 3 Punkte auf 164 Punkte. Online und Print legen zu Der von der Fachhochschule Nordwestschweiz berechnete und mit dem Jobpilot-Index vergleichbare Print-Index kann im Oktober ebenfalls eine Zunahme verbuchen. Und zwar um 5 Punkte auf 43 Punkte. Damit steigt der Print-Index sogar etwas stärker an als der Online-Index, nachdem er im Sommerquartal leicht gesunken war.

Quelle: Jobpilot.ch

AY&R ergreift weltweites Votum gegen Kinderarbeit

Die Kreativen von Advico Young & Rubicam unterstützt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) im Kampf gegen die Kinderarbeit. Im Auftrag der UN-Organisation mit Sitz in Genf hat die Zürcher Agentur Plakate und Inserate entwickelt.


Die Kreativen von Advico Young & Rubicam unterstützt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) im Kampf gegen die Kinderarbeit. Im Auftrag der UN-Organisation mit Sitz in Genf hat die Zürcher Agentur Plakate und Inserate entwickelt. Die Werbemittel dramatisieren das Ziel der ILO: Die schlimmsten Formen der Kinderarbeit sollen in den kommenden zehn Jahren weltweit verschwinden. Die Kampagne startet Ende November mit Plakaten in der Pariser Metro und Inseraten in französischen Tageszeitungen. Mitten in der Vorweihnachtszeit also, wenn bereits zahlreiche Hilfsorganisationen versuchen, die Menschen mit stereotypen Bildern von Not leidenden Kindern anzusprechen. «Darum ist unsere Kampagne anders», sagt Urs Schrepfer, Creative Director von Advico Young & Rubicam. Die Kampagne soll möglichst viele Menschen auf die Projekte der ILO aufmerksam machen, damit in zehn Jahren zumindest die schlimmsten Formen der Kinderarbeit der Vergangenheit angehören.

Adobe goes OpenSource

Software-Technologie Adobe Systems stellt der gemeinnützigen Mozilla Foundation den Quellcode des Flash Players zur Verfügung.

Software-Technologie Adobe Systems stellt der gemeinnützigen Mozilla Foundation den Quellcode der ActionScript Virtual Machine, der auf Standards basierenden Scriptsprache des Flash Players, zur Verfügung. Im Rahmen des neuen Open-Source-Projekts Tamarin soll Mozilla die Weiterentwicklung dieser Technologie zur Erstellung reichhaltiger und ansprechender Web-Applikationen beschleunigen. Das Tamarin-Projekt wird die finale Fassung der Standardsprache ECMA Script Edition 4 implementieren. Diese wird Mozilla in der nächsten Generation von SpiderMonkey verwenden. SpiderMonkey ist Kern der im kostenlosen Webbrowser Firefox eingebetteten JavaScript Engine.

Fabio Mercandetti kommuniziert als GL-Mitglied für Huber+Suhner

Der Kabelspezialist Huber+Suhner hat Fabio Mercandetti per Anfang Januar 2007 zum Leiter des Stabsbereichs Geschäftsentwicklung und Kommunikation ernannt. Auch nimmt er Einsitz in der Geschäftsleitung.

Der Kabelspezialist Huber+Suhner hat Fabio Mercandetti per Anfang Januar 2007 zum Leiter des Stabsbereichs Geschäftsentwicklung und Kommunikation ernannt. Auch nimmt er Einsitz in der Geschäftsleitung. Mit der Ernennung Mercandettis vereinfacht die Firma nach eigenen Angaben die Führungsstruktur, berichtet die Nachrichtenagentur SDA am Mittwoch. Die früheren Bereiche Informations- und Prozessmanagement sowie Kommunikation und Business Development sind zum neuen Bereich zusammengelegt worden. Peter Baumann und Mats Önner, die beiden bisherigen Leiter der ehemaligen Bereiche, haben das Unternehmen bereits verlassen beziehungsweise gehen per Ende Jahr. Zuvor war der 49-jährige Mercandetti seit 1997 bei Rieter tätig, zuletzt als Leiter Corporate Planning.

Walkman revival

Musik Grey haucht dem legendären Subbrand Walkman von Sony neues Leben ein.

Musik Sony haucht dem legendären Subbrand Walkman neues Leben ein, mit einer Reihe neuer MP3-Player. Die von Grey entwickelte Radiokampagne fokussiert dabei auf zwei Produkte: Einen MP3-Player für Sportbegeisterte und einen MP3-Player für Sound-Enthusiasten. Beide Geräte haben Funktionen und Eigenschaften, die man bei der Konkurrenz vergeblich sucht. Zum Beispiel Kalorienzähler und Distanzmesser. Die Radiokampagne läuft seit Mitte November bis Anfang Dezember in der ganzen Schweiz.

Kreuzfeuer der Interessen

Regionalpresse Der Landbote steht vor der Kooperation mit der Thurgauer Zeitung. Warum?

Regionalpresse Der Landbote steht vor der Kooperation mit der Thurgauer Zeitung. Warum?Der Zürcher Landbote soll mit der Thurgauer Zeitung auf redaktioneller Ebene kooperieren. Entsprechende Gespräche zwischen den Chefredaktionen sind abgeschlossen und ein Grobkonzept liegt vor. «Jetzt warten wir nur noch auf den Entscheid des Verwaltungsrates», erklärt Landbote-Chefredaktorin Colette Gradwohl. Der genaue Inhalt des Konzeptes ist nicht bekannt, die Verantwortlichen wollen dazu nichts sagen. Geht es um die Nutzung von Synergien zwischen Regionalzeitungen – womit in erster Linie Einsparungen gemeint sind –, dann ist ein Mantelteil mit gemeinsamen überregionalen Ressorts die Regel. «Ich kann mir vorstellen, dass wir noch in diesem Jahr Klarheit darüber bekommen, wie es weitergeht», sagt Andreas Netzle, Chefredaktor der Thurgauer Zeitung.
Landbote baute Position ausDoch warum soll der Landbote kooperieren? «Der Landbote steht nicht schlecht da», sagt Gradwohl. Ein gutes Jahr nach dem Totalumbau des Blattes von der angestaubten Stadtzeitung zum modernen Forumsblatt konnte der Landbote seine Position halten und leicht ausbauen. Stellenabbau ist daher offenbar kein Thema. «Im Moment besteht kein Handlungsbedarf», sagt Gradwohl. «Das kann sich aber ändern.» Die Chefredaktorin ist jedoch überzeugt, dass eine Kooperation mit der Thurgauer Zeitung Sinn mache.
Warum sich eine Winterthurer Regionalzeitung stärker in Richtung Ostschweiz orientieren soll, statt gegen die Kantonshauptstadt Zürich, wohin die Pendlerströme fliessen, will jedoch nicht so recht einleuchten. Man könnte vielmehr den Eindruck bekommen, der Landbote gerate im Kreuzfeuer der Interessen zunehmend ins Abseits.
Klar ist, dass die Tages-Anzeiger-Herausgeberin Tamedia mit ihrer 20-Prozent-Beteiligung in Winterthur und den 100 Prozent an der Thurgauer Zeitung nach Synergien sucht, um den hohen Kaufpreis der TZ von offiziell 56 Millionen Franken zu refinanzieren und deshalb mit so diplomatischen Mitteln wie nur möglich die Kooperation voranzutreiben sucht. Denn es gibt Hindernisse.
Tamedia druckt den Landboten und die Landbote-Herausgeberin Ziegler Druck AG ihrerseits das Magazin und weitere Akzidenzien. Durch diese Verträge entfällt für Tamedia ein wichtiges Druckmittel, denn eine entsprechende Vertragsklausel untersagt ihr, eine Regionalausgabe des Tages-Anzeigers in Winterthur zu lancieren, ein Schönheitsfehler in Tamedias Regionalisierungsstrategie für den Tagi. Dennoch müssen die Äusserungen des umtriebigen Tagi-Verlagsleiters und Ex-Mister-20-Minuten Rolf Bollmann in Winterthur wie Drohgebärden erscheinen: Als verantwortlicher Regionalstratege betont Bollmann bei jeder Gelegenheit, es gebe im Grossraum Zürich zu viele Zeitungen.
Das bekommt besonders dann einen skurrilen Doppelsinn, wenn Bollmann für den Tagi und die Regionalausgaben eine Grossauflage zu drucken beabsichtigt, die Druckaufträge für Tages-Anzeiger, 20 Minuten und weitere Regionalzeitungen, darunter der Landbote, jedoch die Tamedia-Rotation an den Rand der Kapazität bringen.
Schliesslich fliessen auch die Millionen nicht so ungebremst im gemeinsamen Inseratekombi Tagi Plus zwischen Tages-Anzeiger und Landbote, wovon zum Beispiel Gradwohl-Vorgänger und Ex-Chefredaktor Rudolf Gerber so geschwärmt hatte. Tagi Plus ist dem Metropool nicht angegliedert, die nationale Anbindung im Mediendreieck Basel, Bern, Zürich entfällt damit. Das mag erklären, warum die anfängliche Euphorie über Tagi Plus breiter Enttäuschung gewichen ist. Im Inseratekombi 1, dem Restprodukt des einstigen Nordostkombis mit vormals sechs Regionalzeitungen, ist der Landbote im Verbund mit der Thurgauer Zeitung und den Schaffhauser Nachrichten der auflagenstärkste Partner und unterdessen einziger Regietitel der Publicitas.
Die Thurgauer Zeitung hat sich erst kürzlich vom Inserateriesen gelöst und vermarktet sich analog dem Mutterhaus Tamedia selbst. Auswirkungen auf das Kombi 1, über das der Landbote auch ins nationale Anzeigengeschäft kommt, sollte das indessen nicht haben. Die starke Position im Kombi 1 könnte wenigstens ein kleines Argument in den Verhandlungen mit Tamedia sein.
Gelöste VerknüpfungenAuf der anderen Seite haben sich die ehemaligen Verbündeten, die drei Zürcher Landzeitungen Zürichsee-Zeitung, Unterländer und Oberländer, zur Zürcher Landzeitung mit gemeinsamem Mantel zusammengetan und kooperieren seit Anfang Oktober noch enger. Damit lösten sich auch die letzten Verknüpfungen der drei Blätter mit dem Landboten, der bis Ende September noch denselben Bundeshauskorrespondenten beanspruchte.
Früher, das heisst bis zur Übernahme des erwähnten Aktienpaketes von Tamedia in Winterthur und der damit verbundenen Anlehnung des Landboten an den Zürcher Konzern, tauschten sich die Landzeitungen auf redaktioneller Ebene regelmässig aus. Die Winterthurer galten einst als sicherer Wert im Verbund, der sich mit der Gründung des gemeinsamen Druckzentrums in Oetwil auch physisch manifestierte und dessen Ausscheiden ein empfindlicher Schlag für die Regionalverleger bedeutete.
Eine Kooperation würde aus publizistischer Sicht auch heute noch mehr Sinn machen als Verbindungen in den Thurgau. Selbst die eingeflogenen Hamburger Medienexperten mussten feststellen, dass Winterthur und Frauenfeld keine Nachbargemeinden sind und das Sparpotenzial einer Kooperation zwischen Landbote und der Thurgauer Zeitung wohl etwas überschätzt wurde.
Gegenwärtig schweigt man in Winterthur. «Wir überlegen uns eine Kooperation mit der TZ sehr ernsthaft, doch die Angelegenheit ist noch zu unreif für einen Kommentar» sagt Lothar Dostal, Geschäftsführer der Ziegler Druck.    
René Worni
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