Hard-/Software Das neue MacBook Pro ist ein stimmiges Update – und wird mit Aperture 1.5 zum Dreamteam.Die schlechte Nachricht zuerst: Auch wer sich für ein neues, mit einem «Doppelkernprozessor» Intel Core 2 Duo ausgestattetes MacBook Pro Notebook von Apple entscheidet, muss damit rechnen, dass auch dieser Prozessor bald aktualisiert wird. So hat Intel kürzlich einen Intel Core 2 Extreme genannten, aus zwei Doppelkernen bestehenden Chip auf den Markt gebracht. Nach Intel Core Duo und Intel Core 2 Duo wäre das dann bereits die dritte Generation der Intel-Core-Prozessoren seit seiner Einführung Anfang 2006. Dennoch muss der Schritt von Apple von der PowerPC- auf die Intel-Plattform als der richtige bezeichnet werden – auch weil das Unternehmen damit nicht mehr Gefahr läuft, den wichtigen Konkurrenten hinterher zu hinken. Anständige AusstattungOb die neuen Intel-Core-2-Duo-Rechner weg gehen wie warme Semmeln, muss sich erst zeigen. Gute Voraussetzungen dafür sind jedenfalls vorhanden. Für genügend Leistung sorgen bei den neuen 15-Zöllern wahlweise 2,16 oder 2,33 GHz schnelle Core-Duo-2-Chips. Mit ebenfalls 2,33 GHz unterwegs ist auch das über einen 17 Zoll grossen, besonders hellen Bildschirm verfügende Flaggschiff. Die neuen Prozessoren sind dank des höheren Prozessortakts und der 64-Bit-Unterstützung bis gegen 40 Prozent schneller als das Vorgängermodell. Von Faktor 7 spricht Apple gar beim Vergleich mit Rechnern der letzten PowerBook-G4-Generation.
Produkte der Adobe Creative Suite, allen voran Photoshop, sind nun auf den neuen MacBook Pro schneller als auf mit der letzten Generation Power-PC-Chips ausgestatteten PowerBooks, obwohl die Programm-Suite (mit Ausnahme des seit kurzem integrierten Programms Acrobat 8) bislang noch nicht an die neuen Intel-Prozessoren angepasst wurde. Neben der höheren Taktzahl lässt sich die Performance-Steigerung auch auf weitere Optimierungen des laufend aktualisierten Betriebssystems Mac OS X 10.4.8 zurückführen.
Endlich werden die Rechner bereits in der Standardkonfiguration mit akzeptablen, 120 (15 Zoll) bzw. 160 GB (17 Zoll) grossen Harddisks ausgestattet. Wer besonders schnelle Festplatten benötigt, kann im 17-Zoll-Modell optional eine 7200 U/min schnelle, dann allerdings nur 100 GB grosse Harddisk ordern. Ein FireWire-800-Anschluss lässt diejenigen Anwender nicht im Regen stehen, die deutlich mehr Speicherplatz benötigen und gleichzeitig nicht auf schnelle externe Datenspeicher verzichten können.
Doch nicht nur bei den Anschlüssen, sondern auch beim Arbeitsspeicher zeigt sich Apple spendabel: Die Einstiegskonfiguration bei den 15-Zöllern (eigentlich beträgt die Bildschirmdiagonale 15,4 Zoll = 38,1 cm) wird als Standard mit 1 GB RAM, die mittlere Konfiguration genau wie der 17-Zöller (43,1 cm Diagonale) mit 2 GB RAM ausgeliefert. Für einen schnellen Bildaufbau sorgt schliesslich eine hochwertige Grafikkarte ATI Mobility Radeon X1600. Damit und unter Zuhilfenahme eines DVI-Kabels lassen sich die 4 Millionen Pixel auch auf einen bis zu 30 Zoll grossen Monitor, ein HD-Fernsehgerät oder an einen hochauflösenden Beamer übertragen.
Für digital aufzeichnende Fotografen ein MustGerade die Anwendung Aperture, die pünktlich zur Fotofachmesse Photokina (WW 35/2006) aktualisiert wurde, macht mit den neuen Rechnern besonders viel Sinn – und Spass. Aperture, das sich hauptsächlich, aber nicht nur an Profi-Fotografen wendet, ist die derzeit wohl umfassendste Lösung für Fotografen – vor allem nach dem (notwendigen) Update auf Version 1.5.
So können sich Anwender der 1.0-Version über das Auftrennen der Bilddatenverwaltung freuen. Nach wie vor können zwar alle Bilder in einer einzigen Bibliothek verpackt werden; zusätzlich ist es nun auch möglich, auf eine Ordnerstruktur zurückzugreifen und die Bilder auf diese Art zu organisieren. Als praktisch erweist sich in diesem Zusammenhang, dass einmal importierte, aber auf externen Speichermedien abgespeicherte (Original-)Bilddaten im Zugriff verbleiben. Damit können auch grosse Datenmengen einfach transportiert und auf einfache Art zum Beispiel einem Kunden präsentiert werden.
Die Daten lassen sich dabei um den Faktor 20 – also etwa von 1,25 Terabyte auf 65 GB – komprimieren (was in etwa dem freien Platz einer üblichen 80-GB-Harddisk entspricht). Die Bilder können dabei nach wie vor bearbeitet werden, selbstverständlich ist ein Datenexport dann nur mit der Verbindung zu den Feindaten möglich.
Mehr als Aufwertung von iWork und iLife und weniger von Aperture sind Bildbestände und Listen dort nun sichtbar. Schade, gibt es noch keine Programmerweiterung für XPress oder InDesign, die dort Gleiches ermöglicht … Doch Derartiges ist vielleicht schon bald zu erwarten – jedenfalls hat Apple mit der Öffnung von Aperture dazu die Möglichkeit geschaffen. Während man bei Adobe und Quark wohl erst auf neue Versionen warten muss, nutzen Anbieter von Stock-Fotos diese Schnittstelle bereits.
Bilder bearbeiten und mit iPod synchronisierenDie Möglichkeiten, um in Aperture Farbanpassungen vorzunehmen, wurden deutlich verbessert. Die gewählten Parameter lassen sich nun als Einstellungssets speichern und derart auch auf andere Fotos anwenden. Um Bilder in zum Beispiel Photoshop weiterzuverarbeiten, wurde die neue Funktion «Im Finder zeigen» geschaffen, die via Control-Klick den Zugriff auf jedes ausserhalb der Bibliothek befindliche Bild ermöglicht. Zudem kann ein Programm festgelegt werden, damit Bilder auch ohne diesen Zwischenschritt geöffnet werden können.
Die Möglichkeiten zur Bildausgabe bei Aperture sind sehr vielfältig. Praktisch ist etwa die neu mögliche Integration in Apples Präsentationsprogramm Keynote. Damit lassen sich sehr einfach hochwertige (Bild-)Präsentationen erzeugen, ohne dass Aperture mit noch mehr Funktionen überfrachtet werden musste.
Neben einem sehr einfachen Upload von Bildseiten auf einen Mac-Account (oder via Export in eine Ordnerstruktur, der dann manuell auf einen Webserver hochgeladen werden kann) lassen sich in Aperture auch Layouts für Bücher zusammenstellen – dies auf eine Art und Weise, die manchem professionellen Layoutprogramm gut zu Gesicht stehen würde. Hip ist auch die Möglichkeit, die Aperture-Bibliothek auf einen entsprechenden iPod zu übertragen und den Bilddatenbestand mit diesem zu synchronisieren. So wird Aperture nebenbei auch zum «iTunes für Bilder».
Weitere Neuerungen in Aperture 1.5Mit der neuen Funktion für den JPEG-Export per Drag&Drop lassen sich JPEG-Dateien in andere Mac-OS-X-Anwendungen einbinden. Dabei lassen sich die Grösse und Komprimierungsqualität der Bilder steuern.
Apple öffnet die Software für Plug-In-Entwickler durch Verfügungstellung einer entsprechenden Schnittstelle.Das Umbenennen und Zuweisen von Namen wird durch verbesserte Werkzeuge vereinfacht.Möglich ist das automatische Erstellen von Ordnern und Unterordnern beim Import. Die AppleScript- und Automator- Unterstützung wurde verbessert. Neu können damit etwa Filter angewandt oder der Export von Bildern mit Metadaten (XMP) automatisiert werden.Das Hinzufügen, Verwalten und Aktualisieren von Schlagwörtern vereinfacht eine Schwebepalette, die sich zudem sperren lässt, um versehentliche Änderungen zu vermeiden.Für den Druck einzelner Bilder kann neu die Ausgabeauflösung festgelegt werden.Verbesserte Werkzeuge erlauben das Übertragen von Anpassungen für das Ausschneiden (Aperture verwendet hier in der deutschen Version fälschlicherweise den Begriff «Freistellen») und Begradigen von Bildern.Schnelles Auffinden von Bildern mit beliebigen Schlagwörtern oder ohne Schlagwörter beim Suchen nach IPTC-Informationen mit Hilfe der Schwebepalette für Suchkriterien.Bilder lassen sich anhand des Dateistatus durchsuchen.Für die Bewertung von Bildern (1 bis 5 Sterne) können jetzt die Tasten 1 bis 5 verwendet werden.Aperture kann nun mit RAW-Bildern von über 50 Kameramodellen umgehen. Neu dabei sind Fuji S2, Fuji S3 Pro und Sony A100.Aperture-1.0-Anwender können das Update gratis herunterladen. Für Interessierte stellt Apple eine auf 30 Tage limitierte, aber voll funktionsfähige Version bereit.
Jürgen Franck