Ungebrochen hohe Werbefrequenzen

Werbemarkt Der Oktober bestätigt laut Mediafocus mit einem Plus von 7,9 Prozent den Trend des Rekordwerbejahres 06.

   Werbemarkt I Der Oktober bestätigt laut Mediafocus mit einem Plus von 7,9 Prozent den Trend des Rekordwerbejahres 06. Am stärksten profitierten TV-Werbung (+23,8%) und Tagespresse (+20%). Stark unter Vorjahreswert blieben Teletext (–33,4%), Kino (–26,4%) und Publikumszeitschriften (–14,7%). Die Märkte Fahrzeuge und Finanzen (je über +20%), Körperpflege/Kosmetik (über +28 %), Energie (um +50%) und Reinigen (über 96 %) legten markant zu. Schwächer zeigten sich Bekleidung (–24%) und Tabakwaren (–67%). Handel, Konsumgüter und Auto dominierten die Top 30 der Werbeauftraggeber.Elektronische im PlusWerbemarkt II
Die elektronischen Medien haben einen goldenen Oktober hinter sich. Wie der Goldbach Electronic Media Index (GEMI) zeigt, haben die Werbeinvestitionen in die elektronischen Medien diese um 10 Punkte auf 342 Punkte zulegen lassen. Die elektronischen Medien wuchsen damit klar überproportional, denn alle Medien gemeinsam wiesen lediglich ein Plus von 2 Punkten von 173 auf 175 Punkte aus. Als absoluter Gewinner bei den elektronischen Medien erwies sich das Fernsehen. Es legte 7 Indexpunkte auf 344 Punkte zu, in Sachen Wachstumsrate dicht gefolgt vom neuen Werbemedium Adscreen, das um 6 Indexpunkte auf 214 Punkte wuchs.
Ebenfalls zugelegt haben die Werbeinvestitionen in das Medium Internet – und zwar um 4 Punkte auf einen Schlussstand von 236 Punkten. Einen Investitionsrückgang musste erneut Teletext hinnehmen, das wie im Vormonat 4 Punkte einbüsste und bei 140 Punkten abschloss.

Allianz Swissness International

Agenturen Kurt Schmid und Peter Leutenegger haben Lowe Switzerland und FCB Leutenegger Krüll unter dem Dach DRAFTFCB vereint.

Agenturen Kurt Schmid und Peter Leutenegger haben Lowe Switzerland und FCB Leutenegger Krüll unter dem Dach DRAFTFCB vereint.WW: Die letzten Monate mussten neue Perspektiven für Lowe Switzerland bringen. Wieso ist es nicht zum Management-Buyout gekommen?Kurt Schmid: Die Möglichkeit war da. Ich bin aber zum Schluss gekommen, dass es die grössere Idee ist, diese Allianz mit Peter Leutenegger einzugehen. Mit dem MBO wären wir eine klassische Agentur geblieben. Es war aber mein Ziel, vielfältiger zu werden. Dazu kommt, dass Peter und ich uns sehr gut verstehen. Wir haben das realisiert, als er vor mir Präsident beim BSW war und ich gleichzeitig Vize. WW: Was bedeutet diese Allianz?Schmid: Das muss man sich vorstellen wie bei einer Airline. Man teilt gewisse Services. Wichtig ist für uns, dass jeder seine Stärken weiterhin beibehalten kann. Wichtig ist auch für die Kunden, dass sie die gleichen Ansprechpartner wieder finden. Bei den Services bin ich zuständig für die Strategie. Peter Leutenegger betreut übergreifende Managementaufgaben und die Finanzen. Leutenegger: Die Werbung wird sich noch drastischer verändern. Es geht immer mehr von der klassischen Werbung in andere Bereiche. Da braucht es eine gewisse Grösse und Ressourcen innerhalb einer Agentur, um mithalten zu können. Wenn wir das mit Lowe gemeinsam machen, haben wir mehr Chancen.WW: Der Name Leutenegger ist verschwunden. Wehmut?Leutenegger: Das war kein schwerer Entscheid. Mit dem eigenen Namen gilt man als eine sehr lokale Agentur, man «geht zum Leutenegger». Nimmt man private Namen raus, ist man nicht mehr von Personen abhängig, sondern wird zum Team. Das war für mich richtig.WW: Lowe hingegen bleibt. Wieso?Schmid: Ich bin immer noch sehr eng vernetzt mit Lowe. Wir haben einen sehr grossen Kunden, den wir nächstens bekannt geben können, bei dem eine enge Zusammenarbeit zwischen Lowe New York, London und Zürich stattfindet. Diese Vernetzung ist gegeben, und das ist auch weiter die Bedingung, dass ich den Namen behalten kann. Lowe hat den Turnaround geschafft, international – und ganz klar die Absicht, die Marke Lowe als kreative Topagentur in diesem IPG-Netz zu behalten.Leutenegger: Ich bin auch sehr glücklich, dass Keith Loell, der CD von Lowe, da mitmacht. Er und Lowe bringen eine internationale Komponente in unsere Schweizer Agentur.WW: Lowe zügelt nach Wallisellen. Gibt es dort genug Platz?Leutenegger: In der Mühle haben wir Platz für 100 Leute. Wir haben dort bereits die Initiative Media, die auch zur gleichen Gruppe gehört. Persönlich wäre ich gerne in die Stadt gekommen. Das wäre aber teurer geworden. WW: DRAFTFCB bringt zwei Alpha-Tiere als gleichberechtigte Partner. Geht das?Schmid: Es gibt den Satz «Leave the ego at the door». Es geht um die Sache. Wir beide sehen den Sinn dieser Allianz ein und wollen, dass es funktioniert. Wir haben anders gelagerte Interessen und Stärken, die wir zum Vorteil einbringen können. Leutenegger: Allianzen in IT oder Art Buying gibt es schon länger. Unsere Allianz geht jetzt noch weiter mit gemeinsamen Finanzen und einem gemeinsamen Standort. Wir wollen eine neue Generation von Agenturen sein. Ganz neu ist die Form der Allianz. Bei den Airlines geht es heute nicht mehr ohne. Das könnte ebenso wegweisend sein, wie Agenturen inskünftig zusammen arbeiten.WW: Wird es auch einen gemeinsamen CD geben?Leutenegger: Im Moment ist das so, bedingt durch den Abgang von Mike Krüll. Wir haben aber auch noch Patrick Lienert und werden jetzt sehen, wer genau was macht. Geplant ist eine partiell gemeinsame Kreation, und es wird separate Heads geben, welche die Agenturen vertreten.WW: Wieso ist Mike Krüll weg?Leutenegger: Die bisher lokal geprägte Agentur wird mehr unter den Einfluss des Netzwerks kommen. Mike wollte das nicht. Wir haben aber 15 fantastische Jahre zusammen gearbeitet und gehen nicht im Streit auseinander. Aber es gibt eben manchmal Entwicklungen.Interview: Andreas Panzeri

Grosses Kino in 60 Sekunden

Blumen Walker hat mit Oscar-Preisträger Anthony Minghella einen «kinoreifen» Spot für Fleurop gedreht.

Blumen Walker hat mit Oscar-Preisträger Anthony Minghella einen «kinoreifen» Spot für Fleurop gedreht.«The English Patient» von Anthony Minghella hat neun Oscars abgeräumt, darunter Best Picture und Best Director. Mit «Cold Mountain» waren es sieben Nominationen sowie ein Gewinn für Renée Zellweger als Beste Nebenrolle. Der englische Regisseur, der auch in «The Talented Mr. Ripley» mit Weltstars wie Matt Damon oder Gwyneth Paltrow zusammen gearbeitet hat, gibt sich aber selber überhaupt nicht als Star, wenn ihn eine kleine Werbeagentur aus der Schweiz mit einer kleinen Filmidee kontaktiert. «Wir haben Anthony Minghella einfach das Drehbuch geschickt. Die Idee hat ihm gefallen. Er hat zugesagt, ohne ein oscarverdächtiges Honorar zu verlangen», verrät Pius Walker.Ein Spot, der Tränen auslöstEntstanden ist jetzt ein Spot, der so viel Filmkunst in sich birgt, dass Cinecom erstmals erlaubt hat, dass dieser «Werbefilm» nicht im Vorprogramm im noch hellen Kinoraum gezeigt wird. Der neue Fleurop-Spot wird erst im Block der Trailers im abgedunkelten Zuschauerraum abgespielt.
Das ist nicht nur für den Film, sondern auch für die Zuschauer besser. Im neuen Spot für Fleurop könnte es nämlich durchaus ein paar Tränen geben. Erzählt wird in 60 Sekunden die anrührende Geschichte, wie eine ältere Frau am Hochzeitstag überraschenderweise einen Blumenstrauss von ihrem verstorbenen Mann bekommt.
Die sympathisch wirkende Hauptfigur wird auf einem romantischen Friedhof an ihre Vergangenheit erinnert. Während sie vor dem Grab ihres früheren Mannes in verträumte Gedanken versinkt, taucht überraschend ein Bote mit einem Blumenstrauss zwischen den alten Grabsteinen auf. Begleitet von einer sanften Musik von Gabriel Yared wird im Off ein beigelegtes Kärtchen vorgelesen. «Ich wusste, dass ich Dich heute hier wieder treffen würde …» Weil die Frau seit zwölf Jahren jedes Mal am Hochzeitstag  das Grab ihres Mannes aufsucht.
Zu dieser Botschaft aus einer «übersinnlichen» Welt schwebt die Kamera langsam gegen Himmel, vorbei an einem perfekt ins Bild drapierten Flügel eines Steinengels auf dem Friedhof. In der deutschen Version leiht Matthias Gnädinger dem Verstorbenen seine Stimme. In einer englischen Fassung wollte Anthony Minghella selber sprechen.
Berater Hans Beer und Pius Walker von der Agentur Walker meinen, dass ihr Film trotz des Themas Tod beim ausgehfreudigen Kinopublikum nicht falsch ankommen wird. Die ältere Dame wird auch bei einem jugendlichen Kinopublikum die richtigen Emotionen wecken. Schliesslich hat Schauspielerin Anna Massey schon bei Altmeister Hitchcock in «Frenzy» sowie in 120 weiteren grossen Filmen mitgewirkt.
Die Zürcher Agentur Walker hat mit ihren Fleurop-Filmen zum Muttertag sowie vorgängig mit den Spots für Powerflame bereits einen hohen Standard gesetzt und mehrere Preise gewonnen. Man darf also gespannt sein, was jetzt mit dem neusten Werk auf internationalem Niveau passiert.
Andreas Panzeri

Zu guter Letzt: Der Konsum ist die beste Werbung

Schon immer aber galt es, Mittel und Wege zu finden, um den Produkten einen Markt und interessierte Käufer zu finden. Werbung und Sponsoring sind da zwar gängige, aber nicht die einzigen Wege. Denn warum noch breitgestreut um Aufmerksamkeit buhlen, wenn man gleich den spezifischen Konsumenten haben kann?


Schon immer aber galt es, Mittel und Wege zu finden, um den Produkten einen Markt und interessierte Käufer zu finden. Werbung und Sponsoring sind da zwar gängige, aber nicht die einzigen Wege. Denn warum noch breitgestreut um Aufmerksamkeit buhlen, wenn man gleich den spezifischen Konsumenten haben kann? Der Detailhändler Denner, der nach eigenen Angaben die Nummer zwei im Schweizer Weinhandel ist, macht vor, wie das geht und feiert derzeit die Eröffnung einer Weinbar im Zürcher Seefeld. Weitere Weinbars in den grössten Schweizer Städten sind geplant, falls das Konzept Erfolg hat. Dieser scheint allerdings beinah schon programmiert, da mit reinen Tatsachen jegliche Werbeskepsis ausgeräumt wird. In die Regale eingeräumt wurden nämlich 200 verschiedene Weine, die es zu entdecken gilt. Ergänzend kann man auch Schaumweine, Softdrinks und passende Speisen und Häppchen erhalten. Ebenso wie die Weinflut soll die angenehme Atmosphäre ganz für sich sprechen. Und den Leute den Zugang zum Thema Wein erleichtern. Mit Zugang ist natürlich Erwerb mitgemeint. Nüchterne Fakten und die Wahrheit, die im Wein liegt, sind gute, hochprozentig wirksame Werbeformen, findet die Werbewoche.

PDF-Erstellung automatisieren

Workflow Mit dem pdfAutomator von Callas Software lassen sich Eingangs- und Ausgangs-Hotfolder für die automatisierte PDF-Verarbeitung erstellen.

Workflow Mit dem pdfAutomator von Callas Software lassen sich Eingangs- und Ausgangs-Hotfolder für die automatisierte PDF-Verarbeitung erstellen, mehrere Hotfolder parallel ansteuern und die darin enthaltenen PDF-Dokumente verarbeiten. Der pdfAutomator ermöglicht darüber hinaus, mehrere Automatisierungsroutinen gleichzeitig ablaufen zu lassen. Dabei ist es egal, ob nur ein CLI-Tool (Steuerung über Kommandozeilen) angesprochen wird oder alle drei.

Jürg Thomann verlässt Metzgerlehner und startet bei Isobar 

Im Januar 2007 startet Jürg Thomann als Head of Isobar Switzerland, der von Aegis Media neu gegründeten Unit für digitales Marketing. Es wird seine Aufgabe sein, die Schweizer Unit des globalen Netzwerkes aufzubauen.

Im Januar 2007 startet Jürg Thomann als Head of Isobar Switzerland, der von Aegis Media neu gegründeten Unit für digitales Marketing. Es wird seine Aufgabe sein, die Schweizer Unit des globalen Netzwerkes aufzubauen und zum Erfolg zu führen, heisst es in einen Mitteilung.Vor dem Wechsel war der 36-jährige Thomann bei der Full Service-Werbeagentur Metzgerlehner Worldwide in verschiedenen leitenden Funktionen tätig. Die Online-Werbung kennt Thomann zudem seit den frühen Anfängen: Er war unter anderem in den 90er Jahren für Microsoft tätig. Danach begründete und leitete er Fametrain Switzerland, die Unit für digitales Marketing von Metzgerlehner. Zum Netzwerk von Aegis Media zählen neben Isobar auch Carat und Vizeum.

Künstler als Markenmacher?

Kolumne Traditionell möchte Kunst den Kommerz ignorieren. Neuere Erfolgsgeschichten jedoch weisen zunehmend ins Gegenteil, schreibt Jürgen Häusler.

Kolumne Traditionell möchte Kunst den Kommerz ignorieren. Neuere Erfolgsgeschichten jedoch weisen zunehmend ins Gegenteil.Dank Hollywood wissen wir es jetzt: Der Teufel trägt Prada. Da Kleider bekanntlich Leute machen, werden wir den Teufel in Zukunft mit der Marke Prada verbinden. Und Jesus mit Birkenstock…?Nun lässt sich noch darüber streiten, ob wir es hier mit einer Verbindung von Marken und Kunst zu tun haben. Bereits ein kursorischer Durchgang durch die literarische Welt des letzten Jahrhunderts fördert die zunehmende Bedeutung von Marken zutage. Im Alltag der Buddenbrocks sind Marken noch abwesend. In den Werken von zeitgenössischen Autoren wie T. C. Boyle, Jonathan Franzen, Judith Hermann oder Ian McEwan spielen sie dagegen eine selbstverständliche Rolle in der Beschreibung von Situationen und für die Identifizierung von Personen.
Natürlich ist die grössere Präsenz von Marken im Umfeld von Kunst und Kultur zunächst schlicht ein Reflex ihres generellen Bedeutungsgewinns. Anfänglich markierten Marken Produkte, dann Unternehmen. In diesen Tagen möchte alles und jeder zur Marke werden: Der Ort, die Region, die karitative Einrichtung, schliesslich der Mensch. Der moderne Star will auch Marke sein. Den «Begriff Marke» benutzt Harald Schmidt, «weil er so nach Medienprofi klingt».
In den letzten Jahren hegen verstärkt auch kulturelle Angebote und Einrichtungen den Wunsch, zur Marke zu werden. Bemerkenswert und bedeutungsvoll ist die mit dieser Entwicklung einhergehende unterschwellige Veränderung des Verhältnisses von Marke und Kunst. Prinzipiell ist dieses Verhältnis bekanntlich voller Gegensätze. Wo die Marke klar, homogen, stabil, sympathisch und empathisch sein muss, kennzeichnet Kunst die Irritation, den Schock, das Unbehagen und das Unverständnis. Wo Marke eindeutige Botschaften mit klarer Absicht zu senden hat, gewinnt grosse Kunst ihr utopisches Potenzial durch ihren «Rätselcharakter» (Theodor W. Adorno).
Traditionell möchte Kunst das Kommerzielle am liebsten ignorieren, bestenfalls kritisch begleiten. Eher selten und meist zögerlich thematisiert die Kunst, dass sie eigentlich immer auch den Bedingungen des Kommerziellen genügen muss. Die Vermarktung von Kunst begleitet daher stets auch eine gehörige Portion Skepsis. Professionelle Markenbildung bildet unter Kulturschaffenden wohl immer noch eher die Ausnahme. Aber immerhin: Das Interesse ist neuerdings immens, und einschlägige Erfolgsgeschichten häufen sich. Michael Haefliger steht mit seinem Lucerne Festival für eine solche Erfolgsgeschichte.
Und in umgekehrter Richtung? Schon immer unterstützten Unternehmen Kunst. Als Mäzene mit hehren Absichten. Als Sponsoren mit schon sehr konkreter Absicht und klarem Interesse. Und ganz modern im Product Placement zur unverhohlenen Verkaufsförderung.
Als Höhepunkt der Annäherung der zwei Sphären scheint jetzt die Zeit gekommen, dass Marken unvermittelt zum Gegenstand von Kunst werden. Andy Warhol hat als Prophet dieser Vereinigung Marken geadelt. Wenn sich nächstes Jahr sein Todestag zum zwanzigsten Mal und übernächstes Jahr sein Geburtstag zum achtzigsten Mal jähren, wird diese Diskussion sicher erneut und intensiver aufflammen. Und vielleicht werden wir neue und spannende künstlerische Inszenierungen der Marke als bedeutende Institution in modernen Gesellschaften erleben.
Jürgen Häusler ist CEO der Interbrand, Zintzmeyer und Lux sowie Honorarprofessor an der Universität Leipzig.

Die Ware Mensch

Mensch AY&R thematisiert Unmenschlichkeit für den Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirchen der Schweiz «Brot für alle» (BFA/Fo).

Mensch AY&R thematisiert Unmenschlichkeit für den Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirchen der Schweiz «Brot für alle» (BFA/Fo). Plakate zeigen geschundene Puppen in Verpackungen. Mit Beschriftungen auf den Verpackungen wie «Arbeitet bis zum Umfallen», «Arbeitet ohne Lohn», «Jederzeit kündbar» oder «Wehrt sich nicht» spitzten die Texter das Thema zu. Die Headline verdeutlicht auf unmissverständliche Weise die Haltung des Bfa/Fo: «Menschen sind keine Ware.» Die Kampagne startete anfangs Oktober im Rahmen der Projektarbeit in den Kirchengemeinden mit Plakaten, Postkarten und Anzeigen in Wochentiteln und im Aktions-Magazin. Weitere Anzeigenschaltungen folgen während der Fastenzeit im März 2007.

Print & Cut hebt ab

Large-Format-Printing Christinger Partner baut den industriellen Flachbettdruck aus und standardisiert die Produktion.

Large-Format-Printing Christinger Partner baut den industriellen Flachbettdruck aus und standardisiert die Produktion.Erfolg ist ein bewährtes Wachstumsrezept. Nicht zuletzt ermöglicht erfolgreiches Wirtschaften, neue Investitionen zu tätigen, um vielleicht insgesamt nochmals erfolgreicher zu sein. Diesen Ansatz verfolgt man auch bei Christinger Partner (Christinger) in Schlieren – mit Erfolg. Über den Ausbau seiner Aktivitäten im digitalen Flachbettdruck und über neue Kapazitäten informierte das Unternehmen kürzlich am Firmensitz in Schlieren. Christinger war vor gut zwei Jahren in den digitalen Flachbettdruck eingestiegen und hat dies erfolgreich mit dem nachgelagerten Formenschneiden verbunden. «Print & Cut» nennt das Unternehmen seitdem dieses ergänzende Angebot.
Von der Wirkung dieses Konzepts verwöhnt, hat der Grossformatspezialist nun seine Kapazitäten verdreifacht. Möglich wurde dieser Sprung durch die Investition in ein leistungsfähiges, Virtu RS 25 genanntes Drucksystem des Schweizer Herstellers Spühl (siehe unten). Der Grossformatdrucker ersetzt den vor zwei Jahren bei Christinger installierten Drucker des Herstellers Zünd, der nun in einem anderen Unternehmen der Firmengruppe eingesetzt wird.
Erweiterte Möglichkeiten für neue MärkteDie neue Print-&-Cut-Lösung sieht das Unternehmen nicht nur als eine auf das reine Drucken und Formenschneiden beschränkte Anwendung. Mittels CAD-Unterstützung lassen sich auf dem Zünd-Cutter auch Einzelteile schneiden, die sich dann etwa zu dreidimensionalen Objekten zusammensetzen lassen. Der Phantasie sind hier offenbar keine Grenzen gesetzt. So fertigte das Unternehmen auf den Anlass hin ein Rednerpult und gab zum Basteln einen vor Ort gefertigten Flugzeugbausatz ab. Beides bedruckt mit dem neuen Flachbettdrucker, formengeschnitten und zum Zusammenbauen konzipiert.
«Um gegen Mitbewerber auch aus dem Ausland bestehen zu können, müssen wir schneller sein», erklärte Karlheinz Kaiser, Mitinhaber und CEO des Unternehmens, «sowie kreativer und flexibler.» Das neue Drucksystem sei zwar ein Flachbettdrucker, dennoch könnten sich damit auch Rollenmaterialien bedrucken lassen, womit es sich für unterschiedliche Einsatzgebiete eigne.
Als weitere Vorteile der Print-&-Cut-Lösung sieht Toni Fricker, ebenfalls Mitinhaber und Key Account Manager bei Christinger, die Flexibilität beim Direktdruck: «Wir können verschiedene Materialien bedrucken, müssen keine Folien aufziehen und können uns mit unserer Gesamtlösung zudem noch im Konturenschneiden profilieren.» Mit dem Drucksystem von Spühl kann gar weiss (vor-)gedruckt werden, was sich vor allem bei transparenten Materialien wie Glas oder Plexiglas als Vorteil erweist. Als weiteres Plus sieht Fricker das Bedrucken von Leichtbauplatten, womit sich das Print-&-Cut-Konzept für die unterschiedlichsten Anwendungen empfiehlt. Dank eines neuen Schneidmessers, das einen 45-Grad-Schnitt ermöglicht, können diese Materialien derart geschnitten werden, dass die Kanten der dreidimensionalen Objekte sauber abschliessen und das weisse Trägermaterial nicht sichtbar wird.
«Zunehmend werden seitens unserer Kunden ‘grüne Materialien’ verlangt, die sich nach der Verwendung einfach entsorgen lassen», war von Fricker zu erfahren. Als Beispiel führte er die Plakatkampagne des Telekommunikationsanbieters Orange an, die kürzlich gelaufen ist. An verschiedenen Standorten wurden dabei je zwei nebeneinander befindliche Plakatstellen mit im Print-&-Cut-Verfahren hergestellten und wetterfesten Elementen aufgewertet.
Neu mit ISO-ZertifikatAls erste Digitaldruckerei der Schweiz wurde Christinger Mitte Oktober diesen Jahres nach ISO 12647-2 zertifiziert. Dieser Standard berücksichtigt, dass die Datenaufbereitung für Druckaufträge speziellen Anforderungen unterliegt. Beschrieben sind diese Anforderungen im «ProzessStandard Offsetdruck» bzw. «MedienStandard Druck» bezeichneten Regelwerk. Die Zertifizierung bei Christinger wurde von der Ugra betreut und durchgeführt, die sich als «Schweizer Kompetenzzentrum für Medien und Drucktechnologie» versteht. Erwin Widmer, der die Ugra seit ihrer Selbständigkeit Anfang 2005 leitet, und sein Team führten dazu die notwendigen Audits mit Mitarbeitenden des Verkaufs, des Innendienstes sowie mit Vorstufenmitarbeitern durch, die für den Erhalt des Zertifikats alle bestanden werden mussten.
Nach dem Vorstufenbetrieb Burki & Scherer, den Druckereien Unigena und Egger ist Christinger Partner das vierte Unternehmen und gleichzeitig die erste Digitaldruckerei der Schweiz, die nach ISO-12647-2 zertifiziert ist. Auftraggeber wüssten heute oft nicht, mit welcher (Druck-)Qualität sie ab ihren gelieferten Daten zu rechnen hätten. Normen wie ISO-12647-2 schafften hier Klarheit, war bei Christinger zu erfahren.
Bereits seit Anfang Jahr zertifiziert ist das Unternehmen zudem, was die PDF/X-Datenübernahme angeht. Das Label PDFX-ready signalisiert dem Kunden eine nach den PDF/X-3-Regeln angewandte Verarbeitung von PDF-Dokumenten. Prüfinstanz und Aussteller der PDFX-ready-Zertifikate ist ebenfalls die Ugra.
Fehlt noch das zertifizierte Layouten: Für diesen kreativen Teil, so war von Erwin Widmer zu erfahren, gebe es bislang noch keine Normen oder Standards…   
Christinger Partner AG Am Firmensitz in Schlieren beschäftigt das im Bereich Beschriftungen und Werbetechnik tätige Unternehmen 70 Mitarbeitende. Das von Toni Fricker und Karlheinz Kaiser im Zuge eines Management-Buyouts von Emil Christinger übernommene Unternehmen erwirtschaftet mit 11 Digitaldrucksystemen rund 17 Millionen Franken Umsatz. Spühl AGFedern für Matratzen und Polstermöbel
sind das Haupttägigkeitsgebiet des in Wittenbach SG domizilierten Unternehmens Spühl, das damit zum Weltmarktführer geworden ist. Inzwischen gehört das zirka 250 Mitarbeitende beschäftigende Unternehmen zum US-Konzern Leggett&Platt. Doch da schlägt noch ein weiteres Herz: Das KMU ist besonders innovativ, was die Fertigung von Maschinen angeht, und gibt ihr Know-how weiter. Um Matratzenmaterialien zu bedrucken, hat man sich nach Drucksystemen umgeschaut und kurzerhand eines selbst entwickelt. Nachdem sich dieser Markt damit aber nicht bearbeiten liess, fokussiert Spühl nun auf andere Industrien und bietet seine digitalen Flachbettdrucksysteme an. Heute vertreibt Spühl die Flachbettdrucker Virtu RS25 und Virtu RS35, die sich in der Druckbreite unterscheiden: 2,5 m bei der Virtu RS25 und 3,5 m bei der RS35. 
www.spuehl.ch
ISO 12647-2Die von der ISO festgelegte Norm
ISO 12647-2 berücksichtigt, dass die Datenaufbereitung für Druckaufträge speziellen Anforderungen unterliegt, und beschreibt diese im auch ProzessStandard-Offsetdruck bzw. MedienStandard-Druck bezeichneten Standard. Als Ziel verfolgt der ProzessStandard-Offsetdruck die industrielle und standardisierte Produktion von Drucksachen. ISO 12647-2 ist ein internationaler Standard, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Notwendig sind zum einen die Verwendung von Kontrollmitteln (Keilen) vom Proof bis zum Druck und der damit verbundene notwendige Einsatz entsprechender Messgeräte (Spektralfotometer). Die Anwendung von Colormanagement samt Einsatz von Standardprofilen sowie die Kalibrierung der Belichter gehören genauso dazu wie die Berücksichtigung von Punktzunahmen der Druckmaschinen. 
Jürgen Franck

NOSE wird neue Marken- und Designagentur der SWISS

Im Zuge der Neupositionierung von SWISS als Schweizer Airline bei der die Gäste sich Zuhause fühlen hat sich die Fluggesellschaft die Agentur NOSE als Partnerin in Sachen Corporate Design und Corporate Identity gesichert.

Im Zuge der Neupositionierung von SWISS als Schweizer Airline, bei der die Gäste sich zuhause fühlen, hat sich die Fluggesellschaft die Agentur NOSE als Partnerin in Sachen Corporate Design und Corporate Identity gesichert. NOSE hatte nach der Konkurrenzpräsentation mit vier grossen Design- und Markenagenturen die Nase vorn. SWISS legte bei der Wahl besonderes Augenmerk auf die umfassende lokale Betreuung durch einen in der Schweizer Designtradition verwurzelten Partner mit internationaler Erfahrung. Mit der Neupositionierung findet bei der Swiss nun aktuell eine Rückbesinnung auf die Wurzeln als Schweizer Airline statt. «Die angestrebte Neupositionierung der SWISS als Schweizer Airline, bei der sie Gäste sich wie zuhause fühlen, ist bereits in der neuen Werbekampagne von Jung von Matt zu sehen», sagt Günter Bader, Leiter Beratung bei NOSE, gegenüber der Werbewoche. «Wir standen für die gesamte neue Kampagne bereits beratend in Sachen Corporate Identity zur Seite». Das Resultat zeigt: Es geht nicht um eine Neuentwicklung der Corporate Identity (zum Werbespot von Jung von Matt siehe
Swissness verleiht Flügel
). Im Gegenteil. Bestehendes soll beibehalten, aber neu interpretiert werden. Bei den Aufgaben für NOSE geht es nun darum, alle Medien neu durchzugestalten. Das Spektrum ist breit, nahezu alle Units von NOSE sind in das vielfältige Projekt involviert.  
«Es geht um die gesamte Erlebniskette der SWISS-Kunden», führt Bader weiter aus. «Angefangen beim Ticketschalter über den Check-in bis zum Kofferanhänger oder die neue SWISS-Lounge in Genf soll die Neupositionierung sichtbar und erlebbar werden». Erste Resultate werden Above the Line und auf den Flughäfen ab Anfang 2007 zu sehen sein.Kathrin Fischer

Die bz zieht gen Basel

Grossauflagen Neue Kampfrunde im Baselbiet: Die Basellandschaftliche Zeitung stösst nun auch in BaZ-Lande vor – mit günstigerem Abo.

Grossauflagen Neue Kampfrunde im Baselbiet: Die Basellandschaftliche Zeitung stösst nun auch in BaZ-Lande vor – mit günstigerem Abo.An der Hülftenschanz bei Frenkendorf BL bereiteten 1833 Truppen der Basler Landgemeinden dem Aufgebot der Stadt Basel eine bittere Niederlage und besiegelten so die Teilung der Region in zwei Halbkantone. Nicht zufällig bildete dieser historische Ort auch eine Art Demarkationslinie zwischen Basler Zeitung (BaZ) und Basellandschaftlicher Zeitung (bz): Westlich von der Schanz beginnt der Bezirk Arlesheim, wo die BaZ mit 38 Prozent ihre grösste Streudichte hat. Auf der andern Seite liegen jene Bezirke, die die bz mit ihrer Mittwoch-Grossauflage vollständig abdeckt.Als die BaZ im September 2006 fürs bz-Gebiet eine eigene Freitag-Grossauflage (90’000 Exemplare) lancierte und damit die symbolbeladene Grenze überschritt, musste sie mit einer Reaktion der bz rechnen. Diese erfolgt nun am 6. Dezember: Die bz stösst mit ihrer Grossauflage in den Bezirk Arlesheim, also in BaZ-Stammlande vor, dort vorerst aber nur in die Gemeinden Reinach, Arlesheim und Aesch (etwa 30 Prozent aller Haushalte im Bezirk). «Die stadtnahe Agglo haben wir bisher verschont, nun aber haben wir keine Hemmungen mehr», sagt bz-Verleger Mathis Lüdin.
Damit die bz die drei bevölkerungsstarken Gemeinden abdecken kann, ist aber ein Kraftakt nötig. Zum einen muss das Liestaler Blatt seine Grossauflage um 9’000 auf ebenfalls 90’000 Exemplare aufstocken, was aber nicht reicht. Weil die eigene Druckerei nicht mehr hergibt, ist die bz gezwungen, ihre Grossauflage im solothurnischen Schwarzbubenland aufzugeben und die frei werdenden Exemplare ebenfalls im BaZ-Stammgebiet zu verteilen. Trotz der 10 Prozent höheren Grossauflage werde der bisherige Inseratetarif beibehalten, betont Lüdin.
Lüdin hat noch mehr Pfeile im Köcher: Da die BaZ den gemeinsamen Stellenmarkt per Ende November gekündigt hatte, liegt der bz ab nächster Woche die Stellenbeilage des Verbundes MittellandZeitung (MZ) bei, mit dem Titel Stellenmarkt Nordwestschweiz. Überdies ist die bz Teil des von der MZ neu lancierten Print- und Online-Rubrikenmarktes «a-z».
Überhaupt wirkt Lüdin recht zuversichtlich. Wohl auch, weil seit dem bz-Anschluss an die MZ nur etwa 10 statt der erwarteten 200 Abokündigungen eingegangen sind. Zudem habe die bz 120 Neuabonnenten und 500 Schnupperabos gewonnen, sagt Lüdin. Doch er weiss: Die Stunde der Wahrheit beginnt erst jetzt, in der allgemeinen Abo-Erneuerungsphase. Auch dafür hat er einen Trumpf: Trotz MZ-Mantel kostet das bz-Abo weiterhin 318 Franken, 30 Franken weniger als jenes der BaZ. Kommt dazu, dass letztere nach der Demission von Ivo Bachmann mit der Suche nach einem neuen Chefredaktor absorbiert ist.
Markus Knöpfli

Der Zahnstein der Weisen

Pharma Das Bundesgericht bestätigt die bisherige Rechtsprechung im Denner-Colgate/ Dentagard-Entscheid.

Pharma Das Bundesgericht bestätigt die bisherige Rechtsprechung im Denner-Colgate/Dentagard-Entscheid.Der Discounter Denner verkauft in der Schweiz die Zahnpaste Colgate Dentagard mit Naturkräutern. Da Denner die Zahnpaste nicht über die Niederlassung von Colgate in der Schweiz bezieht, sondern als Parallelimport direkt aus Deutschland, trägt die Tube nicht die für die Schweiz angepasste Beschriftung, sondern die Version für Deutschland. Auf der Tube findet sich insbesondere der Hinweis «zahnmedizinisch vorbeugend», ergänzt durch das Symbol der Heilkunde, die Äsculap-Natter. Sieg gegen kantonales Labor ZürichDas kantonale Labor Zürich wollte Denner den Verkauf der Zahnpaste mit dem genannten Hinweis und der erwähnten Abbildung verbieten. Eine entsprechende Verfügung sowie ein gleichlautendes Urteil der Gesundheitsdirektion und des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich zog Denner bis vor Bundesgericht, mit Erfolg.
«Cassis-de-Dijon-Prinzip» nicht bestätigtMit seinem Gang vors höchste Gericht der Schweiz wollte Denner eigentlich das innerhalb der EU geltende so genannte «Cassis-de-Dijon-Prinzip» auch im Verhältnis Schweiz-EU durchsetzen. Das Prinzip besagt unter anderem, dass Produkte, die gemäss den Vorschriften des Herkunftslandes deklariert werden, ohne weiteres im Zielland zugelassen werden. Die Umdeklaration von Produkten für den Schweizer Markt stellt eines der grössten Handelshemmnisse dar und führt zu einer Verteuerung von importierten Waren.
Das Bundesgericht hat nun aber im konkreten Fall Denner-Colgate/Dentagard festgestellt, dass die Beschriftung der Zahnpaste auch den Vorschriften des schweizerischen Rechts entspricht, und darum die Anwendung des «Cassis-de-Dijon-Prinzips» zwischen der Schweiz und der EU nicht beurteilt und damit auch nicht bestätigt.
Werbung mit «Heilwirkung»Gemäss Art. 31 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV, SR 817.02,
) sind im Zusammenhang mit Gebrauchsgegenständen (u. a. Kosmetika) Hinweise irgendwelcher Art auf eine krankheitsheilende, -lindernde oder -verhütende Wirkung (z. B. medizinische oder therapeutische Eigenschaften, desinfizierende oder entzündungshemmende Wirkungen, ärztliche Empfehlungen) verboten. Jedoch sind bei Zahn- und Mundpflegemitteln Hinweise auf «kariesverhütende Eigenschaften» erlaubt.Was ist erlaubt, was verboten?Das Bundesgericht hat sich zur Werbung mit «Heilwirkungen» von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen (u. a. Kosmetika) wiederholt geäussert und diese Aussagen im Entscheid Denner-Colgate/Dentagard nun bestätigt. Aus dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung geht hervor, dass der Gebrauch von Hinweisen verboten ist, die sich auf eine vorbeugende oder heilende Wirkung bezüglich einer menschlichen Krankheit beziehen. Dabei wird der Begriff der Krankheit bei Anpreisungen und im Zusammenhang mit Werbebotschaften nicht allzu einschränkend ausgelegt. Unter Krankheit sind gesundheitliche Störungen zu verstehen, die über einen Zustand bloss eingeschränkten Wohlbefindens hinausgehen. Durch die erwähnten Vorschriften wird gesundheitsbezogene Werbung, soweit sie auf vertretbaren Tatsachen beruhen und zu keiner Täuschung des Publikums Anlass gibt, hingegen nicht untersagt.
Somit darf in der Werbung z. B. darauf hingewiesen werden, dass ein regelmässiger Milchkonsum gut für die Gesundheit sei, weil dem Körper dadurch natürlicherweise Kalzium zugeführt werde, was für den Knochenbau vorteilhaft erscheine. Dagegen ist der Hinweis unzulässig, dass das Kalzium in der Milch «mithelfe, der Knochenbrüchigkeit im Alter vorzubeugen, der so genannten Osteoporose».
Als mit der LGV nicht vereinbar und damit unzulässig hat das Bundesgericht insbesondere folgende Werbeaussagen beurteilt: «Erzfeind des Erkältungsvirus», «Schlank-Crème», «Gewebestraff-Balsam», «Cellulite-Systembehandlung», «regt die Mikrozirkulation an», «unterstützt den Fettabbau sowie die Entwässerung und Straffung des Bindegewebes», «Clinique Water Therapy» bezüglich der Verwendung des Begriffs «Therapy», «bei juckender, zu Allergien neigender Haut», «zur Pflege bei Neurodermitis, Psoriasis, Diabetes, Schuppenflechte». Grenzfälle sind die Hinweise «wohltuend bei Erkältungsgefahr» und «wohltuend bei Muskelkater».
Entscheid im Fall Denner-Colgate/DentagardDas Bundesgericht erachtet im Fall Denner-Colgate/Dentagard den Hinweis «zahnmedizinisch vorbeugend» als mit der in Art. 31 LGV erwähnten Ausnahme für Zahn- und Mundpflegemittel vereinbar. Gemäss dieser Bestimmung sind Hinweise auf «kariesverhütende Eigenschaften» erlaubt. Der Hinweis «zahnmedizinisch vorbeugend» gehe zwar etwas weiter. Es bestehe jedoch ein grosses öffentliches Interesse für Zahnprophylaxe. Zudem sei es eine grosszügige Anwendung im Sinne der vor kurzem erfolgten Revision der LGV, die sich im Übrigen an die entsprechenden EU-Bestimmungen anlehne.
Schliesslich sieht das Bundesgericht im Fall Denner-Colgate/ Dentagard die Konsumenten auch durch die Abbildung der Äsculap-Natter nicht getäuscht. Die Abbildung habe einen Bezug zur Heilkunde, wie sie im vorliegenden Fall nicht beanstandet werde. Zudem sei der Abbildung mit Blick auf ihre Platzierung neben den übrigen Hinweisen und ihre Ausmasse keine eigenständige weitere (unerlaubte) Bedeutung zuzumessen.
Ueli Grüter
Ueli Grüter, LL.M., ist Rechtsanwalt in Zürich und Luzern (
und Dozent für Kommunikationsrecht an der Fachhochschule Zentralschweiz ().Bundesgerichtsentscheid 2A.213/2006 vom 19.10.2006, zu finden unter
, Rubrik «weitere Urteile ab 2000»)
Weitere Informationen zum Thema unter
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