Large-Format-Printing Christinger Partner baut den industriellen Flachbettdruck aus und standardisiert die Produktion.Erfolg ist ein bewährtes Wachstumsrezept. Nicht zuletzt ermöglicht erfolgreiches Wirtschaften, neue Investitionen zu tätigen, um vielleicht insgesamt nochmals erfolgreicher zu sein. Diesen Ansatz verfolgt man auch bei Christinger Partner (Christinger) in Schlieren – mit Erfolg. Über den Ausbau seiner Aktivitäten im digitalen Flachbettdruck und über neue Kapazitäten informierte das Unternehmen kürzlich am Firmensitz in Schlieren. Christinger war vor gut zwei Jahren in den digitalen Flachbettdruck eingestiegen und hat dies erfolgreich mit dem nachgelagerten Formenschneiden verbunden. «Print & Cut» nennt das Unternehmen seitdem dieses ergänzende Angebot.
Von der Wirkung dieses Konzepts verwöhnt, hat der Grossformatspezialist nun seine Kapazitäten verdreifacht. Möglich wurde dieser Sprung durch die Investition in ein leistungsfähiges, Virtu RS 25 genanntes Drucksystem des Schweizer Herstellers Spühl (siehe unten). Der Grossformatdrucker ersetzt den vor zwei Jahren bei Christinger installierten Drucker des Herstellers Zünd, der nun in einem anderen Unternehmen der Firmengruppe eingesetzt wird.
Erweiterte Möglichkeiten für neue MärkteDie neue Print-&-Cut-Lösung sieht das Unternehmen nicht nur als eine auf das reine Drucken und Formenschneiden beschränkte Anwendung. Mittels CAD-Unterstützung lassen sich auf dem Zünd-Cutter auch Einzelteile schneiden, die sich dann etwa zu dreidimensionalen Objekten zusammensetzen lassen. Der Phantasie sind hier offenbar keine Grenzen gesetzt. So fertigte das Unternehmen auf den Anlass hin ein Rednerpult und gab zum Basteln einen vor Ort gefertigten Flugzeugbausatz ab. Beides bedruckt mit dem neuen Flachbettdrucker, formengeschnitten und zum Zusammenbauen konzipiert.
«Um gegen Mitbewerber auch aus dem Ausland bestehen zu können, müssen wir schneller sein», erklärte Karlheinz Kaiser, Mitinhaber und CEO des Unternehmens, «sowie kreativer und flexibler.» Das neue Drucksystem sei zwar ein Flachbettdrucker, dennoch könnten sich damit auch Rollenmaterialien bedrucken lassen, womit es sich für unterschiedliche Einsatzgebiete eigne.
Als weitere Vorteile der Print-&-Cut-Lösung sieht Toni Fricker, ebenfalls Mitinhaber und Key Account Manager bei Christinger, die Flexibilität beim Direktdruck: «Wir können verschiedene Materialien bedrucken, müssen keine Folien aufziehen und können uns mit unserer Gesamtlösung zudem noch im Konturenschneiden profilieren.» Mit dem Drucksystem von Spühl kann gar weiss (vor-)gedruckt werden, was sich vor allem bei transparenten Materialien wie Glas oder Plexiglas als Vorteil erweist. Als weiteres Plus sieht Fricker das Bedrucken von Leichtbauplatten, womit sich das Print-&-Cut-Konzept für die unterschiedlichsten Anwendungen empfiehlt. Dank eines neuen Schneidmessers, das einen 45-Grad-Schnitt ermöglicht, können diese Materialien derart geschnitten werden, dass die Kanten der dreidimensionalen Objekte sauber abschliessen und das weisse Trägermaterial nicht sichtbar wird.
«Zunehmend werden seitens unserer Kunden ‘grüne Materialien’ verlangt, die sich nach der Verwendung einfach entsorgen lassen», war von Fricker zu erfahren. Als Beispiel führte er die Plakatkampagne des Telekommunikationsanbieters Orange an, die kürzlich gelaufen ist. An verschiedenen Standorten wurden dabei je zwei nebeneinander befindliche Plakatstellen mit im Print-&-Cut-Verfahren hergestellten und wetterfesten Elementen aufgewertet.
Neu mit ISO-ZertifikatAls erste Digitaldruckerei der Schweiz wurde Christinger Mitte Oktober diesen Jahres nach ISO 12647-2 zertifiziert. Dieser Standard berücksichtigt, dass die Datenaufbereitung für Druckaufträge speziellen Anforderungen unterliegt. Beschrieben sind diese Anforderungen im «ProzessStandard Offsetdruck» bzw. «MedienStandard Druck» bezeichneten Regelwerk. Die Zertifizierung bei Christinger wurde von der Ugra betreut und durchgeführt, die sich als «Schweizer Kompetenzzentrum für Medien und Drucktechnologie» versteht. Erwin Widmer, der die Ugra seit ihrer Selbständigkeit Anfang 2005 leitet, und sein Team führten dazu die notwendigen Audits mit Mitarbeitenden des Verkaufs, des Innendienstes sowie mit Vorstufenmitarbeitern durch, die für den Erhalt des Zertifikats alle bestanden werden mussten.
Nach dem Vorstufenbetrieb Burki & Scherer, den Druckereien Unigena und Egger ist Christinger Partner das vierte Unternehmen und gleichzeitig die erste Digitaldruckerei der Schweiz, die nach ISO-12647-2 zertifiziert ist. Auftraggeber wüssten heute oft nicht, mit welcher (Druck-)Qualität sie ab ihren gelieferten Daten zu rechnen hätten. Normen wie ISO-12647-2 schafften hier Klarheit, war bei Christinger zu erfahren.
Bereits seit Anfang Jahr zertifiziert ist das Unternehmen zudem, was die PDF/X-Datenübernahme angeht. Das Label PDFX-ready signalisiert dem Kunden eine nach den PDF/X-3-Regeln angewandte Verarbeitung von PDF-Dokumenten. Prüfinstanz und Aussteller der PDFX-ready-Zertifikate ist ebenfalls die Ugra.
Fehlt noch das zertifizierte Layouten: Für diesen kreativen Teil, so war von Erwin Widmer zu erfahren, gebe es bislang noch keine Normen oder Standards…
Christinger Partner AG Am Firmensitz in Schlieren beschäftigt das im Bereich Beschriftungen und Werbetechnik tätige Unternehmen 70 Mitarbeitende. Das von Toni Fricker und Karlheinz Kaiser im Zuge eines Management-Buyouts von Emil Christinger übernommene Unternehmen erwirtschaftet mit 11 Digitaldrucksystemen rund 17 Millionen Franken Umsatz. Spühl AGFedern für Matratzen und Polstermöbel
sind das Haupttägigkeitsgebiet des in Wittenbach SG domizilierten Unternehmens Spühl, das damit zum Weltmarktführer geworden ist. Inzwischen gehört das zirka 250 Mitarbeitende beschäftigende Unternehmen zum US-Konzern Leggett&Platt. Doch da schlägt noch ein weiteres Herz: Das KMU ist besonders innovativ, was die Fertigung von Maschinen angeht, und gibt ihr Know-how weiter. Um Matratzenmaterialien zu bedrucken, hat man sich nach Drucksystemen umgeschaut und kurzerhand eines selbst entwickelt. Nachdem sich dieser Markt damit aber nicht bearbeiten liess, fokussiert Spühl nun auf andere Industrien und bietet seine digitalen Flachbettdrucksysteme an. Heute vertreibt Spühl die Flachbettdrucker Virtu RS25 und Virtu RS35, die sich in der Druckbreite unterscheiden: 2,5 m bei der Virtu RS25 und 3,5 m bei der RS35.
www.spuehl.ch
ISO 12647-2Die von der ISO festgelegte Norm
ISO 12647-2 berücksichtigt, dass die Datenaufbereitung für Druckaufträge speziellen Anforderungen unterliegt, und beschreibt diese im auch ProzessStandard-Offsetdruck bzw. MedienStandard-Druck bezeichneten Standard. Als Ziel verfolgt der ProzessStandard-Offsetdruck die industrielle und standardisierte Produktion von Drucksachen. ISO 12647-2 ist ein internationaler Standard, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Notwendig sind zum einen die Verwendung von Kontrollmitteln (Keilen) vom Proof bis zum Druck und der damit verbundene notwendige Einsatz entsprechender Messgeräte (Spektralfotometer). Die Anwendung von Colormanagement samt Einsatz von Standardprofilen sowie die Kalibrierung der Belichter gehören genauso dazu wie die Berücksichtigung von Punktzunahmen der Druckmaschinen.
Jürgen Franck