Goldpot in Sicht
US-Presse Die amerikanische Zeitungsindustrie, von sinkenden Auflagen und Umsätzen geplagt, hofft auf Rettung. Kommen soll sie von privaten Investoren und Suchmaschinen.
US-Presse Die amerikanische Zeitungsindustrie, von sinkenden Auflagen und Umsätzen geplagt, hofft auf Rettung. Kommen soll sie von privaten Investoren und Suchmaschinen.Letzte Woche kündigten sieben grosse regionale Zeitungsketten eine Kooperation mit Yahoo an, um mit Hilfe der Suchmaschine ihre Anzeigen wie auch ihren Content besser zu verbreiten. Der Deal zielt auf eine verbesserte Nutzung regionaler Märkte ab: Yahoo wird dadurch zu einem Provider lokaler Contents, und die Zeitungen vergrössern ihren Stamm potenzieller Online-Werbekunden. «Das ist der Goldpot am Ende des Regenbogens», glaubt Colby Atwood, Präsident des Beratungsunternehmens Borrell Associates. «Diese Zeitungen müssen jene Werbekunden verfolgen, die nicht ohnehin schon in der Zeitung auftauchen, um ihr Onlinebusiness zu vergrössern.» Insgesamt 176 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von über 12 Millionen Exemplaren sind Partner in diesem Deal. Auch Google hatte kurz davor eine ähnliche Kooperation mit diversen Zeitungen abgeschlossen.
Doch Zeitungen werden darüber hinaus noch von anderen Interessenten umworben: So sind sowohl die Los Angeles Times und ihr Besitzer, die Tribune Company, wie auch der Boston Globe derzeit Objekt der Begierde privater Finanzinvestoren. Ein Dinosaurier der Verlagsbranche fand auf diese Weise bereits einen Käufer: Kürzlich wurde der Reader´s Digest von der privaten Holding Ripplewood aufgekauft.
Und ein zweites Medium früherer Tage, das Radio, hat jüngst mit der Übernahme von Clear Channel Communications durch die Investorengruppen Bain Partners und Thomas Lee neue Attraktivität erhalten. «Obwohl wir alle über dieses Business reden, als ob es am Aussterben wäre, kann man damit immer noch schrecklich viel Geld verdienen», sagt Andrew Ross Sorkin, Business-Reporter bei der New York Times.
Tatsächlich generieren viele US-Zeitungskonzerne noch immer Profitmargen von 15 bis 20 Prozent, ein Volumen, von dem andere Industrien nur träumen können. Doch der amerikanische Aktienmarkt ist in erster Linie an Wachstum interessiert, und hier kann die Branche nichts vorweisen. «Es ist gut für die Zeitungsunternehmen, wenn der Druck wegfällt, jedes Vierteljahr Zuwächse ausweisen zu müssen», meint Brian Steffens, Direktor der National Newspaper Association. «Die Industrie braucht ein wenig Zeit, um sich neu zu strukturieren.»
Millionäre buhlen um LA TimesDas Interesse der Finanzinvestoren an den Medien begann dieses Jahr in der Fernsehbranche, als Saban Capital und eine Reihe anderer Investoren den Sender Univision übernahmen. Die heftigste Diskussion jedoch provozierte ein möglicher Verkauf der Los Angeles Times. Gleich drei prominente Milliardäre, darunter auch der Hollywood-Mogul David Geffen, haben Interesse an der viertgrössten US-Tageszeitung bekundet. Gleichzeitig liebäugelt der frühere Chef von General Electric, Jack Welch, mit einer Akquisition des Boston Globe, der zur New York Times Company gehört.
Wie diese angestrebten Ehen ablaufen könnten, ist freilich völlig offen. Thomas Kunkel, Verleger der American Journalism Review, hat Zweifel an den Motiven der reichen Philantropen. «Natürlich können wir nicht wissen, wie Welch oder Geffen eine Zeitung führen würden. Aber die Geschichte lehrt, dass es Konflikte mit der unabhängigen Berichterstattung etwa über deren einflussreiche Freunde geben wird», sagt er. «Solche Führungsfiguren stehen nicht gern passiv an den Aussenlinien.»
Gerti Schön
Doch Zeitungen werden darüber hinaus noch von anderen Interessenten umworben: So sind sowohl die Los Angeles Times und ihr Besitzer, die Tribune Company, wie auch der Boston Globe derzeit Objekt der Begierde privater Finanzinvestoren. Ein Dinosaurier der Verlagsbranche fand auf diese Weise bereits einen Käufer: Kürzlich wurde der Reader´s Digest von der privaten Holding Ripplewood aufgekauft.
Und ein zweites Medium früherer Tage, das Radio, hat jüngst mit der Übernahme von Clear Channel Communications durch die Investorengruppen Bain Partners und Thomas Lee neue Attraktivität erhalten. «Obwohl wir alle über dieses Business reden, als ob es am Aussterben wäre, kann man damit immer noch schrecklich viel Geld verdienen», sagt Andrew Ross Sorkin, Business-Reporter bei der New York Times.
Tatsächlich generieren viele US-Zeitungskonzerne noch immer Profitmargen von 15 bis 20 Prozent, ein Volumen, von dem andere Industrien nur träumen können. Doch der amerikanische Aktienmarkt ist in erster Linie an Wachstum interessiert, und hier kann die Branche nichts vorweisen. «Es ist gut für die Zeitungsunternehmen, wenn der Druck wegfällt, jedes Vierteljahr Zuwächse ausweisen zu müssen», meint Brian Steffens, Direktor der National Newspaper Association. «Die Industrie braucht ein wenig Zeit, um sich neu zu strukturieren.»
Millionäre buhlen um LA TimesDas Interesse der Finanzinvestoren an den Medien begann dieses Jahr in der Fernsehbranche, als Saban Capital und eine Reihe anderer Investoren den Sender Univision übernahmen. Die heftigste Diskussion jedoch provozierte ein möglicher Verkauf der Los Angeles Times. Gleich drei prominente Milliardäre, darunter auch der Hollywood-Mogul David Geffen, haben Interesse an der viertgrössten US-Tageszeitung bekundet. Gleichzeitig liebäugelt der frühere Chef von General Electric, Jack Welch, mit einer Akquisition des Boston Globe, der zur New York Times Company gehört.
Wie diese angestrebten Ehen ablaufen könnten, ist freilich völlig offen. Thomas Kunkel, Verleger der American Journalism Review, hat Zweifel an den Motiven der reichen Philantropen. «Natürlich können wir nicht wissen, wie Welch oder Geffen eine Zeitung führen würden. Aber die Geschichte lehrt, dass es Konflikte mit der unabhängigen Berichterstattung etwa über deren einflussreiche Freunde geben wird», sagt er. «Solche Führungsfiguren stehen nicht gern passiv an den Aussenlinien.»
Gerti Schön
