Sponsoring Welches sind die Werbetrends für die Euro 08? Ein Blick hinter die Kulissen des Big Business rund um das grüne Spielfeld.«Das sind keine Fussballturniere mehr, das sind Events!» Christian Mutschler, der Turnierdirektor Schweiz der Euro 08, spricht aus, was spätestens seit der WM 2006 jedem klar geworden sein dürfte. Es geht um mehr als nur um Penalties, Offsides und rote Karten – es geht um viel Geld. Fussballerisch mag die Fussball-WM in Deutschland eher mässig gewesen sein. Emotional, kommunikativ und finanziell aber war sie ein Volltreffer. In zwei Jahren sind wir an der Reihe.Doch welche Massnahmen müssen getroffen werden, um dieselbe Fussballbegeisterung und die damit verbundene positive Konsumentenstimmung auch an der Euro 08 generieren zu können? Welche Marken waren an der WM mit welchen Strategien erfolgreich, und welche Trends lassen sich daraus im Hinblick auf die Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und in Österreich ableiten? Im Rahmen einer Veranstaltung der International Advertising Association (IAA) haben internationale Fachleute aus Fussball und Marketing Stellung zu diesen Fragen bezogen.
WM mit RekordeinnahmenDie Einnahmen der WM 2006 in Deutschland erreichten mit geschätzten 1,8 Milliarden Euro einen absoluten Rekord. Die Organisatorin Fifa verdiente allein 750 Millionen Euro mit dem Verkauf der Werberechte an die offiziellen WM-Sponsoren. Doch nicht jeder Werbetreibende erhielt die Aufmerksamkeit, die er sich so teuer zu erkaufen hoffte: Im hart umkämpften Werbeumfeld der WM wurden 80 Prozent der Werber gar nicht wahrgenommen. «Die haben schlicht und einfach ihr Geld verbrannt», so der Sportwissenschafter und Ökonom Boris Hedde von der Kölner Agentur Sport + Markt.
Einer der ganz grossen Abräumer, neben McDonald’s, Adidas und der Deutschen Telekom, ist die Marke Coca Cola. Ihr Erfolg sieht Boris Hedde nicht nur in der konsequenten Zielgruppenorientiertheit der Kampagne, sondern auch im gekonnten Aufbau einer Geschichte, die das Getränk untrennbar mit dem Event verbinden und zusammen mit dem Claim «It’s your Heimspiel» die nötige Nachhaltigkeit bei der Fangemeinde erzeugen konnte. Ganz allgemein bezweifelt Hedde, dass es ohne Sponsoring möglich ist, den Durchbruch zu schaffen. Als erfolgsversprechend sieht er auch die Werbepakete an, die die Organisatoren jeweils für ihre Kunden schnüren.
Dass es keinen Königsweg in Sachen Werbung gibt, zeigte die Kampagne «Joga Bonito» der Marke Nike. Mit ihrer Guerilla-Aufmachung und den angesagtesten Weltfussball-Stars als Protagonisten konnte Nike als nicht offizieller Sponsor eine sehr hohe Wahrnehmungsquote an der WM in Deutschland erzielen.
Was kommt da auf uns zu?Die Woge der Sympathie, des Mitfieberns und der Hingabe, die anlässlich der Fussball-WM auch auf die Schweiz übergeschwappt ist, erstaunte selbst Experten. Es ist das Traumziel eines jeden Sponsors, mit dieser für hiesige Verhältnisse beinahe unheimlichen Emotionalität in Verbindung gebracht zu werden.
Kritische Stimmen weisen jedoch darauf hin, dass die Schweiz kein traditionelles Fussball-Land ist. Was geschieht, wenn die Schweiz an der Euro 08 früh ausscheidet? Verfügt die Schweizer Nationalmannschaft überhaupt über das Potenzial, diese momentan euphorische Stimmung langfristig zu transportieren? Erich Vogel, TV-Kommentator, Medienexperte und Berater in Fussballfragen, gibt sich optimistisch: «Der Schweizer Fussball ist heute professioneller denn je, etwa 50 Schweizer Profis spielen im Ausland.» Vogel sieht bei den Spielern die Bereitschaft, alles für den Fussball zu geben. Besonders wichtig für diese Entwicklung sei die Mentalität der vielen Secondos, die für Schweizer Klubs und die Nati kicken.
Spiel, Spass und …Geschäft«Wo bleibe ich bei dem ganzen Business?», mag sich manch ein Fan an der WM in Deutschland gefragt haben, der mit dem rigorosen Sponsorenschutz-Programm der Fifa in Berührung gekommen ist. Auch der Europäische Fussballverband (Uefa), der die Euro 08 organisiert, hat bereits diverse Bezeichnungen in der Schweiz schützen lassen.
Wer ist denn nun wichtiger, die Fans oder die Sponsoren? Fifa-Kommunikationschef Markus Siegler: «Es ist zwingend, die Sponsoren zu schützen, denn ohne den Verkauf der Fernsehrechte und Marketing gibt es kein Fussballturnier.» Massenhafte Verteilaktionen von nicht offiziell zugelassenen Werbeartikeln müssten im Interesse der Sponsoren verhindert werden. Siegler betont jedoch, dass diese Massnahmen nicht als Schikane aufzufassen sind: «Der einzelne Fan kann tragen, was er möchte!»
Maila Bermejo