Ein Minderheitenprogramm
Fernsehen Schweizer Fernsehen und Swisscom produzieren eine Tagesschau-Ausgabe für den Empfang mit dem Handy. Die Konkurrenz wartet ab und die Wettbewerbskommission untersucht.
Fernsehen Schweizer Fernsehen und Swisscom produzieren eine Tagesschau-Ausgabe für den Empfang mit dem Handy. Die Konkurrenz wartet ab und die Wettbewerbskommission untersucht. Seit einer Woche können Kunden von Swisscom Mobile die Tagesschau von Schweizer Fernsehen SF, respektive das Téléjournal von Télévision Suisse Romande TSR, auf ihrem Mobiltelefon anschauen. Voraussetzung dafür ist der Besitz eines Geräts mit UTMS- oder EDGE-Empfang. Eine Minute und vierzig Sekunden dauern die Kurznachrichten. Während dieser Zeit gibt es vier bis sechs News-Beiträge zu sehen, dazu die aktuellen Börsenkurse und die Wetterprognosen. Jede Stunde, von morgens um sieben bis nachts um elf, aktualisieren die Nachrichtenredaktionen von SF und TSR die News-Bulletins. Wer unterwegs auf dem Laufenden gehalten werden will, bezahlt entweder einen Franken pro Sendung oder neun Franken für ein Monatsabonnement mit unbeschränktem Zugriff. Verbreitung und Produktion der Kurznachrichten finanziert Swisscom Mobile. Anlässlich der Lancierung betonte SF-Chefredaktor Ueli Haldimann, kein einziger Gebührenfranken werde für den neuen Dienst eingesetzt. Das heisst umgekehrt auch: Wer Gebühren zahlt, hat somit kein Anrecht auf die Nutzung der News fürs Handy ohne weitere Kostenfolgen. «SF stellt allen Gebührenzahlenden sein Angebot im Bereich der Grundversorgung ohne Zusatzkosten zur Verfügung», sagt SF-Sprecher Urs Durrer. «Bei der 100-Sekunden-Tagesschau handelt es sich um ein Zusatzangebot, das SF einem Geschäftspartner anbietet.»
Es hätten auch mehrere Geschäftspartner sein können. SF führte keine Exklusivverhandlungen mit Swisscom Mobile. «Orange war mit SF diesbezüglich in Gesprächen», bestätigt eine Unternehmenssprecherin. Doch bei der Konkurrenz war offensichtlich kein Interesse vorhanden. «Grundsätzlich erachten wir den Zeitpunkt für optimierte Kurzversionen von TV-Inhalten, respektive News-Sendungen fürs Handy noch als früh.»
Weko-Sturm im Wasserglas Trotz der Offenheit von SF bei der Partnerwahl und dem bewussten Verzichtsentscheid von Orange untersucht die Wettbewerbskommission Weko, ob es beim Kooperationsentscheid zwischen dem grössten TV-Veranstalter und seinem Pendant im Mobilfunkbereich mit rechten Dingen zu und her gegangen ist. Laut Rafael Corazza, Leiter des Weko-Sekretariats, wollen die Wettbewerbshüter in Erfahrung bringen, «ob Swisscom Mobile die Exklusivstellung als Partnerin vom Schweizer Fernsehen erzwungen hat». Dazu würden nun in einem ersten Schritt die Akteure befragt.
«Das ist ein völlig normaler Vorgang», sagt Corazza auf Anfrage der Werbewoche. Ein Verfahren werde nur dann eingeleitet, wenn es Hinweise darauf gebe, dass effektiv ein kartellrechtlich relevantes Verhalten vorliege. So weit sei man aber noch nicht. Überhaupt nicht zur Diskussion stehen im Moment vorsorgliche Massnahmen. SF wird also nicht gezwungen, seine Handy-Kurznachrichten einem weiteren Mobilfunkanbieter zur Verfügung zu stellen. «Der Hinweis auf eine mögliche Wettbewerbsverzerrung kam schliesslich nicht von einem Mitbewerber, der sich benachteiligt fühlte, sondern von den Medien.»
SF und Swisscom Mobile zeigen sich unisono «überrascht» von der Weko-Abklärung, zumal die exklusive Partnerschaft lediglich ein halbes Jahr beträgt. «Danach steht der Dienst auch anderen Anbietern zur Verfügung», sagt SF-Sprecher Durrer.
Nur ein Nischen-Bedürfnis In der ersten Woche seit der Lancierung haben nach Angaben von Swisscom-Sprecher Carsten Roetz bereits mehrere tausend Kunden die Tagesschau auf dem Handy geguckt. Das war offenbar zu viel für die technische Infrastruktur. Verschiedenen Medienberichten zufolge waren insbesondere am Tag nach der Lancierung die Server überlastet. Statt der aktuellen Weltnachrichten erschien auf manchen Handybildschirmchen nur eine Fehlermeldung. Doch die überwiegende Mehrheit hat davon gar nichts gemerkt und empfing das Tagesschau-Signal.
Nur gerade etwas mehr als ein Prozent der über vier Millionen Swisscom-Mobile-Kunden schauen regelmässig fern mit dem Handy. Von Orange sind zwar keine Zahlen zu erfahren, aber eine aussagekräftige Einschätzung zu mobilen Fernsehangeboten: «Hierbei handelt es sich noch um ein Nischen-Bedürfnis, das aber ein grosses Potenzial hat.»
Mobile TV-Werbung Das grosse Potenzial dürfte auch die Werbewirtschaft interessieren. Schliesslich bieten Mobiltelefone mittels SMS oder Anruf eine attraktive Rückkanalmöglichkeit. Doch vorerst bleiben diese Optionen ungenutzt. «Momentan sind noch keine speziellen Werbeplätze im Umfeld der 100-Sekunden-Nachrichten geplant», sagt Martin Schneider, Direktor der SF-Werbevermarkterin Publisuisse. In den nächsten Wochen führe er aber diesbezüglich Gespräche mit Swisscom Mobile.
Doch, gibt sich Schneider überzeugt, in absehbarer Zukunft werde die Mobile-TV-Werbung sicherlich ein Thema werden. «Bis dann müssen aber noch einige technische Probleme beseitigt werden.» Pannen wie am besagten Tag dürfen nicht mehr vorkommen. Sonst bleibt das Publikum nicht nur den Nachrichten, sondern auch der Werbung fern.
Nick Lüthi
Es hätten auch mehrere Geschäftspartner sein können. SF führte keine Exklusivverhandlungen mit Swisscom Mobile. «Orange war mit SF diesbezüglich in Gesprächen», bestätigt eine Unternehmenssprecherin. Doch bei der Konkurrenz war offensichtlich kein Interesse vorhanden. «Grundsätzlich erachten wir den Zeitpunkt für optimierte Kurzversionen von TV-Inhalten, respektive News-Sendungen fürs Handy noch als früh.»
Weko-Sturm im Wasserglas Trotz der Offenheit von SF bei der Partnerwahl und dem bewussten Verzichtsentscheid von Orange untersucht die Wettbewerbskommission Weko, ob es beim Kooperationsentscheid zwischen dem grössten TV-Veranstalter und seinem Pendant im Mobilfunkbereich mit rechten Dingen zu und her gegangen ist. Laut Rafael Corazza, Leiter des Weko-Sekretariats, wollen die Wettbewerbshüter in Erfahrung bringen, «ob Swisscom Mobile die Exklusivstellung als Partnerin vom Schweizer Fernsehen erzwungen hat». Dazu würden nun in einem ersten Schritt die Akteure befragt.
«Das ist ein völlig normaler Vorgang», sagt Corazza auf Anfrage der Werbewoche. Ein Verfahren werde nur dann eingeleitet, wenn es Hinweise darauf gebe, dass effektiv ein kartellrechtlich relevantes Verhalten vorliege. So weit sei man aber noch nicht. Überhaupt nicht zur Diskussion stehen im Moment vorsorgliche Massnahmen. SF wird also nicht gezwungen, seine Handy-Kurznachrichten einem weiteren Mobilfunkanbieter zur Verfügung zu stellen. «Der Hinweis auf eine mögliche Wettbewerbsverzerrung kam schliesslich nicht von einem Mitbewerber, der sich benachteiligt fühlte, sondern von den Medien.»
SF und Swisscom Mobile zeigen sich unisono «überrascht» von der Weko-Abklärung, zumal die exklusive Partnerschaft lediglich ein halbes Jahr beträgt. «Danach steht der Dienst auch anderen Anbietern zur Verfügung», sagt SF-Sprecher Durrer.
Nur ein Nischen-Bedürfnis In der ersten Woche seit der Lancierung haben nach Angaben von Swisscom-Sprecher Carsten Roetz bereits mehrere tausend Kunden die Tagesschau auf dem Handy geguckt. Das war offenbar zu viel für die technische Infrastruktur. Verschiedenen Medienberichten zufolge waren insbesondere am Tag nach der Lancierung die Server überlastet. Statt der aktuellen Weltnachrichten erschien auf manchen Handybildschirmchen nur eine Fehlermeldung. Doch die überwiegende Mehrheit hat davon gar nichts gemerkt und empfing das Tagesschau-Signal.
Nur gerade etwas mehr als ein Prozent der über vier Millionen Swisscom-Mobile-Kunden schauen regelmässig fern mit dem Handy. Von Orange sind zwar keine Zahlen zu erfahren, aber eine aussagekräftige Einschätzung zu mobilen Fernsehangeboten: «Hierbei handelt es sich noch um ein Nischen-Bedürfnis, das aber ein grosses Potenzial hat.»
Mobile TV-Werbung Das grosse Potenzial dürfte auch die Werbewirtschaft interessieren. Schliesslich bieten Mobiltelefone mittels SMS oder Anruf eine attraktive Rückkanalmöglichkeit. Doch vorerst bleiben diese Optionen ungenutzt. «Momentan sind noch keine speziellen Werbeplätze im Umfeld der 100-Sekunden-Nachrichten geplant», sagt Martin Schneider, Direktor der SF-Werbevermarkterin Publisuisse. In den nächsten Wochen führe er aber diesbezüglich Gespräche mit Swisscom Mobile.
Doch, gibt sich Schneider überzeugt, in absehbarer Zukunft werde die Mobile-TV-Werbung sicherlich ein Thema werden. «Bis dann müssen aber noch einige technische Probleme beseitigt werden.» Pannen wie am besagten Tag dürfen nicht mehr vorkommen. Sonst bleibt das Publikum nicht nur den Nachrichten, sondern auch der Werbung fern.
Nick Lüthi
