Web-TV im Mikrokosmos

Lokalpresse Die Jungfrau Zeitung besinnt sich verstärkt auf ihre Region und launcht, nebst anderen Neuerungen, Mikro TV.

Lokalpresse Die Jungfrau Zeitung besinnt sich verstärkt auf ihre Region und launcht, nebst anderen Neuerungen, Mikro TV.Nach drei Jahren intensiver Suche nach geeigneten Partnern für sein Mikrozeitungs- konzept, sowohl bei den grossen wie auch bei weniger bedeutenden Deutschschweizer Regionalzeitungshäusern, hat Urs Gossweiler, CEO der Gossweiler Media in Brienz und emsiger Promotor, aufgegeben. Die Suche sei gescheitert, wie er im Interview erklärt. Unterdessen haben sich die Macher am Brienzersee auf die eigene Region, die besonders stark von der international ausstrahlenden Tourismusindustrie geprägt ist, besonnen. Sie lancieren ab kommendem Januar ihr Blatt neu als Jungfrau Zeitung 2.0 mit einigen Veränderungen. Der Zusatz, dem Begriff Web 2.0 entlehnt, steht für mehr Interaktivität.Web-TV mit WerbespotsDie augenfälligsten Neuerungen dabei sind – nicht zuletzt inspiriert von Community-Seiten wie You Tube – kleine Flash-Filme im Mpeg4-Format auf der Website. Das Ganze nennt sich Mikro TV. Die Filme sind eine Mehrleistung der Redaktion, wobei Journalistinnen und Journalisten die einfache Filmfunktion ihrer digitalen Fotokameras nutzen und für ihre Berichte zusätzliche Originaltöne und Bilder einholen. Bis jetzt lässt die Qualität der Filmchen besonders hinsichtlich Tonqualität zu wünschen übrig.
«Noch ist nicht alles optimal», sagt Stefan Regez, der ehemalige Chefredaktor der Jungfrau Zeitung, der vorübergehend die neuen Features der Version 2.0 coacht. Techische Lösungen sind gefragt. Doch die Redaktion habe keinerlei Berührungsängste mit dem Medium Film: «Es sind durchwegs junge Leute, die alle über die Jungfrau Zeitung zum Journalismus gekommen sind.»
Mikro TV bietet ausserdem Unternehmen die Möglichkeit, Werbespots in den Filmchen zu platzieren. Offenbar gefällt die Idee, denn bereits haben Migros und die Jungfraubahnen Werbespots gebucht, weshalb Mikro TV schon seit dem 4. Dezember läuft. «Die Jungfraubahnen haben sogar ihren MTV-Spot einen Monat früher bei uns geschaltet», freut sich Regez. Die Anwendung funktioniert ohne zusätzliche Programme und Plugins, ist Bestandteil der Website und problemlos zugänglich.
Mehr Power für die RedaktionAngepasst wurde ferner das Layout der Veranstaltungs- und Ausgeh-Beilage 7Tage. Jene Veranstaltungshinweise, auf welche Inserenten bei Gossweiler Media ein Anrecht haben, wurden aus dem Mutterblatt gelöst. Mehr Freiraum im Blatt schafft ausserdem eine neu gelaunchte Immobilien- und Stellenbeilage «Marktplatz», ein durchgehend vierfarbig gedrucktes Tabloid. Parallel dazu wurde die Redaktion um 140 Stellenprozente aufgestockt. Ein Zweierteam ist neu für Blattmacheraufgaben und Korrektorat verantwortlich. «Das entlastet die Redaktion merklich von Dienstaufgaben», erklärt Regez. Dank den Beilagen wird es im Blatt ausserdem möglich, mit Bildern grösser zu fahren. Bunt soll es dennoch nicht werden. Man gibt sich in Brienz eher zurückhaltend und orientiert sich beim Umgang mit den Bildern an der NZZ.
Im Unterhaltungsbereich will man auch bei der Jungfrau Zeitung 2.0 ganz auf Community-Elemente verzichten. Die Leserschaft wird nicht aufgefordert, ihre Bilder und Filme einzusenden, geschweige denn sich als Bürgerjournalisten zu betätigen. «Ich glaube nicht an ein Medium, das nicht von Journalisten gemacht ist, denn ohne sie sind die Inhalte bloss eine Hülle», sagt Urs Gossweiler.
Als wichtige Weiterentwicklung verfügt die Redaktion jetzt auch über ein neues Arbeitsinstrument, den so genannten Publisher, der als Schnittstelle zwischen Redaktion und Produktion funktioniert. Die Schreibenden können ihre Texte jederzeit von überall her übers Intranet direkt ins Layout einspeisen.
BenutzerfreundlichAlle Texte der Jungfrau Zeitung sind neu mit einer Identifikationsnummer versehen, die den Lesern müheloses Wiederfinden auf der Website erlaubt und zu weiterführenden Texten leitet beziehungsweise Recherchen ermöglicht. Auf der Website, die nach Eingang der Texte über mehrere Fassungen laufend aktualisiert wird, ist die Vernetzung möglichst total. Die Hauptseite listet die am meisten gelesenen Artikel auf. «Das kann schon mal den Ehrgeiz auslösen, es mit einem Text dorthin zu schaffen», sagt Regez. So war zum Beispiel bereits eine Stunde nach der Verleihung des Newcomer-Swissgastro-Award-Siegers der Bericht plus Film auf dem Netz.
Als eines der ersten Medien überhaupt betreibt die Jungfrau Zeitung zudem einen so genannten virtuellen Friedhof. Dort sind neben aktuellen Todesanzeigen und Danksagungen auch solche bis ins Jahr 2001 abrufbar. Selbst stark in die Jahre gekommene Leute könnten, so Regez, bestens damit umgehen. Die Blattarchitektur mit den Ressorts Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Sport wurde nicht angetastet. Mitte 2007 soll auch eine englische Version der Jungfrau Zeitung entstehen. Damit trägt man dem internationalen Publikum und entsprechenden Werbetreibenden Rechnung. Die Mikrozeitung sollte überall funktionieren, deshalb hatte man bisher regionale Besonderheiten wie den touristischen Hotspot Jungfrauregion ausgeblendet. Jetzt wird das Blatt noch unverwechselbarer und entspricht nicht mehr dem strengen Raster einer Mikrozeitung.
KrisenresistentDas Konzept der Jungfrau Zeitung
verzahnt Online und Print praktisch nahtlos und fokussiert inhaltlich rigoros auf den so genannten Mikrokosmos Jungfrau im Berner Oberland. Das Blatt erscheint im siebten Jahrgang im Web und als Ausdruck jeweils dienstags und freitags auf Zeitungspapier. Die Jungfrau Zeitung hat sich im Markt bei 67 Prozent der rund 50’000 Einwohnerinnen und Einwohner der Region etabliert und erwies sich in den schwersten Jahren der Printbranche im Vergleich als krisenresistent. Die Grundidee des Konzeptes Mikrozeitung war, die ganze Schweiz in Mikrokosmen mit Lokalzeitungen und zugehörigem Webauftritt zu unterteilen, die allesamt mit dem von Gossweiler entwickelten Redaktionssystem arbeiten sollten. René Worni

Kreativ-Ranking 2006

Agenturen Die Top Ten der diesjährigen Schweizer Kreativagenturen sind erkoren. Das Kreativ-Ranking der Werbewoche zeigt, welche Agentur wie viele Preise abgeräumt hat.

Agenturen An der Spitze des diesjährigen Kreativ-Rankings der Werbewoche steht Publicis, gefolgt von SFLB und Ruf Lanz.  
Das Ranking widerspiegelt die kreative Leistung der Agenturen, die im Rahmen von nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet wurden. Die Auswahl der Wettbewerbe und deren entsprechende Gewichtung erfolgte, wie schon letztes Jahr, in Zusammenarbeit mit einer Delegation des Art Director Clubs der Schweiz. Die Top Ten der Schweizer Kreativagenturen 2006 sind:
Publicis

Spillmann/Felser/Leo BurnettRuf LanzJung von Matt/LimmatAdvico Young & Rubicam sowie Exxtra KommunikationWalkerWirz WerbungEuro RSCGLoweJWT+H+F

Werbung mit mehr Wert

Gattungswerbung Publicis macht für Publisuisse Werbung für Werbung.

Gattungswerbung Publicis macht für Publisuisse Werbung für Werbung.Die Nummer 1 zu sein verpflichtet. Deshalb heisst es in einer neuen Kampagne von Publicis für Publisuisse «Publisuisse macht mehr draus.» Der grosse Player in der Vermarktung elektronischer Medien bietet seinen Kunden «beste Beratung, beste Servicequalität und beste Kontakte». Zusammen mit den Programmen des Schweizer Fernsehens erreicht Publisuisse deutlich mehr Konsumenten als die anderen Marktteilnehmer. Ausserdem erreicht TV-Werbung mit Publisuisse den höchsten Recall-Wert und geniesst die grösste Zuschauer-Akzeptanz. Oder anders gesagt: Publisuisse holt mehr aus dem Werbefranken ihrer Kunden heraus. Um die Leistungen von Publisuisse zu kommunizieren, hat die Werbeagentur Publicis eine Kommunikationsplattform ausgearbeitet. Sie basiert auf dem neuen Claim «Publisuisse – macht mehr draus». Ein neues Layout und eine eigenständige Bildwelt sorgen dafür, dass die Angebotslösungen auch visuell optimal inszeniert werden können. Die Umsetzungen zu den Themen Markenwert, Umfeld, Aufmerksamkeit und Zielgruppenerweiterung sind in der Fachpresse zu sehen.  
Und neu ab 2007: Publisuisse und die beiden weiteren Schweizer TV-Vermarkter IP und Cinecom haben sich geeinigt, die bisher drei TV-Buchungsperioden ab nächstem Jahr auf zwei zu reduzieren. Dadurch wird die Planung vereinfacht. Jetzt können TV-Kampagnen bereits Ende April für das gesamte zweite Halbjahr gebucht werden.
Markus Hollenstein, Leiter Marketing bei Publisuisse,

über den neuen Mehrwert.WW: Mit der neuen Positionierung und der damit verbundenen Werbekampagne will Publisuisse den Kundennutzen dramatisieren. Was wird konkret mehr geboten?Markus Hollenstein: Eine seit Jahren im Einsatz stehende und laufend weiterentwickelte Palette von eigenentwickelten Tools – Publiplan, Mediaoptimizer, Digispot – setzen den Marktstandard und stellen eine jederzeit perfekte Abwicklung von Kampagnen sicher.WW: Wie profiliert sich Publisuisse gegen andere Anbieter?Hollenstein: Die von Publisuisse vermarkteten Programme sind die Marktleader. Die durch unsere Studien nachgewiesene höhere Werbewirkung unserer Werbekontakte sowohl inter- wie intramedial bieten unseren Kunden einen klaren Mehrwert bei den bei uns gekauften Kontakten.WW: Was ist neu im Angebot?Hollenstein: In den letzten Jahren hat sich die Publisuisse-Produktpalette sowohl in der klassischen TV-Werbung – zum Beispiel Mono-Block, Power Break, publiQuiz – wie auch mit Sponsoring im Radio und TV, Angeboten mit Teletext, screens Espace TSR laufend erweitert. Auch damit können wir, nicht nur bei den ganz grossen crossmedialen Angeboten wie bei der Fussball WM oder den olympischen Spielen, auch bei jedem Kunden individuelle Lösungen anbieten, die mehr Wirkung erzielen. Andreas Panzeri

Luginbühl betreut für Ringier DAB-Projekte

Bendicht Luginbühl, ehemaliger Programmchef von DRS 3 und Virus und heutiger Unternehmensberater, wendet sich dem privaten Radiobusiness zu. Für Ringier betreut er die beiden DAB-Projekte «Cash Classics» und «Chartradio».

Bendicht Luginbühl, ehemaliger Programmchef von DRS 3 und Virus und heutiger Unternehmensberater, wendet sich dem privaten Radiobusiness zu. Für Ringier betreut er die beiden DAB-Projekte «Cash Classics» und «Chartradio», wie das Radiomagazin berichtet. «Ringier hat beim Bakom Konzessionsgesuche für die beiden DAB-Spartensender eingereicht, die ich als Projektmanager betreue», so Luginbühl. Da man im Bereich Radio keine Erfahrung habe, hat sich Ringier einen Profi gesucht, begründet Hans Jürg Deutsch, bei Ringier für die DAB-Projekte zuständig, den Beizug von Luginbühl. «Cash Classics» sei als Klassikradio mit Wirtschaftsinformationen konzipiert, auf «Chartradio» könnten dereinst internationale Hitparaden zu hören sein. Die Chancen der beiden Gesuche beurteilt Deutsch realistisch: «Die Konkurrenz ist gross, doch unsere Absicht ist klar: falls wir Konzessionen erhalten, werden wir die Projekte auch realisieren.»

Die NZZ ist Radio-aktiv

Lokalradio Nicht nur bei Radio Ri, auch bei Radio Pilatus hat die NZZ neuerdings die Mehrheit. Mit vier Sendern hat sie künftig zwei zuviel.

Lokalradio Nicht nur bei Radio Ri, auch bei Radio Pilatus hat die NZZ neuerdings die Mehrheit. Mit vier Sendern hat sie künftig zwei zuviel.Als die zur NZZ-Gruppe gehörende St. Galler Tagblatt AG (SGT) vor zwei Wochen von Goldbach Media ein Aktienpaket von 35 Prozent an Radio Ri übernahm und beim Rheintaler Lokalsender zur Aktienmehrheit kam, wurde dies brav kommuniziert. Kein Wunder, denn Handänderungen ab 20 Prozent müssen vom UVEK bewilligt werden – wobei vorgängig noch eine Anhörung durchgeführt wird.Eine andere, nicht minder bedeutende Handänderung im Radiobereich wurde hingegen bisher unter dem Deckel gehalten: Seit dem letzten Sommer hält nämlich die ebenfalls zur NZZ-Gruppe gehörenden LZ Medien die Mehrheit bei Radio Pilatus. Ringier hatte seinen Anteil in aller Stille an die Mitaktionäre verkauft (siehe unten).
Damit hat nun die NZZ-Gruppe bei vier Radios das Sagen und avanciert nach der SRG zum Medienkonzern mit den meisten Radiostationen hier zu Lande: Via SGT hält sie 87,5 Prozent bei Radio Aktuell und voraussichtlich 79 Prozent bei Ri, via LZ Medien besitzt sie seit kurzem 52,6 Prozent von Radio Pilatus und über die Freie Presse Holding gehört ihr die BE-1-Trägerin Radig AG zu 77,6 Prozent. Nicht zu vergessen: Die NZZ-Gruppe kooperiert auch mit dem von ETH-Studenten gegründeten St. Galler Radio Toxic. Zwar hält sie dort keine direkte Beteiligung, doch die SGT unterstützt das Studentenradio und vermarktet auch dessen Werbezeit. Überdies hält die LZ Medien noch einen Anteil von 16 Prozent an Radio Sunshine und dessen Vermarktungsfirma.
Nun stellt sich die Frage, weshalb die NZZ-Gruppe jetzt noch ihr Radioportfolio derart erweitert und festigt, wo doch schon bald das neue RTVG in Kraft tritt, das den Besitz von mehr als zwei Radiosendern untersagt (§ 44.3). Auch das Hinüberretten von Besitzständen wird nicht möglich sein, weil sämtliche Radio-Versorgungsgebiete neu ausgeschrieben werden.
Der Sinn von LokalradiosDas weiss auch Beat Lauber, Mitglied der NZZ-Gruppenleitung und zuständig für die Regionalzeitungsverlage. Ihm ist klar, dass die NZZ-Gruppe derzeit zu viele Radios besitzt. Doch er weiss auch, was aus diesem Besitz werden soll. «Lokalradios machen dann Sinn, wenn sie die Aktivitäten der regionalen Medienhäuser stärken», umreisst er die NZZ-Philosophie. Womit schon mal klar ist, dass Radio BE1 in Bern nicht mehr so recht in die NZZ-Strategie passt. Denn seit der Bund und die Berner Zeitung ihr Berner Modell realisierten, «ist das Radio schlechter in einen Medienverbund eingebunden». «Wir werden dort eine RTVG-verträgliche Lösung suchen müssen», sagt Lauber. Das heisst wohl, dass die NZZ-Gruppe zumindest auf ihre Mehrheit verzichten muss. «Wir haben eine Lösung im Auge», sagt Lauber. Mehr will er dazu nicht sagen.
Anders ist es mit den Radios Pilatus und Aktuell. «Sie ergänzen die Medienhäuser in Luzern und St. Gallen optimal», sagt Lauber. Kein Grund zum Abstossen also. Und was geschieht mit dem frisch erstandenen Radio Ri?
«Ri, das von lokalen Verlegern gegründet wurde, hat eine wichtige Funktion im Rheintal. Diese wollen wir ihm erhalten», meint Lauber. Da der Sender finanziell aber nie wirklich habe abheben können, werde angestrebt, sein Konzessionsgebiet mit jenem von Radio Aktuell zusammenzulegen und gleichzeitig den starken lokalen Auftritt für die Region zu unterstützen. «Wobei wir natürlich auf den Gebühren-Splitting-Anteil von Ri verzichten würden», sagt Lauber. Und weiter betont er: «Weil uns die lokale Verankerung so wichtig ist, sind wir daran interessiert, dass der Sarganserländer und das Liechtensteiner Vaterland eingebunden bleiben.»
Enttäuschung über den DealLetzteres aber ist fraglich, denn zumindest beim Liechtensteiner Vaterland (LV) ist man vom Deal zwischen Goldbach und NZZ enttäuscht. «Ich finde es schade, dass jetzt die NZZ bei Ri das Sagen hat», sagt Reinhard Walser, VR-Präsident von Radio Ri und VR-Mitglied beim LV-Herausgeber Vaduzer Medienhaus. Walser hat zwar wie die andern lokalen Verleger von der NZZ ein Angebot auf dem Tisch, wonach der Goldbach-Anteil unter allen verbleibenden Aktionären paritätisch aufgeteilt werden könne. «Die NZZ wird aber auf jeden Fall die Mehrheit erhalten, darum überlegen wir uns, ob wir darauf eintreten sollen», sagt Walser. Bis in zwei Monaten muss er sich entscheiden. Doch er lässt durchblicken, dass man beim Liechtensteiner Vaterland sogar über einen vollständigen Ausstieg bei Ri nachdenkt.
Und was meint man beim Bundesamt für Kommunikation zu Laubers Plänen? Immerhin behandelt es die Radios Ri und Aktuell in der angelaufenen Anhörung zu den künftigen Radio-Versorgungsgebieten weiterhin separat und mit zwei verschiedenen Konzessionen. Marcel Regnotto, Sektionschef lokale Medien und Weiterverbreitung, will zu den konkreten NZZ-Vorstellungen nicht Stellung nehmen, denn sie lägen noch gar nicht im Detail vor. Er hält aber fest, dass ein Zusammenlegen von Versorgungsgebieten und Konzessionen grundsätzlich möglich und auch schon vorgekommen sei. «Die Vorschläge, die wir in die Anhörung schickten, sind also nicht in Stein gemeisselt», sagt Regnotto.
Mit langem Atem zum ZielSowohl bei Radio Ri als auch bei Radio Pilatus
bewies die NZZ-Gruppe Geduld. Bei Radio Ri hielt sie 44 Prozent: 35 Prozent über die SGT und weitere 9 Prozent über die BuchsMedien (Werdenberger & Obertoggenburger), wo sie seit 2000 Mehrheitsaktionärin ist. Werden die Goldbach-Aktien nun paritätisch unter die übrigen Ri-Aktionäre (lokale Verleger, unter ihnen auch die BuchsMedien) verteilt, kommt die NZZ-Gruppe auf mindestens 67 Prozent, im Maximum auf 79 Prozent.Auch bei Radio Pilatus war die NZZ-Gruppe via LZ Medien mit 36,4 Prozent lange zwar der grösste Teilhaber, aber ohne Mehrheit. Als dann Mitaktionär Coop Anfang 2006 seinen 10-Prozent-Anteil verkaufte, konnte die LZ Medien auf immerhin 41,5 Prozent aufstocken. Dadurch, dass Ringier seine 18,2 Prozent auch noch abstiess, kommt die LZ Medien nun auf 52,6 Prozent. Leo Fischer (Ex-Cablecom) hält 21,9 Prozent, die Migros 11,3 Prozent und die Luzerner Kantonalbank 14,2 Prozent.
Geharnischter Brief ans BakomDass die NZZ nun die Mehrheit bei Radio Ri haben soll,
passt Hanspeter Lebrument, Chef der Südostschweiz-Gruppe, gar nicht. In einem Brief an das Bakom ersucht er dieses, «dieser Transaktion nicht stattzugeben». Seine Begründung: Seit die NZZ bei Ri eingestiegen sei, würden seine eigenen Sender Grischa und Engiadina benachteiligt. So habe das Bakom seinerzeit das Vordringen Ris ins Grischa-Kerngebiet (Prättigau, Chur) bewilligt, nicht aber Grischas Erweiterungsgesuch nach St. Gallen. «Wir betrachten dies als ungerecht», schreibt Lebrument. Weiter hält er dem Bakom vor, dass sein romanischer Sender Engiadina weniger Gebührengelder erhalte als Ri. Und schliesslich kritisiert Lebrument die Swisscom-Gebühren für die Verbreitung, was die Sender der «reichen NZZ-Gruppe» begünstige. «Alle gegen Radio Grischa und Radio Engiadina in letzter Zeit verfügten Massnahmen deuten darauf hin, dass man den Untergang dieser beiden Sender will», hält er zum Schluss fest.
Zu Lebruments Brief will man beim Bakom keine Stellung nehmen. Marcel Regnotto hält lediglich fest, dass es zur Handänderung bei Radio Ri eine Anhörung gebe, sobald das Gesuch formell beim Bakom eingetroffen sei. Auch die Südostschweiz-Gruppe werde einbezogen. «Mit seinem Brief ist Herr Lebrument der Anhörung zuvorgekommen», sagt Regnotto.
Und wie reagiert man bei Radio Top auf die NZZ-Mehrheit bei Ri? Wird Top-Chef Günter Heuberger nun seinerseits eine Gebietserweiterung ins Rheintal beantragen? «Ich bin überrascht von den Vorgängen bei Ri», gesteht Heuberger. In die Karten lässt er sich aber nicht blicken. Nur so viel: «Falls das UVEK den Zusammenschluss der Versorgungsgebiete bewilligt, werde ich eine neue Lagebeurteilung vornehmen.» Und eines erwartet er: Dass Ri künftig kein Gebühren-Splitting mehr erhält.
Markus Knöpfli

Yves Rocher startet Internet-TV

Der Kosmetikhersteller Yves Rocher will neue Zielgruppen erschliessen und hat mit «BeauTV» eine Fernsehsendung im Internet gestartet. Zudem soll die Shopping-Show das Weihnachtsgeschäft ankurbeln.

Der Kosmetikhersteller Yves Rocher will neue Zielgruppen erschliessen und hat mit «BeauTV» eine Fernsehsendung im Internet gestartet. Zudem soll die Shopping-Show das Weihnachtsgeschäft ankurbeln. In Stil einer klassischen Verkaufssendung gehalten, animiert die 30-minütige Sendung die Zusehenden, die Sendung entweder Linear zu verfolgen, oder in einzelne Produktwelten zu schalten. Verbunden mit dem Internet-TV-Kanal ist auch ein Webshop, in welchem die Produkte direkt bestellt werden können. Begleitet wird der Launch von einer Online-Kampagne, die in Deutschland auf reichweitenstarken und frauenaffinen Portalen geschaltet wird. Realisiert hat das Internet-TV und die Website die Kölner Internet-Agentur Con Carne.

Zukaufen – abstossen

Radio Goldbach Media stösst kleine Radiobeteiligungen ab. Auch Energy Zürich wird jetzt herausgeputzt.

Radio Goldbach Media stösst kleine Radiobeteiligungen ab. Auch Energy Zürich wird jetzt herausgeputzt.Knapp ein halbes Jahr vor Inkrafttreten des neuen RTVG scheinen Aktionäre diverser Lokalradios ihre Beteiligungen zu überdenken. Die einen stossen ab, andere kaufen zu. Zu den Käufern gehört vorab die NZZ-Gruppe. Aus der Szene verabschiedet haben sich hingegen Coop und Ringier: Beide verkauften ihre Anteile bei Radio Pilatus. Auch die Goldbach Media zieht sich zusehends zurück: Bei Radio Ri tritt sie ihren 35-Prozent-Anteil an die NZZ-Gruppe ab, bei der Radio Central Holding verkauft sie ihren 6-Prozent-Anteil an Alfons Spirig, Geschäftsführer der Innerschweizer Radio-Gruppe (Central, Eviva).Das passt zur Goldbach-Strategie. Die Vermarkterin elektronischer Medien entledigt sich schon seit  Ende 2002 schrittweise ihrer Content-Lieferanten: Zuerst trennte sie sich vom Finanzportal Moneycab und vom Content-Provider Swisscontent, dann folgten ein 49-Prozent-Anteil bei Hitradio Z (heute: Energy Zürich) und jetzt die kleinen Beteiligungen bei Ri und Central.
Als letzter Content-lastiger Beteiligungsbrocken verbleibt der 51-Prozent-Anteil an Energy Zürich, den Goldbach immer noch hält und der – zumindest aus firmenstrategischer Sicht – keinen Sinn mehr macht. Vermutlich steht deshalb auch diese Beteiligung zum Verkauf. Jedenfalls fällt auf, dass in letzter Zeit bei der Radio Z AG, der Trägerin von Energy Zürich, der Handelsregistereintrag, speziell die Zweckbeschreibung, öfters änderte. Mal wurde der Name Energy Zürich explizit hinzugefügt (Juli 2005), mal wieder gestrichen (September 2006). Dafür heisst es neuerdings, dass die Radio Z AG Liegenschaften erwerben und Gesellschaften im Medienbereich gründen darf – ein Standard-Zusatz, der bisher fehlte. Eine gewisse Nervosität ist also unverkennbar. Soll hier eine Braut für die Hochzeit hergerichtet werden? Die Antwort von Goldbach Media ist kurz: «Zu Spekulationen irgendwelcher Art nehmen wir keine Stellung», schreibt Sprecher Paul Riesen.
Markus Knöpfli

Passt genau

Mode Lowe liefert massgeschneiderte Guerilla-Werbung für Artesanos Camiseros.

Mode Lowe liefert massgeschneiderte Guerilla-Werbung für Artesanos Camiseros.Artesanos Camiseros bietet die Möglichkeit, Hemden oder Blusen nach den persönlichen Wünschen und Massen anfertigen zu lassen. Unter dem Motto «In unseren Masshemden sieht jede Figur gut aus» hat sich Lowe Zürich eine Guerilla-Aktion ausgedacht. Um zu beweisen, wie gut die Hemden sind, suchte das Team um CD Keith Loell vier Typen, die passgenau mit Hemden eingekleidet wurden. Herr Gross ist ein Laternenpfahl. Kerr Kurz ein Hydrant. Herr Dick ein Brunnen und Herr Dünn ein Baum. Zu sehen waren diese vier Typen am 1. Dezember in der Zürcher City am Paradeplatz, Bellevue, Bahnhof Stadelhofen und Löwenstrasse. Kommuniziert wurde mittels Rabatt-Etiketten.
Andreas Panzeri

Ohne Worte

Aufgefallen Andreas Panzeri über die richtige Platzierung, die manchmal viel auslösen kann - ob bei Inseraten oder bei Menschen.

Platzierungen Die richtige Platzierung kann manchmal viel auslösen. Das gilt nicht nur für Inserate in 20 Minuten. Auch im Leben kann der Platz, wo es einen Menschen hin verschlägt, oft von entscheidender Tragweite sein.

Das Einmann-Trio

Michael Kamm will mit seiner Agence Trio in Lausanne im nächsten Jahr auch Zürich erobern.

Michael Kamm will mit seiner Agence Trio in Lausanne im nächsten Jahr auch Zürich erobern.10 Jahre, 20 Jahre, 30 Jahre: Zur Zeit wird die Redaktion der Werbewoche regelrecht überschwemmt mit Meldungen über stolze Jubiläen von Werbeagenturen. Nach der etwas wilden Zeit der anhaltenden Krise scheint sich die Lage wieder stabilisiert zu haben. Keine der jubilierenden Agenturen hat allerdings schon so viele wechselnde Konjunkturen, Krisen und immer wieder neue Aufschwünge erlebt wie die Agence Trio in Lausanne. Die welsche Kreativküche feierte im vergangenen Oktober ihren 75. Geburtstag. Trio ist somit die älteste Werbeagentur der Schweiz. Gegründet wurde sie am 19. Oktober 1931 von Jean-Pierre De Trey und den beiden Grafikern Fred Waefler und André Hirsch. Diese drei Besitzer stecken hinter dem Namen Trio. Heute wird das Unternehmen von Michael Kamm geführt. Er besitzt auch die Mehrheit der Agentur mit 20 Mitarbeitenden. Kamm hat Trio im Jahre 2004 völlig «ungeplant und spontan» übernehmen müssen: Hansjörg Lippuner, der letzte neben Werner Rudin und Georges Perrin noch verbliebene Patron der alten Garde, wurde unerwarteterweise in seinem geliebten Büro vom Tod überrascht. Für Michael Kamm musste es damals «einfach irgendwie weiter gehen». Im nächsten Jahr will der alleinige Boss aber wieder «offen sein für neue Partner». Das Ziel sind «drei bis fünf Leute» als zukünftige Tragsäulen der Agentur.
Derart neu strukturiert wird Michael Kamm im kommenden Jahr auch auf genug Kraft für sein zweites grosses Ziel bauen können. Trio will nämlich in Zürich eine Dependance eröffnen.
«Es braucht das lokale Feeling – und zwar beidseitig», ist Kamm überzeugt. Zur Zeit sind etwa 60 Prozent seiner Kunden aus der Romandie. Dazu kommt demnächst auch das Prestige-Budget für Loterie Romande. 40 Prozent stammen aus der deutschen Schweiz. Aber: «Es wird immer schwieriger, crossmediale Kampagnen effizient aus der Romandie in der Deutschschweiz zu implementieren», weiss Kamm.
In Zürich will der Agenturchef den Aufbau der Filiale gleich selber in die Hand nehmen. Zur Zeit sucht er deshalb nicht nur ein geeignetes Büro, sondern auch eine Wohnung für seine Familie mit fünf Kindern. Der Aufbau dieser Niederlassung in Zürich ist für Trio ein wichtiger strategischer Entscheid. Ebenso wichtig will Kamm den Schritt aber auch für seinen persönlichen Lebensweg sehen.
Die letzten Jahre hat der Werber zusammen mit seiner Familie auf dem Land in engem Einklang mit der Natur in einem Haus mit vielen Tieren gelebt. Jetzt sollen seine Kids auch die andere Seite des Lebens, nämlich den Geist einer grossen Stadt erleben. Für Michael Kamm selber ist die Expansion nach Zürich eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Hier ist er damals im wahrsten Sinne des Wortes «mit Werbung aufgewachsen».
Sein Vater Hanspeter Kamm hat in Zürich in den Siebzigerjahren eine Agentur an der Weinbergstrasse geführt. Heute lebt er als Künstler und macht «witzige Objekte aus Draht». Auch Michaels Grossvater hat seinem Enkel wohl etwas vom Musischen mit auf den Weg gegeben. Das war nämlich der bekannte Fotograf Emil Schulthess.
In der Agentur des Vaters hat Michael schon als Bub viel «mitgeholfen» wie zum Beispiel Posieren für Fotos, Papier zurecht schneiden für die Grafik.
In seinem zehnten Lebensjahr trennten sich die Eltern. Michael zog zuerst nach Biel und dann Lausanne. Das hat zwar das Leben nicht einfacher gemacht. Dafür ist er heute perfekt zweisprachig. Wieso er die Matura nicht geschafft hat, weiss er nicht mehr. Aber er erinnert sich, dass er auch als junger Erwachsener immer noch «unbedingt in die Werbung einsteigen wollte».
Das war in der aufkommenden Epoche des Macintosh. Zehn Jahre «bastelte» Kamm auf einem solchen Computer als Graphic Designer. Zuerst hatte er eine Einzelfirma. Später arbeitete er in einem Unternehmen der Druckvorstufe. Als das Internet aufkam, wirkte Kamm beim Aufbau eines Internet-Service für Grafiker mit und arbeitete rund drei Jahre in diesem Bereich.
1995 gründete er mit einem Architekten und einem Designer zusammen eine Agentur für Events und Messebau. «Ziemlich schnell durfte das Jungunternehmen gute Projekte betreuen», erinnert er sich. Zu den Kunden gehörten zum Beispiel die Swatch Group. Nach vier Jahren wurde es aber wirtschaftlich «kritisch», und im Jahr 2000 musste man aufgeben.
Das CI für diese Event-Agentur wurde damals von Trio gestaltet. Die Werber haben Kamm deshalb immer wieder auch verschiedene Mandate zugehalten. So war es fast logisch, dass er nach dem Ende des Messebaus in ein Büro von Trio wechselte, um diese Arbeiten fertig zu stellen. Eigentlich waren nur drei Monate geplant. Seither ist er aber nie mehr weggegangen. Bei der Agentur entdeckte man seine Kenntnisse im Internet. Kamm durfte das Interactive Department aufbauen. Später hat Trio eine Online-Game-Agency dazu gekauft und «schnell ein Budget für Ovomaltine gewonnen». Mit SMS-Games, Online-Werbung und ersten crossmedialen Konzepten brachte das nicht nur neue Kraft für die Ovomaltine. Auch mit Trio ging es wieder stark aufwärts, nachdem die Agentur in den 90er-Jahren in einer gefährlichen Krise steckte.
«Michael, du könntest eigentlich die Direktion übernehmen», meinten die Patrons deshalb im Jahre 2003. Der Rest ist Geschichte. Bereits 2006 ist Trio wieder mit dem Grand Prix Romand de la Création ausgezeichnet worden.
Andreas Panzeri

Helvetic setzt aufs Schweizer Kreuz

Branding Helvetic Airways fliegt neu im neuen, weiss-roten Design mit Schweizer Kreuz in die Welt hinaus.

Branding In Zürich ist das erste Flugzeug von Helvetic Airways im neuen, weiss-roten Design mit Schweizer Kreuz gelandet. Mit einer «Dusche» begrüsste die Flughafenfeuerwehr die Fokker 100 auf heimischem Boden. Seit dem 1. Dezember trägt Helvetic Airways die Schweiz in die Welt hinaus, zuerst nach Brindisi in Süditalien und Valencia an der spanischen Mittelmeerküste. Dank der täglichen und einzigen direkten Flugverbindung ab Zürich können sich die Segler am America’s Cup 2007 zahlreicher Unterstützung aus der Heimat sicher sein.

Agefi-Gruppe erhöht Bezugspreis für Aktien

Die Westschweizer Verlagsgruppe Agefi hat im Zuge der laufenden Kapitalerhöhung den Bezugspreis für die neuen Aktien auf 25 Franken pro Stück festgelegt. Damit soll die Expansion ins Gesundheitsgeschäft finanziert werden.

Die Westschweizer Verlagsgruppe Agefi hat im Zuge der laufenden Kapitalerhöhung den Bezugspreis für die neuen Aktien auf 25 Franken pro Stück festgelegt. Damit soll die Expansion ins Gesundheitsgeschäft finanziert werden (siehe ). Agefi wird gemäss früheren Angaben in einem ersten Schritt 2,1 Millionen neue Aktien ausgeben. Den bestehenden Aktionären gewährt die Unternehmens-Gruppe ein Bezugsrecht von eins zu zwei. Wie die Bank Vontobel am Mittwoch bekannt gab, dauert die Bezugsfrist vom 7. bis zum 15. Dezember. In einem zweiten Schritt werden weitere 2,6 Millionen Aktien emittiert.
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