Print Der neue Verbund Nordostschweiz von Thurgauer Zeitung und Landbote ist offen für die Schaffhauser Nachrichten, lässt diese aber gleichzeitig ins Abseits laufen.Der neue Verbund Nordostschweiz der beiden Zeitungen Thurgauer Zeitung (TZ) und Landbote ist ein interessantes Konstrukt. Anders als die drei Züriland-Zeitungen kommen die beiden Titel ohne gemeinsame Firma aus. Die Verlage Ziegler Druck und Verlag in Winterthur und Huber & Co in Frauenfeld haben die gemeinsamen Aufgaben geteilt. Mit der Verantwortung für die Mantelredaktion übernimmt der Landbote die publizistische Führung, die gemeinsamen Verlagsaktivitäten werden in Frauenfeld besorgt. «Die Mitsprache ist so geregelt, dass jeder Partner in beiden Bereichen Einfluss nehmen kann», sagt Urs Lüdi, Unternehmensleiter der Huber & Co. Dennoch liegt der Lead eher bei der Tamedia-Tochter Thurgauer Medien, hält sie doch mit Aboverwaltung und Anzeigengeschäft künftig sämtliche Einnahmen in der Hand. Oder anders gesagt: Der Landbote, an dem Tamedia 20 Prozent hält, begibt sich stark in Zürcher Abhängigkeit.
Ziel des neuen Verbundes sei es, «die beiden Zeitungen längerfristig fit zu halten», sagt Lüdi. Überraschend ist das nicht, das Zusammengehen hatte sich seit längerem abgezeichnet. In der konkreten Ausgestaltung ist der Verbund aber so widersprüchlich aufgegleist, dass er zumindest mittelfristig kaum einen finanziellen Mehrwert bringt. Den gemeinsamen Auftritt im Werbemarkt gab es schon bisher, einfach unter dem Namen Kombi 1a. Neu kommen einige Synergien und Kosteneinsparungen hinzu – insgesamt werden 3,2 Stellen abgebaut.
Doch parallel dazu senken TZ und Landbote ab dem 1. April 2007 auch den Kombitarif von 8 auf 15 Prozent. Das soll Mehrvolumen bringen, schmälert zunächst aber nur die Einnahmen. Das geschieht umso mehr, weil beide Verlage erst einmal in Frauenfeld in eine neue Anzeigenabteilung investieren müssen. Das kostet zudem Zeit und Lehrgeld. Denn beide Verlage haben im nationalen Werbemarkt kaum Erfahrungen und Kontakte. Die TZ ist erst seit wenigen Tagen vollständig in Eigenregie, und der Landbote bleibt noch ein Jahr in P-Vollpacht, danach wechselt er sozusagen in die Vollpacht der Tamedia-Tochter Thurgauer Medien. Diese wird dann ihr Können erst beweisen müssen.
Das Senken des bewährten Kombitarifs zeigt somit: Weil den zwei Verlagen die Kontakte zum nationalen Markt noch fehlen, müssen sie über einen günstigeren TKP auf sich aufmerksam machen. Zumal der Verbund Nordostschweiz mit insgesamt 78 000 Exemplaren aus nationaler Sicht ein Leichtgewicht bleibt.
Türen offen haltenDas wissen auch Lothar Dostal, Geschäftsführer von Ziegler Druck, und Lüdi, und darum betonen beide, dass sie die Türen ihres Verbundes für die Schaffhauser Nachrichten (SN) weit offen halten. Denn erst mit der SN würde der neue Verbund die Auflagengrenze von 100 000 Exemplaren überschreiten. Vor einem Jahr war die SN denn auch in die Verbund-Gespräche einbezogen worden, stieg aber bald wieder aus. «Wir wollen keine Zeitung machen, die gleich aussieht wie die TZ und der Landbote», sagt SN-Chefredaktor und Verleger Norbert Neininger. Zudem wäre die SN-Druckerei mit einer 4-Bund-Zeitung überfordert. Doch gerade weil Dostal und Lüdi um Neiningers Streben nach Eigenständigkeit wissen, legten sie den neuen Verbund bewusst so an, dass er ohne gemeinsame Tochterfirma auskommt – quasi als Geste des guten Willens und auf die Zukunft hin. Auch das Kombi 1b, das die SN mit einbezieht, halten sie aufrecht.
Dennoch verhalten sie sich auch der SN gegenüber widersprüchlich. So war die Tarifreduktion bei der Nordostschweiz (Kombi 1a) nicht mit Neininger abgesprochen, obwohl das Kombi 1b, dem auch die SN angehört, darauf aufbaut. Offen ist nun, ob das Kombi 1b bei seinem Tarif bleibt oder ob dieser analog zum Kombi 1a gesenkt wird. So oder so muss die SN mit Umsatzeinbussen rechnen. Obwohl vom Schritt der Nordostschweizer überrascht, gibt sich Neininger gelassen und setzt auf Gespräche. Er scheint eher an einen Fauxpas zu glauben als an den Versuch von TZ und Landbote, die SN zusätzlich zu isolieren. Verhandeln will er ohnehin. «Im kommerziellen Bereich machen wir alles mit, was Sinn macht», sagt er mit Blick auf die vom Verbund geplanten Immobilien- und Stellenbeilagen. Es sei zumindest nicht ausgeschlossen, dass er noch per 1. April einsteigen werde, sagt Neininger.
Der Verbund im ÜberblickDie beiden Titel
Thurgauer Zeitung (TZ) und Landbote treten ab 2. April 2007 im Untertitel als «Die Nordostschweiz» auf. Der neue Verbund sieht eine gemeinsame Mantelredaktion in Winterthur und die Bündelung des gemeinsamen Verlagsgeschäfts in Frauenfeld vor. Insgesamt werden 3,2 Stellen abgebaut. Chefredaktorin des gemeinsamen Mantels wird Colette Gradwohl, die Chefredaktorin des Landboten. Für TZ-Chefredaktor Andreas Netzle, der Mitte Jahr in die Politik wechselt, wird noch im ersten Quartal ein Nachfolger ernannt. Der optische Auftritt der TZ gleicht sich auf den 2. April hin dem Layout des Landboten an, die TZ wird auch wie der Landbote als 4-Bund-Zeitung erscheinen.Den Verlag des Landboten leitet weiterhin Felix Walder, die Leitung der gemeinsamen Verlagsgeschäfte (Aboverwaltung, Beilagenredaktion, Marketing, Druckvorstufe, Vertrieb) übernimmt aber Urs Bucher, Verlagsleiter der TZ. Ihm obliegt dereinst auch das gesamte Anzeigengeschäft der beiden Titel. Die TZ, die bisher das nationale Geschäft der Publicitas anvertraut hatte, steht seit Anfang 2007 ohnehin ganz auf eigenen Beinen. Der Landbote, noch bis Ende 2007 in P-Vollpacht, lässt sich die Vermarktung ab 2008 von der Thurgauer Medien besorgen. Diese baut für die lokale Vermarktung des Landboten in Winterthur ein neues Verkaufsteam auf.
Ab April lancieren die beiden Titel ferner eine neue Stellenbeilage sowie einen neuen Immobilienmarkt für die Nordostschweiz.
Keine Überraschung, aber etwas ÄrgerWeder beim St. Galler Tagblatt
noch bei der NZZ-Gruppe noch bei den Züriland-Zeitungen wurde man vom neuen Verbund überrascht. Erland Herkenrath, Geschäftsführer beim Zürcher Unterländer (ZU) und bei der ZürichseeZeitung (ZSZ), zeigt sich jedoch etwas verärgert über den Namen «Nordostschweiz». Denn noch vor zwei Jahren existierte unter diesem Titel ein Anzeigenkombi, das sechs Titel zusammenfasste, die drei Züriland-Zeitungen (Zürcher Oberländer, ZU und ZSZ), den Landboten, die Thurgauer Zeitung und die Schaffhauser Nachrichten. Es wies 400 000 Leser aus. Der neue Verbund kommt dagegen bloss auf 150 000 Leser. «Aber wir wussten, dass sich ein geografischer Name nicht schützen lässt», sagt Herkenrath. Markus Knöpfli