Steilpass für neue Kapitale

Rätsel Der Werbegag «Wähle eine neue Hauptstadt» hat alles, was eine gute Teaser-Kampagne braucht. Sie finanziert sich selbst, sie stiftet Verwirrung – und sie geniesst viel Publicity.

Rätsel Der Werbegag «Wähle eine neue Hauptstadt» hat alles, was eine gute Teaser-Kampagne braucht. Sie finanziert sich selbst, sie stiftet Verwirrung – und sie geniesst viel Publicity.Zu übersehen sind sie wahrlich nicht: die Plakate, die eine neue Hauptstadt suchen. «Stimmbürger» können per SMS für Zürich, Bern, Genf und Basel abstimmen. Kaum waren die 800 Plakate in den vier Städten aufgehängt, sorgten sie für Gesprächsstoff. Auf den Strassen und im Internet. Zu reden gibt weniger der Inhalt, als vielmehr die Frage nach dem Initianten der Kampagne. Denn dieser bleibt auf den Plakaten und auf der Wahl-Website anonym. Wer steckt hinter diesem Werbegag? Ein Polit-Komitee? Oder ist es die Fortsetzung der Tagi-Wappen-Kampagne? Eine kurze Internetrecherche brachte letzte Woche Klarheit. Schweizer Blogger wollten herausgefunden haben, dass es sich um eine Kampagne der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) handelt, die zusammen mit der Universität Zürich die Werbewirkung von Plakatwerbung untersucht. Denn die Domain der Wahl-Website ist auf den Namen einer Psychologiestudentin der Uni Zürich registriert, die sich mit Werbewirkung beschäftigt. Als technischer Kontakt der Website ist Christian Hotz erwähnt, der bei derAPG betreibt.
Falsche FährtenSo weit, so gut. Die Indizien sprachen eine klare Sprache. Für die Internet-Szene und einzelne Medien war klar, dass die APG eine Werbewirkungsstudie à la Angie Becker durchführt. «Natürlich steckt die APG dahinter, zusammen mit irgendeiner Studentin, die irgendeine Forschung macht, die dann die APG nutzen kann, um aufzuzeigen, wie effizient doch so ein Plakat ist», schreibt Christian Leu vom Leumund-Blog. Schnell verbreitete sich die Botschaft. Das Rätsel um die mysteriöse Aktion schien gelüftet worden zu sein.
Werbewoche-Recherchen konnten jedoch aufdecken, dass es sich um eine falsche Fährte handelte, die von den Machern der Kampagne bewusst gelegt wurde. Denn die Halterin der Hauptstadt-Domain verfasste ihre Forschungsarbeit, auf die sich die Bürgerjournalisten bezogen, letztes Jahr. Dabei handelte es sich um eine Literaturrecherche, die verschiedenste Studien zu Werbewirkung von Plakatkampagnen verglich.
Am Telefon erklärte Anita Stalder, so der Name der Studentin, dass der gemachte Zusammenhang zwischen ihr und der APG unglücklich sei. «Ein Missverständnis», denn sie sei über persönliche Kontakte zur Halterin der Domain geworden, habe mit einem Forschungsauftrag und mit der Kampagne nichts zu tun. Die APG hüllt sich über die Hintergründe der Kampagne weiterhin in Schweigen. Sie bestätigte die Indizien der Werbewoche, kommentierte die Recherchen aber nicht. «Das Komitee möchte weiterhin anonym bleiben», sagt Christian Hotz. Mehr war nicht zu erfahren.
Eine falsche Fährte, eine APG, die ihren Kunden anonym halten will, eine Studentin, die Plakate erforscht, jedoch nichts mit der Kampagne zu tun hat? Wenn die APG die Finger nicht im Spiel hat, wer dann? Werber sind sich einig, dass ein Grosser am 14. Januar für ein Aha-Erlebnis sorgen wird.
Die Hinweise verdichten sich, dass die Werbeagentur Publicis die rätselhafte Kampagne kreiert hat. «Zu vermuten ist, dass es um die neue Fussballhauptstadt der Schweiz geht», sagt Frank Bodin von Euro RSCG. Das lassen jedenfalls die Plakate vermuten. Denn die Austragungsorte der Euro 08 auf Schweizer Boden werden Zürich, Basel, Genf und Bern sein. Das Gerücht unter Branchenkennern, es könnte sich um eine Kampagne von Publicis für Swisscom-Mobile handeln, kann dementiert werden.
Politiker in Bern staunenCD Markus Gut von Publicis stellt klar, dass Publicis in diesem Fall keine Werbung für Swisscom-Mobile macht. Es bleiben also weiterhin nur Spekulationen und eine mysteriöse Kampagne, die es geschafft hat, viel Publicity zu ernten, ganz viel Verwirrung zu stiften und im Internet für Gesprächsstoff zu sorgen. Was auch ganz im Sinn der Macher war. Denn das Prinzip Teaser-Kampagne funktioniert nur dann, wenn nach dem grossen Rätselraten ein lautes Aha folgt. Und noch etwas ist sehr gelungen: Eine Volksabstimmung, die sich mit 50 Rappen pro SMS gleich mitfinanziert. Das dürfte die Politiker in Bern sicher zum Nachdenken anregen. Die Bundeskanzlei empfehle jedoch den Bundesan-gestellten, die Wahl einer neuen Hauptstadt zu boykottieren, schreibt der Blick.
Am 14. Januar wird der Gag aufgelöst. Dann wird vermutlich Basel, das seit Kampagnenstart das Ranking anführt, als «neue Hauptstadt» feststehen.
Christian Lüscher

Zwei Kleine ganz gross

Caroline und Jean-Marc Demeulemeester wollen mit Demeulemeester Publicité in Winterthur als Kleinagentur Leistungen wie die Grossen erbringen.

Caroline und Jean-Marc Demeulemeester wollen mit Demeulemeester Publicité in Winterthur als Kleinagentur Leistungen wie die Grossen erbringen.Lieber eine neue Agentur bewusst in Winterthur als «die dreissigste in Zürich», sagt Jean-Marc Demeulemeester. Der CD mit 20-jähriger Erfahrung bei Grossagenturen wie Advico Young & Rubicam, Publicis, JWT+H+F und zuletzt vier Jahre bei Lang Gysi Knoll hat im Dezember zusammen mit seiner Frau und bekannten Marketing Managerin Caroline Demeulemeester ein neues Büro in Winterthur eröffnet. Bereits im Sommer 2006 wurde Demeulemeester Publicité gegründet. Die Kleinagentur will «Leistungen wie die Grossen anbieten». Dank den Erfahrungen des Paares und einem über die Jahre gewachsenen Beziehungsnetz mit vielen Spezialisten von Alex Schmid Direct bis Konnex von Peter Döbeli will Demeulemeester «lieber mit einer flinken Truppe statt einem grossen Apparat» arbeiten. Das sei es auch, was Kunden immer mehr wünschen: «Abdecken, was gebraucht wird, und in jedem Bereich die besten Profis aussuchen».
Caroline Demeulemeester arbeitet seit 15 Jahren als Werbeleiterin und Marketing Managerin. Zuerst in Agenturen, später auf Kundenseite, konnte sie bei Grossfirmen wie Beauté & Parfums von L’Oréal, Coop Schweiz, Jumbo-Markt und Credit Suisse Group ein umfassendes Know-how erwerben.
Eingestiegen in die Branche ist sie mit einem Marketing-Studium in Milano. «Ich wollte einen Master of Advertising. Das gab es in der Schweiz aber nicht.» So hat die Belgierin mit französischer Muttersprache schliesslich am Istituto Europeo di Design in Milano sowie an der Universität Bocconi vier Jahre lang internationales Denken geschnuppert. «An der Schule haben berühmte Dozenten unterrichtet, und unter den Kommilitonen waren später bekannte Namen wie zum Beispiel der Benetton-Fotograf Oliviero Toscani», schwärmt sie über diese inspirierende Zeit. Weil man in Mailand auch mit einem EU-Diplom in Marketing & Advertising, aber ohne Vitamin B kaum einen Job in der Werbung ergattern konnte, startete die auf Strategie und Market-Research spezialisierte Jungwerberin ihre Karriere schliesslich in Genf.
«Ziemlich idealistisch» sei ihre Vorstellung von Werbung damals gewesen, denn am Istituto wurde ihr Wissen auch von «spannenden Projekten» geprägt, welche die Schule in Zusammenarbeit mit grossen Weltmarken realisieren konnte. In Genf blieb es weiter international, dafür etwas pragmatischer. Sie durfte in einer spezialisierten Agentur Werbung für Piaget in ganz Europa machen. Das funktionierte allerdings nicht so, wie sie es gelernt hatte. «Die Menschen in der Kreation haben vorwiegend den Inhalt bestimmt.»
Sie aber wollte lieber Marketing machen sowie an Produkten und Marktforschung mitarbeiten. Darum wechselte sie zuerst auf Kundenseite und wurde im Jahre 2002 selbstständiger Marketing Consultant. Als Beraterin unterstützt Caroline Demeulemeester auch weiterhin zahlreiche Projekte für Firmen, die zum Beispiel ein Distributionskonzept wollen, eine Prozessoptimierung oder Marketing-Analysen. Mit der zusätzlichen Tätigkeit in der neu gegründeten Agentur mit ihrem Mann kehrt sie jetzt «quasi wieder in die Werbung zurück».
Jean-Marc Demeulemeester entdeckte schon in der Schule seine «Urliebe für die Werbung» und begann mit 16 eine Lehre als Grafiker. Im nachfolgenden Karussell durch namhafte Agenturen gewann der Kommunikationsprofi und Gestalter zahlreiche Auszeichnungen. Im letzten Jahr krönte er seine Arbeit mit einem bronzenen Löwen in Cannes in der Kategorie Direct für die Post. Stolz ist er auch auf seine Kampagnen für Swiss Life, Heinecken, die Werbung mit den kreativ geschälten Kartoffeln für Schweizer Bauern sowie die erste Serie des Konzepts «Wir lassen uns nicht behindern» für Pro Infirmis.
Die Idee, gemeinsam selbstständig zu werden, ist bei Caroline und Jean-Marc Demeulemeester über längere Zeit gereift. «Irgend einmal dachten wir, das sei eigentlich nur logisch, unsere Know-hows zusammen zu legen.» Auch in ihrem Umfeld wurden sie immer wieder darauf angesprochen. Das Ehepaar galt als «Dream Team». Wieso sollte das nicht auch im Beruf funktionieren?
Trotzdem hatten beide Berührungsängste. Wie wirkt sich das auf die Beziehung aus? «Fremde brauchen zwar länger, bis sie sich verstehen. Wir sind sehr schnell.» Aber ist es möglich, als Paar bei einer Diskussion nicht beleidigend zu sein? «Fadengerade Kommunikation macht es einfacher, aber auch komplexer.» Die letzte Unsicherheit war schliesslich: Darf man ein solches Risiko der zweifachen Selbstständigkeit eingehen bei einer Familie mit drei Kindern?
Der Entscheid fiel dann während  Ferien in Dubai. Von dort kommt auch ein erster Auftrag. Weil Carolines Bruder im Wüstenstaat als Berater für einwanderungswillige Firmen wirkt, hat er einer solchen die massgeschneiderte Werbeagentur vermittelt. «In Dubai sind auch grosse Agenturen wie Publicis oder Y&R nur Start-ups. Da haben wir als kleine und Inhaber geführte Agentur fast bessere Chancen», weiss Demeulemeester Publicité. Vielversprechende Kontakte bestehen ebenfalls zu Kunden in Paris. Aber auch in Winterthur und der Ostschweiz will man akquirieren. «Hier gibt es ein paar der interessantesten Marken direkt vor der Haustür», weiss Jean-Marc.
Nicht direkt vor der Tür des Familienhauses wollte Demeulemeester jedoch das neue Büro installieren. Wenn beide Partner in der gleichen Agentur arbeiten, muss man sich abgrenzen können. «Man muss Disziplin aufbauen», meint Caroline Demeulemeester. Schon als Unternehmensberaterin hat sie sich an fixe Arbeitszeiten gehalten, über Mittag den Telefonbeantworter eingeschaltet und für die Kinder gekocht. Jetzt sind die Grenzen geografisch noch besser gezogen. Die Arbeit soll in Winterthur bleiben. Wer am Weekend arbeiten muss, geht ins Büro und hat so auch die nötige Ruhe.
In Winterthur hat es Platz für fünf Leute. Demeulemeester Publicité will keine grosse Agentur werden. «Das Konzept ist uns ernst. Wir wollen eine Art Boutique sein, wo man sehr persönlich Kunden betreuen kann.» Bei Demeulemeester bleibt Werbung auch nach dem Pitch Chefsache und wird nicht von einer zweiten Garnitur ausgeführt.
Andreas Panzeri

Comedia fordert Mindestbeträge für Regional- und Lokalpresse

Die Mediengewerkschaft Comedia begrüsst den Vorschlag der Staatspolitischen Kommission des Nationalrats, die indirekte Presseförderung mittels Beteiligung an den Verteilungskosten auch nach 2007 weiter zu führen, fordert aber Mindestbeiträge.

Die Mediengewerkschaft Comedia begrüsst den Vorschlag der Staatspolitischen Kommission des Nationalrats, die indirekte Presseförderung mittels Beteiligung an den Verteilungskosten auch nach 2007 weiter zu führen. Comedia fordert aber, dass die in der Vorlage bezifferten jährlichen Förderbeiträge von 60 Millionen Franken für die allgemeine Presseförderung und 20 Millionen Franken für die Regional- und Lokalpresse als Mindestbeträge formuliert werden, wie einer Stellungsnahme zu entnehmen ist.  
Mit der Presseförderung wird die Post weiterhin verpflichtet, abonnierte Zeitungen und Zeitschriften zu distanzunabhängigen Vorzugspreisen zuzustellen. Dazu gehört auch die für die demokratische Meinungsbildung wichtige Mitgliederpresse. Die Mediengewerkschaft zeigt sich erfreut, dass ein Teil der Förderbeiträge neu für die kleineren Tages- und Wochenzeitungen der Regional- und Lokalpresse reserviert wird, denn die spezielle Förderung dieser kleinauflagig Presse sei ein Beitrag dazu, wertvolle Arbeitsplätze in einer Branche zu sichern, die in den letzten Jahren von einem grossflächigen Stellenabbau betroffen war.

Neues Gratistabloid für das Glarner Unterland

Gratispresse Das Glarner Unterland bekommt einen neuen Wochentitel aus dem Hause Südostschweiz.

Gratispresse Das Glarner Unterland bekommt einen neuen Wochentitel aus dem Hause Südostschweiz.GlarusNord-Anzeiger heisst das neue Tabloid, das ab dem 12. Januar jeden Freitag kostenlos und per Frühzustellung in die Haushalte des Glarner Unterlandes in den Gemeinden Bilten, Niederurnen, Oberurnen, Filzbach, Obstalden, Mühlehorn, Mollis und Näfels in einer Auflage von 70’000 Exemplaren verteilt wird. «Damit gelangt die Gratiszeitung just in  jene acht Gemeinden, die als Folge der Glarner Gemeindefusion ab 2011 eine gemeinsame Gemeinde bilden werden», teilt die Verlagsgruppe Südostschweiz mit. Der GlarusNord-Anzeiger löst den Linth Land Anzeiger ab, der von Herausgeber Küng Druck eingestellt wurde und mit dessen Vorgängerblatt  Glarner Anzeiger auf eine 100-jährige Tradition zurückblicken kann. Die Südostschweiz fokussiert mit ihrem neuen 16-seitigen Tabloid, das sich gegenüber dem Vorgängerprodukt durch redaktionelle Eigenleistungen auszeichnen soll, auf die Funktion eines klassischen Anzeigers, der als Werbeplattform für angestammtes Gewerbe und Vereine sowie den Gemeindeverwaltungen für amtliche Mitteilungen dient. Eine vierfarbige Anzeigenseite soll es schon für 1200 Franken geben. Für den Anzeigenverkauf ist die Südostschweiz Publicitas in Glarus verantwortlich.
Auf redaktioneller Seite hat die Südostschweiz Presse AG eine 50-Prozentstelle eingerichtet und will mit freien Journalistinnen und Journalisten zusammenarbeiten. Regelmässig sollen Porträts, Kolumnen, persönlich gefärbte Umfragen erscheinen und wöchentlich mit einer Frontstory aufmachen. Das Blatt versteht sich strictly local, die Nähe zur Bevölkerung hat oberste Priorität. Synergien mit anderen Wochenzeitungen aus dem Hause Südostschweiz sollen sowohl redaktionell als auch im Bereich der Druckvorstufe genutzt werden, wie das Unternehmen mitteilt.
René Worni

Wieder mehr Grossinserate

Digitale Übermittlung Drei Jahre nach der letzten Tarifreduktion kann PrintOnline die Preise für übermittelte Inserate wieder senken.

Digitale Übermittlung Drei Jahre nach der letzten Tarifreduktion kann PrintOnline die Preise für übermittelte Inserate wieder senken.Werbeauftraggeber, die in Printtiteln ein Inserat buchen und dieses den einzelnen Verlagen zukommen lassen wollen, wickeln den Versand immer häufiger über die Firma PrintOnline (POL) ab. POL versteht sich gemäss Homepage denn auch als «Drehscheibe» zwischen Kunden, Grafikern, Lithografen und Agenturen einerseits und Verlagen oder Druckereien andererseits. Für jedes Inserat, das via POL zu einem Verlag gelangt, entrichtet letzterer eine Abgabe: Grossverlage bezahlen eine jährliche Anschlussgebühr von 15000 Franken und pro Inserat 10 Franken. Kleinere Verlage können auf eine Anschlussgebühr verzichten, bezahlen aber 30 Franken pro Anzeige. Sind die Inserate kleiner als 311 Quadratzentimeter (eine halbe Tabloidseite), zahlen Grossverlage 6, Kleinverlage 18 Franken. Hinzu kommt in jedem Fall eine Gebühr von 2 Franken pro übermitteltes Megabyte.
Diese Datenmengen-abhängige Abgabe reduziert POL per 2007 auf einen Franken. Damit senkt die Firma erstmals seit 2003 wieder ihren Tarif, wenn auch nur minim. Möglich ist dies, weil POL durch eine Reihe von Optimierungsmassnahmen im Bereich Hochleistungsnetzwerk und Storage das Betriebsbudget um rund 200000 Franken senken konnte, wie Geschäftsführer Kurt Obrist erklärt.
POL war 1998 von Publicitas, Ringier, Tamedia und NZZ als Nonprofit-Unternehmen gegründet worden, im Sinne einer Branchenlösung und um den Werbeauftraggebern das Handling der Printwerbung zu erleichtern.
Allfällige Überschüsse gibt POL deshalb den Verlagen in Form von Tarifreduktionen weiter. Doch wegen der Inserateflaute stagnierte bei POL der Umsatz, auch letztes Jahr. Zwar nahm die Zahl der jährlich online übermittelten Inserate stetig zu (Ausnahme: 2002), doch weil diese aus Spargründen tendenziell kleiner wurden, wuchsen die POL-Einnahmen weniger stark als das Volumen. Das Jahr 2005 macht dies besonders deutlich: POL leitete damals 123836 Inserate weiter, 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr, doch machten die Kleininserate mit 55 Prozent mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens aus.
Mehr VolumenLetztes Jahr bekam POL zwei andere Trends zu spüren: Zum einen zog das Werbevolumen in Zeitschriften und Zeitungen wieder an, sogar kommerzielle Anzeigen lagen leicht im Plus, weshalb POL sein Volumen erneut um 2,7 Prozent auf 125841 Inserate steigern konnte. Angesichts der boomenden Stellenanzeigen mag es allerdings erstaunen, dass POL nicht stärker zulegen konnte.
Doch bei den Rubriken macht sich eben der zweite Trend bemerkbar: Diese Inserate werden immer häufiger via Publiconnect, Scout24, Unio oder Prospective, die spezialisierten Anbieter für Online- und Print-Rubrikenmärkte, geschaltet und übermittelt – an POL vorbei. Die Folge: POL konnte den Anteil der Kleininserate erstmals nicht mehr weiter steigern, sondern mit 54 Prozent nur knapp halten – was in einem boomenden Segment einem Marktanteilsverlust entspricht. Obrist ist darüber jedoch weder überrascht, noch mag er von einem Verlust sprechen. «Wir sind daran, in unseren angestammten Bereich, den kommerziellen Anzeigen, zurückzukehren, und konnten hier, insbesondere mit nationalen Kampagnen, auch wieder zulegen», konstatiert er.
Für 2007 hat sich Obrist zum Ziel gesetzt, den manuellen Aufwand im gesamten Inserate-Workflow noch weiter zu minimieren. Deshalb sollen die POL-Schnittstellen sowohl zu den Vorstufenbetrieben als auch zu den Verlagen verbunden und automatisiert werden. Obrist will dieses Jahr vermehrt auf solche Firmen zugehen.
Dasselbe Ziel hat er auch mit dem australischen Unternehmen Quickcut, über dessen deutsche Tochterfirma 20 bis 30 ausländische Werbekunden ihre Inserate in Schweizer und anderen europäischen Printtiteln disponieren. «Auch zu Quickcut haben wir noch eine manuelle Schnittstelle, die wir automatisieren wollen», sagt Obrist. So, dass ausländische Kunden leichter in der Schweiz inserieren können. Und umgekehrt: Via POL und Quickcut soll das Inserieren in ausländischen Printmedien auch für Schweizer Unternehmen einfacher werden.
POLAS stillgelegtVor drei Jahren trat POL
mit dem Angebot POLAS (PrintOnline Anzeigensystem) an, für das gar eine eigene Firma gegründet wurde. Diese habe nun aber ihre Aktivitäten eingestellt, sagt Kurt Obrist. Der Grund: Bisher fand sich kein einziger Kunde, der das Angebot im Bereich «Remote Publishing» nutzen wollte. Inserenten, etwa Autoimporteure, die ihre Inserate beispielsweise regional anpassen müssen, sollten ein Grundinserat mit dem eigenen CI im POL-System so speichern können, dass autorisierte Garagisten darauf zugreifen, ihren individuellen Text einsetzen, gegebenenfalls ein anderes Bild wählen und danach einen Buchungsauftrag für die Regionalzeitung erteilen können. Warum das Angebot keinen Anklang fand, weiss auch Obrist nicht genau. «Ich bin aber der Meinung, dass Remote Publishing in Zukunft wichtig wird, darum bleiben wir mit POLAS Gewehr bei Fuss», sagt er. Markus Knöpfli

Sex sells no more

Aufgefallen Die Ostschweizer Regionalsender Tele Top und Tele Südostschweiz haben ihren Erotiksendungen nach Mitternacht das Testosteron entzogen.

Nachtprogramme Seit Beginn dieses Jahres fällt auf, dass die Ostschweizer Regionalsender Tele Top und Tele Südostschweiz ihren Erotiksendungen nach Mitternacht das Testosteron entzogen haben. Das «Erwachsenenprogramm» mit dem auffordernden Titel «Watchme TV» ist nach fünf Jahren eingestellt worden. Stattdessen strahlt Tele Top Wiederholungen seiner Newsformate und Magazine aus. Die Debatte um Porno- und Gewaltdarstellungen, die sich Jugendliche auf ihr Handy laden, war laut den Sendern mitentscheidend für den Verzicht auf das Geschäft mit der Erotik. Tele Top geht davon aus, dass die Pornoanbieter in Zukunft in den Werbeblöcken noch härtere Inhalte vertreiben wollten. Die Sender verlieren durch die Streichung der Erotiksendungen «viel Geld». Aufgefallen beim Zappen durch die Nacht ist dem Zuschauer bereits vor drei Wochen, dass auch Star TV seinem Lovers TV die Liebe gekündigt hat. Star TV schlägt sich die Nacht stattdessen mit Unterhaltungsfilmen oder kultigen Horror Movies um die Ohren. Weiterhin auf nackte Tatsachen setzen dagegen die Privatsender 3+ und U1. Andreas Panzeri

Farner-Index: 2007 wird mehr in Kommunikation investiert

Die Schweizer Wirtschaft sieht für das Jahr 2007 beträchtliche Investitionen in den Kommunikationsbereich vor. Dieser Trend lässt sich dem kürzlich veröffentlichen Farner Kommunikationsindex entnehmen.

Die Schweizer Wirtschaft sieht für das Jahr 2007 beträchtliche Investitionen in den Kommunikationsbereich vor. Dieser Trend lässt sich dem soeben veröffentlichen Farner Kommunikationsindex entnehmen. So haben etwa neun von zehn Schweizer Unternehmen für das Jahr 2007 ihre Kommunikationsbudgets erhöht oder gehalten. Als Grund für die veränderten Budgets nennen 25 Prozent der Unternehmen die Anpassung an den kommenden Bedarf, in 13 Prozent der Unternehmen haben sich die verfügbaren Mittel verändert.  
Der Farner Kommunikationsindex startete zu Beginn der Messungen im Jahre 2003 mit einem Wert von 71 und erreicht nun mit 91 Prozent das Fünfjahreshoch. Er wird vom Meinungsforschungsinstitut Isopublic im Auftrag von Farner Consulting erhoben und basiert auf einer repräsentativen Umfrage bei den 500 grössten Schweizer Unternehmen. Der Index erfasst die ganze Bandbreite der Corporate Communications, insbesondere PR, Werbung und Events. Er wird alljährlich um den Jahreswechsel erhoben und spiegelt die Absichten und Erwartungen der Schweizer Unternehmen im Kommunikationsbereich wider.

Radio LoRa wehrt sich gegen kleineres Sendegebiet

Der Zürcher Alternativsender Radio LoRa befürchtet, dass sein Sendegebiet durch den Bundesrat verkleinert wird.

Der Zürcher Alternativsender Radio LoRa befürchtet, dass sein Sendegebiet durch den Bundesrat verkleinert wird. Damit würde die integrative Arbeit zu Gunsten von sozialen und ethnischen Minderheiten behindert. Nach Angaben des Alternativsenders will der Bundesrat die Sendegebiete von Radio 24 und Radio Energy ausweiten, damit diese eine bessere Wirtschaftlichkeit erreichen. Dabei beruft sich Radio LoRa auf eine bis am 22. Januar dauernde Anhörung des Bundesrats, wie die SDA berichtet.  
Radio Lora wehrt er sich und setzt sich für sein bisheriges Sendegebiet, so der Sender. Die Macher von Radio LoRa sind etwa 300 Freiwillige. Das werbefreie Radio sendet Informationen in 20 Sprachen.

Erfolgreiches 2006 Basel West

Die Basler Agentur für Unternehmenskommunikation Basel West hat im Jahr 2006 eine Reihe neuer Mandate dazugewonnen.

Die Basler Agentur für Unternehmenskommunikation Basel West hat im Jahr 2006 eine Reihe neuer Mandate dazugewonnen. So zum Beispiel die Lancierung des neuen Life Science Parks Allschwil-Basel für Burckhardt + Partner, ein PR-Mandat für Formex, das 125. Jubiläum der Heilsarmee Schweiz, die Jermann Ingenieure + Geometer, LIF Leaders’ Integrity Foundation – ein Netzwerk für unternehmerische Ethik, Pantec für pharmatechnische Patente, die Sammelstiftung Prosperita, der Tätigkeitsbericht von Rivella sowie ein neues Kundenmagazin von Soprema Abdichtungs-Systeme. Mit dem Jugendmagazin Teensmag hat die Agentur ausserdem einen über zwanzigjährigen Gestaltungsauftrag verloren. Der Herausgeber realisiert das Layout nun verlagsintern.

Run auf Bluewin-TV überfordert das Unternehmen

Nur zwei Monate nach der Lancierung haben über 20’000 Kunden das Internet-Fernsehen von Swisscom bestellt: deutlich mehr als erwartet. Bei der Installation gibt es daher Engpässe.

Nur zwei Monate nach der Lancierung haben über 20’000 Kunden das Internet-Fernsehen von Swisscom bestellt. Das sind deutlich mehr als erwartet. Bei der Installation gibt es daher Engpässe. In über 10’000 Haushalten wurde das neue Fernsehangebot bereits erfolgreich installiert, wie das Unternehmen berichtet. Swisscom Fixnet arbeite aber mit Hochdruck daran, die noch pendenten Bestellungen abzuarbeiten und erhöhe die Installationskapazitäten.  
Allerdings müssten die Kunden teilweise noch bis zu sechs Wochen warten. Um die Wartezeiten zu verringern, hat das Unternehmen das bestehende Team mit 300 Installateuren um weitere 100 Techniker ergänzt. Engpässe soll es auch bei der Verfügbarkeit der Router geben. Davon betroffen seien einzelne Regionen der Westschweiz.
 
Die Resonanz bei den Kunden sei dennoch positiv, so die Swisscom. Nach Angaben des Unternehmens werden vor allem die einfache Bedienung und die attraktiven Inhalte geschätzt. Auch die Reaktionen branchenverwandter Marktteilnehmer seien durchwegs zustimmend und deren Echo positiv. Swisscom legt bei der Distribution derzeit den Fokus auf die Markteinführung im Privatkunden-Segment. Interessierte Vertriebspartner und deren Verteil-Netze verweist das Unternehmen daher auf das zweite Halbjahr 2007.

Blick setzt auf Zürcher Friends

Tageszeitungen Scholz & Friends Zürich verantwortet ab sofort die Kommunikation der Boulevardzeitung Blick.

Tageszeitungen Scholz & Friends Zürich verantwortet ab sofort die Kommunikation des Blicks, der auflagenstärksten Schweizer Tageszeitung aus dem Hause Ringier. Die Zürcher Friends überzeugten den Verlag in einem Pitch gegen zwei Mitbewerber. Der Etat umfasst sämtliche Kommunikationsmassnahmen. Dietrich Berg, Verlagsleiter Blick, zur Agenturentscheidung: «Scholz & Friends Zürich hat uns mit ihrer Kombination aus Medienkompetenz und exzellenter Kreation überzeugt. Es ist gut, einen internationalen Partner an der Seite zu haben, der uns mit einem grossen Orchester der besten Ideen überzeugt hat.» Katrin Seegers, Geschäftsführerin Beratung Scholz & Friends Zürich: «Für uns ist der Blick ein hochkarätiger Kunde, der immer mutig und ideenreich den Schweizer Zeitungsmarkt bestimmt. Wir freuen uns auf die Herausforderung.»
Blick ist der dritte Etatgewinn, seitdem das Trio Katrin Seegers, Jan Leube und Matthias Spaetgens die Geschäftsführung von Scholz & Friends Zürich im Frühsommer 2006 übernommen hat. Scholz & Friends Zürich betreut Kunden wie Balisto, Ebly, Masterfoods, Credit Suisse, Riso, Honda und Siemens Hausgeräte.
Andreas Panzeri

By Heart macht gluschtig auf die neue Betty Bossi Zeitung

Die Zürcher Agentur By Heart zeichnet für den Relaunch und die Launch-Kampagne der Betty Bossi Zeitung aus dem Hause Ringier verantwortlich.

Die Zürcher Agentur By Heart zeichnet für den Relaunch und die Launch-Kampagne der Betty Bossi Zeitung aus dem Hause Ringier verantwortlich. Ringier hat sich nach einer Konkurrenzpräsentation für By Heart entschieden. Geplant sind acht zusätzliche Seiten, ein frisches Layout, mehr spannender Inhalt sowie noch mehr konkreter Nutzen für die über 850’000 Abonnenten. So zum Beispiel eine Online-Rezeptdatenbank. In der zweiten Januarwoche startet die Lauch-Kampagne mit vier Printsujets, welche die die neue Attraktivität der Zeitung hervorheben sollen.
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