Auf die Form kommt es an

Mode Publicis bringt für Nifty Oxford die Männer in Form.

Mode Publicis bringt für Nifty Oxford die Männer in Form.Die fetten Tage nach Weihnachten sind vorbei. Jetzt gilt es, Mass zu halten oder wieder einmal das Fitnessabo zu nutzen. Doch zum Glück gibt es für alle Disziplinlosen und Genussmenschen eine Alternative. Wem der Hosenbund zu stramm sitzt, der begibt sich nach Ansicht der Kreativen von Publicis am besten unters Messer oder noch besser unter die Schere ihres Kunden Nifty Oxford Couture. Geschickte Hände werden dort individuelles Mass nehmen und danach chirurgisch präzise das gewünschte Kleidungstück passgenau auf den Leib schneidern.         Andreas Panzeri

So dünn wie noch nie

Presse Die Weltwoche leidet an Magersucht. Seit Jahresbeginn hat das Blatt bis zu einem Viertel abgespeckt. Nichts Aussergewöhnliches, findet Verleger und Chefredaktor Roger Köppel.

Presse Die Weltwoche leidet an Magersucht.  Seit Jahresbeginn hat das Blatt bis zu einem Viertel abgespeckt. Nichts Aussergewöhnliches, findet Verleger und Chefredaktor Roger Köppel.Wer die ersten drei Januar-Nummern in der Hand hält, merkt es schnell: Die Weltwoche ist ein dünnes Blättchen geworden. Ein Blick auf die letzte Seite bestätigt den Eindruck. Seit Jahresbeginn endet das Heft jeweils auf Seite 66. Ein ungewöhnlich tiefer Wert, wie eine Konsultation des letzten Jahrgangs zeigt. 2006 zählte der Blattumfang selbst in inserate- und themenschwachen Sommerwochen noch acht Seiten mehr. Am weitaus häufigsten aber schloss in der Vergangenheit der letzte Satz auf Seite 90. Man rechne: Bis zu einem Viertel ihres früheren Umfangs hat die Weltwoche verloren.Auf SparkursNichts Aussergewöhnliches, findet Verleger und Chefredaktor Roger Köppel. «Wir haben den Blattumfang immer dem jeweiligen Anzeigenumfang angepasst.» Was soviel heisst wie: Sehr dünnes Blatt gleich sehr wenige Anzeigen. Anlass zur Beunruhigung sieht Köppel deshalb keinen. Der auffällig schmale Umfang der Januar-Ausgaben sei konjunkturell bedingt. «Die ersten beiden Januar-Wochen und die Sommermonate sind anzeigenarme Zeiten», weiss der Verleger.
Dass die Umfangreduktion auch Ausdruck von Spar- und Abbaumassnahmen sein könnte, verneint der frisch gebackene Besitzer des Traditionstitels vehement. Im Gegenteil. Seit seiner Rückkehr aus Berlin habe er die Zahl der Geschichten in der Weltwoche gesteigert, nicht verringert. Tatsächlich umfasst die Schmalausgabe vom 18. Januar einiges mehr an Textelementen als etliche der 90-Seiten-Nummern vom vergangenen Jahr. Doch die einzelnen Artikel sind im Durchschnitt kürzer. Damit wird auch klar, wie die Verschlankung zustande gekommen ist. Gespart wird also, nur anders.
In Branchenkreisen ist von einem jährlichen Fehlbetrag von ein bis zwei Millionen Franken die Rede. Diese Zahl bestätigt Köppel freilich nicht, meint aber vieldeutig: «Das Ziel ist noch nicht erreicht. Wir müssen hart dranbleiben.» Mit Sparen alleine sei das aber nicht zu bewerkstelligen. «Wir müssen auch die Erträge steigern. Da sind wir auf Kurs.» Insbesondere die Kioskverkäufe entwickelten sich positiv.
Platz für Inserate schaffenErträge steigern heisst unter anderem die verkaufte Auflage weiter erhöhen. Da befand sich die Weltwoche auf gutem Weg. Im Vergleich zum Vorjahr konnten 2006 zusätzliche 2500 Exemplare abgesetzt werden, wie die Zahlen der Wemf zeigen. Im Kontrast zur leichten Auflagenerhöhung stehen jedoch die Verluste bei der Reichweite. Hier gehört die Weltwoche mit einem Minus von 21000 Lesern in der Periode 2005/06 klar zu den Verliererinnen. Und bei den Inseraten ging 2005 als Krisenjahr in die Unternehmensgeschichte ein. Ob sich die Lage im vergangenen Jahr gebessert hat, lässt sich noch nicht abschliessend beurteilen. Köppel-Vorgänger Jürg Wildberger wusste Ende Juni, dass das Anzeigenvolumen von Januar bis Mai 2006 «über den Vorjahreswerten» lag, Köppel spricht heute von einem guten Abschneiden im vergangenen November und Dezember.
Ginge es nach der Faustregel von Weltwoche-Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann («Vermutlich ist es so, dass Blätter mit sehr scharfem Profil keine finanziellen Grosserfolge werden können»), würde die Baisse hingegen mit Sicherheit anhalten. Zimmermanns Auftraggeber dürfte das ein bisschen anders sehen. Schliesslich ist Roger Köppel zum Erfolg verdammt, will er die Verluste nicht aus dem eigenen Portemonnaie berappen.
Erste Schritte, die das Anzeigengeschäft ankurbeln sollen, sind bereits im Blatt sichtbar. Breitete sich das Inhaltsverzeichnis bis Ende 2006 noch über eine Doppelseite aus, steht nun die rechtsliegende Seite 5 den Inserenten zur Verfügung. Köppel wäre nicht Köppel, würde er diesen Entscheid nicht primär als publizistische Massnahme verkaufen. Das neue Inhaltsverzeichnis sei nun strenger und passe besser zum Blatt. Erst an zweiter Stelle nennt er den wahren Grund: «Ausserdem haben wir prominenten Anzeigenraum geschaffen.»
Der neu gestaltete Einstieg in die Weltwoche ist aber nur eine von zahlreichen Anpassungen an der Blattarchitektur, die Köppel in den letzten Wochen und Monaten vorgenommen hat. «Die Weltwoche franste aus nach meinem Abgang. Ich wollte wieder klarere Schwerpunkte und einen klareren Aufbau im Blatt.» Konkret: Zuvorderst die Wochenaktualität, in der Mitte des Hefts der klassische Magazinteil.
In den Kultur- und Rezensionsteil im letzten Blattdrittel will Köppel «mehr Überraschung und Flexibilität» reinbringen. Dazu wolle er die «starren Strukturen» aufbrechen. So hat er die allwöchentliche Popmusik-Seite abgeschafft. Augenfällig ist auch das Ausscheiden der Rubrik «Ich über mich» mit den eigenwilligen «Gemüseporträts» auf der letzten Seite. Abgeschlossen wird das Blatt seit Anfang Jahr mit einem (honorarfreien) Text aus dem Weltwoche-Archiv. Das will Köppel partout nicht als Sparmassnahme, sondern als «Reverenz an eine grosse Tradition und bedeutende Autoren» verstanden wissen.
Nick Lüthi

Prosit auf Kreativität aus der Schweiz

Bier Saatchi & Saatchi Simko durfte für Carlsberg von der Schweiz aus eine internationale Kampagne zapfen.

Bier Saatchi & Saatchi Simko durfte für Carlsberg von der Schweiz aus eine internationale Kampagne zapfen.Ob die Schweizer den heissen Striptease im Fernsehen sehen dürfen, ist noch nicht entschieden. Dabei geht es nicht um erotische Bedenken. Der Strip für Carlsberg ist am TV wegen seines Alkoholgehalts tabu. Sicher ist aber, dass der Schweizer TV-Spot für das Bier aus Dänemark in 19 anderen Ländern eingesetzt wird. Auch für die Kinos in der Schweiz sieht Account Director Jan De Schepper keine Bedenken. Allerdings: «Jede regionale Vertretung von Carlsberg bestimmt ihre Mediapläne selber, und der Entscheid für die Schweiz steht noch aus.» Das Material liegt aber bereit, denn Carlsberg Kopenhagen vertraute der Schweizer Agentur Saatchi & Saatchi Simko in Genf die Kreation der weltweiten Einführungskampagne für die neue Flasche «Profile» an. Unter dem Motto «Die neue Carlsberg-Flasche zieht sich aus und zeigt sich von ihrer schönsten Seite», produzierte die Genfer Agentur um CD Olivier Girard einen TV- und Viralspot sowie mehrere Printsujets und Internetbanners.
Der Lead für die Werbung von Carlsberg war bisher bei einer Agentur in London. Saatchi & Saatchi Simko hat aber bereits zweimal für dieses Bier regional gute Detailarbeit geleistet, so dass nun auch die Entwicklung einer grossen Idee von London nach Genf verlegt worden ist. «Saatchi & Saatchi Simko beweist, dass es auch von der Schweiz aus möglich ist, kreative Arbeit auf globalem Niveau zu entwickeln. Ausschlaggebend für den Agenturentscheid war das überzeugende Kreativkonzept sowie die im Vergleich zu Agenturen aus London grössere Flexibilität und Kundenorientierung», erklärt Massimo Di Dia, International Brand Manager Carlsberg.
Andreas Panzeri

Ruhige (Zeitungs-)Landschaft

Regionalpresse Die Regionaloffensive des Tages-Anzeigers ist noch keine drei Monate alt. Bei den angegriffenen Landzeitungen geht man zur Tagesordnung über – vorerst.

Regionalpresse Die Regionaloffensive des Tages-Anzeigers ist noch keine drei Monate alt. Bei den angegriffenen Landzeitungen geht man zur Tagesordnung über – vorerst.Seit dem 6. November ist Tamedia mit Regionalausgaben am Zürichsee, im Zürcher Ober- und Unterland sowie in der Limmatstadt selbst präsent. Bei den direkt von Tamedia attackierten Regionalblättern sorgte die Offensive für grosse Unruhe. Nach knapp drei Monaten Lokaljournalismus aus dem Hause Tamedia haben sich die Wogen etwas geglättet. Bei den Regionaltiteln, die als Reaktion auf die Tamedia-Offensive zur gemeinsamen Zürcher Landzeitung zusammengerückt sind, atmet man auf. Obwohl die Bedrohungslage eine permanente ist und der Druck auf das Inserategeschäft mit der auf den Frühling angekündigten Tagi-Grossauflage noch einmal zunehmen wird, geht man vorerst zur Tagesordnung über. Das jedenfalls zeigt eine kleine Umfrage bei den Verantwortlichen. Keine Euphorie weit und breit«Ernüchterung macht sich bemerkbar», sagt Christine Fivian, die Chefredaktorin des Zürcher Unterländers, nach offensichtlich grossen Versprechungen der Tamedia-Strategen im Zürcher Unterland. Die Tagi-Regionalausgabe sei zwar gut aufgemacht, doch publizistisch könne diese dem Unterländer den Rang nicht ablaufen. Ähnlich unspektakulär findet auch Christian Müller, stellvertretender Chefredaktor beim Zürcher Oberländer, die Tagi-Regionalausgabe. «Konkrete Auswirkungen spüren wir keine.» Man konzentriere sich beim Oberländer darauf, möglichst alle Themen aktuell im Blatt zu haben, um ja der Konkurrenz zuvor zu kommen. Das ist indessen keine  grosse Kunst. Denn die Abschlusszeiten der Tagi-Regionalredaktionen bereits um 20 Uhr lassen den Medienschaffenden keine Möglichkeiten, mit den angestammten Zeitungen Schritt zu halten.
Unter anderem auch deshalb macht sich Benjamin Geiger, Chefredaktor der Zürichsee Zeitung in Stäfa, kaum mehr die Mühe, täglich den Tagi-Split aus dem Briefkasten zu nesteln. Bei Primeurs, Themenbreite und Aktualität stellt Geiger am rechten Seeufer dieselben Schwierigkeiten des Tages-Anzeigers fest, mit denen schon die erste Tagi-Regionalredaktion am linken Seeufer seit ihrem Start im März 2005 kämpft. Die Konkurrenz fokussiere deshalb die Themen stärker auf Personen und Porträts, sagt Geiger. Das Abschlusszeiten-Handicap bedingt zudem, dass man beim Tagi-Split versucht, Veranstaltungen mit Vorschauen zu antizipieren. «Vielen Veranstaltern reicht aber eine Vorschau allein nicht», diese wollten auch die Präsenz der Journalisten, sagt Christine Fivian.
Wenig Euphorie über die Präsenz des Tages-Anzeigers in den Regionen zeigen die Behörden. Kaum eine Gemeinde macht vom Angebot Gebrauch, amtliche Mitteilungen gratis abzudrucken. «Ich habe den Eindruck, beim Tagi hat man sich von dieser Idee verabschiedet», sagt Geiger.
Status quo bei AnzeigenAuch beim Inserategeschäft scheint es kaum zu Verschiebungen zu kommen, weder beim Unterländer noch beim Oberländer. Am linken Seeufer zählt Publicitas-Filialleiter Peter Curiger regelmässig die Inserate im Tagi-Split. Im Durchschnitt seien zweieinhalb bis drei von acht Seiten mit so genannten Füller-Inseraten belegt. Auch Jost Kessler, Publicitas-Departementsleiter in Stäfa, zählt pro Split-Ausgabe maximal eine Seite Inserate. «Bezahlte Werbung ist mager», sagt Kessler. Sowohl Curiger wie Kessler stellen fest, dass das lokale Gewerbe bei der Konkurrenz nicht inserieren will. Eine Ausnahme bilden Wahlen, wenn etwa die FDP für ihre Wahlwerbung das angestammte Blatt gleich wie den Split des Tages-Anzeigers berücksichtigt.
Die Auswirkungen der angekündigten Grossauflage des Tages-Anzeigers lassen sich hingegen noch nicht abschätzen. «Das wird der letzte Schlag, uns Grossinserenten wegzunehmen», schätzt Christine Fivian. Die Grossauflage wird voraussichtlich Ende Februar lanciert, das Datum will Rolf Bollmann, verantwortlich für die Tagi-Regionalisierungsstrategie und GL-Mitglied bei Tamedia, noch nicht bekannt geben. Es sei ausserdem zu früh, über erste Erfolgsergebnisse der Regionalisierung zu sprechen. «Im Lesermarkt lassen sich kaum grosse Sprünge machen», sagt Bollmann und setzt damit einen Kontrast zu Tagi-Chefredaktor Peter Hartmeiers Bekräftigungen über die publizistische Effizienz der Strategie. Hartmeier meinte jüngst im Interview mit der Schaffhauser AZ: «In der Leserschaft wird der gebotene Mehrwert hoch geschätzt. Die Leute in Uster und Bülach freuen sich über eine grosse Zeitung, die tief in ihre Regionen hineinsteigt.» Bollmann setzt deshalb seine Karten auf die Grossauflage und hofft, möglichst viele Grossinserenten weg von den Landzeitungen auf seine Seite zu ziehen.
Kein Regionalsplit in SchaffhausenOffenbar hat sich der Schaffhauser Regierungsrat
anlässlich eines Besuches von Tamedia-VR-Präsident Hans Heinrich Coninx, CEO Martin Kall sowie einer Delegation von Tele Züri leicht enttäuscht darüber gezeigt, dass Tamedia in Schaffhausen nicht auch eine Regionalausgabe lancieren will. Dem Regierungsrat ist die multimediale Monopolstellung der Medien aus dem Hause Meier wohl nicht stets geheuer. Im Interview mit der Schaffhauser AZ dementiert Tagi-Chefredaktor Peter Hartmeier dahingehende Pläne. «Wir beschränken uns auf den Kanton Zürich.» Hingegen beabsichtigt Tamedia, mit einem Sendefenster auf TeleZüri nach Schaffhausen zu expandieren. René Worni

Zu guter Letzt: Sarah Kreuter und Urs Lehmann gewinnen Public Eye Film Award

Am Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums haben die Erklärung von Bern und Pro Natura am Mittwoch die unverantwortlichsten Konzerne gekürt. Erstmals vergeben wurde der Public Eye Film Award für den besten Videoclip zum Themea «Globalisierung und/oder Gerechtigkeit».

Am Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums (WEF) haben die Erklärung von Bern und Pro Natura in Davos am Mittwoch im Rahmen der Public Eye Awards zum dritten Mal die unverantwortlichsten Konzerne gekürt. Erstmals vergeben wurde in Kooperation mit Agent-provocatuer.ch zudem ein mit 3000 Franken dotierter Public Eye Film Award für den besten Videoclip zum Themenkomplex «Globalisierung und/oder Gerechtigkeit». Der Sieger-Spot von Sarah Kreuter und Urs Lehmann heisst «Dispersion». Gebrandmarkt mit dem Schmähpreis für besonders übles Firmenverhalten sind dieses Jahr der japanische Reifenmulti Bridgestone und der Basler Pharmariese Novartis. Die Schweizer Detailhändlerin Coop darf sich derweil mit dem erstmals an ein Unternehmen verliehenen Public Eye Positive Award schmücken.
Mit dem Public Eye wollen die Erklärung von Bern und Pro Natura vor Ort eine Gegenöffentlichkeit zum WEF schaffen. Die beiden Organisationen sind überzeugt, dass es direkten Druck braucht, um Konzerne zu respektvollem Umgang mit Mensch und Natur zu bewegen. Konkret fordern sie rechtlich verbindliche internationale Regeln zur Unternehmensverantwortung.

Ein Vorurteil gegen Vorurteile

Detailhandel Krieg, Schlupp, Bürge/Springer & Jacoby kommuniziert, dass Coop nicht teuer ist. Die Migros kontert mit einer Gegenkampagne.

Detailhandel Krieg, Schlupp, Bürge/Springer & Jacoby kommuniziert, dass Coop nicht teuer ist. Die Migros kontert mit einer Gegenkampagne.«Für ein Vorurteil weniger» heisst der Claim in der breit gestreuten Kampagne von KSB/SJ für ihren Kunden Coop. Die Kommunikation zeigt Wirkung. Als ein Novum in der Geschichte der Werbung konterte die Migros in der Sonntagspresse mit einem ganzseitigen Inserat. In fetter Typografie machte der Konkurrent bekannt: «Vorurteil bestätigt: Gemäss K-Tipp ist die Migros günstiger.» Und im Kleingedruckten war zu lesen: «Entgegen der aktuellen Coop-Werbekampagne, die mit dem Vorurteil eines teureren Coop aufräumen soll, belegt der jüngste Preisvergleich des K-Tipps eindeutig: Die Migros ist eben doch günstiger. Und zwar rund 10 Prozent ….» «Unser Umsatzwachstum und die stark steigende Kundenfrequenz in unseren Läden sprechen für sich. Neben der erreichten Preisparität mit der Konkurrenz bauen wir die Leistungsdifferenz stetig aus», erklärte Jürg Peritz im Namen von Coop der Werbewoche. Der Marketingleiter vertrat diese Ansicht ebenfalls in der TV-Sendung «Kassensturz». Für neutrale Beobachter dürfte es schliesslich auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Migros und Coop hinaus laufen, bei welchem beide ihre eigenen Trümpfe bei verschiedenen Produkten ausspielen können.
Bei der Werbeagentur KSB/SJ ist man von der Prämisse ausgegangen: «Fragt man die Menschen nach Coop, herrscht Einigkeit. Coop hat ein ausgesprochen vielfältiges Angebot, viele frische Artikel, und man ist mit Coop sehr zufrieden. Ein Vorurteil hält sich jedoch hartnäckig: Dass Coop teuer sei.» Dem stellt die Werbung entgegen, dass es im Coop über 5000 Produkte des täglichen Bedarfs gibt, die genau das Gegenteil beweisen. Und weil diese Produkte nicht nur ausgesprochen günstig sind, sondern auch qualitativ hochstehend, sollte jedermann sie kennen lernen. Am besten mit Hilfe einer grossen und spektakulären Kampagne, in der Coop mit diesem Vorurteil endgültig aufräumt. Deshalb bindet diese ab mit dem Claim: «Für alle, die glauben, Coop sei teuer. Coop Qualité & Prix. Für 5000-mal günstig & gut.»
Rund 20 Anzeigen und Plakat-Motive sind ab sofort in der ganzen Schweiz zu sehen. Natürlich findet das Thema auch in jedem Coop auf vielfältige Weise statt. Dazu räumt Coop in zwei echt witzigen TV-Spots auch noch mit zwei ganz anderen Vorurteilen auf. Nämlich, dass Frauen nicht parkieren können. Und dass Männer nicht über Gefühle sprechen.
Andreas Panzeri

Wünsche auf Kredit

Finanzen Die Credit Suisse lanciert mit Hilfe von Contexta und Ideenhaus eine neue Consumer-Finance-Bank.

Finanzen Die Credit Suisse lanciert mit Hilfe von Contexta und Ideenhaus eine neue Consumer-Finance-Bank.Credit Suisse, eines der weltweit führenden Finanzdienst-leistungs-
unternehmen, hat eine neue Bank eingeführt und 21 Filialen eröffnet. Seit Januar 2007 ist Bank-now, die eigenständige Tochtergesellschaft der Credit Suisse Group, für das Consumer-Finance-Geschäft zuständig. Die neue Bank ist Ansprechpartner für Privatkunden in den Geschäftsbereichen Kredit (Credit-now) und Leasing (Lease-now).
Nicht nur der Name Bank-now, sondern das gesamte Markendesign kommen aus der Agentur Ideenhaus in München. Die Aufgabe für Ideenhaus bestand darin, «eine Namensfamilie für die Unternehmensmarke sowie die Produktmarken in den Bereichen Kredit und Leasing zu finden und die Markenwerte unverwechselbar und wieder erkennbar visuell zu vermitteln», wie Geschäftsführerin Marion Endres erklärt. Internationale Verständlichkeit auf Grund multinationaler Zielgruppen und maximale Differenzierung im Wettbewerb waren zwei wichtige Anforderungskriterien des Auftraggebers.
Umgesetzt in eine Kampagne zur Lancierung der Bank hat dieses Design nun die Agentur Contexta in Bern. Hier arbeitet man mit einer zweistufigen Einführungskampagne. Den Auftakt bildete eine originelle Teaseraktion nach dem Motto «Die Schweiz träumt».
In den letzten Wochen des vergangenen Jahres konnte jeder, der wollte, unter www.dream-now.ch seinen grössten Wunsch publizieren. Jede Woche entschied die Community per Abstimmung, welcher Traum mit 10’000 Franken unterstützt wird. So träumte eine Gruppe junger Berner zum Beispiel davon, mit einem Mähdrescher ans Mittelmeer zu fahren, und konnte mit dieser Idee über 1200 Stimmen auf sich vereinen. Insgesamt verzeichnete dream-now.ch über 14’000 registrierte User. In dieser ersten Phase der Markeneinführung wurde die Community an die Thematik «Traum» herangeführt und gleichzeitig mit dem Branding vertraut gemacht. Erst in einer zweiten Phase outet sich die Credit Suisse jetzt als Urheberin der Aktion.
In der eigentlichen Einführungskampagne wird die neue Bank jetzt mit Inseraten, Plakaten, TV-Spots und Webbannern positioniert. Diese bringen den Kern der Marke auf den Punkt: Mit Credit-now und Lease-now werden Wünsche ganz schnell wahr. Contexta visualisiert das mit Traumobjekten, welche direkt aus dem Auto- oder Modeheft in die eigene Garage oder das heimische Schuhgestell verfrachtet wurden.
Auch in den TV-Spots wird dieser Mechanismus aufgegriffen: Mit eleganten Bildern werden die Objekte der Begierde verführerisch in Szene gesetzt. Umso grösser ist die Überraschung, wenn die Möbel, Autos, Schmuckstücke oder Plasmafernseher dann völlig unerwartet aus dem Bild gerissen werden. Die Kampagne zeigt somit stringent, wie schnell und unkompliziert mit Credit-now und Lease-now Wünsche wahr werden.
Für den innovativen Markenauftritt erhielt Sonar.brandandmusic den Auftrag, das passende Sound- Logo für die neue Marke zu entwi-ckeln. Ziel des Sound-Branding-Elements ist es, den Kernelementen der neuen Marke Bank-now eine identitätsgestaltende Rolle in der akustischen Dimension zu geben. Herausgekommen ist ein Sound-Logo mit Ohrwurm-Charakter, das melodiebasiert den Claim «Lebe Deine Träume jetzt» musikalisch vermittelt, erklärt Andreas Graf, Geschäftsführer Beratung bei Sonar.
Andreas Panzeri

Coop verteilt Druckauftrag auf fünf Schultern

Zeitungsdruck Ab dem Jahr 2008 verteilt Coop den grössten Druckauftrag der Schweiz neu.

Zeitungsdruck Ab dem Jahr 2008 verteilt Coop den grössten Druckauftrag der Schweiz neu. Die Unternehmen Basler Zeitung Medien (bisher), CIE Centre d’impression Edipresse SA (bisher), Ringier Print (bisher), St. Galler Tagblatt AG (bisher) und Espace Media Groupe, Bern (neu), werden dann für den Druck der Kundenzeitungen Coopzeitung, Coopération und Cooperazione besorgt sein. Die Druckverträge wurden auf eine Dauer von drei Jahren abgeschlossen. Mit der Vergabe einer Teilauflage nach Bern erfolge die Produktion künftig noch regionaler, teilt das Unternehmen mit. Ausschlaggebend seien auch Transport- und Umweltschutzüberlegungen gewesen. Die Coop Presse genannten Titel zählen fast 2,5 Millionen Exemplare Auflage und werden regelmässig von rund 3,3 Millionen Personen gelesen. Damit ist die Coop Presse gemäss Mitteilung die grösste Wochenzeitung der Schweiz. 

Der Neugierige

Tiziano Obrecht will bei Mediaedge:cia mit MEC Interaction Switzerland den spezialisierten Service für Digital Media in der Schweiz aufbauen.

Tiziano Obrecht will bei Mediaedge:cia mit MEC Interaction Switzerland den spezialisierten Service für Digital Media in der Schweiz aufbauen.Das Interview beginnt mit einer Aufregung. «Mein 18 Monate alter Sohn hat etwas verschluckt. Wir müssen sofort ins Kinderspital», telefoniert uns Tiziano Obrecht. Seine junge Familie ist am Umziehen. Überall liegen Dinge herum, die ein kleiner Bub noch nie in seinem Leben sehen und anfassen konnte. Zum Glück ist alles gut gegangen. Aber das Thema «Neugier» hat uns im Griff. Ein neugieriger Mensch ist immer wieder von neuen Dingen angezogen. Als kleines Kind nimmt man diese in den Mund – später passiert es über den Verstand.Für den frisch gekürten Head of Interaction bei Mediaedge:cia war eigentlich ein Weg im Bankwesen nahe liegend. Sein Vater und sein Bruder sind erfolgreiche Finanzleute. Nach einigen Monaten bei der Bank hatte Lehrling Tiziano aber genug von nackten Zahlen. Exotischer schien ihm eine Lehre bei Shell. Die Neugier hat sich gelohnt. Tiziano Obrecht ist auch nach dem KV-Abschluss noch zwei Jahre beim Erdöl-Multi hängen geblieben. Das Geschäften mit der weiten Welt weckte dabei seine Sehnsucht nach mehr. Mit einem Studentenvisum flog er nach Amerika, wo er sich mit ein bisschen Aus- und Einreisen über ein Jahr aufhielt. Er liess sich auch zwei Jahre als Flight-Attendant bei der Swissair anheuern.
Weil er aber noch spannendere Dinge ahnte, faszinierte ihn schon 1999 das Stelleninserat der Firma «Suchtreffer». Obrecht liess sich «ins kalte Wasser werfen» und wirkte bereits in der Pionierphase des Online-Marketings im Business, das heute seine Leidenschaft ist. Damals war die Zeit allerdings noch zu früh. Der Hype ist bekanntlich eingebrochen.
Obrecht fand eine neue Herausforderung bei einer Sprachschule. Dort betreute er das Corporate Business. Er stellte Intensivkurse für Kaderleute zusammen und lernte auch, wie man diese Packages bei Unternehmen präsentieren und verkaufen kann. Bereits ein zweites Mal in den Staaten, betreute er solche Kurse auch in den USA.
Dann fühlte er sich reif für einen definitiven Einstieg ins Online-Geschäft. Er heuerte bei Real Media an. Dieser Start-up ist heute zum Unternehmen Web2Com der PubliGroupe konvertiert. Bei der PubliGroupe hat Obrecht insgesamt fünf Jahre an der Verkaufsfront gewirkt, dann wollte er intern wechseln. Allerdings nicht in den Printbereich. Und weil bei den Online-Medien alle Wege nach oben bereits besetzt waren, nahm er schliesslich ein Angebot von AdLink an.
«Zu Beginn war es für mich schwierig, plötzlich bei einem Unternehmen zu arbeiten, das fünf Jahre lang mein schärfster Konkurrent war», sinniert Obrecht. Bei AdLink war er verantwortlich für PlanAd. Er hat im Verkauf die Kunden betreut und musste diese überzeugen, im noch jungen und unbekannten Medium «Online» Werbung zu machen. «Das brauchte damals noch viel Überzeugungskraft. Sowohl Agenturen wie Kunden wollten nur zaghaft von den neuen Möglichkeiten Gebrauch machen.»
Obrecht hat versucht, ihnen neue Werbeformen aufzuzeigen und Partnerschaften aufzubauen. «Wir mussten die Vielseitigkeit aufzeigen. Aber das Problem war, dass jede Plattform verschiedene Werbeformen kannte und jeder hat sie auch anders benannt.» So mussten werbewillige Kunden oft 13 verschiedene Werbeformen gestalten lassen, was natürlich viele abgeschreckt hat. «Dazu haben die meisten auch diese amerikanischen Ausdrücke noch nicht verstanden», umschreibt Obrecht den damaligen Stand der Dinge.
In dieser Anfangsphase des Online-Marketings galt auch, dass höchstens ein Restbudget in die digitale Werbung floss. Heute sind es neben den USA auch in den führenden Ländern Europas – England, Frankreich, Deutschland – bereits zehn Prozent. In der Schweiz glaubt Obrecht, dass demnächst wenigstens die Drei-Prozent-Marke erreicht wird.
Ein Grund für die anfängliche Zurückhaltung in der Schweiz sei, dass erst jetzt langsam gesicherte Zahlen über die Wirkung von Online-Marketing vorliegen. Früher hat man den Kunden nur von «fantastisch gemachten Portalen» und grossem Interesse bei den Usern vorschwärmen können. «Wir konnten aber nichts Konkretes beweisen.»
Das will der neue Head of Interaction bei Mediaedge:cia jetzt ändern. Zu dieser «ersten globalen Kommunikationsagentur» hat er vor drei Monaten gewechselt. Als Online-Spezialist will er die Agenturkunden überzeugen, im Bereich Online «mehr und ein bisschen kreativere Dinge zu machen». Viele Agenturen merken, dass ihnen dieses Spezial-Know-how intern fehlt, «und deshalb investiert Mediaedge:cia jetzt in den Bereich Interaction».
Tiziano Obrecht, der schon immer «die Aufbauarbeit liebte», soll hier als Head of Interaction an verschiedenen Fronten «Überzeugungsarbeit leisten». Zuerst will er das Account Management inhouse mit den neuen Möglichkeiten noch besser vertraut machen. Dann wird er in einer zweiten Phase potenziellen Kunden Werbung in Games, Viral-Marketing, Affiliated Advertising, Mobile Marketing und Suchmaschinen-Marketing als wichtige Form der Zukunft präsentieren sowie «aufzeigen, was Sinn macht und wie es umgesetzt wird».  
Sein Wissen gibt Tiziano Obrecht auch am Sawi weiter. Hier freut es ihn, «wie offen junge Leute mit den digitalen Medien umgehen». Der Dozent will sich in diesem Jahr auch selber mit einem Executive MBA Fachrichtung International Management an der Fachhochschule St. Gallen weiter bilden, nachdem er bereits früher den Betriebsökonom Marketing an der Business School in Zürich gemacht hat. Echte Neugier hört eben nie auf.
Andreas Panzeri

Adobe und das bewegte Bild

Video Nicht nur, aber auch mit der Lancierung der Adobe Production Suite baut Adobe seine Videosparte massiv aus.

Video Nicht nur, aber auch mit der Lancierung der Adobe Production Suite baut Adobe seine Videosparte massiv aus.Für Adobe wird 2007 ein wichtiges Jahr. Zum einen ist von der kalifornischen Software-Schmiede mit der CreativeSuite 3 zu rechnen, zum zweiten baut das Unternehmen seine Video-Software-Sammlung um – und aus. Die erneuerte Software-Sammlung für die umfassende Videoproduktion soll noch im Sommer 2007 veröffentlicht werden.Umfassendes Postproduction-WerkzeugHinter der Adobe Production Studio genannten Programmsammlung verbirgt sich ein umfassender Postproduction-Workflow. Das Paket beinhaltet After Effects für die Animation von Grafiken und die Erstellung von Grafikeffekten, Adobe Premiere Pro für den Videoschnitt in Echtzeit, Adobe Encore DVD für das so genannte DVD-Authoring (Herstellung des DVD-Prototypen vor der Vervielfältigung), die klassischen DTP-Applikationen Photoshop und Illustrator sowie Adobe Dynamic Link.
Dank Adobe Dynamic Link als wichtiger Komponente von Production Studio erübrigt sich erneutes Rendern bei der Übertragung von Kompositionen aus After Effects in die HD-, SD- und DV-Bearbeitungsumgebungen von Premiere Pro und Encore DVD. Weiter lassen sich DVD-Menus direkt an After Effects übertragen, um dort animiert und in Encore DVD zu einem Movie-File zusammengestellt zu werden. Dank dieser Vereinfachung verschwinden bisherige Flaschenhälse.
Doch neben dem Ausbau steht im Videobereich auch ein Umbau an. So soll die Software Adobe Audition in Adobe Soundbooth umbenannt werden. Michael Mörtl, Business Development Manager Video and Web Products bei Adobe Systems, erklärt dazu: «Adobe Audition wird weiterhin die Audio-Bearbeitung auf sehr hohem Niveau unterstützen und wie bisher neben Videoprofis vor allem die Audioprofis ansprechen. Wir werden auch neue Versionen von Audition mit Funktionen speziell für diesen Bereich entwickeln.» Da insbesondere Videoprofis nicht auf des gesamte Spektrum der spezialisierten Audiofunktionen in Audition zugreifen, hat Adobe mit Soundbooth eine professionelle Audio-Software im Portfolio, die speziell für die Anforderungen von Videoprofis konzipiert ist.
Als weitere, noch grössere Neuerung wird die nächste Version der Software-Suite Adobe Production Studio auch in einer Version für das Macintosh-Betriebssystem Mac OS X erhältlich sein. Konkret werden die Programme Adobe Premiere Pro, Adobe Encore DVD und Adobe Soundbooth auf die Apple-Plattform portiert. Apple selbst erwächst damit Konkurrenz auf der eigenen Spielwiese, ist doch die Software-Suite Final Cut Studio dort im Bereich Audio- und Real-Time-Video-Produktion bislang unangefochtener Platzhirsch.
Video – ein für Adobe immer wichtigerer BereichAdobe unterstreicht mit der anstehenden Neulancierung der Production Suite seine starke Position im Bereich der Bewegtbildproduktion. Neben der Suite Adobe Production Studio spielen hier auch die Flash-Videotechnologie für das Abspielen von Videos über das Internet eine grosse Rolle – ebenso wie der Flash Media Server, mit dem interaktive Medienanwendungen bereitgestellt werden können.    
Jürgen Franck

Zukunft kommt nicht von allein

Kolumne E-Papers fristen ein trostloses Dasein. Warum unterlassen es Verleger trotzdem, offensiv dafür zu werben?

Kolumne E-Papers fristen ein trostloses Dasein. Warum unterlassen es Verleger trotzdem, offensiv dafür zu werben?Bis zum Erbrechen hat man es eingetrichtert bekommen: Das Internet sei die grosse Herausforderung für die gedruckten Zeitungen. Inzwischen sind bald zwei Drittel der Schweizer Haushalte vernetzt. Es müsste also – so stellt man sich vor –  eine stark wachsende Nachfrage nach den elektronischen Versionen von Tageszeitungen geben. Die meisten grösseren Blätter halten inzwischen auch tatsächlich E-Paper-Abonnement bereit, die weit über simple PDF-Ausgaben der gedruckten Zeitung hinaus gehen. Industriestandard ist die vollständige Online-Ausgabe der gedruckten Zeitung im gewohnten Zeitungsaufbau und Layout. Man kann das E-Paper am Bildschirm durchblättern, gewünschte Artikel vergrössern, ausdrucken sowie einzelne Seiten auswählen, ablegen und herunterladen.
Durch Markieren eines Artikels oder eines Bildes ist es möglich, beliebige Ausschnitte jeder Seite zu vergrössern und auszudrucken. Der Nutzungsvorgang ist gewöhnungsbedürftig, die Preise sind attraktiv. Die Basler Zeitung zum Beispiel bietet das elektronische Abo für 30 Franken pro Monat oder 260 Franken pro Jahr an. Wer die Print-Version abonniert hat, erhält das Passwort gratis. Der Tages-Anzeiger kostet elektronisch sogar nur Fr. 176.– pro Jahr (das Print-Jahresabonnement Fr. 320.–); dieser Preis ist seit Sommer 2004 übrigens unverändert geblieben. Das Echo blieb schwach.
Gemäss einer Mitteilung aus dem BaZ-Verlag hielten im November 2006 nur 214 Kundinnen und Kunden das E-Paper-Abonnement. Auffallend stärker war die Resonanz bei den Abonnenten der regulären Papierausgabe. Nicht weniger als 31’000 – knapp ein Drittel – nutzten das Gratisangebot für das Passwort. Im Schnitt machen pro Tag 12’000 Leser von der Möglichkeit Gebrauch, sich die Zeitung auf den Computer herunterzuladen.
Ähnliche Zahlen erfährt man aus den anderen Häusern. Gemäss Auflagenbulletin der Wemf hat der Tages-Anzeiger  80, der Blick 193, die NZZ 449 und die Rekordhalterin Südostschweiz 1325 anrechenbare E-Paper-Abonnemente. Die meisten Kunden, die das Angebot nutzen, leben im Ausland, wo ihnen der Bezug der gedruckten Ausgabe zu teuer und zu langsam ist, oder sie ersparen sich damit das umständliche Prozedere mit den Ferienumleitungen.
Diese überraschende Zurückhaltung gegenüber einem an sich attraktiven und bequem zu nutzenden Angebot muss tief liegende Gründe haben. Ist es abwegig, sie in einer zumindest der heutigen, noch mit Papiermedien alphabetisierten Erwachsenengeneration eigenen kulturellen Hemmung gegenüber dem Bildschirmlesen zuzuschreiben? Auch hier wieder ein «weicher Faktor», der die Spanne zwischen technischer Machbarkeit und wirtschaftlich tragfähiger Nutzermenge unberechenbar macht. Wenn die Leute ein solches Komfortelement nicht einmal geschenkt haben wollen, muss dem doch ein kultureller Widerstand gegen das «papierlose Lesen» zugrunde liegen.
Überraschend ist freilich auch, wie diskret die meisten führenden Zeitungshäuser diese attraktive Angebotsform bewerben. In den Verlagen herrscht Resignation, die ein Manager so ausgedrückt hat: «Die E-Papers fristen ein eigentlich trostloses, weil wenig genutztes Dasein. Die Abbildung einer Print-Ausgabe am Bildschirm ist wenig benutzerfreundlich. So nutzen hauptsächlich denn Ausland-/Heimwehschweizer die E-Papers.»
Schöne neue Medienwelt in der alltäglichen Praxis: Man hat zwar an manchen Orten eine attraktive Angebotsform, hat sogar nicht wenig in die technische Bereitstellung investiert – und unterlässt dennoch offensive Werbemassnahmen, ja man ermöglicht interessierten Kunden nicht einmal einen niederschwelligen Zugang zu bestehenden Angeboten auf der eigenen Website.
Muss man darin die alte Trägheit der erfolgsverwöhnten Zeitungsverlage erkennen oder eine gewisse Unernsthaftigkeit im Wettbewerbsverhalten? Vom Einspar-Potenzial durch den möglichen Wegfall unrentabler Nachsendeaufträge bei Ferien- oder Militärdienstumleitungen haben wir noch gar nicht gesprochen. Man könnte auf den Gedanken kommen, im Zeitungswesen werde oft und gerne über
Internet-Anwendungen und allerhand progressive neue Nutzungsformen debattiert, aber in der Praxis sehr konservatives Marketing betrieben.
Karl Lüönd ist Publizist, Buchautor, betreut Mandate im Corporate Publishing und doziert an der HWZ Zürich und am MAZ («Verleger sein – Öffentliches Nachdenken über Menschen und Märkte» erscheint im Frühjahr 2007 bei Huber).

Zuvo-Konkurrenz beflügelt den Markt

Distribution Drei oder gar mehr Firmen für Frühzustellung planen eine Tageszustellung – unter Umständen sogar mit der Post.

Distribution Drei oder gar mehr Firmen für Frühzustellung planen eine Tageszustellung – unter Umständen sogar mit der Post.Weil die Frühzustellorganisation der Schaffhauser Nachrichten (SN) seit Anfang Jahr im Wirtschaftsgebiet 42 mit der Konkurrenz der Zuvo, der Zustellfirma von Tamedia und NZZ, leben muss, gibt SN-Verleger Norbert Neininger nun Gas. Im Dezember machte er aus der SN-Abteilung eine eigenständige Firma und nannte sie Schazo. «Unser Vertrieb gehört genauso zu unserem Multimediakonzept wie Zeitung, Radio, TV und Onlineportal», sagt Neininger. Und weiter: «Wir wollen der Logistikpartner der Region werden, etwa im Bereich Direktwerbung, beim Vertrieb von Warenmustern oder von Artikeln, die über Internet bestellt werden.»Dass dies jedoch die Möglichkeiten einer Frühzustellung sprengen könnte, weiss auch der SN-Verleger, darum denkt er laut über eine Tageszustellung als zweites Standbein nach. Dazu öffnet er die Schazo für Partner. Konkrete Gespräche führt er mit der APZ, der Zustellorganisation des Gratis-Wochenblatts Schaffhauser Bock – und ausgerechnet mit der Post, die er dereinst konkurrenzieren dürfte.
Neininger ist allerdings nicht der einzige, der eine Tageszustellung plant. Auch die Zuvo fasst eine solche ins Auge (siehe S. 18). Am weitesten aber ist die Basler Zeitung Medien (BZM), verfügt sie doch mit der Distriba, der Zustellfirma des BZM-Gratisblattes Baslerstab, bereits über eine entsprechende Organisation, die gar fünfmal wöchentlich unterwegs ist. «Auch wir denken an den Ausbau unseres Dienstleistungsangebotes», sagt BZM-CEO Beat Meyer.
Wie aber steht die Post der kommenden Konkurrenz gegenüber? «Vor dem Hintergrund der sich öffnenden Märkte prüft die Post die verschiedensten Optionen», orakelt Post-Sprecher Laurent Widmer, der dann immerhin Gespräche «mit verschiedenen Verlagen» bestätigt. Mehr will er nicht sagen. Nun bot die Post allerdings schon vor zwei Jahren den Verlagen gewisse Aufgaben wie das Leeren von Briefkästen oder den gegenseitigen Austausch von Personal bei Engpässen (Body-Leasing) an. Gilt dies weiterhin? «Wir sind offen für verschiedene Kooperationsformen, auch für Beteiligungen», sagt Widmer bloss.
Post-Beteiligungen an Zustellfirmen sind denn auch nichts Neues. An der Frühverteilorganisation Bevo in Bern hält die Post 50 Prozent, während Tamedia und Espace Media zu je 25 Prozent beteiligt sind. Bei Epsilon in der Westschweiz besitzt die Post gar 66 Prozent, Edipresse 34 Prozent. Ferner ist die Post auch an der grössten bestehenden Tagzustellfirma Direct Mail Company zu 50 Prozent beteiligt.
Markus Knöpfli

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