So kauft die Jugend von morgen ein
Zukunftsdeutungen In New York ist in diesen Tagen eine Ausstellung über den Handel der Zukunft eröffnet worden.
Zukunftsdeutungen In New York ist in diesen Tagen eine Ausstellung über den Handel der Zukunft eröffnet worden.Nichts Geringeres als das Thema, wie der Handel der Zukunft aussehen soll, stellte sich die amerikanische Handelsgesellschaft, die National Retail Federation (NRF), bei ihrer jährlichen Expo Mitte Januar in New York. Vor allem, wie man die schwer erreichbare Zielgruppe der Jugendlichen zwischen 17 und 24 Jahren ansprechen soll, war dabei die Hauptsorge der Aussteller. Die Kernpräsentation war dabei die so genannte Pop-up-Boutique, eine eigene Fläche mit einer Reihe von Pavillons, in denen diverse futuristische Trends und Technologien vorgestellt wurden. Am meisten Aufsehen erregte das Konzept des «Social Retailing», das vom New Yorker Design-Unternehmen IconNicholson umgesetzt wird und sich an das viel diskutierte Phänomen des «Social Networking» anlehnt: MySpace im Bekleidungshaus also, oder, wie es IconNicholson selbst nennt, «Facebook meets the Mall».
Präsentiert wurde das Schaubeispiel eines noch fiktiven Ankleidebereichs, bestehend aus Spiegel, Computer und Kamera. Dabei steht man vor einem überdimensionalen Spiegel, dem «Magic Mirror», auf dessen Fläche je nach Auswahl Röcke, T-Shirts und Gürtel erscheinen, in denen man sich per Spiegelbild schon mal ungefähr vorstellen kann, ohne sich erst umständlich umziehen zu müssen. «Jugendliche sind soziale Shopper», sagt Rachael McBreartry, Vice President für kreative Strategie bei IconNicholson. «Sie schicken gern Fotos per Handy an ihre Freunde, um sich Feedback zu holen, ob ihnen das gefällt.»
Ähnlich, nur viel bequemer entfaltet sich anschliessend auch das Szenario des Social Retailing: Die beigestellte Kamera filmt die Kundin dabei, wie sie in verschiedenen, per Computer auf den Spiegel projizierten Kombinationen aussieht, wobei ihre Freunde zu Hause sie per Internet beobachten können. Diese wiederum schicken ihre Kommentare per Handy an die Adressatin. Die Kundin muss jedoch nicht jedes mal mühsam ihre Messages lesen, sondern das elektronische Feedback wird leicht lesbar ebenfalls auf den Spiegel projiziert.
Digitaler WarenkatalogDoch die Freunde müssen nicht unbedingt zu Hause bleiben, um am elektronischen Ankleide-Erlebnis teilhaben zu können. Sie können sich auch in der Lounge des entsprechenden Bekleidungshauses niederlassen, wo sie auch selbst im Katalog der vorhandenen Waren surfen können. Auf diesen Computern werden ausserdem Informationen abrufbar sein, ob und welche Grössen bzw. Farben eines Modells der Laden vorrätig hat. Das Konzept des Social Retailing soll noch in diesem Frühling im Rahmen einer Kooperation mit einem «bedeutenden Bekleidungshändler», so IconNicholson-Manager Joseph Olewitz, in den USA Fuss fassen.
Auf einem ähnlichen Versprechen, wenn auch weitaus ausgedehnter basiert auch eine neue Software von IBM, die so genannte «IBM Store Solutions». Im Rahmen eines fiktiven Setups des britischen Bekleidungshauses Ben Sherman wird hier vorgeführt, wie Kaitlin, eine 22-Jährige aus der Zukunft, am liebsten shoppen geht: Sie sieht ein Kleid an einer Businessfrau auf der Strasse und schiesst mit ihrem Handy schnell und unaufdringlich ein Foto. Sie schickt das Bild an das Shopping Blog ihres Vertrauens, wo das Modell nicht nur umgehend identifiziert wird, sondern sie auch darüber informiert wird, in welchem benachbarten Geschäft sie es kaufen kann. Flugs geht sie mit ihrem Handy auf die entsprechende Website und lässt sich das Kleid in ihrer Grösse zurücklegen, wo es bereit liegt, als sie 20 Minuten später eintrifft. Einmal anprobiert, bekommt Kaitlin von ihrem Handy, das inzwischen mit dem elektronischen Preisschild des Kleides kommuniziert hat, einige Vorschläge, welche Accessoires dazu passen könnten. Kaitlin sucht sich eine Kette aus, und weil sie sich das gute Stück selbst nicht leisten kann, setzt sie es auf die Wunschliste des Ladens, der ihrer Tante umgehend ein dezentes E-Mail schickt, mit dem Hinweis, diese Kette hätte die Nichte gern zu ihren baldigem Geburtstag.
Thomas Heckel, IBM-Präsentator, glaubt, dass ein solches Szenario in der nahen Zukunft gar nicht abwegig sein wird: Immerhin benutzen schon heute 85 Prozent der US-Teenager laut einer IBM-Untersuchung ihr Handy, während sie einkaufen. «Es hängt alles davon ab, ob die Ladenketten selbst Interesse daran haben, ihre Filialen mit der entsprechenden Technologie auszurüsten», sagt Heckel. «Für die meisten wird es noch eine Weile dauern, bis sie auf den Zug aufspringen.»
Weitaus weniger High-Tech-betont, aber dennoch auf ihre Art futuristisch stellte sich im Rahmen der Pop-up-Boutique auch Donna von Hoesslin und ihre Firma Betty Belts vor. Sie entwirft Schmuck und Accessoires, die zu 100 Prozent aus natürlichen und rezyklierten Materialien hergestellt sind, wie etwa Treibholz oder Zuchtmuscheln. «Immer mehr Menschen möchten umweltfreundliche Produkte kaufen», sagt von Hoesslin. «Der Laden der Zukunft kann ohne das gar nicht auskommen.»
Richard RussoInterview
mit Richard Russo, Hybridia-CEO, dem Erfinder der Pop-up-Boutique.WW: Was ist das Motto der Pop-up-Boutique?Richard Russo: Es dreht sich alles um Technologie, darum, wie digitaler Content am einfachsten und effektivsten vom Kunden und zum Kunden transportiert werden kann. Es geht um das Erlebnis Einkaufen, um mehr Emotionen. Die meisten Händler wissen bis heute nicht, wie sie sich der Zielgruppe der 17- bis 24-Jährigen annähern sollen, dabei leisten wie ihnen Hilfestellung. WW: Und das geschah mit dem Konzept des Social Retailing?Richard Russo: Ja, die Idee ist von mir, und IconNicholson setzte sie um. Ich habe mich gefragt, wenn MySpace so populär ist, wie kann man das für den Handel ausschöpfen? Ich dachte, warum soll man diese interaktiven Komponenten nicht auch in einem Laden haben können? Warum muss man sich zu Hause verstecken, um die Idee zu verwirklichen? Im Laden können die Kids sich präsentieren wie bei «American Idol», dem populären TV-Gesangswettbewerb. Sie haben Spass dabei und kommen eher in die Geschäfte. WW: Was symbolisieren die anderen Stände der Boutique?Richard Russo: Die Überschrift lautet «Grün mit Enthusiasmus», deshalb haben wir ein Hybrid-Auto ausgestellt und Betty Belts integriert. Jugendlichen ist es ausgesprochen wichtig, Umweltschutz und progressive Ethik tatsächlich umzusetzen, wer da nicht mitzieht, hat als Business in der Zukunft keine Chance. Gerti Schön
Präsentiert wurde das Schaubeispiel eines noch fiktiven Ankleidebereichs, bestehend aus Spiegel, Computer und Kamera. Dabei steht man vor einem überdimensionalen Spiegel, dem «Magic Mirror», auf dessen Fläche je nach Auswahl Röcke, T-Shirts und Gürtel erscheinen, in denen man sich per Spiegelbild schon mal ungefähr vorstellen kann, ohne sich erst umständlich umziehen zu müssen. «Jugendliche sind soziale Shopper», sagt Rachael McBreartry, Vice President für kreative Strategie bei IconNicholson. «Sie schicken gern Fotos per Handy an ihre Freunde, um sich Feedback zu holen, ob ihnen das gefällt.»
Ähnlich, nur viel bequemer entfaltet sich anschliessend auch das Szenario des Social Retailing: Die beigestellte Kamera filmt die Kundin dabei, wie sie in verschiedenen, per Computer auf den Spiegel projizierten Kombinationen aussieht, wobei ihre Freunde zu Hause sie per Internet beobachten können. Diese wiederum schicken ihre Kommentare per Handy an die Adressatin. Die Kundin muss jedoch nicht jedes mal mühsam ihre Messages lesen, sondern das elektronische Feedback wird leicht lesbar ebenfalls auf den Spiegel projiziert.
Digitaler WarenkatalogDoch die Freunde müssen nicht unbedingt zu Hause bleiben, um am elektronischen Ankleide-Erlebnis teilhaben zu können. Sie können sich auch in der Lounge des entsprechenden Bekleidungshauses niederlassen, wo sie auch selbst im Katalog der vorhandenen Waren surfen können. Auf diesen Computern werden ausserdem Informationen abrufbar sein, ob und welche Grössen bzw. Farben eines Modells der Laden vorrätig hat. Das Konzept des Social Retailing soll noch in diesem Frühling im Rahmen einer Kooperation mit einem «bedeutenden Bekleidungshändler», so IconNicholson-Manager Joseph Olewitz, in den USA Fuss fassen.
Auf einem ähnlichen Versprechen, wenn auch weitaus ausgedehnter basiert auch eine neue Software von IBM, die so genannte «IBM Store Solutions». Im Rahmen eines fiktiven Setups des britischen Bekleidungshauses Ben Sherman wird hier vorgeführt, wie Kaitlin, eine 22-Jährige aus der Zukunft, am liebsten shoppen geht: Sie sieht ein Kleid an einer Businessfrau auf der Strasse und schiesst mit ihrem Handy schnell und unaufdringlich ein Foto. Sie schickt das Bild an das Shopping Blog ihres Vertrauens, wo das Modell nicht nur umgehend identifiziert wird, sondern sie auch darüber informiert wird, in welchem benachbarten Geschäft sie es kaufen kann. Flugs geht sie mit ihrem Handy auf die entsprechende Website und lässt sich das Kleid in ihrer Grösse zurücklegen, wo es bereit liegt, als sie 20 Minuten später eintrifft. Einmal anprobiert, bekommt Kaitlin von ihrem Handy, das inzwischen mit dem elektronischen Preisschild des Kleides kommuniziert hat, einige Vorschläge, welche Accessoires dazu passen könnten. Kaitlin sucht sich eine Kette aus, und weil sie sich das gute Stück selbst nicht leisten kann, setzt sie es auf die Wunschliste des Ladens, der ihrer Tante umgehend ein dezentes E-Mail schickt, mit dem Hinweis, diese Kette hätte die Nichte gern zu ihren baldigem Geburtstag.
Thomas Heckel, IBM-Präsentator, glaubt, dass ein solches Szenario in der nahen Zukunft gar nicht abwegig sein wird: Immerhin benutzen schon heute 85 Prozent der US-Teenager laut einer IBM-Untersuchung ihr Handy, während sie einkaufen. «Es hängt alles davon ab, ob die Ladenketten selbst Interesse daran haben, ihre Filialen mit der entsprechenden Technologie auszurüsten», sagt Heckel. «Für die meisten wird es noch eine Weile dauern, bis sie auf den Zug aufspringen.»
Weitaus weniger High-Tech-betont, aber dennoch auf ihre Art futuristisch stellte sich im Rahmen der Pop-up-Boutique auch Donna von Hoesslin und ihre Firma Betty Belts vor. Sie entwirft Schmuck und Accessoires, die zu 100 Prozent aus natürlichen und rezyklierten Materialien hergestellt sind, wie etwa Treibholz oder Zuchtmuscheln. «Immer mehr Menschen möchten umweltfreundliche Produkte kaufen», sagt von Hoesslin. «Der Laden der Zukunft kann ohne das gar nicht auskommen.»
Richard RussoInterview
mit Richard Russo, Hybridia-CEO, dem Erfinder der Pop-up-Boutique.WW: Was ist das Motto der Pop-up-Boutique?Richard Russo: Es dreht sich alles um Technologie, darum, wie digitaler Content am einfachsten und effektivsten vom Kunden und zum Kunden transportiert werden kann. Es geht um das Erlebnis Einkaufen, um mehr Emotionen. Die meisten Händler wissen bis heute nicht, wie sie sich der Zielgruppe der 17- bis 24-Jährigen annähern sollen, dabei leisten wie ihnen Hilfestellung. WW: Und das geschah mit dem Konzept des Social Retailing?Richard Russo: Ja, die Idee ist von mir, und IconNicholson setzte sie um. Ich habe mich gefragt, wenn MySpace so populär ist, wie kann man das für den Handel ausschöpfen? Ich dachte, warum soll man diese interaktiven Komponenten nicht auch in einem Laden haben können? Warum muss man sich zu Hause verstecken, um die Idee zu verwirklichen? Im Laden können die Kids sich präsentieren wie bei «American Idol», dem populären TV-Gesangswettbewerb. Sie haben Spass dabei und kommen eher in die Geschäfte. WW: Was symbolisieren die anderen Stände der Boutique?Richard Russo: Die Überschrift lautet «Grün mit Enthusiasmus», deshalb haben wir ein Hybrid-Auto ausgestellt und Betty Belts integriert. Jugendlichen ist es ausgesprochen wichtig, Umweltschutz und progressive Ethik tatsächlich umzusetzen, wer da nicht mitzieht, hat als Business in der Zukunft keine Chance. Gerti Schön
