IAA Europe bespricht Zukunft

Anfangs Februar haben sich die 25 Sektions-Präsidenten an der Europa-Konferenz der International Advertising Association IAA in Zürich getroffen. Sie präsentierten den Status ihrer Organisationen sowie die aktuellen Entwicklungen in ihrem Land

Anfangs Februar haben sich die 25 Sektions-Präsidenten an der Europa-Konferenz der International Advertising Association IAA in Zürich getroffen. Sie präsentierten den Status ihrer Organisationen sowie die aktuellen Entwicklungen in ihrem Land. Das Meeting diente dem Gedankenaustausch und der Diskussion aktueller Themen; Austausch von Programmen, Strategie der IAA in der Zukunft, regionale und globale Entwicklung der Märkte und kommunikationsrelevanten Dossiers in Brüssel. Zudem planten sie den European Advertising Summit im September in Bukarest sowie den nächsten IAA-World Congress im April 2008 in Washington. Ein wichtiger Aspekt war die wachsende Corporate Social Responsibility der Unternehmen, welche auch die Werbung einschliesse, wie einer Mitteilung zu entnehmen ist. Die IAA besteht aus einem globalen Netzwerk. Die weltweite Organisation zählt 4000 Mitglieder in 56 Sektionen und 76 Ländern.

Crossmedia Award mit neuer Jury

Wettbewerbe Bereits zum dritten Mal wird dieses Jahr der durch die Goldbach Media initiierte und organisierte Crossmedia Award durchgeführt.

Wettbewerbe Bereits zum dritten Mal wird dieses Jahr der durch die Goldbach Media initiierte und organisierte Crossmedia Award durchgeführt. Neuer Jury-präsident und Nachfolger von Dominique von Matt wird Geri Aebi. Der Goldgewinner erhält 10000 Euro Preisgeld. Weitere Gewinner werden mit Silber und Bronze ausgezeichnet Der Crossmedia Award soll das vernetzte Denken und Handeln von Kommunikation und den innovativen Umgang mit Medien fördern. Teilnahmeschluss ist der 3. April 2007. Anmeldung, mehr Infos und Upload der Arbeiten unter www.crossmediaaward.ch.

Das lange Warten auf Freiburg

TV-Werbung In ihrem Kampf gegen das M6-Werbefenster für die Romandie hat die SRG eher schlechte Karten. Doch das Bakom stärkt ihr den Rücken.

TV-Werbung In ihrem Kampf gegen das M6-Werbefenster für die Romandie hat die SRG eher schlechte Karten. Doch das Bakom stärkt ihr den Rücken.Für die SRG und speziell für das Westschweizer Fernsehen TSR hat das Jahr 2007 schlecht angefangen. Am 4. Januar wies das Freiburger Kantonsgericht die Klage, die die SRG gegen den französischen TV-Sender M6 angestrengt hatte, ab. Und nur eineinhalb Monate später gibt Naxoo, der Betreiber des Genfer Kabelnetzes, bekannt, dass er voraussichtlich Ende März das Schweizer Signal von M6 aufschalten werde (siehe Seite 1). Mehr noch: TSR-Chef Gilles Marchand, von Amtes wegen auch Mitglied des Verwaltungsrates von Naxoo, muss diesen Posten bald aufgeben und verliert dort seinen Einfluss (siehe Kasten).Das Urteil von Freiburg und die Änderungen bei Naxoo schwächen die Positionen von SRG und TSR in ihrem jahrlangen Kampf gegen M6. Allerdings ist noch nicht klar, weshalb das Freiburger Gericht die SRG-Klage abgewiesen hat. Die Urteilsbegründung steht noch aus. Für die SRG ist denn auch noch nicht alles verloren: Sie hat sich vorbehalten, das Urteil an das Bundesgericht weiterzuziehen.
Die SRG möchte Zeichen setzenDoch mit dem Prozess von Freiburg wollte und will die SRG ein Exempel statuieren, was ihr bisher misslungen ist. Die dortige Kabelnetzbetreiberin Cablecom war die erste Netzanbieterin, die ab 2001 nicht mehr das ursprüngliche Programmsignal des Senders mit französischen Werbeblöcken verbreitete, sondern ein zweites Signal, das teilweise mit schweizerischer Werbung ausgestattet war. Wegen dieses Werbefensters aber bezichtigen SRG und TSR den französischen Konkurrenzsender der Verletzung von Urheberrechten und des unlauteren Wettbewerbs. M6 strahle auf seinem für die Westschweiz bestimmten Sendesignal Filme und Serien aus, für welche die TSR die Exklusivität erworben habe.
Bernhard Cron, Anwalt von M6, unterstreicht, dass M6 über die beiden aus Frankreich ausgestrahlten Signale exakt dasselbe Programm verbreite – und zwar zeitgleich. Unterschiedlich seien bloss die Werbeblöcke. M6 verletze damit weder Urheber- noch Exklusivrechte und begehe auch keinen unlauteren Wettbewerb.
Dadurch aber, dass TSR und M6 teils dieselben Senderechte einkaufen, kommt es immer wieder zu Konflikten. Etwa letztes Jahr anlässlich der Fussball-WM (siehe Kasten). Oder im letzten Herbst mit der Serie «Prison Break», die beim Westschweizer Publikum ausgezeichnet ankam. TSR hatte mit der Ausstrahlung begonnen, jeweils mit einer Folge pro Woche. Kurz darauf startete M6 die Serie ebenfalls, allerdings mit drei Folgen am selben Abend, was TSR zwang, mit zwei Folgen pro Ausstrahlungsabend nachzuziehen, um das junge Publikum bei der Stange zu halten.
Ähnliche Situationen entstehen immer wieder, und ständig lässt sich TSR dabei in die Verteidigerrolle drängen. Dabei steht TSR keineswegs mit dem Rücken zur Wand, vielmehr erfreuen sich seine zwei Sender regen Zuspruchs seitens der Werbewirtschaft. Dies gilt jedenfalls für die Primetime, in der die TSR-Werbeblöcke oftmals  ausgebucht sind. Werbeauftraggeber fordern deshalb schon lange eine sprachregionale Alternative. Der Kanal M6 wäre dafür eigentlich prädestiniert, doch solange sein Schweizer Signal grosse Abdecklöcher in Genf und Lausanne aufweist, vermag der Sender kaum als Ausweichplattform zu dienen.
Auch die Lokal-TVs profitierenGenau diese Situation wollen die Westschweizer Privat-TVs nun ausnützen: Spät, sehr spät, schlossen sie sich vor erst zwei Wochen zum flächendeckenden TeleRomandieCombi zusammen, wählten die SRG-Tochter Publisuisse als Vermarkterin und lassen sich der Werbewirtschaft nun als Ergänzung (und nicht etwa als Alternative) zu TSR anbieten – nach der Devise: «Für die Reichweite TSR, für die Tiefe TRC.» Der SRG ist das recht: So kann sie wenigstens einen Teil der TRC-Werbeeinnahmen in Form der Kommission einstreichen. Jeder Spot hingegen, der bei M6 platziert wird, ist für sie gänzlich verloren.
Wie aber stellt sich das Bundesamt für Kommunikation zum M6-Werbefenster? Damals, 2001, als M6 damit startete, hatte das Bakom noch damit gedroht, die Kabelnetze anzuweisen, das Schweizer Signal von M6 nicht zu verbreiten. Seither hat man vom Bakom aber nichts mehr gehört. «Grundsätzlich sind wir weiterhin der Meinung, dass Werbefenster – auch in der Deutschschweiz – politisch unerwünscht sind. Das wissen auch die Kabelnetzbetreiber. Unsere rechtlichen Mittel sind aber beschränkt», sagt Bakom-Medienjurist Alfons Birrer.
Der Grund der Ablehnung: Man sehe es nicht gerne, wenn sich ein grosser Sender aus dem Ausland ohne Investitionen einfach in den «kleinen, sehr sensiblen und verletzlichen Schweizer Märkten» bediene. Bei Programmfenstern sei dies anders: Diese erbringen eine redaktionelle Leistung und benötigen nach geltendem Recht eine Schweizer Konzession. Im Gegensatz dazu genüge den reinen Werbefenstern für die grenzüberschreitende Verbreitung die ausdrückliche Genehmigung ihrer Regulierungsbehörde, sagt Birrer.   
 
 
 
Eine Kehrtwende – dank Cablecom Als Cablecom im letzten September ihren Anteil bei Naxoo auf 49 Prozent aufstockte
, ermöglichte dies der Genfer Kabelnetzfirma ein Einlenken gegenüber M6. Das Anlehnen an den Schweizer Branchenleader, der Erfahrung mit Werbefenstern hat, vermittelte Sicherheit. Die Niederlage der SRG in Freiburg gab weiteren Auftrieb. Zudem führten die neuen Beteiligungsverhältnisse zu einer Reorganisation auf Ebene des Naxoo-Verwaltungsrates, wo
auch TSR-Chef Gilles Marchand als einer von 26 Interessenvertretern Einsitz hat. Dieses Kuriosum ist historisch bedingt.
Doch Mitte Jahr wird das Gremium nun auf voraussichtlich elf Mitglieder reduziert – und Marchand, der unermüdliche Warner vor dem M6-Werbefenster, gehört zu denen, die das Feld räumen müssen.
Sein Einfluss färbte dennoch auf die jüngsten Verhandlungen zwischen Naxoo und M6 ab: Naxoo-CEO Antoni Mayer sicherte sich mit einer Vertragsklausel ab, falls TSR vor Bundesgericht doch noch Recht erhalten sollte. In diesem Fall, so ist es festgehalten, wäre nicht Naxoo, sondern M6 schadenersatzpflichtig.
 
 
Rechtshändel um Sportrechte Für die Fussball-WM 2006
hatte die SRG mit der TV-Rechte-Firma Infront des deutschen Ex-Weltklassefussballers Günter Netzer einen Exklusivvertrag für die Übertragung der Spiele in der Schweiz abgeschlossen. Doch das deutsche RTL und das französische M6 übertrugen die WM-Partien ebenfalls, auch in ihren Schweizer Fenstern und mit Schweizer Werbung. Diese Werbeplätze sollen damals ausgebucht gewesen sein.
Die SRG geht deshalb von Einnahmeverlusten in Millionenhöhe aus. Sie klagte Infront am 20. Oktober beim Kantonsgericht Zug «auf Preisminderung und Schadenersatz» ein, wie der stellvertretende SRG-Sprecher
Daniel Steiner auf Anfrage
bestätigte. Die Klage ist noch hängig.
 
Markus Knöpfli

Christine Pielken verstärkt Burson-Marsteller

Die Public Relations- und Kommunikationsagentur Burson-Marsteller verstärkt das Genfer Team mit Christine Pielken. Als neue Senior-Beraterin ergänzt sie das bisher vor allem international ausgerichtete Team.

Die Public Relations- und Kommunikationsagentur Burson-Marsteller verstärkt das Genfer Team mit Christine Pielken. Als neue Senior-Beraterin ergänzt sie das bisher vor allem international ausgerichtete Team und ist für den Ausbau des Westschweizer Marktes zuständig. Zusätzlich unterstützt sie die Agenturen in Zürich und Bern bei Kunden aus der Romandie. Mit Pielken kann Burson-Marsteller in Zukunft in allen Sprachregionen des Schweizer Marktes Dienstleistungen in Kommunikationsberatung und PR anzubieten. Pielken verfügt über zwölf Jahre Berufserfahrung in Public Relations. Sie war sowohl in Agenturen als auch in Westschweizer Unternehmen tätig. Bevor sie zu Burson-Marsteller wechselte, hatte sie die Leitung bei der von ihrem Vater gegründeten PR-Agentur Pielken & Partners inne. Später wechselte sie in die internationale Uhrenindustrie als Leiterin Marketing und Kommunikation.
 

Richterich & Partner erweitert Geschäftsleitung

Das Beratungsunternehmen für PR, Kommunikation und Marketing, Richterich & Partner aus Zollikon, baut die Führungsebene aus. Seit 1. Januar 2007 zeichnet Yasmine Suter Schmid als Partnerin und Mitglied der Geschäftsleitung verantwortlich.

Das Beratungsunternehmen für PR, Kommunikation und Marketing, Richterich & Partner aus Zollikon, baut die Führungsebene aus. Seit 1. Januar 2007 zeichnet Yasmine Suter Schmid als Partnerin und Mitglied der Geschäftsleitung verantwortlich. Die 32-Jährige studierte an der Universität St. Gallen und ist bereits seit zwei Jahren als Beraterin Richterich & Partner tätig. Richterich & Partner agiert seit über acht Jahren mit einem wachsenden Kundenportfolio im Schweizer PR- und Marketingumfeld. Heute beschäftigt Richterich & Partner 14 Kommunikationsprofis.

Nichts für Angsthasen

Dialogmarketing Bereits zum neunten Mal geht 2007 auch der Schweizer Dialogmarketing-Preis unter dem Patronat des Schweizer Direktmarketing-Verbandes (SDV) über die Bühne.

Dialogmarketing Bereits zum neunten Mal geht 2007 auch der Schweizer Dialogmarketing-Preis unter dem Patronat des Schweizer Direktmarketing-Verbandes (SDV) über die Bühne. Die eingereichten Arbeiten können im Unterwerk Selnau in Zürich vom 22. bis 24. Februar besichtigt werden. Eine Vernissage findet am 21. Februar um 19 Uhr statt. Das Motto der diesjährigen Ausschreibung lautet: «Nur Angsthasen nehmen hier nicht teil!»

Angelink bringt Hochprozentiges ins Netz

Bier Bislang galt die Schweiz in Sachen Bier nicht gerade als Quell sprudelnder Ideen. Erst in jüngerer Zeit haben sich vor allem Kleinbrauereien mit Innovationen profiliert und sind damit auf offene Kehlen gestossen.

Bier Bislang galt die Schweiz in Sachen Bier nicht gerade als Quell sprudelnder Ideen. Erst in jüngerer Zeit haben sich vor allem Kleinbrauereien mit Innovationen profiliert und sind damit auf offene Kehlen gestossen. Einer der Innovationstreiber unter den Schweizer Bierbrauern und Erfinder des inzwischen bestens etablierten Ittinger Klosterbräus ist Martin Wartmann. Er überrascht die Szene nun mit einer völlig neuen Bieridee. Unter dem Label «Wartmann’s Bier für Freunde» braut der Altmeister hochprozentige Spezialbiere in handsignierter und limitierter Auflage. Das Bier ist auch über Internet erhältlich. Angelink hat dazu auf www.wartmanns.com einen virtuellen Stammtisch eingerichtet inklusive eines Blogs für Bierweisheiten.

Mit più nach Asien

Food Der Magalog più, eine Mischung aus informativem Katalog und unterhaltsamem Magazin, macht in seiner Februarausgabe die Asienkompetenz der Migros zum Thema.

Food Der Magalog più, eine Mischung aus informativem Katalog und unterhaltsamem Magazin, macht in seiner Februarausgabe die Asienkompetenz der Migros zum Thema. Neben einer Übersicht über das Migros-Sortiment an asiatischem Geschirr und den entsprechenden Kochutensilien sowie dem umfangreichen Angebot an Delikatessen aus der thailändischen, der chinesischen, der indischen, der indonesischen und der japanischen Küche überrascht das neue più mit vielen Hintergrundinformationen über Asien. So erfährt man beispielsweise, dass Dabbawallahs die indische Alternative zu Convenience-Food sind und dass Ayurveda viel mehr beinhaltet als nur Massage. Das più wird von Weber Harbeke realisiert und in allen Migros-Filialen gratis aufgelegt. Zusätzlich erscheint es als Beilage in der Wochen- und Monatspresse der deutschen, der französischen und der italienischen Schweiz sowie in einer Teilauflage des Migros-Magazins. Insgesamt sind für dieses Jahr sechs più-Ausgaben geplant.

Toyota vereint Lokalradios

Radio GGK fährt zum Jubiläum von Toyota Schweiz gehörig ein.

Radio GGK fährt zum Jubiläum von Toyota Schweiz gehörig ein.Am 17. Februar 1967 sprang ein Toyota in Adliswil durch eine japanische Flagge und landete so symbolisch in der Schweiz. Anlässlich des 40-jährigen Bestehens von Toyota in der Schweiz lanciert die Werbeagentur GGK für Toyota eine nationale Radiokampagne, die Pioniercharakter hat. GGK plant zusammen mit Radiotele für Toyota ein Radiogewinnspiel. Die Hörer von 27 Lokalradiostationen können gleichzeitig am Wettbewerb teilnehmen. Den ganzen Samstag werden im Schweizer Äther je sechs Spielrunden ausgetragen. Bis zur Finalrunde, die am Abend auf dem Internet zu sehen sein wird und die die Radiostationen live kommentieren, werden 162 Hörer um den Hauptpreis spielen. Ganz nach dem Moto: «Toyota jubiliert, der Hörer profitiert.» Laut Fredy Weisser von GGK sei diese Aktion für die Schweiz einzigartig, weil die Lokalradios den Tag durch grösstenteils ein identisches Programm hätten. Neben dem Gewinnspiel senden die Lokalradios im Vorfeld Radiospots, um die Kampagne zu promoten. Zusätzlich werden am Samstag die stündlich moderierten Uhrzeiten mit Toyota-Slogans begleitet. Fast alle Lokalradios sind an der Aktion beteiligt. Radio Pilatus nimmt an der Aktion nicht teil. Grund: Die Innerschweiz feiert Fasnacht. Schweizweit wird in allen Toyota-Vertretungen auf die 40-jährige Erfolgsgeschichte von Toyota angestossen. Und auch der legendäre Sprung von damals wird wiederholt. Toyota-Formel-1-Pilot Jarno Trulli wird in Adliswil anlässlich der Pressekonferenz für Spektakel sorgen.
Christian Lüscher

Gegen das Rasen auf der Piste 

Ski 32 Prozent aller Sportunfälle in der Schweiz sind Wintersportunfälle. Das ist kein Zufall, denn auf den Skipisten wird immer schneller gefahren.

Ski 32 Prozent aller Sportunfälle in der Schweiz sind Wintersportunfälle. Das ist kein Zufall, denn auf den Skipisten wird immer schneller gefahren. Dabei kann ein Zusammenprall fatale Folgen für die Gesundheit haben. Die Suva-Angebotsmarke SuvaLiv engagiert sich für die Sicherheit in der Freizeit. Und wirbt seit Jahren mit prägnanten Plakaten und Inseraten von Ruf Lanz gegen das Rasen auf den Skipisten. Auch das Sujet für den Winter 06/07 fährt buchstäblich ein: Zwei wie Skis hingelegte Kettensägen dramatisieren das Gefahrenpotenzial zu schneller Fahrweise auf überraschende Art. Die Auflösung: Pistenraser gefährden sich selber und andere. Das Sujet ist als Inserat sowie als Plakat in allen grossen Schweizer Skigebieten zu sehen.

Bei einem Ja kommt auch die Werbung an die Kasse

Abstimmung Falls sich das Stimmvolk am 11. März für eine statt 86 Krankenkassen entscheidet, hätte dies auch Auswirkungen auf die Kommunikationsbranche.

Abstimmung Falls sich das Stimmvolk am 11. März für eine statt 86 Krankenkassen entscheidet, hätte dies auch Auswirkungen auf die Kommunikationsbranche.«Das Sparpotenzial mit einer Einheitskasse wäre gewaltig. Heute verschleudern Kassen Unsummen mit Werbung, Aufwendungen für die Verwaltung und bürokratische Kassenwechsel …» Mit diesen Worten machte sich SP-Nationalrätin Christine Goll am 7. Februar im Tages-Anzeiger für die Einheitskrankenkasse stark. Die Äusserung der Politikerin weist auf einen Aspekt der kommenden Abstimmung hin, der bisher in der Kommunikationsbranche kaum thematisiert wurde: Weil mit einer Einheitskrankenkasse der Wettbewerb unter den Kassen hinfällig würde, dürften auch die Kommunikations- und Marketingausgaben wesentlich kleiner ausfallen. Mit weit reichenden Folgen für Werbe- und Mediaagenturen, für Callcenter und für Medien.Paul Rhyn, Leiter Kommunikation beim Krankenkassenverband Santé Suisse, beziffert den gesamten Marketingaufwand der 86 Verbandsmitglieder auf jährlich 150 bis 200 Millionen Franken. In diesem Betrag enthalten sind sämtliche Werbeausgaben sowie die Kosten für Material und Personal, das benötigt wird, um bei Kassenwechseln Dossiers und Versichertenausweise zu erstellen oder die Austrittsformalitäten zu erledigen. Einbezogen sind ferner Provisionen und Löhne der externen und internen Kundenbetreuer und Makler sowie die Kosten für die Information der Versicherten (Mailings, Kundenzeitschriften). Rhyn ist allerdings nicht in der Lage, den Marketingaufwand nach einzelnen Posten aufzuschlüsseln.
Zumindest für die direkten Werbeausgaben liefern der Advertising Index Switzerland (AIS) der Wemf aber einen gewissen Anhaltspunkt. Demnach gaben die 86 Krankenkassen letztes Jahr 26,7 Millionen Franken für klassische Werbung aus, 6,9 Prozent mehr als 2005. Zum Vergleich: Der Schweizer Werbeetat von Orange war im Jahr 2004 ähnlich hoch. Das Telekommunikationsunternehmen figurierte damals auf Rang 9 der werbeaktivsten Firmen. Die erwähnten Werbeausgaben der Krankenkassen enthalten allerdings weder Ausgaben für Direktmailings oder Telefonmarketing noch die Kosten für Offerten, mit denen potenzielle Kunden zu einem Kassenwechsel animiert werden sollen.
Angesichts dieser Zahlen rechnet deshalb Piero Schäfer von der Geschäftsstelle Schweizer Werbung (SW) bei einem Ja zur Einheitskrankenkasse mit «sehr gravierenden Konsequenzen für Agenturen und Medien». «Das wäre ebenso einschneidend, wie wenn es nur noch eine Automarke oder einen Verlag gäbe», meint er. Die Grundfesten des SW selbst würden deswegen aber «kaum erschüttert», fügt Schäfer hinzu: Der SW zähle nur wenige einzelne Werbeauftraggeber zu seinen Mitgliedern – und darunter maximal drei Versicherer.
SWA und BSW würden leidenAnders sähe die Situation beim Verband Schweizerischer Werbeauftraggeber (SWA) aus: Zwar sind hier auch nur gerade zwei der 141 Mitglieder reine Krankenversicherer, fünf weitere bieten jedoch neben Sach- und Vorsorgeversicherungen auch eine Krankenkasse an. Eine Annahme der Initiative für eine Einheitskrankenkasse hätte beim SWA deshalb vor allem eine Reduktion des Verbandsbudgets zur Folge. Denn gemäss SWA-Direktor Jürg Siegrist ist die Höhe des SWA-Mitgliederbeitrags abhängig vom jährlichen Werbe- und Mediabudget des Einzelmitglieds. Da sich Letzteres auch bei den Versicherern mit Krankenkasse reduzieren würde, würde auch der Mitgliederbeitrag kleiner.
Mit Einkommenseinbussen für seine Mitglieder rechnet auch Walter Merz, Geschäftsführer beim BSW Leading Swiss Agencies. «Die heutigen 86 Kassen machen vielleicht 50 verschiedene Kampagnen. Diese gäbe es künftig sicher nicht mehr», meint er. Ausgehend von den AIS-Zahlen schätzt er die konkreten Einbussen allein für die Werbeagenturen auf drei bis fünf Millionen Franken, was etwa einem Prozent der gesamten Bruttobetriebserträge der BSW-Agenturen entspricht. «Das wäre nicht der Tod für die Agenturen, aber für einige unserer Mitglieder sind diese Aufträge doch sehr wichtig», sagt Merz.
Möglicherweise aber sind Merz’ Befürchtungen unnötig und Golls eingangs zitierte Aussage nicht ganz richtig. Denn angesichts bisheriger Erfahrungen mit Einheitskassen ist es keineswegs sicher, dass auch bei den Ausgaben für klassische Werbung mit Einsparungen zu rechnen ist. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) zum Beispiel ist ebenfalls eine Einheitskasse, die von Gesetzes wegen Unfallprävention betreibt: 2005 investierte sie 105 Millionen Franken – für Beratung, Betriebskontrollen und Aufklärung mittels TV-Spots, Plakaten oder Broschüren. Wieviel davon in die klassische Werbung fliesst, war bei der Suva nicht zu erfahren. Trotzdem: Auch mit einer Einheitskrankenkasse werden die Werbe- und Mediaagenturen nicht unbedingt leer ausgehen, doch dürften sich die Briefings stark von den heutigen unterscheiden. Statt Imagewerbung oder Abwerben von Kunden steht bei einer Einheitskrankenkasse vermutlich eher Präventionswerbung im Vordergrund – wie bei der Suva. Dies hinge letztlich aber von der konkreten Ausgestaltung der künftigen Kasse und damit von der Politik ab.
Fest steht aber: All die Callcenter, die jeweils im Herbst mit den Aufträgen der Krankenkassen rechnen konnten, würden in Zukunft leer ausgehen. Und auch die zahlreichen Krankenkassen-Kundenmagazine müssten wohl einem einzigen pro Sprachregion Platz machen.
Markus Knöpfli

Vom Himmel hoch

Kolumne CNN machte den Anfang. Al-Jazeera ist inzwischen auch in Englisch zu sehen, und die Franzosen legen mit France 24 nach: Ein Blick auf die Schlacht der Nachrichtenbilder am Fernsehschirm.

Kolumne CNN machte den Anfang. Al-Jazeera ist inzwischen auch in Englisch zu sehen, und die Franzosen legen mit France 24 nach: Ein Blick auf die Schlacht der Nachrichtenbilder am Fernsehschirm.Hier herrscht Bürgerkrieg», sagt der Reporter. Er meldet sich live aus Bagdad und scheint sich fast ein bisschen zu freuen: «Nur die Amerikaner wollen das nicht wahrhaben.» Für Frankreich jedenfalls ist es ein Tag des Triumphes: Nach langem Hin und Her geht endlich France 24 auf Sendung – der französische Newssender für die Welt, die späte Antwort der Grande Nation auf CNN. Besser hätte der Start nicht programmiert werden können. Am Tag zuvor – wirklich ein göttlicher Zufall – wurde in den USA der Baker-Bericht veröffentlicht, der die Bush-Regierung kritisierte. Chirac hatte mit seiner Politik des Widerstands gegen den Einmarsch im Irak Recht bekommen – und die Franzosen nun auch die Möglichkeit, dies mitzuteilen. Rund um die Uhr und rund um die Welt. Auf Französisch – und auf Englisch.Auf den Champs-Elysées feierte man ein grosses Fest. Der kanadische Ex-Premier Jean Chrétien wurde eingeflogen. Er unterstrich die Bedeutung von France 24 für die Frankophonie. Javier Solana vertrat die europäische Diplomatie. Chirac strahlte, als er den Startschuss gab: «Unparteiisch» werde Frankreichs Stimme in der Welt sein, erklärte er.
Seit dem ersten Golfkrieg 1991, als die Welt CNN entdeckte und die Amerikaner damit über das Monopol der Bilder und der Informationen verfügten, wünschte sich Paris einen eigenen Nachrichtensender. Bei jedem internationalen Konflikt wurde das Projekt neu lanciert. Völlig unverstanden und allein gelassen fühlte sich Chirac, als er 1995 auf Mururoa versuchsweise ein paar Atombomben zündete und zum Buhmann der Erde wurde. Mit dem Feldzug gegen den Krieg im Irak machte er sich wieder beliebt – ausser in den USA, wo sich Franzosenfeindlichkeit manifestierte. «French CNN» wurde lanciert. 170 zum Teil sehr junge Journalisten gehören zur Redaktion, eher bescheidene 80 Millionen Euro beträgt das Budget 2007.
Man kann France 24 problemlos im Internet sehen. Das Angebot ist keineswegs schlecht. Viel Blau – es ist die Nationalfarbe – attraktive Nachrichtensprecherinnen, Kultur und Lifestyle. Börse und Politik. Auch Sport. Aus Brüssel und Beirut melden sich eigene exklusive Berichterstatter. Aus Gaza und aus Moskau werden Reporter der staatlichen Nachrichtenagentur AFP zugeschaltet. Aus Jerusalem kommt der Korrespondent von France 2 ins Bild. Das journalistische Aufgebot ist durchaus beeindruckend.
Zwei Monate, und schon behaupten die Verantwortlichen, es sei France 24 gelungen, einen «anderen und neuen» Blick auf die internationale Aktualität zu werfen. Das ist von Europa aus schwierig zu beurteilen. Aber es lohnt sich, von hier aus einmal ein paar Blicke auf al-Jazeera zu werfen, den arabischen Sender, der durch seine Videos von Bin Laden berühmt wurde und kürzlich mit einem englischsprachigen Programm in die Schlacht der Bilder im Krieg der Kulturen zog. Al-Jazeera ist so professionell wie CNN. Systematisch werden auch israelische oder US-Statements eingeholt. Und nüchtern die Fakten aufgearbeitet. Verblüffend ist zum Beispiel, dass al-Jazeera wirklich ein anderes Bild von Afrika verbreitet, als wir dies auch von unseren nationalen Programmen serviert bekommen. Es ist nicht nur auf die Bäuche hungernder Kinder, Aids und Kindersoldaten beschränkt. Juristen, Banker, Diplomaten, Politiker, Intellektuelle kommen zu Wort – es gibt eine afrikanische Öffentlichkeit, von der wir als TV-Allerweltskonsumenten sonst nie erfahren.
Gleichwohl bleibt al-Jazeera so arabisch wie CNN amerikanisch ist. Auch auf den zweiten Blick sind es keine Propagandasender – die würde heute keiner mehr freiwillig einschalten. Für BBC World und die Deutsche Welle gilt das noch sehr viel mehr. Dennoch erzeugt erst ihre Vielfalt eine Form von Pluralismus. Jetzt wollen auch die Japaner einen globalen Newssender. Existiert in der Globalisierung nur, wer seine Bilder aus dem All rund um den Erdball verbreitet? Sicher nicht, und vielleicht macht das Internet Newssender sowieso obsolet.
Gleichwohl sollte sich auch die Schweiz die Frage ihrer internationalen Präsenz etwas ernsthafter stellen. Es wäre fatal, wenn Swissinfo weiter abgebaut würde. Der Infokanal des Deutschschweizer Fernsehens ist auf Satellit frei empfangbar, taugt aber kaum zur «Stimme der Schweiz». Generell sind die Westschweizer über die frankophone Kooperation, etwa bei TV 5, eher besser präsent. Auf France 24 allerdings haben wir die Schweiz bisher nur erlebt, als es um Johnny Hallydays Steuerexil in Gstaad ging. Sonst kommt sie nur im Wetterbericht und bei den Börsenkursen regelmässig vor.
 
Jürg Altwegg ist Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen in Genf
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