Ausbildung Pia Kasper ist Direktorin des Schweizerischen Ausbildungszentrums für Marketing, Werbung und Kommunikation SAWI. Im Interview mit der Werbewoche spricht sie über die SAWI-Abschlüsse, deren Wert und über die neue Ausrichtung des Institutes. WW: Frau Kasper, wie steht es in der Schweiz mit dem Werber-Nachwuchs? Pia Kasper: Die Werbebranche ist für junge Menschen ein unglaublich attraktives Umfeld. Der Trend zur Kommunikationsbranche in all ihren Facetten ist ungebrochen und auch eine positive Entwicklung für das SAWI. WW:Wie sind die Kurse des SAWI besetzt?Pia Kasper:Die Nachfrage nach unseren Ausbildungsangeboten ist gross. Vor allem aus dem Raum Zürich.WW:Wie startet man am besten seine Karriere in der Werbebranche? Pia Kasper:Der gängigste Weg führt immer noch über eine Lehre mit dem Besuch der Berufsmittelschule. Dann sucht man sich eine Anstellung und absolviert die berufsbegleitende Ausbildung als Kommunikationsplaner. Mit der Weiterbildung als Kommunikationsleiter ist der nächste Karriereschritt gesichert. Die genannten Ausbildungen sind am SAWI übrigens sehr gut besucht.WW:Und wenn man keine entsprechenden Anstellungen findet?Pia Kasper:Dann ist die Vollzeitausbildung eine optimale Lösung. Das SAWI bietet dafür zwei Möglichkeiten an. Entweder man besucht eine einjährige Ausbildung mit den Schwerpunkten Marketing/Kommunikation, mit dem Abschluss als «Kommunikations-Planer/in». Oder man macht einen dreijährigen Vollzeitlehrgang am Polycom. Er verhilft zum Diplom als «Berater/in Unternehmens- und Marketingkommunikation» und kann als ganzheitliche Kommunikationsausbildung schlechthin bezeichnet werden. Das Polycom bildet genau das Beratersegment aus, das den heutigen Marktanforderungen entspricht. Es sind Profis auf allen Gebieten der integrierten Kommunikation, die alle Kommunikations-Instrumente beherrschen.
WW:Der Idealweg führt also über das SAWI? Pia Kasper:Das grosse Plus unserer Ausbildungen ist die Praxiserfahrung. Denn sowohl unsere einjährige wie unsere dreijährige Ausbildung sind ohne entsprechende Praktika undenkbar. Dies im Gegensatz dazu, über ein Studium an einer Universität oder einer Fachhochschule in die Werbung einzusteigen. Zurück zu Ihrer Frage nach dem Idealweg. Er führt über das SAWI: Entweder Lehre mit entsprechenden SAWI-Weiterbildungen oder die SAWI-Tagesschulen.WW:Wo positioniert sich das SAWI und wie qualifizieren Sie die SAWI-Abschlüsse?Pia Kasper:Das SAWI positioniert sich mit praxisbezogenen Ausbildungsangeboten und Abschlüssen in eidgenössischen Berufsprüfungen. Ab 2008 bieten wir auch Ausbildungen mit Abschlüssen im Bereich Höhere Fachschulen an. Wir haben im Unterschied zur Hochschule keinen Forschungsbereich angegliedert. Unsere Absolventen verfügen aber bereits über handfeste Erfahrungen. Die SAWI-Abschlüsse qualifizieren sich über den Praxisbezug. Das heisst, dass jemand mit SAWI-Abschluss am Arbeitsplatz sofort effizient eingesetzt werden kann. Dies nicht zuletzt, weil wir durch unser Milizsystem über einen Dozentenstamm aus Praktikern verfügen und weil wir während der Ausbildung im Rahmen des Möglichen auch Praktika durchführen.WW:Wie stehen Sie zu den Hochschulangeboten, die wie Pilze aus dem Boden schiessen? Kann man Kommunikationsberufe studieren?Pia Kasper:Durchaus. Verschiedene Hochschulen bieten entsprechende Studiengänge an. Diese Ausbildungen sind eher wissenschaftlich und forschungsorientiert, oft ohne entsprechenden Praxisbezug. Vor allem Maturanden besuchen diese Ausbildungsgänge. Nicht zuletzt deshalb, weil sie annehmen, dass ihr Marktwert mit einem Bachelor-Abschluss grösser sei. Das kann ich durchaus nachvollziehen. Wer aber eine erfahrungsorientierte Ausbildung absolvieren möchte, besucht nach wie vor das SAWI. Die Wirtschaft weiss den Stellenwert des SAWI-Diploms zu schätzen. Nicht ohne Grund findet sich häufig in Stelleninseraten auch der Hinweis auf ein SAWI-Diplom.WW:Die Medien verändern sich, neue Kommunikationskanäle setzen sich durch. Wird dem im SAWI-Ausbildungsangebot auch Rechnung getragen?Pia Kasper:Am Puls der Zeit auszubilden, ist ein Muss für eine fortschrittliche Ausbildungsstätte. Die sich verändernden Bedürfnisse der Wirtschaft, speziell der Werbebranche, verfolgen wir aufmerksam, speziell auch die neuen Kommunikationskanäle. Wir wollen mit gezielten Ausbildungsangeboten die Zukunft der Branche mit kompetentem Nachwuchs sichern. Als Beispiel nenne ich hier das Expo-Event-Marketing. Aber auch die im SAWI gebotene Möglichkeit zum Anwenden und Vermitteln von multimedialen Kommunikationsformen sind eine unserer grossen Stärken.WW:Thema Standort. Die grossen Werbeagenturen sind in Zürich. Kommt das SAWI nach Zürich? Pia Kasper:Wir leben im 21. Jahrhundert. Die Bedürfnisse unserer Kunden haben sich seit der Gründung des SAWI stark verändert. Früher ist man aus der ganzen Schweiz nach Biel gereist, um sich im SAWI sattelfestes Knowhow aus der Kommunikationsbranche anzueignen. Dieser selbstverständliche Fokus auf den Schulungsort Biel gehört der Vergangenheit an. So sank die Zahl unserer Studierenden in Biel auf 28 Prozent, während sie in Zürich auf 62 Prozent angestiegen ist. Zürich ist das Mekka der Werbung, hier sind die grossen Agenturen. Deshalb werden wir im Raum Zürich unser Angebot gewaltig ausbauen.WW:Ist das an Ihrem jetzigen Standort in Zürich-Stettbach überhaupt möglich?Pia Kasper:Nein, er war längst überholt. In den engen und verstreuten Räumlichkeiten mit veralteter Infrastruktur wurde es auch für die Dozierenden zunehmend schwierig, die Unterrichtsqualität aufrechtzuerhalten. Weder räumlich noch personell sahen wir uns in der Lage, die wachsende Kundschaft professionell zu betreuen. Deshalb beziehen wir ab Frühling 2007 einen neuen Standort, wo wir über genügend Ausbildungsräume verfügen werden.
WW:Wo werden sich die neuen Räumlichkeiten befinden? Pia Kasper:An der Stettbachstrasse 6 in Zürich-Stettbach. Also ganz in der Nähe vom alten Standort. Die Räumlichkeiten werden topmodern umgebaut und mit modernster Infrastruktur ausgestattet. Der neue Standort soll zum Inbegriff, zum Standard der modernen Kommunikationskultur werden. WW:Sie sind seit Oktober 2006 Direktorin des SAWI. Was sind Ihre konkreten Ziele?Pia Kasper:Ein zentrales Anliegen ist die Qualitätssicherung aller Ausbildungen auf hohem Level. Auch deshalb wurde die Verbesserung der Infrastruktur bereits energisch eingeleitet. Weiter erscheint mir eine differenziertere Profilierung im Schweizer Ausbildungsmarkt essentiell. Das SAWI muss als starke nationale Marke wahrgenommen werden. Es wird ja von allen Berufsverbänden getragen. Dann muss das Image des SAWI als nachhaltiges und praxisbezogenes Ausbildungsinstitut weiter ausgebaut werden. Und last but not least bietet sich in Zürich-Stettbach mit den neuen Räumlichkeiten die Chance, in der deutschen Schweiz ein schlagkräftiges Kompetenzzentrum für Kommunikation zu begründen.Ausbildung bei der SPOK und AKADFür die Weiterbildung zum PlanerIn Marketingkommunikation
(ehemals WerbeassistentIn) bietet die AKAD in Kooperation mit der SPOK (Schule für praxisorientierte Kommunikation) Kurse an. Der Schulbetrieb wird durch die AKAD organisiert. Die SPOK steht der Kursleitung als fachlicher Beirat zur Seite, die langjährige Erfahrung im Bereich Kommunikation und Werbung aufweist. Besonderer Wert wird auf den praktischen Teil gelegt. Während des Studienablaufs werden laufend Praxisteile, teilweise in Firmen vor Ort, eingebaut. Nach den zwei Semestern erfolgt ein dreimonatiger Praxisteil, in welchem die Teilnehmenden eine entsprechende Aufgabe zu lösen haben. Interessierte können sich detailliert auf www.spok.ch oder auf www.akad.ch informieren. Die Kursräume für den Lehrgang befinden sich in Zürich im Publimedia-Gebäude.
Interview per Email: Christian Lüscher