Das schwierige Geschäft im Netz
Internet Viele Schweizer Verleger erzielen im Internet zwar mittlerweile Umsätze. Aber verdienen sie damit auch wirklich Geld?
Internet Viele Schweizer Verleger erzielen im Internet zwar mittlerweile Umsätze. Aber verdienen sie damit auch wirklich Geld?Ist das Internet bereits ein lohnendes Geschäft? Die Frage ist schnell gestellt, die Antworten aus den Verlagen dagegen fallen vage aus. Das Business im Netz bewegt sich auf tiefem Niveau und laviert zwischen kleinem Ertrag und Verlustgeschäft. In zwei bis drei Jahren jedoch, so hofft man, soll die Gewinnzone erreicht sein. Der Schock über die geplatzte Internetblase nach der Jahrtausendwende scheint jedoch überwunden zu sein, und das Vertrauen ins Geschäft im Netz ist wieder intakt. Die Verleger jedenfalls investieren munter in den Ausbau ihrer Webaktivitäten. Internet ist ein wichtiger Bestandteil der Wachstumsstrategie und steht auf der Prioritätenliste ganz oben. Die meisten Publikationen verfügen heute mindestens über einen Internetauftritt mit einer Reihe von Angeboten und Zusatzleistungen. Webpräsenz ist zur Pflicht geworden, und wachsende Umsätze auf werbefinanzierten Seiten von jährlich um 40 Prozent zeigen, wohin der Trend geht.
«Wir investieren stark ins Internet, der Bereich legt umsatzmässig stark zu», erklärt beispielsweise Christoph Tonini, Finanzchef und stellvertretender UL-Vorsitzender von Tamedia. Er beziffert den Anteil des Internetgeschäftes am Gesamtumsatz des Konzerns gegenwärtig auf etwa vier Prozent. «Wir wollen da weiter wachsen», sagt er. Im Moment investiert der Konzern in den Ausbau der Website der Pendlerzeitung 20 Minuten, gestaltet das Portal Piazza neu und hat Pläne im Bereich Jobs. Doch Geld verdient Tamedia im Internet bisher keines. Unter dem Strich schreibt der Konzern in diesem Geschäft noch eine schwarze Null. «Wir befinden uns in der Investitionsphase», sagt Tonini.
Auch im Hause NZZ wird kräftig ins Web investiert. Die Deckungsbeiträge für das OnlineEngagement verbesserten sich laufend, sagt Regula Meili, Marketingleiterin Online. «Im Moment schreiben wir jedoch noch keine schwarzen Zahlen.» Sie schätzt, dass bis in drei Jahren die Gewinnschwelle erreicht ist. Meili beziffert den gegenwärtigen Anteil der Online-Aktivitäten am Gesamtumsatz der NZZ auf unter fünf Prozent.
«Zur Frage, ob wir im Internet Geld verlieren oder verdienen, können wir klar sagen, dass wir Geld verdienen», sagt Ringier-Konzernsprecher Marco Castellaneta. Die Einnahmen werden aber grösstenteils über Plattformen erzielt, die mit einem bereits bestehenden Verlagsprodukt verknüpft sind. Deshalb könne man den Verdienst nicht im Detail beziffern. Ringier ist weltweit mit über 150 Marken im Internet präsent. «Bis jetzt sind diese Auftritte vielfach nur Marketingauftritte und Kommunikationsplattformen von Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendungen.» Die meisten Marken haben ihre eigene Webstrategie entwickelt. Nicht alle haben dabei so stark auf die Karte Internet gesetzt wie Cash mit dem fortlaufenden Experiment Cash daily in der Schweiz.
Die Entwicklung im Internet verläuft bei Ringier wie in vielen anderen Medienunternehmen derzeit sehr schnell: «In fünf Jahren werden wir wohl anders über das Thema Internet reden», meint Castellaneta. Wachstum im Web ist erklärtes Ziel des Konzerns und steht auf der Prioritätenliste. «Ringier entwickelt im Moment eine Strategie für das digitale Geschäft, denn es ist ganz klar unsere Absicht, auch im Internet Geld zu verdienen», sagt Castellaneta.
Auch in Bern verdient man bei der Espace Media Groupe, Herausgeberin von Berner Zeitung und Bund, offenbar Geld. Espace-CEO Albert P. Stäheli teilt mit, der Anteil des Internetertrags belaufe sich auf etwa 1,5 Prozent am Gesamtertrag des Unternehmens.
Im zweitgrössten Wirtschaftsraum der Schweiz, in Basel, investiert Verleger Matthias Hagemann jährlich im Durchschnitt eine Million Franken in die Webaktivitäten seines Unternehmens, das die Basler Zeitung herausgibt. Bei einem zurückhaltend berechneten Umsatz im Internet von ungefähr 700 000 Franken legt der Verleger jedoch bis jetzt drauf. «Es ist ein schwieriges Geschäft und besonders für eine Regionalzeitung nicht einfach», meint Hagemann. Komme man mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen, dann sei bestimmt schon einer da, der das bereits erfolgreich mache.
Kürzlich war vom deutschen Axel-Springer-Verlag zu hören, der Konzern erziele fünf Prozent seines Umsatzes im Internet und verdiene heute schon im Web gutes Geld. Doch solche Erfolgsbotschaften beeindrucken den Basler Verleger kaum. Er hegt Zweifel, ob das Geschäftsmodell der Deutschen auch wirklich nachhaltig sei: «Das Königsmodell hat noch keiner gefunden», meint Hagemann.
Bei Edipresse, dem Haus, das die Romandie weitgehend dominiert und international über 150 Zeitungen und Zeitschriften herausgibt, rentiert Internet bisher nur im Rubrikenbereich. Edipresse ist an zahlreichen entsprechenden Portalen beteiligt. Philippe Gendret, der stellvertretende Direktor in der Gruppe «Matin et Magazines» bei Edipresse, spricht von hoher Rentabilität und zweistelligem Wachstum. Das Phänomen betrifft indessen alle Verlage, die im Rubrikengeschäft bleiben wollen, das namhaft ins Internet abgewandert ist. Bei den Portalen der Edipresse-Titel hingegen legt der Verlag drauf. «Wir schreiben Verluste», sagt Gendret. Die Aufbereitung der Inhalte sei teuer, und alle paar Monate müssten die Seiten mit neuen Tools wie Blog, Video und Mobile aufgerüstet werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. «In der kleinen Schweiz ist es schwierig, eine Generalistenseite anzubieten, in Frankreich oder Deutschland geht das viel besser», meint er.
Wie bei allen Verlagen weiss man auch bei Edipresse noch nicht genau, welche Kanäle beim Publikum am besten funktionieren. Es ist ein ständiges Ausprobieren. Auf der Site von Le Matin beispielsweise dominieren morgens die News, während am Abend eher Interaktivität gefragt ist. Gendret schätzt, dass der Konzern drei Prozent vom Gesamtumsatz (von 450 Mio. Franken) im Web erzielt.
Für die AZ-Mediengruppe, Herausgeberin der Aargauer Zeitung, beziffert Ueli Eckstein, COO und Leiter Printmedien, den Anteil des Online-Geschäfts am Gruppenumsatz auf zwei Prozent. Dabei dominieren die Rubrikenanzeigen. Wie hoch der Gewinn ist, will Eckstein nicht sagen, doch unter dem Strich verdiene man im Web bereits Geld.
In Graubünden erzielt Verleger Hanspeter Lebrument etwa vier Prozent des Umsatzes seiner Südostschweiz im Internet. «Es ist mittlerweile ein recht gutes Geschäft», sagt er. Anders als etwa bei Tamedia ist bei der Südostschweiz die Investitionsphase vorbei. «Wir haben am Anfang viel Geld investiert», sagt der Verleger. Wovon man bei Ringier wieder abgekommen ist, funktioniert in Chur unter regionalen Bedingungen offensichtlich gut: Lebrument hat mit der Südostschweiz New Media eine eigene Internetfirma gegründet, deren grösster Kunde er selber mit seiner Holding und weiteren Tochtergesellschaften ist. Er macht dabei Gewinn – «ein paar 100 000 Franken im Jahr». Lebrument hält auch hier sein Imperium geschickt zusammen. Die zur Südostschweiz zählenden Titel bekommen Leistungen der Südostschweiz New Media günstiger als anderswo. Die Firma gilt zudem als grösster Dienstleister für Web- und IT- Lösungen der Region. «Internet betrachtet man heute wieder als Chance. Es gibt zwar keine absolute Garantie, aber wahrscheinlich ist es ein solides Geschäft», meint der Verleger.
René Worni
«Wir investieren stark ins Internet, der Bereich legt umsatzmässig stark zu», erklärt beispielsweise Christoph Tonini, Finanzchef und stellvertretender UL-Vorsitzender von Tamedia. Er beziffert den Anteil des Internetgeschäftes am Gesamtumsatz des Konzerns gegenwärtig auf etwa vier Prozent. «Wir wollen da weiter wachsen», sagt er. Im Moment investiert der Konzern in den Ausbau der Website der Pendlerzeitung 20 Minuten, gestaltet das Portal Piazza neu und hat Pläne im Bereich Jobs. Doch Geld verdient Tamedia im Internet bisher keines. Unter dem Strich schreibt der Konzern in diesem Geschäft noch eine schwarze Null. «Wir befinden uns in der Investitionsphase», sagt Tonini.
Auch im Hause NZZ wird kräftig ins Web investiert. Die Deckungsbeiträge für das OnlineEngagement verbesserten sich laufend, sagt Regula Meili, Marketingleiterin Online. «Im Moment schreiben wir jedoch noch keine schwarzen Zahlen.» Sie schätzt, dass bis in drei Jahren die Gewinnschwelle erreicht ist. Meili beziffert den gegenwärtigen Anteil der Online-Aktivitäten am Gesamtumsatz der NZZ auf unter fünf Prozent.
«Zur Frage, ob wir im Internet Geld verlieren oder verdienen, können wir klar sagen, dass wir Geld verdienen», sagt Ringier-Konzernsprecher Marco Castellaneta. Die Einnahmen werden aber grösstenteils über Plattformen erzielt, die mit einem bereits bestehenden Verlagsprodukt verknüpft sind. Deshalb könne man den Verdienst nicht im Detail beziffern. Ringier ist weltweit mit über 150 Marken im Internet präsent. «Bis jetzt sind diese Auftritte vielfach nur Marketingauftritte und Kommunikationsplattformen von Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendungen.» Die meisten Marken haben ihre eigene Webstrategie entwickelt. Nicht alle haben dabei so stark auf die Karte Internet gesetzt wie Cash mit dem fortlaufenden Experiment Cash daily in der Schweiz.
Die Entwicklung im Internet verläuft bei Ringier wie in vielen anderen Medienunternehmen derzeit sehr schnell: «In fünf Jahren werden wir wohl anders über das Thema Internet reden», meint Castellaneta. Wachstum im Web ist erklärtes Ziel des Konzerns und steht auf der Prioritätenliste. «Ringier entwickelt im Moment eine Strategie für das digitale Geschäft, denn es ist ganz klar unsere Absicht, auch im Internet Geld zu verdienen», sagt Castellaneta.
Auch in Bern verdient man bei der Espace Media Groupe, Herausgeberin von Berner Zeitung und Bund, offenbar Geld. Espace-CEO Albert P. Stäheli teilt mit, der Anteil des Internetertrags belaufe sich auf etwa 1,5 Prozent am Gesamtertrag des Unternehmens.
Im zweitgrössten Wirtschaftsraum der Schweiz, in Basel, investiert Verleger Matthias Hagemann jährlich im Durchschnitt eine Million Franken in die Webaktivitäten seines Unternehmens, das die Basler Zeitung herausgibt. Bei einem zurückhaltend berechneten Umsatz im Internet von ungefähr 700 000 Franken legt der Verleger jedoch bis jetzt drauf. «Es ist ein schwieriges Geschäft und besonders für eine Regionalzeitung nicht einfach», meint Hagemann. Komme man mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen, dann sei bestimmt schon einer da, der das bereits erfolgreich mache.
Kürzlich war vom deutschen Axel-Springer-Verlag zu hören, der Konzern erziele fünf Prozent seines Umsatzes im Internet und verdiene heute schon im Web gutes Geld. Doch solche Erfolgsbotschaften beeindrucken den Basler Verleger kaum. Er hegt Zweifel, ob das Geschäftsmodell der Deutschen auch wirklich nachhaltig sei: «Das Königsmodell hat noch keiner gefunden», meint Hagemann.
Bei Edipresse, dem Haus, das die Romandie weitgehend dominiert und international über 150 Zeitungen und Zeitschriften herausgibt, rentiert Internet bisher nur im Rubrikenbereich. Edipresse ist an zahlreichen entsprechenden Portalen beteiligt. Philippe Gendret, der stellvertretende Direktor in der Gruppe «Matin et Magazines» bei Edipresse, spricht von hoher Rentabilität und zweistelligem Wachstum. Das Phänomen betrifft indessen alle Verlage, die im Rubrikengeschäft bleiben wollen, das namhaft ins Internet abgewandert ist. Bei den Portalen der Edipresse-Titel hingegen legt der Verlag drauf. «Wir schreiben Verluste», sagt Gendret. Die Aufbereitung der Inhalte sei teuer, und alle paar Monate müssten die Seiten mit neuen Tools wie Blog, Video und Mobile aufgerüstet werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. «In der kleinen Schweiz ist es schwierig, eine Generalistenseite anzubieten, in Frankreich oder Deutschland geht das viel besser», meint er.
Wie bei allen Verlagen weiss man auch bei Edipresse noch nicht genau, welche Kanäle beim Publikum am besten funktionieren. Es ist ein ständiges Ausprobieren. Auf der Site von Le Matin beispielsweise dominieren morgens die News, während am Abend eher Interaktivität gefragt ist. Gendret schätzt, dass der Konzern drei Prozent vom Gesamtumsatz (von 450 Mio. Franken) im Web erzielt.
Für die AZ-Mediengruppe, Herausgeberin der Aargauer Zeitung, beziffert Ueli Eckstein, COO und Leiter Printmedien, den Anteil des Online-Geschäfts am Gruppenumsatz auf zwei Prozent. Dabei dominieren die Rubrikenanzeigen. Wie hoch der Gewinn ist, will Eckstein nicht sagen, doch unter dem Strich verdiene man im Web bereits Geld.
In Graubünden erzielt Verleger Hanspeter Lebrument etwa vier Prozent des Umsatzes seiner Südostschweiz im Internet. «Es ist mittlerweile ein recht gutes Geschäft», sagt er. Anders als etwa bei Tamedia ist bei der Südostschweiz die Investitionsphase vorbei. «Wir haben am Anfang viel Geld investiert», sagt der Verleger. Wovon man bei Ringier wieder abgekommen ist, funktioniert in Chur unter regionalen Bedingungen offensichtlich gut: Lebrument hat mit der Südostschweiz New Media eine eigene Internetfirma gegründet, deren grösster Kunde er selber mit seiner Holding und weiteren Tochtergesellschaften ist. Er macht dabei Gewinn – «ein paar 100 000 Franken im Jahr». Lebrument hält auch hier sein Imperium geschickt zusammen. Die zur Südostschweiz zählenden Titel bekommen Leistungen der Südostschweiz New Media günstiger als anderswo. Die Firma gilt zudem als grösster Dienstleister für Web- und IT- Lösungen der Region. «Internet betrachtet man heute wieder als Chance. Es gibt zwar keine absolute Garantie, aber wahrscheinlich ist es ein solides Geschäft», meint der Verleger.
René Worni
