Sonntagspresse Die AZ-Mediengruppe will im September die siebte Ausgabe der Mittelland Zeitung lancieren.Man mag sich fragen, warum der Entscheid nicht schon früher fiel. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Bewirtschaftung des sonntäglichen Zeitfensters zu den Erfolgsmodellen der jüngeren Zeitungsgeschichte zählt und dass sich die Sonntagsblätter im Leser- wie auch im Anzeigenmarkt erfolgreich positionieren konnten. Doch jetzt ist es sicher: Verleger Peter Wanner (Aargauer Zeitung und Limmattaler Tagblatt) und seine in der Mittelland Zeitung kooperierenden Verbündeten (Solothurner Zeitung, Zofinger Tagblatt sowie Basellandschaftliche Zeitung) wollen im kommenden Herbst eine siebte Ausgabe der MZ auf den Markt bringen. Noch fehlt zwar die Zustimmung der Dietschi AG, die das Oltener Tagblatt herausgibt. Dort laufen gegenwärtig Detailabklärungen, das Einverständnis gilt aber als weitgehend sicher. Die erste Ausgabe der Mittelland Zeitung am Sonntag soll am 16. September in einer Auflage von 200 000 Exemplaren erscheinen.
In der Debatte um die geeignete Variante, wie der Aargauer, Solothurner und basellandschaftliche Lesesonntag am besten zu erobern sei, verwarfen die Beteiligten einen eigenständigen Titel und sprachen sich auch gegen die Variante eines kostenlosen Sonntagsblatts aus. «Sowohl im Leser- wie auch im Anzeigenmarkt ist eine siebte Ausgabe die betriebswirtschaftlich vernünftigste Lösung», sagt Ueli Eckstein, COO und Leiter Printmedien der AZ-Mediengruppe. Eckstein argumentiert, dass man mit einer siebten MZ auf dem bereits bestehenden Kundenstamm aufbauen und so den Abonnenten einen echten Mehrwert bieten könne. Diesen Vorteil hätten die nationalen Sonntagsblätter nicht, obwohl sich Ueli Eckstein durchaus den SonntagsBlick oder die NZZ am Sonntag als eine siebte Ausgabe des jeweiligen Mutterblattes vorstellen könnte.
Produktion wie unter der WocheMit ihrem Entscheid geben die Beteiligten grünes Licht für die Projektarbeit. Das Rohkonzept sieht vor, dass die Aargauer Zeitung den Mantelteil mit News aus Inland, Ausland, Wirtschaft, Sport und Lifestyle produziert und die Partnerverlage nach erprobter Art im Verbund der Mittelland Zeitung ihre Blätter kantonalisieren und regionalisieren. In ihre publizistische Hoheit fallen auch die Inhalte der Frontseite. Die Sonntagsausgabe soll sich in Gestaltung und Inhalt klar von den Ausgaben unter der Woche abheben. Wie die AZ-Mediengruppe mitteilt, soll die Sonntagsausgabe bei allen Partnerverlagen ins Tageszeitungsabonnement integriert werden. Der voraussichtliche Aufpreis pro Ausgabe beträgt 50 bis 90 Rappen. Abonnenten erhalten ihr Blatt mit sonntäglicher Frühzustellung bis 8.30 Uhr in den Briefkasten.
Das Blatt wird auch schweizweit an den Kiosken erhältlich sein. Die Platzierung nationaler und regionaler Anzeigen ergibt sich logischerweise aus dem nationalen und regionalen Teil des Blattes. Der Stellenmarkt wird vom Samstag auf den Sonntag verlegt. Ob die Publicitas, die bereits das Anzeigengeschäft der Wochenausgaben besorgt, die Vermarktung des Sonntagsblatts übernehmen wird, ist derzeit Gegenstand von Verhandlungen.
Steigende Konkurrenz in BasellandOb und wie sich die siebte Ausgabe der Mitelland Zeitung auf dem Sonntagsmarkt auswirken wird
, bleibt abzuwarten. Die Südostschweiz am Sonntag, womit Verleger Hanspeter Lebrument im Mai 2006 dem Bündner Lesepublikum seine Interpretation eines Lesesonntags bescherte, dürfte den Entscheidungsprozess im Aargau begünstigt haben. Noch hat die Südostschweiz am Sonntag nicht den gewünschten Erfolg. «Das Blatt könnte mehr Inserate vertragen», meint Lebrument nüchtern. Indessen verschärft sich die Konkurrenzsituation zwischen Basler Zeitung und Basellandschaftlicher Zeitung. Nach gescheiterten Kooperationsverhandlungen zwischen den Verlegern Matthias Hagemann und Mathis Lüdin wurde Lüdins Basellandschaftliche Zeitung im letzten September neues Partnerblatt im Verbund der Mittelland Zeitung. Ab Herbst dehnt sich die MZ jetzt auch am Sonntag bis in die Agglomerationsgemeinden von Basel aus. Nach Lüdins Kooperation hatte die Basler Zeitung die regionale Berichterstattung massiv verstärkt und prüft jetzt, ob ein Einstieg in den Sonntagsmarkt ökonomisch sinnvoll wäre.
BaZ-Verleger Matthias Hagemann verneint entschieden kausale Zusammenhänge zwischen seinen Überlegungen und den Aktivitäten der Konkurrenz. «Die Mittelland Zeitung bringt uns keineswegs in eine Zwangslage.» Entsprechende Gesprächsangebote, die BaZ könnte mit der MZ am Sonntag kooperieren, verhallten dem Vernehmen nach am Rheinknie ohne Echo. Verleger Hagemann hegt grosse Zweifel an der Rentabilität des regionalen Sonntagsgeschäfts. «Wir sehen das ja in Graubünden, dass es nicht läuft.» Dort finde lediglich eine Verschiebung der Inserate auf den Sonntag statt. Falls sich nationale Werbeauftraggeber nicht für einen wie immer gearteten Sonntagstitel aus dem Hause Basler Zeitung erwärmten, «machen wirs nicht», sagt der Verleger.
25 neue RedaktionsstellenPatrick Müller (32),
seit drei Jahren Blattmacher und Nachrichtenchef beim SonntagsBlick, wird Chefredaktor der MZ-Sonntagsausgabe, wobei AZ-Chefredaktor Peter Buri die publizistische Gesamtverantwortung von Aargauer Zeitung und MZ trägt. Für die Sonntagsausgabe sollen 25 neue Stellen in den Redaktionen geschaffen werden. Zwölf Stellen benötigt allein die neue Mantelredaktion, weitere zehn bis fünfzehn Stellen verteilen sich auf die Regionalressorts der Partnertitel. Zusätzliche Stellen gibt es auch für den Druck und vor allem für die Zustellung. Man rechnet mit 500 neuen Mitarbeitenden, die vorwiegend teilzeitlich arbeiten werden.
René Worni