Die Jungen laufen aus dem Kino

Mach Basic 2007-1 Die Wemf weist die tiefsten Kinobesucherzahlen der letzten sieben Jahre aus. Der Anteil der Jugendlichen ist seit 2004 signifikant gesunken.

Mach Basic 2007-1 Die Wemf weist die tiefsten Kinobesucherzahlen der letzten sieben Jahre aus. Der Anteil der Jugendlichen ist seit 2004 signifikant gesunken.   
Mit rund 16,85 Millionen Eintritten gegenüber 15,2 Millionen im Jahr zuvor hat das Kinogeschäft in der Schweiz 2006 eine Steigerung von 9,2 Prozent verzeichnet. Dies liess die Branche vor wenigen Tagen verlauten. Die aktuelle Mach-Basic-Studie stützt diese Aussage allerdings (noch) nicht. Zwar deckt ihr Befragungszeitraum nur die ersten neun Monate des Jahres 2006 ab (plus die letzten drei des Vorjahres), doch von einem Kinoaufschwung nach dem Krisenjahr 2005 ist nicht das kleinste Anzeichen zu finden.
 
Im Gegenteil, gemäss der Wemf-Erhebung ging die Zahl der Kinobesucher erneut um 2,5 Prozent zurück, ähnlich wie in den vergangenen Jahren, sie liegt aber mit nunmehr 424 000 Eintritten pro Woche so tief wie noch nie seit dem Jahr 2000. Das sinkende Interesse manifestiert sich in allen Landesteilen und allen Regionen – mit einer Ausnahme: In Bern blieben die Besucherzahlen stabil.
 
Zwar liegen die Rückgänge gegenüber Mach Basic 2006-2 oder 2006-1 im Vertrauensbereich – wie immer in den letzten Jahren. Doch im längerfristigen Vergleich, etwa seit der Mach Basic 2003, die damals eine Rekordwochenreichweite von 486 000 Kinogängern auswies, hat die Branche 62 000 Besucher pro Woche verloren, was einem signifikanten Rückgang um 12,8 Prozent entspricht.
 
Es ist jedoch sinnvoller, die Mach Basic 2004 als Massstab heranzuziehen. Der Grund: Die Wemf weist die Kinos nach Vermarkter aus – und weil es bis 2003 noch zwei Kinovermarkter (Cinecom und Mediavision) mit unterschiedlichen Verkaufsregionen gab, ist ein direkter Vergleich heutiger Zahlen mit jenen vor 2004 bisweilen schwierig.
 
Doch auch seit der Mach Basic 2004, die mit einer Kinoreichweite von 464 000 wöchentlichen Besuchern dem Schnitt der letzten Jahre recht nahe kommt, ist die Zahl der Kinobesuche signifikant rückläufig (–8,6 Prozent). Bezogen auf die Regionen bleiben die Zahlen zwar im Vertrauensbereich, sie sind aber in der Deutschschweiz und besonders in Luzern nahe an der Grenze zur Signifikanz.
 
Keine Zweifel gibt es zudem am stark abnehmenden Kinointeresse der Jungen. Allein seit 2004 hat das Kino von den 14- bis 24-jährigen Besuchern ein gutes Viertel (28,7 Prozent) verloren. Das heisst: Schweizweit gehen heute pro Woche 47 000 Personen dieser Zielgruppe weniger ins Kino. Signifikant sind die Rückgänge aber auch in der Deutschschweiz (minus 25,2 Prozent) und erst recht in der Romandie: Dort kehrte gar mehr als ein Drittel dieser Altersgruppe dem so genannt jungen Medium den Rücken.
 
Seit 2004 ist auch die Zahl der Kinobesuche der 14- bis 34-Jährigen signifikant tiefer. Gesamtschweizerisch reduzierten sich die Kontakte mit dieser Zielgruppe um 57 000 pro Woche oder minus 20,7 Prozent. In der Deutschschweiz betrug der Rückgang 19,9 Prozent, in der Romandie 24,3 Prozent.
 
Ein weiterer Vergleich ist interessant: 2004 war noch eine deutliche Mehrheit der Kinobesucher zwischen 14 und 34 Jahre alt, und zwar galt dies damals für alle ausgewiesenen Landesteile und Regionen. Heute ist dies nur noch in den Regionen Luzern und St. Gallen/ Schaffhausen (je 61 Prozent) der Fall.
 
 
 
Riesendifferenz zwischen Procinema und Wemf  Die Zahlen der Wemf und des Branchenverbandes Procinema unterscheiden sich massiv – seit Jahren. Gemäss Procinema verzeichneten die Schweizer Kinos im Kalenderjahr 2006 fast 17 Millionen Eintritte, gemäss Mach Basic 2007-1 waren es dagegen zwischen September 2005 und September 2006 fast 26 Millionen.
 
Der grosse Unterschied liegt nicht nur an den verschiedenen Erhebungsperioden, sondern vor allem an den Erhebungsmethoden. Die Wemf will von den befragten Personen wissen, ob sie «in den letzten sieben Tagen im Kino waren», die Procinema-Zahlen basieren auf den Angaben der Kinobesitzer über den Ticketverkauf – ohne Gratiseintritte und Eintritte mit Kinopass. Letztere machen aber gemäss Procinema-Geschäftsführer René Gerber maximal 1,5 Prozent aus.
 
Auch die These, wonach die Kinobesitzer bei der Deklaration ihrer Zahlen in einem Interessenkonflikt stecken, zieht kaum. Zwar steigen bei höheren Besucherzahlen in den Kinos die Abgaben an die Filmverleiher – aber auch die Werbeeinnahmen. Zudem überprüfen die Filmverleiher die Angaben der Kinobetreiber mit eigenen Stichproben. Für den Cinecom-Geschäftsführer Matthias Luchsinger «liegt die Wahrheit deshalb irgendwo in der Mitte». So handhabt es die Cinecom im Prinzip auch beim Prognosetool CAM (Cinema Admission Monitor): Ausgehend von den wöchentlich gemeldeten Procinema-Daten der jeweils letzten drei Jahre errechnet das System pro Kalenderwoche einen Erfahrungswert, der anhand der Wemf-Daten nach oben oder unten gewichtet und mit soziodemografischen Angaben angereichert wird.
 
Markus Knöpfli

St. Galler Kantonalbank geht in die Charmeoffensive

Bank Die St. Galler Kantonalbank macht mit einer taktischen Kampagne auf eine charmante, aber dennoch offensive Art auf sich aufmerksam.

Bank Die St. Galler Kantonalbank macht mit einer taktischen Kampagne auf eine charmante, aber dennoch offensive Art auf sich aufmerksam. Verunsicherte Kunden und Aktionäre der Bank Linth sollen nach der nicht ganz geräuschlosen Übernahme durch die Liechtensteinische Landesbank wissen, wer seit über 100 Jahren mit der Region wirklich eng verbunden ist – die St. Galler Kantonalbank. Die Kommunikation schweift nicht in die Ferne – das Gute liegt so nah. Das Sujet: ein lokaler Wegweiser. Hiermit weist die St. Galler Kantonalbank sowohl im Sarganserland als auch im ganzen Linth-Gebiet den Weg zum Erfolg. Gleichzeitg zeigt der Wegweiser auch weg von der Bank Linth und hin zur nächsten Niederlassung der St.Galler Kantonalbank. Realisiert hat den Auftritt die Agentur Spillmann Felser Leo Burnett.  

Head of Marketing verlässt Viva Schweiz

Bettina Singeisen verlässt auf den 1. April Viva TV Schweiz. Damit geht der Head of Marketing nach nur einem Jahr vom Musiksender weg. Die Nachfolge tritt ihre ehemalige Assistentin Eliza Garbacik an.

 Bettina Singeisen verlässt auf den 1. April Viva TV Schweiz. Damit geht der Head of Marketing nach nur einem Jahr vom Musiksender weg. Die Nachfolge tritt ihre ehemalige Assistentin Eliza Garbacik an, wie diese auf Anfrage der Werbewoche bestätigte. Der Wechsel hat mit strukturellen Veränderungen beim Schweizer Ableger des deutschen Musikkanals zu tun (siehe ). Singeisen arbeitet in Zukunft beim Schweizer Fernsehen als Marketingberaterin.

Plakate machen ?t

Generika Für Sandoz bringt die Werbeanstalt ein riesenhaftes Gratis-Fitnesscenter.

Generika Für Sandoz bringt die Werbeanstalt ein riesenhaftes Gratis-Fitnesscenter.Der Markt für Generika ist in Bewegung. Seit diese günstigen Heilmittel im letzten Jahr zum grossen Thema in den Medien geworden sind, hat sich das auch auf den Markt ausgewirkt. Der Absatz von Generika verzeichnete 35 Prozent Wachstum. Sandoz, heute Nummer 2 im hart umkämpften Markt mit Tendenz zur Nummer 1, hat dabei sogar 60 Prozent zulegen können.Betreut wird das Budget von Sandoz seit dem Markteintritt von der Werbeanstalt in Zürich. In ihrer ersten Kampagne hat die Agentur im letzten Jahr «Aufklärungsarbeit» geleistet, was Generika überhaupt sind. Die Werbung ist mit einem frischen und für ein Pharmaunternehmen unkonventionellen Stil aufgefallen.
Rechtzeitig auf den Frühling und auf den Start der Sommerzeit lanciert die Werbeanstalt für Sandoz nun in einer bereits dritten Kommunikationswelle «das schweizweit grösste Gratisfitnesscenter», wie CD Sarah Hiltebrand die Idee erklärt. Mit dieser neuesten Werbekampagne aus dem Hause Werbeanstalt «möchte Sandoz der Schweizer Bevölkerung Gutes tun und sie animieren, mehr Sport zu treiben und damit auf ihre Gesundheit zu achten», präzisiert Robin Koenig, Head of Marketing & Branding bei Sandoz. Mit dieser Präventionskampagne positioniert sich Sandoz damit vermehrt als ganzheitlicher Gesundheitsanbieter im Sinne von «more than generics».
Unters Volk gebracht werden die Fitnesstipps durch Plakate mit Texten wie «Ab hier nach Hause joggen», «Ausgehen statt fernsehen» oder «Einsteigen und Sitzplätze andern überlassen». 
Dreidimensionale PlakateDabei geht Sandoz bei diesem «Lancieren des grössten Fitnesscenters» noch einen Schritt weiter: Das Generikaunternehmen verschenkt auf rund 200 Plakatstellen in der ganzen Schweiz Sportutensilien wie Mountainbikes, Laufschuhe, Badmintonschläger, Frisbees, Springseile sowie Fussballtrikots.
Die Passanten werden dabei aufgefordert, die Sportutensilien von der Plakatstelle wegzunehmen, sofort damit Sport zu treiben und auf diese Weise etwas für die Gesundheit zu tun. Und dies mit dem geschenkten Sportgerät erst noch günstiger, als es Generika ohnehin schon sind: nämlich kostenlos. Passend dazu die Auflösung der Werbekampagne: «Wenn Sie mehr für Ihre Gesundheit brauchen: Generika von Sandoz.»
«Diese Aktion mit dreidimensionalen Plakaten ist für uns mehr als ein Auslöser für PR-Geschichten. Obwohl das natürlich auch eine Absicht ist», erklärt Stratege Reto Dürrenberger von der Werbeanstalt. Und er verspricht, dass die mit dem Sandoz-Logo gebrandeten Bikes, Springseile und neusten Nike-Schuhe in den nächsten Tagen noch «mehrmals nachgefüllt» werden, wenn sie von den Plakatstellen verschwunden sind. Sandoz lässt sich diesen Werbegag «einiges kosten». 
Die Kampagne, die in der ganzen Schweiz zu sehen sein wird, umfasst auch zwei TV-Spots, F200- und F12-Plakate, 3D-Plakate sowie POS-Präsenz in Apotheken.
Andreas Panzeri

Cannes Lions gibt Radio Jury bekannt

Das Internationale Werbefestival in Cannes hat am Mittwoch die Mitglieder der Radio Jury veröffentlicht. David Guerrero, Geschäftsführer und CCO bei BBDO Guerrero Ortega, übernimmt deren Leitung.

 Das Internationale Werbefestival in Cannes hat am Mittwoch die Mitglieder der Radio Jury veröffentlicht. David Guerrero, Geschäftsführer und CCO bei BBDO Guerrero Ortega, übernimmt deren Leitung. Am 15. Juni beginnen er und seine Jurygenossen mit den Bewertungen, die Gewinner werden am 18. Juni bekannt gegeben.

Facts setzt ganz auf Fakten

Zeitschriften By Heart bringt für Facts gerade rechtzeitig harte Fakten auf den Tisch. Die Zeitschrift bleibt Nummer 1.

Zeitschriften By Heart bringt für Facts gerade rechtzeitig harte Fakten auf den Tisch. Die Zeitschrift bleibt Nummer 1. «Zuerst die Fakten. Dann die Meinung.» Mit diesem Claim hat das Magazin Facts in seiner letzten Kampagne Werbung gemacht. Jetzt ist die Agentur By Heart beauftragt worden, diese erfolgreiche Kampagne einen Schritt weiterzuführen, «um das Image der Marke lebendig zu erhalten und es zu festigen», wie CD Hans Siegwart den Auftrag umschreibt, den By Heart erhalten hat.Die Agentur ist von der Tatsache ausgegangen, dass Meinungen oft vorschnell gemacht werden. Erst Fakten bringen Licht ins Dunkel und zeigen die Dinge, wie sie wirklich sind. Was Fakten von Meinungen trennt, erlebt der Betrachter gleich selbst: indem er erst auf ein Bild stösst, das die Fakten im Dunkeln lässt. Blättert er um, muss er seine Meinung revidieren: Das ausgeleuchtete Bild zeigt, was Sache ist. So wird die vermeintliche Patrone zum Lippenstift, eine attraktive Frau zum Langhaarhund und zwei Eheringe zu Handschellen.
Ergänzt wird das Konzept durch eine unterhaltsame Textkampagne, die nach demselben Prinzip funktioniert: Bleibt ein Teil eines Wortes im Dunkeln, wird es plötzlich anders interpretiert. Zu sehen sind die ersten drei Print- und acht Textsujets ab 1. April in Zeitschriften und Zeitungen sowie auf Online-Bannern und E-Boards.
Die neue Kampagne wird ideal von den neuen Mach-Zahlen begleitet. Diese zeigten diese Woche: Facts bleibt mit gleichen Zahlen wie im letzten Jahr die Nummer 1 und kann zudem den Vorsprung gegenüber der Konkurrenz vergrössern, da sowohl die Weltwoche (–4,8 Prozent), Bilanz (–4,1) als auch Cash (–1,1) an Leserschaft verlieren.
Andreas Panzeri

Trittbrett-Werbung: Gentlemen-Delikt  der Kreativen oder Straftat?

Ambush-Marketing Bäcker und Metzger werden an der Euro 08 Fussball-Weggli verkaufen und EM-Bratwürste grillieren. Sehr zum Ärger der Uefa.

Ambush-Marketing Bäcker und Metzger werden an der Euro 08 Fussball-Weggli verkaufen und EM-Bratwürste grillieren. Sehr zum Ärger der Uefa.Es gibt viele unschöne Synonyme für den Begriff Ambush-Marketing; Trittbrettfahrer, Parasiten- oder Schmarotzer-Werbung, Hinterhalt-Marketing. Offiziell bedeutet es die Irreführung der Konsumenten durch unerlaubte Assoziation eines Produktes oder einer Dienstleistung mit einem werbewirksamen Anlass, um davon ohne Leistung eines eigenen Beitrags zu profitieren. Für die Veranstalter, die sich Sponsoringverträge teuer bezahlen lassen, natürlich ein Dorn im Auge. Denn für sie gilt: ohne Sponsoren keine Events. Doch wo liegen die Grenzen des Sponsorenschutzes? Ist es sinnvoll, Ambush-Marketing um jeden Preis zu unterdrücken? Sollte nicht die gesamte Wirtschaft, die ja solche Veranstaltungen entscheidend mitfinanziert, davon profitieren können? Die WM 2006 in Deutschland hat gezeigt: Je grösser der Event, desto mehr Geld lässt sich verdienen. Die logische Konsequenz davon war, dass sich jeder, ob mit oder ohne Genehmigung des Organisators, ein Stück vom Kuchen abschneiden wollte. Die offiziellen Sponsoren reagierten sensibel auf die zahllosen Eingriffe in ihre Werbeterritorien, und der Weltfussballverband Fifa sah sich zur rigorosen Durchsetzung des Markenschutzes gezwungen. Dies brachte dem Weltfussballverband einen schlechten Ruf ein. Alexander Koch von der Division Marketing & TV der Fifa sagte am Sport Forum Schweiz im vergangenen November dazu: «Man wirft uns vor, eine achtarmige Krake zu sein, die mit Hilfe einer Armee von Juristen die (Werbe-)Welt einnehmen will.»
Diese Probleme wollte der Europäische Fussballverband (Uefa) schon im Vorfeld der Euro 08 lösen und forderte den Bundesrat zu einer Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) auf. Neu sollte unlauter handeln, wer «ohne hinreichenden Grund in schmarotzerischer Weise Bezug auf Dritte, ihre Waren, Werke oder Leistungen nimmt und dadurch deren Ruf ausnutzt». Unterstützt wurde der neue Artikel jedoch nur von Veranstaltern von Grossereignissen, Sportverbänden und sechs Kantonen. Die übrigen Kantone waren dagegen, ebenso die Wirtschaftsverbände und Konsumentenorganisationen.
Im November entschied sich der Bundesrat gegen eine Anpassung des Gesetzes. Das Hauptargument lautete, dass Veranstaltungen wie die Euro 08 allen offen stehen und dem ganzen Land wirtschaftliche Anreize und Wachstum bringen müssen. Ausserdem wurde auch die Formulierung kritisiert, denn «Waren, Werke und Leistungen» umfassen nicht nur Grossveranstaltungen und Events, sondern auch Dienstleistungen und Produkte aller Art und jedes Anbieters, mithin jedes Produkt im Markt». Der Bundesrat einigte sich aber darauf, an der Euro 08 die Ambush-Aktivitäten zu beobachten und die Erkenntnisse daraus in eine Strategie des Bundes für Sport-Grossveranstaltungen einfliessen zu lassen.
Die Uefa nahm den Entscheid zur Kenntnis. Sie behält auf jeden Fall die Rechte über die geschützten Marken und Logos, wie zum Beispiel EM 2008 oder Euro 2008, und kann die Werbung innerhalb der Stadien und in ihrer unmittelbaren Umgebung (so genannte Bannmeilen) selber regeln und ihren Sponsoren vorbehalten. Auch können Organisatoren von Veranstaltungen wie bis anhin gegen unzulässige und irreführende Werbung vorgehen, auf rechtliche Präventivmassnahmen müssen sie jedoch bis auf weiteres verzichten.
 

 
 
Interview mit Rechtsanwalt Matthias Ebneter  Der Spezialist für Fragen des Werbe- und Kommunikationsrechts, über Ambush-Marketing und Sponsoren-Schutz.
WW: Obwohl keine Zweifel darüber bestehen, dass Sponsoren von Grossveranstaltungen geschützt werden müssen, wurde der Vorschlag zur Revision des UWG verworfen. Wollte die Uefa zuviel?Matthias Ebneter: Das UWG enthält eine Generalklausel, wonach jedes täuschende oder in anderer Weise gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstossende Verhalten oder Geschäftsgebaren, welches das Verhältnis zwischen Mitbewerbern oder zwischen Anbietern und Abnehmern beeinflusst, unlauter ist (Art. 2 UWG). Ambush-Marketing, das in diesem Sinne unlauter ist, war bereits bisher verboten. Die Uefa wollte nun aber im Hinblick auf die Euro 2008 einen Spezialtatbestand gegen Ambush-Marketing in das UWG bringen, der von den Vernehmlassungsadressaten aus wirtschafts- und rechtspolitischen Gründen mehrheitlich abgelehnt bzw. als unnötig und unverhältnismässig beurteilt wurde. Dabei dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass die Vorlage übereilt und einseitigim Interesse der Uefa eingebracht wurde.
Neben dem Wettbewerbsrecht gibt es aber noch andere Möglichkeiten des Schutzes von Sponsoren, insbesondere durch Markenschutz, Schutzmassnahmen in Verträgen mit Medienpartnern und Veranstaltungsorten und entsprechende Kontrollen.
WW: Die rigorosen Sponsorenschutzmassnahmen der Fifa an der WM 06 in Deutschland stiessen auf Unverständnis in der Bevölkerung. Droht der Uefa nun dasselbe Ungemach?Matthias Ebneter: Wer rechtlich fragwürdige oder unzulässige Werbung betreibt oder nicht lizenzierte oder am Veranstaltungsort nicht zugelassene Artikel vertreibt, muss damit rechnen, von der Uefa belangt zu werden. Oftmals betreffen die Sanktionen der Uefa aber auch Unbeteiligte, namentlich Fussball-Fans, die ja eine derartige Grossveranstaltung überhaupt erst ermöglichen. So stiess an der WM 2006 zum Beispiel auf Unverständnis, dass Zuschauern der Zutritt zum Stadion verweigert wurde, weil sie Werbeartikel von direkten Konkurrenten der offiziellen Sponsoren auf sich trugen.Auf den ersten Blick mögen solche Sponsorenschutzmassnahmen übertrieben erscheinen. Wenn man jedoch bedenkt, welche enormen Summen die offiziellen Sponsoren bezahlen, versteht man , dass die Uefa den Sponsorenschutz relativ ernst nimmt. Es wird sich zeigen, ob die Uefa im Zusammenhang mit Sponsorenschutzmassnahmen an der Euro 2008 das Verständnis der Öffentlichkeit gewinnen und vor allem eine Verärgerung der Fussballfans vermeiden kann.
WW: Wie sollen kleine Unternehmen und Geschäfte, die im Zusammenhang mit der Euro 08 ihre Produkte verkaufen wollen, konkret vorgehen, um sich nicht strafbar zu machen?Matthias Ebneter: Kleine Unternehmen und Geschäfte sollten sich vor allem davor hüten, die registrierten Marken der Uefa im Zusammenhang mit der Euro 2008 ohne Lizenz zur Vermarktung der eigenen Produkte zu verwenden. Darunter fallen insbesondere sämtliche Logos und Wortmarken (Euro 2008, Uefa EM 2008 etc.). Es ist zwar fraglich, ob alle registrierten Marken tatsächlich schutzfähig sind. Darüber kann aber verbindlich nur ein Gericht entscheiden.Wettbewerbsrechtlich ist namentlich zu beachten, dass die Werbung keine unrichtigen Angaben enthalten, keinen falschen Eindruck erwecken (z.B. nicht existierende Beziehungen zwischen Unternehmen und der Uefa suggerieren) und Konsumenten nicht irreführen darf. Anspielungen auf die Euro 2008 und insbesondere das Thema Fussball ganz allgemein sind aber grundsätzlich zulässig (z.B. Events zum Thema Fussball, Rabattaktionen aus Anlass der Euro 2008, Lancierung spezieller Produkte im Hinblick auf die Euro 2008 etc.).
Sollen Persönlichkeiten in die Werbung eingebunden werden, etwa mit Fotos, Testimonials oder Werbeauftritten, ist in jedem Fall deren Einwilligung einzuholen. Da mit strengen Kontrollen der Uefa an den offiziellen Veranstaltungsorten (Stadien, Fanmeilen, Public Viewings etc.) zu rechnen ist, dürften Give-Aways von direkten Konkurrenten offizieller Sponsoren wenig Chancen haben und mehr Ärger als Nutzen bringen.
Bei Projekten (Werbemassnahmen, Events, Produkte-Lancierungen etc.) mit grossen finanziellen Risiken empfiehlt es sich, frühzeitig einen fachkundigen Anwalt zu kontaktieren und das Vorhaben rechtlich prüfen zu lassen.
WW: Ambush-Marketing ist des einen Freud und des anderen Leid. Doch was überwiegt schlussendlich, der Schaden oder der Gewinn?
Matthias Ebneter: Ambush-Marketing führt dann zu Schaden, wenn der Rahmen des rechtlich Zulässigen klar überschritten und damit einem Konkurrenten das Wasser abgegraben wird oder Konsumenten getäuscht werden. Soweit sich Ambush-Marketing aber im rechtlich zulässigen Bereich bewegt, muss der damit verbundene Wettbewerb hingenommen werden und ist sogar erwünscht.Letztlich kann auch die Uefa davon profitieren, wenn möglichst viele die Euro 2008 respektive den Fussball zum Thema machen und damit das Interesse der Öffentlichkeit am Event fördern. Originelle, kreative Werbung im legalen Rahmen ist eine Bereicherung für die Euro 2008, die Werbebranche, den Wettbewerb und die Allgemeinheit.
Maila Bermejo

Positiv blickt die Werbebranche ins 2007

Das Wirtschaftswachstum in der Schweiz wirkt sich auch auf die hiesige Werbebranche aus. Nachdem in den letzten Jahren die Werbe- und Mediaagenturen immer von Budgetssteigerungen gesprochen haben, so steigen in diesem Jahr auch für die Werbeauftraggeber die Werbebudgets an.

 
Das Wirtschaftswachstum in der Schweiz wirkt sich auch auf die hiesige Werbebranche aus. Nachdem in den letzten Jahren die Werbe- und Mediaagenturen immer von Budgetssteigerungen gesprochen haben, so steigen in diesem Jahr auch für die Werbeauftraggeber die Werbebudgets an. Zu diesem Schluss kommt die Studie Werbetrends, die im Auftrag der Handelszeitung die werbeintensivsten Unternehmen, Werbe- und Mediaagenturen befragte. Vor allem die Bekleidungs- und Kosmetikbranche steht mit einer Steigerung von 64,7 Prozent sehr gut da, danach kommen die Banken und Versicherungen (+52,2 Prozent), dicht gefolgt vom Bereich Wohnungseinrichtungen und Haushaltsgeräten mit einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 50 Prozent. Mengenmässig die bedeutungsvollste Branche ist weiterhin der Banken- und Versicherungssektor. In diesem Jahr beabsichtigen über die Hälfte der befragten Institute, mehr Geld als im Vorjahr in die Finanzkommunikation zu investieren. Dabei benutzen fast alle Banken Tageszeitungen (92,6 Prozent), die Wirtschaftspresse (88,9 Prozent) und Anlegerzeitschriften (70,4 Prozent).
Glaubte man vor ein paar Jahren noch an ein Ableben der klassischen Werbung, so sieht der Trend in diesem Jahr für die Zeitungen weiterhin stabil aus. 51,3 Prozent der Auftraggeber sehen sie immer noch als zentrales Medium bei vernetzten Werbekampagnen, gefolgt vom Fernsehen mit 44 Prozent und den Zeitschriften (34 Prozent).

Euro RSCG verteidigt Peugot

In einem Pitch um die Budgets in den Bereichen Promotionen und Direct Marketing hat sich Euro RSCG Zürich mit Erfolg gegen drei andere Agenturen durchgesetzt. Dazu gewann die Agentur ein zusätzliches Kommunikationsbudget.

 In einem Pitch um die Budgets in den Bereichen Promotionen und Direct Marketing hat sich Euro RSCG Zürich mit Erfolg gegen drei andere Agenturen durchgesetzt. Dazu gewann die Agentur ein zusätzliches Kommunikationsbudget für den Bereich Pieces & Service. Laut Peugeot sei nicht nur die Qualität der Kreation ausschlaggebend gewesen, sondern auch die überzeugende Strategie, schreibt Euro RSCG in einer Mitteilung vom Mittwoch. Damit kann die Agentur auf den Ideen ihrer letzten Kampagnen für Peugot weiterbauen.

LZ Medien steigert Konzernergebnis sanft

Der Betriebsaufwand hat in erster Linie wegen dem Umsatzwachstum zugenommen. Im Berichtsjahr resultiert ein Aufwand von 123.9 Millionen Franken gegenüber 120.3 Millionen Franken im Vorjahr (+3.0%).

 Die LZ Medien Holding steigerte 2006 den Betriebsertrag um 4.2 Millionen Franken auf gesamthaft 138.5 Millionen, was einem Plus von 3.2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Berichtsjahr wurde ein Konzerngewinn von 14.1 Millionen erwirtschaftet. Gegenüber dem Vorjahresgewinn von 11.8 Millionen entspricht dies einem Plus von 19.5 Prozent. Das Umsatzwachstum resultiert hauptsächlich aus höherem Anzeigenertrag und aus dem Umsatz des neuen Segmentes Internetdruckerei, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Das starke konjunkturelle Umfeld begünstigte zudem die Anzeigenerträge. Es ist eine Steigerung von 5.5 Prozent auf 48.3 Millionen Franken festzuhalten. Eine leichte Abnahme von 0.8 Prozent ist beim Abo- und Kioskertrag zu verzeichnen. Der Umsatz beträgt 38.8 Millionen Franken gegenüber 39.1 Millionen Franken im Vorjahr. Die Erträge aus den Geschäftssegmenten Druck und Kalender sind stabil geblieben. Der Umsatz beläuft sich auf 44.2 Millionen Franken, was eine Steigerung von 0.5 Prozent gegenüber Vorjahr ergibt. Die übrigen Erträge und die Erträge aus elektronischen Medien haben mit der Internetdruckerei deutlich zugelegt und zwar um 1.7 Millionen Franken oder 31.8 Prozent auf gesamthaft 7.2 Millionen Franken.
Der Betriebsaufwand hat in erster Linie wegen dem Umsatzwachstum zugenommen. Im Berichtsjahr resultiert ein Aufwand von 123.9 Millionen Franken gegenüber 120.3 Millionen Franken im Vorjahr (+3.0%). Das Betriebsergebnis (EBITA) beträgt somit 14.6 Millionen Franken gegenüber 13.9 Millionen Franken im Vorjahr (+4.9%). Die Position Amortisation von Goodwill hat sich wegen der Akquisitionstätigkeit und Wertberichtigungen um 1.3 Millionen Franken auf 4.8 Millionen Franken erhöht, wodurch auf Stufe EBIT ein Ergebnis von CHF 9.8 Millionen Franken gegenüber 10.4 Millionen Franken im Vorjahr resultiert (-5.9%).
Das Finanzergebnis trägt mit 3.2 Millionen Franken wieder positiv zum Konzernergebnis bei. Im Vorjahresvergleich ist jedoch wegen nicht mehr ganz so starken Kapitalmärkten ein leichter Rückgang von 0.6 Millionen Franken festzuhalten. Das übrige Ergebnis liegt dank dem Verkauf der nicht mehr betriebsnotwendigen Liegenschaften (Baselstrasse, Luzern) 1.9 Millionen Franken über dem Vorjahreswert. Begünstigt von der Akquisitionstätigkeit resultierten beim Steueraufwand Einsparungen von 1.6 Millionen Franken. Als Cashflow-Rendite resultiert im Berichtsjahr ein Wert von 17.4 Prozent (gegenüber 16.9% vom Vorjahr). Die Bilanzsumme beträgt per Ende 2006 144.2 Millionen Franken. Das Eigenkapital hat von 85.2 auf 97.0 Millionen Franken zugenommen (67.3% der Bilanzsumme). Es sind unverändert 78’000 Aktien ausgegeben. Per Ende 2006 beschäftigte die LZ Gruppe 517 Mitarbeiter, die sich 427 Stellen teilten.

Im eigenen Laden verlaufen

Sport Sportplausch Wider in Wallisellen hat sich vergrössert. Zur Neueröffnung des neuen «Megastores» lancierte Widers Hausagentur Publicis eine Suchaktion.

Sport Sportplausch Wider in Wallisellen hat sich vergrössert. Zur Neueröffnung des neuen «Megastores» lancierte Widers Hausagentur Publicis eine Suchaktion. Denn der neue Laden ist so gross, dass sich der Inhaber Peter Wider darin verirrt hat. Wer ihn am Eröffnungswochenende vom 23. bis 25. März fand, konnte mit etwas Glück ein Superbike gewinnen. Kommuniziert wurde die Aktion mit Wildplakaten, die im Stil von «Büsi vermisst» aufgemacht waren: Ein Amateur-Föteli von Peter Wider und darüber der hilflose Titel: «Verlaufen.» In einem Radiospot verlas zudem ein amtlich klingender Sprecher der Gemeindepolizei Wallisellen eine «offizielle» Meldung: Vermisst wird seit letztem Montag …

Werbewoche steht neu als E-Paper im Netz

Seit letzter Woche gibt es die Werbewoche auch als komplettes E-Paper im Netz. In der elektronischen Ausgaben können Sie blättern, sich einzelne Artikel vergrössert anschauen und diese speichern oder ausdrucken. Während zwei Mo...

 Seit letzter Woche gibt es die Werbewoche auch als komplettes E-Paper im Netz. In der elektronischen Ausgaben können Sie blättern, sich einzelne Artikel vergrössert anschauen und diese speichern oder ausdrucken. Während zwei Monaten ist der Zugang für jedermann kostenlos. Bis heute haben rund 200 Personen von diesem Angebot gebraucht gemacht, was uns natürlich freut. Die Reaktionen waren durchwegs positiv. Falls Sie es noch nicht getan haben, registrieren Sie sich jetzt auf
und schon können Sie das Angebot nutzen. Wir wünschen Ihnen viel Spass mit dem E-Paper der Werbewoche.
Pierre C. Meier
Chefredaktor
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