Dölf Früh, VR-Präsident der neuen Media Swiss Group, wird zum Top-Player im Schweizer Online-Markt.Vor wenigen Wochen hat Dölf Früh in der Schweizer Medienwelt für Aufsehen gesorgt, als seine Media Swiss AG, Betreiberin von www.gate24.ch, die E-Business-Anbieterin Xmedia mit deren erfolgreichen Scout24-Online-Plattformen übernahm.Dölf Früh? Der Unternehmer hat bisher im Hintergrund gewirkt. Die Erfolgsgeschichte, weshalb er künftig das grösste schweizerische Kompetenzzentrum für Online-Marktplätze und crossmediale Dienstleistungen betreibt, könnte allerdings den Stoff für ein «Lehrbuch für Unternehmer» abgeben.
Von ihrem Hauptsitz im appenzellischen Teufen aus operiert die Media Swiss Group heute mit 350 Mitarbeitenden. Angefangen hat die Erfolgsgeschichte vor etwas mehr als 20 Jahren mit Telefonaufklebern. Auf diesen war neben wichtigen Telefonnummern auch Werbung des lokalen Gewerbes angebracht. Dölf Früh entwickelte sein Geschäft mit der Herstellung von Dorfplänen und geografischen Karten für Kommunen. Die traditionellen Kartenverlage waren für viele Gemeinden zu teuer. In dieser Situation gelangten einige Ortschaften an Früh, mit dem Anliegen, ob er die Kartenherstellung zu günstigeren Preisen realisieren könne.
1986 hat Dölf Früh die ersten «rudimentären Karten» gedruckt und mit lokaler Werbung finanziert. «Leider wollten die grossen Kartographen nicht kooperieren.» So hat der Selfmademan begonnen, die Karten auf der Basis der Daten von Swisstop selber herzustellen. Rund alle drei Jahre verlegt er seither eine neue Ausgabe. «Heute verfügen wir über einen Standard, der absolute Spitze ist. Wir sind Marktleader und haben die ganze Schweiz abgedeckt.»
Der Unternehmer Dölf Früh ist als Bauernsohn aufgewachsen, hat eine handwerkliche Lehre gemacht, sich kaufmännisch weitergebildet und dann auf dem zweiten Bildungsweg die Matura nachgeholt. Schon damals hat er sich diese Ausbildung im Aussendienst finanziert. «Meine grundlegende Business-Erkenntnis war, dass ich früh festgestellt habe, dass wir überall in Verdrängungsmärkten operieren. Es gewinnt, wer stärker im Marketing ist und den stärkeren Verkauf hat», fasst Früh sein Erfolgsrezept zusammen. Im Sinne eines starken Verkaufs hat der gross gewachsene Appenzeller bereits in seinen Anfängen eine Anzahl Verkäufer um sich geschart. Er sei, so Früh, damals «eher zufällig in die Medienbranche gerutscht», habe diesen Weg konsequent verfolgt, Know-how aufgebaut und Leute ausgebildet. Heute stehen über 100 Aussendienstmitarbeitende in der Media Swiss und seit dem Zusammengehen zusätzlich 50 Verkäufer der Scout-Gruppe im Einsatz für die neue Media Swiss Group. Ohne Zweifel eine der beachtlichsten Verkaufsdivisionen der Schweizer Medienlandschaft. Dölf Früh war bis 1997 noch selber im Aussendienst als Frontmann unterwegs. «Das Spannende war, dass ich vom Einmannbetrieb bis zum Unternehmer mit 350 Mitarbeitenden alle Stufen selber durchleben konnte.»
Was hat ihn angetrieben? Früh hätte sich angesichts der kontinuierlich wachsenden Geschäfserfolge bald einmal ein geruhsameres Leben leisten können. Früh begründet, weshalb er seinen Einsatz trotz der Erfolge bis heute nicht reduziert hat: «Der Mann von der Strasse sagt: Wenn ich mal eine Million habe oder vielleicht fünf, dann gehe ich auf die Bahamas. Doch solche Gedanken hat man vermutlich höchstens, bis man finanziell gesättigt ist. Dann treten andere Dinge in den Vordergrund. Die Faszination an der Arbeit. Der Spass am Entwickeln. Ein Unternehmen ist wie ein Fluss. Wenn er nicht mehr fliesst, dann beginnt er zu stinken.» Was fliesst, muss auch wachsen. «Da steckt man in einer faszinierenden Aufgabe drin, man will einfach nur noch vorwärts gehen.»
Für Dölf Früh und seine Unternehmungen bedeutete dieser Fluss auch eine ständige Anpassung an verschiedene Medien. «Wir versuchen, die alte Ökonomie mit der neuen zu verknüpfen. Das eine tun und das andere dezidiert anpacken. Diese Handlungsmaxime hilft uns immer wieder vorwärts.»
Bereits 1998 ist Media Swiss in das noch junge Medium Internet eingestiegen. Zuerst hat Früh die Entwicklungen nur sorgfältig beobachtet. «Dafür haben wir ein Business-Modell gefunden, welches gleich von Beginn weg Erträge abgeworfen hat.» Media Swiss hat Anfang des neuen Jahrtausends auch durchgehalten, als die Internet-Blase 2001 platzte. «Heute ist es so, dass Internet stark wächst und Print einigermassen stabil bleibt.» Für Dölf Früh eine komfortable Situation, da er mit den Karten und seinen Internet-Portalen in den interessanten Mediengattungen präsent ist.
Bei all diesen Aktivitäten musste zwangsläufig ein drittes Standbein dazukommen, wenn Media Swiss ihre Finanzen richtig steuern wollte. Da von den rund 100000 Kunden die meisten aus dem Bereich KMU stammen, arbeiten hier viele Unternehmer mit WIR-Geld. Sein Unternehmen muss pro Jahr «hohe siebenstellige Summen an WIR entgegennehmen». Um dieses WIR-Geld wieder in den Kreislauf bringen zu können, hat Früh sein Engagement im Immobilienbereich aufgebaut. «Wir bauen konstant auf rund zehn Baustellen und realisieren gepflegte Überbauungen, die wir dann vermieten und verkaufen.»
Mit Gate24 und jetzt auch mit den diversen Portalen von Scout24 hat die 2007 neu entstandene Media Swiss Group marktführende Portale im Angebot. Was haben Dölf Früh und sein neuer Geschäftspartner Daniel Grossen besser gemacht als die Konkurrenten? Früh sieht die Basis zum Erfolg, «dass wir vom klassischen Verlagsumfeld geprägt sind». Viele Internet-Marktplätze sind entstanden, weil die Verlage wussten, dass sie auch die Internet-Schiene würden fahren müssen. Aber ein Verleger mit seinem klassischen Verlag hat zwei Seelen in seiner Brust: Jeder Franken, der ins Internet fliesst, bricht drei Franken aus dem Printgeschäft heraus. «Also kannibalisiert man sich selber. Aber bis man so weit ist, sich selber zu kannibalisieren, dauert es in einem Verlag Jahre, bis der Entscheid gereift ist.» Bei reinen Online-Portalen herrscht eine andere Denkweise und gibt es einen anderen Businessplan. «Wir haben freie Bahn.» Einen grossen Vorteil sieht Dölf Früh für die Zukunft in der Dachmarke Scout24. Konkurrenten bieten ihre Dienste über mehrere Brands an, «was sehr viel mehr Marketingleistung und Technik erfordert».
Unter dem Dach der Media Swiss Group sind heute verschiedene Kompetenzen konzentriert. Neben 150 Leuten im Verkauf verfügt man in der Technik und im Umfeld der Informationstechnologie über zahlreiche Spezialisten, mit denen bereits auch Support für interessante Kunden im Ausland geliefert wird.
Ein Unternehmen mit dem seit Februar neuen Namen Media Swiss Group klingt ambitioniert. «Ja, es stimmt, wir haben den strategischen Weg definiert, eine bedeutende Firmengruppe zu werden», sagt Früh. Da über eine Beteiligung bei Scout auch die deutsche Telecom im Boot ist, kann sich der Unternehmer in Teufen künftig auch eine verstärkte Expansion ins Ausland vorstellen.
Die Zukunft der Online-Marktplätze ist für die Manager der Media Swiss Group unbestritten. Die Media Swiss will ihre führende Position «festigen und ausbauen». Ein anderes Feld wollen Früh und Grossen in baldiger Zukunft ebenso stark besetzen. Ihre Portale weisen zurzeit «gegen sechs Millionen Besuche im Monat auf. Das sind pro Jahr rund 2,9 Milliarden Page-Impressions.» Und auf Sites, die so intensiv genutzt werden, kann man Werbung schalten. «Hier haben wir praktisch noch nichts vermarktet. Das ist etwa so, wie wenn die Zeitungen neben ihren publizistischen Artikeln noch leere Seiten drucken würden», so Früh.
Und er rechnet, dass hier für sein Unternehmen noch einmal ein riesiges Potenzial ausgeschöpft werden kann, wenn der langsam erwachende Online-Werbemarkt mit knapp zwei Prozent in der Schweiz sich irgendwann dem europäischen Schnitt von zehn Prozent annähert.
Andreas Panzeri