Madeleine von Arx, erst seit kurzem Managing Director bei TBWA, kann sich schon über stabile Verhältnisse inhouse und bei Kunden freuen. Am Anfang war der Film. Madeleine von Arx hätte sich als junge Frau auch einen Weg als Cutterin vorstellen können oder sogar Regisseurin. Regie führt sie heute tatsächlich, aber anders und nicht beim Film: «Wie führt man Leute zu einem bestimmten Punkt und sogar an ihre Grenzen?» – Das sind die Aufgaben, bei denen Madeleine von Arx-Richter als eine der immer noch seltenen Kaderfrauen in der Schweizer Werbung ihren Spass und ihre Erfüllung findet. Bereits als Jusstudentin jobte von Arx in der Werbewelt. Und hat da schliesslich ihre ideale Mischung zwischen der Traumwelt Film und einer handfesten Wirtschaft gefunden. «Diese Hektik hat mir gefallen – ebenso der Umgang mit Leuten und Kunden.» In dieser Zeit entdeckte sie auch: «Ich bin vom Typ her ein Trouble-Shooter.»
Nach verschiedenen Aus- und Weiterbildungen in Kommunikation und Marketing übernahm sie 1992 zum erstenmal Verantwortung als Werbeleiterin bei Sulzer Medica. Da man rund um künstliche Hüftgelenke aber «ziemlich limitiert» ist, sah sie schliesslich mehr Entfaltungsmöglichkeiten bei Bally. Hier hatte sie rund um den Sanierer Ernst Thomke 1995 ihren ersten wirklichen «Traumjob» gefunden. Von Arx wurde CI- und CD-Verantwortliche und nach einem Jahr bereits Head of International Communications. Bally sollte neu auch als Modelabel zur Weltmarke aufgebaut werden. «Das waren sehr spannende Jahre. Ich war jung und ambitioniert und durfte Kampagnen von der Schweiz aus für die ganze Welt entwickeln.»
Eine Trouble-Shooterin braucht aber stets neue Challenges. Wie etwa ab 1997 bei der Liberalisierung des Telekom-Marktes. Von Arx wurde bei McCann-Erickson das Budget von Diax anbetraut. «Wir waren in alle Firmenentscheide involviert.» Dazu hat die Agentur auch über politisches Lobbying gearbeitet «und jedes Register gezogen, das es in der Kommunikation gibt». Als das Start-up Diax nach einem Jahr die angestrebte Mobile-Lizenz bekam, hat auch von Arx auf die Kundenseite gewechselt und wurde bei Diax Head of Marketing Communications. Nachdem sie in dieser Funktion auch noch den Merger mit Sunrise durchgezogen hatte, wartete nach vier Jahren 2001 wieder einmal ein neuer Challenge bei TBWA/Switzerland.
Hüftgelenke, Schuhe, Telekommunikation: Was kann von Arx in diesen verschiedensten Welten für Talente anbieten? Passend zur Antwort sagt sie sofort: «Ich kann extrem schnell eine Analyse machen. Wie funktioniert der Markt? Wie ticken die Kunden?» Für die Trouble-Shooterin ist es deshalb am schönsten, «wenn es zu Beginn einer neuen Aufgabe noch keine Stabilität gibt».
Das war auch der Grund, wieso sie nach einem nur viermonatigen Abstecher bei Saatchi & Saatchi Simko im letzten Herbst wieder zu TBWA zurück gekommen ist. In Genf wollte von Arx auch mal ihre Westschweizer Wurzeln ausleben, denn ihr Vater stammt aus Neuchâtel. Zudem ist sie befreundet mit Pedro Simko und schätzt die Arbeit seiner Agentur, der inzwischen zweitgrössten der Schweiz.
So hat es beim Entscheid zur Rückkehr natürlich Tränen gegeben. Aber die Anfrage direkt aus dem Headquarter von TBWA in Paris war wieder einmal eine dieser Chancen, bei denen von Arx einfach nicht nein sagen konnte. Der bisherige CEO war überraschend abgetreten, und McDonald’s wurde zuvor als Kunde gewonnen. Da suchte das Netzwerk jemanden, der die Struktur der Agentur gut kennt und Gewähr bieten kann, dass man auch den neuen Grosskunden «möglichst schnell stabilisieren» kann. «Eine solche Kiste wie McDonald’s reizt mich», sagte sich von Arx.
Die TBWA-Gruppe zählt 57 Mitarbeiter inklusive der Dialogmarketing-Agentur Tequila/Switzerland, davon sind rund 20 Leute in diesen Etat involviert.
Gearbeitet wird mit einem Dreijahresplan. Rund sechs Monate vor der Produktion einer neuen Kampagne beginnt die erste Denkarbeit. Zwar ist bekannt, dass in Werbeagenturen am effizientesten unter grossem Druck – etwa vor einem Pitch – gearbeitet wird. «Mit einer langfristigen Planung kann man aber die Strategie umso besser einfliessen lassen», meint von Arx, die als Managerin der Agentur bei allen wichtigen Strategie-Entscheiden mit dabei ist.
Für McDonald’s arbeitet TBWA/ Zürich viel mit Paris zusammen, um gemeinsam von möglichen Synergien zu profitieren. McDonald’s sieht eine Agentur auch nicht als Lieferant, sondern als Partner bei der Kommunikationsberatung. «McDonald’s ist damit kein Adaptionskunde, sondern eine kreative Herausforderung, mit der wir uns auch innerhalb des Netzwerkes profilieren können», ist von Arx überzeugt. Und TBWA gilt ja weltweit als eines der kreativsten Netzwerke.
«Auch in Zürich soll dieser Glanz in Zukunft mehr spürbar werden», ist das Ziel der neuen Frau an der Spitze.
Stolz ist sie, dass ihre Agentur bereits zweimal in einem Pitch für das gesamte Jugendmarketing der SBB bestätigt worden ist. Andere wichtige Kunden sind Masterfoods, Beiersdorf, Nissan oder Orange Telecommunications im Dialogbereich.
Aber von Arx müsste nicht von Arx sein, wenn solche Erfolge jetzt ihr Leben völlig ausfüllen könnten. «Ich mache noch eine Ausbildung im medizinisch-psychologischen Bereich», lässt sie sich als «Hobby» entlocken. Weil sie während ihrer Diax-Phase oft an die Grenzen des physisch und psychisch Möglichen gekommen ist, hat sie ihren Stress bei einer Kinesiologin abbauen lassen. Die alternative Medizin gegen Burn-out-Symptome hat gewirkt. «Kinesiologie ist eine ideale Methode, wie man jemanden wieder konzentrieren kann», ist von Arx überzeugt und – ständig voller Elan – in Zürich bereits als Investorin am Aufbau eines solchen Institutes für Wellness und Kinesiologie beteiligt. «Einem Gestressten durch eine Balance wieder Boden unter den Füssen zu geben, ist etwas sehr Sinnvolles». Natürlich kann sie das gelegentlich auch bei der Arbeit in der Agentur anwenden. «Sonst aber ist das Agentur-Business von diesem Gebiet getrennt», meint die Managerin. Was im Grunde eigentlich schade ist.
Andreas Panzeri