Mämä Sykora: «Wir sind eher Aarau als Xamax unter Tschagajew»
Das Schweizer Fussballmagazin Zwölf erscheint am Donnerstag zum 50. Mal. Seit dem Launch 2007 ist die Anzahl der Abonnenten jedes Jahr gestiegen. Die Werbewoche hat sich mit Chefredaktor und Fussball-Experte Mämä Sykora zum Gespräch getroffen.

WW: Am 26. August erscheint die 50. Ausgabe – wird das Jubiläum gefeiert?
Mämä Sykora: Klar. Am 4. September machen wir ein Fest für alle. Ausserdem steht ein – allerdings eher kleiner – Teil des Heftes im Zeichen des Jubiläums.

Wie hat das Ganze eigentlich angefangen?
Ich war noch nicht ganz seit Anfang dabei. Ich bin früh eingestiegen, gehöre aber nicht zu den Initianten. Das war lustigerweise eine Gruppe von Leuten, die alle aus dem grössten Fussballödland der Schweiz kommen …
Aargauer?
(lacht) Nein … Bündner, die es irgendwann aus dem Bündnerland herausgespült hat und die dann in Bern oder Zürich gelandet sind. Den grössten Anteil an der Lancierung von Zwölf hat sicherlich Gian-Andri Casutt. Er verknüpfte Interessierte und hat das nötige Startkapital aufgetrieben. Man startete 2007 und alle dachten, zur EM 2008 breche die grosse Euphorie aus, darum war das ein günstiger Zeitpunkt
Die Euphorie blieb ja dann weitgehend aus …
Genau. Zwölf hat erfreulicherweise trotzdem eingeschlagen.
Du stiesst bei der siebten Ausgabe zur Redaktion und hast dich bald einmal «hinaufgearbeitet»?
Genau, ich habe mich ziemlich schnell hochgeschlafen (lacht). Die Redaktion war damals im zweiten Stock meiner Bombay Bar im Zürcher Kreis 4 beheimatet – ein reger Austausch fand immer schon statt. Ich war deshalb schon früh involviert in das Heft.
Entstand Zwölf nach dem Vorbild des deutschen Magazins 11 Freunde oder ist das ein Klischee?
Der Vergleich drängt sich auf. Es gibt in ganz Europa ähnliche Magazine, aber 11 Freunde ist mit Abstand das grösste. Die haben auch angefangen wie wir, als unabhängiges Magazin, kein Fanzine im herkömmlichen Sinn. 11 Freunde gilt als alternativ, darum ist der Vergleich logisch – und in Sachen Verbreitung und Bekanntheit ist es auch ein Vorbild. Auch wenn es mittlerweile einem grossen Verlag gehört, was die Unabhängigkeit sicherlich etwas einschränkt.
Inwiefern?
Die Themen müssen unterhaltsam sein, gehen seltener in die Tiefe. Das sieht man besonders bei den Ausgaben, die zu den grossen Turnieren kommen: 180 Seiten, davon 100 Seiten Werbung und der Rest gebrandete Artikel – übertrieben gesagt. Kurz: Sie haben es schon auch etwas zu Geld gemacht.
Zurück zu Zwölf: Nach 50 Ausgaben – gehen da nicht irgendwann die Themen aus?
Tatsächlich ist der Schweizer Fussball-Markt sehr klein. Und unser Nachteil ist – im Vergleich zu z.B. 11 Freunde – nur schon der historische Aspekt. In Deutschland ist alles akribisch genau aufgeschrieben. Bei jedem Verein fände man in den Vereinschroniken Stoff für unzählige Geschichten. In der Schweiz hingegen ist nur wenig dokumentiert; man findet Sachen nicht mehr, die eigentlich noch vorhanden wären – darum entdecken wir oft Geschichten bei der Recherche für andere Geschichten. Solange uns das passiert, mache ich mir keine Sorgen, dass uns die Themen ausgehen. Aber natürlich ist es so, dass wir etwas schauen müssen, denn: Die Super League allein hat nur zehn Mannschaften. Die Anzahl derjenigen, die Aufmerksamkeit erregen und eine grosse Masse interessieren, ist relativ überschaubar. Deshalb sind wir darum bemüht, dass wir uns nicht immer auf dieselben Vereine konzentrieren. Aber das ist das Gute an unserer Leserschaft: Sie interessiert sich ebenso für eine Geschichte über den FC Brüttisellen wie über den FC Basel. Manchmal sogar noch mehr (lacht).
Eine eurer Kernkompetenzen scheint die Datenerfassung- und -auswertung zu sein?
Hauptsächlich wollen wir gute Geschichten erzählen. Aber dass alle Eckdaten genau stimmen, ist uns wichtig. Wir arbeiten aktuell mit der Swiss Football League an einer allumfassenden, öffentlichen Datenbank zum Schweizer Fussball bis zurück ins Jahr 1930. Unsere Arbeit beschränkt sich nicht auf das Magazin, wir machen auch sonst viel im Fussball-Bereich und arbeiten an Projekten mit.
Es fällt aber auf, dass ihr immer wieder Statistiken und Daten präsentiert, die sonst niemand zu haben scheint …
Das liegt weniger an einer geheimen Datenbank, sondern am enormen Aufwand, den sonst niemand auf sich nehmen will. Für uns jedoch gehört das zu einer umfassenden Recherche dazu – alle, die für uns arbeiten, sind Perfektionisten.
Kürzlich habt ihr ausgerechnet, wie die letzte Saison verlaufen wäre, wenn es keine Fehlentscheide gegeben hätte – die Geschichte schaffte es auf die breite mediale Bühne, also lohnt sich der Aufwand doch?
Diese Frage stellt sich immer. Wenn zum Beispiel Blick online ein Thema einfach 1:1 übernimmt und irgendwo noch «wie Zwölf berichtete» schreibt, merken die wenigsten, dass es nicht vom Blick ist, sondern von uns. Das sieht man dann unten in den Kommentaren, wenn steht «wieder mal typisch Blick». Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Content hergeben und sich einen Werbeeffekt erhoffen.

Ist Zwölf immer noch nur möglich, weil ein paar Leute «en Egge ab» haben, oder würde das Produkt auch unter «normalen Umständen» funktionieren?
Es würde nicht funktionieren. Über die Zeit sind unsere Ansprüche an einen Text gestiegen. Wenn jemand einen Artikel abliefert und wir denken, da fehlt noch die und die Information, erwarten wir von ihm, dass er es noch zusammensucht – obwohl dieser Aufwand nicht bezahlt werden kann. Auch wenn es manchmal ein völlig übertriebener Aufwand ist, herauszufinden, ob XY jetzt zwei oder drei Spiele gemacht hat in den 70er Jahren für den FC Brüttisellen. Wir erwarten das und unsere Autoren haben diesen Anspruch auch an sich selbst. Nicht jeder Aufwand, den die Leute für unser Magazin haben, ist vollumfänglich bezahlt – anders geht’s nicht. Das Herzblut muss den Rest abdecken. Auch wenn uns extrem wichtig ist, dass alle, die für uns arbeiten, bezahlt werden, sowohl Autoren wie auch Fotografen oder Illustratoren – allerdings sind es nicht immer marktübliche Preise.
Zwölf geht’s gut. Nebst Ausnahmen wie Landliebe gelingt es sonst keinem anderen Printtitel, die Abo-Zahlen ständig zu steigern …
Das ist in der Tat speziell. Das merken wir zum Beispiel an unseren Kioskplatznachbarn: Sie haben in diesen acht Jahren oft gewechselt. Viele Magazine gingen ein, es kamen neue dazu, diese gingen wieder ein – uns gibt’s immer noch. Es muss also etwas dran sein. Aber wie gesagt, das ist auch nur möglich, weil viele Arbeit, die geleistet wird, Fronarbeit ist.
Habt ihr das Potenzial an Abonnenten schon ausgeschöpft?
Nein, da besteht noch viel Luft nach oben. Man merkt es immer bei speziellen Aktionen. Entdecken wir zum Beispiel etwas, was eher die Bundesliga betrifft, geben wir es manchmal an 11 Freunde weiter. Die posten es irgendwo und verlinken uns. Am nächsten Tag haben wir x neue Abos. Alles Menschen, die zwar 11 Freunde kannten, aber uns nicht. Da merkt man: Es liegt noch viel drin.
Habt ihr auch Abonnenten aus dem Ausland – keine Auslandschweizer, sondern «richtige» Ausländer?
Ja, aber nur aus Deutschland und aus Österreich. Scheinbar interessiert die das (lacht). Aber es sind natürlich wenige, die meisten stammen aus der Schweiz. Allgemein liegt aber noch viel Potenzial brach. Dieses zu erreichen ist aber schwierig.
Wieso?
Weil wir alles, was wir einnehmen, ins Heft stecken. Es bleibt nichts übrig für Marketingmassnahmen. Da ist aber auch der Streuverlust unfassbar gross. Wir machten schon Aktionen, die sehr aufwendig waren, aber die null Erfolg brachten.
Zum Beispiel?
Einmal, als Marc Zellweger bei Brühl spielte, spielte der Verein in der Challenge League gegen St. Gallen. Wir hatten im Heft ein Interview mit Zellweger und er war sogar auf dem Cover. Wir dachten, es lohne sich an dieses Stadtderby zu gehen und einen Stand aufzubauen. Die vom SC Brühl mögen uns, haben mehrmals über die Lautsprecher unseren Stand angekündigt. Die Menschen haben uns die Gratis-Hefte wahrlich aus den Händen gerissen. Wir gingen mit vielen Heften und kamen mit keinem einzigen nach Hause. Resultat: ein Abo. Der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Ertrag.
Und die aktuelle Aktion, bei der ihr jedem Abonnenten ein zusätzliches Heft zum Verschenken geschickt habt?
Das hat funktioniert! Wir haben’s durchgerechnet und sahen, wenn wir nur schon 50 neue Abonnenten damit kriegen, hat sich die Mehrauflage bereits gelohnt. Und sie hat sich gelohnt (lacht). Auch wenn es so war, dass einige die Aktion gar nicht verstanden haben. Einige haben den Begleitbrief gar nicht gelesen und meldeten sich bei uns, sie hätten versehentlich zwei Hefte bekommen.

Thema Kioskverkauf: Wisst ihr, wovon die verkaufte Auflage abhängt?
Das wüssten wir sehr gerne, aber wir haben keine Ahnung. Wir überlegen uns beim Cover auch: Funktioniert es am Kiosk? Aber: Es hat scheinbar null mit dem Cover zu tun. Wir machten mal eine Auswertung, welche die bestverkauften Nummern am Kiosk waren. Es gab keine Rückschlüsse auf die Art des Covers. Symptomatisch dafür: Die im Verhältnis zur Kioskauflage bestverkaufte Nummer hatte auf dem Cover einen Kollegen von mir, der von hinten fotografiert wurde, wie er aus dem Letzigrund läuft. Das verkaufte sich besser als berühmte Fussballer auf der Front. Wir kamen nicht drauf, woran es lag. Aber: Wir sind ohnehin kein extremes Kiosk-Magazin. Die Abonnenten sind uns wichtiger, der Kiosk ist eher ein Abo-Werbe-Instrument. Das ist zum Beispiel in Deutschland anders, das ist eher eine Kiosk-Nation. Darum ist es zum Beispiel 11 Freunde extrem wichtig, was sie auf dem Cover haben und an welchen Kiosken sie aufliegen. Darum sind da fast nur noch Stars auf dem Cover, oft die grossen Namen. Bei uns käme nie ein Shaqiri aufs Cover, das würde nicht zu uns passen. Als wir ein Streller-Interview hatten, war trotzdem nicht Streller auf dem Cover.

Was sind die Gründe?
Unter anderem wollen wir uns damit von der Konkurrenz abheben. In der Schweiz ist das eigentlich nur das Magazin Eurosoccer. Aber auch das ist kein Konkurrent im herkömmlichen Sinne, weil die eine völlig andere Zielgruppe ansprechen. Dort gibt’s nur Stars, null Recherche, in der Mitte ein Barnetta-Poster. Wir wollen anders daherkommen als ein Magazin, welches diese Zielgruppe anspricht.

Habt ihr noch andere Standbeine, wie es der Trend ist in der Medienbranche?
Unser Fernziel war immer, ein Kompetenzzentrum für Schweizer Fussball zu werden. Das ist naheliegend. Denn es gibt so viele Leute, die irgendwas mit Fussball machen, aber – ohne ihnen zu nahe zu treten – keine Ahnung davon haben. Die werfen ihr Geld zum Fenster raus und machen irgendwas, was überhaupt nicht funktioniert. Da wäre es nicht schlecht, würde man sich im Voraus mit jemandem austauschen, der eine kleine Ahnung hat. Wir bieten uns nicht an wie eine Agentur, aber wir beraten viele Unternehmen und Personen oder erledigen Recherchearbeit etc. Will beispielsweise ein Medium wissen, was aus allen U‑17-Weltmeistern aller Nationen geworden ist, ist es für sie einfacher, wenn sie uns anfragen, als wenn sie zuerst rausfinden müssen, wie man es überhaupt rausfindet.
Ihr geniesst vermutlich ein gewisses Ansehen in der Sportjournalisten-Szene?
Das kann ich schwer beurteilen. Aber wir sind sicher gern gesehen und respektiert. Auch bei den Fussballern selbst. Das hat man in der Vergangenheit auch daran gemerkt, dass sie uns in den Interviews Sachen erzählt haben, die sie sonst keinem anderem Medium erzählt hätten. Einfach, weil wir anders an sie herangetreten sind, weil wir sie in Gespräche verwickelten, weil sie merkten, dass wir sie nicht in die Pfanne hauen wollten. Das hat sich leider in letzter Zeit etwas geändert.
Inwiefern?
Es wurde viel schwieriger. Das ist eines unserer Hauptprobleme. Erstens sind die Fussballer heute nicht wie früher, nicht mehr so auskunftsfreudig, leben in einer Art Blase, die sie für einen Interviewtermin kurz verlassen und in die sie möglichst schnell wieder zurückwollen. Sie haben eigentlich überhaupt kein Interesse daran, mit irgendjemandem zu sprechen. Sie sind übervorsichtig und erzählen von sich aus viel weniger. Vielleicht haben sie auch nicht mehr so viel zu erzählen, weil sie nicht mehr so wild und lustig sind wie die früheren Fussballer-Generationen. Sie erleben auch weniger, sind gleichströmiger. Zweitens: Die Fussballer dürfen nichts mehr sagen. Auch wenn sie uns etwas Spektakuläres erzählen, müssen wir es einem Mediensprecher vorlegen zum Gegenlesen und der wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder streichen. Wir müssen das respektieren, wenn wir ein gutes Verhältnis mit den Klubs pflegen wollen. Der Trend geht zur Übervorsicht.
In Zeiten von Social Media, Shitstorms etc. ein Stück weit auch verständlich …
Trotzdem: Wenn ich nur schon lese, was Huggel oder Smiljanić bei uns in den Interviews sagten – das wäre heute nicht mehr erlaubt. Und das ist noch nicht ewig lange her. Da ist es umso erfreulicher, wenn man Ausnahmen findet, wie zum Beispiel kürzlich Markus Neumayr vom FC Vaduz. Oft sind es diejenigen Spieler, die sonst nicht so befragt werden.

Ihr habt euch konsequent gegen Online entschieden – war es ein Grundsatzentscheid, auf alle digitalen Kanäle zu verzichten und z.B. auch kein E‑Paper oder eine PDF-Ausgabe anzubieten?
Ja. Unsere Kernkompetenz ist ein Printmagazin, das wollen wir so beibehalten. Würden wir online zusätzliche Dinge anbieten – wie z.B. 11 Freunde, die eine Onlineredaktion haben –, würde das dieselben Leute betreffen, die eigentlich gute Artikel fürs Magazin schreiben müssten. Darum ist online ein Wunschdenken bei uns. Eine dauernde Diskussion, aber wir wollen es nicht auf Kosten der Magazinqualität.
Also fehlen die Ressourcen für die Bereitstellung?
Es fehlen erstens die Ressourcen und zweitens ist es, sobald es etwas kostet, bei uns ausgeschlossen.
Ist nicht auch die Angst vor einer digitalen, unbezahlten Verbreitung der Grund, wieso keine Inhalte digital bereitgestellt werden?
Sicher. Wir wollen unser Produkt nicht schwächen; wollen, dass die Leute das Heft kaufen und dieses eine gewisse Exklusivität geniesst. Ein Heft in der Hand ist immer noch etwas anderes als auf dem Tablet. Ich persönlich finde, ein Printprodukt verliert an Wertigkeit, wenn es nur digital dargestellt wird.
Ich auch. Aber ob das die Generation nach uns auch so sieht, ist eine andere Frage …
Stimmt. Ein weiteres Problem für uns in der Zukunft. Schon früher hatten viele Junge kaum Zeitschriften abonniert, aber ich glaube, heute sind es noch viel, viel weniger. Die Erwartungshaltung, dass Informationen gratis seien, setzt sich durch. Zusätzlich haben wir bei dieser Generation das Problem, dass sie irgendwann nicht mehr weiss, wovon wir sprechen. Irgendwann gibt es keine Leute mehr, die wissen, wer Heinz Hermann ist.
Euer Fachwissen wird je länger, je unbrauchbarer?
In einem gewissen Sinne (lacht). Immerhin haben wir jetzt einen jungen Redaktor, der uns «80er-Säcke» nennt.
Okay, ihr bekommt ja die Tagesaktualitäten auch mit und könnt diese in 20 Jahren zum Besten geben – falls ihr sie euch noch merken könnt …
(lacht) Das ist so! Aber ich vermute eben auch, dass der aktuelle Fussball nicht mehr so viele Geschichten hergibt wie in der Vergangenheit. Die wilden Sachen der 60er-, 70er-, 80er-Jahre werden nie wieder passieren. Wenn du in 20 Jahren die Karriere von Michi Lang beschreibst, wird niemand sagen «Was? Krass, das konnte man damals machen?». Aber wir haben uns auch ein Stück weit den kommenden Generationen angepasst. Das mussten wir, die seit den ersten Ausgaben dabei sind und alle ungefähr dasselbe Alter haben, erst lernen. Weil für uns ist sonnenklar, dass man Heinz Hermann kennt. Wir brachten früher die Namen im Heft einfach so, ohne Erklärung. In der Diskussion mit Jüngeren wurde uns klar, dass diese oft keine Ahnung hatten, wer das ist. Heinz Hermann zum Beispiel hat sein letztes Länderspiel 1991 gemacht – die Jungen von heute waren damals noch gar nicht auf der Welt. Diesem Umstand müssen wir Rechnung tragen. Wir können nicht einfach endlos die Retro-Schiene fahren und die Jungen von Beginn weg ausschliessen. Was freilich nicht heisst, dass wir nicht auch in Zukunft schöne Geschichten von früher ausgraben.

Was sind die konkreten Pläne für die Zukunft? Nächstes Ziel Heft 100?
Der Printmarkt ist bekanntlich nicht einfach. Als wir begannen, war die Stimmung unter den Inserenten ganz anders. Vergleichsweise viele wollten «dabei sein», aber wir hatten vergleichsweise wenig Leute, die sich darum kümmerten, dass die Inserate auch wirklich reinkommen (lacht). Jetzt haben wir jemanden, aber es wird mit der ganzen Konkurrenz nicht einfacher. Print ist schon fast selbst ein Nischenprodukt, Fussball sowieso und ein alternatives Fussballmagazin ist sozusagen ein Nischenprodukt im Nischenprodukt. Da sind wir aber sehr stark und haben eine sehr genau definierte, attraktive Zielgruppe. Aber die Anzahl unserer potenziellen Inserenten ist natürlich überschaubar. Viele Unternehmen brauchen wir gar nicht erst anzufragen, weil sie im Bereich Fussball nichts machen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Image des Fussballs in den letzten Jahren gelitten hat und manche Unternehmen damit nichts mehr zu tun haben wollen. Darum können wir schon Zukunftspläne schmieden, darüber diskutieren, ob wir monatlich rauskommen oder ob wir mit einer Klebebindung mehr Wertigkeit erreichen wollen – aber das sind alles Sachen, die mit einem grossen finanziellen Risiko verbunden sind. Auch wenn wir etabliert und angesehen sind, braucht’s nicht viel, damit es uns «verbesen» würde, wenn wir uns übernehmen würden. Also sind wir eher Aarau als Xamax unter Tschagajew …
Ein Absteiger mit seriös geführter Buchhaltung?
(lacht) Okay, sagen wir besser Thun. Mit anderen Worten: Wir können Zukunftspläne schmieden, aber wir könnten die Umsetzung momentan gar nicht stemmen.
Also soll es einfach weiterlaufen wie bisher?
Sobald wir die Sicherheit hätten, dass wir den nächsten Schritt wagen können, sind wir sicher nicht abgeneigt gegen Veränderungen. Aber die nächsten, wichtigsten Ziele sind, die brachliegenden Abonnenten zu erreichen, das ist für uns viel wichtiger als monatlich zu erscheinen, auch wenn sich das viele Leser wünschen würden. Momentan können wir in diesem Umfang die Qualität nicht garantieren.
Interview: Thomas Häusermann
Das 2007 lancierte Fussballmagazin Zwölf hat aktuell eine Auflage von 10’900 Heften und über 4800 Abonnenten. Der typische Zwölf-Leser ist männlich, wohnt in der Stadt oder in der Agglomeration, besucht(e) eine Universität oder Fachhochschule und liest sämtliche Artikel. Herausgeber des eigenständigen, sechsmal jährlich erscheinenden Magazins ist der Verein «Zwölf – Verein für Fussballkultur». Seit Anfang 2013 gibts Zwölf auch im Fernsehen: In der «Zwölf Fussballbar» empfängt Chefredaktor Mämä Sykora jede Woche Haupt- und Nebendarsteller aus der Schweizer Fussballwelt. Die Sendung wird auf SSF ausgestrahlt und kann im Archiv von Internettv.ch nachgeschaut werden.
















