«Wir sind eher Aarau als Xamax unter Tschagajew»

Das Schweizer Fussballmagazin Zwölf erscheint zum 50. Mal. Seit dem Launch 2007 ist die Anzahl der Abonnenten jedes Jahr gestiegen. Die Werbewoche hat sich mit Chefredaktor und Fussball-Experte Mämä Sykora über die ­Anfänge, misslungene Marketing-Aktionen und immer verschwiegenere Interview-Partner unterhalten.

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Mämä Sykora (39), geboren und aufgewachsen im Zürcher Säuliamt, verfolgte schon während des Publizistikstudiums diverse Projekte zum Thema Fussball (Ausstellungen, Websites). Seit 2008 ist er für Zwölf tätig, seit 2009 als Chefredaktor. Seit 2013 läuft zudem auf SSf seine TV-Sendung «Zwölf – Die Fussballbar». Nebenbei schrieb er für Tages-Anzeiger/Newsnet die Kolumne «Steilpass». (Foto: Thomas Häusermann/Werbewoche)

WW: Am 26. August erscheint die 50. Ausgabe – wird das Jubiläum gefeiert?
Mämä Sykora: Klar. Am 4. September machen wir ein Fest für alle. Ausserdem steht ein – allerdings eher kleiner – Teil des Heftes im Zeichen des Jubiläums.

Wie hat das Ganze eigentlich angefangen?
Ich war noch nicht ganz seit Anfang dabei. Ich bin früh eingestiegen, gehöre aber nicht zu den Initianten. Das war lustigerweise eine Gruppe von Leuten, die alle aus dem grössten Fussballödland der Schweiz kommen …

Aargauer?
(lacht) Nein … Bündner, die es irgendwann aus dem Bündnerland herausgespült hat und die dann in Bern oder Zürich gelandet sind. Den grössten Anteil an der Lancierung von Zwölf hat sicherlich Gian-Andri Casutt. Er verknüpfte Interessierte und hat das nötige Startkapital aufgetrieben. Man startete 2007 und alle dachten, zur EM 2008 breche die ­grosse Euphorie aus, darum war das ein günstiger Zeitpunkt

Die Euphorie blieb ja dann weitgehend aus …
Genau. Zwölf hat erfreulicherweise trotzdem eingeschlagen.

Du stiesst bei der siebten Ausgabe zur Redaktion und hast dich bald einmal «hinaufgearbeitet»?
Genau, ich habe mich ziemlich schnell hochgeschlafen (lacht). Die Redaktion war damals im zweiten Stock meiner Bombay Bar im Zürcher Kreis 4 beheimatet – ein reger Austausch fand immer schon statt. Ich war deshalb schon früh involviert in das Heft.

Entstand Zwölf nach dem Vorbild des deutschen Magazins 11 Freunde oder ist das ein Klischee?
Der Vergleich drängt sich auf. Es gibt in ganz Europa ähnliche Magazine, aber 11 Freunde ist mit Abstand das grösste. Die haben auch angefangen wie wir, als unabhängiges Magazin, kein Fanzine im herkömmlichen Sinn. 11 Freunde gilt als alternativ, darum ist der Vergleich logisch – und in Sachen Verbreitung und Bekanntheit ist es auch ein Vorbild. Auch wenn es mittlerweile einem grossen Verlag gehört, was die Unabhängigkeit sicherlich etwas einschränkt.

Inwiefern?
Die Themen müssen unterhaltsam sein, gehen seltener in die Tiefe. Das sieht man besonders bei den Ausgaben, die zu den grossen Turnieren kommen: 180 Seiten, davon 100 Seiten Werbung und der Rest gebrandete Artikel – übertrieben gesagt. Kurz: Sie haben es schon auch etwas zu Geld gemacht.

Zurück zu Zwölf: Nach 50 Ausgaben – gehen da nicht irgendwann die Themen aus?
Tatsächlich ist der Schweizer Fussball-Markt sehr klein. Und was unser Nachteil ist – im Vergleich zu z.B. 11 Freunde – ist nur schon der historische Aspekt. In Deutschland ist alles extrem genau akribisch aufgeschrieben. Bei jedem Verein würde man Stoff für unzählige Geschichten finden, wenn man die Vereinschroniken lesen würde. In der Schweiz hingegen ist nur wenig dokumentiert; man findet Sachen nicht mehr, die eigentlich noch vorhanden wären – darum entdecken wir oft Geschichten bei der Recherche für andere Geschichten. Solange uns das passiert, mache ich mir keine Sorgen, dass uns die Themen ausgehen. Aber natürlich ist es so, dass wir etwas schauen müssen, denn: Die Super League allein hat nur zehn Mannschaften. Die Anzahl derjenigen, die Aufmerksamkeit erregen und eine ­grosse Masse interessieren, sind relativ überschaubar. Deshalb sind wir darum bemüht, dass wir uns nicht immer auf dieselben Vereine konzentrieren. Aber das ist das Gute an unserer Leserschaft: Sie interessiert sich ebenso für eine Geschichte über den FC Brüttisellen wie über den FC Basel. Manchmal sogar noch mehr (lacht).

Eine eurer Kernkompetenzen scheint die Daten­erfassung- und -auswertung zu sein?
Hauptsächlich wollen wir gute Geschichten erzählen. Aber dass alle Eckdaten genau stimmen, ist uns wichtig. Wir arbeiten aktuell mit der Swiss Football League an einer allumfassenden, öffentlichen Datenbank zum Schweizer Fussball bis zurück ins Jahr 1930. Unsere Arbeit beschränkt sich nicht auf das Magazin, wir machen auch sonst viel im Fussball-Bereich und arbeiten an Projekten mit.

Es fällt aber auf, dass ihr immer wieder Statistiken und Daten präsentiert, die sonst niemand zu haben scheint …
Das liegt weniger an einer geheimen Datenbank, sondern am enormen Aufwand, den sonst niemand auf sich nehmen will. Für uns jedoch gehört das zu einer umfassenden Recherche dazu – alle, die für uns arbeiten, sind Perfektionisten.

Kürzlich habt ihr ausgerechnet, wie die letzte Saison verlaufen wäre, wenn es keine Fehlentscheide gegeben hätte – die Geschichte brachte es auf die breite mediale Bühne, also lohnt sich der Aufwand doch?
Diese Frage stellt sich immer. Wenn zum Beispiel Blick online ein Thema einfach 1:1 übernimmt und irgendwo noch «wie Zwölf berichtete» schreibt, merken die wenigsten, dass es nicht vom Blick ist, sondern von uns. Das sieht man dann unten in den Kommentaren, wenn steht «wieder mal typisch Blick». Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Content hergeben und sich einen Werbeeffekt er­hoffen.

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Ist Zwölf immer noch nur möglich, weil ein paar Leute «en Egge ab» haben, oder würde das Produkt auch unter «normalen Umständen» funktionieren?
Es würde nicht funktionieren. Über die Zeit sind unsere Ansprüche an einen Text gestiegen. Wenn jemand einen Artikel abliefert und wir denken, da fehlt noch die und die Information, erwarten wir von ihm, dass er es noch zusammensucht – obwohl dieser Aufwand nicht bezahlt werden kann. Auch wenn es manchmal ein völlig übertriebener Aufwand ist, herauszufinden, ob XY jetzt zwei oder drei Spiele gemacht hat in den 70er Jahren für den FC Brüttisellen. Wir erwarten das und unsere Autoren haben diesen Anspruch auch an sich selbst. Nicht jeder Aufwand, den die Leute für unser Magazin haben, ist vollumfänglich bezahlt – anders geht’s nicht. Das Herzblut muss den Rest abdecken. Auch wenn uns extrem wichtig ist, dass alle, die für uns arbeiten, bezahlt werden, sowohl Autoren wie auch Fotografen oder Illustratoren – allerdings sind es nicht immer marktübliche Preise.

Zwölf geht’s gut. Nebst Ausnahmen wie Landliebe gelingt es sonst keinem anderen Printtitel, die Abo-Zahlen ständig zu steigern …
Das ist in der Tat speziell. Das merken wir zum Beispiel an unseren Kioskplatznachbarn: Sie haben in diesen acht Jahren oft gewechselt. Viele Magazine gingen ein, es kamen neue dazu, diese gingen wieder ein – uns gibt’s immer noch. Es muss also etwas dran sein. Aber wie gesagt, das ist auch nur möglich, weil viele Arbeit, die geleistet wird, Fronarbeit ist.

Habt ihr das Potenzial an Abonnenten schon ausgeschöpft?
Nein, da besteht noch viel Luft nach oben. Man merkt es immer bei speziellen Aktionen. Entdecken wir zum Beispiel etwas, was eher die Bundesliga betrifft, geben wir es manchmal an 11 Freunde weiter. Die posten es irgendwo und verlinken uns. Am nächsten Tag haben wir x neue Abos. Alles Menschen, die zwar 11 Freunde kannten, aber uns nicht. Da merkt man: Es liegt noch viel drin.

Habt ihr auch Abonnenten aus dem Ausland – ­keine Auslandschweizer, sondern «richtige» Ausländer?
Ja, aber nur aus Deutschland und aus Österreich. Scheinbar interessiert die das (lacht). Aber es sind natürlich wenige, die meisten stammen aus der Schweiz. Allgemein liegt aber noch viel Potenzial brach. Dieses zu erreichen ist aber schwierig.

Wieso?
Weil wir alles, was wir einnehmen, ins Heft stecken. Es bleibt nichts übrig für Marketingmassnahmen. Da ist aber auch der Streuverlust unfassbar gross. Wir machten schon Aktionen, die sehr aufwendig waren, aber die null Erfolg brachten.

Zum Beispiel?
Einmal, als Marc Zellweger bei Brühl spielte, spielte der Verein in der Challenge League gegen St. Gallen. Wir hatten im Heft ein Interview mit Zellweger und er war sogar auf dem Cover. Wir dachten, es lohne sich an dieses Stadtderby zu gehen und einen Stand aufzubauen. Die vom SC Brühl mögen uns, haben mehrmals über die Lautsprecher unseren Stand angekündigt. Die Menschen haben uns die Gratis-Hefte wahrlich aus den Händen gerissen. Wir gingen mit vielen Heften und kamen mit keinem einzigen nach Hause. Resultat: ein Abo. Der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Ertrag.

Und die aktuelle Aktion, bei der ihr jedem Abonnenten ein zusätzliches Heft zum Verschenken geschickt habt?
Das hat funktioniert! Wir haben’s durchgerechnet und sahen, wenn wir nur schon 50 neue Abonnenten damit kriegen, hat sich die Mehrauflage bereits gelohnt. Und sie hat sich gelohnt (lacht). Auch wenn es so war, dass einige die Aktion gar nicht verstanden haben. Einige haben den Begleitbrief gar nicht gelesen und meldeten sich bei uns, sie hätten ver­sehent­lich zwei Hefte bekommen.

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Die Redaktionsräume von Zwölf befinden sich momentan in Zürich Altstetten in einem Bürogebäude, das zu günstigen Konditionen zwischengenutzt werden darf. Nach der nächsten Bleibe wird bereits gesucht. Das Ganze hat Konzept: «Müssten wir marktübliche Mieten zahlen, würde es uns schon lange nicht mehr geben», erklärt Mämä Sykora.

Thema Kioskverkauf: Wisst ihr, wovon die verkaufte Auflage abhängt?
Das wüssten wir sehr gerne, aber wir haben keine Ahnung. Wir überlegen uns beim Cover auch: Funktioniert es am Kiosk? Aber: Es hat scheinbar null mit dem Cover zu tun. Wir machten mal eine Auswertung, welche die bestverkauften Nummern am Kiosk waren. Es gab keine Rückschlüsse auf die Art des Covers. Symptomatisch dafür: Die im Verhältnis zur Kioskauflage bestverkaufte Nummer hatte auf dem Cover einen Kollegen von mir, der von hinten fotografiert wurde, wie er aus dem Letzigrund läuft. Das verkaufte sich besser als berühmte Fussballer auf der Front. Wir kamen nicht drauf, woran es lag. Aber: Wir sind ohnehin kein extremes Kiosk-Magazin. Die Abonnenten sind uns wichtiger, der Kiosk ist eher ein Abo-Werbe-Instrument. Das ist zum Beispiel in Deutschland anders, das ist eher eine Kiosk-Nation. Darum ist es zum Beispiel 11 Freunde extrem wichtig, was sie auf dem Cover haben und an welchen Kiosken sie aufliegen. Darum sind da fast nur noch Stars auf dem Cover, oft die grossen Namen. Bei uns käme nie ein Shaqiri aufs Cover, das würde nicht zu uns passen. Als wir ein Streller-­Interview hatten, war trotzdem nicht Streller auf dem Cover.

Was sind die Gründe?
Unter anderem wollen wir uns damit von der Konkurrenz abheben. In der Schweiz ist das eigentlich nur das Magazin Eurosoccer. Aber auch das ist kein Konkurrent im herkömmlichen Sinne, weil die eine völlig andere Zielgruppe ansprechen. Dort gibt’s nur Stars, null Recherche, in der Mitte ein Barnetta-Poster. Wir wollen anders daherkommen als ein Magazin, welches diese Zielgruppe anspricht.

Habt ihr noch andere Standbeine, wie es der Trend ist in der Medienbranche?
Unser Fernziel war immer, ein Kompetenzzentrum für Schweizer Fussball zu werden. Das ist naheliegend. Denn es gibt so viele Leute, die irgendwas mit Fussball machen, aber – ohne ihnen zu nahe zu treten – keine Ahnung davon haben. Die werfen ihr Geld zum Fenster raus und machen irgendwas, was überhaupt nicht funktioniert. Da wäre es nicht schlecht, würde man sich im Voraus mit jemandem austauschen, der eine kleine Ahnung hat. Wir bieten uns nicht an wie eine Agentur, aber wir beraten viele Unternehmen und Personen oder erledigen Recherchearbeit etc. Will beispielsweise ein Medium wissen, was aus allen U‑17-­Weltmeistern aller Nationen geworden ist, ist es für sie einfacher, wenn sie uns anfragen, als wenn sie zuerst rausfinden müssen, wie man es überhaupt rausfindet.

Ihr geniesst vermutlich ein gewisses Ansehen in der Sportjournalisten-Szene?
Das kann ich schwer beurteilen. Aber wir sind sicher gern gesehen und respektiert. Auch bei den Fussballern selbst. Das hat man in der Vergangenheit auch daran gemerkt, dass sie uns in den Interviews Sachen erzählt haben, die sie sonst keinem anderem Medium erzählt hätten. Einfach, weil wir anders an sie herangetreten sind, weil wir sie in Gespräche verwickelten, weil sie merkten, dass wir sie nicht in die Pfanne hauen wollten. Das hat sich leider in letzter Zeit etwas geändert.

Inwiefern?
Es wurde viel schwieriger. Das ist eines unserer Hauptprobleme. Erstens sind die Fussballer heute nicht wie früher, nicht mehr so auskunftsfreudig, leben in einer Art Blase, die sie für einen Interviewtermin kurz verlassen und in die sie möglichst schnell wieder zurückwollen. Sie haben eigentlich überhaupt kein Interesse daran, mit irgendjemandem zu sprechen. Sie sind übervorsichtig und erzählen von sich aus viel weniger. Vielleicht haben sie auch nicht mehr so viel zu erzählen, weil sie nicht mehr so wild und lustig sind wie die früheren Fussballer-Generationen. Sie erleben auch weniger, sind gleichströmiger. Zweitens: Die Fussballer dürfen nichts mehr sagen. Auch wenn sie uns etwas Spektakuläres erzählen, müssen wir es einem Mediensprecher vorlegen zum Gegenlesen und der wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder streichen. Wir müssen das respektieren, wenn wir ein gutes Verhältnis mit den Klubs pflegen wollen. Der Trend geht zur Übervorsicht.

In Zeiten von Social Media, Shitstorms etc. ein Stück weit auch verständlich …
Trotzdem: Wenn ich nur schon lese, was Huggel oder Smiljanić bei uns in den Interviews sagten – das wäre heute nicht mehr erlaubt. Und das ist noch nicht ewig lange her. Da ist es umso erfreulicher, wenn man Ausnahmen findet, wie zum Beispiel kürzlich Markus Neumayr vom FC Vaduz. Oft sind es diejenigen Spieler, die sonst nicht so befragt ­werden.

Ihr habt euch konsequent gegen Online entschieden – war es ein Grundsatzentscheid, auf alle ­digitalen Kanäle zu verzichten und z.B. auch kein ­E‑Paper oder eine PDF-Ausgabe anzubieten?
Ja. Unsere Kernkompetenz ist ein Printmagazin, das wollen wir so beibehalten. Würden wir online zusätzliche Dinge anbieten – wie z.B. 11 Freunde, die eine Onlineredaktion haben –, würde das dieselben Leute betreffen, die eigentlich gute Artikel fürs Magazin schreiben müssten. Darum ist online ein Wunschdenken bei uns. Eine dauernde Diskussion, aber wir wollen es nicht auf Kosten der Magazin­qualität.

Also fehlen die Ressourcen für die Bereitstellung?
Es fehlen erstens die Ressourcen und zweitens ist es, sobald es etwas kostet, bei uns ausgeschlossen.

Ist nicht auch die Angst vor einer digitalen, un­bezahlten Verbreitung der Grund, wieso keine Inhalte digital bereitgestellt werden?
Sicher. Wir wollen unser Produkt nicht schwächen; wollen, dass die Leute das Heft kaufen und dieses eine gewisse Exklusivität geniesst. Ein Heft in der Hand ist immer noch etwas anderes als auf dem Tablet. Ich persönlich finde, ein Print­produkt verliert an Wertigkeit, wenn es nur digital dargestellt wird.

Ich auch. Aber ob das die Generation nach uns auch so sieht, ist eine andere Frage …
Stimmt. Ein weiteres Problem für uns in der Zukunft. Schon früher hatten viele Junge kaum Zeitschriften abonniert, aber ich glaube, heute sind es noch viel, viel weniger. Die Erwartungshaltung, dass Informationen gratis seien, setzt sich durch. Zusätzlich haben wir bei dieser Generation das Problem, dass sie irgendwann nicht mehr weiss, wovon wir sprechen. Irgendwann gibt es keine Leute mehr, die wissen, wer Heinz Hermann ist.

Euer Fachwissen wird je länger, je unbrauchbarer?
In einem gewissen Sinne (lacht). Immerhin haben wir jetzt einen jungen Redaktor, der uns «80er-­Säcke» nennt.

Okay, ihr bekommt ja die Tagesaktualitäten auch mit und könnt diese in 20 Jahren zum Besten geben – falls ihr sie euch noch merken könnt …
(lacht) Das ist so! Aber ich vermute eben auch, dass der aktuelle Fussball nicht mehr so viele Geschichten hergibt wie in der Vergangenheit. Die wilden Sachen der 60er-, 70er-, 80er-Jahre werden nie wieder passieren. Wenn du in 20 Jahren die Karriere von Michi Lang beschreibst, wird niemand sagen «Was? Krass, das konnte man damals machen?». Aber wir haben uns auch ein Stück weit den kommenden Generationen angepasst. Das mussten wir, die seit den ersten Ausgaben dabei sind und alle ungefähr dasselbe Alter haben, erst lernen. Weil für uns ist sonnenklar, dass man Heinz Hermann kennt. Wir brachten früher die Namen im Heft einfach so, ohne Erklärung. In der Diskussion mit Jüngeren wurde uns klar, dass diese oft keine Ahnung hatten, wer das ist. Heinz Hermann zum Beispiel hat sein letztes Länderspiel 1991 gemacht – die Jungen von heute waren damals noch gar nicht auf der Welt. Diesem Umstand müssen wir Rechnung tragen. Wir können nicht einfach endlos die Retro-Schiene fahren und die Jungen von Beginn weg ausschliessen. Was freilich nicht heisst, dass wir nicht auch in Zukunft schöne Geschichten von früher ausgraben.

Was sind die konkreten Pläne für die Zukunft? Nächstes Ziel Heft 100?
Der Printmarkt ist bekanntlich nicht einfach. Als wir begannen, war die Stimmung unter den Inserenten ganz anders. Vergleichsweise viele wollten «dabei sein», aber wir hatten vergleichsweise wenig Leute, die sich darum kümmerten, dass die Inserate auch wirklich reinkommen (lacht). Jetzt haben wir jemanden, aber es wird mit der ganzen Konkurrenz nicht einfacher. Print ist schon fast selbst ein Nischenprodukt, Fussball sowieso und ein alternatives Fussballmagazin ist sozusagen ein Nischenprodukt im Nischenprodukt. Da sind wir aber sehr stark und haben eine sehr genau definierte, attraktive Zielgruppe. Aber die Anzahl unserer potenziellen Inserenten ist natürlich überschaubar. Viele Unternehmen brauchen wir gar nicht erst anzufragen, weil sie im Bereich Fussball nichts machen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Image des Fussballs in den letzten Jahren gelitten hat und manche Unternehmen damit nichts mehr zu tun haben wollen. Darum können wir schon Zukunftspläne schmieden, darüber diskutieren, ob wir monatlich rauskommen oder ob wir mit einer Klebebindung mehr Wertigkeit erreichen wollen – aber das sind alles Sachen, die mit einem grossen finanziellen Risiko verbunden sind. Auch wenn wir etabliert und angesehen sind, braucht’s nicht viel, damit es uns «verbesen» würde, wenn wir uns übernehmen würden. Also sind wir eher Aarau als Xamax unter Tschagajew …

Ein Absteiger mit seriös geführter Buchhaltung?
(lacht) Okay, sagen wir besser Thun. Mit anderen Worten: Wir können Zukunftspläne schmieden, aber wir könnten die Umsetzung momentan gar nicht stemmen.

Also soll es einfach weiterlaufen wie bisher?
Sobald wir die Sicherheit hätten, dass wir den nächsten Schritt wagen können, sind wir sicher nicht abgeneigt gegen Veränderungen. Aber die nächsten, wichtigsten Ziele sind, die brachliegenden Abonnenten zu erreichen, das ist für uns viel wichtiger als monatlich zu erscheinen, auch wenn sich das viele Leser wünschen würden. Momentan können wir in diesem Umfang die Qualität nicht garantieren.

Interview: Thomas Häusermann

Mehrheit der Bevölkerung für Tabakwerbeverbot

Eine Mehrheit der Bevölkerung in der Schweiz befürwortet ein Tabakwerbeverbot. Dies zeigen laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) Befragungen im Rahmen des Suchtmonitorings.

Die Bevölkerung ist damit auf Bundesratskurs: Der Bundesrat schlägt vor, Tabakwerbung auf Plakaten, in Medien sowie im Kino zu verbieten. Auch das Sponsoring von Veranstaltungen mit internationaler Ausrichtung würde untersagt. Weiterhin erlaubt wären Werbung an Verkaufsstellen, in Fachpublikationen, Kundenmailings sowie das Sponsoring nationaler Anlässe. In den kommenden Wochen oder Monaten wird der Bundesrat das Tabakprodukte-Gesetz ans Parlament leiten. In der Vernehmlassung stiessen seine Vorschläge auf Kritik. Der Gewerbeverband und die Organisationen der Tabak- und Werbebranche lehnen Einschränkungen ab, Präventionsorganisationen fordern ein totales Werbeverbot.

53 Prozent für totales Werbeverbot

In der Bevölkerung scheinen Verbote mehrheitsfähig zu sein: 53 Prozent befürworten ein allgemeines Tabakwerbeverbot, wie das BAG am Dienstag mitteilte. Ein Verbot mit einer Ausnahme für die Verkaufsstellen heissen gar 64 Prozent gut. Auch die Mehrheit der Raucherinnen und Raucher unterstützt diese Massnahme. In der Westschweiz und der italienischen Schweiz würden Werbeverbote stärker unterstützt als in der Deutschschweiz, schreibt das BAG. Zudem sprächen sich mehr Frauen für ein allgemeines Verbot aus als Männer. Höhere Preise befürwortet die Bevölkerung laut dem Bundesamt ebenfalls. 58 Prozent würden es begrüssen, wenn der Preis pro Schachtel bis in einem Jahr von heute 8,20 Franken auf 9,10 Franken steigen würde. In diesem Punkt haben Raucherinnen und Raucher eine andere Meinung. Sie lehnen die Preiserhöhung deutlich ab.

Abnehmende Wirkung von Warnbildern

Das Monitoring von 2014 zeigt laut dem BAG weiter, dass die Wirkung der Warnaufschriften und -bilder auf Zigarettenpackungen abnimmt. 2014 gaben 38 Prozent der Befragten an, dass die Warnungen sie oft oder gelegentlich dazu veranlassten, über die Schädlichkeit des Rauchens nachzudenken. 2012 waren es noch 45 Prozent gewesen. Das Bundesamt für Gesundheit verfolgt die Entwicklung der Meinung der Bevölkerung zur Tabakwerbung seit 2004. In seiner Mitteilung weist es darauf hin, dass Tabakwerbung auf Plakaten und in Kinos in allen Nachbarländern ausser in Deutschland verboten sei. Deutschland sei neben Bulgarien das einzige Land in der EU, in dem die Aussenwerbung für Zigaretten noch erlaubt sei. Die Bundesregierung plane jedoch ein Verbot. (SDA)

Weko: Tamedia darf Ricardo-Gruppe übernehmen

Tamedia kann die Ricardo-Gruppe vom südafrikani­schen Medienkonzern Naspers ohne Einschränkungen übernehmen. Die eidgenössische Wett­­bewerbskommission hat die Übernahme genehmigt.

Im Juni 2015 hat die Wett­­bewerbskommission (Weko) angekündigt, die im Februar bekannt gegebene Übernahme für 240 Millionen Fraken vertieft zu überprüfen, da eine marktbeherrschende Stellung im Bereich der Stellen- und Fahrzeug-Rubrikanzeigen befürchtet wurde (Werbewoche.ch berichtete).

Die Ricardo-Gruppe betreibt den Online-Marktplatz Ricardo.ch mit dem Online Shopping Center Ricardoshops.ch, die Fahrzeug­platt­form Autoricardo.ch sowie die Kleinanzeigen­plattform Olx.ch.
Tamedia sieht im Kerngeschäft von Ricardo, dem Online-Marktplatz Ricardo.ch, weiteres Wachs­tumspotenzial. Es soll dank Netz­werk­effekten mit eigenen Medien wie 20minuten.ch weiterentwickelt werden. Christoph Tonini, Vorsitzender der Unternehmensleitung Tamedia, in einer Mitteilung vom Dienstag: «Wir freuen uns, dass die eidgenössische Wettbe­werbskommission der Übernahme der Ricardo-Gruppe ohne Einschränkungen zugestimmt hat. Mit diesem Schritt stärken wir unser Angebot im E-Commerce, schaffen echten Wettbe­werb im Automarkt und bauen unsere führende Position im Kleinanzeigengeschäft aus.»

Die Übernahme soll noch im dritten Quartal vollzogen werden. Anfang Juli 2015 hat Tamedia bereits die 50-Prozent-Beteiligung der norwegischen Schibsted Media Group an den bisher gemeinsam gehaltenen Tochtergesellschaften Swiss Classified Media AG, Car4you Schweiz AG und Tutti.ch AG übernommen, die die Kleinanzeigen­platt­form tutti.ch und den Autoanzeigenmarkt car4you.ch betreiben. (hae/pd)

ADC Young Creatives Award 2015

Dieses Jahr findet zum neunten Mal der ADC Young Creatives Award statt, der mittlerweile schweizweit zum bedeutendsten Wettbewerb für junge Kreative geworden ist.

Soviel sei hier schon verraten: Es geht um eine Kampagne für die Mobiliar, dem diesjährigen Hauptsponsor. Und natürlich fliegen drei Siegerteams auch nächstes Jahr wieder nach Cannes und vertreten dort die Schweiz am internationalen Young Lions Wettbewerb.

Konkretes zum Inhalt des Briefings ist ausführlich am Warm-up-Event vom 3. September 2015 um 18.30 Uhr in der ADC Galerie in Zürich zu erfahren.

Neben der Mobiliar als Hauptsponsorin darf sich der Veranstalter über die Unterstützung von APG/SGA Out of Home Media, Die Post, Swissfilm Association, Streuplan und Keystone freuen. Mediale Unterstützung erhält der bedeutende Kreativ-Nachwuchswettbewerb von Persönlich.com und der Werbewoche. Zudem ist der Jugendsender Joiz auch dieses Jahr wieder mit an Bord. Veranstalter sind der ADC Schweiz, unterstützt von BSW Leading Swiss Agencies. Präsentiert wird der Anlass von Publicitas, offizielle Cannes Lions Repräsentantin.

Zu gewinnen gibt es vier ADC Young Creatives Award. Die drei Gewinnerteams aus den Kategorien Outdoor, Cyber und Film fahren zur internationalen «Young Lions Competition», an das Werbefilmfestival in Cannes, wo sie nächstes Jahr offiziell die Schweiz vertreten. Die letztjährigen Young-Creatives-Award-Gewinner Dominique Magnusson und Kevin Zysset haben 2015 in Cannes Gold – und somit die erste Medaille für die Schweiz überhaupt – gewonnen (Werbewoche.ch berichtete).

Anmeldungen zum Briefings-Event sind per sofort unter Adc.ch möglich.
 

 

Kundenzuwachs und Pitch-Gewinne

Die Agenturen Walker, Scholtysik & Partner und Wirz Corporate begrüssen neue Kunden im Portfolio.

Walker entwickelt neu für Ifolor

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Walker gewinnt den Werbeetat von Ifolor. Die Zürcher Kreativen konnten sich bei einer mehrstufigen Präsentation gegen die Konkurrenz durchsetzen. Ausschlaggebend für den Erfolg war eine plattform-übergreifende Idee, welche auf eine starke, strategische Plattform gestellt wurde. Ifolor gilt in Europa als einer der namhaftesten und grössten Onlineanbieter für Digitalfotos, Fotobücher und Fotoprodukte. Das Unternehmen mit Sitz in Kreuzlingen wurde 1961 gegründete und befindet sich seither in Familienbesitz. Erste Ergebnisse der neuen Zusammenarbeit werden bereits im Herbst zu sehen sein.

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Scholtysik & Partner: Redesign Signaletik für Uni Basel

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Das Redesign des Uni-CD veranlasst die Universität Basel, eine einheitliche Signaletik für ihre über 70 Gebäude zu gestalten. Nach Evaluation verschiedener Design-Agenturen entscheidet sie sich für Scholtysik & Partner. Das Redesign der Signaletik soll die Zusammengehörigkeit über Fakultäten und Departmente hinweg stärken, die Präsenz der Universität Basel in der Stadt erhöhen und den Zugang zur Universität barrierefrei gestalten. Zusätzliche Anforderungen sind die Anwendung an historisch bedeutenden, denkmalgeschützten Bauten und die zunehmende Digitalisierung von Signaletik-Elementen, vor allem bei Neubauten wie dem neuen Biozentrum.

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Wirz Corporate: Les Trois Rois als neuer Kunde

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Das Grand Hotel Les Trois Rois setzt bei der Markenentwicklung auf die Zusammenarbeit mit Wirz Corporate. Im Rahmen des neu erhaltenen Mandats unterstützt die Agentur das führende Fünf-Sterne-Haus Basels bei der strategisch-konzeptionellen und operativen Weiterentwicklung der Hotel-Marke und des Markenauftrittes. Die ersten Resultate der Zusammenarbeit werden ab 2016 zu sehen sein.

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Christian Degen neuer Chef der Basler Tageswoche

Christian Degen, derzeit Chefredaktor der Coopzeitung, wird neuer Chef der Basler Tageswoche. Der 45-jährige Journalist wird dort per 1. Januar 2016 sowohl Chefredaktor wie auch Geschäftsführer.

Die Tageswoche gab die Ernennung Degens am Dienstag in ihrem Redaktionsblog «Mittendrin» bekannt. Der neue Chefredaktor des 2011 lancierten Hybrid-Mediums ist seit 20 Jahren als Journalist tätig. Er arbeitete für die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten, bevor er 2008 zur Coopzeitung wechselte und dort 2012 die Leitung übernahm. Aufgewachsen ist Degen in der Region Basel. In Basel studierte er Germanistik und Geografie. 2014 schloss er an der Universität Leipzig ein Masterstudium in «New Media Journalism» mit einer Arbeit über die Tageswoche ab. Er befasste sich darin mit dem Thema Qualitätssicherung in konvergenten Redaktionen.

Die Tageswoche wird ab 2016 erstmals von einem Chefredaktor und Geschäftsführer in Personalunion geleitet. Verwaltungsratspräsident Oscar Olano begründete Ende Juni die neue Führungsstruktur mit der weiteren Umsetzung der 2013 gestarteten Online-First-Strategie. Die Printausgabe, die jede Woche den Online-Auftritt ergänzt, soll jedoch weiterhin erscheinen. Die Zusammenlegung der beiden Chefposten hatte ein Köpferollen zur Folge. Geschäftsführer Tobias Faust und Redaktionsleiter Dani Winter mussten die Tageswoche Ende Juni verlassen. Die Trennung erfolge im gegenseitigen Einvernehmen, hiess es damals. Interimistisch übernahm Remo Leupin die Leitung. Leupin wechselt jedoch Anfang Oktober zu den Migros-Medien nach Zürich. Die Tageswoche-Redaktion verfügt über rund 20 Vollzeitstellen. In diese teilen sich 30 Mitarbeitende. (SDA)

Ideart: Illustrationen für Berufs-Check

Die Messe Luzern lanciert für die Zebi – Zentralschweizer Bildungsmesse – auf der Website Zebi.ch einen Berufs-Check. Um diesen Check bei den Schülern bekannt und beliebt zu machen, illustrierte Ludek Martschini Figuren zu fiktiven Berufen.

Mit der Botschaft «Welcher Beruf passt zu dir? Mach den Berufs-Check auf Zebi.ch» wurden vier verschiedene Aufkleber realisiert. Kohlenmacher/in, Matratzentester/in, Sonnenanbeter/in und Überflieger/in sind die neu erfundenen Berufe.

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Verantwortlich bei Messe Luzern, Zebi Zentralschweizer Bildungsmesse: Rosanna Blättler (Kommunikationsplanung). Illustrationen: Ludek Martschini.
 

Radio- und Fernsehabgabe wird ab 2018 erhoben

Mit dem knappen Ja zum neuen Radio- und Fernsehgesetz hat das Stimmvolk im Juni einem neuen Gebührensystem zugestimmt. Nun wird die Umsetzung geregelt. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat die Anhörung zur Verordnung eröffnet.

Die Bestimmungen regeln den Systemwechsel von der Empfangsgebühr zur Radio- und Fernsehabgabe. Die Gesetzes- und Verordnungsänderungen werden voraussichtlich Mitte 2016 in Kraft treten, wie das Bakom am Dienstag mitteilte. Der Wechsel von der Empfangsgebühr zur Radio- und Fernsehabgabe wird jedoch erst später erfolgen, voraussichtlich Mitte 2018 oder Anfang 2019. Das Bakom begründet dies mit den aufwändigen Vorbereitungsarbeiten. Für die Bestimmung der neuen Erhebungsstelle wird ein Ausschreibungsverfahren durchgeführt. Nach dem Zuschlag müsse sich die Erhebungsstelle konstituieren und die notwendige Infrastruktur aufbauen, heisst es im Bericht zur Anhörung. Insbesondere müsse sie die technischen Voraussetzungen schaffen, um die Daten von den zuständigen Behörden erhalten und bearbeiten zu können. Geplant ist zudem eine Testphase.

Maximal 400 Franken für Haushalte

Offen bleibt auch der exakte Betrag, den Haushalte und Unternehmen künftig zahlen müssen. Wie heute wird der Bundesrat die Höhe festlegen. Um zu gewährleisten, dass die Berechnung auf aktuellen Daten basiere, werde er den Betrag erst kurz vor dem Systemwechsel festlegen, schreibt das Bakom. Die Haushaltsabgabe soll – wie vor der Abstimmung angekündigt – maximal 400 Franken betragen. Auch die Tarifkategorien für Unternehmen wird der Bundesrat zu einem späteren Zeitpunkt festlegen. Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 500'000 und 999'999 Franken werden laut dem Bericht voraussichtlich in die tiefste Tarifkategorie fallen und eine Abgabe von 400 Franken zahlen müssen. Unternehmen, die in diese Tarifkategorie fallen, werden auf Gesuch hin von der Abgabe befreit, wenn sie nachweisen, dass die Abgabe mehr als 10 Prozent ihres Gewinnes betragen würde oder dass sie Verlust gemacht haben.

Abgabe für Unternehmensgruppen

Der Abgabepflicht unterliegen Unternehmen, die bei der Steuerverwaltung im Register der mehrwertsteuerpflichtigen Personen eingetragen sind. Dies können eigenständige Einheiten oder MWST-Gruppen sein. Eine bestehende MWST-Gruppe soll sich auch mit weiteren beherrschten Unternehmen zu einer Unternehmensabgabegruppe zusammenschliessen können, die dann nur eine Abgabe bezahlt. Nicht möglich wäre es hingegen, eine bestehende MWST-Gruppe lediglich für die Belange der Unternehmensabgabe aufzuspalten.

Befreiung von der Abgabe nur ohne Geräte

Die Verordnung regelt ferner die befristete Abmeldemöglichkeit. Während fünf Jahren von der Abgabe befreien lassen können sich Haushalte ohne Geräte wie Radio, Fernsehen, Computer und Handy. Steht in einem Haushalt kein derartiges Gerät zur Verfügung, ist die Voraussetzung für die Befreiung von der Abgabe gegeben. Ist ein solches Gerät vorhanden, muss der Haushalt dagegen bezahlen – unabhängig davon, ob das Gerät tatsächlich für den Radio- und Fernsehkonsum genutzt wird. Keine Abgabe bezahlen müssen taubblinde Personen sowie Diplomaten.

Mehr Geld für lokale Radio- und Fernsehstationen

Die Verordnung regelt ferner die Einzelheiten zur Verwendung des Überschusses aus den Empfangsgebühren, die in den letzten Jahren nicht ausgeschüttet werden konnten. Gemäss dem Radio- und Fernsehgesetz muss ein Teil davon für die lokalen Radio- und Fernsehstationen verwendet werden. Für die Aus- und Weiterbildung sowie für die digitale Produktion und Verbreitung ihrer Programme sollen den Stationen insgesamt 45 Millionen Franken zur Verfügung stehen. Ihre Programme sollen sie neu nur noch zu mindestens 20 bis 30 Prozent statt zu 30 bis 50 Prozent selbst finanzieren müssen. Die Anpassung des Eigenfinanzierungsgrades ist eine Folge der Erhöhung des Abgabenanteils für die Lokalen. Gemäss dem neuen Gesetz erhalten diese neu 4 bis 6 Prozent statt wie bisher 4 Prozent. Um wie viel der Abgabenanteil innerhalb dieser Bandbreite erhöht werde, entscheide der Bundesrat voraussichtlich im nächsten Frühjahr, schreibt das Bakom. (SDA)

Gemi: Internet und Digital out of Home legen zu

Mit einem eindrücklichen Plus von elf Punkten erzielt der Bereich Internet beim Goldbach Index (Gemi) im Juli zum zweiten Mal in Folge einen neuen Rekordstand von 816 Punkten. Auch Digital out of Home kann um vier Punkte zulegen.

Digital out of Home trägt so zur leichten Zunahme des Werbedrucks bei den elektronischen Medien bei. TV und Radio zeigen sich stabil, Teletext leicht rückläufig. Keine Veränderung zum Vormonat gab es beim Gesamtmarkt. Dies zeigen die Zahlen des Goldbach Index (Gemi) zum Werbedruck im Juli 2015.

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Das Wachstum im Bereich Internet ist laut Goldbach eindrücklich. Seit Jahresbeginn hat der Werbedruck um knapp 6 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um knapp 11 Prozent zugenommen. Zum vierten Mal in diesem Jahr schliesst Internet auf einem neuen Rekordstand. Nach dem Plus von 17 Punkten im Vormonat erfolgte im Juli der Sprung von 805 auf 816 Punkte. Auch Digital out of Home entwickelte sich im vergangenen Monat positiv. Nach dem starken Rückgang vom April dieses Jahres stieg der Werbedruck im Mai um drei und nun im Juli um vier auf neu 664 Punkte. Diese beiden Bereiche sorgten für die leichte Zunahme für die elektronischen Medien insgesamt um einen auf neu 648 Punkte.

Unverändert gegenüber Juni präsentieren sich TV mit 650 und Radio mit 386 Punkten. Teletext wiederum schloss bei einem Minus von einem auf neu 46 Punkten. Mit einem Stand von nach wie vor 237 Punkten weist der Werbedruck für den Gesamtmarkt keine Veränderung auf.
 

Wirz und Ikea feiern den Kochalltag

Unter dem Motto «Wir feiern den Kochalltag» lanciert Ikea eine landesweite, crossmediale und von Wirz realisierte Kampagne.

Wer sich in den letzten Jahren mal eine typische Schweizer Neubauwohnung angesehen hat, weiss: Wohn- und Essbereich gehen zunehmend ineinander über und eine offene Küche ist fast immer Standard. So verwundert es nicht, dass die Küche für viele Menschen zunehmend zum Lebensmittelpunkt wird. Das ist auch Ikea nicht entgangen, und so dreht sich beim schwedischen Möbelriesen in diesem Jahr alles um das Leben in und um die Küche. Um mehr über den Alltag der Menschen in der Küche herauszufinden, hat Ikea eine weltweite Studie durchgeführt: den «Life at Home Report». Die Studie wurde in Stockholm, New York, London, Moskau, Paris, Berlin, Mumbai, Shanghai sowie in Zürich und Lausanne durchgeführt.

Dabei kamen interessante Erkenntnisse zutage: Herr und Frau Schweizer kochen überdurchschnittlich gerne, die Liebe zum Kochen wird aber zunehmend vom Alltag erdrückt. Am Wochenende zaubert man zwar gerne Kreationen auf den Tisch, unter der Woche fehlt dafür oft die Zeit und die Musse. Nicht so schlimm, meint Ikea: «Wir wollen den Menschen beweisen, dass selbst der vermeintlich langweilige Alltag in der Küche Freude bereiten kann.» so Katrin Polzer von Ikea Schweiz.

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Unter dem Motto «Wir feiern den Kochalltag» lanciert Ikea eine landesweite, crossmediale Kampagne. Auf Plakaten, Anzeigen, Online Banners, eBoards und ePannels wird der ungeschönte Schweizer Kochalltag gezeigt, ergänzt mit typischen Statements aus der Zielgruppe.

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Verantwortlich bei Ikea Schweiz: Mikael Pilblad (Marketing Manager Switzerland), Katrin Polzer (External Communication Manager), Aurel Hosennen (Country PR & Communication Manager), Alexander Gligorijevic (PR Manager), Annelies Bühler (Project Leader Campaign). Verantwortlich bei Wirz: Livio Dainese, Fernando Perez (ECD), Michael Schmidt, Caspar Heuss (CD), Dominique Magnusson (AD) und Franziska Pennington (Text), Stephanie Lüscher (Grafik), Petra Dreyfus, Yves Rückert, Livia Wanner, Johannes Schulmeister (Beratung), Bettina Faessler (Art Buying), Piet Truhlar (Fotograf), Mel y Mel (Fotoproduktion), Dynamic Frame (Filmproduktion)
 

Zu guter Letzt: GIF, GIF und immer wieder GIF

Booking.com verwandelt Ferienfotos in lustige GIFs. Simpel, aber gut. Hinter der Kampagne steckt Wieden+Kennedy Amsterdam.

Animierte GIFs gehen immer. Die Welt wird nicht GIF-müde. Das Format existiert seit den frühen Stunden des Internets und scheint heute beliebter denn je. Im Mai – nach gefühlten 100 Jahren – gab auch Facebook dem Druck nach und machte die schlichten Animations-Loops in den Timelines seiner Nutzer möglich. Aktuell werden sie – test- und schrittweise – endlich auch Facebook-Seiten von Unternehmen zugänglich gemacht. Die «Generation Tumblr», deren täglich Brot seit Jahren animierte GIFs sind, kann über diese «Errungenschaften» wohl nur müde lächeln.

Die Werbung hat das Bewegtbildformat längst ins Herz geschlossen. Einerseits werden seit Jahren gebrandete GIFs gezielt in die sozialen Kanäle geschleust (beispielsweise auf Marketingland.com), andererseits auch ganze Kampagnen auf GIF-Basis kreiert. Bereits 2011 JWT Paris für Nestlé Polo (Casemovie). Ogilvy Paris letztes Jahr für Netflix (Casemovie). Oder auch hierzulande: Serranetga im Frühling 2015 mit dem interaktiven, GIF-basierten Musikvideo für Samsung. Nun also auch Booking.com. Die Agentur Wieden+Kennedy hatte für Buchungsplattform eine simple, aber reizvolle Idee: «Schickt uns eure Fotos und unsere GIF-Künstler basteln lustige GIFs daraus.» Alles, was man tun muss, ist auf Twitter ein Foto mit dem Hashtag #WingItYeah zu tagen. Mit etwas Glück findet man den eigenen Schnappschuss «geremixed» auf URL und der Kampagnenseite von Booking.com wieder. Die Kampagne läuft noch, versuchen Sie Ihr Glück. (hae)
 

Leo Burnett macht Lust auf die kalte Jahreszeit

Noch ist Sommer und niemand mag an die kalten Tage denken. Letzteres könnte sich mit dem neuen Micasa-Katalog jetzt aber ändern: Wohnideen, inszeniert von Leo Burnett Schweiz, machen Lust aufs Drinnen sein.

Lebendig, aber übersichtlich gestaltet zeigt der Katalog, welche Möbel und Accessoires das Zuhause im Herbst und Winter noch gemütlicher machen. Gut möglich also, dass man sich beim Durchblättern fast ein bisschen auf die garstige Jahreszeit zu freuen beginnt.

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Verantwortlich bei MGB / Micasa: Marc Engelhard (Leiter Marketing-Kommunikation MGB); Christoph Vogler (Leiter Kommunikation Fachmärkte); Michel Keller (Spartenleiter Micasa); Lukas Vasvary (Leiter Kommunikation Micasa); Marjana Hochreutener, Lea Gerber (Projektleitung Kommunikation Micasa). Verantwortlich bei Leo Burnett Schweiz: Barbara Hartmann, Anna Leudolph, Vanessa Mermoud (Kreation), Johannes Raggio, Pablo Schencke (CD); Karin Zanghellini, Annick Engeli (Beratung); Suzana Kovacevic (Art Buying); Susan Wittber, Hannes Kälin (Realisation/Produktion); Michael Gassler (Gesamtverantwortung); Fotografie: Raphael Zubler, Heinz Unger; Produktion: Mel Y Mel; Styling: Natalija Pocuca, Assistenz: Ayako Sugaya, Nicole Frei; Bildbearbeitung: Felix Schregenberger.
 

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