Michael Gassler will als neuer Geschäftsleiter Beratung bei Ruf Lanz den Kreativen noch mehr Schub zum Abheben verleihen. Ein Job in den Medien musste es sein. Das wusste Michael Gassler schon in der Mittelschule. Sein Bubentraum war Sportreporter. Sein damaliges Hobby: Matchberichte für den FC Zürich, die er an seine Kollegen verteilte. Später spielte der Handelsschüler im toggenburgischen Ebnat-Kappel in einer Band. Das brachte seinen ersten Kontakt mit der Werbung. Der Sohn eines Fotografen, der eine Zeit lang auch mit der Kunstgewerbeschule liebäugelte, «aber zuwenig angefressen für eine Existenz als Künstler kämpfte», gestaltete Flyer und Plakate für die Konzerte seiner Rock-Combo. Auch die Hülle einer CD erinnert noch an diese Zeit. «Auf der Schwelle zum kleinen Erfolg» ist die Band dann aber auseinander gegangen, «trotz Plattenvertrag». Was nun?
Der heutige Geschäftsleiter Beratung einer Top-Drei-Agentur kämpfte sich durchs Telefonbuch und schickte damals 25 Bewerbungen an die besten Adressen der Zürcher Werbeszene. Einige haben geantwortet. Niemand aber positiv. So verdiente der noch in der Startbox zurückgehaltene Medienmann zuerst ein bisschen Geld im Kundendienst bei einem Farblabor und reiste dann für vier Monate nach Amerika. Bei seiner Rückkehr 1985 legte ihm sein Vater ein ganz kleines Inserat auf das Bettkissen. Das eben gegründete Radio Wil suchte «Mitarbeiter aller Art». Gassler setzte sich auf die Bettkante, nahm seine Gitarre zur Hand und bastelte ein Demotape.
Kurz darauf war er der einzige fest angestellte Redaktor der Morgenshow, verantwortlicher Musikredaktor und rasender Reporter, bevor der eben geschlüpften Truppe von autodidaktischen Radiopionieren «ein schreibender Profi vor die Nase gesetzt» wurde. Man kündigte «kollektiv», und Gassler suchte ein neues Glück bei der St. Galler Verlags AG.
Die Herausforderung brachte ihn auf den richtigen Weg. Der nach wie vor «im Grunde Berufslose» durfte das Marketing für mehrere Gratiszeitungen betreuen, bekam dazu die Verantwortung über sein erstes Werbebudget von 60000 Franken und wurde so auch für die Ausbildung zum Werbeassistenten animiert. Nach dem Diplom belohnte er sich mit vier Monaten Französischkurs in Paris. Dann sollte es endlich bei einer richtigen Werbeagentur klappen. Doch wer ganz hoch hinaus will, muss oft ein bisschen länger Anlauf nehmen. Die angefragten Topagenturen zeigten an Gassler kein Interesse. Dafür erlebte die Zürich Versicherung gerade eine Blüte und musste ihre Werbeabteilung auf 15 Leute ausbauen. Gassler durfte ein Beratungsteam leiten und ist heute noch «sehr dankbar» für diese Zeit. Das war die Epoche, wo die verantwortliche Werbechefin Rita Kopp «damals noch völlig unkonventionell für eine Versicherung» auf möglichst kreative Werbung setzte. «Das hat auch bei mir den Virus für solche Ideen freigesetzt», glaubt Gassler. Als ein Beispiel erinnert er sich an die «Relax»-Kampagne von Wirz. Jetzt auf Kundenseite schon sehr nahe an seinem Ziel, machte er 1994 noch die Ausbildung zum Werbeleiter und wechselte – «weil fünf Jahre Versicherung zu monothematisch waren» – erstmals in eine Agentur zu Zogg Kettiger Gasser. Peter Kettiger war zu jener Zeit Präsident des BSW, die Agentur betreute die grossen Budgets von Masterfoods. Entsprechend professionell erlebte Gassler das Umfeld an seinem neuen Arbeitsplatz. «Ich lernte marketingtechnisch sehr viel von Peter Kettiger und den Leuten auf Kundenseite, die oft von Hochschulen gekommen sind und auch mit fundierten Analysen aus den USA vertraut waren.» Ganz neu gehörten auch Controlling-Gedanken zum Repertoire, mit denen man die Effizienz der Werbung messen wollte. «Das Ganzheitliche interessiert mich, nicht Werbung als l’art pour l’art», meint Gassler zu seinem beruflichen Ansatz. Er ist aber «überzeugt, dass kreative Werbung besser verkauft».
Mit dieser Prämisse war es ein guter Entscheid, dass Gassler sich von Christoph Bürge, mit dem er zusammen den Werbeleiter machte, bei Rolf Zimmermann von Advico vorstellen liess. Bei AY&R folgten dann fünf Jahre, wo der junge Aufsteiger Gassler plötzlich «an einem Tisch mit den Stars der Branche» mitreden konnte. Das kreative Umfeld stachelte ihn an, auch alle wichtigen Bücher von internationalen Grössen der Werbung «leidenschaftlich zu verschlingen». Gassler interessierte sich immer mehr für Strategie. Und er lernte vor allem, wie erst ein kreativ mitdenkender Berater die Arbeit der Texter und Art Directoren beim Kunden richtig verkaufen kann.
Nicht nur «Pappen hochhalten bei einer Präsentation», ist jetzt auch der neue Job bei Ruf Lanz. Der von Danielle Lanz und Markus Ruf in ihrer kreativen Boutique eingeführte «Geschäftsleiter Beratung» soll der herausragenden Kreation eine ebenbürtige Beratung zur Seite stellen. Das letzte Rüstzeug für diese bisher höchste Verantwortung in seiner Karriere hat sich das neue Mitglied der Geschäftsleitung die letzten vier Jahre als Managing Partner im GL-Team mit Stefan Erhart und Dieter Hofmann bei der Exxtra Kommunikation geholt. «Exxtra war ein wichtiger Schritt, mir jetzt diese Rolle zuzutrauen und eine Herausforderung zu sehen, die Beratung innerhalb von Ruf Lanz neu zu positionieren.» 2006 hat Gassler auch noch das Executive MBA Marketing an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich gemacht.
Markus Ruf und Danielle Lanz hat er bisher «natürlich von ihren Kampagnen, aber nicht persönlich gekannt». Gassler findet es mit seinem Werdegang und «kreativer Vorstellung von Werbung» aber das richtige Happyend, dass er jetzt bei diesen beiden gelandet ist. Auch das Thema «Selbständigkeit und Leidenschaft als Steuerung für den Einsatz» statt Abhängigkeit von einem Konzern und fremden Gewinnerwartungen geisterte schon lange in seinem Kopf herum. Es sollten aber Partner mit ähnlich hohen Ansprüchen sein. Bei Ruf Lanz soll Gassler jetzt «die Beratung hinsichtlich grösserer Kunden ausbauen» sowie auch integrierter Kommunikation und Crossmedia mehr Gewicht geben, «ohne die kreative Positionierung der Agentur zu ändern».
Michael Gassler ist mit einer Türkin verheiratet, spielt Fussball beim FC Witikon und trinkt dort lieber Bier mit seinen Teamkameraden als Cüpli an einer Werber-Party. «Ich finde es in dieser Branche wichtig, dass man möglichst geerdet bleibt.»
Andreas Panzeri