Publicis mit überarbeitetem Internet-Auftritt

Eine Homepage ist eine Homepage ist eine Homepage? Nicht, wenn es sich hierbei um die neue von Publicis handelt.

 Eine Homepage ist eine Homepage ist eine Homepage? Nicht, wenn es sich hierbei um die neue von Publicis handelt.  
Grundstein der Neugestaltung war laut Pressemitteilung der Claim «Publicis ist die einzige Kommunikationsgruppe der Schweiz, die alle Disziplinen unter einem Dach vereint». In Zusammenarbeit mit der Web-Design-Künstlerin Nadya entwickelte Publicis einen eigenständigen Internet-Auftritt, der die Vielfalt der digitalen Möglichkeiten voll ausgeschöpft. Auf dem virtuellen Rundgang lernt der Besucher die Disziplinen von Publicis, Fisch.Meier.Direkt, Optimedia, BG Media und Zed Digital näher kennen und entdeckt immer wieder kleine, feine Animations-Spielereien. Nicht standardisierte Internet-Tools und Darstellungen werden geboten, sondern lebendige Kreativität: Hubschrauber werfen den aktuellen Newsletter ab, die Plattformen der jeweiligen Unternehmen erinnern an Captain Kirks Enterprise Zentrale und freie Stellen werden humorvoll als Kleiderbügel inszeniert.

USA: Wall Street Journal geht vielleicht doch an Murdoch

Überraschend ist die Eigentümer-Familie des Wall Street Journal-Herausgebers Dow Jones ist nun doch bereit, über das Übernahmeangebot des Medientycoon Rupert Murdoch zu verhandeln. Murdochs weltweites Medienimperium News Corp will den Down-Jones-Konzern für fünf Milliarden Dollar übernehmen.

 Überraschend ist die Eigentümer-Familie des Wall Street Journal-Herausgebers Dow Jones ist nun doch bereit, über das Übernahmeangebot des Medientycoon Rupert Murdoch zu verhandeln. Murdochs weltweites Medienimperium News Corp will den Down-Jones-Konzern für fünf Milliarden Dollar übernehmen. Gemäss einer SDA-Meldung teilte die Bancroft-Familie mit, sie wolle direkte Gespräche mit News Corp führen. Die Familie kontrolliert den Dow-Jones-Konzern mit einem Anteil von knapp 65 Prozent und sei zum Entschluss gekommen, dass das Unternehmen angesichts des geschäftlichen Umfelds in Kombination oder in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen besser aufgestellt wäre. Bisher hatte sie einen Verkauf an Murdoch stets abgelehnt, doch Murdochs Angebot von 60 Dollar pro Aktie ist attraktiv: Im Vergleich zum Aktienkurs vor Bekanntwerden der Offerte ist dies ein Aufpreis von 67 Prozent. Man wolle nun in Gesprächen mit Murdoch feststellen, ob im Falle eines Zusammengehens die redaktionelle Unabhängigkeit, Integrität und journalistische Freiheit von Dow Jones gesichert werden könnten, hiess es. Murdoch hatte dies zugesichert, doch Kritiker bezweifeln dies.

Nachrichten in grün

Mit The Green Channel startet Thenewsmarket.com das erste Gefäss für ausschliesslich auf Umweltthemen fokussierte Videos. Mit dem Angebot reagiert der Anbieter auf die wachsende Nachfrage der Medien nach Videomaterial mit einer breiten Auswahl an Umweltthemen reagiert.

 Mit The Green Channel startet Thenewsmarket.com das erste Gefäss für ausschliesslich auf Umweltthemen fokussierte Videos. Mit dem Angebot reagiert der Anbieter auf die wachsende Nachfrage der Medien nach Videomaterial mit einer breiten Auswahl an Umweltthemen reagiert.  
Auf dem grünen Kanal von Thenewsmarket, einer Benutzerbasis bestehend aus 12’000 Agenturen in 144 Ländern, werden Videos von Unternehmen zu Themen wie erneuerbare Energiequellen, umweltfreundlichen Transport, grüne‘ Gebäude und Gesetzgebung zur Reduzierung von Kohlendioxidemissionen angeboten. Im laufenden Jahr sei die Nachfrage nach Umwelt-, Klimawandel und grünen Inhalten sprunghaft angestiegen, wie Shoba Purushothaman, CEO und Mitbegründer des Newsmarket bestätig. In den letzten Monaten fingen Nachrichtenagenturen an, Mittel bereitzustellen, um die globale politische, behördliche und gesellschaftliche Unterstützung von grünen Initiativen zu verfolgen. Etliche Unternehmen in den Transport-, Verbraucherartikeln- und Energiebereichen haben angefangen, umweltfreundliche Technologien und Produkte anzukündigen. Diese stehen nun gesammelt auf Newsmarket zur Verfügung, wo sich Journalisten kostenfrei registrierten können.

Facelifting für Mc Donald’s

Fast Food TBWA und Trimedia wollen in einer Trust Campaign für McDonald’s Schweiz ein paar Vorurteile korrigieren.

Fast Food TBWA und Trimedia wollen in einer Trust Campaign für McDonald’s Schweiz ein paar Vorurteile korrigieren. Für McDonald’s sei es an der Zeit, «einiges richtigzustellen», heisst es im Kommentar zur neuen Kampagne von TBWA Zürich für ihren Grosskunden McDonald’s Schweiz. Am Image des früher gerne als «Bulletenbrater» gehänselten Gastromultis ist es nicht spurlos vorbeigangen, dass auch im aktuellen Kino Filme wie «Fast Food Nation» oder «Super Size Me» vom Publikum als wahre Kassenschlager aufgenommen wurden und in verschiedenen Medien zahlreiche Diskussionsforen zum Thema «Fast Food» ausgelöst haben. Einige der Aussagen beziehen sich konkret auf McDonald’s. Andere bleiben im Bereich «Vorurteile». Wie also darauf reagieren?  
Moderne Mythen «Die Geschichte lehrt uns, dass sich Gerüchte und Halbwahrheiten äusserst hartnäckig und meistens über eine sehr lange Zeitspanne halten», weiss McDonald’s Schweiz. Über die US-Topmarke kursiert in der ganzen Welt eine Vielzahl von so genannten modernen Mythen. Die Menschen erzählen sich die verschiedensten Geschichten über die Herkunft des Rindfleisches, die Zutaten eines Big Macs, die Mitarbeitenden sowie deren Arbeitsbedingungen, die Restauranteinrichtung und über vieles mehr. Doch worauf beruhen diese Einschätzungen?
 
Aus diesem Grund hat McDonald’s in Zusammenarbeit mit den Agenturen TBWA und Trimedia jetzt mit einer neuen Website und Inseraten die Informationskampagne «dievollewahrheit» lanciert. Das Unternehmen erzählt die ganze Wahrheit über sich und entgegnet damit diesen «modernen Sagen», wie die Strategie von TBWA lautet. Somit kann sich nun jeder seine eigene Meinung bilden – auf der Basis von fundierten Fakten.
 
Aktive Aufklärung In einem ersten Schritt werden zwei, jeweils aufeinander folgende einseitige Inserate in ausgewählten Zeitschriften geschaltet, welche auf der ersten Seite durch eine Kombination von knackigen Headlines und teilweise überraschenden Sujets Aufmerksamkeit schaffen sollen, um anschliessend auf der Folgeseite kurze und klare Informationen zum jeweiligen Thema zu liefern. Interessierte können über die in den Anzeigen angegebene Website www.dievollewahrheit.ch weiterführende Informationen zu den Themen einsehen.
 
Auf zahlreichen Websites werden dazu crossmedial Banner geschaltet, die ebenfalls auf die Website der Kampagne führen. Im Herbst ist zudem mit den «Quality Scouts» ein weiterer Schritt in Richtung Aufklärung geplant. Bei «Quality Scouts» erhalten Interessierte einen detaillierten Einblick in die Gewinnung und Verarbeitung von Lebensmitteln und die hohen Qualitätsansprüche von McDonald’s.
 
Mit diesen verschiedenen Aktionen wollen die Werbe- und die PR-Agentur für McDonald’s «den bereits positiven Trend in der Imageentwicklung unterstützen und versuchen, Gerüchten und Halbwahrheiten auf eine überraschende und spannende Art entgegenzuwirken», wie CD Armin Korf bei TBWA erklärt.
 
Andreas Panzeri

Design im Spannungsfeld der Medien SND Skandinavien-Konferenz, Stockholm 24. bis 26. Mai 2007.

Trends Die diesjährige Konferenz der SNDS stand unter dem Motto «Designing the Future». Die Werbewoche war als Trendscout dabei.

Trends
Die diesjährige Konferenz der SNDS stand unter dem Motto «Designing the Future». Die Werbewoche war als Trendscout dabei. Trend 1: Zeitungen müssen ihren Hoheitsanspruch aufgeben und die Kontrolle mit dem Leser teilen. Die Zeitung muss sich von der Einbahn- Kommunikation weg bewegen, transparent und einladender werden. Die Blogs machen es uns vor: Es ist einfach mitzumachen, User können ihr Wissen und Können einbringen, indem sie selber Inhalte generieren. Der Online-Auftritt der Zeitungen verläuft mittlerweile recht schematisiert. Der Aufbau der Websites kann hinsichtlich Rezeption von Online-Inhalten noch optimiert werden.
 
 
Trend 2:
Mit den verschiedenen Medienkanälen spielen. Das Medienverhalten ändert sich ständig. Zu den alten Medien sind laufend neue dazu gekommen. Das Radio koexistiert friedlich mit dem Fernsehen, das Internet hat das TV nicht ersetzt. Trotzdem muss das eine auf das andere reagieren.
 
Die Herausforderung besteht darin, Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Kanälen auszureizen. Zeitungen gehen dazu über, ihren Internetauftritt getrennt vom Printprodukt zu erstellen, indem sie unabhängige Online-Redaktionen bilden, die den Schwerpunkt auf Interaktion setzen: kurze News via Blogs, mit der Möglichkeit, Artikel an Freunde zu senden und sich darüber auszutauschen, mit Tools für den eigenen Web-Auftritt, interaktiven Grafiken und Filmen.
 
Die gedruckte Zeitung spezialisiert sich demgegenüber auf Reportagen, Hintergrund und Analysen, Themen-Packages und Zusatznutzen wie Beilagen und Magazine (siehe Kasten Dagens industri und Politiken).
 
 
Trend 3:
Die Zeitung als starke Marke. Das Printprodukt soll zum Luxusprodukt avancieren, das neben dem Internet als flüchtigem Nachrichtenmedium mit exklusiven Reportagen für Nachhaltigkeit sorgt.
 
Trend 4:
Zeitungen verlieren Anzeigenkunden ans Web. Websites liefern messbare Resultate. Durch die steigende Beliebtheit von Blogs und Communities werden deren Sites auch für die Platzierung von Werbung immer interessanter.
 
Trend 5:
Beilagen dienen als Plattform für den Anzeigenkunden und dazu, ein anderes Zielpublikum zu gewinnen. Um dem negativen Anzeigentrend entgegen zu wirken, müssen zwischen der Marketingabteilung und der Redaktion neue Strategien entwickelt werden, ohne den journalistischen Ethos zu untergraben. Indem Magazine mit durchgängigen fotografischen oder typografischen Konzepten arbeiten, erreicht man trotz störender Anzeigen eine stringente Leserführung.
 
Trend 6:
Am Ball bleiben. Um eine gute Marktstellung zu behalten oder erzielen, ist es unabdingbar, in die neuen Medien zu investieren, sich mit neuen Technologien vertraut zu machen und sie zu nutzen.
 
Trend 7:
Gratiszeitungen sind eine grosse Konkurrenz. Gratiszeitungen bilden mittlerweile beinahe ein Viertel des europäischen Zeitungsmarktes. Noch sind sie keine Qualitätszeitungen, aber der Standard steigt und sie diversifizieren sich.
 
Trend 8:
Information wird aufwändig visualisiert. Im Print und Online gibt es verstärkt gut recherchierte und stark visualisierte Infografiken. In den Redaktionen findet eine Arbeitsteilung zwischen Layout und Infografik statt. Um die Infografikabteilung für die Erstellung komplexer Darstellungen zu entlasten, werden einfache Torten- und Balkendiagramme von Layoutern erstellt.
 
Doris Oberneder
 
Doris Oberneder ist Artdirektorin der Werbewoche und Freelance Designerin für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und KircherBurkhardt GmbH.
 
 
 
 
Zum 28. Mal: The Best of Newspaper Design  
Seit 1979
veranstaltet die Society for News Design (SND) und die S.I. Newhouse School of Public Communication einen jährlichen Wettbewerb. Es werden die besten Beiträge in den Bereichen Zeitungsdesign, Infografik und Fotografie juriert.  
In den 19 Kategorien
wurden vier «Best Designed Newspapers» ausgewählt (s. Kasten rechts), 8 Goldmedaillen, 82 Silbermedaillen, 7 Judges‘ Special Recognitions und 1647 Awards of Excellence.  
Unter den deutschsprachigen Zeitungen
rangieren dieses Jahr: SonntagsZeitung, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Financial Times Deutschland, Welt am Sonntag, Tagesspiegel, Berliner Morgenpost und Stuttgarter Zeitung (siehe Auswahl rechts).  
Die Gewinner
sind abrufbar unter www.snd.org/competitions/contest28.lasso.  
Das Buch zum Wettbewerb
«The Best of Newspaper Design™» (28. Ausgabe) kann auf www.snd.org bestellt werden. 
 
 
Society for News Design (SND)  
Die SND ist eine internationale Organisation mit dem Ziel,
die weltweite Kommunikation durch qualitativ hochwertigen visuellen Journalismus zu verbessern. 
Unter den Mitgliedern
finden sich sowohl Verleger, Redakteure, Designer und Infografiker als auch Fotografen, Werbegrafiker und Webdesigner.  
Neben jährlichen Workshops
und Ausstellungen werden verschiedene Kurse angeboten und ein jährlicher Wettbewerb «Best of Newspaper Design» ausgeschrieben (siehe Kasten unten).  
Regionale Organisation für den deutschsprachigen Raum
www.snd.dach.org  
Mehr Infos
auf www.snd.org  
 
 
Nächste Events 11. – 13. 10.
Boston, 29. Workshop www.sndboston.com 26. – 27. 10.
Jahrestreffen der SND/DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) in Basel auf Einladung der Basler Zeitung 
 
 
«Man muss nicht aggressiv sein, sondern smart.»  
Ally Palmer
, Gründer und Mitinhaber der Agentur Palmer Watson Ltd, Zeitungs- designer und Berater, über aktuelle Trends.  
WW: Worauf sollen sich Zeitungen konzentrieren, um gegenüber den neuen Medien konkurrenzfähig zu bleiben?  
Ally Palmer: Gerade in England gibt es wenige Abozeitungen. Deshalb reagieren die Leute sehr stark auf das Internet und kommen so gratis an die Nachrichten heran. Zeitungen wie The Guardian, die ganz von Anfang an in ihr Online-Angebot investiert haben, sind sehr erfolgreich geworden. Die Zeitungen müssen sich überlegen, wie sie mit dem Internet zusammenarbeiten können. Wir leben in einer freien Gesellschaft. Die Menschen laden sich gratis Musik herunter, lesen Gratiszeitungen. Aber wenn man etwas wirklich mag, dann soll man auch dafür bezahlen. Das ist zur Zeit ein weiteres Hauptproblem für Zeitungen.  
WW: Es gibt eine starke Tendenz Richtung Tabloid. Setzen seriöse Tageszeitungen ihren Ruf aufs Spiel? 
Ally Palmer: In England gibt es nur noch drei Broadsheet-Zeitungen, die Financial Times, den Independent und den Daily Telegraph, in Norwegen nur noch eine. Tabloids sind sehr erfolgreich. Durch die allgemein schlechte Anzeigensituation haben jedoch auch sie Leser verloren. Vielleicht werden Zeitungen in Zukunft sogar noch kleinformatiger werden.  
WW: Dieses Mal sind nur euopäische Zeitungen als «World’s Best Designed» ausgezeichnet worden. Was ist mit den amerikanischen Zeitungen los?  
Ally Palmer: In Amerika fehlt der Konkurrenzdruck in der Zeitungsindustrie. Es gibt so viele Städte in Amerika mit nur einer oder zwei Zeitungen. In Europa dagegen herrscht unglaublicher Konkurrenzdruck. In Edingburgh zum Beispiel gibt es circa 15 Zeitungen täglich. Und es gibt insgesamt recht wenige Abonnenten. Das heisst, jeden Tag treffen die Leser eine Wahl. Darum gibt es in Europa viel bessere Zeitungen hinsichtlich Auftritt und Inhalt, besonders die deutschen. Man muss nicht unbedingt aggressiv sein, sondern sehr smart.  
WW: Es gibt einen Trend, komplexe Infografiken zu verwenden. Wie kommen Redaktionen an die nötigen Fakten ran?  
Ally Palmer: Die spanischen Grafiken sind zur Zeit die besten, die man in Zeitungen finden kann. Mindestens eine Person des Infografikteams muss Journalist sein. Es macht keinen Sinn, Infografiken zu produzieren, ohne dass man eine gute Basis dafür hat, sie quasi als Lückenfüller einzusetzen.  
WW: Haben E-Papers Zukunft?*  
Ally Palmer: Wenn sich die Technik entwickelt in den nächsten zehn Jahren, dann schon. Leute wollen es nicht kompliziert haben. Wenn sich E-Papers so einfach handhaben lassen wie Papier, dann gibt es sicher einen Markt dafür.  
WW: Was halten Sie davon, Journalisten mit Hilfe von Templates Layouts selbst erstellen zu lassen?  
Ally Palmer: Verleger wollen mit so wenig Personal wir möglich auskommen. Manchen Zeitungen sieht man es kaum an, dass sie ohne Designer arbeiten. Bei manchen merkt man das sofort. Im Grossen und Ganzen sind solche Zeitungen wenig überraschend und etwas langweilig. Ich hab eine Zeitung gesehen mit einem Teil, der ganz von Lesern gestaltet worden ist. Eine tolle Idee, aber ich hoffe nicht, dass das die Zukunft ist.  
WW: Sie waren eines von vier Jurymitgliedern bei der Auswahl der «World’s Best Designed Newspapers» und haben selbst einen Preis bekommen. Waren Sie überrascht?  
Ally Palmer: Als Jurymitglied durften wir nicht mitstimmen bei Projekten, wo wir in irgendeiner Weise «vorbelastet» waren. Wir haben das Gesamtbild der Zeitung beurteilt. Wir sind sehr stolz über die Auszeichnung, weil es mittlerweile unser viertes Design ist, das diesen Preis gewinnt.  
Interview: Doris Oberneder.
 
* Im Engl. ist mit «E-Paper» das flexible Display gemeint.

Touristen halten für die Migros hin

Spillmann/Felser/Leo Burnett lassen Touristen in der neuesten Mode-Broschüre der Migros posieren. Spontan liessen sich Weltbürger für den orangen Riesen ablichten.

Spillmann/Felser/Leo Burnett lassen Touristen in der neuesten Mode-Broschüre der Migros posieren. Spontan liessen sich Weltbürger für den orangen Riesen ablichten.Die Migros, das Muster-Schweizer-Unternehmen schlechthin, lässt dieses Mal keine Schweizer Models für ihre Mode werben. Im Gegenteil, in der neuen Broschüre präsentieren Inder, Argentinier, Thailänder, Peruaner, Spanier und Franzosen die aktuelle Migros-Mode.
Laut Medienmitteilung von Spillmann/Felser/Leo Burnett (SFLB), der Agentur, der die zündende Idee zuzuschreiben ist, kannten viele der angefragten Touristen die Migros und machten bei der spontanen Fotosession gerne mit. Abgelichtet hat sie der Fotograf Maurice Haas in Zermatt, Luzern, am Rheinfall, beim Schloss Chillon und in Zürich.

2.0-Hype relativiert

Internet Die Manie um das Web 2.0 ist die Sache einer Minderheit.

Internet Die Manie um das Web 2.0 ist die Sache einer Minderheit. Der diffuse Begriff Web 2.0 schlägt Werbern auf den Magen. An allen Ecken und Symposien werden nämlich die Alarmglocken geläutet. Mit Wortschöpfungen wie «Schwarmintelligenz» schicken Trendgurus klassische Medien und deren Geschäftsmodelle gern in Frührente. Die Situation ist jedoch nicht so düster, wie oft behauptet wird. Im Forschungsartikel «Web 2.0: Nutzung und Nutzertypen» in der Publikation Media Perspektiven (4/2007) befassen sich gleich vier Autoren zweier deutscher Forschungsinstitute (siehe Kasten) mit dem strittigen Trend. Interessant: Das neue Web ist dem Durchschnittsnutzer weitgehend unbekannt. Nur jeder zehnte surft im Netz-Release 2.0. Dem Grossteil der Bevölkerung ist der virtuelle Meinungsaustausch egal.  
Der Bericht bezieht sich auf verschiedene Studien, die im letzten Jahr durchgeführt wurden. Mit quantitativen als auch qualitativen Untersuchungen versuchen die Autoren den gegenwärtigen Stand des Internets nachzuzeichnen. Interessant: Die Internetnutzung hat sich in den letzten acht Jahren kaum verändert. Der Web-2.0-Rummel in den Medien bezieht sich im Grunde nur auf fünf Prozent der Gesamtbevölkerung, die das Web 2.0 täglich nutzen. Die Mehrheit tummelt sich woanders. Mehrheitlich auf Suchmaschinenseiten oder im geschützten Bereich des Homebankings. Nummer eins aller Internetanwendungen ist seit Jahren die E-Mail-Kommunikation. Und daran wird sich auch nichts ändern.
 
Web 2.0 ist also bloss das Spielfeld einer kleinen Minderheit. Das Profil seiner Nutzer entspricht demjenigen der Internetpioniere vor 20 Jahren: männlich, überdurchschnittliches Einkommen und sehr gut ausgebildet. Genutzt würden überwiegend Videocommunities und Wiki-Sites, wobei die Online-Enzyklopädie Wikipedia zur populärsten Anwendung der Community 2.0 gehört.
 
Aber auch die Gruppe dieser Early Adopters tut sich mit den neuen Angeboten schwer. Die aktive Nutzung sei die Ausnahme, schreiben die Forschenden. Laut Ergebnissen produziere und gestalte gerade mal ein Drittel der Web-2.0-Nutzer Inhalte. Der Rest seien «Unterhaltungssucher» und «Infosucher», die keine Mitgestaltungsmöglichkeiten suchten, sondern in der Regel nur Inhalte konsumieren würden.
 
Auswirkungen auf die anderen Medien Die Autoren der Studie sehen für klassische Medien keine Gefahr. Auch deshalb, weil das Internet in erster Linie ein Kommunikations- und kein Informationsmedium sei. E-Mails und Instant-Messages sind Hauptgründe, warum man online gehe. Die hohe Glaubwürdigkeit der klassischen Medien und ihr Qualitätsverständnis, so kommen die Verfasser des Berichts zum Schluss, blieben wichtige Kategorien, die ihren Platz in einer sich wandelnden Angebotswelt sichern.
 
Christian Lüscher
 
 
Zur Studie Der Artikel «Web 2.0: Nutzung und Nutzertypen»
ist im Heft Media Perspektiven (4/2007) erschienen. Als Basis des Berichts dienen die Ergebnisse der ARD/ZDF-Online-Studie 2006, die Jugend, Informations und (Multi-)Media (JIM) Studie 2006 und die Befragungen vom Medienforschungsinstitut Result und der Forschungsstelle des SWR. Die Daten der letzten acht Jahre zeigen, dass viele Elemente des Web 2.0 kein neues Phänomen sind. (cl)

Schweizer räumen bei den NY Festivals ab

Die Gewinner des prestigeträchtigen Wettbewerbs stehen seit Donnerstag, dem 31. Mai fest. Sowohl Ruf Lanz als auch Publicis Zürich sind von der Jury der NY Festivals geehrt worden.

Die Gewinner des prestigeträchtigen Wettbewerbs stehen seit Donnerstag, dem 31. Mai fest. Sowohl Ruf Lanz als auch Publicis Zürich sind von der Jury der NY Festivals geehrt worden.Ruf Lanz erhielt für die Radiospot-Serie «George W. Bush» für Sport Factory Outlet gleich zweimal Gold in den Kategorien «Retail Stores» und «Best Humorous Spot/Campaign». Laut Pressemitteilung der Agentur vom Donnerstag haben die prämierten Radiospots mit verbalen Ausrutschern von George W. Bush bereits die Juroren anderer renommierter Wettbewerbe begeistert: So konnte Ruf Lanz damit zuletzt als einzige Schweizer Agentur einen Award beim LIAA (London Festivals) einheimsen. Weiter hat die Agentur in New York mit drei Arbeiten für die Suva und das Airport Outlet den Final erreicht.
Zwei Silver World Medals erhielt Publicis Zürich für Arbeiten im Auftrag des Spielwarenherstellers Pastorini und für das Zürcher Schauspielhaus. Gemäss Medienmitteilung der Agentur vom Donnerstag handelt es sich je um eine Plakatkampagne und um den bereits mehrfach international ausgezeichneten Film «Opus Dei». Ganze 12 Arbeiten der Publicis Zürich hatten es auf die Shortlist der NY Festivals geschafft.

Ein Flash für junge Wähler

Aufklärung Im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen im Oktober 2007 haben die Parlamentsdienste die Initiative ergriffen, Staatskundewissen auf spielerische Art zugänglich zu machen.

Aufklärung Im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen im Oktober 2007 haben die Parlamentsdienste die Initiative ergriffen, Staatskundewissen auf spielerische Art zugänglich zu machen. Die Berner Kommunikationsagentur nothing from outer space wurde beauftragt, eine Flash-Applikation zu gestalten, die speziell ein jüngeres Publikum ansprechen soll. Die heute live geschaltete Präsentation Tellvetia lässt sich sehen. Der Flash-Movie mit 3D-Figuren ist für die Schweiz eine Neuheit. Die beiden Protagonisten Tell und Liv machen vor, wie alle über 18-jährigen Wähler sich in den National- oder Ständerat wählen lassen können. Tellvetia ist unter www.tellvetia.ch direkt zugänglich.

Duschen mit Donald

Health Food Damit der Sommer für alle knackig bleibt, empfiehlt TBWA jetzt auch einen knackigen Salat von Mc Donald’s.

Health Food Damit der Sommer für alle knackig bleibt, empfiehlt TBWA jetzt auch einen knackigen Salat von Mc Donald’s. Der Schwerpunkt der Werbung für McDonald’s Schweiz liegt zurzeit auf dem Image. News rund um Produkte werden nur saisonal kommuniziert. Wie zum Beispiel jetzt zum Beginn der Badesaison. Da weiss McDonald’s: Frauen wollen punkto Essen auch während der Badesaison nicht auf alles verzichten müssen. Darum gibt es jetzt das neue Salatmenü. Da kann man sich mit gutem Gewissen für einen schmackhaften Burger entscheiden, der jetzt mit einem gemischten Salat sowie einem Getränk nach Wahl serviert wird.  
Dass ein so verlockendes Angebot auch entsprechend kommuniziert werden muss, zeigt die Anzeigenkampagne in Schweizer Publikumszeitschriften. Dort wirbt ein junger Mann verführerisch für dieses kompromisslose Sommerangebot. Denn schliesslich möchte McDonald’s Schweiz seinen Kundinnen nicht verheimlichen, warum sich die Entscheidung für alles Knackige jetzt besonders lohnt. Das Sujet mit dem gemäss der TBWA-Strategie «disruptiv» flotten Mann wird in der Schweiz auch in fast allen Fitnessstudios in den Duschräumen der Frauen aufgehängt sein – natürlich wasserdicht.
 
Andreas Panzeri

Zu guter Letzt: Wallraff im Call-Center

Branchenexperten in Deutschland sind erzürnt über eine Undercover-Story des bekannten Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff. Für das Buch «Ganz Unten» arbeitete er als Türke Ali jahrelang auf Baustellen, nun recherchierte er in einem Call Center.

 Branchenexperten in Deutschland sind erzürnt über eine Undercover-Story des bekannten Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff. Für das Buch «Ganz Unten» arbeitete er als Türke Ali jahrelang auf Baustellen, nun recherchierte er in einem Call Center.  
Es ist die Wachstumsbranche schlechthin – dieses Jahr wird die Zahl der Call-Center-Agents allein in Deutschland auf rund eine halbe Million anwachsen. Um sich ein Bild zu machen, bewarb sich Wallraff bei CallOn und absolvierte einen zehnstündigen Probetag. Den Job kriegte er nicht, aber er hat ja schon einen: In der «Zeit» veröffentlichte er seine Rechercheergebnisse und kommt dabei zum Schluss, dass Call Center die Bergwerke der Neuzeit sind: «Tausende arbeiten im Verborgenen, werden unsichtbar – und ihre Arbeitsbedingungen auch.» Kein Geheimnis ist die schlechte Entlöhnung, oft weit unter 10 Euro die Stunde, ein Tarif, der in vielen Unternehmen bei schlechter Leistung zudem gekürzt wird.
Einige Call-Center verlangen Bescheinigungen der Krankenkassen über die Ausfallzeiten der vergangenen zwei Jahre. Kein Wunder: Call-Center Agenten müssen äusserst stressresistent sein; nicht selten haben sie bis zu 90 Kundenkontakte pro Tag. Zudem nehmen die so genannten Outbound-Calls zu, Verkaufsgeschäfte also. Die Agents verkaufen Lottolose und Zeitschriftenabonnements, aber auch Versicherungsverträge und Hedgefonds, oft überteuert. Fast immer sei der Kunde der Betrogene. «Die Call Center rufen tagein, tagaus bei den Leuten an – in der Regel ungebeten», so Wallraff.
Mit seinem Bericht erntet er harten Widerspruch aus der Branche. Wallraff werden eklatante Recherche-Missgeschicke unterstellt, mit der von ihm inspizierten Call-On habe er sich von vornherein ein schwarzes Schaf ausgesucht – und die gebe es ja überall. Im Vergleich zu Bergwerken beherbergten Call-Centers keine Gesundheitsrisiken und Unfallgefahren. Lobbyverbände verweisen auf die Beschwerdestelle und den Ehrenkodex, der eindeutig regle, dass es unlauter sei, einen Verbraucher ohne dessen Einwilligung zu Werbezwecken anzurufen. – Das sollte man der Süddeutschen Lotterie unbedingt mal mitteilen, oder gilt der Kodex nicht für Schweizer Verbraucher?

Wahrscheinlichkeit 0,0003 Prozent

Awards Mehr als 3000 Plakate aus aller Welt wurden beim britischen D&AD Award eingereicht. Drei Plakate wurden von der englischen Jury gewürdigt. Aber nur eine Kampagne wurde heuer mit dem begehrten Pencil ausgezeichnet.

Aufgefallen. Awards Mehr als 3000 Plakate aus aller Welt wurden beim britischen D&AD Award eingereicht. Drei Plakate wurden von der englischen Jury gewürdigt. Aber nur eine Kampagne wurde heuer mit dem begehrten Pencil ausgezeichnet. Seit seiner Gründung 1962 gilt der britische D&AD deshalb als der strengste Hüter weltweiter Kreativität. Entsprechend stolz zeigt sich natürlich Pius Walker, dass letzte Woche seine Kampagne für Amnesty International mit diesem begehrten und einzigen Pencil geehrt worden ist. Aufgefallen ist der Preis auch am Zoll. «Einen Yellow Pencil zu gewinnen, ist ziemlich aufregend. Spätestens wenn man damit aus England ausreisen will und bei der strengen Sicherheitskontrolle am Flughafen festsitzt, weil einem niemand glaubt, dass so eine Medaille aussieht», erzählt Pius Walker. Geeinigt habe man sich dann schliesslich darauf, dass es sich hier «um einen harmlosen Briefbeschwerer handelt». (pan)
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