«Am Anzeigenmarkt keine Chancen»

Erneut Unruhe im Zürcher Blätterwald: Ringiers Cash-Gruppe sieht die Zukunft in den digitalen Kanälen und stellt die wöchentlich erscheinende Printausgabe des Cash voraussichtlich per Ende Juni ein.

 Erneut Unruhe im Zürcher Blätterwald: Ringiers Cash-Gruppe sieht die Zukunft in den digitalen Kanälen und stellt die wöchentlich erscheinende Printausgabe des Cash voraussichtlich per Ende Juni ein.  
Noch im März 2006 beteuerte Thomas Trüb, Leiter Konzernbereich Wirtschaftsmedien von Ringier, gegenüber der Werbewoche: «Die Wirtschaftszeitung Cash bleibt als Wochentitel bestehen». Von der im September 2006 lancierten Gratiszeitung Cash Daily erhoffte man sich gar neuen Schub für das Mutterschiff. Diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Wie Ringier am Mittwoche mitteilt, wird der 1989 lancierte Cash Wochentitel am 28. Juni zum letzten Mal erscheinen. Trüb dazu im Telefon-Interview: «Auf dem Lesermarkt waren wir an sich gut positioniert, aber auf dem Anzeigenmarkt gegenüber Titeln wie der NZZ am Sonntag oder der SonntagsZeitung chancenlos». Statt mit zwei gedruckten Ausgaben weiter zu kämpfen, wolle man nun bei der Cash Gruppe «die Kräfte Bündeln», so Trüb.
 
Während der Print-Wochentitel noch 279’000 Leser und eine beglaubigte Auflage von 61’500 Exemplaren aufweist, wachsen die anderen Angebote. Deshalb will die Cash Gruppe gemäss Medienmitteilung vorab die digitalen Medien wie etwa Cash.ch, Cash Mobile und Cash Daily ausbauen, und die Position der Gruppe als multimediale Medienanbieterin mit Cash-TV und Cash-Talk auf SF2 stärken. So weist Cash Daily nach Angaben des Verlags rund 26’000 registrierte Livepaper-Nutzer auf und über 100’000 Exemplare werden täglich verteilt. Cash.ch ist mit 220’000 Besuchern pro Tag die grösste von Banken unabhängige Wirtschafts- und Finanzplattform der Schweiz . 
Formaljuristisch ist laut Trüb die Einstellung der Cash Wochenausgabe noch nicht entschieden. Doch wenn sich bis zum 12. Juni keine neuen Ideen oder Investoren finden, wird das Aus des Wirtschaftsblattes Tatsache. Für die die betroffenen 46 Mitarbeiter ist vorgesehen, dass sie innerhalb der Cash Gruppe oder bei anderen Ringier-Titeln weiterbeschäftigt werden. Für Abonnenten des Wochentitels Cash wurde eine Vereinbarung mit den Verlagsgruppen Handelszeitung und Jean Frey getroffen: Sie erhalten für die verbleibende Abodauer entweder die Handelszeitung, die Bilanz, das Stocks oder aber «ihr Geld zurück», wie Trüb verspricht.

APG setzt auf das Quadrat

Plakat I Die APG nimmt Abschied vom Grossformat (GF) und bringt im Januar 2008 das innovative Format F24 auf den Markt.

Plakat I Die APG nimmt Abschied vom Grossformat (GF) und bringt im Januar 2008 das innovative Format F24 auf den Markt. Mehr als zwanzig Jahre nach der Lancierung des F200-Formats führt die APG ein neues, auf den ersten Blick ungewöhnliches Plakatformat ein. Ungewöhnlich, weil es sich dabei weder um ein Hoch- noch ein Querformat, sondern um ein fast quadratisches Format handelt. Das F24 genannte Plakat ist aber kein zusätzliches Angebot der zur Affichage gehörenden APG, sondern ersetzt deren aktuelles und deutlich grösseres «Grossformat» – besser bekannt als GF.  
Der Grund für diesen auch mutigen Schritt kommt nicht von ungefähr. Das bisherige GF habe gemäss APG-Marketingleiter Roger Möschler an Bedeutung verloren, es würden immer weniger Bewilligungen für neue Standorte erteilt und es sei, was die Gesamtherstellungskosten betrifft, auch zu teuer (siehe auch Interview S. 22).
 
7 statt 12 Quadratmeter Doch der Wechsel vom 12m2 grossen GF zum 7m2 grossen F24 ist nur auf den ersten Blick ein Rückschritt der APG. Vermutlich nur mit diesem Wechsel kann das Medienunternehmen dem Sturz des GF in die Bedeutungslosigkeit begegnen. Immer schwieriger, so war von Möschler zu erfahren, sei es geworden, neue Bewilligungen zu erhalten; die Schweiz ist, was Bewilligungen angeht, bekanntlich ein sehr reglementiertes Land. Die Akzeptanz für das F24-Format sei dagegen eindeutig besser – das hätten erste Abklärungen bei Gemeinden und Städten ergeben.
 
So hat die APG gar vor, ihre grossformatigen Standorte in Zukunft deutlich auszubauen. Von ihren heutigen rund 850 GF-Plakatstellen sollen zuerst knapp 500 der besten Standorte umgerüstet werden und bis Ende Jahr insgesamt 1000 Flächen für das Format F24 erschlossen sein. Darüber hinaus will die APG in den Jahren 2008 und 2009 weitere rund 1000 Plakatstellen realisieren, was im Endausbau des Projekts rund 2000 F24-Plakatstellen ergibt.
 
Weltneuheit LED-Beleuchtung Ausserdem wartet die APG neben dem neuen Format mit einer weiteren innovativen Neuerung auf. So sollen ausgewählte F24-Plakatstellen mit einer neuartigen LED-Beleuchtung angestrahlt werden – mit «einem mit der Wirkung von Leuchtplakaten vergleichbaren Effekt», schwärmt Möschler.
 
«Schon bei der Einführung im nächsten Jahr wollen wir einzelne Top-Standorte mit dem LED-Beleuchtungssystem ausrüsten», ergänzt der APG-Marketingleiter über die bislang einzigartige Aufwertung von Grossformatplakaten. Das in der Schweiz weltweit erstmals zum Einsatz kommende Beleuchtungssystem sei gemäss Möschler exklusiv bei der APG erhältlich. Technisch wird dazu oben am Plakat ein aus speziell entwickelten LED-Leuchtmitteln bestehender Streifen montiert. Der Clou: Die Beleuchtung ist so konzipiert, dass ohne «Streuverlust» nur das F24 ausgeleuchtet wird. Damit werden sich wohl Einsprachen, die im Zusammenhang mit der Beleuchtung stehen, in Grenzen halten.
 
Standorte, Standortqualität und Strategie Die Kommunikation des Entscheids für das neue Format als letzter Schritt ist das Resultat eines riesigen Projekts. Seit Sommer 2006 wird intern akribisch an der Umsetzung gearbeitet. Derzeit checkt das Unternehmen, welche der bisherigen GF-Plakatstellen für das F24-Format umrüstbar sind. «Zudem prüfen wir neue Standorte, ohne – und das ist wichtig – die F12-Standorte zu schwächen», ergänzt Möschler die eingeschlagene Standortstrategie.
 
Doch wo sollen die neuen Plakate schliesslich für die grosse Aufmerksamkeit sorgen? Die APG zielt auf die grösseren Schweizer Bahnhöfe, auf Ballungszentren und Einfallsstrassen und einfach dort, wo, wie es Möschler formuliert, «es besonders viele mobile Menschen gibt und sich werbetechnisch hervorragende Plakatstandorte anbieten». Dank besonders attraktiven Grundstücken auf öffentlichem Grund in den grossen Städten könne die APG ein weiteres Premium-Plakatprodukt von höchster Qualität anbieten – ergänzt durch die hochfrequentierten Standorte in den grossen Bahnhöfen. «Unsere Kunden werden davon profitieren können, dass neben querformatig (F12) und hochformatig (F200) nun auch quadratisch plakatiert werden kann», argumentiert er. Im Weiteren sollen an einem Standort maximal nur zwei F24-Flächen realisiert werden, damit die «Ablenkung» anderer Plakatsujets auf ein Minimum beschränkt wird. Der grösste Teil aller F24-Flächen wird jedoch als Einzelstandort realisiert – als Wandmontage oder frei stehend.
 
Was die Standorte bzw. deren Qualität angeht, hat die APG hohe Ansprüche: «Wir sind auf Grund unserer Standorte überzeugt, dass das F24 bald und schnell in den Werbekampagnen grosser, mittlerer, aber auch kleiner Werbekunden berücksichtigt wird.» Probleme, was den Start betrifft, sieht Möschler wenn überhaupt dann nur einmal mehr bei den Bewilligungen: «Es gibt plakatfreundliche und sagen wir ‘dem Medium weniger zugeneigte’ Städte und Gemeinden. Unabhängig davon setzen wir hier auf gute Zusammenarbeit und langjährige Partnerschaft. Erste Bewilligungen für F24-Plakatstellen liegen bereits vor, so dass der Aufbau der ersten Welle wie geplant zwischen September und Dezember 2007 realisiert und der offizielle F24-Verkaufsstart am 1. Januar 2008 erfolgen kann.»
 
Wettbewerb wird nachziehen Auch das neue Grosse wird sich wie seine kleinen Plakatgeschwister F12 und F200 ebenfalls für eine, zwei und drei Wochen dauernde Kampagnen buchen lassen. Mittwoch sei der «Aushangtag» des F24 – und gebucht werden können neben Einzelflächen genau wie bei den F12- und F200-Plakaten ebenfalls Plakatnetze. Beim Launch des grossen Formats nächsten Januar soll nach dem Top-down-Prinzip in den grossen Städten und Bahnhöfen begonnen werden. In der Agglomeration kämen nur sehr stark frequentierte Strecken und Standorte für eine F24-Plakatierung in Frage. Dennoch soll gemäss Möschler das F24 auch von lokalen Kunden belegt werden können.
 
Trotz einer dominanten Stellung der APG im Schweizer Plakatmarkt gibt es Konkurrenten. Obwohl das F24 eine klare Innovation der APG darstellt, geht man in Winterthur davon aus, dass der Mitbewerb nachziehen wird: «Spätestens dann», so ist Roger Möschler überzeugt, «wenn das neue Grossformat erfolgreich ist.»
 
Jürgen Franck
 
 
 
F24 = 2(F12) = 6(F4) Das hier als Formel vereinfachte «neue Grossformat»
ist mit 268,5 x 256 cm (Sichtmass: 267,5 x 255) fast quadratisch und entspricht zwei übereinander angeordneten F12-Plakaten – und damit auch sechs F4-Plakaten.  
Drucktechnisch kann das F24
in sechs oder, sofern die Plakatdruckerei über die entsprechende Grossformatmaschine verfügt, in vier Teilen gedruckt werden. Wie bei den F12-Plakaten ist eine ein Zentimeter grosse Überlappung und ein ebenso grosser, unbedruckter Streifen zum Bekleben notwendig, zusätzlich sind diese Streifen auch zu den oberen Plakatteilen hin erforderlich.  
Weitere Informationen
zum neuen Format: www.apg.ch/f24. (jf)  
 
 
«Die Schweiz ist zu klein für das Grossformat.»  
Die Werbewoche hat sich mit Roger Möschler, Marketingleiter und Mitglied der Geschäftsleitung der APG, über die Entwicklung des neuen Formats F24 unterhalten.
 
WW: Warum ersetzt die Affichage bzw. deren Tochterunternehmen APG das Grossformat (GF)?  
Roger Möschler: Wir haben festgestellt, dass das «alte» Grossformat an Bedeutung verliert und auch die Plakatierungsstandorte abnehmen. Der Rückgang lässt sich zum einen mit Umbauten oder Renovationen von Liegenschaften und zum anderen mit der restriktiven Haltung der Bewilligungsinstanzen erklären. In der Folge hat sich das Grossformatgeschäft zu einem für uns «zu wenig interessanten Geschäft» entwickelt. Für unsere Kunden hat dieser teils natürliche, teils von Drittseite forcierte Flächenrückgang den Nachteil, dass die Quantität der GF-Flächen heute einen Stand erreicht hat, welche einen homogenen und eigenständigen Grossformat-Plakataushang nicht mehr zulässt. So passierte es immer häufiger, dass die GF – wegen zu kleiner Menge – aus den Kampagnenplänen unserer Kunden herausgefallen sind. Diese Tatsache hat uns aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen gezwungen, das GF als solches zu hinterfragen. Unser damaliges Fazit: Vermutlich ist die Schweiz einfach zu klein für ein Grossformat mit 12m2 Werbefläche.  
Wir haben daraufhin innerhalb eines Projekts geprüft, wie wir hier weiter vorgehen sollen. Dabei haben sich zwei Varianten herauskristallisiert: das GF-Format ersatzlos vom Markt zu nehmen oder es durch ein neues Grossformat zu ersetzen. Die APG, bekannt als Innovator in der Plakatbranche, hat sich für das Letztere entschieden: Wir führen nun auf Anfang 2008 mit dem F24 ein neues, quadratisches Plakatformat im Schweizer Markt ein.
 
WW: Können Sie hier Gründe nennen, warum die GF-Plakatstellen wirtschaftlich so schlecht abgeschnitten haben?  
Roger Möschler: Die Logistik und Bewirtschaftung unserer derzeit 850 Grossformatstellen ist sehr aufwändig. Ein weiterer grosser Nachteil des GF, vor allem im Vergleich zum F24, sind die beim GF insgesamt deutlich höheren Produktionskosten: Nimmt man das F12-Format als Basis mit dem Kostenfaktor 1, dann kommt das GF auf Faktor 2,3–2,5. Das Format F24 liegt bei einem Produktionskostenfaktor zwischen 1,5 und 1,7 deutlich günstiger als das GF.  
WW: Wie geht die APG nun vor – wann sind erste F24-Plakate zu sehen?  
Roger Möschler: In der ersten Juni-Woche werden wir an der Tunnelstrasse in Zürich, einem Pilotstandort und Top-Standort, die ersten beiden F24-Plakte realisieren. Zwischen September und Dezember 2007 realisieren wir dann die erste Welle von 800 bis 1000 F24 im Felde. Die «alten» GF demontieren wir gegen Ende 2007. Ab Anfang 2008 führt die APG dann keine 12 m2-GF mehr im Angebot. Darüber hinaus haben wir für das F24 ambitiöse Ziele. In den nächsten ein bis zwei Jahren sollen noch weitere tausend F24-Plakatstellen dazu kommen.  
WW: Wie haben die Agenturen und Kunden im Vorfeld auf das neue F24 reagiert? 
Roger Möschler: Wir haben im Sinne einer Marktbefragung mit Agenturen und Kunden über die geplante Einführung gesprochen. Die Reaktionen waren durchwegs äusserst positiv. Es wird sehr begrüsst, dass es weiterhin ein grosses Plakatformat in der Schweiz gibt; neu sogar quadratisch und optimal kombinierbar mit F12- und/oder F200-Aushängen. Als weiterer Vorteil wurde seitens Kunden und Agenturen hervorgehoben, dass es mit dem F24 wieder möglich sein wird, eine homogene und flächendeckende Grossformat-Kampagne zu fahren. Und dies – im Vergleich zum «alten» Grossformat – zu günstigeren Aushangtarifen und tieferen Produktionskosten. Originalton eines namhaften Kreativen: «Endlich, nun haben wir bei den Plakatformaten auch noch das perfekte Quadrat!»  
Interview: Jürgen Franck

Murdoch peilt Synergien für weltweite Besitztümer an

Medienkonzerne Wenn Medien-Tycoon Murdoch sich das Wall Street Journal einverleibt, dann steigt auch der Druck auf Qualitätstitel wie die NY-Times.

Medienkonzerne Wenn Medien-Tycoon Murdoch sich das Wall Street Journal einverleibt, dann steigt auch der Druck auf Qualitätstitel wie die NY-Times. Das grosszügige Angebot des australischen Medien-Tycoons Rupert Murdoch, sich das der Verlegerfamilie Bancroft gehörende Wall Street Journal (Herausgeberin Dow Jones) einzuverleiben, hat in den USA jede Menge Überraschung ausgelöst. Doch nur wenige Medienbeobachter zweifeln daran, was am Ende herauskommen wird. «Ganz egal, was die Bancroft-Familie auch sagt, der Deal wird gemacht», prophezeit die New York Times. «Die brutale Macht des Kapitals findet immer einen Weg.»  
Murdoch hat die Absicht, sich die hervorragende Wirtschaftsberichterstattung des Journals und seines Mutterkonzerns Dow Jones für den Launch seines neuen Business-TV-Senders im Oktober zu Nutze zu machen. «Dow Jones wäre ein hervorragender Content-Lieferant für sämtliche seine TV-Sender, es gäbe jede Menge Synergien für seine weltweiten Besitztümer», sagt Dom Serafini, Chefredaktor des Branchenblatts Videoage International. «Auch hinsichtlich der Werbung würden damit umfangreiche Crossplattform-Deals ermöglicht werden.»
 
Obwohl der Widerstand der Brancrofts, die den Kurs der Zeitung kontrollieren, bisher nicht gebrochen scheint, spricht doch ein zentraler Aspekt für einen Verkauf: Das renommierte Wall Street Journal ist trotz seiner Rekordauflage von zwei Millionen kein profitables Business, was in den USA mit Stirnrunzeln beobachtet wird. Die Zeitung hat unter seinem letzten Chef, Peter Kann, erheblich an Anzeigen verloren, wofür das Ende des Internetbooms 2001 verantwortlich war. Das Journal verlässt sich, stärker als andere Verlage, auf Technologieanzeigen und konnte den Inserateeinbruch bis heute nicht wett machen.
 
Um mehr Anzeigenkunden aus der Konsumgüterindustrie zu gewinnen, wurde Ende 2005 die Wochenendausgabe eingeführt. Das hat sich zwar positiv ausgewirkt, doch bisher blieben die wirklich satten Gewinne aus. Dow Jones veröffentlicht keine Zahlen über den Profit des Journals. «Ich würde sagen, dass das Journal grenzwertig schwarze Zahlen schreibt», glaubt Zeitungskonsultant John Morton. «Obwohl in den letzten Jahren einige Dinge verbessert wurden, steckt die Zeitung weiterhin in Schwierigkeiten.»
 
Umso erstaunter reagierte die Branche auf Murdochs Kaufsumme von fünf Milliarden Dollar. «Dass wir ein Angebot in dieser Höhe erhalten haben, vor allem in Zeiten derart niedriger Aktienpreise von Zeitungen, das spricht für die Qualität und Integrität eurer Arbeit», schrieb Chefredaktor Paul Steiger in einer Memo an die Belegschaft und warnte darin: «Wir sollten vermeiden, uns in der Frage was wäre wenn zu verstricken.»
 
Die Hauptsorge in Journalistenkreisen ist, dass sich der konservative Rupert Murdoch trotz gegenteiliger Beteuerungen in die Berichterstattung des Journals einmischen wird, wie es in der Vergangenheit bei anderen Medien vorgekommen ist. «Die Angst besteht, dass er seinen Einfluss auf die Kommentarseite ausdehnen könnte», konkretisiert Serafini. «Aber das ist witzlos, weil das Wall Street Journal ja ohnehin schon sehr konservativ ist.» Auf den Gängen des WSJ geht auch die Angst vor möglichen Budgetkürzungen und vor der oft damit einhergehenden Beschneidung journalistischer Ressourcen um, womit neue Besitzer in der Regel ihr Business profitabler machen.
 
Währenddessen dreht die Diskussion schon einen Schritt weiter: «Sollte Dow Jones verkauft werden, dann wird auch der Druck auf die New York Times substantiell, und es wird Übernahmeangebote geben», sagt Michael Wolff, Medienkritiker bei Vanity Fair. Genauso wie bei Dow Jones sind Times-Aktien zwar an der Börse notiert, doch die Verlegerfamilie Sulzberger verfügt über die entscheidenen Stimmen in den Gremien.
 
Wolff glaubt, dass der Druck seitens der Aktionäre derart gross werden könnte, dass die Familie nachgeben muss. «Die Idee, dass man mit einem Unternehmen an die Börse gehen kann und es dennoch wie eine privatwirtschaftliche Firma weiterführt, wird derzeit verstärkt in Frage gestellt. Das betrifft mit Sicherheit auch die New York Times.»
 
Gerti Schön, New York
 
 
 
Das Medienimperium der News Corporation (Auswahl)  
Zeitungen/Magazine London Times, Sunday Times, Gemstar/TV Guide, Weekly Standard, The Sun, New York Post, The Australian
TV-Sender Fox Broadcasting, National Geographic, FX, BskyB, DirecTV, Sky Italia
Andere Harper Collins, 20th Century Fox, Fox Searchlight, MySpace.com, AmericanIdol.com
 
 
 
«Murdoch bekommt immer, was er will»  
Murdoch-Biograph Jim Tucille
(«Murdoch: Creator of a Worldwide Media Empire») sagt, wie er über das Vorhaben des Medien-Tycoons denkt.  
WW: Was halten Sie von dem Vorhaben Murdochs, Dow Jones zu kaufen?  
Jim Tucille: Murdoch ist bekannt dafür, dass er für seine Neuakquisitionen zu viel Geld bietet, die sich langfristig aber rentieren. Er hat jedesmal beteuert, sich nicht in die Berichterstattung eines neuen Mediums einzumischen, das ist aber nicht ganz richtig. Die New York Post etwa war vor dem Kauf durch Murdoch eine linksgerichtete Zeitung, und jetzt ist sie äusserst konservativ. Wenn er das Wall Street Journal übernimmt, dann wird es inhaltlich wahrscheinlich noch mehr in Richtung pro Business gehen.  
WW: Glauben Sie, er wird die Bancroft- Familie überzeugen können?  
Jim Tucille: Ja, ich glaube, dass er am Ende Erfolg haben wird. Er legt sich sehr ins Zeug und bietet eine Menge Geld. Er kann sehr charmant sein und wird beteuern, dass sich nichts an der Berichterstattung ändern wird. Murdoch bekommt am Ende immer, was er will.  
WW: Wie würden Sie seine Persönlichkeit beschreiben?  
Jim Tucille: Er ist sehr beherrscht und hat sich immer unter Kontrolle. Als ich mein Buch geschrieben habe, hat er mich sechs Monate lang hingehalten und in der Zwischenzeit sicher gestellt, dass ich kein bestimmtes Ziel damit verfolge. Aber nachdem er zugestimmt hatte, hat er mir viele Türen geöffnet. Es ist schwer, etwas aus ihm herauszubringen, er ist scharfsinnig und gerissen, und seine ganze Loyalität gilt seinem Imperium.  
Interview: Gerti Schön

Heidis heile Bergwelt erhält ein Echo

Swissness Exxtra Kommunikation bringt die Fortsetzung der Kampagne für die Marke Heidi aus dem Migros-Sortiment.

Swissness Exxtra Kommunikation bringt die Fortsetzung der Kampagne für die Marke Heidi aus dem Migros-Sortiment. Vor drei Jahren hat Exxtra Kommunikation mit einer breit angelegten Kampagne das Markenbild der neuen Migros- Milchproduktelinie Heidi aufgebaut. Als belebenden Impuls für die stagnierenden Absatzmärkte im Bereich der Milchprodukte führte Migros 2004 diese neue strategische Eigenmarke in ihr Sortiment ein. Die Markteinführung mit 30 Produkten wurde damals erfolgreich unterstützt. Mittlerweile sind über 40 Artikel im Sortiment, und die Nachfrage ist nach wie vor sehr gross. 
Die Heidi-Kommunikationskampagne wurde anlässlich der Effie-Preisverleihung 2005 ausgezeichnet. Der Markenname Heidi, dessen hohe Affinität zur Schweizer Bergwelt und das Qualitätsversprechen echter Schweizer Bergmilch haben es möglich gemacht, sich klar von anderen Sortimenten im Bereich der Milchprodukte zu differenzieren und mit einer exportfähigen Marke aufzutreten. In einer Umfrage, die nach der ersten Kampagne durchgeführt wurde, hat sich gezeigt, dass Werte wie Natürlichkeit, Gesundheit und Swissness erfolgreich kommuniziert wurden. Ebenso hat die Umfrage ergeben, dass der einzigartige Produktnutzen der Bergmilch «bei einem grossen Teil der Zielgruppe gelernt ist», wie Berater Michael Broglin weiss.
 
Jetzt hat Exxtra die Fortsetzung der erfolgreichen Kampagne realisiert. Diese wird wie bis anhin von einem TV-Spot als Hauptwerbemittel geprägt. Begleitend werden neue Produkte mit Anzeigen beworben, und die Marke wird zusätzlich im Rahmen von Sponsoring-Aktivitäten – wie zum Beispiel das «Heidi»-Musical in Walenstadt – profiliert.
 
Im neuen TV-Spot wird mit Heidis Welt und den dazugehörigen Assoziationen gespielt, ohne kitschig zu wirken. Wir sehen dieselbe junge Frau wie im Einführungsspot, barfuss und im Trachtenkleidchen, nach einer entlaufenen Kuh rufen. Nachdem sie die Ausreisserin gefunden hat, macht sich Heidi daran, die Kuh zurück zur Herde auf die Alp zu treiben.
 
Dabei wird deutlich, dass die Kuh ihren eigenen Willen hat und auf die Befehle der Frau mit Gleichgültigkeit reagiert. «Das soll zeigen, wie in der Alpenwelt nach wie vor ein gesundes Verhältnis zwischen Mensch und Natur vorhanden ist», meint CD Dieter Hofmann. Am Schluss gelingt es der Frau dann doch noch, die Kuh bergauf zu treiben und – auf der Alp angekommen – auch zu melken. Mit dem Off-Text «Heidi ist und bleibt 100 Prozent Bergmilch» wird der einzigartige Konsumentennutzen der Heidi-Produkte dramatisiert.
 
Der Spot soll eine Zielgruppe von Frauen und Männern zwischen 30 und 65 Jahren ansprechen und wird im Schweizer Fernsehen sowie in den Werbefenstern von Pro7, Sat1, RTL, RTL2 und Vox ausgestrahlt.
 
Andreas Panzeri

Deutsche Vanity Fair mit acht Titelgesichtern

Die neue deutsche Ausgabe des Glamour-Magazins Vanity Fair ist am Donnerstag anlässlich des G8-Gipfels in Deutschland mit acht unterschiedlichen Titelblättern mit schwarz-weiss-Portraits von Prominenten erschienen.

 Die neue deutsche Ausgabe des Glamour-Magazins Vanity Fair ist am Donnerstag anlässlich des G8-Gipfels in Deutschland mit acht unterschiedlichen Titelblättern mit schwarz-weiss-Portraits von Prominenten erschienen.  
Die Bekanntheiten setzten sich damit für die weltweite Kampagne «Global Call to Action Against Poverty» (GCAP) oder für die deutsche Aktion «Deine Stimme gegen Armut» ein: Claudia Schiffer, Orlando Bloom, George Clooney, Heidi Klum, Salma Hayek, Herbert Grönemeyer, Penélope Cruz und P. Diddy. Sie alle tragen ein «White Band»-Armband, das internationale Erkennungszeichen der Sympathisanten von GCAP – die Initiative ruft die Regierungschefs der Industriestaaten unter anderem dazu auf, bis 2015 weltweit die Armut zu halbieren. Wie Horizont.at berichtet, liegt der G8-Gipfel auch inhaltlich in Form von Reportagen und Interviews zum Thema im Mittelpunkt von Vanity Fair. Zudem spendet der Verlag fünf Euro an die Aktion «Deine Stimme gegen Armut» für jedes neue Abonnement. Jeder Abonnent erhält dafür das «White Band»-Armband.

Bollmanns nächster Gratis-Streich

Zeitungen Auch Rolf Bollmann plant ein Gratisblatt – unter Umständen gegen seinen Ex-Vorgesetzten.

Zeitungen Auch Rolf Bollmann plant ein Gratisblatt – unter Umständen gegen seinen Ex-Vorgesetzten.Wie das Leben so spielt: Noch vor sieben Jahren stellten Sacha Wigdorovits und Rolf Bollmann gemeinsam die Pendlerzeitung 20 Minuten auf die Beine. Heute werkeln beide wieder an einem Gratiszeitungsprojekt – aber getrennt und möglicherweise als Konkurrenten.  
Doch schön der Reihe nach: Dass Sacha Wigdorovits, Ex-Projektleiter von 20 Minuten, auf September eine fünfmal wöchentlich erscheinende Gratiszeitung mit Hauszustellung in Zürich, Bern und Basel lancieren will, ist sattsam bekannt.
 
Nun hegt auch Tamedia Pläne für eine «neue Gratistageszeitung». Diese «Option» wurde an der Pressekonferenz zur Übernahme von Espace Media bekannt. Auf Anfrage präzisiert Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer: «Wir verfolgen das Projekt einer neuen Gratistageszeitung unabhängig vom Projekt von Sacha Wigdorovits.» Eine Projektgruppe unter der Leitung von Tagi-Verlagsleiter Rolf Bollmann sei schon «seit längerem» an der Arbeit. «Rolf Bollmann war von Anfang an beim Aufbau von 20 Minuten mit dabei und ist einer der ausgewiesensten Spezialisten auf diesem Gebiet in der Schweiz», sagt Zimmer. Für weitere Informationen sei es noch zu früh. Weshalb unklar bleibt, ob es sich beim neuen Projekt «bloss» um eine weitere Expansion von 20 Minuten, etwa im Graubünden oder im Tessin, handelt – oder um ein völlig neues Konzept.
 
Markus Knöpfli

Im Zug klug gemacht

Papier Antalis tut etwas für die Umwelt. Und kam deshalb mit dem Zug zu den Kunden.

Papier Antalis tut etwas für die Umwelt. Und kam deshalb mit dem Zug zu den Kunden. Mit einer farbigen Zugskomposition der SBB machte Antalis kürzlich auf sich aufmerksam. Die Papertour, ein Event für Kunden und interessierte Fachkreise, führte die farbige Eisenbahn quer durch die Schweiz. Drinnen gab es eine Präsentation aktueller Antalis-Neuheiten sowie eine Ausstellung des Antalis-Sortiments.  
Der Schwerpunkt der Papertour lag jedoch auf dem Themenbereich Papier und Umwelt. Es ist ein strategisches Ziel von Antalis, die Kundschaft für den Einsatz umweltverträglich produzierter Papiere zu sensibilisieren. Der absatzstärkste Papiergrosshändler der Schweiz will als Anbieter von Office-Papieren im Bereich Umwelt Verantwortung übernehmen, genauso wie es grosse Verbraucher tun sollten. Dazu braucht es aber Basiswissen, das man sich an der Papertour aus einem breit gefächerten Angebot an Vorträgen aneignen konnte.
 
Wissenswert für den umweltgerechten Papiereinsatz ist die Kenntnis der verschiedenen Zertifizierungen. Bruno Mojonnier, Auditor der Zertifizierungsstelle SQS, erhellte den momentanen «Label-Dschungel» in einem Referat. Sein Fazit: Das allumfassende Papier-Ökolabel gibt es nicht, jedes einzelne hat Vor- und Nachteile. Die Labels greifen grundsätzlich in zwei Richtungen: Auf die Herkunft der Ressource Zellstoff einerseits und den Produktionsprozess des Papiers andererseits. Nicht berücksichtigt würden jeweils der Energieverbrauch für die Transportwege. Wünschenswert wäre demnach eine Kombination von Labels untereinander, um möglichst ökologische Papiere zu erhalten.
 
Interessant auch eine Aussage von Urs Gsell, Forstspezialist des Kantons Aargau. Während andernorts massiv Waldfläche verschwindet, nutzen wir in der Schweiz nur die Hälfte des jährlich nachwachsenden Holzbestandes. In Zahlen sind dies immerhin fünf Millionen Kubikmeter, die momentan jährlich dazukommen. Schluss mit Vorurteilen gegenüber Recycling-Papieren, so die Forderung der Ausführungen von Eike Lömer und Benjamin Höckendorf. In einer übersichtlichen Umrechnungstabelle visualisierten die Vertreter von Steinbeis-Temming die Umweltvorteile von Recycling-Papier drastisch. Zwei Beispiele: Bei der Produktion von einem Kilogramm Büro-Recycling-Papier gegenüber derselben Menge Frischfaserpapier werden beispielsweise 2,2 Kilogramm weniger Holz verbraucht – oder 31,7 Liter Wasser gespart. Und dass diese Papiere beim praktischen Einsatz und der optischen Attraktivität längst Standardwerte erreicht haben, bestreitet heute eigentlich niemand mehr.
 
Jürg Pletscher, Managing Director von Antalis, zeigte sich auf Anfrage der Werbewoche mit dem Resultat der Papertour zufrieden. Man habe über tausend Besucher begrüsst und diejenigen erreicht, die man habe erreichen wollen.
 
Die Scripts weiterer Referate stehen auf www.papertour.ch zum Download bereit. Unter der Adresse www.actiontv.ch gibt es Statements von Besuchern.
 
Beat Fritsch

Charles ist kein Vorbild

Presse Regionalblätter sind viel zu klein zum Überleben, sagt Espace Media und geht zum Tagi. Andere Verleger sind anderer Ansicht.

Presse Regionalblätter sind viel zu klein zum Überleben, sagt Espace Media und geht zum Tagi. Andere Verleger sind anderer Ansicht. Die Analyse von Charles von Graffenried, VR-Präsident der Espace Media Groupe, ist klar und düster: Die Abozeitungen weisen weltweit schrumpfende Auflagen und Leserzahlen und damit kleiner werdende Werbeumsätze auf. Auch die Berner Zeitung. Die Espace Media konnte bisher zwar die abgehende Printwerbung durch Beteiligungen an Lokalradios, Lokal-TV, Sonntagspresse und an 20 Minuten noch erfolgreich substituieren. «Die gewaltige Entwicklung im OnlineBereich und bei neuen E-Medien wird aber in der Zukunft unsere Möglichkeiten übersteigen. Diese Bereiche sind risikoreich und erfordern grosse Investitionen», sagte von Graffenried. Darum sei der Verkauf seines Unternehmens an die Tamedia eine Notwendigkeit, denn erst das Zusammengehen mit einem starken Partner eröffne neue Perspektiven. Sein Delegierter Albert P. Stäheli setzte noch eins drauf: «Die grossen Regionalzeitungen stehen früher oder später vor einschneidenden Rentabilitätsproblemen. Der nächste Abschwung bestimmt den Zeitpunkt», warnte er die (noch) selbstständigen Regionalverlegerkollegen.  
Diesen ist der Fingerzeig aus Bern nicht entgangen, doch sie scheinen nicht allzu beeindruckt. «Es stimmt, wir müssen noch mehr im Online-Bereich machen», sagt beispielsweise Jörg Salzmann, Verlagsmanager bei Mengis Druck und Verlag (Walliser Bote). «Doch deswegen müssen nicht gleich alle fusionieren.» «Natürlich haben wir Verleger das Internet verschlafen», sagt auch Norbert Neininger, Verleger der Schaffhauser Nachrichten. Dennoch steht auch er dem Streben nach blosser Grösse kritisch gegenüber: «Die Geschichte zeigt, dass gute Ideen selten in Grosskonzernen entstanden.» E-Bay, Google oder YouTube seien von ein paar hellen Köpfen entwickelt worden, die das neue Medium verstanden haben. Matthias Hagemann, Verleger der Basler Zeitung, kann die Berner Argumentation ebenfalls verstehen: «Die Gratisarmada ist wirklich eine ernstzunehmende Herausforderung», sagt er. Doch er hält die Begründung für den Verkauf der Espace Media für «vorgeschoben». «Es ging um die Nachfolgeregelung und um Geld», sagt er und zitiert aus Goethes Faust: «Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles.» Ähnlich tönt es im Aargau bei Peter Wanner (siehe Interview Seite 17). Und selbst Verlegerpräsident und Südostschweiz-Verleger Hanspeter Lebrument konstatiert: «Espace Media wurde nicht aus Not verkauft. Die gewieften Berner haben einfach die Gelegenheit gepackt, um einen hohen Preis und noch zusätzlichen Einfluss zu erzielen.»
 
Warum aber ist Lebrument nicht ebenso gewieft? Er habe eben eine andere Lebensplanung, antwortet er. «Ich habe Kinder und will diesen einen Verlag übergeben, nicht in erster Linie Geld», sagt er. Selbstredend will er einen gesunden Verlag hinterlassen. Doch wie wollen Lebrument und die andern Regionalverleger die erwähnten Herausforderungen meistern? In einem Punkt sind sie sich alle einig: Keiner will sich nun ebenfalls einem Grossen – egal ob Tamedia oder NZZ – an den Hals werfen. Die konkreten Strategien jedoch sind verschieden. Für Hanspeter Lebrument ist klar: «Es braucht in jeder Region jemanden, der die Nachrichten beschafft, auch in der Südostschweiz.» Und selbstbewusst fügt er an: «Ich glaube deshalb, dass es die Südostschweiz länger geben wird als Google.»
 
Auch Jörg Salzmann vom Walliser Bote ist überzeugt: «Unsere Stärke liegt in der Lokalinformation. Die müssen wir selbst erarbeiten, da kann niemand von aussen helfen.» Inspiration hingegen hat er sich schon von aussen geholt, im Berner Oberland, bei Gossweiler Media. Salzmann: «Auch wenn ich nicht alles sofort umsetzen kann, so ist Urs Gossweilers Grundidee dennoch richtig: Wir müssen beobachten, wie sich die Mediennutzung entwickelt – und uns anpassen.»
 
Matthias Hagemann setzt ebenfalls auf seine Region, die Nordwestschweiz. Er verweist jedoch auf die Millioneninvestitionen von Novartis in deren neuen Campus, dank dem in Basel Hunderte neuer Arbeitsplätze entstehen. «Die Kaufkraft hier wird enorm zunehmen. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn nicht auch für uns die Rechnung aufginge», sagt Hagemann. Zudem bleibe sein Medienhaus offen für Win-Win-Geschäfte «mit allen, die es freundlich mit uns meinen». Dies könne wie bisher Tamedia sein, aber auch der NZZ drehe er nicht den Rücken zu.
 
Steht angesichts der nunmehr übermächtigen Tamedia auch ein Arrangement mit AZ-Verleger Peter Wanner bevor? «Nein», sagt Hagemann mit Nachdruck. «Peter Wanner hat den Krach angefangen – und damit basta.»
 
Ganz anders packt Norbert Neininger in Schaffhausen die Zukunft an. Zwar bearbeitet auch er den lokalen Markt. «Wir glauben, dass selbst die Rubrikenmärkte lokal und regional sind», sagt er. Dennoch blickt er im Online-Bereich über die Region hinaus. «Wenn Gold gesucht wird, müssen wir Schaufeln produzieren», sagt er und deutet auf die kleine Software-Entwicklerin Onlineconsulting AG in Wil (SG), die sein Medienhaus mitbegründet hat. Sie betreibe selbst keine Plattformen, sondern schreibe Software für Kunden wie Goldbach Media, Swissinfo und andere. «Zu unserem Gesamtumsatz trägt sie immerhin 5 bis 10 Prozent bei», erklärt Neininger. «Und wann immer wir eine Plattform brauchen, können wir sie selbst produzieren.»
 
Markus Knöpfli
 
 
 
«Wir fühlen uns stark»  
Die Mittelland Zeitung ist von Sprachgrenzen und Gegnern umgeben. Peter Wanner zeigt sich nicht beeindruckt.
 
WW: Charles von Graffenried und Polo Stäheli begründen den Verkauf von Espace Media mit Zukunftssorgen: Gratispresse und Internet würden die Regionalzeitungen vor Rentabilitätsprobleme stellen. Was halten Sie von dieser Argumentation?  
Peter Wanner: Zukunftssorgen kann man immer haben. Der wahre Grund ist das Nachfolgeproblem. 
WW: Auf Ihre AZ Medien, die kleiner ist als die Espace Media, könnte die Argumentation erst recht zutreffen. Sehen Sie sich auch nach einem starken Partner um?  
Peter Wanner: Nein, wir wollen unabhängig bleiben. Wir fühlen uns stark genug.  
WW: Die Deutschschweiz weist jetzt zwei Lager auf: Tamedia und NZZ. Tendieren Sie nun wegen der Partnerschaft mit PubliGroupe eher zur NZZ?  
Peter Wanner: Wir möchten nicht in ein Lager hineingedrängt werden. Wir suchen Allianzen von Fall zu Fall.  
WW: Vor zwei Wochen erst lancierte die Berner Zeitung (BZ) für ihr Kopfblatt Solothurner Tagblatt eine Grossauflage (GA). Das heisst doch, dass Sie bald auch mit einer GA des Tages-Anzeiger im Limmattal rechnen müssen.  
Peter Wanner: Eine Tagi-Grossauflage im Limmattal wäre eine Kriegserklärung an die AZ Medien Gruppe. Ein solcher Angriff würde bestehende Vereinbarungen verletzen. Käme er trotzdem, würden wir nicht tatenlos zusehen.  
WW: Wäre es angesichts dieser Bedrohung nicht besser, sich endlich mit der Basler Zeitung Medien zu arrangieren?  
Peter Wanner: Natürlich wären wir an Kooperationsformen mit der Basler Zeitung interessiert. Im Moment bildet aber die Basellandschaftliche Zeitung ein Hindernis für Gespräche.  
WW: Dem Bieler Tagblatt, das bisher mit der BZ kooperierte, könnte es angesichts der Grösse von Tamedia unwohl werden. Kommt eine Kooperation mit dem Verlagshaus Gassmann für Sie in Frage?  
Peter Wanner: Wir haben immer gesagt, dass wir offen sind für weitere Kooperationen.  
Interview: Markus Knöpfli per E-mail

Sonntagskind Godzilla

Zeitungen Advico Young & Rubicam hat für die SonntagsZeitung einen Kinospot mit dem echten Godzilla gedreht.

Zeitungen Advico Young & Rubicam hat für die SonntagsZeitung einen Kinospot mit dem echten Godzilla gedreht. Werktags ist Godzilla ein Monster. Am Sonntag ist der wuchtige Saurier aber ein netter Japaner, nur 54 Kilo schwer und ausnehmend freundlich. Nach dem Muster der «Werktags – sonntags»-Vergleiche hat Advico Young & Rubicam jetzt die Printkampagne der SonntagsZeitung mit einem ersten Kinofilm ergänzt. Ein Schlagwort die Woche hindurch, ein Stichwort zu amüsanten Informationen am Sonntag: Diese Dramaturgie visualisiert AY&R im Kinospot rund um die Kultfilme mit Godzilla.  
Godzilla gibt es in unzähligen Filmversionen. Neben modernen Computeranimationen aus Hollywood geistert Godzilla in Japan seit Stummfilmzeiten auch in einfacheren Trickfilmen über die Leinwände. In einer dieser Versionen spielte der japanische Schauspieler Tsutomu Kitagawa in einer ganzen Serie von 1999 bis 2005 jeweils den Godzilla. In einem 100 Kilo schweren Gummianzug wütete der feine Kitagawa wie ein Wahnsinniger und zerstörte dabei Requisiten im Wert von mehreren Millionen Yen.
 
Nach langwierigen Recherchen ist es dem Team um die CDs Urs Schrepfer und Christian Bobst jetzt gelungen, den Darsteller dieses Godzilla in Japan ausfindig zu machen. «Ein Star, den gar niemand kennt», meint Texter und Godzilla-Kenner Martin Stulz.
 
Tsutomu Kitagawa hat sich deshalb ziemlich gewundert, als er von Markenfilm Schweiz zu diesem Dreh nach Zürich eingeflogen wurde. Eine japanische Mitarbeiterin bei AY&R konnte ihm dann die Idee des Spots irgendwie plausibel machen.
 
Realisiert wurde der sonntägliche Horror von Luzian Schlatter in einem japanischen Laden beim Zürcher Milchbuck. Der Spot ist in Deutschschweizer Kinos sowie in den sommerlichen OrangeCinemas in Zürich, Basel und Bern zu sehen.
 
Andreas Panzeri

HPs unerwartete Produktoffensive

Digitaldruck IT- und Drucksystemeanbieter HP überraschte kürzlich mit der Vorstellung neuer Produkte aus fast allen Segmenten.

Digitaldruck IT- und Drucksystemeanbieter HP überraschte kürzlich mit der Vorstellung neuer Produkte aus fast allen Segmenten. HP hat kürzlich an einem Anlass in Rom neue Drucksysteme vorgestellt. Im Segment des klassischen Bogendigitaldrucks wartete der Konzern mit zwei neuen Drucksystemen auf: Zum einen stellte das Unternehmen die HP Indigo press 5500 (Indigo 5500) und zum andern die HP Indigo press 3500 (Indigo 3500) vor.  
Die Indigo 3500, HPs Einstiegs-Digitaldrucksystem, druckt 68 Seiten/Minute und ist für im klassischen Akzidenzdruck tätige Digitaldruckdienstleister ausgelegt. Die Indigo 5500, das neue Flaggschiff im digitalen Akzidenzdruck von HP, sieht der Konzern als ideal zur Herstellung von Gebrauchsdrucksachen, Werbematerialien etc. Das neue Modell ersetzt mittelfristig die Indigo 5000. Neu an der Indigo 5500 ist gegenüber der Indigo 5000 neben vier statt drei Papierschubladen auch ein mit 330 ¥ 480 mm geringfügig grösseres Druckformat. Die Vorteile des vergrösserten Formats machen sich vor allem für Kunden in den USA bezahlt, die neu acht Seiten statt bisher nur sechs in deren Letter-Format drucken können. Zudem werden mit der Indigo 5500 höhere monatliche Druckleistungen sowie die Verwendung weiterer und auch günstigerer Bedruckstoffe möglich.
 
Die Indigo 5500 druckt mit bis zu sieben Farben und soll sich vor allem für die Herstellung von auflagenstarken und/oder personalisierten Marketingmaterialien und Direktmailings, aber auch für die Herstellung von Büchern und Handbüchern eignen. Zudem ist sie dank ihrer Unterstützung der neuen Farben Light Cyan und Light Magenta auch für den sechsfarbigen Fotobilddruck geeignet. Für hier aktive Firmen stellte HP in Rom eine weitere Neuheit vor: Mit dem HP Indigo UV Coater können Dienstleiser die Drucke bzw. Fotos mit Hochglanz-, Matt- oder Satin-Beschichtung versehen. Das HP Indigo Photo Package ermöglicht Firmen die Erstellung hochwertiger Fotodrucke. Das neu zusammengestellte Paket umfasst die HP Indigo press 5500, den HP Indigo Photo Enhancement Server zur automatischen Auswertung und Korrektur von Bildern, den neuen HP Indigo UV Coater sowie den HP Indigo Production Manager (Version 1.1 DFE), der bis zu 16 Frontends und mehrere Drucksysteme zusammenfassen bzw. ansteuern kann.
 
Produkte für das Grossformat HP stellte in Rom auch aus dem Bereich Grossformatdruck Neuheiten vor. Neben den neuen Designjet T610 und T1100, die sich mehr an professionelle Anwender aus den Bereichen Architektur, Konstruktion, CAD etc. wenden, ist der HP Designjet Z6100 für im Werbedruck und etwa in der Reproduktion von Kunst tätige Firmen interessant. Der Z6100 verwendet HPs neue Pigmenttinten Vivera, mit denen sich laut HP hochwertige Drucke bei maximaler Druckgeschwindigkeit herstellen lassen. Als weiteres Merkmal hat HP in den Achtfarbendrucker einen speziell entwickelten Sensor integriert, der kontinuierlich den Bedruckstoff prüft und derart eine hohe Druckqualität sichert. Damit eignet sich diese Produktreihe ideal für Indoor-Werbematerialien, die sich bei kürzerem Aushang sogar für den Aussenwerbebereich eignen sollen.
 
Produzieren lassen sich mit dem Z6100 hochwertige Fotografien, Kunstdrucke oder Zeichnungen. Der ab Juni verfügbare HP Designjet Z6100 bietet zudem die gemeinsam mit dem Filmstudio Dreamworks entwickelte HP DreamColor-Technologie, womit sich präzise, berechenbare und konsistente Farbergebnisse realisieren lassen.
 
Geheimnis gelüftet Als «HPs bestgehütetes Geheimnis» informierte HP erstmals die Fachöffentlichkeit über seine Aktivitäten im Bereich «Speciality Printing Systems». Vereinfacht gesagt handelt es sich hier um einen Unternehmensbereich, der neue Märkte zum Einsatz von HPs Inkjetdruckköpfen sucht und entsprechende Lösungen entwickelt. Als Produkt stellte HP den neuen mPrinter 1700c vor, mit dem sich variable Texte und Grafiken aufbringen lassen. Mit dem Spezialdrucksystem von HP können günstige, dreifarbige Farbdrucke (CMY) hergestellt werden.
 
Jürgen Franck

Noch kein Frust wegen Fust

Heimelektronik Coop übernimmt Fust. Das hat Folgen für den Etat.

Heimelektronik Coop übernimmt Fust. Das hat Folgen für den Etat.Von den Mediabudgets, die die Media-Agentur m&m betreut, gehört jenes des Elektrohändlers Fust zu den grössten. Da Coop nun Fust von Jelmoli übernehmen will, stellt sich die Frage, ob m&m das Fust-Etat wird abgeben müssen – etwa an Initiative Media Western, wo das Coop-Budget betreut wird. Bei m&m war niemand zu erreichen, bei Initiative Media wusste CEO Stephan Küng von nichts, und auch bei der Coop-Pressestelle gab es keine klare Antwort. So lange die Wettbewerbskommission keinen Entscheid gefällt habe, bleibe alles beim Alten, sagte Sprecher Felix Wehrle. Und falls dereinst ein Weko-Okay vorliegen sollte, habe Coop die Absicht, Fust weiterhin möglichst eigenständig zu führen, auch punkto Auftritt. Wehrle verwies ferner auf Interdiscount, der ebenfalls zu Coop gehört, jedoch nicht von Initiative Media betreut wird. Das Gesamtwerbebudget von Fust bezifferte er übrigens auf rund 30 Millionen Franken. (mk)

Ein Bieler Netz für Canal 3

Radio Falls Espace Media Canal 3 abstösst, steht eine Auffanggesellschaft bereit.

Radio Falls Espace Media Canal 3 abstösst, steht eine Auffanggesellschaft bereit. Wegen der Übernahme durch Tamedia wird die Espace Media Groupe das zweisprachige Radio Canal 3 abstossen müssen. Bei der seit drei Jahren bestehenden Radio Bilingue SA, an der unter anderem das Verlagshaus Gassmann (Bieler Tagblatt/ Journal du Jura) sowie das Büro Cortesi beteiligt sind, herrscht darob Aufbruchstimmung. VR-Präsident Thomas Eichelberger wähnt sich seinem Ziel näher denn je, nämlich für Biel «einen in der Region verankerten Sender» betreiben zu können. Bereits hat er Kontakt mit Espace Media.  
Vor den Konzessionsausschreibungen ist aber kaum mit einer Handänderung zu rechnen. Eher wird sich Espace Media erneut um Canal 3 bewerben – für den Fall, dass ihr Deal mit Tamedia platzen sollte. Eichelberger erwägt parallel dazu eine Eingabe – und will weiter mit Espace Media verhandeln.
 
Radio Bilingue SA war 2004 gegründet worden – als Reaktion auf den Einstieg der Espace Media bei Radio Canal 3. Vertreter der lokalen Wirtschaft, Politik und Behörden befürchteten damals, der Berner Konzern werde die französische Frequenz aus Spargründen einstellen. «Diese Ängste sind abgebaut», sagt Eichelberger. «Aber wir sind doch froh, wenn es zu einer Bieler Lösung kommt.»
 
Markus Knöpfli
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