Claude Hitz von Ergo Communication sieht als neuer ASW-Präsident gute Zeiten für inhabergeführte Agenturen. Er sieht sich nicht als Vereinsmeier. Aber von der Notwendigkeit dieses Verbandes ist er überzeugt. Seit fünf Jahren wirkt Claude Hitz im Vorstand der Allianz Schweizer Werbeagenturen mit. «Die Kontakte, Weiterbildungen und Tools der ASW haben mir beim Aufbau meiner eigenen Agentur wertvolle Hilfe geleistet», meint der Inhaber von Ergo. Deshalb war es für ihn nicht nur eine Ehre, sondern auch eine sinnvolle Herausforderung, als er sich nun Ende Mai zum Präsidenten wählen liess. Andy Ruf amtiert seither als Past President, Michael Waldvogel ist neuer Vize. Das Trio will in der kommenden Amtszeit die berufliche Basis von rund 80 ASW-Mitgliedern in die richtigen Wege leiten.«Glück ist oft nur eine Definition der Sichtweise.» Das hat Claude Hitz bei seinen Reisen in verschiedene fremde Kulturen gelernt. Mit dieser Lebensphilosophie hätte auch seine Karriere in verschiedene Richtungen zum Glück führen können. Der neue Präsident der ASW war auch schon mal preisgekrönter Comiczeichner. Später hätte er sein Glück fast in einer Werbeagentur in München gefunden. Sein eigenes Geschäft in Zürich beschäftigte in stürmischen Zeiten einmal zehn Leute. Heute definiert Hitz mit einer neuen Sichtweise vier feste Mitarbeiter und einen ausgewiesenen Stamm von Freelancern als «eine ideale Grösse».
Ergo nennt sich die Agentur beim Zürcher Schaffhauserplatz. Der Name leitet sich von René Descartes ab. Der französische Philosoph hat bereits 1641 mit dem Satz «cogito ergo sum» – «ich denke, also bin ich» – eine Grundwahrheit der menschlichen Erkenntnis formuliert. Zwar will Hitz diesen weltberühmten Satz als Branding seiner Agentur nicht nur hochstehend philosophisch verstanden wissen, dennoch sieht er sich mehr beim Geist und weniger bei den Marktschreiern angesiedelt. In die Neuzeit übertragen steht «Ergo» für Hitz heute als Bindeglied – das «Also» zwischen Erkenntnis und Idee und damit auch die Verbindung zwischen Auftrag und Ausführung mit den – ergo – richtigen Leuten.
Diese arbeiten für Kunden wie Biomed, Solida-Versicherungen, die CruiseCenter-Gruppe oder Robert Bosch. Für dieses Unternehmen aus der Werkzeugbranche hat Ergo die Neukonzeption von 8000 verschiedenen Verpackungen im Zubehörbereich sowie verschiedene Kommunikationsmassnahmen gestaltet und realisiert. Der Grossauftrag «hat der Agentur wirtschaftlich zum Durchbruch verholfen». Andere wichtige Kunden waren die FDP Schweiz, die sich 1998 mit Hilfe von Ergo nicht nur ein neues Logo geben liess, sondern auch ihr neues Programm unter dem damaligen Präsidenten Steinegger kommunikativ begleiten liess. Für Economiesuisse hat Ergo mehrere grosse Kampagnen wie die AHV-Vorlagen oder die Steuerinitiative betreut. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums arbeitete Ergo auch für die Alternative Bank, immer wieder für NGO wie Greenpeace oder WWF sowie zum Beispiel für die Behinderteninitiative.
So viel Vielfältigkeit lässt bei Claude Hitz auch auf einen nicht nur gradlinigen Ausbildungsweg schliessen. Schon als Kind habe er gerne und gut gezeichnet, erinnert sich Hitz. Er startete mit einer Lehre als Grafiker bei der damaligen Werbeagentur Looser, kurz bevor diese von Publicis übernommen wurde. Dort hat er das ganze Spektrum von Kampagnen bis Design kennen gelernt und arbeitete mit an den ersten Swatch-Budgets.
In all dieser Zeit hat Hitz nebenbei viele Comics gezeichnet: für das Tagblatt der Stadt Zürich, den Züritipp und die Weltwoche. Für eine seiner Comicgeschichten gewann er in der Romandie einen Preis.
Während einer weiteren Phase als Junior Art Director bei der Agentur Wirz schloss Hitz die Kreativschule ab. Das war für ihn ein Impuls, noch einmal neue Erfahrungen im Ausland sammeln zu wollen. «Leider klappte es mit der Arbeitsbewilligung in München nicht», bedauert er heute. Ohne allerdings sicher zu sein, dass sein Weg in München wirklich glücklicher – im Sinne der oben zitierten Sichtweise – verlaufen wäre. In die Schweiz zurückgeschickt, gründete er – aus diesem Loch heraus und «vogelfrei» – zusammen mit zwei Freunden Ergo. Der Rest ist eine bereits zwölfjährige Erfolgsgeschichte.
Zwar dauerte es noch eine Zeit, bis Ergo unter eigenem Namen bekannt werden konnte. In der Aufbauphase übernahm man viele Freelance-Jobs für Agenturen wie Euro RSCG, Matter Leo Burnett, Benker und Steiner oder auch WHS. «Wir waren angesagte Freelancer. Mussten aber natürlich anonym bleiben. Bis wir dank dem Grossauftrag für Bosch endlich Werbung für uns machen konnten», erzählt Hitz – der dank der eigenen Geschichte natürlich alle Sorgen, Nöte und Freuden heutiger mittlerer und kleiner Agenturen kennt, die den Kern der ASW bilden.
In diesem Verband will Hitz als neuer Präsident weiterhin an möglichst sinnvollen Tools für die ganze Branche arbeiten. Mit dem Werbeleistungsvertrag hat die ASW bereits einen Branchenstandard geschaffen, der die vertragliche Basis der Zusammenarbeit zwischen Werbeauftraggebern und Kommunikationsagenturen «in jeder Hinsicht umfassend und fair regelt». Immer mehr zum Spielen kommt auch die 2006 lancierte Idee ASW Media. Mit dieser hat die ASW zusammen mit der M&M-Mediaagentur eine unabhängige, langfristige und enge Zusammenarbeit für die Planung und den Einkauf von Mediaraum vereinbart. Dank dieser Vereinbarung können ASW-Agenturen neu auf Basis eines jährlichen Einkaufsvolumens planen und von besseren Preisen profitieren.
Ein wichtiges Ziel für die angelaufene Präsidialzeit ist für Hitz das Anwerben von neuen Mitgliedern. Allerdings soll die ASW trotz ihrem Interesse an Wachstum – für noch mehr politischen Einfluss – weiterhin ein Qualitätslabel bleiben, das für Kunden einen gewissen Standard garantiert. Man will deshalb nicht jede «Küchentischagentur» aufnehmen, und Fullservice soll eine Bedingung bleiben. Der Verband zeigt sich aber offen für neue Entwicklungen. Die Grösse einer Agentur sei heute nicht mehr so wichtig, wenn immer mehr neue Disziplinen gefragt sind, die am besten von entsprechenden Spezialisten erbracht werden können. Auf der «Watchlist» der ASW hat Hitz deshalb einige Namen, mit denen der neue Präsident demnächst «intensiv das Gespräch suchen» möchte.
Andreas Panzeri