Die Swisscom könnte eigentlich stolz sein auf ihre soeben veröffentlichten Halbjahreszahlen, denn alle Kurven zeigen nach oben: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent auf 5,09 Milliarden Franken, vor allem durch den Zukauf des italienischen Breitband-Internetanbieters Fastweb. Und der Reingewinn erhöhte sich um 23,5 Prozent auf 936 Millionen Franken, wobei der Verkaufserlös eines Aktienpakets an Swisscom Mobile einen grossen Teil davon ausmacht. Alles gut also, wären da nicht die TV-Projekte von Swisscom.Bluewin TV und die interaktive Fernbedienung Betty haben im ersten Halbjahr einen Verlust von 104 Millionen Franken verursacht; alleine die Fernbedienung Betty, mit der die Abonnenten an Gewinnspielen, Umfragen und Abstimmungen teilnehmen können, schrieb ein Minus von 60 Millionen Franken. Wie Swisscom-Chef Carsten Schloter in einer Telefonkonferenz am Mittwoch sagte, wurden für Betty seit ihrem Start im Juni 2006 300’000 Fernbedienungen vorproduziert, jedoch nur 10’000 Kunden in der Schweiz und 100’000 in Deutschland gewonnen. Das sei enttäuschend.
Bluewin TV kämpft seit seiner Einführung im November 2006 mit technischen Problemen und bisher zu hohen Anschlusskosten; das Fernsehen über die Telefonleitung verursacht Installationskosten von gegen 1300 Franken pro Anschluss; sie sind zwar leicht am Sinken, das von Schloter einst gesetzte Ziel von 500 Franken liegt jedoch noch in weiter Ferne. Dem gegenüber steht ein solider Kundenzuwachs: Pro Monat gewinnt die Swisscom rund 5000 Kunden, Ende Juni waren es insgesamt 50’000, und bis Ende Jahr rechnet man mit 80’000.
Falls die Einrichtung von Bluewin TV weiterhin so teuer bleibt, wird die Swisscom gemäss Berechnungen der SDA bis Ende Jahr rund 110 Millionen Franken ausgegeben, aber nur 30 Millionen Franken eingenommen haben. Swisscom-Chef Schloter erhofft sich hier jedoch Abhilfe durch die Technologie des im Mai gekauften italienischen Breitbandanbieters Fastweb, mit der die Hausverkabelung umgangen werden soll. Damit sollen die Anschlusskosten auf 700 Franken pro Kunde gesenkt werden können.
Während Bluewin TV wie bisher weiterverfolgt wird, müsse die Swisscom, wie Carsten Schloter sagte, über die Neuausrichtung von Betty nachdenken. Es sei aber zu früh, um Genaueres zu sagen. Betty beschäftigt 30 Mitarbeiter in der Schweiz und 100 in München.