«Mein Sohn stiess gegen eine Vase und zerbrach»
Werbegeschichte Der Werber Jean Etienne Aebi und die Kommunikationsverantwortlichen der Mobiliar erfanden vor zehn Jahren gemeinsam die Kampagne mit den Schadenmeldungen auf kariertem Papier. Eine Hommage.
Werbegeschichte Der Werber Jean Etienne Aebi und die Kommunikationsverantwortlichen der Mobiliar erfanden vor zehn Jahren gemeinsam die Kampagne mit den Schadenmeldungen auf kariertem Papier. Eine Hommage.
Sie läuft und läuft und läuft, die Kampagne der Mobiliar mit den Schadenskizzen. Ihre Lancierung im Jahr 1997 bedeutete einen radikalen Bruch mit früheren Werbestrategien der Versicherungsgesellschaft. «Die Mobiliar macht Menschen sicher», lautete in den Siebziger- und Achtzigerjahren der Slogan. Man habe damals intensiv mit Testimonials gearbeitet, erinnert sich der langjährige Leiter Werbung, Marketing Kommunikation bei der Mobiliar-Versicherung Marco Fioroni: «Wir liessen in den Anzeigen Kunden über die positive Schadenabwicklung sprechen.» Damit profilierte sich der 1823 gegründete und bis heute genossenschaftlich organisierte Versicherer, dessen Portefeuille Haushalt-, Motorfahrzeug-, Betriebs-, Personen- und auch Lebensversicherungen umfasst. Doch immer mehr Unternehmen entdeckten die Testimonials. Ob Waschmittel, Katzenfutter oder Schönheitscremen, in den Werbekampagnen häuften sich die Zeugnisse begeisterter Kunden; Zeit für die Mobiliar, ein neues Werbekonzept auszubrüten.
Das Motto war jetzt die Prävention. «Damit Sie nicht auf dem Schlitten ins Tal kommen», lautete die Mahnung an Skifahrer. In die gleiche Kerbe schlugen die «blitzgescheiten Tipps zum Thema Gewitter». Die Inserate umfassten jeweils ein Foto plus Text mit guten Ratschlägen. Die Mobiliar arbeitete dabei erst mit der Werbeagentur Lintas, dann mit Lesch + Frei zusammen, doch ein weiterer Kurswechsel mit einer neuen Agentur lag in der Luft.
Durchbruch mit Starwerber Jean Etienne Aebi Die Versicherung wollte diesmal keine Konkurrenzausschreibung, sondern meldete sich 1997 bei der Agentur Aebi Strebel, die mit dem kreativen Kopf Jean Etienne Aebi und der für die Strategie zuständigen Diana Strebel mit manchen Kampagnen Lorbeeren holte.
Anlässlich eines Workshops hängte man alle erreichbaren europäischen Werbefeldzüge für Versicherungen an Stellwänden auf und suchte nach Inspiration. Die meisten Kampagnen zeigten strahlende Menschen, die ebenso gut Schokoladeriegel oder eine Feriendestination hätten anpreisen können.
Doch die Mobiliar wollte eine Unique Advertising Proposition (UAP), einen Aufhänger, der sie total von andern Wettbewerbern unterschied. In Brainstormings mit Aebi kam man auf die oft mit Skizzen angereicherten Schadenprotokolle der Kundschaft, die oft durch unfreiwilligen Humor erheitern: «Mein Sohn stiess gegen eine Vase und zerbrach.» Aus anfangs etwas schwer verständlichen Sujets entstand rasch eine originelle Kampagne, die jetzt seit zehn Jahren läuft. Die ersten Sujets wurden noch fotografiert, bald setzte man aber konsequent die Schadenskizze ein, die man im Printbereich, im Kino wie bei Promotionsartikeln nutzen kann. Fioroni: «Was immer der Kundin, dem Kunden auch passiert, wir helfen prompt und unkompliziert aus der Patsche, das ist unsere Botschaft.»
Kariertes Papier als Co-BrandDas karierte Papier, auf dem die Strichmännchen agieren, entwickelte sich zu einer Art Co-Brand der Marke Mobiliar. Die Hamburger Kreativwerkstätte Little Green Bag realisiert am Computer die Animation der Schadenskizzen.
Das Endlosband habe auch seine Tücken, gesteht der Kommunikationschef; Ideen allein genügten nicht, es müsse sich um mögliche Versicherungsfälle handeln, jedes Sujet muss darum von den Versicherungsfachleuten abgesegnet werden. Ein Dutzend der kleinen und grösseren Katastrophen wird pro Jahr neu lanciert, und aussergewöhnlich gute Einfälle werden manchmal, als «remake» aufgefrischt, erneut an die Plakatsäulen geklebt.
Die Resonanz ist stark, kaum ein Tag vergeht, wo nicht Plakate, Inserate oder Kinospots verlangt werden. Oft, wie in der Kampagne, mit der Anrede «Liebe Mobiliar». Pädagogen verwenden die Spots für Schulungszwecke, die Karten werden als Gag an Freunde verschickt oder via Internet übermittelt. «Wir machen damit keine Produktewerbung», erklärt Fioroni. «Ziel ist es, die Mobiliar als sympathische Versicherung mit Kundennähe in möglichst vielen Bereichen zu positionieren.»
Fast bruchlos zu WirzDie Agentur Aebi und Strebel wurde 1998 kurz nach der Kreation der Kampagne von Publicis Farner übernommen, Etienne Aebi und Diana Strebel nahmen Einsitz in die Geschäftsleitung. Die Kampagne lief erfolgreich im gleichen Stil weiter. Vor zwei Jahren wechselte das Werbebudget der Zürich Versicherung zu Publicis; im gleichen Werbeboot wie die Konkurrenz wollte die Mobiliar nicht sitzen und suchte eine neue Agentur. Zum Zug kam Wirz. Jean Etienne Aebi trat aus der Publicis-Geschäftsleitung aus und ist als Consultant weiter für die Mobiliar tätig. «Er war der Gralshüter der Kampagne», sagt Fioroni. «Er half, die neue Agentur auf den gewünschten Stand zu bringen. Das Projekt entwickelte sich sehr gut weiter, und alle haben profitiert.»
Was leicht wirkt, ist bei jedem einzelnen Sujet das Resultat eines intensiven Prozesses. Die Zeichnungen dürfen nicht zu perfekt, aber auch nicht primitiv wirken, es gilt die Botschaft auf die Essenz zu reduzieren. Die Messlatte ist hoch, jedes Sujet wird an dem gemessen, was man bisher zeigte. Das grafische Team von Wirz unter Matthias Freuler erarbeitet jährlich zwei Kampagnensätze. Dazu kommen Sketches im Zusammenhang mit Anlässen wie dem Engadin Marathon, dem 1. August oder der Street Parade. Es ist eine der Stärken dieser Kampagne, dass sie auch die Möglichkeit bietet, die Aktualität zu nutzen. Bei der Kreation der Sketches ist Taktgefühl gefragt. Fioroni: «Schadenfälle mit schwerwiegend Verletzten zeigen wir ebenso wenig wie sexistische Geschichten. Wir wollen human touch und nicht ätzende Satire.»
Antizyklische MedienplanungDie Mediaplanung der Mobiliar erfolgt antizyklisch, das heisst, die Kampagnen beginnen Anfang Januar, wenn der Werbedruck auf dem Markt weniger intensiv ist und die Beachtung höher. Die Mobiliar schlägt werbemässig auch im Sommer zu, wo die Fama geht, sämtliche Bewohner der Schweiz seien im Ausland, was die Marktforschung jedoch längst widerlegt hat. Während der Ferienzeit wirbt die Versicherung namentlich mit grossen Plakaten auf den Bahnhöfen im Format F 12.
Mit dem Tool Mediafokus, das die Versicherung mit McKinsey erarbeitet hat, werden Marken, Kennzahlen und Treiber (MKT) erfasst. Das Instrumentarium zeigt, dass die Mobiliar im Markt sehr gut positioniert ist, dass die Werbung ankommt und sich der finanzielle Einsatz lohnt. In einer Analyse von M&K Marketingmall erreichte die Kampagne sehr hohe Werte, so das Maximum beim Kriterium «Nutzenvermittlung» und einen Topwert im Bereich «Austauschbarkeit/Einzigartigkeit».
Jeder dritte Haushalt in der Schweiz ist bereits Kunde und damit auch gleichzeitig Genossenschafter. Mit der nun schon während einer Dekade erfolgreichen Kampagne wird das Image der Mobiliar als freundliche, kompetente und hilfsbereite Versicherung gestützt. Bei den Printmedien bevorzugt die Versicherung die Sonntagspresse, weil da die Aufmerksamkeit im Schnitt höher ist, sowie ausgewählte Publikumszeitschriften.
Hauptmedium ist jedoch das Fernsehen während der Prime Time. Die Kampagne hat in Cannes schon zwei Löwen gewonnen, denn die Mobiliar bringt mit ihren extrem minimalistisch gezeichneten Episoden in Schwarzweiss Verblüffung und Heiterkeit ins Kino. Wirz und Fraefel Productions realisieren die gefilmten Schadenprotokolle «Liebe Mobiliar» fürs Fernsehen und die vergleichsweise kostengünstigen animierten Strichmännchen für das Kino.
Auch für die lokalen Mobiliar-Agenturen tauglich«Diese Werbung kommt derart gut an, dass wir laufend positive Rückmeldungen auf die neuen Sujets bekommen», erklärt Alfred Guggenbühl, der die Generalagentur der Mobiliar Liestal BL seit fünfzehn Jahren leitet. Seit siebzig Jahren führt ein Mitglied der Familie Guggenbühl die 1928 gegründete Agentur im basellandschaftlichen Kantonshauptort. Guggenbühl erinnert sich noch an die Zeiten, wo jede Agentur im Bereich Werbung machte, was sie wollte: «Da gab es nach Gutdünken rote, grüne oder orange Inserate, ein Wildwuchs ohne die starke nationale Wirkung, die wir heute verzeichnen.» Die rund 70 Generalagenturen und Dutzende von Geschäftsstellen können die Sujets mit den Strichmännchen auch für lokale Werbung nutzen, müssen sie aber selber bezahlen. Events wie die Fasnacht oder eine Gewerbeausstellung können für die Generalagentur Liestal als Aufhänger dienen, aber werbetechnische Amokläufe liegen nicht drin, denn die grafischen Vorgaben der Muttergesellschaft sind strikt. «Die Sympathie, welche diese Werbung bringt, illustriert den Kunden, dass wir auf sympathische Art helfen», hält Guggenbühl fest, «aber die Werbung wäre auf die Länge nutzlos, wenn wir die Leistung nicht erbringen würden.»
Neue Medien und Crossmedia werden wichtigerDas Budget für die gesamte Kommunikation der Mobiliar liege «wesentlich unter 10 Millionen Franken», sagt Werbe- und Marketingleiter Fioroni. Dieser Aufwand umfasst Marketingkommunikation, Printwerbung, Plakate, Direkt-Marketing, TV, Kino und Internet. Immer wichtiger werden die neuen Medien und der crossmediale Bereich, der die Aufgabe der Werbeagentur anspruchsvoller und komplexer macht. Und über all diese Kanäle laufen auch die Strichmännchen. Bei Gesprächen mit der Agentur sitzt neben den Kreativen immer auch der Stratege in der Runde. Involviert sind zudem die Profis des Direkt-Marketings, Media-Agenturen wie OMD, Media Schneider oder Mediaxis sowie auch Online-Agenturen, die auf Internet und Intranet spezialisiert sind.
Die Marketingabteilung ist zunehmend involviert in vernetzte Projekte, die Marktforschung, E-Sevice, Mehrkanalfähigkeit umfassen. Der Kunde hat heute die verschiedensten Kanäle, um mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten. Die Cartoons mit den Schadenskizzen kann man als Karten bestellen oder im Internet an Bekannte weiterleiten, was auch mit den Spots möglich ist. Das anhaltend erfreuliche Echo beweist die imagebildende Kraft dieser Kampagne. Ein deutscher Tourist schrieb kürzlich ein Mail an den Hauptsitz in Bern, er besuche die Schweiz aus zwei Gründen gerne. Erstens sei es ein wunderschönes Ferienland. Und: «Ich freue mich immer wieder auf die neuen Strichzeichnungen der Mobiliar in den Bahnhöfen.»
Sie läuft und läuft und läuft, die Kampagne der Mobiliar mit den Schadenskizzen. Ihre Lancierung im Jahr 1997 bedeutete einen radikalen Bruch mit früheren Werbestrategien der Versicherungsgesellschaft. «Die Mobiliar macht Menschen sicher», lautete in den Siebziger- und Achtzigerjahren der Slogan. Man habe damals intensiv mit Testimonials gearbeitet, erinnert sich der langjährige Leiter Werbung, Marketing Kommunikation bei der Mobiliar-Versicherung Marco Fioroni: «Wir liessen in den Anzeigen Kunden über die positive Schadenabwicklung sprechen.» Damit profilierte sich der 1823 gegründete und bis heute genossenschaftlich organisierte Versicherer, dessen Portefeuille Haushalt-, Motorfahrzeug-, Betriebs-, Personen- und auch Lebensversicherungen umfasst. Doch immer mehr Unternehmen entdeckten die Testimonials. Ob Waschmittel, Katzenfutter oder Schönheitscremen, in den Werbekampagnen häuften sich die Zeugnisse begeisterter Kunden; Zeit für die Mobiliar, ein neues Werbekonzept auszubrüten.
Das Motto war jetzt die Prävention. «Damit Sie nicht auf dem Schlitten ins Tal kommen», lautete die Mahnung an Skifahrer. In die gleiche Kerbe schlugen die «blitzgescheiten Tipps zum Thema Gewitter». Die Inserate umfassten jeweils ein Foto plus Text mit guten Ratschlägen. Die Mobiliar arbeitete dabei erst mit der Werbeagentur Lintas, dann mit Lesch + Frei zusammen, doch ein weiterer Kurswechsel mit einer neuen Agentur lag in der Luft.
Durchbruch mit Starwerber Jean Etienne Aebi Die Versicherung wollte diesmal keine Konkurrenzausschreibung, sondern meldete sich 1997 bei der Agentur Aebi Strebel, die mit dem kreativen Kopf Jean Etienne Aebi und der für die Strategie zuständigen Diana Strebel mit manchen Kampagnen Lorbeeren holte.
Anlässlich eines Workshops hängte man alle erreichbaren europäischen Werbefeldzüge für Versicherungen an Stellwänden auf und suchte nach Inspiration. Die meisten Kampagnen zeigten strahlende Menschen, die ebenso gut Schokoladeriegel oder eine Feriendestination hätten anpreisen können.
Doch die Mobiliar wollte eine Unique Advertising Proposition (UAP), einen Aufhänger, der sie total von andern Wettbewerbern unterschied. In Brainstormings mit Aebi kam man auf die oft mit Skizzen angereicherten Schadenprotokolle der Kundschaft, die oft durch unfreiwilligen Humor erheitern: «Mein Sohn stiess gegen eine Vase und zerbrach.» Aus anfangs etwas schwer verständlichen Sujets entstand rasch eine originelle Kampagne, die jetzt seit zehn Jahren läuft. Die ersten Sujets wurden noch fotografiert, bald setzte man aber konsequent die Schadenskizze ein, die man im Printbereich, im Kino wie bei Promotionsartikeln nutzen kann. Fioroni: «Was immer der Kundin, dem Kunden auch passiert, wir helfen prompt und unkompliziert aus der Patsche, das ist unsere Botschaft.»
Kariertes Papier als Co-BrandDas karierte Papier, auf dem die Strichmännchen agieren, entwickelte sich zu einer Art Co-Brand der Marke Mobiliar. Die Hamburger Kreativwerkstätte Little Green Bag realisiert am Computer die Animation der Schadenskizzen.
Das Endlosband habe auch seine Tücken, gesteht der Kommunikationschef; Ideen allein genügten nicht, es müsse sich um mögliche Versicherungsfälle handeln, jedes Sujet muss darum von den Versicherungsfachleuten abgesegnet werden. Ein Dutzend der kleinen und grösseren Katastrophen wird pro Jahr neu lanciert, und aussergewöhnlich gute Einfälle werden manchmal, als «remake» aufgefrischt, erneut an die Plakatsäulen geklebt.
Die Resonanz ist stark, kaum ein Tag vergeht, wo nicht Plakate, Inserate oder Kinospots verlangt werden. Oft, wie in der Kampagne, mit der Anrede «Liebe Mobiliar». Pädagogen verwenden die Spots für Schulungszwecke, die Karten werden als Gag an Freunde verschickt oder via Internet übermittelt. «Wir machen damit keine Produktewerbung», erklärt Fioroni. «Ziel ist es, die Mobiliar als sympathische Versicherung mit Kundennähe in möglichst vielen Bereichen zu positionieren.»
Fast bruchlos zu WirzDie Agentur Aebi und Strebel wurde 1998 kurz nach der Kreation der Kampagne von Publicis Farner übernommen, Etienne Aebi und Diana Strebel nahmen Einsitz in die Geschäftsleitung. Die Kampagne lief erfolgreich im gleichen Stil weiter. Vor zwei Jahren wechselte das Werbebudget der Zürich Versicherung zu Publicis; im gleichen Werbeboot wie die Konkurrenz wollte die Mobiliar nicht sitzen und suchte eine neue Agentur. Zum Zug kam Wirz. Jean Etienne Aebi trat aus der Publicis-Geschäftsleitung aus und ist als Consultant weiter für die Mobiliar tätig. «Er war der Gralshüter der Kampagne», sagt Fioroni. «Er half, die neue Agentur auf den gewünschten Stand zu bringen. Das Projekt entwickelte sich sehr gut weiter, und alle haben profitiert.»
Was leicht wirkt, ist bei jedem einzelnen Sujet das Resultat eines intensiven Prozesses. Die Zeichnungen dürfen nicht zu perfekt, aber auch nicht primitiv wirken, es gilt die Botschaft auf die Essenz zu reduzieren. Die Messlatte ist hoch, jedes Sujet wird an dem gemessen, was man bisher zeigte. Das grafische Team von Wirz unter Matthias Freuler erarbeitet jährlich zwei Kampagnensätze. Dazu kommen Sketches im Zusammenhang mit Anlässen wie dem Engadin Marathon, dem 1. August oder der Street Parade. Es ist eine der Stärken dieser Kampagne, dass sie auch die Möglichkeit bietet, die Aktualität zu nutzen. Bei der Kreation der Sketches ist Taktgefühl gefragt. Fioroni: «Schadenfälle mit schwerwiegend Verletzten zeigen wir ebenso wenig wie sexistische Geschichten. Wir wollen human touch und nicht ätzende Satire.»
Antizyklische MedienplanungDie Mediaplanung der Mobiliar erfolgt antizyklisch, das heisst, die Kampagnen beginnen Anfang Januar, wenn der Werbedruck auf dem Markt weniger intensiv ist und die Beachtung höher. Die Mobiliar schlägt werbemässig auch im Sommer zu, wo die Fama geht, sämtliche Bewohner der Schweiz seien im Ausland, was die Marktforschung jedoch längst widerlegt hat. Während der Ferienzeit wirbt die Versicherung namentlich mit grossen Plakaten auf den Bahnhöfen im Format F 12.
Mit dem Tool Mediafokus, das die Versicherung mit McKinsey erarbeitet hat, werden Marken, Kennzahlen und Treiber (MKT) erfasst. Das Instrumentarium zeigt, dass die Mobiliar im Markt sehr gut positioniert ist, dass die Werbung ankommt und sich der finanzielle Einsatz lohnt. In einer Analyse von M&K Marketingmall erreichte die Kampagne sehr hohe Werte, so das Maximum beim Kriterium «Nutzenvermittlung» und einen Topwert im Bereich «Austauschbarkeit/Einzigartigkeit».
Jeder dritte Haushalt in der Schweiz ist bereits Kunde und damit auch gleichzeitig Genossenschafter. Mit der nun schon während einer Dekade erfolgreichen Kampagne wird das Image der Mobiliar als freundliche, kompetente und hilfsbereite Versicherung gestützt. Bei den Printmedien bevorzugt die Versicherung die Sonntagspresse, weil da die Aufmerksamkeit im Schnitt höher ist, sowie ausgewählte Publikumszeitschriften.
Hauptmedium ist jedoch das Fernsehen während der Prime Time. Die Kampagne hat in Cannes schon zwei Löwen gewonnen, denn die Mobiliar bringt mit ihren extrem minimalistisch gezeichneten Episoden in Schwarzweiss Verblüffung und Heiterkeit ins Kino. Wirz und Fraefel Productions realisieren die gefilmten Schadenprotokolle «Liebe Mobiliar» fürs Fernsehen und die vergleichsweise kostengünstigen animierten Strichmännchen für das Kino.
Auch für die lokalen Mobiliar-Agenturen tauglich«Diese Werbung kommt derart gut an, dass wir laufend positive Rückmeldungen auf die neuen Sujets bekommen», erklärt Alfred Guggenbühl, der die Generalagentur der Mobiliar Liestal BL seit fünfzehn Jahren leitet. Seit siebzig Jahren führt ein Mitglied der Familie Guggenbühl die 1928 gegründete Agentur im basellandschaftlichen Kantonshauptort. Guggenbühl erinnert sich noch an die Zeiten, wo jede Agentur im Bereich Werbung machte, was sie wollte: «Da gab es nach Gutdünken rote, grüne oder orange Inserate, ein Wildwuchs ohne die starke nationale Wirkung, die wir heute verzeichnen.» Die rund 70 Generalagenturen und Dutzende von Geschäftsstellen können die Sujets mit den Strichmännchen auch für lokale Werbung nutzen, müssen sie aber selber bezahlen. Events wie die Fasnacht oder eine Gewerbeausstellung können für die Generalagentur Liestal als Aufhänger dienen, aber werbetechnische Amokläufe liegen nicht drin, denn die grafischen Vorgaben der Muttergesellschaft sind strikt. «Die Sympathie, welche diese Werbung bringt, illustriert den Kunden, dass wir auf sympathische Art helfen», hält Guggenbühl fest, «aber die Werbung wäre auf die Länge nutzlos, wenn wir die Leistung nicht erbringen würden.»
Neue Medien und Crossmedia werden wichtigerDas Budget für die gesamte Kommunikation der Mobiliar liege «wesentlich unter 10 Millionen Franken», sagt Werbe- und Marketingleiter Fioroni. Dieser Aufwand umfasst Marketingkommunikation, Printwerbung, Plakate, Direkt-Marketing, TV, Kino und Internet. Immer wichtiger werden die neuen Medien und der crossmediale Bereich, der die Aufgabe der Werbeagentur anspruchsvoller und komplexer macht. Und über all diese Kanäle laufen auch die Strichmännchen. Bei Gesprächen mit der Agentur sitzt neben den Kreativen immer auch der Stratege in der Runde. Involviert sind zudem die Profis des Direkt-Marketings, Media-Agenturen wie OMD, Media Schneider oder Mediaxis sowie auch Online-Agenturen, die auf Internet und Intranet spezialisiert sind.
Die Marketingabteilung ist zunehmend involviert in vernetzte Projekte, die Marktforschung, E-Sevice, Mehrkanalfähigkeit umfassen. Der Kunde hat heute die verschiedensten Kanäle, um mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten. Die Cartoons mit den Schadenskizzen kann man als Karten bestellen oder im Internet an Bekannte weiterleiten, was auch mit den Spots möglich ist. Das anhaltend erfreuliche Echo beweist die imagebildende Kraft dieser Kampagne. Ein deutscher Tourist schrieb kürzlich ein Mail an den Hauptsitz in Bern, er besuche die Schweiz aus zwei Gründen gerne. Erstens sei es ein wunderschönes Ferienland. Und: «Ich freue mich immer wieder auf die neuen Strichzeichnungen der Mobiliar in den Bahnhöfen.»
Werner Catrina
