Am vergangenen Wochenende sorgte die Installation des New Yorker Fotografen Spencer Tunick für Aufsehen, der auf dem Aletschgletscher 600 Freiwillige fotografierte, um für Greenpeace auf die Klimaerwärmung aufmerksam zu machen. Die Aktion wurde ermöglicht von Greenpeace und Euro RSCG Zürich. «Die Idee, Spencer Tunick anzufragen, stammte von uns», erklärte Frank Bodin, CEO von Euro RSCG Schweiz, der Werbewoche. Es sei nicht ganz einfach gewesen, Tunick zu gewinnen: «Er ist ständig unterwegs, schwer erreichbar und nicht ganz einfach im Umgang – wie Künstler halt sind», so Bodin. Nach etlichen Versuchen gelang es, sich in New York zu treffen. Erleichternd war dabei, dass Euro RSCG Zürich bereits zuvor schon einmal in Kontakt zu Tunick war. Die Agentur hat als Schnittstelle zwischen Kunst und kommerziellen Interessen fungiert. Die Agentur brachte die Idee ein, auf dem Aletschgletscher zu fotografieren, übernahm Grundlagen der Logistik und die Vertragsverhandlungen. «Bis wir den Vertrag mit Tunick tatsächlich abschliessen konnten, schrieben wir 37 verschiedene Versionen», erzählte Bodin. Ausschlaggebend war, dass der Künstler die ganze Aktion als sinnvolle Sache taxierte, hinter der er stehen konnte. Gereizt habe es ihn ausserdem, auf einem Ort wie dem Aletschgletscher zu arbeiten. «Dieser Gletscher ist als Symbol für die Anliegen des Klimaschutzes sehr einleuchtend und überzeugend», erklärte Bodin.
Während der Aktion hielt sich die Agentur bewusst im Hintergrund, um dem Künstler und Greenpeace den nötigen Raum zu geben. Bodin selbst war nicht vor Ort. Vor dem vergangenen Sonntag hatte seine Agentur aber alle Hände voll zu tun: Die Aktion wurde in nur einem halben Jahr vorbereitet. Mehr Zeit konnte man sich nicht lassen, denn die Fotografien mussten in einem bestimmten Zeitfenster entstehen. In ein paar Wochen wird es nämlich schon zu kalt sein, als dass die Freiwilligen nackt auf dem Gletscher posieren könnten.
Die Aktion hatte ein gewaltiges mediales Echo erzeugt. In der Schweiz waren die Zeitungen voll davon, aber auch weltweit wurde stark berichtet. «Das Sujet dient als Aufhänger, um den Klimaschutz ins Gespräch zu bringen», so Bodin. Negative Reaktionen habe er keine erhalten: «Ich glaube, dass das Bild der nackten Menschen zusammen mit der Zerbrechlichkeit der Natur sehr gut funktioniert, um die Klimaerwärmung zu thematisieren».
Das Bild wird von Greenpeace weltweit eingesetzt werden. Geplant ist beispielsweise die Verwendung auf den Online-Auftritten der verschiedenen Sektionen und in Direktmarketing-Massnahmen. Daneben sind Print-Massnahmen wie Plakate oder Anzeigen projektiert, es wird über eine Ausstellung nachgedacht und eine Auktion von Originalabzügen zu Gunsten von Greenpeace. Vertraglich ist festgelegt, in welchem Rahmen die Bilder verwendet werden dürfen.
Euro RSCG wird die kommenden Massnahmen zum Teil betreuen, zum Teil wird sich Greenpeace selbst darum kümmern. Für die Zürcher Agentur war es die erste Arbeit für die Umweltschutzorganisation. Es handelte sich nicht um ein reines Pro-Bono-Projekt; Euro RSCG stand mit Greenpeace in einem Auftragsverhältnis und die Aufwendungen der Agentur wurden bezahlt, «wenn auch mit einem gewissen Goodwill-Rabatt», wie Bodin sagte. Ebenso hat Tunick ein Honorar von Greenpeace erhalten. Für Bodin sind solche Aufträge reizvoll: «Wir behandeln solche Geschichten im Rahmen von ‚Creative Business Ideas’, wie wir diesen Geschäftsbereich nennen». Es gehe dabei darum, mit einem beschränkten Budget und einer grossen Idee möglichst umfassende mediale Resonanz zu erzeugen.
Carole Scheidegger