Fiat ist fit für die digitale Zukunft
Auto Bei Fiat stehen die Zeichen auf Aufbruch. In Sachen neue Medien fährt die Konkurrenz den Italienern sogar um einiges hinterher.
Auto Bei Fiat stehen die Zeichen auf Aufbruch. In Sachen neue Medien fährt die Konkurrenz den Italienern sogar um einiges hinterher.
Lange stand es nicht gut um Fiat. Der Turiner Autokonzern produzierte am Kunden vorbei, schrieb rote Zahlen und hatte das Image, billige, aber auch unzuverlässige Kleinwagen zu produzieren. Nun ist Fiat zurück. Seit Markenchef Luca De Meo die Firma lenkt, sind die Italiener wieder dick im Geschäft. Das zeigen die Verkaufszahlen und Marktquoten. Aber auch im Internet und auf dem Handy muss der Konzern keinen Vergleich mit der Konkurrenz scheuen.
Kein Autokonzern nutzt derzeit Web und Wap so clever wie Fiat. Zu beobachten ist die Entwicklung im Mobilfunk-Bereich. Zusammen mit Microsoft entwickelte Fiat das Bluetooth-System Blue & Me. Damit können Lenker unkompliziert telefonieren und für musikalische Unterhaltung sorgen.
Nationale BannerkampagneFiat gibt aber auch auf dem Handy-Display Vollgas. Fiat Schweiz hat in diesen Tagen als erster grosser Brand eine nationale Bannerkampagne lanciert. Die Kampagne läuft auf allen trafficstarken Mobile-Sites der Schweiz. Dazu gehören beispielsweise sunrise.ch, 20min oder cash.ch. Fiat wirbt für die Turbodays vom 7. bis 17. September. Dabei geht es um die Lancierung neuer Turbomotoren für die Modelle Punto und Bravo. 120’000 Seitenaufrufe buchte der Autohersteller beim Goldbach-Media-Vermarkter Activemobile, der sich auf Mobile Advertising spezialisiert hat («Werbung im Taschenformat», WW vom 22. August 2007).
Hinter dem interaktiven Auftritt von Fiat Schweiz steckt die Agentur Onemotion. Seit 2005 vertraut Fiat auf die Dienstleistungen der Agentur, die kontinuierlich die Mobile-Präsenz ausbaut. Der Schweizer Ableger des Turiner Autokonzerns will das mobile Internet als zusätzlichen Kanal nutzen, um Informationen zur Marke und den Autos der jungen Käuferschaft zugänglich zu machen. Mobile Advertising ist neben SMS und dem Wap-Portal ein weiterer Schritt in diese Richtung.
Obwohl die Entwicklung des Internets im Handyformat noch in den Kinderschuhen steckt, setzt der italienische Autohersteller bereits heute einen hohen Standard innerhalb der Branche und gegenüber allen anderen Angeboten. «Der Auftritt von Fiat ist einmalig», sagt Mike Weber von Activemobile. Fiat ist deshalb weit voraus, weil sich der Autohersteller nicht nur auf die Darstellung von Informationen beschränkt, sondern konsequent in allen möglichen Kanälen die Interaktion mit den Usern sucht. Neben einer breiten Auswahl an Downloads können Wap-Surfer auf eine Händlersuche zurückgreifen, mit der Direktwahl-Funktion mit ihm telefonisch in Kontakt treten, Kataloge bestellen oder Probefahrten mit neuen Modellen buchen. Hinzu kommt, dass Onemotion neben Gratis-Downloads auch ein Handy-Game anbietet. Das Spiel mit dem Namen «Lauberhorn», das auch als Flash-Game im Internet zu finden ist, geht dieses Jahr bereits in die zweite Runde und ist bezüglich Ingame-Branding für den Panda 4×4 äusserst erfolgreich. Die Handy-Game-Version wurde bereits über 20’000 mal runter geladen.
Handy-Werbung ist etabliertFiat-Schweiz-Marketing-Chef Wilfried Karl will verstärkt auf das Zukunftsmedium Handy setzen: «Man kann es mit der Situation Mitte der 90er vergleichen, als viele Firmen einen Internet-Auftritt als nicht zwingend und Bannerwerbung als unnütz abgetan haben. Heute wissen wir, dass beide im Marketing-Mix etabliert sind. Wir wollen uns im Bereich Mobile nicht schwer tun.»
Die Erfolge geben der Pionierstrategie von Fiat Recht. Derzeit experimentiert noch kein Autohersteller so gekonnt wie der Turiner Autokonzern. Zwar starten Autogiganten wie Ford oder Toyota in den USA und BMW in Deutschland auch Kampagnen mit dem Ziel, das Mobiltelefon miteinzubeziehen. Jedoch nur sporadisch, wie Martin Hochuli von Onemotion meint. «Uns ist kein Autohersteller bekannt, der so konsequent das Mobiltelefon mit Inhalten verknüpft wie Fiat.»
Für Fiat macht sich die konsequente Strategie bezahlt. Seit der Lancierung der Bannerkampagne verzeichnet das Unternehmen hohe Zugriffszahlen. Abgefragt würden vor allem Informationen über Modelle. Pro Tag werden in der Schweiz über das mobile Fiat-Portal mindestens drei Kataloge bestellt oder Probefahrten gebucht. Noch eine andere Kennzahl deutet darauf hin, dass Fiat mit der Mobile-Strategie richtig fährt. Die Klick-Rate bei der laufenden Bannerkampagne betrage laut Activemobile 2,5 Prozent. Sie ist damit um zwei Prozentpunkte höher als im Internet.
Grund für die hohen Zugriffzahlen ist auch die Vernetzung. Das Mobile-Angebot von Fiat ist bei der Suchmaschine Google und in der Online-Enzyklopädie Wikipedia gut platziert, was dazu beiträgt, dass nicht nur User aus der Schweiz auf das Mini-Web zugreifen, sondern aus der ganzen Welt Besucher registriert werden. Martin Hochuli: «Von Schweden bis Südafrika besuchen User das Portal oder lassen sich über die Download-Funktionen im Internet Bilder aufs Handy senden.» Pro Tag sammelt Fiat Schweiz durchschnittlich 100 Adressen.
Christian Lüscher
Fiat mit neuem Markenemblem
Um die angeschlagene Traditionsmarke
wieder auf Wettbewerb zu trimmen, wechselte der Konzern Anfang dieses Jahres das Logo. Seit der Gründung von Fiat 1899 wurde das Markenlogo 15 Mal renoviert. Mit der Markteinführung des neuen Fiat Bravo verabschiedete sich der Turiner Konzern vom kreisrunden Logo mit blauem Hintergrund und silberner Schrift und wechselte auf Rot. Das von Robilant Associati entworfene Symbol erinnert an das berühmte Fiat-Schild, das von 1931 bis 1968 auf der Front der Fiat-Fahrzeuge prangte. Markenchef Luca De Meo sagte zum Wechsel: «In diesem entscheidenden Umfeld dynamischer Entwicklung wollen wir ein Zeichen setzen und auch unser Markenlogo erneuern. Es steht als Signal für die Wiederbelebung.» Experiment mit IP-TV
Abarth
ist ein zum Konzern gehörender Automobiltuner. Um die legendäre Marke wiederzubeleben, ist Fiat daran, im Bereich IP-TV Fuss zu fassen. Die Idee: In absehbarer Zeit will Fiat auf www.abarth.tv Rally- Rennen zeigen. Neben dem ehrgeizigen TV-Projekt soll auch im Internet weiter gearbeitet und ausgebaut werden. In welche Richtung der Auftritt tendiert, zeigt bereits der 3D-Konfigurator unter fiat500.com für den Cinquecento, der bald auf Schweizer Strassen zu sehen sein wird.
