Eine Buchhandlung für Architektur

Design Hochparterre Bücher – so heisst Zürichs neue Buchhandlung. Sie bietet alle wichtigen Bücher zu Architektur und Design sowie ausgesuchte Bücher zur Kunst an.

 
Design Hochparterre Bücher – so heisst Zürichs neue Buchhandlung. Sie bietet alle wichtigen Bücher zu Architektur und Design sowie ausgesuchte Bücher zur Kunst an. Der Laden ist an der Gasometerstrasse 28 im Kreis 5 eingerichtet. Damit erfüllen der Verlag Hochparterre und der Buchhändler Hanspeter Vogt sich und vielen Menschen einen Herzenswunsch: Wir haben wieder einen Ort, wo wir schmökern, Trouvaillen finden, Freunden begegnen und alle Bücher bestellen können. Aus den Verlagen weltweit steht eine gut assortierte Auswahl im Laden und jedes Buch sonst wird in Kürze beschafft.

Bloss noch eine Liste

Auflagenzahlen Die Wemf überlegt sich eine Praxisänderung bei der Publikation der Auflagezahlen der Schweizer Printtitel. Dazu haben Missverständnisse um die Vorabliste geführt.

 
Auflagenzahlen Die Wemf überlegt sich eine Praxisänderung bei der Publikation der Auflagezahlen der Schweizer Printtitel. Die Auflage ist ein wichtiges Instrument für die Bewertung einer Zeitung, einer Zeitschrift  oder eines Fachtitels. Die  Veränderungen der Auflage widerspiegeln den Biorhythmus von Printtiteln im steten Auf und Ab der Medienbranche dabei besonders gut. Entsprechend gross ist auch die Ungeduld der Medienhäuser, die Zahlen der Konkurrenz vor Augen zu bekommen.  Dieser Ungeduld kam die AG für Werbemedienforschung (Wemf) entgegen und publiziert deshalb seit mehreren Jahren eine provisorische Auflagenliste, noch bevor die beiden externen Prüfgesellschaften PricewaterhouseCoopers und Ernst & Young ihr OK gegeben haben. Missverständnisse um VorablisteMit dieser Vorabliste, die die Wemf bis dato ohne nennenswerte Schwierigkeiten publizierte, gab es heuer Missverständnisse. So haben zum Beispiel Handelszeitungs-Gruppe und Jean Frey Verlag sowie Weltwoche beanstandet, in den berichterstattenden Medien sei der Eindruck entstanden, die beiden Verlage würden ihre Titel in diesem Jahr nicht von der Wemf beglaubigen lassen. Die Missverständnisse haben ihren Ursprung darin, dass einige wenige Verlage erst auf der definitiven Liste mit dem Prädikat «beglaubigte Auflage» erscheinen wollen.
Auf der Vorabliste, auf der das Augenmerk der Schweizer Medien hauptsächlich ruht, sind zwar die Zahlen der meisten Titel bereits vermerkt, doch die definitive Liste erscheint erst im November. Dann interessieren sich die Medien nicht mehr gross dafür, weil die Daten praktisch alle schon bekannt sind. Weshalb aber gibt es zwei Listen? «Das hat historische Gründe», sagt Roland Achermann, Projektleiter Auflagebeglaubigung bei der Wemf. Es habe den Vorteil, dass die Wemf von den ungeduldigen Verlagen der Fachpresse nicht mit Anfragen bombardiert werde und die Fachpresse nicht in mühsamer Kleinarbeit reihum die Auflagen abfragen müsste.
Für die heurigen Missverständnisse hat Achermann keine Erklärung. «Einzelne Medien haben wohl nicht ideal kommuniziert.» Bei der Wemf will man sich überlegen, wie man künftig die Zahlen kommunizieren will. So wird es wohl bloss noch eine Liste geben.
René Worni

Öffentlicher Plakataushang in Winterthur weiterhin durch APG

Der Stadtrat von Winterthur hat im Rahmen eines Submissionsverfahrens beschlossen, den per Ende 2007 gekündigten Vertrag mit der bisherigen Konzessionspartnerin APG zu erneuern.

 Die APG wird in Winterthur weiterhin für den öffentlichen Plakataushang zuständig sein. Der Stadtrat hat im Rahmen eines Submissionsverfahrens beschlossen, den per Ende 2007 gekündigten Vertrag mit dem bisherigen Konzessionspartner zu erneuern. Der Vertrag umfasst rund 630 permanente Plakatstellen und die Möglichkeit für Temporärträger, die insbesondere bei Wahlen und Abstimmungen zum Einsatz kommen. Der Stadtrat will die Plakatrichtlinien aus dem Jahr 1997 aufgrund von Neuerungen wie dem Grossformat F24 und Megapostern anpassen.

«The Rhythm of Football» für die Nichtoffiziellen

Fussball Mit einem Feuerwerk an Ideen will Goldbach Media auch nicht offiziellen Uefa-Sponsoren eine Euro-08-Plattform bieten. Das Public-Viewing-Konzept, WLAN-Stadtnetze und Radioprojekte stehen dabei im Vordergrund.

 
Fussball Mit einem Feuerwerk an Ideen will Goldbach Media auch nicht offiziellen Uefa-Sponsoren eine Euro-08-Plattform bieten. 
Obwohl es bis zum Anpfiff der Euro 08 noch eine ganze Weile dauert, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. An allen Ecken und Enden veranstaltet die Werbebranche Podiumsdiskussionen und Workshops, bis auch der letzte Werber hier im Lande von der Wichtigkeit des grossen Fussballfestes überzeugt ist.Auch die Goldbach-Media-Gruppe hat diese Woche die Branche zusammengetrommelt und ihr Spezialangebot präsentiert. Stefan Halter, Kopf der Euro-08-Aktivitäten bei Goldbach Media, stellte während zweimal 45 Minuten das Spielkonzept vor, mit dem der Vermarkter elektronischer Medien auch nicht offiziellen Uefa-Sponsoren eine Werbemöglichkeit bieten will. Dabei haben sich drei Perlen herauskristallisiert, die laut Halter das Potenzial haben, zu Highlights zu werden. Halter ist überzeugt, dass der Euro-08-Zug auch für nicht offizielle Uefa-Sponsoren keinesfalls abgefahren ist.
Perle Nummer eins ist laut Halter ein drittes Public-Viewing-Konzept. Spätestens seit der Weltmeisterschaft in Deutschland ist ein Fussball-Grossanlass ohne diese öffentlichen Partys undenkbar. Analog zu den UBS-Arenen bietet Goldbach Media für Werbetreibende die Möglichkeit, ihre Marken an insgesamt 14 «provinziellen» Standorten in Szene zu setzen. Der Vermarkter aus Küsnacht konnte von den 14 geplanten Standorten 7 vertraglich sichern. Grosser Unterschied zu den Public- Viewings der Uefa: Die Marken können einzeln auftreten. Was heisst, dass beispielsweise in Zug eine Ikea-Arena und in Baden eine Swiss-Arena für Feststimmung sorgen könnten. Wie aus der Präsentation zu erfahren war, erwartet man an den geplanten Standorten 1,9 Millionen Fans.
Die zweite Perle, die Stefan Halter präsentierte, trägt den Namen WLAN-City. Während des Fussballfestes wird in den sieben grossen Deutschschweizer Städten ein drahtloses Internet installiert. In Luzern steht bereits das erste flächendeckende WLAN-Stadtnetz der Schweiz und erlaubt in der ganzen Stadt einen kabellosen Zugriff aufs Internet. Zur konkreten Vermarktungsidee: Mit einer speziellen Internet-Karte, die beispielsweise bei der Einreise oder mit dem Kauf eines Produktes abgegeben wird, ist es den Fans möglich, mit Laptops oder Mobiltelefonen on- line zu gehen. Auf der Einstiegseite würde die Marke in Szene gesetzt.
Die dritte Perle der Präsentation ist ein Radiokonzept, dessen Namen noch nicht feststeht, aber spätestens nach Bekanntgabe der teilnehmenden Nationalmannschaften kommuniziert wird. Wie Stefan Halter ausführte, versteht sich das EM-Radio als temporär ergänzendes Radio zu den öffentlichen Stationen und privaten Sendern. Während 30 Tagen wird das Radio nonstop unter dem Motto «The Rhythm of Football» über die EM berichten.
Christian Lüscher

«Wir bauen ein Ratingsystem auf»

Interview Joe Philport, Präsident des Traffic Audit Bureau (TAB), erklärt, wie man messen kann, ob Passanten Aussenwerbung mehr oder weniger stark beachten.

 
Joe Philport, Präsident des Traffic Audit Bureau (TAB), erklärt, wie man messen kann, ob Passanten Aussenwerbung mehr oder weniger stark beachten. 
WW: Warum braucht Amerika ein neues Messsystem für Aussenwerbung?Joe Philport: Das bisherige System wurde in den 30er-Jahren geschaffen und schätzt schlichtweg nur die Anzahl der Passanten, die an einer Werbetafel vorbeigehen. Man bekommt damit keine besondes detailierten Informationen wie zum Beispiel demographische Daten.
Was soll sich denn ändern?Die Neuheit an diesem System, das das TAB derzeit testet, ist die so genannte «Eyes on»-Komponente. Damit wird erforscht, welche Werbung für die Passanten bemerkbarer ist. Es geht also darum, wie weit die Plakatwände von der Strasse entfernt sein müssen oder an welcher Art von Strasse sie stehen sollten. Als «bemerkt» gilt eine Werbung bereits dann, wenn das Auge für lediglich zwei Zehntel einer Sekunde auf einem Plakat ruhte.
Was haben die Marketer davon?Wir bauen damit ein richtiges Ratingsystem für Ein- und Verkauf von Aussenwerbung auf. Es wird in allen 200 US-Märkten gelten. Unsere Mitglieder erwarten, dass es ab Oktober 2008 vollständig implementiert ist. Immerhin bezahlen sie in den nächsten fünf Jahren 25 Millionen Dollar dafür.
Interview: Gerti Schön
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«Werbung geht immer näher ran»

Neues von der Neuen Lgk: Trainer Max

Die Agentur Neue Lgk aus Bern und Zürich hat Mitte September eine Crossmedia-Kampagne für die Online-Versicherung KPT gestartet. Ziel der Kapmpagne ist es, Schweizerinnen und Schweizer gesund und fit zu halten.

Die Agentur Neue Lgk aus Bern und Zürich hat Mitte September eine Crossmedia-Kampagne für die Online-Versicherung KPT gestartet. Kern der Kampagne die eigenständige Microsite Einzeltraining.ch. Ziel ist es, Schweizerinnen und Schweizer gesund und fit zu halten. Der Trainer Max stellt jedem kostenlos ein individuellesFitness-Programm zusammen und begleitet durch das ganze Training.
Trainer Max wird landesweit mit Plakaten, einem TV-Spot, Busplakaten und Banners vorgestellt. Bis heute hätten sich bereits über 70’000 Personen zum Training mit Max angemeldet, heisst es in einer Mitteilung.
Das Trainingsprogramm wurde in Zusammenarbeit mit Sportmedizinern aus Berlin entwickelt. Für die technische Umsetzung verantwortlich ist Netvertising aus Zürich. Der TV-Spot sowie die 250 Videomodule mit Trainer Max entstanden in Zusammenarbeit mit Solid & Hallerfilm unter der Regie von Rainer Binz.
 
Verantwortlich bei KPT/CPT:

Reto Egloff (Mitglied der Geschäftsleitung), Maya Burri (Leiterin Marketing)Verantwortlich bei der Neuen Lgk Kommunikations AG:
André Benker (CD), Stephan Wittwer (AD), Lukas Schmid Text, Silvano Spezia, Mirjam Huber, Claudia Chryselius Beratung, Webdesign: Netvertising; Trainings-Tool: xx-well.com, Berlin; Spot-Produktion TV, Videos Microsite: Solid & Hallerfilm; Regie: Rainer Binz.

Soziale Hilfe statt bloss verramschen

Haushalt Wirz zeigt für das Brockenhaus, wie man im Haushalt Platz für Neues schafft. Mit ihrer Kampagne versucht die Werbeagentur dem gegen die Konkurrenz der Online-Auktionshäuser kämpfenden Haus wieder Auftrieb zu verschaffen.

 
Haushalt Wirz zeigt für das Brockenhaus, wie man im Haushalt Platz für Neues schafft. 
Wer zehn Jahre oder gar länger in derselben Wohnung lebt, weiss gut, was sich so alles in einem Haushalt ansammeln kann. Hier ein veralteter Plattenspieler, der noch perfekt funktioniert, dort ein Hometrainer, der seit Jahren im Schlafzimmer herumsteht. An diese «Alles-Sammler» in der Region Zürich richtet sich die neue Brockenhaus-Kampagne, die von Wirz Werbung entwickelt wurde. Bei der Agentur, die das Brocki schon seit vier Jahren betreut, wollte man mit den plakativen Sujets das Konzept ein bisschen öffnen: Nicht nur grundsätzlich die Existenz des Brocki in Erinnerung rufen, sondern «den Müll dramatisieren, der für das Brockenhaus einen immer noch verkaufbaren Wert hat», meint CD Matthias Freuler. Ein Problem für die soziale Institution ist nämlich, dass solche Dinge heute immer mehr auf einer Auktion bei Riccardo landen, während das Brocki nur noch als gratis arbeitende Sperrgutabfuhr missbraucht wird.
Andreas Panzeri

Werbung geht immer näher ran

Medienforschung In den USA bemüht man sich verstärkt um feinere Messmethoden für die Mediennutzung. Auf digitalen Werbetafeln müssen 12 Sekunden genügen, um die Botschaft zu platzieren.

 
Medienforschung In den USA bemüht man sich verstärkt um feinere Messmethoden für die Mediennutzung. 
Daten zur Mediennutzung sind zwar auf der ganzen Welt das A und O für die gesamte Marketingindustrie, aber als besonders sexy gilt das Thema nicht gerade. «Wer geht schon gern mit einem Medienforscher zum Mittagessen», fragte daher provokativ der Chef von Nielsen Connect, Jon Mandel, kürzlich auf einem Panel der New Yorker Advertising Week und gab damit seine Meinung dafür kund, warum integrierte Medienforschung für viele Medienprofis bis heute noch ein Rätsel ist.
Nielsen ist das in den USA dominierende Medienforschungsunternehmen. Es widmet sich seit einigen Jahren der Integration von Messungen verschiedenster Plattformen, also nicht mehr nur TV, Radio, Print und Internet, sondern auch Handys, iPods, In-Store- und Aussenwerbung sowie Videogames. Dafür nutzt man bei Nielsen die Daten aus einem 12’000 Haushalte umfassenden nationalen Panel. Weil Nielsen seinen Kunden, die wegen der Marktdominanz in der Regel deftige Preise für die Produkte zahlen, eine umfangreiche Analyse bieten will, nennt man die Initiative «Anytime Anywhere Media Measurement», kurz: A2M2.
Marketing-Leute unzufriedenSeit Jahren beklagen Marketingunternehmen die zunehmende Fragmentierung der Medienforschung. «Für eine unserer integrierten Kampagnen bekamen wir Printdaten vom Audit Bureau of Circulations, Internetzahlen von Comscore und TV-Messungen von Nielsen», klagte Beth-Ann Eason, Senior Vice President beim Medienunternehmen Martha Stewart Living. «Dabei wird der Heilige Gral der Messbedürfnisse, das Nutzer Engagement, überhaupt nicht gemessen.» Doch jenes «Engagement», also wie intensiv sich ein Medienkonsument mit einer Werbebotschaft auseinander setzt, kann derzeit freilich niemand genau feststellen.
Ein Beispiel, das dem jedoch zumindest in Ansätzen nahe kommt, ist immerhim die Messung des so genannten Buzzmarketings. Nielsen analysiert hier, was die Konsumenten in Blogs und öffentlichen Chatrooms über ein bestimmtes Thema sagen. Erfolgereich war hier nach Jon Mandels Schilderung etwa ein Rechercheauftrag für einen Pharmakonzern über Diabetes. Untersucht wurde, was die Konsumenten am meisten beschäftigt, welche Art von Diabetes dominiert, was als positiv und negativ bewertet wurde. «Früher gab man eine Untersuchung in Auftrag, um eine bereits gefällte Entscheidung damit zu rechtfertigen», sagte Mandel. «Das hat sich mit den neuen Technologien geändert.»
Süsse ZielgruppeSelbst Computerspiele fallen seit diesem Sommer mit in den Messbereich von Nielsen, also wie sehr die Spieler «InGame-Advertising» in Konsolen wie Xbox, Wii oder Playstation wahrnehmen. «53 Prozent der Amerikaner haben Zugang zu einer Konsole», sagte Jeff Hermann, Vice President von Nielsen Games. «Besonders süss ist für die Marketer die Zielgruppe der 13- bis 24-jährigen männlichen Nutzer.»
Auch in der Aussen- und Out-of-Home-Werbung, neben der Internetwerbung eine der am schnellsten wachsenden Werbekategorien in den USA, verlangen werbetreibende Unternehmen verstärkt nach verlässlichen Messungen (siehe
«Wir bauen ein Ratingsystem auf»
), wie und in welchem Umfang die Werbebotschaften wahrgenommen werden. Ein Pilotprojekt hat vor kurzem das Mall-Netzwerk Adspace abgeschlossen, das seine knapp drei Meter hohen digitalen Billboards in rund 100 Luxus-Shoppingcentern in den USA aufstellt und damit laut Firmenauskunft rund 100 Millionen Besucher erreicht. «Die Werbeunternehmen wollten einfach substanziellere Ergebnisse», begründete Bill Ketchum, Senior Vice President Marketing von Adspace, die Befragung. Im Rahmen der Studie wurden 600 Besucher einer Mall in ausführlichen Interviews befragt, inwieweit sie sich an die Inhalte der Werbetafeln erinnerten. 47 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich tatsächlich an das beworbene Produkt erinnerten. Die digitalen Werbetafeln zeigen eine Reihe von zwölf Sekunden langen Videoclips, in denen die Sonderangebote des Tages beschrieben werden. Längere Clips werden nicht empfohlen, weil die Kunden in der Regel nicht so lang davor stehen bleiben. «Out-of-Home-Werbung hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, weil bei den Marketingunternehmen das Bedürfnis besteht, direkt an den Point of Purchase der Kunden heranzutreten», sagte Paul Lindstrom, Senior Vice President für Custom Research bei Nielsen, das an der Adspace-Studie mit beteiligt war. «Je näher der Kunde am Einkaufsort ist, desto relevanter ist die Botschaft für ihn und desto wahrscheinlicher kauft er auch etwas.»
Gerti Schön, New York
 
 

«Hier dauert alles etwas länger»

Interview Marc Görtz, 43, seit 2005 Geschäftsführer von Ringier-TV und seit 1. Juli in der Ringier-Geschäftsleitung verantwortlich für die elektronischen Medien, zur TV-Digitalisierung und den Aussichten, die Produzenten mit den neuen Medien haben.

 
Marc Görtz, 43, seit 2005 Geschäftsführer von Ringier-TV und seit 1. Juli in der Ringier-Geschäftsleitung verantwortlich für die elektronischen Medien, zur TV-Digitalisierung und den Aussichten, die Produzenten mit den neuen Medien haben.  
WW: Die Digitalisierung hat – etwas schneller als erwartet – auch die klassischen Medien und damit das Fernsehen erreicht. Ist die Branche gut darauf vorbereitet?Marc Görtz: Bis die technologischen Möglichkeiten auch die Massen erreicht haben werden, dauert es noch ein Weilchen. Das gilt auch für die Digitalisierung beim Fernsehen, obwohl man hier in Riesenschritten voranschreitet. Das digitale Angebot von Cablecom und Bluewin-TV wird in der Schweiz von rund 200’000 Haushalten genutzt, also nicht einmal 10 Prozent des Marktes. Aber hier reden wir von der Distribution des Signals. Die Inhalte sind im Wesentlichen die gleichen wie bis anhin. Die Interaktivität, wie dies in England fleissig praktiziert wird, ist sehr gering. Die Sender, in der Schweiz natürlich in erster Linie die SF-Kanäle mit ihren grossartigen Möglichkeiten, setzen aber zunehmend zum Mediensprung an und machen ihre Inhalte online verfügbar.
Die digitale Technologie impliziert ja Möglichkeiten, die analog nicht machbar sind. Zum Beispiel die Unterteilung des Bildschirms mit unterschiedlichen Inhalten.Die Kernfrage ist, was will der Zuschauer. Bild in Bild ist lustig, aber in der Regel schaue ich mir einen Sender im Vollbildmodus an, nicht auf zwei Schirmen, ich hab zwar zwei Augen, aber die gucken in der Regel in eine Richtung. Bei der Interaktivität hab ich meine Zweifel, ob die Zuschauer überhaupt in einen Dialog mit den Sendern treten wollen. Das grossartig gefloppte Betty TV ist wohl als Indikator dafür zu verstehen, dass es wohl noch ein weiter Weg sein wird, bis die Leute auch tatsächlich interaktiv werden wollen. Fernsehen ist über lange Jahre gelernt. Es ist ein lineares Medium mit Einwegkommunikation. Mehr Aktivität als Rumzappen will niemand.
Welches ist denn aufgrund der Digitalisierung derzeit die grösste Herausforderung für das Fernsehen?Gegenwärtig ist das weniger die technologische Entwicklung als vielmehr die Frage, wie man die Zuschauer vor sein Programm kriegt. Die Digitalisierung bringt ja vor allem eine unerhörte Fragmentierung und eine bislang nicht gekannte Vielfalt an Sendern. Ich habe Bluewin-TV zu Hause, bin aber noch selten beim chinesischen CCTV oder beim russischen Channel 1 hängengeblieben. Ich halte mich an die Gewohnheiten und an die Leuchttürme, weil ich weiss, was mich hier erwartet. Sender sind Marken geworden. Sich als Marke zu etablieren ist die grosse Herausforderung der Sender. Kopfschmerzen bereitet den werbefinanzierten Sendern aber vor allem die Art und Weise, wie zunehmend TV konsumiert wird. Was mich betrifft, so schaue ich heute TV praktisch nicht mehr linear nach Zeitfahrplan. Ich programmiere Sendungen, die ich sehen will via Web und schau sie mir dann an, wenn ich Zeit und Lust dazu habe. Da prallen natürlich Welten aufeinander. Selbstverständlich schaue ich mir Werbung höchstens im Schnellvorlauf an. Ich will nicht mitreden oder das Programm mitgestalten, aber ich will selber bestimmen können, wann ich es mir ansehe.
Wo bleiben die Jugendlichen?Die schauen heute praktisch nicht mehr normal fern. An diese heranzukommen ist heute die grosse Herausforderung. Deshalb bauen die Sender ihr Online-Angebot ja auch massiv aus und versuchen, ihren Brand auf allen möglichen digitalen Medien zu etablieren. Ob das mit den herkömmlichen Inhalten gelingt, bezweifle ich.
Gut, online gehen heute alle Sender, das ist ein Gebot der Stunde.Im Vorteil sind diejenigen, die attraktive Online-Rechte besitzen und eine hohe Newskompetenz haben. Allerdings ist es ein Trugschluss zu glauben, dass das klassische TV-Modell online oder mobil gleich funktioniert, wie über das Kabel. In einer Transitionsphase, in der wir heute stecken, ist es okay, die alten Inhaltsformen auf die neuen Medien zu bringen. DVB-H beispielsweise, das Handy-TV, das im nächsten Jahr gelauncht wird, hat eine ganz grosse Zukunft. Allerdings nicht mit den Inhalten, mit denen es zu Beginn vorwiegend an die Kunden gebracht werden soll, also mit ein paar Free-TV-Sendern. Der langfristige Erfolg kommt mit «made for mobile»-Content, also Inhalten, die spezifisch für dieses Medium hergestellt werden. Diese Inhalte müssen erst noch entwickelt und vom Publikum angenommen werden. Das wird dauern. Aber es wird gelingen. Der Treiber für bewegte Bilder online waren auch nicht die Angebote der TV-Sender, sondern v. a. User Generated Content, wie wir ihn auf Youtube, My Video oder Clipfish finden.
Digitalisierung führt also auch dazu, dass die Grenzen zwischen den einzelnen Medien und ihren Kanälen verschwimmen, andererseits fragmentiert sich das Publikum. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil? Aus Sicht eines Produzenten ist das eine tolle Ausgangslage. Bei den TV-Stationen stehen Gatekeeper, die stark nach Bauchgefühl bestimmen, was ihr Publikum auf den raren Sendeplätzen zu schmecken hat. Logisch, wird da der Massengeschmack nur selten getroffen. Die Digitalisierung öffnet Türen. Jeder kann einen Spartenkanal eröffnen oder im Internet drauflossenden. Das ist wahre Vielfalt mit grandiosen Floprisiken, aber auch grossen Chancen.
Man weicht als Produzent einfach auf andere Medien aus, weil man kein eigenes besitzt. Das ist kein Ausweichen, sondern ein Erweitern. Unser Webcenter, eben erst gegründet, realisiert mit einer Crew von bereits zehn VJs bewegte Bildinhalte ausschliesslich für Websites wie zum Beispiel Cash.ch, Schweizerillustrierte.ch und Blick.ch. Bei Blick haben wir mit «Blickpunkt» das erste Web-Magazin einer News-Site realisiert. Der Erfolg ist überwältigend und macht im Ansatz deutlich, welche Möglichkeiten sich hier für Produzenten eröffnen.
Wird herkömmliches Fernsehen verschwinden?Nein, wenn wir von einem Zeithorizont von zehn Jahren sprechen. Aber Fakt ist: Das Medium verliert kontinuierlich Zuschauer, v. a. jüngere, die ihre bewegten Inhalte zunehmend anders konsumieren.
Das heisst, Fernsehen im klassischen Sinn wird auch als identitätsstiftendes Massenmedium an Bedeutung verlieren, denkt man zum Beispiel an die «Tagesschau»? Es ist noch nicht lange her, als die «Tagesschau» regelmässig eine Million Zuschauer hatte. Davon ist man heute deutlich entfernt. Das hat nichts mit Qualität zu tun, sondern damit, dass das Medium bröckelt. Wenn man zudem bedenkt, dass das Durchschnittsalter des SF-Flaggschiffs knapp 60 Jahre ist, wird klar, dass die Identitätsstiftung zumindest bei den Jugendlichen nicht über die «Tagesschau» stattfindet. Die haben ihr heute, ihr 20 Minuten, gehen auf Google und Yahoo, um ihre Newsbedürfnisse abzuholen. Und sie werden nicht zu den alten Medien zurückkehren. Meine Generation ist mit der «Tagesschau» aufgewachsen, Alternativen gab es kaum. Aber heute muss ich nicht mehr bis halb acht abends warten, um meine Newsbedürfnisse zu decken.
Was sind die nächsten Veränderungen des Fernsehens in unmittelbarer Zukunft?Wir haben relativ grosse Flopraten, nicht nur in der Schweiz, das ist in Deutschland nicht viel anders. Die Herausforderung ist, neue Formate zu finden, die auch auf weiteren Plattformen verwendbar sind und einerseits bei der jungen Zielgruppe zum Thema werden, andererseits aber die älteren Zuschauer nicht erschrecken – ein schwieriger Spagat. Es geht aber auch um die Konvergenz der Inhalte. Die müssen an die heutigen Bedürfnisse und mediumgerecht aufbereitet werden. Ich bin jetzt rund 14 Jahre im TV-Bereich tätig. Gerade im Free-TV-Bereich war es noch nie so schwierig wie jetzt, Inhalte zu produzieren, welche die Leute auch wirklich sehen wollen. Wirklich noch gut laufen im Moment grosse Events und US-Serien und Movies. Hausgemachtes hat es sehr schwer. Diejenigen, die sich vom TV verabschiedet haben, müssen wir auf anderen Vektoren mit mediumgerechten Inhalten abholen. Das ist vor allem auch eine grosse Chance für die Hersteller von Inhalten.
Für das Gedeihen von Web-TV, Mobile und so weiter ist die Werbung ein wichtiger Motor. Wie sehen Sie hier die Zukunft?Internetwerbung ist zu billig. Das wird sich mit dem Reifegrad des Mediums ändern, keine Frage. Die Werbewirtschaft und die ContentAnbieter sind im Frühstadium eines noch langen Lernprozesses. Mit guten Inhalten kommen die Reichweiten. Und mit Reichweiten kommt der Werbefranken. Wie in keinem Medium sonst gilt in den neuen Medien das Prinzip des Trail and Error. Die Schweiz ist träg, optimistisch geschätzt ist der Online-Anteil am Werbekuchen in diesem Jahr gerade mal bei 2%, beim Nachbarn Frankreich liegt er bereits bei über 10%. Die neuen Medien werden auch hier explodieren, und dass es dabei zu grossen Umschichtungen in die digitalen Kanäle kommt, ist ausser Frage.
Interview: René Worni

Das Sprachrohr

Manu Wüst will mit der Agentur manu wüst pro motion alte Kontakte in neuen Konstellationen für überraschende Ideen in Bewegung setzen.

 
Manu Wüst will mit der Agentur manu wüst pro motion alte Kontakte in neuen Konstellationen für überraschende Ideen in Bewegung setzen. 
Ihr Geschäftspapier zeigt als Logo einen Trichter. Das Sprachrohr aus der Kreation von WHS wurde 1997 mit einem ADC-Würfel in Bronze ausgezeichnet. Das war im Stil kein schlechter Start. Und bildlich auch ein passender für eine frühere Radiofrau, die sich vor zehn Jahren mit einer «Agentur für Kommunikation» erstmals selbstständig machte.
Seither haben sich viele spannende Arbeiten, Wendungen und Entwicklungen ergeben. Eine davon ist jetzt ein neues Büro an der Zürcher Bederstrasse. Damit ist noch einmal eine grosse Bewegung Richtung «Durchstarten» in die Idee von pro motion gekommen. Zu sehen sind die Arbeiten dieser jüngsten Phase zurzeit quer durch die ganze Stadt. Ein diese Woche vom Stapel gelassenes Jubiläumstram 125 Jahre VBZ sowie die damit verbundene Plakataktion mit VBZ-Passagieren, die von Starfotograf Alberto Venzago porträtiert worden sind, zeigen aber nur das Schlussfeuerwerk einer Jubiläumsfeier, die manu wüst pro motion über mehrere Monate beschäftigt hat. Doch blenden wir zurück.
Manu Wüst, 13 Jahre beim Radio in den verschiedensten Funktionen und davon 6 als Chefin von DRS 3, war eine der ersten Kaderfrauen der SRG. Mit 43 Jahren fand sie sich für diesen Sender zu alt. Aber gleichzeitig fühlte sie sich noch viel zu jung für die Beförderung in einen dieser verdienten Posten auf der Etage «Planung und Koordination». Für Manu Wüst war 1997 die beste Zeit, wo sie noch einmal etwas ganz Neues und Eigenes probieren wollte. Das Sponsoring wurde immer populärer. Und bei solchen Kooperationen und dem Zusammenführen der unterschiedlichsten Partner sah die frisch gebackene Jungunternehmerin auch vielversprechende Möglichkeiten für ihre eigene Firma.
Schon als Chefin von DRS 3 hat Wüst als erste bei einem SRG-Radio viele Konzertrechte aus der Sparte Pop, Jazz und Rock eingekauft. Wie der private Vorreiter Radio 24 in diesem Markt hat sie bei DRS 3 solche Live-Übertragungen ebenfalls mit Sponsoring finanzieren müssen. Dadurch haben sich wertvolle Erfahrungen und spannende Kontakte in den verschiedensten Bereichen angesammelt, die Wüst schliesslich auch mit ihrer neuen Firma nutzen wollte. «Das Radio hat mir eine gute Starthilfe ermöglicht.»
So durfte ihre eigene Firma für DRS 3 auf Mandatsbasis weiterhin Sponsoren akquirieren. In Kooperation mit dem Magazin Facts von Tamedia hat Wüst auf DRS 3 das morgendliche Quiz «Tango» lanciert. Mehrere Jahre lang hat ihre Agentur die Schweizer Familie mit Verlagsleiter Roland Wahrenberger als Sponsor für die Hitparade gewinnen können. In Kooperation mit dem Heft hat sie auch die erste CD-Compilation mit Schweizer Hits produziert sowie verschiedene externe Partys rund um die Institution der Schweizer Hitparade realisiert. «Hinaus zu den Leuten und einen direkten Kontakt mit dem Publikum suchen war schon damals ein wichtiges Ziel für mich», beschreibt Wüst einen heute noch gültigen Schwerpunkt für ihre Kommunikationsarbeit: Stichwort Kundenbindung.
Nahe zu den Leuten wollte sie auch schon früher mit einem Sondertram für die Fachstelle Naturschutz. Zwei Jahre lang hat pro motion damit der Zürcher Bevölkerung gezeigt, was die Fachstelle eigentlich leistet. Im Tram wurden in wechselnden Installationen verschiedene Themen abgehandelt. Dazu gab es alle drei Monate eine Medienkonferenz, bei der auch betroffene Politiker mit einbezogen wurden. Wüst hat für dieses Sondertram nicht nur die Ideen geliefert, sondern auch die Sponsoren vermittelt und die ganze Medienarbeit betreut. «Meine Verbindungen zu verschiedensten Medienleuten aus den vielen Jahren beim Radio machte es schon damals einfacher, auch engagierte Themen in den Medien platzieren zu können.»
Eingestiegen in die Welt der Kommunikation ist Manu Wüst bei der Condorfilms. Nach einem – «typisch Journi» – abgebrochenen Lehrerseminar und Dolmetscherschule ohne Diplom konnte sie sich beim Film bis zur Aufnahmeleiterin entwickeln, bevor es endlich mit ihrem Wunschtraum als Stagiaire beim Radio klappte. In zwei Jahren beim kurz vorher gegründeten DRS 3 lernte sie den Job von der Pike auf. Während den folgenden insgesamt 13 Jahren bei DRS 3 und später auch DRS 1 realisierte Wüst grosse Hintergrundsendungen, arbeitete politisch für das Regionaljournal und wurde schliesslich Produzentin für Begleit-, Alters-, Kinder- und Jugendsendungen, bevor sie 1991 zur Programmleiterin von DRS 3 gewählt wurde.
Nach sieben Jahren Selbstständigkeit mit ihrer Agentur hat sich Manu Wüst später noch einmal anstellen lassen. In der Kommunikationsabteilung von Unicef Schweiz hat sie 2003 die Zürcher Unicef-Night organisiert und neben «Kinderstimmen aus aller Welt» viele Promis von Moritz Leuenberger bis «Star Wars»-Legende Christopher Lee für die Zürcher Gala begeistert.
Nach 18 Monaten wechselte Wüst als Leiterin der Unternehmenskommunikation zur VBZ, dann 2005 erstmals in den Printjournalismus in die Redaktion des Tages-Anzeigers. Beim Pilotprojekt für die Regionalausgaben wirkte sie «wieder einmal als ganz gewöhnliche Journalistin» in der Redaktion für das linke Seeufer. Dann schien in diesem Frühling – zehn Jahre nach dem ersten Schritt in die Selbstständigkeit – die Zeit noch einmal reif für manu wüst pro motion. «Ich spürte, dass ich wieder etwas mehr Abwechslung haben muss.»
Ihre Neuauflage von manu wüst pro motion soll nun weder ein PR-Büro noch eine Eventagentur sein. Manu Wüst bezeichnet sich als «extrem vielseitig». Mit ihrer Arbeit will sie verschiedenste Facetten ihres Könnens und ihrer Interessen verbinden. «Ideen aushecken, Konzepte erarbeiten, Projekte leiten, Leute verbinden, Medien kontaktieren.» Dabei organisiert sie auch gerne – und zwar «am liebsten», was sie auch selber ausgedacht hat.
Zu den anstehenden Aufgaben gehört ein Mandat für den Zoo Zürich. Diesen soll manu wüst pro motion auch für die erwarteten Touristen während der kommenden Fussball-Euro bekannt machen. Mit dem neuen Beobachter-Verlagsleiter Roland Wahrenberger ist sie im Gespräch für verschiedene Projekte. Möglich ist auch, dass Manu Wüst in Zukunft ebenfalls bei Aufgaben zwischen der Schweiz und Berlin vermittelt. In der Metropole in Deutschland hat sie vor kurzem zusammen mit ihrem Mann eine Wohnung gekauft. Dieser, Stabschef von Stadträtin Kathrin Martelli, absolvierte einen Teil seines MBA in Berlin und war von dieser Stadt auf Anhieb begeistert. Manu Wüst, die ihn dort besuchte, teilte seine Liebe zur deutschen Hauptstadt und gemeinsam beschlossen sie, diese zur zweiten Heimat zu machen.
Andreas Panzeri

Chaostage in Bern

Kolumne Pieros Amokfahrt ins Ringier-Pressehaus, das Mitgefühl des Medienministers für den Täter als Opfer und Blochers Njet zu Ueli Maurers SVP-Zeitung, deren eventuelles Nichterscheinen unser Kolumnist schon jetzt bedauert.

 
Kolumne Pieros Amokfahrt ins Ringier-Pressehaus, das Mitgefühl des Medienministers für den Täter als Opfer und Blochers Njet zu Ueli Maurers SVP-Zeitung, deren eventuelles Nichterscheinen unser Kolumnist schon jetzt bedauert. 
Die Zeitungen gehörten einst einem Verleger, der auch Chefredaktor und Nationalrat war. Die Welt damals war in Ordnung und die Medienordnung relativ heil. Wahrscheinlich werden Historiker einmal zur Einsicht gelangen, dass die alte Medienordnung mit dem Kalten Krieg zu Ende ging. Mit ihm begann auch der Aufstieg der SVP, die das verlorene Feindbild Moskau durch Brüssel ersetzte. Wir bekamen durch die «Arena» und die SonntagsZeitung zum Teil sehr viel freiere, aber auch gehässigere Debatten und mehr Klamauk.Die SVP hat mit ihren Provokationen von der Medienentwicklung profitiert und sie beschleunigt – sie ist nicht das schlechteste Beispiel, das die Widersprüche dieser Partei aufzeigt. Sie hat ihren Kulturkampf (die Schweiz im Zweiten Weltkrieg) und die wichtigsten Abstimmungen (Uno, Schengen) verloren. Erfolgreich bleibt sie mit ihren Sündenbock-Kampagnen. Sie bescherte uns den Kolumnisten Mörgeli und Blocher als Bundesrat.
Und versprochen hatte sie vor zehn Tagen eine neue Zeitung. Um uns über einen allfälligen Verlust von Blocher als Bundesrat hinwegzutrösten. Doch etwas anderes als Feindbilder, Verschwörungstheorien und falsche Versprechen hat die SVP in diesem Wahlkampf offensichtlich nicht zu bieten. Dabei hatten wir uns schon so sehr auf die neue Zeitung gefreut. Die Lage ist derart überhitzt, das politische Klima so unerträglich geworden, dass uns die Drohung einer SVP-Zeitung wie ein Versprechen der Rückkehr in die gute alte Zeit erschien. Doch wir werden keine Blocher-Prawda bekommen. Das hat er selber gesagt. Am Tag nach seiner Abwahl wollte Ueli Maurer das Konzept präsentieren und auch gleich durchstarten. Schlimmer ist noch kaum jemand von seinen undankbaren Freunden öffentlich desavouiert worden. Wahrscheinlich wollte Blocher einfach demonstrieren, wie unverzichtbar Blocher-TV ist. Darauf müsste er in der Opposition wohl verzichten.
Uns wäre eine Zeitung aus der SVP-Küche lieber. Denn wir brauchen dringend einen Ersatz für den Blick. Wie weit es mit ihm gekommen ist, demonstrierte uns Piero, als er im Mercedes seiner Mutter durch die Glastür in die Redaktion vorfahren wollte. In der Wemf-Umfrage hat der Blick nochmals 15 000 Exemplare verloren. Kein Prozess, keine Kampagne. Sex und Skandale bringen es auch nicht mehr. Verzweifelt sucht die Redaktion nach neuen Konzepten. Aber dass sich Satire und Boulevard nicht vertragen, das hatte schon der Übersax in den guten alten Zeiten des Kalten Krieges gepredigt. Inzwischen empört er sich in der Weltwoche über die – wörtlich – teure Scheisse der modernen Kunst. Mit ihm hätte die SVP wahrlich eine viel versprechende Zeitung machen können. Wie damals, als der Blick noch schmutzig war und skrupellos seine Kampagnen für die Autofahrer und gegen die Asylanten inszenierte. Wir haben diese Hetze eigentlich lieber auf dem Boulevard als in der Politik und hätten uns auch deshalb über eine SVP-Zeitung gefreut.
Ein SVP-Kampfblatt hätte Moritz Leuenberger auch nicht bloss in der Badehose gebracht, wie damals der zimperliche Blick, sondern richtig nackt ausgezogen – politisch. Wie sehr sich unser feiner Medienminister mit dem Zynismus und den niedrigen Instinkten schwer tut, hat er gerade in einem Buch mitgeteilt. Seine Tragödie ist es, dass er im Gegensatz zu Blocher, über den es mindestens vier Neuerscheinungen gibt, die Bücher über Leuenberger selber schreiben muss und sich der Blick nicht für den Philosophen, sondern mehr für seine Badehose interessiert. Leuenberger ist ihm deswegen noch immer gram. Und er hat deshalb Verständnis für Pieros Amokfahrt geäussert. Natürlich wäre er nicht selber gefahren, er hätte den Chauffeur geschickt! Im Gegensatz zum Blick darf ein Bundesrat satirisch und sogar selbstironisch sein.
Der Verlag wiederum schämt sich so sehr über das, was er dem Medienopfer Piero angetan hat, dass er nicht einmal Klage einreicht. Die letzten harten Burschen, die für den Boulevard taugen und wie einst im Kalten Krieg zwischen Tätern und Opfern zu unterscheiden verstehen, sind wohl wirklich in der SVP zu suchen. Und Blocher wie sein Parteipräsident Maurer in ihren Überzeugungen so standfest, dass sie sich zumindest nicht bei den Chaoten in Bern für die Wahlhilfe vom heissen Wochenende bedanken.
 
 
Jürg Altwegg ist Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Genf.

Sexistische Werbung bleibt heiss umkämpft

Am Dienstag fand im Zürcher Stadthaus ein Workshop der Lauterkeitskommission (LK) zum Thema sexistische Werbung statt. Die Meinungen dazu gingen auseinander: Die Kommission und anwesende Werber wollen keine gesetzliche Regelung, eine Gleichstellungsbeauftragte schon.

 Am Dienstag fand im Zürcher Stadthaus ein Workshop der Lauterkeitskommission (LK) zum Thema sexistische Werbung statt. Die Nationalrätin und Präsidentin der LK Pascale Bruderer erläuterte in ihrer Einleitung die Anliegen, welche sie für die Weiterentwicklung der Lauterkeitskommission für wesentlich hält. Es gelte unter anderem, die Arbeit der Kommission bekannter zu machen und vor allem auch politischen Kreisen klar zu machen, dass die LK nicht einfach eine Gruppe von Werbern, sondern ein Gremium von integren Spezialisten und Fachexperten sei. Wie die LK in einem Bericht über den Workshop weiter schreibt, überbrachte Stadträtin Kathrin Martelli eine Grussbotschaft des Zürcher Stadtrates. Als Hüterin des öffentlichen Raumes plädierte sie zwar für freche und extrovertiere Werbung, diese dürfe aber eine gewisse Grenze nicht überschreiten. Die entsprechende Kontrolltätigkeit funktioniere in Zürich bestens, denn sie werde persönlich nur ganz selten mit Fragen rund um sexistische Werbung konfrontiert.
Der juristische Sekretär der Lauterkeitskommission, Marc Schwenninger, präsentierte einige praktische Fälle, welche demonstrierten, wie eng es bei der Entscheidung werden kann, ob Werbung sexistisch ist oder nicht.
 Schwedische Perspektive Den Blickwinkel eines anderen Landes brachte Jan Fager vom schwedischen Ethikrat ein. Grundsätzlich funktioniert die Selbstkontrolle in Schweden ähnlich wie in der Schweiz, allerdings braucht es keine Beschwerde für eine Intervention, der Ethik Rat wird auch von sich aus aktiv. Das wirkt sich freilich auch quantitativ aus: Im Rekordjahr 2004 hatte das Gremium 740 Fälle zu begutachten. In der Schweiz sind es jeweils ca. 300 Fälle.
Im abschliessenden Podiumsgespräch, an welchem neben Pascale Bruderer, die beiden Werber Thomas Städeli von Wirz Werbung und Pius Walker von der Walker Werbeagentur sowie Dore Heim, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Zürich teilnahmen, kamen kontroverse Meinungen zur Geltung.
Pascale Bruderer will die Arbeit der LK bekannter machen und hat keine Angst, die Kommission mit vermehrter Öffentlichkeitsarbeit Klagen aus der Werbewirtschaft auszusetzen. Sie stellte sich auf den Standpunkt, dass es keine Gesetze brauche, da eine legislatorische Regelung einige Nachteile mit sich bringen könne.
 
Sexistische Werbung als Verschwendung von Werbegeldern Eine politische Regelung lehnt auch der Werber Pius Walker ab, das sei gefährlich, weil man dann sehr viel verbieten müsste, denn letztlich seien die gezeigten Kampagnen mit sexistischem Inhalt lauter Beispiele für schlechte Werbung. Gemäss Walker ist es in erster Linie eine Verschwendung von Werbegeldern. Eine Vorinstanz, welche Werbung zensuriert, würde letztlich Auftraggeber davor schützen, schlechte Werbung zu publizieren, und das könne nicht die Aufgabe des Staates sein.
Dem widersprach Dore Heim, die der Meinung ist, dass es möglich sein müsse, Werbung im öffentlichen Raum zu verbieten, da man dort den Bildern ausgesetzt sei. Es gebe Werbung, die ein Frauenbild transportiere, das schädlich sei. Der Staat habe die Aufgabe, die Diskriminierung eines Geschlechtes zu verhindern. Als absolut problematisch und bedenklich bezeichnete Dore Heim die Werbung in Bauzeitschriften.
Auf die Frage, ob denn für sexistische Werbung eher die Agentur oder der Auftraggeber verantwortlich sind, meinte Thomas Städeli, dass es schon eher die Kunden sind, die Zurückhaltung üben. Letztlich wirkt sich ja auch eine allfällige Sanktion gegen Letzteren und nicht auf die Kreativen aus.
Stossrichtung der Lauterkeitkommission Abschliessend fasste Pascale Bruderer in drei Punkten die Ausrichtung der Lauterkeitskommission zusammen: Erstens sei es wichtig, dass Kinder und Jugendliche besonders geschützt werden.
Zweitens könne man die Konfrontation mit geschlechterdiskriminierender Werbung oder Gewaltdarstellungen nicht mit Verboten von Plakaten begegnen, diese finde in zahlreichen anderen Bereichen und Medien und nicht zuletzt auch in der Familie statt.
Betreffend Übersexualisierung stellt Bruderer drittens fest, dass die Lauterkeitskommission keine Moralinstanz sei, ausserdem gehe man hier von total unterschiedlichen Sensibilitäten aus, welche völlig verschiedene Grenzen ausmachten.
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