Druck Bei Schweizer Zeitungsdruckereien läuft der Laden rund. Viele stossen bereits an Kapazitätsgrenzen.
Besonders fruchtbar scheint derzeit das Klima für Pendler- und Gratiszeitungen zu sein. Sie schiessen wie Pilze aus den Medienhäusern und tragen wesentlich zum Wachstum im Zeitungsmarkt bei. Klagen über mangelnde Auslastung im Zeitungsdruck sind derzeit nicht zu hören. Im Gegenteil, es ist bereits von Kapazitätsengpässen die Rede. Auch kleinere Druckereien nehmen mittlerweile Geld in die Hand, um ihre Drucktechnologie auf Vordermann zu bringen. Eher vorsichtig sind die Prognosen für die Zukunft. Der Preiskampf ist nach wie vor ein Dauerthema. Und auch im benachbarten Ausland könnte der Schweizer Zeitungsmarkt Begehrlichkeiten wecken.
Kaum Auswirkungen auf AbosMit einem Investitionsvolumen von 65 Millionen Franken baut Ringier Print Adligenswil AG seine Marktposition massiv aus. Erneuert wird die Zeitungsproduktion mit Druck und Weiterverarbeitung. So werden vier bestehende Druckmaschinen und Versandanlagen von Ringier durch jeweils drei neue Anlagen sowie zwei Versandanlagen der NLZ ersetzt. Ein Wehrmutstropfen ist der damit verbundene Abbau von 40 Vollzeitstellen. «Die neuen Zeitungsdruckmaschinen haben einen höheren Automatisierungsgrad und der so genannte Postbruch (Kleinfalz) in der Nacht fällt weg», begründet Dominik Hug, Marketing und Verkaufsleiter, Ringier Print Adligenswil AG, den Stellenabbau. Dieser werde zudem nicht von einem Tag auf den anderen vollzogen, sondern gestaffelt bis 2009 umgesetzt. So sind die davon betroffenen Mitarbeitenden bereits Ende Juni informiert worden, dass sie Ende September die Kündigung erhalten, die dann frühestens auf Ende März 2008 wirksam werde. Dass sich der Zeitungsmarkt derzeit im Umbruch befindet, bestätigt auch Hug. In der letzten Zeit wurden eine Reihe neuer Titel lanciert wie .ch oder Cash daily.
Die Zunahme an Gratiszeitungen habe jedoch kaum Auswirkungen auf den Abobereich, sondern vor allem auf den Einzelverkauf, weiss Hug. Viele Leute kaufen ihre Tageszeitung heute nicht mehr am Kiosk, sondern greifen zur Pendlerzeitung, die ihnen auf Bahnhöfen und Bahnsteigen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Generell stellt Hug fest, dass der Schweizer Zeitungsmarkt durch neue Gratistitel, aber auch durch Auflagensteigerung wie bei 20 Minuten, in der letzten Zeit gewachsen ist. Das zeige sich auch beim Verbrauch von Zeitungsdruckpapier.
Engpässe bei NachtkapazitätenTrotz der massiven Investitionen der grossen Medienunternehmen glaubt Hug nicht, dass es zu einer weiteren Bereinigung im Bereich der Zeitungsdruckereien kommen werde. In der Schweiz gibt es noch immer viele Regionalausgaben, die auch in der Region gedruckt werden müssen. Zudem ist der Zeitungsbereich sehr zeitkritisch, das heisst, es braucht Nachtkapazitäten, die nicht unbegrenzt erweiterbar sind. In der letzten Zeit sind immer wieder Engpässe aufgetreten, so dass Medienhäuser ein Outsourcing beim Druck einzelner Titel betreiben mussten. So haben z.B. .ch, das in einer Teilauflage in Vorarlberg gedruckt wird, sowie die Tamedia Nachtkapazitäten gesucht. Eine Konkurrenz im Zeitungsdruck sieht Hug auch in den unmittelbaren Nachbarländern nicht. Dem stehen vor allem zwei Gründe entgegen. So müssen die Nachttitel bereits in den frühen Morgenstunden ausgeliefert werden; die Logistikist deshalb ein wichtiger Faktor. Weite Wege stehen dem entgegen. In Deutschland werden die meisten Zeitungen zudem im so genannten Rheinischen Format gedruckt, auf das auch die Druckmaschinen ausgerichtet sind. «In der Schweiz sind jedoch das Broadsheet-Format sowie das halbe Broadsheet (Tabloid-Format) im Zeitungsbereich üblich», erklärt Hug.
Fremdaufträge für Zeitfenster«Unsere Druckauslastung ist nach wie vor recht hoch», sagt Daniel Ehrat, Leiter Verlag und Marketing, St. Galler Tagblatt AG. 150 Millionen Zeitungen werden im Jahr gedruckt. Das Druckzentrum in St. Gallen mit seinen modernen Produktionsanlagen wurde vor viereinhalb Jahren neu eröffnet, so dass sich gegenwärtig auch kein Investitionsbedarf ergibt. «Die in den letzten Monaten neu lancierten Gratiszeitungen haben keine nennenswerten Auswirkungen auf unsere eigenen Druckobjekte, weil deren Auflagen dadurch kaum zurückgegangen sind.» In St. Gallen wird an sechs Tagen in der Woche das St. Galler Tagblatt mit einer Auflage von ca. 107’000 Exemplaren gedruckt sowie immer dienstags der Anzeiger in einer Auflage von 200’000. Diese beiden Objekte sorgen bereits für eine regelmässige Maschinenauslastung während der Nacht. «Restkapazitäten versuchen wir mit Fremdaufträgen in dem zur Verfügung stehenden Zeitfenster zu füllen, sofern Volumen und Preis stimmen», erklärt Ehrat. «So drucken wir z.B. die Teilauflagen der Coopzeitung, des Tourings usw. für die Ostschweiz.» Ehrat ist überzeugt, dass es in naher Zukunft noch mehr Kooperationen und auch Marktbereinigungen im Zeitungsdruck geben wird.
Einen Grund dafür sieht er im zunehmenden Kostendruck. Die Auslastung ist dabei ein wichtiger Faktor. Eine Verlagerung von Druckkapazitäten ins benachbarte Ausland ist für ihn weniger ein Thema. Der Zeitfaktor und die hohen Logistikkosten stehen dieser Entwicklung eher entgegen.
Am Markt partizipierenDie bestehenden Gratiszeitungen werden auf Ende Jahr weitere Konkurrenz erhalten. Die drei Tageszeitungen Basler Zeitung, Berner Zeitung und Tages-Anzeiger wollen noch in diesem Jahr gemeinsam die neue Pendler-Zeitung News in einer Gesamtauflage von rund 330’000 Exemplaren lancieren. Damit gibts auch wieder mehr Stoff für die Druckmaschinen. Für Christopher Wehrli, Mediensprecher, Espace Media Group, spielt dieser Aspekt keine Rolle. Die Realisation von News ist ein rein verlegerischer Entscheid, bei dem die Auslastung der Druckkapazität nicht ausschlaggebend war. «Pendlerzeitungen entsprechen einem Marktbedürfnis, an dem wir partizipieren möchten, zumal wir mit News einen derzeit noch bestehenden offenen Raum besetzen können. Eine Teilauflage von News wird mit Sicherheit auch in unserem Druckzentrum gedruckt werden», sagt Wehrli. «Investitionen in neue Drucktechnik planen wir derzeit nicht. Mit dem Bau des neuen Druckzentrums hat Espace Media den Sprung in ein neues Druckzeitalter bereits vollzogen und damit auch den notwendigen Technikschub und Kapazitätsausbau realisiert. Derzeit sind es vor allem verschiedene kleinere Medienhäuser, die ihre Druckkapazitäten ausbauen.»
Möglichkeiten für Ausbau«Unsere Druckmaschinen sind sehr gut ausgelastet, Kapazitätserweiterungen aber grundsätzlich möglich», sagt Wehrli. So wurde das Druckzentrum bereits räumlich so konzipiert, dass bei Bedarf ein weiterer Ausbau erfolgen kann. «Bei uns werden eine Vielzahl verschiedener Titel wie Berner Zeitung, inkl. Thuner Tagblatt, Berner Oberländer, Solothurner Tagblatt, Der Bund, Berner Bär, Automobilrevue, Schweizer Bauer, diverse Anzeiger, Kundenpublikationen und regionale Zeitungen sowie Teilauflagen des Migros-Magazins und der Abendzeitung heute gedruckt», beschreibt er das Spektrum. Eine Bereinigung im Zeitungsdruckbereich sieht man bei Espace Media weniger. Ein Thema wird eher der Preiskampf sein, der sich weiter verstärken wird. Damit verbunden könnte auch eine Auslagerung in die Nachbarländer erfolgen. Der Druck der Gratiszeitung .ch in Vorarlberg sei ein Beispiel für eine solche Option.
Sabine Flachsmann
Ringier Print
Adligenswil AG,http://adligenswil.ringierprint.ch
St. Galler Tagblatt AG,
Druckzentrum, Espace Media Druckzentrum,