Guter Rat muss nicht teuer sein

Telefonie Contexta nimmt für Swisscom Mobile die Wahlwerbung aufs Korn. Das Inserat zeigt sechs Nokia-Kandidaten in Hemd und Jackett, mit Krawatte oder Foulard und der über alle Parteien hinweg identischen Wahlparole: «Wählen Sie mich!»

 
Telefonie Contexta nimmt für Swisscom Mobile die Wahlwerbung aufs Korn. 
Fast täglich wartet der Markt mit einem neuen Werbegag für die Vermarktung neuer Handys auf. In England etwa ist kürzlich das erste werbefinanzierte Handy-Angebot für den Anbieter Blyk lanciert worden. Wer bei Blyk unterschreibt, erhält jeden Tag sechs Bildmitteilungen mit Werbung. Im Gegenzug darf der «Abonnent» 43 Minuten gratis telefonieren und 217 SMS verschicken.In einem solchen Umfeld dürfen auch die Schweizer Anbieter nicht bei der guten alten Klassik beim Promoten ihrer Angebote stehen bleiben. Swisscom Mobile zum Beispiel beschreitet solche neuen Wege in der Natel-Preispolitik und lässt die Kunden per SMS darüber abstimmen, welches Mobiltelefon zum unschlagbaren Preis von einem Franken erhältlich sein soll. Zur Auswahl stehen sechs Nokia-Natel. Das Gerät, welches noch bis zum 21. Oktober 2007 am meisten Stimmen erhält, wird ab dem 25. Oktober in allen Swisscom-Shops für einen Franken angeboten.
Die ungewöhnliche Idee braucht auch eine unkonventionelle Kampagne. Die Berner Agentur Contexta nimmt dazu die zeitgleich laufende Nationalrats-Wahlwerbung mit ihrem Einerlei an Köpfen und Aussagen auf die Schippe. 
Wie das eigentliche Angebotsinserat mit dem glücklichen Sieger des SMS-Votings aussehen wird, «kann sich der gewandte Nationalratswahl-Beobachter schon heute vorstellen», verspricht CD Bene Abegglen.
Andreas Panzeri

Max macht mobil

Krankenkassen I Die Neue Lgk aus Bern und Zürich wirbt mit strenger Hand für den Trainer Max der Online-Versicherung KPT.

 
Krankenkassen I Die Neue Lgk aus Bern und Zürich wirbt mit strenger Hand für den Trainer Max der Online-Versicherung KPT. 
Mit unkonventioneller Werbung sucht die Online-Versicherung KPT zur Zeit neue Kunden für ihre Krankenkasse. Bereits haben sich rund 70’000 Interessierte zum «Training» mit Trainer Max angemeldet. Die schrägen Plakate, völlig abseits einer gängigen Kommunikation für Krankenkassen, werden damit im Zeitalter der viralen und crossmedialen Werbung offensichtlich verstanden. Gemeinsam mit der KPT entwickelte die Neue Lgk unter CD André Benker ein Crossmedia-Konzept, welches der Versicherung erlaubt, ihre Online-Kompetenz auf spielerische Art unter Beweis zu stellen. Kern dieser Crossmedia-Kampagne ist www.einzeltraining.ch, eine eigenständige Microsite, die zum Ziel hat, Schweizerinnen und Schweizer gesund und fit zu halten. Darauf finden sich 250 Videomodule mit Trainer Max. Diese wie auch ein TV-Spot zur Kampagne sind von Solid & Hallerfilm unter der Regie von Rainer Binz realisiert worden. Für die technische Umsetzung zeichnet Netvertising aus Zürich verantwortlich.
Wer möchte, kann nun auf einzeltraining.ch kostenlos etwas für die Fitness und Gesundheit tun. Trainer Max stellt jedem ein individuelles, massgeschneidertes Fitness-Programm zusammen und begleitet durch das ganze Training. Man wird von Trainer Max mit Namen begrüsst und regelmässig per Mail daran erinnert, keine Trainingseinheit zu verpassen. Das Trainingsprogramm wurde in Zusammenarbeit mit Sportmedizinern aus Berlin entwickelt. Die Stiftung Warentest verlieh dem zugrunde liegenden Trainings-Tool unlängst das Prädikat «uneingeschränkt empfehlenswert».
Damit möglichst viele mit Trainer Max trainieren möchten, wird er landesweit mit Plakaten, einem TV-Spot, Busplakaten, Bannern und vielem mehr vorgestellt und eingeführt.
Die KPT ist die führende Online-Krankenversicherung der Schweiz. Über 100’000 Kundinnen und Kunden kommunizieren bereits online mit der KPT Versicherung. Man darf gespannt sein, wie viele der 70’000 Fitnesswilligen, die sich bisher kostenlos vom bösen Trainer Max schlauchen lassen, in Zukunft auch noch zu echten Kunden der KPT werden.
Andreas Panzeri

Mit dieser Kasse ist gut lachen

Krankenkassen II Die Agentur am Flughafen hat für die Gesundheitskasse Provita die medizinische Wirkung des Lachens neu entdeckt.

 
Krankenkassen II Die Agentur am Flughafen hat für die Gesundheitskasse Provita die medizinische Wirkung des Lachens neu entdeckt. 
Die Gesundheitskasse Provita will wachsen. Und zwar überdurchschnittlich. Doch dazu muss die Krankenkasse erst einmal ihren Bekanntheitsgrad massiv ausbauen. Der unabhängige Internetvergleichsdienst comparis.ch hat die Provita Gesundheitsversicherung nun zum zweiten Mal zur «kundenfreundlichsten Krankenkasse der Schweiz» gekürt. Für die Agentur am Flughafen natürlich ein guter Grund, die Auszeichnung auch zum wichtigsten Argument für eine neue Kampagne zu machen. 30 Sekunden lachenDie Flieger aus Altenrhein haben dazu einen TV-Spot entwickelt, bei welchem Menschen in den Mittelpunkt stehen, die gerne mal ein Lachen verschenken. «Lachen ist erwiesenermassen gesund», meint CD René Eugster. Und als «kundenfreundlichste Krankenkasse der Schweiz» verschenkt Provita mit ihrem neuen TV-Spot der gesamten Deutschschweiz täglich mehrmals ein 30 Sekunden dauerndes Lachen.
Der Film ist von Wirz & Fraefel unter der Regie von Tobias Weber realisiert worden. Er wird aktuell auf SF1 und SF2 ausgestrahlt. Ob der Presenter danach mit seinen Lachseminaren in der Schweiz auch noch eine Tour durch die «Säli» in Stadt und Land nachschieben wird, bleibt vorderhand offen.
Die Provita Gesundheitsversicherung ist 1997 aus der ehemaligen Betriebskrankenkasse der Firma Sulzer hervorgegangen. Zu diesem Zeitpunkt gehörte sie eher zu den kleinen Krankenkassen der Schweiz. Unterdessen gehört die Provita mit knapp 60’000 Versicherten zu den mitgliederstärksten 20 Kassen unseres Landes. Die Ziele sind ehrgeizig: Provita will wachsen und sich in den ländlichen Gebieten der gesamten Deutschschweiz etablieren.
Marke wird gestärktDie Agentur am Flughafen in Altenrhein kommuniziert schon seit vier Jahren für die in Winterthur ansässige Gesundheitsversicherung. Nachdem in den ersten Jahren der Zusammenarbeit mehr oder weniger aktionsartig kommuniziert werden musste, sollen nun klare Leitplanken den kommunikativen Weg für die Zukunft weisen und aus dem guten Namen Provita eine unverwechselbare Marke – eben «die kundenfreundlichste Krankenkasse der Schweiz» – gemacht werden, wie Marketingleiter Herbert Strasser meint.
Natürlich setzt die Versicherung auch intern alles daran, diese Stärke auszubauen, um weiterhin die freundlichste Kasse der Schweiz zu bleiben, wie Enrico Giovanoli als Delegierter des Verwaltungsrates verspricht.
Andreas Panzeri

Geschäftsmodelle für Zeitungsverlage des Artikels

Veranstaltung Am 25. und 26. Oktober werden in Lissabon die Resultate aus Ifras «Where News?» vorgestellt. Die Konferenz stellt die Verbindung zwischen Forschung und Zukunft her.

 
Veranstaltung Am 25. und 26. Oktober werden in Lissabon die Resultate aus Ifras «Where News?» vorgestellt. 
Die Ifra ist die führende Organisation für Zeitungsverlage und Medienhäuser mit zehn Standorten in aller Welt. Anlässlich ihrer Konferenz «Geschäftsmodelle für die Zukunft», die am 25. und 26. Oktober 2007 in Lissabon stattfindet, werden die Ergebnisse von Ifras «Where News?»-Forschungsinitiative einem breiten Publikum vorgestellt. Ziel des Projektes ist, Veränderungen der Mediennutzung für die nächsten Jahre zu ermitteln und damit Hilfestellungen bei der Entwicklung von Geschäftsstrategien zu geben. Aus den identifizierten Einflussfaktoren werden Szenarien entwickelt und mögliche zukünftige Situationen konkret beschrieben. Zukunft meint in diesem Fall eine in fünf Jahren höchstwahrscheinliche Situation. Die Prognosen werden anhand von Analysen der Entwicklung von gesellschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen in gesättigten Zeitungsmärkten getroffen. Wegweiser Richtung ZukunftDie Konferenz stellt in einem zweiten Schritt die Verbindung zwischen Forschung und Zukunft einerseits sowie Aktualität der Medienindustrie andererseits her. Sie bietet zum einen Wegweiser und Werkzeugkasten für die Entwicklung der Zukunft und präsentiert zum anderen Lösungen, die Kollegen bereits heute gefunden haben. So erläutern Referenten aus Unternehmen wie Agora, Chicago Tribune, Le Figaro, Jordan United Press, Wegener oder Yahoo, wie sie bereits erfolgreich die Weichen auf Zukunft gestellt haben. Durch die beiden Tage führt Niko Ruokosuo, Präsident von Sanoma Kaupunkilehdet aus Finnland. Er steht heute an vorderster Front einer der sich am schnellsten entwickelnden Bereiche der Branche, den Gratiszeitungen.
Sabine Flachsmann
 

 
 
Ifra-Konferenz: «Geschäftsmodelle für Zeitungsverlage» Datum:
25. und 26. Oktober 2007 in LissabonIfra ist die führende Organisation
für Zeitungsverlage und Medienhäuser mit zehn Standorten in aller Welt. Seit 1961 ist der Verband mit Hauptsitz in Darmstadt die Plattform für Entscheider aus der Zeitungsindustrie. Ein aus Verlegern zusammengesetzter Vorstand sowie zentrale, regionale und fachliche Mitgliederkomitees lenken die Verbandsarbeit. Die Fachzeitschrift zeitungstechnik erscheint monatlich in fünf Sprachen (www.ifra-nt.com). Die jährlich in europäischen Grossstädten veranstaltete Messe IfraExpo gilt als die weltweit wichtigste Fachausstellung für Zeitungsunternehmen und deren Partner.

Mediaxis gewinnt Lindt & Sprüngli

Lindt & Sprüngli Schweiz vertraut seine Media-Aktivitäten der im Jahr 2000 gegründeten Agentur Mediaxis aus Schlieren an.

Lindt & Sprüngli Schweiz vertraut seine Media-Aktivitäten der im Jahr 2000 gegründeten Agentur Mediaxis aus Schlieren an.Der Zuschlag von Lindt & Sprüngli ist bereits der zweite gewichtige Zuwachs innert Kürze für Mediaxis. Erst im Juli dieses Jahres vermeldete die derzeit 15 Mitarbeiter beschäftigende Agentur den Gewinn des Reinigungsmittelunternehmens Reckitt-Benckiser.

Preiserhöhungen

Druck Sun Chemical, der weltweit grösste Hersteller von Druckfarben und Pigmenten, hat für Europa Preiserhöhungen angekündigt. Je nach Produkt ist mit 6 bis 12 Prozent zu rechnen.

 
Druck Sun Chemical, der weltweit grösste Hersteller von Druckfarben und Pigmenten, hat für Europa Preiserhöhungen angekündigt. Je nach Produkt ist mit 6 bis 12 Prozent zu rechnen. Das Unternehmen begründet seine Entscheidung mit dem anhaltenden und schnellen Anstieg der Rohstoffpreise sowie der Knappheit wichtiger Eingangsstoffe für die Herstellung von Pigmenten. Die Preissteigerungen werden zum 1. November 2007 in Kraft treten und das komplette Portfolio in allen Marktsegmenten betreffen, in dem das Unternehmen agiert.

Huckepack zum Leser

Etiketten Ein innovatives Etiketten-System wird derzeit im Schweizer Markt eingeführt. Die Zeitschrift in der Etikette wird mit 8 bis 32 Seiten angeboten.

 
Etiketten Ein innovatives Etiketten-System wird derzeit im Schweizer Markt eingeführt. 
Die Firma On Product Publishing lanciert in der Schweiz die «Zeitschrift auf der Verpackung». Das neuartige Werbe- und Informationsmittel wurde vor zwei Jahren in Australien konzipiert. Dabei werden Synergien aus den gemeinsamen Distributionswegen von Getränken und Zeitschriften genutzt. Die Idee hatte eine australische Studentin, die damit ihre eigene Lifestyle-Zeitschrift iLove als Flaschenpost auf Mineralwasserflaschen lancierte. Inzwischen erscheint die 32-seitige Zeitschrift iLove sechsmal im Monat und hat bereits eine Auflage von über 150’000 pro Ausgabe. Das freut auch den Mineralwasserhersteller, der deutlich höhere Absätze verzeichnet.Zeitschrift in der EtiketteDas System ist dabei denkbar einfach: Eine Publikation wird in eine Etikette integriert, die problemlos auf verschiedenen Produkten angebracht und von den Konsumenten vollständig herausgenommen werden kann. Neu bei der Zeitschrift auf der Verpackung ist, dass sie in unterschiedlichen Formaten und mit 8 bis 32 Seiten angeboten wird. Weil sie auf allen Arten von Verpackungen angebracht werden kann, ist auch eine individuelle und zielgruppenspezifische Gestaltung möglich.
On Product Publishing hat heute das Weltpatent auf die Herstellung der Etiketten mit integrierter Zeitschrift. Diese werden in Kooperation mit der britischen Firma Fix-a-Form International Ltd. hergestellt und auf Rollen angeliefert. Die Anbringung erfolgt mit handelsüblichen Etikettiermaschinen. Zu den Kunden von On Product Publishing zählen u.a. die Getränkehersteller Coca Cola und die belgische Mode- und Trendzeitschrift GLAM*IT. In der Schweiz erscheint die erste «Zeitschrift auf der Verpackung» in diesen Tagen auf den 4×1 Liter Milchpackungen von Tetra Pak. Sie informiert über die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Herstellung von Getränkekartons.
Sabine Flachsmann
 

Complecta weitet Engagement in virtueller Welt aus

Seit Juni erforscht die Agentur Complecta das Marketing- und Kommunikationspotenzial der virtuellen Welt Second Life. Nun weitet sie ihr Engagement aus.

Seit Juni erforscht die St. Galler Kommunikationsagentur Complecta das Marketing- und Kommunikationspotenzial der virtuellen Welt Second Life (siehe  ). Bereits nach kurzer Zeit habe Complecta auf ein Netzwerk verschiedenster Schweizer Second Life-Unternehmer zurückgreifen können, und auch das Blog erfreue sich einer wachsenden Leserschaft, heisst es in einer Mitteilung.Das Blog und das gute Netzwerk waren dann gemäss Mitteilung auch die ausschlaggebenden Faktoren für die Ausweitung des Engagements in der virtuellen Welt. Die neue Form von Public Relations bestehe vor allem darin, in der realen Welt das Interesse für die virtuelle Plattform zu wecken, so Grob in der Mitteilung. Wären es zu Beginn kleinere Aufträge gewesen, zählten mittlerweile renommierte Unternehmen wie die Winterthurer Medienagentur Konnex oder das Finance Forum Zürich zur Kundschaft der Complecta, heisst es in der Mitteilung weiter.
Zur Zeit wird am virtuellen Office der Agentur gebaut. Schon bald soll die PR-Agentur in Second Life offiziell eröffnet werden.

Kultur des Online-Kommentars steckt in Kinderschuhen

Probleme bei der Benutzerfreundlichkeit verhindern nach wie vor das Entstehen einer lebendigen Online-Kommentarkultur in der Schweiz. Dies ergab eine von der Netzwoche in Auftrag gegebene und von Zeix-Partner Peter Hogenkamp durchgeführte Studie.

Probleme bei der Benutzerfreundlichkeit verhindern nach wie vor das Entstehen einer lebendigen Online-Kommentarkultur in der Schweiz. Dies ergab eine von der Netzwoche in Auftrag gegebene und von Zeix-Partner Peter Hogenkamp durchgeführte Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass die konkrete Umsetzung in den Kinderschuhen steckt, wie die Netzwoche am Mittwoch berichtete. Einzig NZZ Online erlaube mittlerweile das Kommentieren jeden Artikels. Von einem produktiven Umgang mit den so erhaltenen Inhalten könne aber nicht die Rede sein. Vielleicht liege dies auch an der unveränderten Einstellung im Mediengeschäft gegenüber nichtjournalistisch produzierten Inhalten, ist in der Netzwoche weiter zu lesen. Ein weiteres Problem sei, dass anscheinend gerade junge Leute keine Lust hätten, sich zu politischen Themen im Netz zu äussern.

Smells Like Green Spirit

Kolumne Grün ist die Farbe der Hoffnung, auch in der Werbung. Mit immer dreisterem Greenwashing versuchen mittlerweile ganze Branchen, ihre Reputation und Umsätze zu retten. Das aber riechen Umweltorganisationen und kritische Konsumenten schon von weitem und fordern rechtliche Konsequenzen.

 
Kolumne Grün ist die Farbe der Hoffnung, auch in der Werbung. Mit immer dreisterem Greenwashing versuchen mittlerweile ganze Branchen, ihre Reputation und Umsätze zu retten. Das aber riechen Umweltorganisationen und kritische Konsumenten schon von Weitem und fordern rechtliche Konsequenzen. 
Andreas Beinat, «Marketingleiter aus Baden-Dättwil» und damit offenbar Repräsentant des trendbewussten Durchschnittsschweizers, fährt gerne Auto. Und überdies mit gutem Gewissen. Denn «moderne Motorentechnik reduziert mehr als 95 Prozent der Schadstoffe», erzählt er begeistert im aktuellen NZZ Folio, das sich dem «Auto der Zukunft» widmet und im Untertitel behauptet, «eine Branche bewegt sich».Was sich zweifellos bewegt, sind durch Klimakrise und wachsendes Ökobewusstsein in die Bredouille geratene Inserenten – inhaltlich häufig in Richtung irreführender Botschaften und strategisch bevorzugt in Sonderausgaben zu Umweltthemen. Mit über zehn Seiten begrünter Produkt- und Imagewerbung ist die Oktober-Nummer des Folio so gesehen ein vom Mutterverlag clever getarntes «Green Issue». Losgetreten hat diesen Zeitschriftentrend, auf den jüngst selbst politisch gänzlich unverdächtige Heftli wie Annabelle aufgesprungen sind, übrigens ausgerechnet das amerikanische Vanity Fair, was übersetzt ja nicht anderes als «Jahrmarkt der Eitelkeiten» heisst.
Doch zurück zu Herrn Beinat. Seine postpubertäre «Freude am Fahren» bezeugt er natürlich nicht im redaktionellen Teil und – trotz täuschend ähnlichem Claim – auch nicht in einer BMW-Kampagne. (Die Bayern kokettieren im besagten Folio stattdessen auf einer Panoramaseite, aus dem All betrachtet sei die Erde weiss und blau wie ihr Logo.) Der so harmlose wie gut gelaunte Biedermann wirbt vielmehr für Cleverunterwegs.ch, eine konzertierte «Informationsplattform» der Schweizer Autoimporteure. Was man sonst in diversen Wir-haben-die-Zeichen-der-Zeit-erkannt-Sujets der Mitglieder zusammensuchen muss, findet sich dort auf einen Blick: Das gesamte Branchenarsenal windelweicher Argumente, warum freie Bürger dank Fortschritten bei der Emissionsminimierung getrost weiter freie Fahrt fordern können und praktizieren sollen.
Für kommerzielle Kommunikatoren sind der Klimawandel in der Autobranche und speziell diese Kampagne wohl lediglich Beispiele eines etwas plumpen «Cause Related Marketing». Für Umweltorganisationen indes erfüllt solche Ökopornographie den Tatbestand der gezielten Desinformation und sollte juristisch einklagbar sein. Entsprechende Abklärungen sind denn auch vielerorts im Gange: In Brüssel etwa läuft eine EU-Untersuchung gegen ExxonMobil (www.exxon-files.eu), das weltweit umsatzstärkste Unternehmen. Und Greenpeace Schweiz hat kürzlich die Lauterkeitskommission angerufen wegen einer millionenschweren Kampagne der Erdölvereinigung, die suggeriert, Ölkonsum sei klimafreundlich.
Angesichts der (durch den Friedensnobelpreis nochmals unterstrichenen) Dimension und Dringlichkeit des Problems sind zahnlose Selbstregulationsgremien der Werbebranche aber heillos überfordert. Was es braucht, sind harte, rechtsverbindliche Sanktionen gegen all jene Auftraggeber und Agenturen, die wissentlich umwelt- und klimarelevante Fehlinformationen verbreiten. Zugleich muss ein Konzern, der wirklich verantwortungsvoll mit Ressourcen und Emissionen umgeht, diesen Wettbewerbsvorteil weiter kommunizieren dürfen.
Denn die Antwort auf Ökopornografie liegt nicht in der Errichtung einer Ökodiktatur. Der Staat muss schamloses Greenwashing bloss als solches kenntlich und einklagbar machen, dann folgen gesellschaftliche Ächtung und Kaufboykotte wie von selbst.
Oliver Classen ist Pressesprecher der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern (EvB) und arbeitete zuvor als Medienjournalist.

Swiss Star

Wettbewerb Das Schweizerische Verpackungsinstitut SVI verleiht jährlich den Verpackungspreis Swiss Star. Die Auszeichnung geht an Firmen, die durchdachte Lösungen auf den Markt bringen.

 
Wettbewerb Das Schweizerische Verpackungsinstitut SVI verleiht jährlich den Verpackungspreis Swiss Star. Die Auszeichnung geht an Firmen, die durchdachte Lösungen auf den Markt bringen. Die Bewertung erfolgt nach den Kriterien Schutz, Logistik, Marketing, Ökonomie, Ökologie und Design. Zur diesjährigen Ausschreibung wurden 34 Verpackungen eingereicht. Davon hat die Jury 14 nominiert. Die Preisverleihung findet am 25. Oktober in Zürich statt. Parallel zum Swiss Star können die Konsumenten über E-Voting ihre Lieblingsverpackung auswählen.

Der kalibrierte Denker

Für Chefredaktor Philippe Pfister vom neuen Pendlerblatt News ist der Name Programm. Dabei lässt er sich von der Tatsache nicht beunruhigen, dass die neue Gratiszeitung als vorerst letzter Nachzügler erst im Dezember auf den Markt kommt.

 
Für Chefredaktor Philippe Pfister vom neuen Pendlerblatt News ist der Name Programm. Die Konkurrenz beunruhigt ihn nicht, und bis zum Start im Dezember wird er noch viele Trockenübungen durchführen.  
Nicht viele Journalisten können eine völlig neue Zeitung von 0 auf 100 bringen. «Diese Herausforderung ist der spannendste Augenblick meiner bisherigen Karriere», sagt Philippe Pfister. Bis jetzt war der News-Chefredaktor vor allem als Blattmacher tätig. Er hat «Nachrichtenflüsse beobachtet, Stories eingeschätzt, mit Leuten Geschichten entwickelt, Schlagzeilen getextet». Jetzt darf er «alle Facetten eines Zeitungsprojekts hautnah miterleben». Dies stelle ihn täglich vor neue spannende Fragen. Diese Woche beispielsweise hat er erstmals eine Werbekampagne beurteilt, die er als Chefredaktor mitbegleiten darf, um das Image und die Identität seines neuen Blattes richtig zu vermitteln.
In der Redaktion, wo die Schlüsselstellen besetzt sind, trifft sich Philippe Pfister knapp zwei Monate vor dem Start täglich zum Entwickeln neuer Ideen. Mit im Kernteam sind Christian Maurer als Blattmacher (zuvor Blattmacher beim Tages-Anzeiger), Stefan Regez (Ex-Chefredaktor Jungfrau Zeitung) als Nachrichtenchef, Rolf Hürzeler (Facts) als Kulturchef, Ruth Cipriani (Facts) als Fotochefin und Tobias Schär (SonntagsZeitung) als Art Director. «Wir reden über Leute, technische Rahmenbedingen und Ablaufspläne», erklärt Pfister. Natürlich wird die Nachrichtenlage kreativ analysiert: «Wie würde News das machen? Welche Schlagzeile würden wir formulieren? Was käme auf die Front?»
Mit solchen «Trockenübungen» will Pfister einen eigenen Redaktionsstil entwickeln, der eine eigenständige Form der Newsvermittlung hervorbringen soll. «Dieses tägliche Abmischen und Aufmachen wird in den nächsten Wochen zu einigen Nullnummern führen, bevor wir Anfang Dezember scharf los gehen.»
Ein Tag der Wahrheit, der bei einigen schlaflose Nächte mit sich bringt? «Viele Beobachter glauben, dass wir gebannt auf die Konkurrenz schielen. Aber dem ist nicht so», meint der News-Chef auf die Frage, ob es ihn belaste, dass er nun als (vorläufig) letzter «Nachzügler» in das bereits heiss laufende Rennen der Gratiszeitungen eingreifen müsse.
Natürlich sei .ch ein weiterer Anstoss für Tamedia gewesen, den Bereich Gratis-Pendlerzeitungen auszubauen. «Aber das gab nicht den Ausschlag. In unserem Hause war seit langem klar, dass neben 20 Minuten eine zweite Zeitung Platz hat.»
Und die interne Konkurrenz? Ist es überhaupt möglich, zwischen den beteiligten Partnerzeitungen (Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, Berner Zeitung) einerseits und 20 Minuten andererseits eine journalistisch echt eigenständige Linie zu finden?
Wer die in den noch halbleeren Redaktionsräumen herumliegende Nullnummer betrachtet, wagt die Frage mit «Ja» zu beantworten.
News: Das ist ein neugierig machendes Design und ein Konzept, bei dem der Name Programm sein soll. «Wir machen drei Dinge: erstens News, zweitens News, drittens News. Das mag auf den ersten Blick banal erscheinen. Aber wir glauben, dass Pendlerinnen und Pendler am liebsten mit griffigen, kurzen und auf den Punkt geschriebenen News beliefert werden wollen», findet Pfister. Mit einem extrem fokussierten Blatt, bei dem «die relevanten News absolut im Zentrum stehen», könne man die «Konkurrenz auf dem absolut wichtigsten Feld für eine Zeitung schlagen».
Dazu wird News mehr als bereits bekannte Agenturmeldungen bringen müssen. «Umschreiben, andere Aspekte reinbringen, nachrecherchieren, ein Interview dazu stellen», sind für Pfister weiterführende Möglichkeiten. Dazu will News eigene News generieren. «Wir wollen mit unserem Blatt auch mal die Schlagzeilen der anderen bestimmen.» Eine Ambition, die Pfister nicht als zu hoch gegriffen erscheint, denn er ist überzeugt: «Nach dem kommerziellen Erfolg der Gratiszeitungen wird die Publizistik diesem Trend folgen. Wenn wir in vier Jahren vor nationalen Wahlen stehen, werden Gratismedien stärker als heute entscheidende Geschichten lancieren, die in die politische Arena einfliessen.»
Pfister sieht bei den Pendlerzeitungen eine ähnliche Entwicklung wie beim Handy voraus. «Vor zehn Jahren hätte niemand gedacht, wie umfassend die Mobilkommunikation in alle Kapillaren des Lebens eindringt.» Ob die abonnierten Zeitungen dabei ein ähnliches Schicksal wie der Festnetz-Anschluss ereilen wird, kommentiert Pfister vorerst nur mit einem Lächeln. Sicher sei, dass mit dem Erfolg von 20 Minuten die «publizistischen Möglichkeiten noch nicht ausgereizt sind. Der Pendlerzeitungsmarkt ist ein unglaublich interessantes Feld, um Zeitungsideen zu entwickeln, Nachrichten unter die Leute zu bringen und Geschichten in neuer Form zu lancieren. 20 Minuten macht dies vor und hat schon viel ausprobiert. Wir sind aber noch nicht am Ende des Tages angelangt.»
Um eine solch ambitionierte Zeitung zu machen, braucht es entsprechende Leute. Pfister sieht sich mit über 26 Vollstellen gut dotiert. Das sind neun Redaktorinnen und Redaktoren inklusive Chef am News-Desk für die klassischen Ressorts Inland, Ausland, Wirtschaft. Dazu je drei am Kulturdesk und am Sportdesk sowie sieben Leute in der Produktion und zwei in der Fotoredaktion.
Pfister ist «mit der letzten Faser meines Engagements» überzeugt von seiner neuen Aufgabe. Als er im Juli die ersten Entwürfe gesehen hat, stand News als provisorischer Titel auf einer Frontseite. Pfister meinte: «Wenn ihr das so macht, dann nehme ich die Herausforderung an. News muss darüber stehen, und News müssen im Blatt stehen. Damit kann man die Leute am Morgen abholen.»
Die Erkenntnis ist nicht erst seit diesem publizistisch heissen Sommer gereift. Bereits mit 17 Jahren wollte Philippe Pfister als Gymnasiast in Sursee Journalist werden. Den Eltern hat das weniger gefallen. Man schickte den Sprössling zum Berufsberater. Als dieser «Kulturingenieur» seriöser fand, winkte Pfister ab und entschied sich für ein Studium der Mikro- und Molekularbiologie. «Ich war stark an Naturwissenschaften interessiert und wäre mit der Einschätzung der kommenden Entwicklung sicher richtig gelegen.» Nach zwei Semestern «im weissen Kittel und mit der Schutzbrille auf dem Kopf», stellte er fest, dass es doch lieber journalistische Texte sein müssen. Er schrieb sich in den Fächern Geschichte und Publizistik ein, war parallel zum Studium als Freelancer beim Willisauer Boten und beim Luzerner Vaterland tätig und finanzierte sich schliesslich seine Unizeit als Rewriter beim Blick. «Meldungen umschreiben, Geschichten auf den Punkt bringen, das ging mir in Fleisch und Blut über.»
Nach dreieinhalb Jahren war Pfister Profi genug, um das Aussenbüro der Luzerner Neusten Nachrichten in Sursee zu leiten. 1992, nach dem Abschluss des Studiums, zog es ihn zum Blick zurück, bis er 1999 zu Tamedia wechselte. Reporter bei der SonntagsZeitung, Ressortleiter des Multimedia-Bundes und die letzten fast sechs Jahre als Nachrichtenchef waren hier die Stationen, bevor er im Januar 2007 in die Chefredaktion von Facts berufen wurde.
Und die News aus seinem persönlichen Umfeld: Philippe Pfister will im kommenden Jahr «im gesegneten Alter von 45» heiraten, hat in Adligenswil LU ein Haus gekauft und absolviert ein Nachdiplomstudium, das sich mit «Philosophie und Management» beschäftigt. Das Lesen von Philosophie – früher Nietzsche, heute Blumenberg –  ist für den News-Junkie ein «absolut notwendiger Ausgleich, um immer wieder das Denken zu kalibrieren». Aus der Welt der Kurzatmigkeit herauskommen und reflektieren – das werde sicher nicht ohne Auswirkungen auf die Auswahl der News in News bleiben. Dazu läuft Pfister gerne Marathon. Den New Yorker im November will er diesmal auslassen. Er wird auch ohne dieses Rennen seine Ausdauer unter Beweis stellen können.
Andreas Panzeri
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