Der Angriff mit einer auflagenstarken Mittelland-Ausgabe von News, dem neuen Gratistitel von Tamedia, Espace und Basler Medien, gegen die Mittelland Zeitung macht im Aargau keine Freude. AZ-Verleger Peter Wanner zeigt sich im Gespräch mit der Werbewoche über den Wortbruch der Zürcher enttäuscht und prüft Gegenmassnahmen.
Eine eigenständige Mittellandausgabe von News wurde soeben angekündigt. Wie wollen Sie auf diesen Angriff reagieren? Es ist tatsächlich ein Angriff auf die Mittelland Zeitung, de facto eine Kriegserklärung an die gesamte AZ Medien Gruppe. Eine Entscheidung haben wir noch nicht gefällt. Ich bin aber besonders enttäuscht über den Wortbruch der Tamedia. Wir hatten einmal ein Gentlemen Agreement, wonach Tamedia nicht in den Aargau kommt, beziehungsweise wir nicht nach Zürich gehen. Das gilt jetzt offensichtlich nicht mehr.
Das bezog sich aber hauptsächlich auf die Verständigung darüber, dass der Tages-Anzeiger im Limmattal keine Splitausgabe lanciert? Nein, nicht nur. Ich hatte mit Herrn Coninx und Herrn Kall Gespräche geführt, die sich zwar auf den Tages-Anzeiger bezogen. Klar jedoch ist, dass es keine Rolle spielt, ob der Angriff durch eine Tagi- oder durch eine News-Ausgabe geschieht.
Der Angriff ist massiv. Die Auflage von News Mittelland ist mit 132’000 Exemplaren höher als jene für Zürich. Deshalb rede ich auch von einer Kriegserklärung. Tamedia hat ja gross angekündigt, eine zweite Gratiszeitung für Zürich, Bern und Basel zu lancieren. Jetzt geht gegen die Hälfte der Auflage ins Mittelland. Das einzig Positive ist, dass den drei Verlagen offenbar klar geworden ist : Werbeplanung ohne das Mittelland geht nicht . Das Produkt halten wir jedoch für überflüssig, weil es publizistisch gesehen keinen Sinn macht, sondern als reines Produkt mit einer Schädigungsidee im Werbemarkt verbunden ist – in zweifacher Hinsicht: Man will das neue Gratisblatt .ch «bodigen» und man will zweitens der Mittelland Zeitung Schaden zufügen .
Dass Sie diese Entwicklung nicht einfach tatenlos abwarten können, ist wohl klar. Doch welche Optionen gibt es? Es existiert eine Reihe von konkreten Ideen, die schon sehr weit fortgeschritten sind. Wir wollen diese aber noch intern und vor allem mit unseren Partnern der Mittelland Zeitung in Zofingen, Olten, Solothurn und Baselland diskutieren. Wenn wir uns geeinigt haben, werden wir das voraussichtlich Ende Jahr oder im kommenden Januar bekannt geben.
Man wird mit einem Printprodukt aus dem Hause Wanner rechnen können? Sagen wir es so: Man wird mit einer Reaktion aus unserem Hause rechnen können.
Die sich um Ihr Haus gruppierende Macht ist auch im nationalen Anzeigenkombi Metropool vereint. Wäre die Beteiligung der Mittelland Zeitung eine Option? Nein, da wurden wir nie gefragt. Wir sind jetzt in der Rolle des David gegen Goliath. Diese Rolle gefällt mir eigentlich gut und der Angriff weckt meine Kampfeslust.
Tun Sie das im Alleingang? Oder mit Hilfe der PubliGroupe? Unsere Verbündeten sind die Verleger der Mittelland Zeitung. Würden wir ein Produkt lancieren, dann wäre die Rolle der P jene des Vermarkters. Soweit sind wir aber noch nicht, denn wir möchten natürlich zuerst unsere Partner ins Boot holen. Über weitere Partnerschaften kann man dann in zweiter Linie reden.
Da denkt man sofort an die NZZ-Gruppe. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das werden wir dann genau anschauen.
Interview: René Worni
Siehe auch
Mit Volldampf ins Mittelland
«News» auch im MittellandDie neue Gratiszeitung «News»
der «Basler Zeitung», der «Berner Zeitung» und des «Tagesanzeigers» erscheint ab dem 5. Dezember nicht nur wie angekündigt in den Stammgebieten der drei Blätter, sondern auch im Mittelland in einer Auflage von 132’000 Exemplaren. Mit «News Mittelland» spricht erstmals eine Pendlerzeitung die Leser und Werbekunden in den Kantonen Aargau und Solothurn direkt an. Die Gesamtauflage in allen vier Regionen umfasst 334’000 Exemplare. Die Ausgabe «News Basler Zeitung» wird in einer Auflage von 42’000 Exemplaren in erster Linie in den Kantonen Basel- Stadt und Baselland verteilt. «News Berner Zeitung» (60’000 Exemplare) wird in der Grossregion Bern erhältlich sein. Im Kanton Zürich erscheint «News Tages-Anzeiger» mit einer Auflage von 100’000 Exemplaren.